• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Thau-Wetter

    Der Winter weicht/ der Schnee zuweicht/die Rinnen thränen/
    Der hart-gefrorne Strom/ das Eiß/ beginnt zu gähnen:
    Ach laß/ o harter Mensch/ auch die verstockten Sinnen
    Mit weicher Busse Thränen rinnen!
    Man spürt die warme Lufft der lauhen Mittags-Winde/
    Sie rauschen in der Höh/ und streichen durch die Gründe.
    Der Zorn des Höchsten raucht; ach laß ihn in dich dringen/
    Und dein befelßtes Hertze zwingen!
    Die Erde schwimmt voll Koth/ du voller Missethaten:
    Ach saubere dich bald/ dieweil dir noch zu rathen!
    Bereite Geist und Sinn/ auff daß du kanst im Lentzen
    Für GOTT mit neuer Zierde gläntzen.

    III. Himmelschlüssel oder Geistliche Gedichte 64
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone