Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Cometen-Gedancken/ An. 1664

O Flamme/ von dem Zorn des Höchsten angesteckt/
Zu welcher unsre Schuld hat Stroh und Holtz gegeben/
Du must vor aller Welt am hohen Himmel schweben/
Damit der schnöde Mensch/ vom Sünden-Schlaff erweckt/
Die Strahlen deiner Glutt in Marck und Bein empfinde/
Das Feuer heisser Buß in seiner Seel entzünde.

Es darff Tisifone der schwarzen Fackel nicht/
Die ein verblendter Heyd als schädlich wird erkennen:
Was für ein Feuer soll ins künfftig wieder brennen/
Bezeuget mehr als viel dein dunckel-rothes Licht/
Das so viel Strahlen nicht von seiner Ruthe spreitet/
So viel uns Ach und Weh die Nemesis bereitet.

Die Nemesis/ die sich nicht eh zu Frieden stellt/
Biß daß sich Blutt und Safft aus unsern Adern zehret/
Biß Krieg/ biß Brand und Pest/ Dorff/ Stadt und Land verheeret/
Biß Staub und Asch und Grauß bedecket alle Welt/
Biß dieser rundte Bau vom Feuer auffgefressen/
Und von dem Höchsten selbst Gerichte wird gesessen.

Was Rath ist hier zu thun? Ein Epicurer sagt:
Was scheuen wir die Glutt der ungewissen Flammen
Eh daß sie über Haubt und Hertze schlägt zusammen/
Wofern der Mensch dadurch zur Straffe wird betagt/
Soll er der kurtzen Frist in Ruh und Lust genüssen/
Wo nicht/ was will er sich in eitler Sorge wissen?

Diß aber heist das Oel dem Feuer setzen bey:
Hier muß ein Christen-Hertz auff andre Mittel dencken/
Des Höchsten strengen Zorn und Eyfer abzulencken/
Vor dem der feste Grund der Felsen reist entzwey/
Der über alle Zeit ohn alles Ende währet/
Und nicht wie dieser Stern sich mit der Zeit verzehret.

Die Busse muß allhier das beste Mittel seyn/
Das Gottes strengen Grimm in tieffen Abgrund sencket/
Und in gesaltzner Flutt der Thränen-See erträncket:
Der Rachen führet uns in sichern Hafen ein/
Wenn das geraume Schiff des Himmels und der Erden
Am grossen Tage wird des Feuers Beute werden.

Hier liegt dein armes Volck/ o viel erzürnter Gott!
In wahrer Reu und Leyd für deinem hohen Throne/
Wir bitten: strenger Herr und liebster Vater/ schone/
Verschon und wende weg die angedräute Noth:
Und soll ja unser Leib nach deinem Willen büssen/
So laß die Seele doch sich frey und sicher wissen.