Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Der Husar

1.

Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein herzliebster Schatz;
Sie winkt, mit einem Satz
Ist er da, trara!

Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein Wein; flink! flink!
Säbel blink! Säbel trink!
Trink Blut! trara!

Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein herzliebster Klang,
Sein Leibgesang,
Schlafgesang, trara!

2.

Der leidige Frieden
Hat lang gewährt,
Wir waren geschieden,
Mein gutes Schwert!

Derweil ich gekostet
Im Keller den Wein,
Hingst du verrostet
An der Wand allein.

Von Sorte zu Sorte
Probiert ich den Wein,
Indessen dorrte
Das Blut dir ein.

Ist endlich entglommen
Der heiße Streit,
Mein Schwert, und gekommen
Ist deine Zeit.

Ich gab deiner Klingen
Den blanken Schliff,
Ich lasse dich singen
Den Todespfiff.

Im Pulvernebel
Die Arbeit rauscht,
Wir haben, o Säbel,
Die Freuden getauscht.

Im brausenden Moste,
Mein durstiges Erz,
Betrinke dich, koste
Von Herz zu Herz.

Derweil du gekostet
Das rote Blut,
Ist mir eingerostet
Der Hals vor Glut.

3.

Den grünen Zeigern,
Den roten Wangen,
Den lustigen Geigern
Bin ich nachgegangen
Von Schenk' zu Schenk',
Solang ich denk.

Am Tschako jetzt trag ich
Die grünen Äste,
Rote Wangen, die schlag ich
Den Feinden aufs beste,
Kanonengebrumm
Musiziert herum.

4.

Da liegt der Feinde gestreckte Schar,
Sie liegt in ihrem blutroten Blut;
Wie haut er so scharf, wie haut er so gut,
Der flinke Husar!

Da liegen sie, ha! so bleich und rot,
Es zittern und wanken noch husch! husch!
Ihre Seelen auf seinem Federbusch,
Da liegen sie tot.

Und weiter ruft der Trompetenruf,
Er wischt an die Mähne sein nasses Schwert,
Und weiter springt sein lustiges Pferd
Mit rotem Huf.

Entstanden und Erstdruck 1838.


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