Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Beim Hauch des Morgens und der Mitternächte Schauer
Fühlt' ich die Trauer, daß die Welt hat keine Dauer;

Daß wir am Anfang schon dem End' entgegen gehn,
Und doch am Ende noch beim Anfang immer stehn.

Bald haben wir's verwacht, bald haben wir's verträumt,
Nie säumend Tag und Nacht, das Glück ist stets versäumt.

Wie uns zuschauerhaft vorbeigeht schauerlich
Die Welt undauerhaft, ist wohl bedauerlich.

Wohl zu bedauern sind leichtsinnige Vertrauer,
Die hier ins Lustspiel gehn, und finden das der Trauer.

Und zwei nur sind beglückt, der den kein Trug berückt,
Und der dem es genügt, daß ihn ein Trug beglückt.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 4, 1838, X. 97