Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Die Sterne leuchten auch am Tag, nur siehst du's nicht,
Weil deine Augen ganz erfüllet Sonnenlicht.

Doch wird gesagt, daß man am hellesten Mittag
Aus tiefem Brunnengrund die Sterne sehen mag.

Wer so sich ganz vertieft, der hat sich ganz erhoben,
Ihm leuchtet höhres Licht als von der Sonne droben.

Auch sah ich selbst am Tag die Sterne treten vor,
Als durch Verfinsterung die Sonn' ihr Licht verlor.

Das ist ein plötzliches eingreifendes Geschick,
Das aufthut dem Gemüth ins Ewige den Blick.

Doch der gelinde Weg, wie man am schönsten sieht
Die Stern', ist Nachts wann sich zurück die Sonne zieht.

Sie trösten in der Nacht dein Auge, wenn es wacht,
Und wachen, wenn es schläft, bis neu die Sonne lacht.