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Aas

Aas
Substantiv, n; Aase, Äser, Aases, Aasen, Äsern
[1] toter und meist verwesender Tierkörper / Kadaver, Luder, Tierkadaver, Tierleiche
[2] Fleisch eines toten, verwesenden Tierkörpers / Kadaverfleisch, Moderfleisch, Verwesendes
[3] Fleisch, das zum Anlocken von Tieren ausgelegt wird / Köder, Köderfleisch, Lockmittel
[4] hinterhältige Person, gemeiner
Mensch; insbesondere berlinisch auch als Anrede: Personenbezeichnung mit breiter Bedeutung, als Schimpfwort, misstrauisch-abweisend bis anerkennend[3]
[5] ein Tier, das nicht hört
Wortbildungen: Aasbande, Aasblatter, Aasblume, Aasdach, aasen, aasfarbig, Aasfliege, aasfressend, Aasfresser, Aasgeier, Aasgeruch, Aasgestank, Aasgrube, Aasjäger, Aasjägerei, aasig, Aasinsekt, Aaskäfer, Aasknochen, Aaskopf, Aaskrähe, Aaspocke, Aasrabe, Aasseite, Aasstück, Aastier, Aasvogel, / äsen
dk] ådsel; en] carrion, carcass; fi] haaska; fr] charogne; is] hræit] carogna; la] cadaver; pl] padlina f, ścierwo; pt] cadáver, carniça; se] as; es] cadáver, carroña;

[Wiktionary]

Das Aas, des Aases
plur. die Äser.
1. In die Fäulniß gegangenes Fleisch eines gefallenen Thieres; ohne Plural. Es stinkt wie Aas. S. auch Luder. Luthers Aas vom eßbaren Fleische geschlachteter Thiere ist veraltet, und gehöret vermuthlich auch zu Aß.
2. Ein riechender todter Körper, mit dem Plural; eigentlich nur von Thieren, im verächtlichen Verstande auch von Menschen.


Auf jeder Küste liegen Äser von Barden.
Ebert.

Im gemeinen Leben im verächtlichsten Verstande auch von lebendigen Personen, besonders weiblichen Geschlechtes.Anm. Dieses Wort ist mit dem folgenden Aß, von essen, nicht zu verwechseln, von welchem es sich auch in der gelindern Aussprache des s in der Verlängerung des Wortes unterscheidet. Es lautet schon im 10ten Jahrh. As und Az, bald darauf aber Aweis und Auwesel, von welchen letztern Formen doch noch ungewiß ist, ob sie bloße Verlängerung der ersten sind. 1477 lautete der Plural in Schwaben Osse und in Luthers Bibel die Aase. Der Stammbegriff scheint Fäulniß, Schmutz zu seyn; daher ist noch im Niedersächsischen asig, schmutzig, naß, asen, schmutzige Arbeit verrichten, ingleichen, auf eine ekelhafte Art in etwas herum wühlen, sich zuasen, sich beschmieren

[Adelung]

Das Aaß
Nahrung, Speise, Aaßen, fressen, S. Aß und Aßen.

[Adelung]

Das Aas
des –es, Mz. die Äser.
1) Von essen, ursprünglich Alles, was lebenden Geschöpfen zur Nahrung dient. In dieser Bedeutung wird von den Fischern die Nahrung und Lockspeise der großen Fische Aas und von den Müllern und Beckern der zusammengekehrte Abfall von Mehl (sonst Steinaas) Sau- und Schweinaas genannt. Da die todten Thier- und Menschenkörper andern Thieren auch zur Nahrung dienen, so wurde die Benennung Aas
2) auch auf tote Tier- und Menschenkörper übergetragen.

– – und fand mich – – – – –
– unter zerstümmelten Äsern
Meiner Streitgenossen wieder.
Schubart.

und wälzt die Sklavenäser fort.
Voß.

Besonders and gewöhnlich aber wird es von todten, in Fäulniß übergehenden und dann stinkenden Körpern der Thiere gebraucht. Hieraus entstand
3) die uneigentliche Bedeutung von Aas, nach welcher es überhaupt etwas Stinkendes, Schmuziges, Häßliches bedeutet. In sofern wird in einigen Gegenden jedes Geschwür Aas genannt, und in der Pöbelsprache jede Person, besonders weiblichen Geschlechts, der man die höchste Verachtung bezeigen und die man mit einer niedrigen Benennung belegen will.

[Campe]

Aas, die Leichname gestorbener oder getöteter Tiere, die schnell in Fäulnis übergehen und dadurch nicht nur lästig, sondern auch gesundheitsgefährlich werden können. Früher begnügte man sich, das A. durch den Abdecker (s. d.) einscharren zu lassen; jetzt wird es häufig technisch verwertet. Das Fleisch der Tiere, die nicht an innern Krankheiten eingegangen sind, kann roh oder gekocht an Schweine, Hunde und Geflügel verfüttert werden; Häute, Haare, Klauen und Hörner, Fett, Knochen finden die gewöhnliche Verwendung, Eingeweide und Fleisch werden zu Dünger verarbeitet. Für die Verarbeitung der Kadaver, der Abfälle auf Schlachthöfen etc. hat de la Croix in Antwerpen einen Apparat (Kafilldesinfektor) konstruiert, der durch Rietschel und Henneberg in Deutschland eingeführt wurde. In diesem und ähnlichen Apparaten (Podewils, Hartmann) werden die Massen unter Druck mit Dampf behandelt, und man gewinnt eine Leimmasse (Bonesize), die als Schlichte benutzt wird, außerdem Fett und trocknen Dünger. Nach dem Rinderpest- und Viehseuchengesetz sind die Kadaver bei Milzbrand, Rinderpest, Tollwut, Rotz durch anhaltendes Kochen oder auf chemischem Weg unschädlich zu machen oder nach Begießen mit roher Karbolsäure, Teer oder Petroleum in einer Entfernung von mindestens 30 m von Gebäuden, 3 m von Wegen und Gewässern so tief zu vergraben, daß die Kadaver unter dem Grubenrand mit einer 1 m hohen Erdschicht bedeckt sind. Vgl. Haefcke, Die technische Verwertung von tierischen Kadavern etc. (Wien 1899) und Literatur bei »Abfälle«.

[Meyer 1905]

Aas
n. (Gen. Aases, Pl. Äser)
verwesendes Fleisch; Schimpfwort. Aus ahd. mhd. âs n., dazu mnd. ās, ndl. aas, ags. æs n., altes t-Partizipium (*etto-) von essen, also eigentl. «Speise der Raubtiere und Vögel». Bei Luther mit gleichlautendem Pl., bei Dasypodius 1537 aaß, bei Gueintz 1645 Aas. ABL.
aasen, v.: das Fleisch von dem Felle schaben beim Gerben (bei Frisch 1741); (in etwas a.) in unreinlicher Weise in etwas, z.B. einer Speise, herumwühlen, es vergeuden (norddeutscher, von Heynatz 1775 verzeichneter Ausdruck).

Aas
n. (Gen. Aases; besser Aß zu schreiben)
Viehfutter. Mhd. ahd. âz n. ist allgemeiner «Speise». Dazu asächs.anord. āt n., ags. æt m. «Speise». Dehnstufige Bildung von essen, entspricht abg. jadī f., lit. êdis m. «Speise». Vgl. auch Walde s. v. jejunus. ABL.
aaßen, v.: fressen (vom Wilde). Als weidmänn. Ausdruck bei Jablonski 1721. S. äsen.

[Weigand 1909]

Aas

1) Körper eines todten, in Verwesung übergehenden oder schon übergegangenen Thiers. Die Gesundheitspolizei hat für Entfernung derselben zu sorgen, was in der Regel durch die Wasenmeister (Abdecker) geschieht. Gewisse Käfer u. Raubthiere lieben das Aas als Speise. Nach mosaischem Gesetze machte die Berührung des Aases levitisch unrein (Levit. 1, 39 ff.; 2, 5; 11, 8 ff.; Num. 19, 22.).
Als Sinnbild der Fleischlichkeit in vielen Sagen angewendet zur Bezeichnung des Wessens dessen, was als Wollust scheint. Die Hexen auf dem Blocksberg entdecken zuletzt, daß die köstlichen Speisen, die sie zu essen vermeinten, nur Aas gewesen.

2) In der Gerberei das Fleisch u. Fett an den Häuten.

3) Der Schrot oder der Abfall von geschrotenem Getreide.

[Realencyklopädie 1865]

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