Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Paradiso ─ Canto 11

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Paradies ─ Gesang 11

O sinnlos-leer Bemüh'n der Menschenkinder:
Wie sind doch voller Fehl die Weisheitsschlüsse,
Die erdwärts dich die Flügel schlagen lassen!

Der ging dem Recht, jener den Ärzteregeln
Beflissen nach; der um die Priesterwürde,
Und der um Herrschaft (sei's durch Macht, durch Arglist),

Um Raub der, der um bürgerlich Geschäfte,
Der um die Lust des Fleischs, drin er verhaftet,
Mühte sich ab; der fröhnte gar dem Nichtstun ─

Derweil, all dieser Dinge frei und ledig,
Ich mit Beatricen droben ward im Himmel
Von solcher hohen Herrlichkeit empfangen.

Nachdem ein jeder war zurück zum Punkte
Gekehrt des Zirkels, wo zuvor er schwebte,
Stand er wie auf dem Kerzenstock die Kerze.

Und hört' ich aus dem Innern jener Leuchte,
Die erst zu mir geredet ─ unter Lächeln
Anhebend und zu reinerm Glanz sich wandelnd ─:

»Gleichwie von seinem Strahl ich hehr erschimmre,
So, schauend in das Ewige Licht des Himmels,
Erkenn' ich die Gedanken, die dir keimen!

Du zweifelst; und du wünschst, daß sich erschließe
In also offnen und eingehenden Worten
Die Rede mein, daß deinem Sinn es klar wird,

Wenn erst ich sprach: ›Wo jeder wohl gedeiht‹
Und ›daß kein zweiter sich so hoch erhoben‹ ─
Und hier tut not, daß gut man unterscheide...

Die Vorsicht Gottes, die da lenkt das Weltall
Mit jenem Rat, drin jeder erdgeschaffne
Blick wird geblendet, eh' er taucht zum Grunde,

Sandte ─ daß ihrer Wonn' entgegenwandle
Die Braut desjenigen, der in wehen Schreien
Sich ihr verlobte mit dem heiligen Blute,

Gefestigter in sich und auch ihm treuer ─
Zwei Geistesritter ab zu ihrem Heile,
Die ihr, in dem wie jenem, Führer wären!

Der eine war ganz seraphgleich an Liebe!
Der andre war an Weisheit hier auf Erden
Vom Licht der Cherubim ein Widerschein.

Vom einen werd' ich reden; denn von beiden
Spricht, Einen preisend, man, wen man auch wähle:
Denn Einem Ziel nur galten ihre Werke...

Vom Fluß Tupino bis zum Bach, der abfließt
Vom Hügel, auserseh'n vom seligen Ubald,
Senkt hoch vom Berg sich fruchtbar eine Lehne,

Woher Perugia fühlt so Frost als Hitze
Am Sonnentor; und hinter ihr bejammern
Sein schweres Joch so Gualdo wie Nocera.

Von jener Lehne, wo zumeist an Steilheit
Sie abnimmt, ging der Welt auf eine Sonne,
Wie hier es diese manchmal tut am Ganges:

Drum, wer von diesem Orte dort will reden,
Sag' nicht Ascesi, denn zu wenig sagt' er;
Nein, Morgenland, wenn er will treffend reden!

Noch war sie nicht mehr fern von ihrem Aufgang,
Als sie bereits die Erde ließ empfinden
Von ihrer großen Kraft etwelche Stärkung:

Denn solcher Frau zulieb bekam der Jüngling
Streit mit dem Vater, der sonst, wie dem Tode,
Die Pforte des Vergnügens niemand aufschließt;

Und vor der Heimat geistlichem Gerichtshof,
Wie vor dem Vater, ließ er sich ihr trauen:
Und drauf, von Tag zu Tag, liebt' er sie mehr...

Diese, beraubt des ersten Gatten, blieb wohl
Elfhundert Jahr und mehr ─ verschmäht und niedrig,
Bis dieser kam ─ ohn' all und jede Werbung:

Nichts half die Kunde, daß sie sorglos antraf
Bei Amyklas, vorm Klange seiner Stimme,
Der einst dem ganzen Erdball Furcht einflößte;

Nichts half ihr Treusein, nichts die mutige Folgschaft,
So daß, wo selbst Maria blieb zu Füßen,
Sie doch mit Christus weinte hoch am Kreuze.

Doch um nicht allzu dunkel fortzufahren:
Franz und die Armut nimm für die Verlobten
Nunmehr in meiner ganzen weitern Rede!...

Es ließ da ihrer Eintracht heitrer Anblick
Lieb' und Verwunderung und ein süß Beschauen
Zur Ursach' werden heiliger Gedanken:

Also, daß erst der würdige Bernardo
Die Schuh auszog und hinter soviel Frieden
Herlief und, laufend, doch zu spät sich vorkam.

O unbekannter Reichtum! Fruchtbar Schatzgut!
Barfuß Egidio, barfuß hielt Silvester
Zum Bräutigam sich, so sehr gefiel die Braut...

Drauf ging denn jener Vater, jener Meister
Mit seiner Herrin hin und der Familie,
Die schon der Strick als Demutszeichen einte;

Und nicht schlug Kleinmut ihm die Wimpern nieder,
Weil er der Sohn war Pietro Bernardones,
Noch weil er zum Erstaunen schien verachtet ─

Nein, königlich trug seinen strengen Vorsatz
Er Innocenz vor; und von ihm empfing er
Das erste Siegel seines Bettlerordens!

Als dann die Schar der armen Leute anwuchs
In jenes Spur, des wunderbares Leben
Besser im Glanz des Himmels man besänge,

Ward mit der zweiten Krone hochgefürstet,
Durch Papst Honorius, vom ewigen Geiste
Der heilige Wille dieses Oberhirten.

Und dann, nachdem aus Durst nach dem Martyrium
Er in der stolzen Gegenwart des Sultans
Christum gelehrt und jene, die ihm folgten;

Und, weil er zur Bekehrung noch zu unreif
Erfand das Volk, um nicht umsonst zu weilen
Zur Frucht italischer Halme heimgekehrt war:

Empfing auf rauhem Berg er, zwischen Tiber
Und Arno, Christi allerletztes Siegel,
Das seine Glieder noch zwei Jahre trugen.

Als Dem, der ihn zu solchem Heil erwählte,
Gut dünkte, ihn empor zum Lohn zu heben,
Den er verdient mit seiner Selbsternied'rung,

Empfahl den Brüdern sein als rechten Erben
Er seine Herrin, ihm vor allen teuer,
Mit dem Geheiß, in Treuen sie zu lieben;

Und ihrem Schoße wollte licht die Seele
Entsteigen, als zu ihrem Reich sie kehrte,
Und wollt' auch für den Leib nicht andre Bahre...

Denk nun, wie groß sein mußte, der ihm würd'ger
Genosse ward, zu steuern fest das Schifflein
Petri auf hohem Meer nach rechtem Ziele!

Und das ist unser Patriarch gewesen:
Weshalb, wer so ihm nachfolgt, wie er's fordert,
Du seh'n magst, daß er gute Ware mitführt.

Doch seine Herde ist nach neuer Nahrung
So gierig worden, daß ─ wie wär's auch anders? ─
Sie sich zerstreut auf mannigfachen Weiden;

Und ach, je mehr sich seine Schäfchen ferne
Und schweifend von ihm weg ergeh'n, so mehr auch
Kehren zum Stall sie wieder leer an Milch!

Wohl gibt es solche, die den Schaden fürchten
Und sich zum Hirten halten; doch so wen'ge,
Daß wenig Tuch genügt für ihre Kutten.

Drum, wenn die Worte mein des Klangs nicht mangeln;
Wenn dein Gehör ist aufmerksam gewesen;
Wenn, was ich sagte, du dem Geist zurückrufst:

So wird zum Teil dein Wunsch befriedigt sein;
Denn du erkennst den Baum, von dem es splittert,
Und merkst den Tadel auch, der in dem Spruch liegt:

›Wo jeder wohl gedeiht, wenn er nicht abirrt‹!«

O insensata cura de' mortali,
quanto son difettivi silogismi
quei che ti fanno in basso batter l'ali!003

Chi dietro a iura e chi ad amforismi
sen giva, e chi seguendo sacerdozio,
e chi regnar per forza o per sofismi,006

e chi rubare e chi civil negozio,
chi nel diletto de la carne involto
s'affaticava e chi si dava a l'ozio,009

quando, da tutte queste cose sciolto,
con Bëatrice m'era suso in cielo
cotanto glorïosamente accolto.012

Poi che ciascuno fu tornato ne lo
punto del cerchio in che avanti s'era,
fermossi, come a candellier candelo.015

E io senti' dentro a quella lumera
che pria m'avea parlato, sorridendo
incominciar, faccendosi più mera:018

«Così com' io del suo raggio resplendo,
sì, riguardando ne la luce etterna,
li tuoi pensieri onde cagioni apprendo.021

Tu dubbi, e hai voler che si ricerna
in sì aperta e 'n sì distesa lingua
lo dicer mio, ch'al tuo sentir si sterna,024

ove dinanzi dissi: "U' ben s'impingua",
e là u' dissi: "Non nacque il secondo";
e qui è uopo che ben si distingua.027

La provedenza, che governa il mondo
con quel consiglio nel quale ogne aspetto
creato è vinto pria che vada al fondo,030

però che andasse ver' lo suo diletto
la sposa di colui ch'ad alte grida
disposò lei col sangue benedetto,033

in sé sicura e anche a lui più fida,
due principi ordinò in suo favore,
che quinci e quindi le fosser per guida.036

L'un fu tutto serafico in ardore;
l'altro per sapïenza in terra fue
di cherubica luce uno splendore.039

De l'un dirò, però che d'amendue
si dice l'un pregiando, qual ch'om prende,
perch' ad un fine fur l'opere sue.042

Intra Tupino e l'acqua che discende
del colle eletto dal beato Ubaldo,
fertile costa d'alto monte pende,045

onde Perugia sente freddo e caldo
da Porta Sole; e di rietro le piange
per grave giogo Nocera con Gualdo.048

Di questa costa, là dov' ella frange
più sua rattezza, nacque al mondo un sole,
come fa questo talvolta di Gange.051

Però chi d'esso loco fa parole,
non dica Ascesi, ché direbbe corto,
ma Orïente, se proprio dir vuole.054

Non era ancor molto lontan da l'orto,
ch'el cominciò a far sentir la terra
de la sua gran virtute alcun conforto;057

ché per tal donna, giovinetto, in guerra
del padre corse, a cui, come a la morte,
la porta del piacer nessun diserra;060

e dinanzi a la sua spirital corte
et coram patre le si fece unito;
poscia di dì in dì l'amò più forte.063

Questa, privata del primo marito,
millecent' anni e più dispetta e scura
fino a costui si stette sanza invito;066

né valse udir che la trovò sicura
con Amiclate, al suon de la sua voce,
colui ch'a tutto 'l mondo fé paura;069

né valse esser costante né feroce,
sì che, dove Maria rimase giuso,
ella con Cristo pianse in su la croce.072

Ma perch' io non proceda troppo chiuso,
Francesco e Povertà per questi amanti
prendi oramai nel mio parlar diffuso.075

La lor concordia e i lor lieti sembianti,
amore e maraviglia e dolce sguardo
facieno esser cagion di pensier santi;078

tanto che 'l venerabile Bernardo
si scalzò prima, e dietro a tanta pace
corse e, correndo, li parve esser tardo.081

Oh ignota ricchezza! oh ben ferace!
Scalzasi Egidio, scalzasi Silvestro
dietro a lo sposo, sì la sposa piace.084

Indi sen va quel padre e quel maestro
con la sua donna e con quella famiglia
che già legava l'umile capestro.087

Né li gravò viltà di cuor le ciglia
per esser fi' di Pietro Bernardone,
né per parer dispetto a maraviglia;090

ma regalmente sua dura intenzione
ad Innocenzio aperse, e da lui ebbe
primo sigillo a sua religïone.093

Poi che la gente poverella crebbe
dietro a costui, la cui mirabil vita
meglio in gloria del ciel si canterebbe,096

di seconda corona redimita
fu per Onorio da l'Etterno Spiro
la santa voglia d'esto archimandrita.099

E poi che, per la sete del martiro,
ne la presenza del Soldan superba
predicò Cristo e li altri che 'l seguiro,102

e per trovare a conversione acerba
troppo la gente e per non stare indarno,
redissi al frutto de l'italica erba,105

nel crudo sasso intra Tevero e Arno
da Cristo prese l'ultimo sigillo,
che le sue membra due anni portarno.108

Quando a colui ch'a tanto ben sortillo
piacque di trarlo suso a la mercede
ch'el meritò nel suo farsi pusillo,111

a' frati suoi, sì com' a giuste rede,
raccomandò la donna sua più cara,
e comandò che l'amassero a fede;114

e del suo grembo l'anima preclara
mover si volle, tornando al suo regno,
e al suo corpo non volle altra bara.117

Pensa oramai qual fu colui che degno
collega fu a mantener la barca
di Pietro in alto mar per dritto segno;120

e questo fu il nostro patrïarca;
per che qual segue lui, com' el comanda,
discerner puoi che buone merce carca.123

Ma 'l suo pecuglio di nova vivanda
è fatto ghiotto, sì ch'esser non puote
che per diversi salti non si spanda;126

e quanto le sue pecore remote
e vagabunde più da esso vanno,
più tornano a l'ovil di latte vòte.129

Ben son di quelle che temono 'l danno
e stringonsi al pastor; ma son sì poche,
che le cappe fornisce poco panno.132

Or, se le mie parole non son fioche,
se la tua audïenza è stata attenta,
se ciò ch'è detto a la mente revoche,135

in parte fia la tua voglia contenta,
perché vedrai la pianta onde si scheggia,
e vedra' il corrègger che argomenta138

"U' ben s'impingua, se non si vaneggia"».

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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