Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 21

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 21

Der angeborene Durst ─ der nie gestillt wird,
Sei's mit dem Wasser denn, wovon erflehte
Die Samariterin einst die Gnadengabe ─

Quälte mich sehr; auch drängte mich die Eile
Auf dem versperrten Weg in Führers Rücken,
Und Mitleid fühlt' ich ob der rechten Strafe.

Da sieh: Ähnlich wie Lukas es berichtet,
Daß Christ erschien den zweien auf dem Wege,
Schon auferstanden aus der Grabeshöhle,

Erschien ein Schatten uns ─ von hinten naht' er,
Weil wir vorm Fuß die Schar, die liegt, beschauten ─;
Und nicht bemerkten wir ihn, bis er anhub

Und sprach: »Ihr Brüder mein, Gott geb' euch Frieden!«
Jäh wandten wir uns; und Vergil entbot ihm
Ein grüßend Zeichen, wie sich's drauf mag ziemen,

Jnd fing so an: »Zum Chor der Seligen bringe
In Frieden dich der göttliche Gerichtshof,
Der mich verweist in ewige Verbannung!« ─

»Wie nur?« sprach der, indes wir weitereilten:
»Seid Schatten ihr, die Gott der Höh' nicht würdigt,
Wer hat auf seiner Trepp' euch denn geleitet?«

Und drauf mein Lehrer: »Blickst du auf die Zeichen,
Die dieser trägt und die der Engel einritzt,
Erkennst du wohl, er muß bei Guten thronen.

Allein weil die, so Tag' und Nächte fortspinnt,
Noch nicht ihm hatte abgespult den Rocken,
Den Klotho jedem aufsteckt und umwickelt,

Konnte die Seele sein, dein', meine Schwester,
Als sie heraufkam, nicht von selber kommen;
Denn nicht auf unsere Weise schaut sein Auge.

)eshalb ward ich dem mächtigen Schlund der Hölle
Entrückt, so weit zu weisen ihn ─ und werd' ich's! ─,
Als meine Weisheit ihn wird leiten können...

Doch sag uns, wenn dir's kund: Warum solch Schüttern
Gab just der Berg von sich; und warum schrieen
Sie alle, schien's, bis zum bespülten Fuße?«

Also mit Fragen traf durchs Nadelöhr er
Von meiner Sehnsucht, daß schon ob der Hoffnung
Mein Wissensdurst nachließ zu minderm Brennen.

Jener begann: »Nichts gibt's, das außer Ordnung
An sich erführe die hochheilige Satzung
Des Berges; oder das nur außer Brauch wär'!

Frei ist man hier von jeder trüben Störung;
Nur was von sich der Himmel in sich aufnimmt,
Kann davon sein ─ und andres nicht! ─ die Ursach':

Fällt doch nicht Regen, Hagel oder Schnee,
Nicht Tau noch Reif mehr weiter oben nieder,
Als bis zum Trepplein der drei kurzen Stufen.

Wolken erscheinen weder dicht' noch dünne,
Noch Wetterleuchten, noch des Thaumas Tochter,
Die drüben oft die Himmelsstriche wechselt:

Selbst trockner Dunst steigt weiter nicht nach aufwärts,
Als nur zu den drei Stufen, die ich nannte,
Drauf Petrus Stellvertreter setzt die Sohlen.

Wohl bebt der Berg, drunten, viel oder wenig;
Allein durch Wind, der sich im Erdschoß bärge
(Ich weiß nicht wie!), bebt er hier oben niemals.

Er bebt nur, wenn der Seelen eine also
Sich rein fühlt, daß sie aufsteht oder vorrückt,
Zur Höh' zu steigen; und dann folgt der Aufschrei!

Beweis der Reinheit jedoch gibt das Wollen,
Das, in der Freiheit, ihren Stand zu wechseln,
Die Seel' ergreift; und dieses Wollen stärkt sie.

Erst will sie wohl; doch duldet's nicht die Neigung,
Die Gottes Rechtsgesetz ─ gegen den Willen;
Wie sie nach Sünde ging ─ zur Marter anhält.

Auch ich, der hier in solchem Leid gelegen
Fünfhundert Jahr und mehr, ich fühlte jetzt erst
Den Willen frei zu einer bessern Stufe...

Drum hörtest du das Beben und am ganzen
Berg hin die frommen Geister Lob erweisen
Dem höchsten Herrn, der bald empor sie rufe!«

So sprach zu uns er; und weil man am Trinken
So mehr Genuß hat, als da groß der Durst ist,
Wüßt' ich zu sagen nicht, wie sehr mir's wohltat.

Darauf mein weiser Herr: »Nun schau' das Netz ich,
Das hier euch einfängt und wie man es abstreift;
Warum's hier bebt und wessen ihr frohlocket...

Doch wer du warst, laß jetzt mich gütig wissen;
Und weshalb hier du soviel hundert Jahre
Gelegen, tu mir kund in deinen Worten!« ─

»Zur Zeit des guten Titus, der mit Hilfe
Des höchsten Himmelsherrn die Wunden rächte,
Daraus das Blut, verkauft von Judas, strömte,

Lebt' unterm Namen, der mehr ehrt und dauert,
Dort drüben ich« ─ gab Antwort uns der Schatten ─
»Gar hoch berühmt, allein noch nicht im Glauben.

So süß war einst mein tönereicher Atem,
Daß mich, den Toulousaner, Rom zu sich zog,
Wo Myrtenschmuck den Schläfen ich verdiente.

Statius nennt immer noch das Volk mich dorten:
Ich sang von Theben und Achill, dem großen;
Doch fiel am Weg ich mit der zweiten Bürde.

Es waren Samen meiner Glut die Funken,
Die mich erwärmten, jener Götterflamme,
Von welcher mehr als Tausend Licht erhielten.

Von der Änëis sprech' ich, die da Mutter
Mir war und Nährerin mir ward im Dichten:
Nicht wög' ich ohne sie auch nur ein Quentchen.

Ach, hätte drüben ich gelebt, als dort noch
Lebte Vergil, ich trüg' wohl eine Sonne
Mehr als ich muß, vorm Austritt aus dem Bann hier!«

Es winkte mir Vergil bei diesen Worten
Mit einem Blick, der schweigend sagte: »Schweige!«;
Doch alles kann die Kraft nicht, was sie will.

Denn Lachen, Weinen steh'n so im Gefolge
Der Seelenregung, draus ein jedes herrührt,
Daß wahreren Menschen minder sie gehorchen.

Ich lächelte wie einer, der da zublinzt;
Worob der Schatten schwieg und fest ins Auge
Mir schaute, wo der Ausdruck mehr sich vordrängt.

Und: »Wenn so große Mühsal gut du endest«,
Sprach er, »warum wies mir dein Antlitz eben
Das Wetterleuchten eines flüchtigen Lächelns?«

Da bin von beiden Seiten ich umklammert:
Die heißt mich schweigen, und die dort beschwört mich
Zu reden; drum erseufz' ich ─ und verstanden

Werd' ich vom Meister; und »Hab keine Furcht du«,
Sprach er, »zu reden! Vielmehr sprich und sag ihm,
Wonach er fragt mit also großem Eifer!«

Worauf ich: »Möglich, daß dich recht verwundert,
O alter Geist, das Lächeln, das ich zeigte;
Doch mehr Verwund'rung noch soll dich ergreifen!

Der hier, der meine Augen führt zur Höhe,
Ist der Vergil, von welchem einst du hernahmst
Kraft zum Gesang von Menschen und von Göttern.

Wenn andern Grund du für mein Lächeln wähntest,
Verwirf ihn als nicht richtig und nimm vielmehr
Dafür die Worte, die von ihm du sprachest!«

Schon kniet' er hin, die Füße zu umfangen
Meinem Gelehrten; doch der sagte: »Bruder,
Nicht so! Selbst bis du Schatten und siehst Schatten!«

Und er, aufstehend: »Magst du denn die Größe
Der Lieb' erseh'n, die mich zu dir durchglutet,
Dieweil ich, unserer Nichtigkeit vergessend,

Schatten behandle gleichwie etwas Festes!«

La sete natural che mai non sazia
se non con l'acqua onde la femminetta
samaritana domandò la grazia,003

mi travagliava, e pungeami la fretta
per la 'mpacciata via dietro al mio duca,
e condoleami a la giusta vendetta.006

Ed ecco, sì come ne scrive Luca
che Cristo apparve a' due ch'erano in via,
già surto fuor de la sepulcral buca,009

ci apparve un'ombra, e dietro a noi venìa,
dal piè guardando la turba che giace;
né ci addemmo di lei, sì parlò pria,012

dicendo: "O frati miei, Dio vi dea pace".
Noi ci volgemmo sùbiti, e Virgilio
rendéli 'l cenno ch'a ciò si conface.015

Poi cominciò: "Nel beato concilio
ti ponga in pace la verace corte
che me rilega ne l'etterno essilio".018

"Come!", diss'elli, e parte andavam forte:
"se voi siete ombre che Dio sù non degni,
chi v' ha per la sua scala tanto scorte?".021

E 'l dottor mio: "Se tu riguardi a' segni
che questi porta e che l'angel profila,
ben vedrai che coi buon convien ch'e' regni.024

Ma perché lei che dì e notte fila
non li avea tratta ancora la conocchia
che Cloto impone a ciascuno e compila,027

l'anima sua, ch'è tua e mia serocchia,
venendo sù, non potea venir sola,
però ch'al nostro modo non adocchia.030

Ond'io fui tratto fuor de l'ampia gola
d'inferno per mostrarli, e mosterrolli
oltre, quanto 'l potrà menar mia scola.033

Ma dimmi, se tu sai, perché tai crolli
diè dianzi 'l monte, e perché tutto ad una
parve gridare infino a' suoi piè molli".036

Sì mi diè, dimandando, per la cruna
del mio disio, che pur con la speranza
si fece la mia sete men digiuna.039

Quei cominciò: "Cosa non è che sanza
ordine senta la religïone
de la montagna, o che sia fuor d'usanza.042

Libero è qui da ogne alterazione:
di quel che 'l ciel da sé in sé riceve
esser ci puote, e non d'altro, cagione.045

Per che non pioggia, non grando, non neve,
non rugiada, non brina più sù cade
che la scaletta di tre gradi breve;048

nuvole spesse non paion né rade,
né coruscar, né figlia di Taumante,
che di là cangia sovente contrade;051

secco vapor non surge più avante
ch'al sommo d'i tre gradi ch'io parlai,
dov' ha 'l vicario di Pietro le piante.054

Trema forse più giù poco o assai;
ma per vento che 'n terra si nasconda,
non so come, qua sù non tremò mai.057

Tremaci quando alcuna anima monda
sentesi, sì che surga o che si mova
per salir sù; e tal grido seconda.060

De la mondizia sol voler fa prova,
che, tutto libero a mutar convento,
l'alma sorprende, e di voler le giova.063

Prima vuol ben, ma non lascia il talento
che divina giustizia, contra voglia,
come fu al peccar, pone al tormento.066

E io, che son giaciuto a questa doglia
cinquecent'anni e più, pur mo sentii
libera volontà di miglior soglia:069

però sentisti il tremoto e li pii
spiriti per lo monte render lode
a quel Segnor, che tosto sù li 'nvii".072

Così ne disse; e però ch'el si gode
tanto del ber quant'è grande la sete,
non saprei dir quant'el mi fece prode.075

E 'l savio duca: "Omai veggio la rete
che qui vi 'mpiglia e come si scalappia,
perché ci trema e di che congaudete.078

Ora chi fosti, piacciati ch'io sappia,
e perché tanti secoli giaciuto
qui se', ne le parole tue mi cappia".081

"Nel tempo che 'l buon Tito, con l'aiuto
del sommo rege, vendicò le fóra
ond'uscì 'l sangue per Giuda venduto,084

col nome che più dura e più onora
era io di là", rispuose quello spirto,
"famoso assai, ma non con fede ancora.087

Tanto fu dolce mio vocale spirto,
che, tolosano, a sé mi trasse Roma,
dove mertai le tempie ornar di mirto.090

Stazio la gente ancor di là mi noma:
cantai di Tebe, e poi del grande Achille;
ma caddi in via con la seconda soma.093

Al mio ardor fuor seme le faville,
che mi scaldar, de la divina fiamma
onde sono allumati più di mille;096

de l'Eneïda dico, la qual mamma
fummi, e fummi nutrice, poetando:
sanz'essa non fermai peso di dramma.099

E per esser vivuto di là quando
visse Virgilio, assentirei un sole
più che non deggio al mio uscir di bando".102

Volser Virgilio a me queste parole
con viso che, tacendo, disse 'Taci';
ma non può tutto la virtù che vuole;105

ché riso e pianto son tanto seguaci
a la passion di che ciascun si spicca,
che men seguon voler ne' più veraci.108

Io pur sorrisi come l'uom ch'ammicca;
per che l'ombra si tacque, e riguardommi
ne li occhi ove 'l sembiante più si ficca;111

e "Se tanto labore in bene assommi",
disse, "perché la tua faccia testeso
un lampeggiar di riso dimostrommi?".114

Or son io d'una parte e d'altra preso:
l'una mi fa tacer, l'altra scongiura
ch'io dica; ond'io sospiro, e sono inteso117

dal mio maestro, e "Non aver paura",
mi dice, "di parlar; ma parla e digli
quel ch'e' dimanda con cotanta cura".120

Ond'io: "Forse che tu ti maravigli,
antico spirto, del rider ch'io fei;
ma più d'ammirazion vo' che ti pigli.123

Questi che guida in alto li occhi miei,
è quel Virgilio dal qual tu togliesti
forte a cantar de li uomini e d'i dèi.126

Se cagion altra al mio rider credesti,
lasciala per non vera, ed esser credi
quelle parole che di lui dicesti".129

Già s'inchinava ad abbracciar li piedi
al mio dottor, ma el li disse: "Frate,
non far, ché tu se' ombra e ombra vedi".132

Ed ei surgendo: "Or puoi la quantitate
comprender de l'amor ch'a te mi scalda,
quand'io dismento nostra vanitate,135

trattando l'ombre come cosa salda".

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