Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 18

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 18

Bereitet hatt' ein Ende seiner Rede
Der hohe Lehrer; und mit Spannung blickt' er
Mir in das Antlitz, ob ich wohl zufrieden.

Und ich, den neuer Durst noch immer quälte,
Schwieg äußerlich und sprach im Innern: ›Möglich,
Zu vieles Fragen, wie ich's tu', ist Last ihm!‹

Doch der wahrhaftige Vater, der bemerkte
Das scheue Wollen, welches sich nicht kundtat,
Gab redend mir des Redens Kühnheit ein.

Weshalb ich: »Meister, es belebt mein Einblick
So sich an deinem Licht, daß klar ich fasse,
Was dein Vernunftwort vorbringt oder schildert;

Drum bitt' ich dich, o holder, teurer Vater,
Erklär die Liebe mir, welcher du zuschreibst
Jedwedes Rechttun und sein Gegenteil!« ─

»Richte«, sprach er, »auf mich die scharfen Lichter
Der Geisteskraft; und klar wird sich dir zeigen
Der Blinden Wahn, die sich zu Führern machen...

Die Seele, die zum Lieben ist erschaffen,
Wendet sich allem zu, das ihr ins Aug' fällt,
Wird vom Gefallen wirklich sie geweckt.

Euch schöpft Auffassungskraft aus Wirklichkeiten
Ein Bild und bringt's in euch so zur Entfaltung,
Daß sie die Seele macht nach ihm sich wenden;

Und wenn sie, so gewandt, zu ihm sich hinneigt,
Ist diese Neigung Liebe, ist Natur sie,
Die, durch Gefallen, neu sich euch verbündet.

Dann ─ wie das Feuer auf zur Höhe lodert,
Kraft seines Wesens, das dorthin zu steigen
Bestimmt ist, wo's als Element andauert ─

Fängt die ergriffne Seele an zu schmachten
(Was geistige Regung ist!); und niemals ruht sie,
Bis sie sich des geliebten Dings mag freuen.

Nun kann dir deutlich werden, wie verborgen
Die Wahrheit bleibt der Menge, die dafürhält,
Jedwede Liebe sei an sich schon löblich!

Denn wohl scheint es, als ob sie nach dem Stoffe
Immerdar gut sei; doch nicht jedes Siegel
Ist drum schon gut, weil gut an ihm das Wachs ist!« ─

»Die Worte dein und mein nachfolgend Denken«,
Versetzt' ich, »haben ›Liebe‹ mir entschleiert;
Doch um so mehr nur schwillt darob mein Zweifel!

Denn, wird von außen Lieb' uns dargeboten
Und geht die Seel' auf keinem andern Fuße,
So ist's, ob grad ob krumm, nicht ihr Verdienst.«

Und er zu mir: »Was hier Vernunft mag schauen,
Kann ich dir sagen. Weiterhin verlaß dich
Auf Beatrice! 's ist ein Werk des Glaubens...

Jedwede Wesensform, die unterschieden
Ist von dem Stoff und doch mit ihm vereinigt,
Hält ganz besondre Kraft in sich verschlossen,

Die ohne Handeln nicht wird wahrgenommen,
Noch sich erweist, wenn nicht durch ihre Wirkung,
Gleichwie durch grünes Laub am Baume Leben.

Darum, woher die Wissenschaft wohl komme
Der frühesten Begriffe, weiß man schwerlich,
Noch auch der tiefsten Wünsche Leidenschaft:

Denn in euch sind sie gleich dem Trieb in Bienen,
Honig zu schaffen ─ und dies Urverlangen
Verdient für sich allein nicht Lob noch Tadel!

Damit sich ihm nun jedes andre füge,
Ist eingeboren euch die Kraft, die Rat gibt
Und fest des Beitritts Schwelle soll verwahren.

Sie ist der innre Quell, von welchem herrührt
Der Grund, daß ihr Verdienst habt, je nachdem sie
Gut' oder schlechten Drang bald hegt, bald eindämmt.

Jene, die denkend bis zur Tiefe tauchten,
Gewahrten dort die eingeborene Freiheit:
So schenkten sie der Welt die Sittenlehre!

Drum ─ setzen wir, daß aus Notwendigkeit
Jedwede Lieb' erwachse, die euch aufglüht ─
Steht doch bei euch die Macht, sie zu beherrschen...

Solch edle Seelenkraft nennt Beatrice
Die ›freie Wahlentscheidung‹; und drum achte,
Daß du dran denkst, wenn sie davon dir redet!«

Der Mond, beinah bis Mitternacht verspätet,
Ließ uns die Sterne spärlicher erscheinen,
Selber gleich einem Kessel, der ganz Glut ist.

Er wallte jener Himmelsbahn entgegen,
Auf der die Sonne Licht sprüht, wenn der Römer
Sie zwischen Sarden sieht und Korsen sinken:

Und jener edle Geist, um dessentwillen
Man Piétola nennt vor allen Dörfern Mantuas,
Hatte mich meines Zweifels Last entledigt.

Weshalb ich, dem die offne, klare Auskunft
Auf alle Fragen recht ins Herz gelegt war,
Nun saß wie einer, welcher schläfrig hinträumt.

Doch diese Schläfrigkeit ward mir benommen
Plötzlich von einem Volk, das ─ uns im Rücken ─
Aufs neue war zu unserm Ort gekehrt.

Und wie Ismenus und Äsopus sahen
Längs ihren Ufern nachts ein toll Gedränge,
Wenn die Thebaner Bakchus' Hilfe brauchten:

So schnellten auf dem Sims dort ihre Schenkel
(Soviel als ich an ihnen sah beim Kommen),
Die guter Wille ritt und rechte Liebe.

Bald waren sie bei uns, weil eilig laufend
Die ganze große Gruppe sich bewegte;
Und zwei vorn an der Spitze schrie'n aufweinend:

»Maria lief in Eile zum Gebirge!«
Und: »Cäsar, um Ilerda zu bezwingen,
Griff Marseille an und strebte dann nach Spanien!« ─

»Rasch, rasch, daß nicht aus schwacher Liebe Zeit uns
Verloren gehe!« riefen drauf die andern;
»Nur rastlos Rechttun läßt die Gnade grünen!« ─

»O Volk, in welchem glühender Eifer nunmehr
Ersetzt vielleicht Versäumnis und Verzög'rung,
Von euch aus Lauheit einst bezeigt im Guten:

Der hier, der lebt ─ und keine Lüge sag' ich! ─
Will höher zieh'n, sobald die Sonne leuchtet;
Drum sprecht, wo liegt am nächsten hier der Durchpaß?«

So lauteten die Worte meines Führers;
Und einer von den Geistern sagte: »Folg du
Nur stets uns nach, so wirst die Kluft du finden!

Wir sind so voll Begierde, uns zu rühren,
Daß wir nicht weilen können; drum verzeihe,
Falls du für Grobheit unsern Eifer schätzest...

Abt war ich von San Zeno in Verona,
Zur Zeit der Herrschaft jenes guten Rotbarts,
Von dem mit Jammern heut noch Mailand redet.

Und jemand hat schon einen Fuß im Grabe,
Der bald wird weinen über jenes Kloster
Und trauern, daß er je ihm vorgestanden!

Denn seinen Sohn, schlimm seinem ganzen Leib nach
Und seinem Geist nach schlimmer, schlimm erzeugt auch
Hat er gesetzt an Stell' des wahren Hirten ─«

Ich weiß nicht, sprach er mehr noch oder schwieg er,
So weit schon war er uns vorausgelaufen;
Dies aber hört ich: und gern hielt ich's fest.

Und er, der mir zu jedem Ziel behilflich,
Sprach: »Wende dich hierher! Sieh diese zwei da,
Wie sie im Nah'n der Trägheit Bisse geben!«

Drein hinter allen schrie'n sie: »Sterben mußte
Zuerst das Volk, dem sich das Meer geöffnet,
Bevor den Jordan schauten seine Erben!

Und jenes, das die Mühsal nicht mehr aushielt
Bis hin ans Ende, mit Anchises Sohne,
Bot selber sich ruhmlosem Leben dar!«

Dann, als so weit von uns entfernt sich hatten
Die Seelen, daß man sie nicht mehr gewahrte,
Stieg neu mir ein Gedanke auf im Innern,

Aus dem noch andre keimten und verschiedne ─
Und so von dem zu jenem schweift' ich irrend,
Bis ich die Augen ob dem Schwärmen zuschloß

Und das Gedankenwerk in Traum vertauschte.

Posto avea fine al suo ragionamento
l'alto dottore, e attento guardava
ne la mia vista s'io parea contento;003

e io, cui nova sete ancor frugava,
di fuor tacea, e dentro dicea: 'Forse
lo troppo dimandar ch'io fo li grava'.006

Ma quel padre verace, che s'accorse
del timido voler che non s'apriva,
parlando, di parlare ardir mi porse.009

Ond'io: "Maestro, il mio veder s'avviva
sì nel tuo lume, ch'io discerno chiaro
quanto la tua ragion parta o descriva.012

Però ti prego, dolce padre caro,
che mi dimostri amore, a cui reduci
ogne buono operare e 'l suo contraro".015

"Drizza", disse, "ver' me l'agute luci
de lo 'ntelletto, e fieti manifesto
l'error de' ciechi che si fanno duci.018

L'animo, ch'è creato ad amar presto,
ad ogne cosa è mobile che piace,
tosto che dal piacere in atto è desto.021

Vostra apprensiva da esser verace
tragge intenzione, e dentro a voi la spiega,
sì che l'animo ad essa volger face;024

e se, rivolto, inver' di lei si piega,
quel piegare è amor, quell'è natura
che per piacer di novo in voi si lega.027

Poi, come 'l foco movesi in altura
per la sua forma ch'è nata a salire
là dove più in sua matera dura,030

così l'animo preso entra in disire,
ch'è moto spiritale, e mai non posa
fin che la cosa amata il fa gioire.033

Or ti puote apparer quant'è nascosa
la veritate a la gente ch'avvera
ciascun amore in sé laudabil cosa;036

però che forse appar la sua matera
sempre esser buona, ma non ciascun segno
è buono, ancor che buona sia la cera".039

"Le tue parole e 'l mio seguace ingegno",
rispuos'io lui, "m' hanno amor discoverto,
ma ciò m' ha fatto di dubbiar più pregno;042

ché, s'amore è di fuori a noi offerto
e l'anima non va con altro piede,
se dritta o torta va, non è suo merto".045

Ed elli a me: "Quanto ragion qui vede,
dir ti poss'io; da indi in là t'aspetta
pur a Beatrice, ch'è opra di fede.048

Ogne forma sustanzïal, che setta
è da matera ed è con lei unita,
specifica vertute ha in sé colletta,051

la qual sanza operar non è sentita,
né si dimostra mai che per effetto,
come per verdi fronde in pianta vita.054

Però, là onde vegna lo 'ntelletto
de le prime notizie, omo non sape,
e de' primi appetibili l'affetto,057

che sono in voi sì come studio in ape
di far lo mele; e questa prima voglia
merto di lode o di biasmo non cape.060

Or perché a questa ogn'altra si raccoglia,
innata v'è la virtù che consiglia,
e de l'assenso de' tener la soglia.063

Quest'è 'l principio là onde si piglia
ragion di meritare in voi, secondo
che buoni e rei amori accoglie e viglia.066

Color che ragionando andaro al fondo,
s'accorser d'esta innata libertate;
però moralità lasciaro al mondo.069

Onde, poniam che di necessitate
surga ogne amor che dentro a voi s'accende,
di ritenerlo è in voi la podestate.072

La nobile virtù Beatrice intende
per lo libero arbitrio, e però guarda
che l'abbi a mente, s'a parlar ten prende".075

La luna, quasi a mezza notte tarda,
facea le stelle a noi parer più rade,
fatta com'un secchion che tuttor arda;078

e correa contra 'l ciel per quelle strade
che 'l sole infiamma allor che quel da Roma
tra ' Sardi e ' Corsi il vede quando cade.081

E quell'ombra gentil per cui si noma
Pietola più che villa mantoana,
del mio carcar diposta avea la soma;084

per ch'io, che la ragione aperta e piana
sovra le mie quistioni avea ricolta,
stava com'om che sonnolento vana.087

Ma questa sonnolenza mi fu tolta
subitamente da gente che dopo
le nostre spalle a noi era già volta.090

E quale Ismeno già vide e Asopo
lungo di sé di notte furia e calca,
pur che i Teban di Bacco avesser uopo,093

cotal per quel giron suo passo falca,
per quel ch'io vidi di color, venendo,
cui buon volere e giusto amor cavalca.096

Tosto fur sovr'a noi, perché correndo
si movea tutta quella turba magna;
e due dinanzi gridavan piangendo:099

"Maria corse con fretta a la montagna;
e Cesare, per soggiogare Ilerda,
punse Marsilia e poi corse in Ispagna".102

"Ratto, ratto, che 'l tempo non si perda
per poco amor", gridavan li altri appresso,
"che studio di ben far grazia rinverda".105

"O gente in cui fervore aguto adesso
ricompie forse negligenza e indugio
da voi per tepidezza in ben far messo,108

questi che vive, e certo i' non vi bugio,
vuole andar sù, pur che 'l sol ne riluca;
però ne dite ond'è presso il pertugio".111

Parole furon queste del mio duca;
e un di quelli spirti disse: "Vieni
di retro a noi, e troverai la buca.114

Noi siam di voglia a muoverci sì pieni,
che restar non potem; però perdona,
se villania nostra giustizia tieni.117

Io fui abate in San Zeno a Verona
sotto lo 'mperio del buon Barbarossa,
di cui dolente ancor Milan ragiona.120

E tale ha già l'un piè dentro la fossa,
che tosto piangerà quel monastero,
e tristo fia d'avere avuta possa;123

perché suo figlio, mal del corpo intero,
e de la mente peggio, e che mal nacque,
ha posto in loco di suo pastor vero".126

Io non so se più disse o s'ei si tacque,
tant'era già di là da noi trascorso;
ma questo intesi, e ritener mi piacque.129

E quei che m'era ad ogne uopo soccorso
disse: "Volgiti qua: vedine due
venir dando a l'accidïa di morso".132

Di retro a tutti dicean: "Prima fue
morta la gente a cui il mar s'aperse,
che vedesse Iordan le rede sue.135

E quella che l'affanno non sofferse
fino a la fine col figlio d'Anchise,
sé stessa a vita sanza gloria offerse".138

Poi quando fuor da noi tanto divise
quell'ombre, che veder più non potiersi,
novo pensiero dentro a me si mise,141

del qual più altri nacquero e diversi;
e tanto d'uno in altro vaneggiai,
che li occhi per vaghezza ricopersi,144

e 'l pensamento in sogno trasmutai.

Falke Hölle
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