Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 11

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 11

»O Vater unser, der du bist im Himmel
─ Nicht weil begrenzt du, nein, aus größter Liebe,
Die du den Urgeschöpfen trägst dort oben ─:

Gepriesen sei dein Nam' und deine Stärke
Von jedem Lebewesen, wie's nur recht ist
Als Dank für deinen süßen Lebensodem!

Komme zu uns der Friede deines Reiches;
Denn wir zu ihm vermögen's nicht von uns aus
(Naht er nicht selbst!) mit all unserm Verstande:

Wie ihres Wollens deine Engel ganz sich
Entäußern dort vor dir, »Hosianna« singend,
So mögen auch die Menschen tun mit ihrem!

Gib du uns heute unser täglich Brot,
Ohn' welches hier in dieser rauhen Wüste
Nach rückwärts geht, wer noch so sehr sich abmüht;

Und so wie wir das Leid, das wir erduldet,
Verzeihen jedem, magst auch du verzeihen,
Gnädig, und nicht betrachten unsere Schuld!

Woll' unsre Tugend, die gar leicht zu Fall kommt,
Nicht mit dem alten bösen Feind versuchen;
Nein, mach uns frei von ihm, der so sie aufreizt...

Dies unser letzt Gebet, o lieber Vater,
Geschieht nicht mehr für uns, weil es nicht nottut;
Vielmehr für die, die hinter uns verblieben.«

So sich und uns glückliche Fahrt erflehend,
Schritten die Schatten hin, von ihrer Bürde
─ Der ähnlich, die man oft im Traum empfindet ─

Verschieden stark gepeinigt; all' im Kreise,
Und abgemattet, auf dem ersten Rundsims,
Sich läuternd von dem Durstgequirl der Welt.

Wenn drüben stets zum Heil man für uns betet,
Was kann gesagt, getan für sie hier werden
Von denen, deren Will' im Guten wurzelt?

Mit Fug hilft ihnen man die Makel tilgen,
Die sie von hier gebracht, daß leicht und lauter
Sie mögen flieh'n zu den bestirnten Sphären.

»O, soll euch Recht wie Mitleid bald entlasten,
Derart, daß ihr die Schwingen könnt bewegen,
Damit sie eurem Wunsch gemäß euch tragen:

Zeigt uns, zu welcher Hand man nach der Stiege
Am nächsten geht; und gibt es mehr der Pässe,
So weist uns den, der minder stotzig abfällt!

Denn der hier mit mir kommt, ist ob der Schwere
Des Adamsfleisches, das als Kleid er anhat,
Zum Aufstieg gegen seinen Willen langsam.«

Die Worte, die sie sandten her auf diese
(Die der gesprochen hatte, dem ich folgte!)
Waren, von wem sie kämen, nicht ersichtlich;

Doch also klang es: »Rechter Hand zum Berghang
Kommt mit uns; alsdann findet ihr den Durchpaß,
Ersteigbar auch für ein lebendig Wesen!

Und wär' ich nicht gehindert durch den Felsblock,
Der meinen Nacken, den hochmütigen, bändigt,
Weswegen ich das Antlitz tief muß tragen:

Den hier, der annoch lebt und sich nicht kundtut,
Betrachtet' ich, zu schau'n, ob ich ihn kenne,
Um weich zu stimmen ihn vor dieser Bürde...

Ich war Latiner, Sproß gewaltigen Tuskers:
Guglielm' Aldobrandesco war mein Vater!
Nicht weiß ich, ob sein Nam' euch je umklungen.

Das alte Blut und die erhabnen Werke
Der Ahnen mein, sie machten mich so herrisch,
Daß ich, uneingedenk der gleichen Mutter,

Allen so übermäßig trug Verachtung,
Daß ich dran starb, wie die Sienesen wissen
Und gar in Campagnatico die Kinder.

Ich bin Omberto: und nicht bringt allein mir
Schaden der Stolz; denn meine ganze Sippe
Hat er mit sich gerissen ins Verderben...

Und hier denn muß ich diese Steinlast tragen
Dafür so lang, bis Gott genug geschehen
─ Tat ich's im Leben nicht! ─ hier bei den Toten.«

Zuhörend senkt' ich mein Gesicht zur Erde;
Und einer da ─ nicht jener, der gesprochen ─
Dreht' unter dem Gewicht sich, das ihn hindert.

Und sah mich und erkannte mich und rief mich,
Haltend die Augen voller Müh geheftet
Auf mich, der ganz gebeugt mit ihnen hinschritt.

»O!« sprach ich da, »bist du nicht Oderisi,
Der Ruhm Agobbios und der Ruhm des Handwerks,
Das in Paris man nennt ›Illuminieren‹?«

»Bruder«, sprach er, »mehr lachen doch die Blätter,
Die Franco da Bologna jetzt bepinselt:
Die Ehr' ist ganz nun sein und meine nichtig.

Nicht wär' so liebenswürdig ich gewesen,
Derweil ich lebte, vor allmächtiger Sehnsucht
Nach Meisterschaft, wonach das Herz mir lechzte.

Für solchen Hochmut zahlt man hier die Zeche!
Und noch nicht weilt' ich hier, wär' nicht gewesen,
Daß ich, im Sündenstand, zu Gott mich wandte...

O eitler Ruhm menschlicher Schaffenskräfte:
Wie kurz nur bleibt er grün auf seinem Gipfel,
Ist er gefolgt nicht von gemeinern Zeiten!

Einst glaubte Cimabu' das Feld zu halten
Der Malerei; nun hat den Beifall Giotto,
So daß der Nachruhm jenes wird verdunkelt.

Ganz ähnlich nahm ein Guido weg dem andern
Der Sprache Ruhm; und wohl ist schon geboren,
Der diesen so wie jenen aus dem Nest wirft.

Nichts ist der Ruf der Welt als ein ganz wind'ger
Anhauch, der bald von hier, von dort bald herkommt
Und Namen wechselt, weil er Richtung wechselt!

Was bleibt dir mehr an Ruhm ─ ob alt du ablegst
Von dir das Fleisch, als wenn du wär'st gestorben
Mit unverlerntem ›Blot‹- und ›Dada‹-Lallen ─,

Eh' tausend Jahr vorbei? Und kürzere Spanne
Ist's vor dem Ewigen, als ein Wimperzucken
Vorm Himmelsrund, das sich am trägsten umschwingt...

Ihn, der vom Weg so wenig hinter sich bringt
─ Just hier vor mir! ─, ihn rühmt' einst ganz Toscana;
Jetzt geht von ihm in Siena kaum die Rede.

Und doch war Herr er dort, als ward gebrochen
Die florentinische Wut, die voller Kernstolz
Damals sich reckte, so, wie jetzt sie käuflich!

O, euer Nachruhm ist wie Farb' des Grases,
Das kommt und geht: die Sonne selber bleicht es,
Durch die es aufsproß aus der bittern Erde!«

Und ich zu ihm: »Dein Wahrspruch gießt ins Herz mir
Heilsame Demut; ja, du dämpfst den Blast mir...
Doch wer ist der, von dem du sprachst soeben?« ─

»Das ist«, versetzt' er, »Provenzan Salvani!
Und hier weilt er, weil einst er sich vermessen,
Ganz Siena unter seine Hand zu bringen.

So ist gegangen er und geht er ruhlos,
Seitdem er starb ─ mit solcher Münze zahlt hier
Zur Sühne, wer dort drüben allzu kühn ist!«

Und ich: »Wenn doch ein Geist, der mit der Reue
Bis zu der letzten Lebensgrenze wartet,
Dort unten bleibt und nicht hierher emporsteigt

─ Falls seelengutes Bitten ihm nicht forthilft! ─,
Eh' soviel Zeit vorbei ist, als er lebte:
Wie ward die Herkunft grade ihm gestattet?« ─

»Als er im höchsten Glanze lebte«, sprach er,
»Stellt' er freiwillig auf dem Markt von Siena,
Bei abgelegter Scham, sich hin als Bettler;

Und dort, den Freund zu retten aus der Strafe,
Die er im Kerker Carlo's mußt' erdulden,
Bracht' er mit jeder Fiber sich zum Zittern.

Mehr sag' ich nicht; und dunkel, weiß ich, sprech' ich
(Doch kurze Zeit nur währt's, bis deine Nächsten
Dir also tun, daß du dir's kannst erklären!)...

Dies Liebeswerk erschloß ihm jene Schranken.«

"O Padre nostro, che ne' cieli stai,
non circunscritto, ma per più amore
ch'ai primi effetti di là sù tu hai,003

laudato sia 'l tuo nome e 'l tuo valore
da ogne creatura, com'è degno
di render grazie al tuo dolce vapore.006

Vegna ver' noi la pace del tuo regno,
ché noi ad essa non potem da noi,
s'ella non vien, con tutto nostro ingegno.009

Come del suo voler li angeli tuoi
fan sacrificio a te, cantando osanna,
così facciano li uomini de' suoi.012

Dà oggi a noi la cotidiana manna,
sanza la qual per questo aspro diserto
a retro va chi più di gir s'affanna.015

E come noi lo mal ch'avem sofferto
perdoniamo a ciascuno, e tu perdona
benigno, e non guardar lo nostro merto.018

Nostra virtù che di legger s'adona,
non spermentar con l'antico avversaro,
ma libera da lui che sì la sprona.021

Quest'ultima preghiera, segnor caro,
già non si fa per noi, ché non bisogna,
ma per color che dietro a noi restaro".024

Così a sé e noi buona ramogna
quell'ombre orando, andavan sotto 'l pondo,
simile a quel che talvolta si sogna,027

disparmente angosciate tutte a tondo
e lasse su per la prima cornice,
purgando la caligine del mondo.030

Se di là sempre ben per noi si dice,
di qua che dire e far per lor si puote
da quei c' hanno al voler buona radice?033

Ben si de' loro atar lavar le note
che portar quinci, sì che, mondi e lievi,
possano uscire a le stellate ruote.036

"Deh, se giustizia e pietà vi disgrievi
tosto, sì che possiate muover l'ala,
che secondo il disio vostro vi lievi,039

mostrate da qual mano inver' la scala
si va più corto; e se c'è più d'un varco,
quel ne 'nsegnate che men erto cala;042

ché questi che vien meco, per lo 'ncarco
de la carne d'Adamo onde si veste,
al montar sù, contra sua voglia, è parco".045

Le lor parole, che rendero a queste
che dette avea colui cu' io seguiva,
non fur da cui venisser manifeste;048

ma fu detto: "A man destra per la riva
con noi venite, e troverete il passo
possibile a salir persona viva.051

E s'io non fossi impedito dal sasso
che la cervice mia superba doma,
onde portar convienmi il viso basso,054

cotesti, ch'ancor vive e non si noma,
guardere' io, per veder s'i' 'l conosco,
e per farlo pietoso a questa soma.057

Io fui latino e nato d'un gran Tosco:
Guiglielmo Aldobrandesco fu mio padre;
non so se 'l nome suo già mai fu vosco.060

L'antico sangue e l'opere leggiadre
d'i miei maggior mi fer sì arrogante,
che, non pensando a la comune madre,063

ogn'uomo ebbi in despetto tanto avante,
ch'io ne mori', come i Sanesi sanno,
e sallo in Campagnatico ogne fante.066

Io sono Omberto; e non pur a me danno
superbia fa, ché tutti miei consorti
ha ella tratti seco nel malanno.069

E qui convien ch'io questo peso porti
per lei, tanto che a Dio si sodisfaccia,
poi ch'io nol fe' tra ' vivi, qui tra ' morti".072

Ascoltando chinai in giù la faccia;
e un di lor, non questi che parlava,
si torse sotto il peso che li 'mpaccia,075

e videmi e conobbemi e chiamava,
tenendo li occhi con fatica fisi
a me che tutto chin con loro andava.078

"Oh!", diss'io lui, "non se' tu Oderisi,
l'onor d'Agobbio e l'onor di quell'arte
ch'alluminar chiamata è in Parisi?".081

"Frate", diss'elli, "più ridon le carte
che pennelleggia Franco Bolognese;
l'onore è tutto or suo, e mio in parte.084

Ben non sare' io stato sì cortese
mentre ch'io vissi, per lo gran disio
de l'eccellenza ove mio core intese.087

Di tal superbia qui si paga il fio;
e ancor non sarei qui, se non fosse
che, possendo peccar, mi volsi a Dio.090

Oh vana gloria de l'umane posse!
com' poco verde in su la cima dura,
se non è giunta da l'etati grosse!093

Credette Cimabue ne la pittura
tener lo campo, e ora ha Giotto il grido,
sì che la fama di colui è scura.096

Così ha tolto l'uno a l'altro Guido
la gloria de la lingua; e forse è nato
chi l'uno e l'altro caccerà del nido.099

Non è il mondan romore altro ch'un fiato
di vento, ch'or vien quinci e or vien quindi,
e muta nome perché muta lato.102

Che voce avrai tu più, se vecchia scindi
da te la carne, che se fossi morto
anzi che tu lasciassi il 'pappo' e 'l 'dindi',105

pria che passin mill'anni? ch'è più corto
spazio a l'etterno, ch'un muover di ciglia
al cerchio che più tardi in cielo è torto.108

Colui che del cammin sì poco piglia
dinanzi a me, Toscana sonò tutta;
e ora a pena in Siena sen pispiglia,111

ond'era sire quando fu distrutta
la rabbia fiorentina, che superba
fu a quel tempo sì com'ora è putta.114

La vostra nominanza è color d'erba,
che viene e va, e quei la discolora
per cui ella esce de la terra acerba".117

E io a lui: "Tuo vero dir m'incora
bona umiltà, e gran tumor m'appiani;
ma chi è quei di cui tu parlavi ora?".120

"Quelli è", rispuose, "Provenzan Salvani;
ed è qui perché fu presuntüoso
a recar Siena tutta a le sue mani.123

Ito è così e va, sanza riposo,
poi che morì; cotal moneta rende
a sodisfar chi è di là troppo oso".126

E io: "Se quello spirito ch'attende,
pria che si penta, l'orlo de la vita,
qua giù dimora e qua sù non ascende,129

se buona orazïon lui non aita,
prima che passi tempo quanto visse,
come fu la venuta lui largita?".132

"Quando vivea più glorïoso", disse,
"liberamente nel Campo di Siena,
ogne vergogna diposta, s'affisse;135

e lì, per trar l'amico suo di pena,
ch'e' sostenea ne la prigion di Carlo,
si condusse a tremar per ogne vena.138

Più non dirò, e scuro so che parlo;
ma poco tempo andrà, che ' tuoi vicini
faranno sì che tu potrai chiosarlo.141

Quest'opera li tolse quei confini".

Falke Hölle
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