Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 05

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 05

Schon war ich von den Schatten weggegangen
Und folgte nach den Spuren meines Führers,
Als hinter mir, herzeigend mit dem Finger,

Laut einer schrie: »Wahrlich, nicht leuchtet, dünkt mich,
Der Sonne Strahl zur Linken dort dem Untern;
Und als Lebendiger scheint er sich zu regen!«

Die Augen wandt' ich nach dem Klang des Rufes ─
Und sah ich sie betrachten, voll Erstaunen,
Nur mich, mich und das Licht, das unterbrochen.

»Weshalb verstrickst du dich so sehr im Geiste«,
Mahnte mein Herr, »daß du den Schritt verlangsamst?
Was geht dich an, was über dich man flüstert?

Du folg mir nach und laß die Leute reden!
Steh wie ein fester Turm da, welcher niemals
Die Zinne schüttelt, was auch Stürme blasen!

Denn immer rückt der, dem Gedanke aufsprießt
Über Gedanke, fern von sich das Hauptziel,
Weil einer stets die Kraft des andern mindert.«

Was konnt' ich drauf erwidern als ›Ich komme!‹?
Ich sprach's, der Farbe Anhauch auf den Wangen,
Die oft uns der Verzeihung wert läßt scheinen.

Derweilen kamen an dem Hang schräg oben
Seelen daher, voraus uns um ein Kleines,
Im »Miserere«-Sang, Vers gegen Vers.

Wie sie bemerkten, daß ich keinen Raum gab,
Ob meines Leibs, dem Schuß der Sonnenstrahlen,
Schlug in ein »Oh!« ihr Lied um, lang und heiser;

Jnd zwei von ihnen, ganz wie Abgesandte,
Liefen entgegen uns und baten forschend:
»Mit eurer Wesensart macht uns bekannt!«

Worauf mein Meister: »Ihr könnt wiederkehren
Und jenen melden, die euch hergesendet,
Daß Dieses Körper hier wahrhaftiges Fleisch ist!

Wenn sie den Schatten sein zu schauen stockten,
Wie ich vermute, ist's genug der Antwort...
Mögen sie Ehr' ihm tun; er kann's vergelten!«

Entflammte Dünste sah ich nie so schleunig
Bei Nachtanbruch des Himmels Klarheit spalten,
Noch, wenn die Sonne sinkt, Augustgewölke,

Daß sie nicht schleuniger noch nach aufwärts kehrten;
Doch kaum am Ort, so schwenkten mit den andern
Sie neu gen uns, Schar, ohne Zügel stürmend.

»Dies Volk, das sich herandrängt, ist unzählig!
Sie kommen, dich zu bitten«, sprach der Dichter;
»Du jedoch schreite fort, und schreitend höre!« ─

»O Seele, die zur Seligkeit du wanderst
Mit jenen Gliedern, die dir angeboren«,
Nahten sie rufend, »mäßige deinen Schritt!

Schau, ob von uns du einen je erblicktest,
Daß du von ihm nach drüben Kunde bringest!...
Weh, warum gehst du? Weh, was hältst du nicht?...

Wir sind einst alle durch Gewalt gestorben
Und waren Sünder bis zur letzten Stunde:
Da bracht' uns Licht des Himmels zur Besinnung,

So daß, bereuend und verzeihend, tröstlich
Wir aus dem Leben schieden, Gott befriedet,
Der uns mit Sehnsucht, ihn zu schau'n, durchmartert!«

Und ich: »Was ich in euren Zügen forsche,
Ich kenne keinen! Doch, wenn es euch lieb ist:
Was ich vermag, zum Heil geborne Seelen,

Sagt mir's; und ich will's tun bei jenem Frieden,
Der, auf den Fersen eines solchen Führers,
Von Welt zu Welt mich antreibt ihn zu suchen!«

Und einer da begann: »Jedweder traut dir
Die Guttat zu ─ auch wenn du nicht beteuerst -,
Sofern den Willen Ohnmacht dir nicht bricht.

Weshalb ich, der zuerst spricht vor den andern,
Dich bitte ─ solltest je das Land du schauen,
Das zwischen Carlo's liegt und der Romagna ─,

Daß du mir seist mit deinen Worten hilfreich
In Fano, auf daß recht man für mich betet,
Damit ich sühnen kann die schweren Sünden.

Von dorther stamm' ich; doch die tiefen Schnitte,
Daraus das Blut floß, drinnen einst ich hauste,
Wurden mir beigebracht im Land Antenors,

Dort, wo gesicherter zu sein ich glaubte:
Jener von Este dang sie, der mich haßte
Weit schlimmer noch, als er mit Fug es durfte.

Ach, wär' ich nur geflohen gegen Mira,
Als eingeholt ich ward bei Oriaco,
Ich wäre jetzt noch dort, allwo man atmet!

Ich floh zum Sumpf; und Schilf und schlammiger Moorgrund
Verstrickten so mich, daß ich fiel ─ und sah ich
Dort meiner Adern Blut als Lach' am Boden...«

Drauf sprach ein andrer: »O, soll jene Sehnsucht
Dir reifen, die zum hohen Berg dich hinzieht,
Mit gutem Christenwerk hilf auch der meinen!

Ich war von Montefeltro, bin Buonconte:
Giovanna nicht, noch sonstwer, denkt mehr meiner;
Drum geh' mit diesen ich gesenkten Hauptes.«

Und ich: »Welche Gewalt, was für ein Abenteurer
Verschlug dich also fern von Campaldino,
Daß niemals man erfuhr, wo du dein Grab hast?« ─

»O!« sprach er drauf. »Unten im Casentino
Strömt quer ein Fluß mit Namen Archiano,
Der hoch im Apennin beim Kloster vorquillt.

Dort, wo sein Name wird zum leeren Schalle,
Gelange' ich hin, durchstochen in der Kehle,
Fliehend zu Fuß, mit Blut die Flur besprengend.

Dort losch das Augenlicht mir; und die Rede
Schloß ich im Ruf »Maria!«; und daselbst auch
Stürzt' ich und blieb zurück mein Leib, verlassen.

Wahres bericht' ich; du meld es den Menschen!
Der Engel Gottes griff mich; doch der Scherge
Der Hölle schrie: ›Raub ist das, du vom Himmel!

Du trägst mit dir von diesem da das Ew'ge
Um einer Träne willen, die mir's wegreißt?
Doch mit dem Reste will ich anders schalten!‹

Wohl weißt du, wie sich in der Luft ansammelt
Der feuchte Dunst, der sich zu Wasser wandelt,
Sobald er aufsteigt, wo ihn Kälte trifft.

Zum bösen Willen, der nur Böses trachtet,
Trat jetzt der Geist und regte Wolk' und Windhauch
Mit jener Kraft, die ihm Natur verliehen.

Hierauf das Tal, kaum daß der Tag erloschen,
Hüllt' er vom Pratomagno bis zum Hochjoch
Mit Nebeln; und den Himmel schuf so schwer er,

Das jäh die pralle Luft in Wasser umschlug:
Der liegen fiel; und nach den Bächen strömte
All das, was nicht der Boden konnte schlucken;

Und als es erst in Flüssen sich vereinte,
Schoß es zum königlichen Strom so reißend
Talwärts hinab, daß nichts mehr es zurückhielt.

Sieh, meinen starren Leib fand vor der Mündung
Der wilde Archian; und dieser stieß ihn
Dem Arno zu und löst' auf meiner Brust mir

Das Kreuz, das ich aus mir gemacht, verzweifelnd:
So wälzt' er mich am Boden und im Strombett,
Deckte drauf und umgab mich mit Geschiebe...« ─

»O, wann zurückgekehrt du bist ins Dasein
Und ausgeruht von deiner langen Reise«,
Schloß sich ein dritter Geist dem zweiten an:

»Erinnre meiner dich, ich bin die Pia!
Siena gab Leben mir, Tod die Maremmen.
Er weiß es, der die Hand mir einst beringte,

Am Hochzeitstag, mit seinem Edelsteine...«

Io era già da quell'ombre partito,
e seguitava l'orme del mio duca,
quando di retro a me, drizzando 'l dito,003

una gridò: "Ve' che non par che luca
lo raggio da sinistra a quel di sotto,
e come vivo par che si conduca!".006

Li occhi rivolsi al suon di questo motto,
e vidile guardar per maraviglia
pur me, pur me, e 'l lume ch'era rotto.009

"Perché l'animo tuo tanto s'impiglia",
disse 'l maestro, "che l'andare allenti?
che ti fa ciò che quivi si pispiglia?012

Vien dietro a me, e lascia dir le genti:
sta come torre ferma, che non crolla
già mai la cima per soffiar di venti;015

ché sempre l'omo in cui pensier rampolla
sovra pensier, da sé dilunga il segno,
perché la foga l'un de l'altro insolla".018

Che potea io ridir, se non "Io vegno"?
Dissilo, alquanto del color consperso
che fa l'uom di perdon talvolta degno.021

E 'ntanto per la costa di traverso
venivan genti innanzi a noi un poco,
cantando 'Miserere' a verso a verso.024

Quando s'accorser ch'i' non dava loco
per lo mio corpo al trapassar d'i raggi,
mutar lor canto in un "oh!" lungo e roco;027

e due di loro, in forma di messaggi,
corsero incontr'a noi e dimandarne:
"Di vostra condizion fatene saggi".030

E 'l mio maestro: "Voi potete andarne
e ritrarre a color che vi mandaro
che 'l corpo di costui è vera carne.033

Se per veder la sua ombra restaro,
com'io avviso, assai è lor risposto:
fàccianli onore, ed esser può lor caro".036

Vapori accesi non vid'io sì tosto
di prima notte mai fender sereno,
né, sol calando, nuvole d'agosto,039

che color non tornasser suso in meno;
e, giunti là, con li altri a noi dier volta,
come schiera che scorre sanza freno.042

"Questa gente che preme a noi è molta,
e vegnonti a pregar", disse 'l poeta:
"però pur va, e in andando ascolta".045

"O anima che vai per esser lieta
con quelle membra con le quai nascesti",
venian gridando, "un poco il passo queta.048

Guarda s'alcun di noi unqua vedesti,
sì che di lui di là novella porti:
deh, perché vai? deh, perché non t'arresti?051

Noi fummo tutti già per forza morti,
e peccatori infino a l'ultima ora;
quivi lume del ciel ne fece accorti,054

sì che, pentendo e perdonando, fora
di vita uscimmo a Dio pacificati,
che del disio di sé veder n'accora".057

E io: "Perché ne' vostri visi guati,
non riconosco alcun; ma s'a voi piace
cosa ch'io possa, spiriti ben nati,060

voi dite, e io farò per quella pace
che, dietro a' piedi di sì fatta guida,
di mondo in mondo cercar mi si face".063

E uno incominciò: "Ciascun si fida
del beneficio tuo sanza giurarlo,
pur che 'l voler nonpossa non ricida.066

Ond'io, che solo innanzi a li altri parlo,
ti priego, se mai vedi quel paese
che siede tra Romagna e quel di Carlo,069

che tu mi sie di tuoi prieghi cortese
in Fano, sì che ben per me s'adori
pur ch'i' possa purgar le gravi offese.072

Quindi fu' io; ma li profondi fóri
ond'uscì 'l sangue in sul quale io sedea,
fatti mi fuoro in grembo a li Antenori,075

là dov'io più sicuro esser credea:
quel da Esti il fé far, che m'avea in ira
assai più là che dritto non volea.078

Ma s'io fosse fuggito inver' la Mira,
quando fu' sovragiunto ad Orïaco,
ancor sarei di là dove si spira.081

Corsi al palude, e le cannucce e 'l braco
m'impigliar sì ch'i' caddi; e lì vid'io
de le mie vene farsi in terra laco".084

Poi disse un altro: "Deh, se quel disio
si compia che ti tragge a l'alto monte,
con buona pïetate aiuta il mio!087

Io fui di Montefeltro, io son Bonconte;
Giovanna o altri non ha di me cura;
per ch'io vo tra costor con bassa fronte".090

E io a lui: "Qual forza o qual ventura
ti travïò sì fuor di Campaldino,
che non si seppe mai tua sepultura?".093

"Oh!", rispuos'elli, "a piè del Casentino
traversa un'acqua c' ha nome l'Archiano,
che sovra l'Ermo nasce in Apennino.096

Là 've 'l vocabol suo diventa vano,
arriva' io forato ne la gola,
fuggendo a piede e sanguinando il piano.099

Quivi perdei la vista e la parola;
nel nome di Maria fini', e quivi
caddi, e rimase la mia carne sola.102

Io dirò vero, e tu 'l ridì tra ' vivi:
l'angel di Dio mi prese, e quel d'inferno
gridava: "O tu del ciel, perché mi privi?105

Tu te ne porti di costui l'etterno
per una lagrimetta che 'l mi toglie;
ma io farò de l'altro altro governo!".108

Ben sai come ne l'aere si raccoglie
quell'umido vapor che in acqua riede,
tosto che sale dove 'l freddo il coglie.111

Giunse quel mal voler che pur mal chiede
con lo 'ntelletto, e mosse il fummo e 'l vento
per la virtù che sua natura diede.114

Indi la valle, come 'l dì fu spento,
da Pratomagno al gran giogo coperse
di nebbia; e 'l ciel di sopra fece intento,117

sì che 'l pregno aere in acqua si converse;
la pioggia cadde, e a' fossati venne
di lei ciò che la terra non sofferse;120

e come ai rivi grandi si convenne,
ver' lo fiume real tanto veloce
si ruinò, che nulla la ritenne.123

Lo corpo mio gelato in su la foce
trovò l'Archian rubesto; e quel sospinse
ne l'Arno, e sciolse al mio petto la croce126

ch'i' fe' di me quando 'l dolor mi vinse;
voltòmmi per le ripe e per lo fondo,
poi di sua preda mi coperse e cinse".129

"Deh, quando tu sarai tornato al mondo
e riposato de la lunga via",
seguitò 'l terzo spirito al secondo,132

"ricorditi di me, che son la Pia;
Siena mi fé, disfecemi Maremma:
salsi colui che 'nnanellata pria135

disposando m'avea con la sua gemma".

Falke Hölle
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