Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Inferno ─ Canto 34

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Hölle ─ Gesang 34

»Des Herrschers Banner flattern an' ─ des höll'schen,
Jetzt gegen uns; drum halt nach vorwärts Ausschau«,
Sprach da mein Meister, »ob du ihn entdeckest!«

Gleichwie ─ wenn dichter Nebelschleier herhaucht;
Auch dann, wann unsere Erdballhälft' in Nacht sinkt ─
Von fern ein Mühlwerk aussieht, das der Wind treibt:

So glaubt' ich jetzt zu schau'n ein solch Gebäude!
Doch bald, wegen des Sturms, drängt' ich mich rückwärts
An meinen Führer; denn nicht andern Schlupf gab's.

Schon war ich (nur mit Furcht bring' ich's in Verse!)
Dort, wo die Schatten ganz im Eise staken
Und drin erschienen wie der Halm im Glase:

Die einen liegen flach; andre steh'n senkrecht,
Der auf dem Kopf und jener auf den Sohlen;
Der, bogengleich, krümmt sein Gesicht zu Füßen.

Als wir nun soweit vorgeschritten waren,
Daß meinem Meister gut schien, mir zu zeigen
Das Wesen, dem einst hehrstes Ausseh'n zukam,

Schob er mich vor sich hin und ließ mich halten;
»Hier siehst du Dis«, sprach er, »und hier die Stelle,
Wo's not tut, daß mit Stärke du dich wappnest!«

Wie ich auf einmal starr ward und entkräftet,
Nicht frag es, Leser; denn ich schreib's nicht nieder,
Weil alles Reden nicht von fern dran reichte !

Ich starb nicht hin und blieb doch auch nicht lebend:
Denk du nun selbst, hast du ein Fünkchen Geist nur,
Wie mir da ward, gleichweit vom ein und andern.

Der Oberherr des qualdurchstöhnten Reiches
Hob bis zur halben Brust sich aus dem Gletscher;
Und mehr mit einem Riesen mess' ich selbst mich,

Als die Giganten sich mit seinen Armen:
Erkenn nunmehr, wie groß das Ganze sein muß,
Das sobeschaffnem Teile sich vergleicht ─

War er einmal so schön, wie er jetzt häßlich,
Und hob die Wimpern wider seinen Schöpfer,
So muß von ihm wohl jedes Weh herrühren!

Ach, wie erschien es mir als großes Wunder,
Als ich drei Fratzen sah an seinem Haupte:
Eine nach vorn, und die war rot von Farbe.

Die andern waren zwei, die sich ihr paarten,
Just ob der Mitte einer jeden Schulter,
Und sich vereinten hoch am Scheitelkamme:

Und schien die rechte zwischen Weiß und Gelblich;
Die linke aber war zu schau'n, wie dorther
Sie zu uns kommen, wo der Nil zu Tal fließt.

Unter jedweder stießen vor zwei Schwingen,
So groß, wie sich's für solchen Vogel ziemte:
Meersegel sah ich nie so ungeheure!

Nicht hatten Federn sie ─ der Fledermaus mehr
Glich ihre Art ─; und diese schwenkt' er flatternd,
So daß drei Winde sich von ilim erhoben,

Drob der Kozytus rings zu Eis erstarrte!
Aus sechs der Augen weint' er; an drei Kinnen
Troff ab die Tränenflut und blutiger Geifer.

In jedem Maul zerquetscht' er mit den Zähnen
Der Sünder einen, wie ein Flachszerbrecher,
So daß er drei zumal ließ Qualen spüren.

Bei dem nach vorn war freilich nichts das Beißen
Gegen das Kratzen; denn es blieb der Rücken
Gar oft von aller Haut ganz abgeschunden.

»Die Seel' dort oben, die die größte Pein fühlt«,
Sagte der Meister, »ist Judas Ischárioth,
Der drin den Kopf hat und die Beine draußen.

Von jenen beiden mit dem Kopf nach unten
Ist, der vom schwarzen Maul herabhängt, Brutus:
Sieh nur, wie er sich windet, doch kein Wort sagt!

Der andr' ist Cassius, der so gliederstark scheint ─ ─ ─
Allein die Nacht steigt auf; und es ist Zeit nun
Zum Weitergeh'n! Denn alles ward betrachtet...«

Wie er's für gut fand, faßt' ich um den Hals ihn,
Und er nahm wahr von Zeit und Ort den Vorteil;
Und als die Flügel weit geöffnet standen,

Krallt' er sich ein in die behaarten Flanken:
Von Zotte hin zu Zotte stieg er ab dann,
Zwischen dem dichten Fell und eisigen Krusten.

Als wir dahin gekommen, wo der Schenkel
Sich rundet, just zum dicken Teil der Hüfte,
Schwenkte der Führer, voller Müh' und Keuchen,

Den Kopf nach dort, wo er die Füße hatte,
Und krampfte sich ans Fell, wie wer da aufsteigt.
So daß zur Höll' ich umzukehren glaubte.

»Halte dich fest; denn auf derartigen Stiegen«,
Sagte der Meister, stöhnend wie ein Matter,
»Müssen so großem Weh wir jetzt entrinnen!«

Schon kroch hinaus er durch ein Loch im Felsen
Und lud mich ab an seinem Rand zum Sitzen;
Dann tat zu mir er den geschickten Sprung.

Ich hob den Blick und glaubte noch zu sehen
Den Luzifer, wie ich ihn just verlassen:
Doch sah ich ihn die Beine aufwärts strecken!

Und ob ich da ward gänzlich überwältigt,
Der plumpe Haufe frag' es, der nicht einsieht,
Was für ein Punkt es ist, den ich durchschritten.

»Erheb dich!« sprach der Meister. »Auf die Füße!
Der Weg ist lang noch, und der Pfad ist schwierig;
Und schon kehrt uns die Sonn' zur halben Terze!«

Das war kein Treppenaufgang in Palästen,
Dort wo wir waren; nein, ein rauh Gewölbe,
Mit schlechtem Boden und an Licht nur Mangel.

»Bevor ich aus dem Abgrund los mich reiße,
O Meister«, sprach ich, als ich aufrecht dastand:
»Irrtum mich zu entzieh'n gib kurz mir Auskunft!

Wo ist das Eis? Und der da, wie nur steckt er
So umgestülpt? Und wie so schnell vom Abend
Zum Morgen hat die Sonn' sich umgeschwungen?«

Und er zu mir: »Du meinst wohl noch, du seiest
Jenseits des Mittelpunkts, wo ich mich krampfte
Ans Fell des Lindwurms, der den Erdball durchsticht?

Dort warst so lange du, als ich hinabstieg
Als ich mich drehte, gingst du durch den Punkt durch,
Zu dem sich allwärts die Gewichte drängen ─

Und bist nun unterm Halbrund angekommen,
Das dem entgegenliegt, welches das große
Festland bedeckt und wo am Berge hinstarb

Der Mensch, der sündlos ward erzeugt und lebte:
Du hast die Füße auf dem Kugel-Kleinrund,
Das die Ergänzung bildet zur Giudecca!

Hier ist es Morgen, wann dort drüben Abend;
Und der, der Pfad uns bot mit seinem Felle,
Steckt noch so fest, wie er zuvor es war.

Auf dieser Seite stürzt' er her vom Himmel;
Und jenes Land, das früher hier hervortrat,
Aus Furcht vor ihm schuf sich's das Meer zum Schleier

Und kam zu unserm Halbrund; und wohl möglich,
Um ihn zu flieh'n, ließ hier den Hohlraum übrig,
Das droben jetzt erscheint und hoch emporschoß...«

Ein Ort ist dort ─ von Beelzebub wegziehend
Gleichweit, wie drüben sich die Hölle ausdehnt ─
Der nicht durch Sicht, nur durch den Ton erfaßt wird

Von einem Bächlein, das daselbst abrieselt
Durch eine Felskluft, die sich's hat gefressen
Im Lauf, drin es sich windet; und nur schwach fällt's.

Mein Herr und ich, auf jenem dunklen Pfade,
Begannen jetzt zur lichten Welt zu kehren;
Und ohne irgend je der Rast zu pflegen,

Klommen wir auf, er erster und ich zweiter:
So lang, bis ich die Herrlichkeiten schaute,
Die da der Himmel trägt, in runder Öffnung.

Und dort floh'n wir zum Wiederseh'n der Sterne.

"Vexilla regis prodeunt inferni
verso di noi; però dinanzi mira",
disse 'l maestro mio, "se tu 'l discerni".003

Come quando una grossa nebbia spira,
o quando l'emisperio nostro annotta,
par di lungi un molin che 'l vento gira,006

veder mi parve un tal dificio allotta;
poi per lo vento mi ristrinsi retro
al duca mio, ché non lì era altra grotta.009

Già era, e con paura il metto in metro,
là dove l'ombre tutte eran coperte,
e trasparien come festuca in vetro.012

Altre sono a giacere; altre stanno erte,
quella col capo e quella con le piante;
altra, com'arco, il volto a' piè rinverte.015

Quando noi fummo fatti tanto avante,
ch'al mio maestro piacque di mostrarmi
la creatura ch'ebbe il bel sembiante,018

d'innanzi mi si tolse e fé restarmi,
"Ecco Dite", dicendo, "ed ecco il loco
ove convien che di fortezza t'armi".021

Com'io divenni allor gelato e fioco,
nol dimandar, lettor, ch'i' non lo scrivo,
però ch'ogne parlar sarebbe poco.024

Io non mori' e non rimasi vivo;
pensa oggimai per te, s' hai fior d'ingegno,
qual io divenni, d'uno e d'altro privo.027

Lo 'mperador del doloroso regno
da mezzo 'l petto uscia fuor de la ghiaccia;
e più con un gigante io mi convegno,030

che i giganti non fan con le sue braccia:
vedi oggimai quant'esser dee quel tutto
ch'a così fatta parte si confaccia.033

S'el fu sì bel com'elli è ora brutto,
e contra 'l suo fattore alzò le ciglia,
ben dee da lui procedere ogne lutto.036

Oh quanto parve a me gran maraviglia
quand'io vidi tre facce a la sua testa!
L'una dinanzi, e quella era vermiglia;039

l'altr'eran due, che s'aggiugnieno a questa
sovresso 'l mezzo di ciascuna spalla,
e sé giugnieno al loco de la cresta:042

e la destra parea tra bianca e gialla;
la sinistra a vedere era tal, quali
vegnon di là onde 'l Nilo s'avvalla.045

Sotto ciascuna uscivan due grand'ali,
quanto si convenia a tanto uccello:
vele di mar non vid'io mai cotali.048

Non avean penne, ma di vispistrello
era lor modo; e quelle svolazzava,
sì che tre venti si movean da ello:051

quindi Cocito tutto s'aggelava.
Con sei occhi piangëa, e per tre menti
gocciava 'l pianto e sanguinosa bava.054

Da ogne bocca dirompea co' denti
un peccatore, a guisa di maciulla,
sì che tre ne facea così dolenti.057

A quel dinanzi il mordere era nulla
verso 'l graffiar, che talvolta la schiena
rimanea de la pelle tutta brulla.060

"Quell'anima là sù c' ha maggior pena",
disse 'l maestro, "è Giuda Scarïotto,
che 'l capo ha dentro e fuor le gambe mena.063

De li altri due c' hanno il capo di sotto,
quel che pende dal nero ceffo è Bruto:
vedi come si storce, e non fa motto!;066

e l'altro è Cassio, che par sì membruto.
Ma la notte risurge, e oramai
è da partir, ché tutto avem veduto".069

Com'a lui piacque, il collo li avvinghiai;
ed el prese di tempo e loco poste,
e quando l'ali fuoro aperte assai,072

appigliò sé a le vellute coste;
di vello in vello giù discese poscia
tra 'l folto pelo e le gelate croste.075

Quando noi fummo là dove la coscia
si volge, a punto in sul grosso de l'anche,
lo duca, con fatica e con angoscia,078

volse la testa ov'elli avea le zanche,
e aggrappossi al pel com'om che sale,
sì che 'n inferno i' credea tornar anche.081

"Attienti ben, ché per cotali scale",
disse 'l maestro, ansando com'uom lasso,
"conviensi dipartir da tanto male".084

Poi uscì fuor per lo fóro d'un sasso
e puose me in su l'orlo a sedere;
appresso porse a me l'accorto passo.087

Io levai li occhi e credetti vedere
Lucifero com'io l'avea lasciato,
e vidili le gambe in sù tenere;090

e s'io divenni allora travagliato,
la gente grossa il pensi, che non vede
qual è quel punto ch'io avea passato.093

"Lèvati sù", disse 'l maestro, "in piede:
la via è lunga e 'l cammino è malvagio,
e già il sole a mezza terza riede".096

Non era camminata di palagio
là 'v'eravam, ma natural burella
ch'avea mal suolo e di lume disagio.099

"Prima ch'io de l'abisso mi divella,
maestro mio", diss'io quando fui dritto,
"a trarmi d'erro un poco mi favella:102

ov'è la ghiaccia? e questi com'è fitto
sì sottosopra? e come, in sì poc'ora,
da sera a mane ha fatto il sol tragitto?".105

Ed elli a me: "Tu imagini ancora
d'esser di là dal centro, ov'io mi presi
al pel del vermo reo che 'l mondo fóra.108

Di là fosti cotanto quant'io scesi;
quand'io mi volsi, tu passasti 'l punto
al qual si traggon d'ogne parte i pesi.111

E se' or sotto l'emisperio giunto
ch'è contraposto a quel che la gran secca
coverchia, e sotto 'l cui colmo consunto114

fu l'uom che nacque e visse sanza pecca;
tu haï i piedi in su picciola spera
che l'altra faccia fa de la Giudecca.117

Qui è da man, quando di là è sera;
e questi, che ne fé scala col pelo,
fitto è ancora sì come prim'era.120

Da questa parte cadde giù dal cielo;
e la terra, che pria di qua si sporse,
per paura di lui fé del mar velo,123

e venne a l'emisperio nostro; e forse
per fuggir lui lasciò qui loco vòto
quella ch'appar di qua, e sù ricorse".126

Luogo è là giù da Belzebù remoto
tanto quanto la tomba si distende,
che non per vista, ma per suono è noto129

d'un ruscelletto che quivi discende
per la buca d'un sasso, ch'elli ha roso,
col corso ch'elli avvolge, e poco pende.132

Lo duca e io per quel cammino ascoso
intrammo a ritornar nel chiaro mondo;
e sanza cura aver d'alcun riposo,135

salimmo sù, el primo e io secondo,
tanto ch'i' vidi de le cose belle
che porta 'l ciel, per un pertugio tondo.138

E quindi uscimmo a riveder le stelle.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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