Le Postillon de Lonjumeau (Adolphe de Leuven/Léon-Lévy Brunswick), opéra comique 3 Akte (13. Okt. 1836 Paris, Opéra-Comique)
Musik von Adolphe Adam

Erstaufführungen

1837 Antwerpen, Brüssel, London St. James (englisch), Prag (deutsch von V. A. Swoboda, tschechisch 1866), Berlin, Hofoper (3. Juni), deutsch von Friedrich Melchior Gredy (Pseudonym M. G. Friedrich), Budapest (deutsch, ungarisch 1904), 1837 Lemberg (14. Okt.), Wien, Kopenhagen (dänisch), Amsterdam französisch, deutsch 1846); 1838 Petersburg (deutsch), Warschau (polnisch), Basel; 1839 Helsinki (deutsch), Stockholm (schwedisch); 1840 New York (englisch, französisch 1843, deutsch 1870)...; 1846 Rio de Janeiro (französisch); 1875 Mailand; 1899 Zagreb; 1899 (kroatisch); 1919 Ljubljana (slowenisch)

Die Oper erreichte in Paris bis 1873 500 Aufführungen, war aber außerhalb Frankreichs erfolgreicher als hier, wo Le Chalet an erster Stelle stand.
Der Postillon war Glanzrolle von Theodor Wachtel (1868 zum 1000. Male) und Heinr. Bötel, beide ursprünglich Droschkenkutscher. Wachtel (auch von den Franzosen als bester Postillon anerkannt) führte den rhythmischen Peitschenknall ein. Adam widmete die Oper dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Er begann die Arbeit am Werk im Nov. 1835 und endigte sie im April 1836. Ursprünglicher Titel "Une Voix ou le Postillon".

Solisten
Chapelou, Postillon, später Sänger an der Opéra als 'Saint-Phar' - Hoher lyrischer Tenor
Madeleine, seine Frau, Postwirtin, später Madame de Latour - Lyrischer Koloratursopran/Koloratursoubrette
Bijou, Schmied, später als 'Alcindor', Chorsänger - Baß buffo/Schwerer Spielbaß
Marquis von Corcy, Intendant der Königlichen Schauspiele und königlicher Kammerherr - Spieltenor/Tenorbuffo/Charaktertenor
Kleine Rollen:
Rose, Kammerzofe der Frau von Latour - Sprechrolle
Bourdon, Chorführer an der Opéra - Charakterbass/Bassbariton

Chor
Hochzeitsgäste, Landleute, Sänger und Chorführer der Königlichen Oper, Nachbarn und Gäste der Frau von Latour, Adlige, Bediente, Volk, Ein Gefreiter, Eine Abteilung Landreiter, Diener

Ort
Im Dorf Lonjumeau, 1756, und im Landhaus von Madame de Latour bei Fontainebleau, 1766

Orchester
2 Flöten (2. auch Piccolo), 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, Schlagzeug, Schellen, Streicher

Handlung

1. Akt Freier Platz im Dorf Lonjumeau
Postillon Chapelou feiert mit der jungen Postwirtin Madeleine Hochzeit. Von dem Hochzeitstanze schließt das junge Paar sich aus, um kosend zu plaudern, von schweren Opfern, die sie beide gebracht (Chapelou, indem er dem lustigen Junggesellenleben entsagt; Madeleine, indem sie eine steinreiche Tante sitzen läßt) - beide unter dem Einflusse von Weissagungen einer Dorfhexe (Chapelou, daß seiner Ruhm und Ehre in Paris harren; Madeleine, daß ein Geck, der sie liebt, sie blad sitzen lassen werde) - Chapelou ersucht den Dorfschmied Bijou, für ihn falls ein Fahrgast käme, die Post zu fahren, damit er, Chapelou, bei Madeleine bleiben könne; Bijou aber weigert sich, weil er Madeleine auch den Hof gemacht. Da erscheint ein Marquis von Corcy, Theaterintendant Ludwigs XV., auf der Suche nach einem Tenor begriffen und infolge Radbruchs zur Rast gezwungen. Altem Brauch gemäß, entführen nun die Brautjungfern die junge Frau, während Bauern den Bräutigam festhalten, bis er sich "losgesungen". Chapelous schöne Stimme bestimmt den Marquis-Intendanten, ihm die Tenorstelle mit 10.000 Livres Jahresgehalt und 100 Livres Spielgeld anzutragen. Chapelou, obgleich durch Bijous Trutzreden, der das ausgebesserte Rad gebracht, wankend gemacht, willigt schließlich ein, die junge Frau sitzen zu lassen und Ruhm und Gold zu gewinnen. Madeleine, durch Bijou aufgehetzt, will den Bösen, der sie am Hochzeitstage verlassen, vergessen und zieht zu ihrer Tante nach Isle de France.

2. Akt Landhaus von Madeleine (reich ausgestatteter Rokokobogensaal)
Madeleine, die durch Veerbung ihrer reichen Tante eine Frau von Latour geworden und ihren Chapelou, jetzt gefeierten Sänger Saint-Phar, noch immer liebt, zumal er sich, ohne sie zu kennen, von neuem in sie verliebt hat. Sie will ihn durch Strafe läutern und bedient sich hierzu des eitlen Marquis, der sie ebenfalls umgirrt und ihr eine Serenade bringen will. Zuerst sind, dem Marquis einen Streich zu spielen, alle Sänger heiser, bis Saint-Phar hört, die Serenade gälte Frau von Latour, die er im Theater gesehen und sie durch ihre Ähnlichkeit mit Madeleine sein Herz in Fesseln geschlagen. Da schmettert er mit seinem schönen Tenor die vom Marquis komponierte Täubchen-Romanze und setzt sich bei diesem wieder in Gunst. Im Zwiegespräch mit Bijou (jetzt Chorführer Alcindor) wird er durch Frau von Latour gestört, die ihm ein ihm in die Hände gespieltes Billet zu entwinden weiß. Er erklärt ihr nun seine Liebe. Sie will ihn erhören unter der Bedingung sofortiger Trauung durch den Schloßkaplan. Saint-Phar, der Bijou-Alcondor dazu vermocht hat, einen Choristen als Kaplan zu verkleiden, will die Geliebte gewinnen, ohne durch rechtsgültige Trauung an sie gefesselt zu sein; Frau von Latour aber, durch den Marquis von dieser Hinterlist unterrichtet, vereitelt sie. Chapelou-Saint-Phar wird von ihr überlistet; die Trauung wird in der Schloßkapelle vom rechten Kapaln unter Glockengeläut vollzogen, worauf der überglückliche Saint-Phar auch dem Volk ein gütiger Herr zu sein verspricht.

3. Akt Zimmer im Landhause (Brautgemach)
Der Marquis, verdrossen, daß ihm Saint-Phar den Rang abgelaufen, trifft Bijou-Alcindor, der den Choristen Bourdon zum Kaplan bestimmt hatte, und unterrichtet ihn, daß die Komödie nicht mehr nötig sei, da sein Freund bereits mit der Geliebten getraut sei. Aber zu spät, das Verbrechen der Bigamie, worauf die Strafe des Hängens steht, ist bereits begangen. Während der Marquis sich boshaft darüber freut, werden dem jungen Paar von allen Seiten Glückwünsche gebracht. Bijou-Alcindor und Chorist Bourdon unterrichten Saint-Phar von der an ihm verübten Hinterlist und fliehen. Saint-Phar, entsetzt hierüber, begegnet auf der Türschwelle seiner ersten Frau Madeleine, die ihm - durch die Dunkelheit begünstigt - bittere Vorwürfe macht und ihn bald als diese, bald als Frau von Latour neckisch peinigt. Nun kommt der Marquis mit der Wache, um den Bigamisten abzuführen. Während die Wache auf ihn eindringt, klärt Frau von Latour, indem sie sich Saint-Phar als Madeleine, seine erste Frau, zu erkennen gibt, den Irrtum auf. Mit der Postillonromanze schließt die Oper.

Gliederung - Dauer

13 Musiknummern, die durch gesprochenen Dialog verbunden werden, keine Ouvertüre; Spieldauer etwa 2,5 Stunden

Musiknummern

1. Akt - Freud' erregt, fest verbunden (Chor) In dem Herzen fühl ich's brennen (Chapelou, Madeleine) - Im Hause wirst du finden (Madeleine) - Glaube, Männchen, mir (Madeleine) - Das ist doch schön! wie wunderbar! (Chapelou, Madeleine) - An leid'ge Prophezeiung will ich nimmer glauben (Madeleine) - Freunde, vernehmet die Geschichte; mit Refrain: Ho Ho! Ho Ho! So schön und froh (Chapelou) - Du wirst dein Glück nicht von dir weisen (Marquis von Corcy) - Prinz, vor dem Hause hält ihr Wagen (Bijou) - Darf ich ihm vertrauen? (Chapelou) - Ha! fern von ihm (Madeleine)

2. Akt - O wär ich nie geboren (Madeleine) - Ach welche Qual zu singen (Chor und Ensemble) - Von früh'ster Morgenröte (Chapelou) - Staunend haben wir vernommen (Chor) - Der Wünsche Ziel hab' endlich ich erklommen (Chapelou) - Uns das Wild der Wälder (Chor) - Ihr Freunde, hört (Finale)

3. Akt - O welch ein Glück! (Chor) - Ich werd' dem Adel mich verbinden (Chapelou) [dafür oft eine Einlage: Du bringst mir] - Gehenkt! Gehenkt! (Chapelou, Bijou, Bourdon) - Sie sehen mich hier ängstlich stehen (Madeleine) - Was kann ich tun? (Chapelou) - Auf den bleib Euer Aug' gerichtet! (Marquis von Corcy) - Weil uns nun Doppelbande umschlingen (Chapelou, Bijou, Madeleine) - Postillonromanze

Records

1962 Reinhart Peters; RIAS Chor und Symphonie-Orchester Berlin (deutsch)
Chapelou: John van Kesteren
Madelaine: Stina Britta Melander
Bijou: Ivan Sardi
Marquis de Corcy: Ernst Krukowski
Bourdon: Fritz Hoppe
Eurodisc 300 073-420 (2 LP) (ohne Dialoge, deutsche Fassung: Werner Koch)

1965 Fritz Lehmann; Bayerisches Staatsorchester
Bijou: Franz Crass
Chapelou: Nicolai Gedda
Madelaine: Ruth-Margret Pütz
Marquis de Corcy: Franz Klarwein
EMI 25 2220 2 (CD) (Querschnitt)

1973 Paul Ethuin; Chours et Orchestre du Grand Théâtre de Nancy
Bijou: René Brun
Chapelou: Charles Burles
Madelaine: Anne-Marie Sanial
Marquis de Corcy: Jacques Doucet
Voce 49 (2 LP)

1986 Thomas Fulton; Ensemble Choral Jean Laforge, Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo
Chapelou: John Aler
Madelaine: June Anderson
Bijou: Jean-Philippe Lafont
Marquis de Corcy: François Le Roux
Bourdon: Daniel Ottevaere
EMI 270435-3 (2 LP) / EMI 747 554-8 (2 CD)

1992 Klaus Arp; Stuttgarter Choristen, Orchester des SWF Kaiserslautern
Chapelou: Robert Swensen
Madelaine: Pamela Coburn
Bijou: Peter Lika
Marquis de Corcy: Florian Prey
Bourdon: Jürgen Linn
Capriccio 60 040-2 (2 CD) (deutsch, Version in zwei Akten)

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