Iphigénie en Aulide (François Gand-Leblanc du Roullet, nach Jean Racine [nach Euripides]), tragédie-opéra (19. April 1774 Paris, Académie Royale), Widmung an Ludwig XVI.
Musik von Christoph Willibald Gluck

Agamemnon, König von Mykene und Oberbefehlshaber der Griechen gegen Troja - Helden- oder Charakterbariton / Hoher Baß
Klytämnestra, seine Gemahlin) - Dramatischer Mezzosopran / Dramatischer Alt
I phigenie, beider Tochter - Jugendlich-dramatischer Sopran
Achill(e), König in Thessalien, Verlobter der Iphigénie - Jugendlicher Heldentenor/Heldentenor
Patroklus, Anführer der Thessalier, Achills Freund - Charakterbariton
Kalchas, Oberpriester am Dianatempel - Seriöser Baß
Arkas, Hauptmann der Leibwache Agamemnons - Charakterbaß / Tenor
Drei Griechinnen - Soprane
Ein Grieche - Tenor
Eine Griechin in Iphigenies Gefolge - Sopran
Artemis - Lyrischer Sopran / Soubrette
Fürsten und Heerführer der Griechen, Thessalier, Leibwache des Agamemnon, Frauen der Klytämnestra, Mädchen von Aulis, gefangene Frauen von Lesbos und Priesterinnen der Artemis; Griechisches Volk; Wachen; Frauen aus Argos im Gefolge der Königin und Iphigenies

2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, Streicher, Basso continuo (in Wagners Bearbeitung 3 Fagotte, 4 Hörner, 3 Trompeten)

Durchkomponierte Szenen; 2 1/2 Stunden; Bärenreiter, Kassel (Gluck-Gesamtausgabe); Edition Peters, Franfurt/M (Bearbeitung von Richard Wagner )

1. Teil: In Agamemnons Brust kämpfen Vaterliebe und Fürstenpflicht einen schweren Kampf miteinander: Die Göttin Artemis versagt zürnend den Griechen den für die Überfahrt nach Troja nötigen Wind. Sie zu versöhnen soll Agamemnon seine eigene Tochter Iphigenie opfern. Um diesem furchtbaren Verhängnis zu entgehen, hat er seinen vertrauten Diener Arkas der Gattin und der Tochter, die auf dem Wege in das Lager sind, entgegengeschickt, damit er sie durch eine listige Täuschung zur Umkehr bewege: Achilles, der Verlobte Iphigeniens, - so solle er sagen - sei seinem Versprechen untreu geworden und genieße die Liebe einer anderen. Die griechischen Fürsten und der Priester Kalchas bestürmen den König, dem Drängen der Göttin nachzugeben und das geforderte Opfer zu bringen, dessen Namen bisher nur dem Priester und dem König bekannt ist. Agamemnon im Vertrauen auf seine List sagt zu, daß er das Opfer bringen wolle, wenn seine Tochter, die er habe rufen lassen, seinem Befehl gehorsam im Lager erscheinen werde. Da melden Jubelgesänge die Ankunft Klytemnästras und Iphigeniens, die der Bote des Königs verfehlt hat. Mit anmutigen Tänzen begrüßen die argivischen Mädchen die Braut des gefeiertsten Helden. In diesem Augenblick erst erreicht Arkas die Königin, um ihr die trügerische Botschaft zu überbringen und sie und ihre Tochter dadurch zu sofortiger Umkehr zu bestimmen. Iphigenie drückt in einer großen Arie ihre namenlose Enttäuschung aus, als Achilles dazukommt und sich mit Nachdruck und Erfolg gegen die Verleumdungen wehrt. In freudiger Erwartung ihrer baldigen Vereinigung versöhnen sie sich.

2. Teil: In Agamemnons Zelt legen Frauen und Mädchen Iphigenien den bräutlichen Schmuck an. Achilles erscheint mit seinem Gefolge, um die Braut abzuholen. Als sie zum Altar schreiten wollen, stürzt Arkas herein und verkündet, was Agamemnon plane: die Braut am Altare der Artemis zu opfern. Zorn und Entsetzen ergreift alle, Achilles gelobt, die Geliebte mit seinem Schwerte zu schützen, und widersetzt sich in einem erregten Duett den Befehlen des Königs. Dieser kann es nicht über sich gewinnen, das Opfer zu vollziehen, und gibt Arkas den Auftrag, mit dem Frauen zu fliehen.

3. Teil: Die Griechen umlagern das Zelt Agamemnons, um die Flucht der Frauen zu verhindern; sie ahnen, daß Iphigenie das geforderte Opfer sei und wollen sie nicht der zürnenden Göttin entkommen lassen. Arkas und Achilles sind entschlossen, sich mit dem Schwerte den Weg zu bahnen. Iphigenie jedoch will sich dem Opfertode weihen, um der allgemeinen Sache der Griechen zu dienen und die Ehre ihres Vaters zu retten. Weder die tobende Wut des Achilles noch die Verzweiflung ihrer Mutter können sie in diesem Entschluß wankend machen. Während Klytemnästra in Ohnmacht sinkt, schreitet Iphigenie ruhig zu den immer lauter das Opfer heischenden Kriegern hinaus.
Verwandlung: Auf dem Altar der Artemis am Meeresstrande soll Iphigenie geopfert werden. Da stürmt Achilles herbei, um die Geliebte aus den Händen der Griechen zu befreien. Als es zu einem blutigen Handgemenge zu kommen droht, naht in einer lichten Wolke die Göttin selber und verkündet, daß die Götter versöhnt seien. Sie vereinigt Iphigenie mit Achill und verheißt den Griechen glückliche Fahrt. Ein großer Dankeschor beschließt die Oper. (In der auf vielen Bühne gespielten Bearbeitung Richard Wagners ist die Schlußszene im Anschuß an die alte griechische Sage geändert: Artemis entführt Iphigenien in ein fernes Land als ihre Priesterin.)

1951 Artur Martin Rother; RIAS Kammerchor, Orchester RIAS Berlin
Martha Musical - Iphigénie
Johanna Blatter - Clitemnestre
Dietrich Fischer-Dieskau - Agamemnon
Helmut Krebs - Achille
Josef Greindl - Calchas
? - Diane
? - Patrocle
Melodram 048 (2 LP); Gala GL 100.710 (2 CD); Cantus Classics 500360 (2 CD) (90'16 deutsch, live 1. Dez. 1951, Richard Wagner-Fassung)

1962 Karl Böhm; Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker
Christa Ludwig - Iphigénie
Inge Borkh - Clitemnestre
Walter Berry - Agamemnon
James King - Achille
Otto Edelmann - Calchas
? - Diane
? - Patrocle
Melodram 714 (2 LP); Penzance Records 250 (2 LP); Orfeo 428 962 (2 CD) (117'39 deutsch, live 3. Aug. 1962 Salzburger Festspiele, Richard Wagner-Fassung)

1972 Kurt Eichborn; Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester
Anna Moffo - Iphigénie
Trudeliese Schmidt - Clitemnestre
Dietrich Fischer-Dieskau - Agamemnon
Ludovic Spiess - Achille
Thomas Stewart - Calchas
Arleen Augér - Diane
? - Patrocle
Eurodisc XF 86 271 (2 LP); Eurodisc 352 988 (2 CD); RCA 74321 32236 2 (2 CD) (102'44 deutsch, Richard Wagner-Fassung)

1987 John Eliot Gardiner; Monteverdi Choir, Orchestre de l'Opéra de Lyon
Lynne Dawson - Iphigénie
Anne-Sofie von Otter - Clitemnestre
José van Dam - Agamemnon
John Aler - Achille
Gilles Cachemaille - Calchas
Guillemette Laurens - Diane
Bernard Deletré - Patrocle
Erato 245 003-2 (2 CD 131'15)

2002 Riccardo Muti; Chor & Orchester der Mailänder Scala
Achille: Stephen Mark Brown
Agamemnon: Christopher Robertson
Arcas: Maurizio Muraro
Calchas: Askar Abdrazakov
Clitemnestre: Daniela Barcellona
Diane: Genia Kühmeier
Esclave: Nino Surguladze
Iphigénie: Violeta Urmana
Patrocle: Giovanni Battista Parodi
Une grecue: Sara Allegretta, Alfredo Nigro, Miljana Nikolic, Alessandra Ruffini, Monica Tarone, Deian Vatchkov
House of Opera DVDCC 701 (1 DVD live)

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