Amelia al ballo (Amelia goes to the Ball; Amelia geht zum Ball; Gian Carlo Menotti); opera buffa 1 Akt (1936; 1. April 1937 Philadelphia, Academy of Music [englische Fassung von George Meade]); Deutsch von Georg C. Winkler; 4. April 1938 San Remo (italienische Fassung); New York 1937; San Remo 1939 (italienisch); Stockholm 1939 (schwedisch); 4. Mai 1940 Gera (Deutsch von Georg C. Winkler)
Musik von Gian-Carlo Menotti

Amelia - Sopran
Der Ehemann - Bariton
Der Liebhaber - Tenor
Die Freundin - Alt
Der Polizeikomissar - Baß
Zwei Zofen - Mezzosopran
Hausbewohner, Passanten, Polizisten
Eine europäische Großstadt am Beginn des 20. Jahrhunderts, abends

Einziger Akt. In ihrem Schlafzimmer macht Amelia Balltoilette. Ungeduldig wartet die Freundin, die sie abzuholen kam. Als Amelia ausgehfertig ist, erscheint der Ehemann und erklärt drohenden Tones: "Du bleibst. Wir gehen nicht!" Mit ironischem Gruß empfiehlt sich die Freundin, um dem ehelichen Disput freien Lauf zu lassen. Der Ehemann hat ein galantes Billett an Amelia abgefangen und will wissen, wer der Absender ist. Amelia, von dem einzigen Gedanken erfüllt, möglichst rasch zum Ball zu kommen, macht die Preisgabe des Namens von dem Schwur ihres Gatten abhängig, sie danach zum Fest zu begleiten. Nachdem sie den zusichernden Handschlag empfangen, nennt sie den jungen Herrn von oben als Verfasser des Briefchens. Einen Revolver zu sich steckend, verläßt der Ehemann das Zimmer. Amelia käme jetzt ein Duell sehr ungelegen, es würde ihre Ballpläne stören. Sie ruft deswegen vom Balkon aus nach dem Liebhaber, der sich an einem Seile herabläßt, und beschwört ihn zu fliehen, er aber will zu ihrem persönlichen Schutze bleiben. Auf die Mitteilung, daß der Gatte einen Revolver eingesteckt habe, wird der Liebhaber anderen Sinnes und sucht Amelia zu gemeinsamer Flucht zu bereden. Aber wo bliebe dann der Ball? Man hört den Ehemann zurückkehren; notdürftig versteckt sich der junge Mann im Alkoven. Der Gatte entdeckt zunächst das Seil, dann dessen Benützer und richtet die Waffe auf diesen, allein der Schuß geht nicht los. Nach diesem Versager versucht man eine Aussprache, die jedoch Amelia nicht paßt, weil sie den Ballbesuch hinauszögert. Da der Ehemann auf Unterhandlung beharrt, zerschlägt Amelia eine Vase an seinem Kopf. Der Getroffene fällt in Ohnmacht, seine Frau ruft um Hilfe. Umdrängt von neugierigen Nachbarn, erscheint der Polizeikommissar. Amelia erklät, indem sie auf den Liebhaber weist, ein fremder Mann habe sie in ihrem Boudoir überfallen und ihren zu Hilfe eilenden Gatten mit der Vase niedergeschmettert. Dem Angeschuldigten fruchtet kein Widerspruch; er wird verhaftet abgeführt. Inzwischen ist die Sanitätskolonne eingetroffen, um den noch immer bewußtlosen Ehemann ins Krankenhaus zu schaffen. Wer soll sich jetzt Amelias annehmen? Galant erbietet sich der Kommissar zur Begleitung. So kommt Amelia doch noch zu ihrem Ball.

Menottis stilistisches Vorbild ist das alte, vom Launenwirbel des Buffogeistes durchtollte Intermezzo. Durch die Wahl eines burlesken, leicht amerikanisierten Gegenwartsstoffes wird Amelia geht zum Ball zum modernen musikalischen Sketch. Dementsprechend sind die stilistischen Mittel: rasch dahinhuschendes, dem Konversationston abgelauschtes Parlando, durchsetzt von melodischen und ariosen Splittern, witzige Glossen des durchsichtig behandelten Orchesters, Überwiegen des dramatischen Elements vor dem musikalischen. Fehlt auch ein ausgesprochener Persönlichkeitsstil, handwerkliche Meisterschaft und ausgeprägter Bühneninstinkt bewirken ein anmutiges Stück musikalischen Unterhaltungstheaters.
Mit dieser Oper gelang es dem erst 22jährigen M., der seinen Text noch in ital. Sprache abgefaßt hatte, seinen Erfolg als Komponist in den USA zu begründen. Die positive Aufnahme, die das in der Tradition der ital. Buffo-Oper stehende Werk fand, veranlaßte die Rundfunkgesellschaft NBC, Menotti den Auftrag für eine Radio-Oper (Die alte Jungfer und der Dieb) zu erteilen.

1954 Nino Sanzogno; Chor & Orchester des Teatro alla Scala
Amelia: Margherita Carosio
Commissario: Enrico Campi
The Friend: Maria Amadini
The Husband: Rolando Panerai
The Lover: Giacinto Prandelli
Zofen: Elena Mazzoni; Silvana Zanolli
EMI 063-01334 (1 LP) / Columbia C 90370 (1 CD)

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