Alessandro Stradella (Wilhelm Friedrich [Friedrich Wilhelm Riese]), romantische Oper 3 Aufzüge (1843/44; 30. Dez. 1844 Hamburg, Stadttheater) (nach dem gleichnamigen Werk von 1837) [siehe auch Stradella] (unter Benutzung eines französischen Singspiels von Pittaud de Forges und P. Duport, Flotow fügte einige Arien hinzu); EA Berlin 1845; Wien, Theater an der Wien und Kärntnertortheater 1845; Budapest 1845
Musik von Friedrich von Flotow

W. Friedrich, unter diesem Decknamen verbarg sich einer der fruchtbarsten Bühnenautoren um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Im bürgerlichen Leben hieß er Friedrich Wilhelm Riese und war vermutlich 1805 in Berlin geboren. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in Hamburg, wo er für das dortige Thalia-Theater über hundert Stücke französischen, englischen und italienischen Ursprungs bearbeitete, die dann den Weg über alle deutschen Bühnen nahmen. Zum Operndichter befähigte W. Friedrich eine flüssige, vokalreiche Versdiktion und absoluter Bühneninstinkt. Die spätere Entfremdung mit diesem Librettisten hat Flotow insofern geschadet, als er nach den vorzüglichen Büchern von Allessandro Stradella und Martha niemals mehr ähnlich wirksamen Text unter die Notenfeder bekam. Seit 1852 lebte Riese literarisch verstummt als Sonderling in Neapel, wo er am 15. Nov. 1879 seine letzte Ruhestätte fand.

Der historische Alessandro Stradella lebte von 1645 bis 1682 und trat als Opern-, Oratorien- und Kantatenkomponist hervor. Kurz vor der Aufführung einer seiner Opern floh er mit einer seiner Schülerinnen, der Geliebten eines venezianischen Nobile, aus Venedig und begab sich nach Rom, wo auf Anstiftung des Rivalen ein Mordanschlag auf ihn unternommen und 1677 in Turin wiederholt wurde. 1682 wurde Stradella zu Genua im Zuge einer Eifersuchtstragödie ums Leben gebracht.

Alessandro Stradella, Sänger und Komponist - Tenor
Bassi, reicher Venezianer - Baß
Leonore, sein Mündel - Sopran
Malvolino und Barbarino, Banditen - Baß, Tenor
Patrizier, Banditen, Masken, Schüler, Landleute, Pilger
Venedig, später Landgegend bei Rom um 1670

1.- 3. Akt. Im Trubel des Karnevals hat der Sänger Alessandro Stradella Leonore, das Mündel des reichen Venetianers Bassi, entführt, um in ländlicher Stille mit ihr vor den Traualtar zu treten. Unterdessen hat Bassi das Banditenpaar Malvolino-Barbarino ausgesandt, um blutige Rache an Stradella zu nehmen. Als der Sänger auf Wunsch der Hochzeitsgäste das Lied vom Maler Salvatore Rosa anstimmt, der durch seine Kunst sogar den rauhen Sinn wilder Räuber zu rühren vermochte, vergessen die Banditen ihres Auftrags. Daraufhin stellt Bassi sich selber ein, um auf Vollzug der Tat zu drängen. Unbemerkt nähern sich die Banditen dem Sänger in dem Augenblick, in dem er gerande einen Lobgesang für das morgige Marienfest einübt. Schon wollen Malvolino und Barbarino ihre Dolche erheben, da zwingt sie die Macht der Kunst und des Gewissens als reumütige Sünder zu Stradellas Füßen. Da inzwischen auch Bassi anderen Sinnes geworden ist, steht dem Glück der Liebenden nicht mehr entgegen.

Flotow, ein Meister der Anpassung, trifft das italienische Kolorit vorzüglich, vor allem auch durch Verwendung volksmusikalischer Elemente und Tanzrhythmen. Stradellas Hymne "Jungfrau Maria" ist ein Paradestück für den Tenor, ebenso melodisch wie gesanglich dankbar. Am lebendigsten ist die Oper durch ihre buffonesken Figuren geblieben; das Duett Malvolinos und Barbarinos im 2. Akt sprüht von Humorlaune. Auch im 3. Akt bilden die beiden Banditen und ihre Streiche den eigentlichen Herzschlag der Oper.

Grundlage des Librettos ist das abenteuerliche Leben des venezianischen Opernkomponisten Alessandro Stradella. Die Darstellung der Liebesaffäre ist bis auf den gattungsgerechten versöhnlichen Ausgang historisch getreu. Riese benutzte als Vorlage eine am 4. 2. 1837 im Palais Royal in Paris aufgeführte "comédie mêlée de chant" (Vaudeville) von P.A.A. Pittaud de Forge und P. Dupont, für die Flotow bereits einige neue musikalische Nummern komponiert hatte. Das nach Martha erfolgreichste Werk des Komponisten, im Stile der franz. "opéra comique", jedoch ohne gesprochenen Dialog komponiert, hatte bei der UA außerordentlichen Erfolg und fand seitdem rasche Verbreitung im In- und Ausland. Die Gattungsbezeichnung "Romantische Oper" stützt sich sowohl auf die kompositorische Anlage des Werkes als auch auf die abenteuerliche Handlung. Auffällig sind in der Partitur die zweifache erinnerungsmotivische Wiederholung des Glockenchores und die Tanzeinlage, eine Tarantella im 1. und ein Pas de deux im 2. Akt.

1977 Heinz Wallberg; Chor & Orchester des Bayerischen Rundfunks
Barbarino: Ferry Gruber
Bassi: Richard Kogel
Leonore: Helen Donath
Malvolino: Alexander Malta
Stradella: Werner Hollweg
Voce-24 (LP), Gala GL 100.733 (2 CD live)

2001 Daniele Callegari; Nationale Weißrussische Philharmonie, Wexford Festival Opera Chorus
Barbarino: Declan Kelly
Bassi: Andrei Antonov
Leonore: Ekaterina Morozova
Malvolino: Frantisek Zahradnicek
Stradella: Stefano Costa
Foné 022 2SACD (2 CD live)

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