Absil, Jean
* 23. Okt. 1893 in Bonsecours/Péruwelz (Hainaut/Hennegau)
† 2. Febr. 1974 in Uccle (Brüssel)
Komponist und Lehrer

  • Er studierte Orgel, Klavier und Harmonielehre bei Alphonse Oeyen, Organist in Bon-Secours. Er setzte seine Studien an der Ecole St. Grégoire in Tournai fort, wo er sein erstes Orgelkonzert im Jahre 1912 gab. 1913 ging er an das Konservatorium in Brüssel, wo er Orgel bei Desmet, Klavier bei R. Moulaert und Harmonielehre bei Lussens studierte. 1916 errang er einen ersten Preis für Orgel und Harmonielehre und, nach einem weiteren Jahr bei Du Bois, einen weiteren für Kontrapunkt und Fuge. Nachdem er den Plan als Organist aufgegeben hatte, studierte er 1920-1922 Komposition bei Gilson. 1921 gewann seine erste Sinfonie den Agniez-Preis; 1922 errang er mit der Kantate La guerre den zweiten Prix de Rome für Belgien und wurde Direktor an der Etterbeek Musikschule. Ab 1930 lehrte er praktische Harmonielehre am Brüssler Konservatorium, wo er 1936 zum Professor ernannt wurde. 1934 gewann er den Rubens-Preis und ging für einige Zeit nach Paris. Mit Dotremont und Leirens gründete er 1938 die Revue internationale de musique; im gleichen Jahre wurde seine Name durch das Klavierkonzert, komponiert für den Ysaÿe-Wettbewerb, in der musikalischen Welt bekannt. Für einige Zeit war er Präsident der belgischen Sektion der ISCM (International Society for Contemporary Music). 1939 wurde er Professor für Fugenlehre am Konservatorium in Brüssel und an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth bis zu seinem Ruhestand 1959. 1955 wurde er in die königliche Akademie Belgien aufgenommen und 1964 nahm er den Prix Quinquennial der belgischen Regierung an.
    Absils Studien am Konservatorium hatten es nur bis zur Musik César Francks gebracht, und bei Gilson studierte er nur die Orchestration bis Wagner, Strauss und die russischen Komponisten. Durch die Konzerte des Pro Arte Quartetts in Brüssel bekam er Zugang zu den Werken von Milhaud, Hindemith und Schönberg. Er verbrachte lange Zeit, um ihre Partituren besser kennenzulernen. 1932 widmete er sein Werk op. 9 Alban Berg, der mit einem herzlichen Brief des Dankes antwortete, und während seines Paris-Aufenthalts begegnete er Milhaud, Honegger, Ibert und Schmitt, mit dem er sich anfreundete. In Nachahmung der Pariser Konzerte Triton, arbeitete er zusammen mit Chevreuille, Poot, Souris und anderen jungen belgischen Komponisten an der Gründung der La Sirène Reihe für die Aufführung Neuer Musik in Brüssel und anderswo. Konfrontiert mit dem Unverständnis des Publikums veröffentlichte er seine Postulats de la musique comtemporaine (Huy 1937). In ihnen erklärte Absil, dass der Unterschied zwischen Konsonanz und Dissonanz bedeutungslos sei und dass die Polytonalität bereits seit dem Mittelalter existiere, die in The Rite of Spring voll zum Ausdruck kommt. Seiner Meinung nach wird Atonalität in Nordeuropa weniger akzeptiert als in Mitteleuropa.
    In seinen frühen Werken war Absil offensichtlich von seinen Lehrern beeinflusst; die Rhapsodie flamande zum Beispiel steht in der Tradition Gilsons. Mit La mort de Tintagiles betritt er allerdings einen individuelleren Weg, aber sein Stil formte sich erst in der Kammermusik, die er nach 1934 schrieb. Dieser Stil ist hauptsächlich polyphonisch und polymdodal, mit unterschiedlichen Tonarten in ein und demselben Werk und einer Vorliebe für übermäßige Quarten und verminderte Oktaven. Taktwechsel und irrationale Notenwerte sind häufig; mitunter finden sich Überlagerungen von dreier und zweier Metren oder von unterschiedlich unterteilten Gruppen, die diesen charakteristischen lebhaften Effekt hervorrufen. Oft sind in den Variationen oder andren konventionellen Formen klare Strukturen zu finden. Eine Weiterentwicklung fand nach 1938 statt, als er versuchte, sein Werk zugänglicher zu gestalten, ohne jedoch die Klarheit aufzugeben. Von Dramatik und Grobheit wechselte seine Musik zu ruhigem Charme. Er lehnte sich an Bartók an, dessen Werk er seit 1943 durch sein Studium der ländlichen Musik in Rumänien und anderen Ländern immer mehr bewunderte, und zahlreiche seine Werke enthalten volkstümliche Themen. Nach 1963 nahm er keine Rücksicht mehr auf den Geschmack der Zuhörer und widmete seine Anstrengungen immer ausschließlicher der Instrumentalmusik.
  • Orchesterwerke

  • Sinfonie Nr. 1 d-moll op. 1, 1920
  • La mort de Tintagiles op. 3, 1923-1926
  • Rhapsodie flamande op. 4, 1928
  • Berceuse für Violoncello und Orchester, 1932
  • Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 op. 11, 1933
  • Petite suite op. 20, 1935
  • Sinfonie Nr. 2 op. 25, 1936
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 op. 30, 1937
  • Rhapsody Nr. 2 op. 34, 1938
  • Andante symphonique, 1939
  • Concertino für Violoncello und Orchester op. 42, 1940
  • Serenade op. 44, 1940
  • Variations symphoniques op. 50, 1942
  • Konzert für Viola und Orchester op. 54, 1942
  • Rhapsodie roumaine für Violine und Orchester op. 56, 1943
  • Sinfonie Nr. 3 op. 57, 1943
  • Concerto grosso für Bläserquintett und Streicher op. 60, 1944
  • Jeanne d'Arc op. 65, 1945
  • Rites für Ensemble op. 79, 1952
  • Rhapsodie brésilienne op. 81, 1953
  • Mythologie op. 84, 1954
  • Croquis sortifs für Ensemble op. 85, 1954
  • Divertimento für Saxophonquartett und Orchester op. 86, 1955
  • Introduction et valses op. 89, 1956
  • Légendes d'après Dvořák für Ensemble op. 91, 1956
  • Suite d'après le folklore roumain op. 92, 1956
  • Suite bucolique für Streicher op. 95, 1957
  • Fantaisie concertante für Violine und Orchester op. 99, 1958
  • 2 danses rituelles op. 105, 1960
  • Triptyque op. 106, 1960
  • Fantaisie-humoresque für Klarinette und Streicher op. 113, 1962
  • Fanfares für Blechbläserensemble op. 118, 1963
  • Rhapsody Nr. 6 für Horn und Orchester op. 120, 1963
  • Concertino für Viola und Streicher op. 122, 1964
  • Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 op. 124, 1964
  • Nymphes et faunes für Ensemble op. 130, 1966
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 op. 131, 1967
  • Allegro brillante für Klavier und Orchester op. 133, 1967
  • Sinfonie Nr. 4 op. 142, 1969
  • Sinfonie Nr. 5 op. 148, 1970
  • Fantaisie-caprice für Altsaxophon und Streicher op. 152, 1971
  • Konzert für Gitarre und Orchester op. 155, 1971
  • Ballade für Altsaxophon, Klavier und Orchester op. 156, 1971
  • Déités op. 160, 1972
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 op. 162, 1973
  • Kammermusik

  • Streichquartett Nr. 1 op. 5, 1929
  • Klaviertrio op. 7, 1931
  • Streichquartett Nr. 2 op. 13, 1934
  • Bläserquintett op. 16, 1934
  • Streichtrio Nr. 1 op. 17, 1935
  • Streichquartett Nr. 3 op. 19, 1935
  • Fantaisie rhapsodique für 4 Violincelli op. 21, 1936
  • Quartett Nr. 2 für 4 Violoncelli op. 28, 1937
  • Saxophonquartett op. 31, 1937
  • Klavierquartett op. 33, 1938
  • 3 pièces en quatuor für Saxophonquartett op. 35, 1938
  • Concert à 5 für Flöte, Streichtrio und Harfe op. 38, 1939
  • Streichtrio Nr. 2 op. 39, 1939
  • Fantaisie für Klavierquartett op. 40, 1939
  • Streichquartett Nr. 4 op. 47, 1941
  • Suite für Violoncello und Klavier op. 51, 1942
  • Sicilienne für Flöte und Harfe, 1950
  • 3 contes für Trompete und Klavier op. 76, 1951
  • Suite für Posaune und Klavier op. 78, 1952
  • Suite sur des thèmes populaires roumains für Saxophonquartett op. 90, 1956
  • Sihouettes für Flöte und Klavier op. 97, 1958
  • Burlesque für Oboe und Klavier op. 100, 1958
  • Sonate en duo für Violine und Viola op. 112, 1962
  • Sonata für Altsaxophon und Klavier op. 115, 1963
  • Quartett für 4 Klarinetten op. 132, 1967
  • Croquis pour un carnaval für 4 Clarinetten und Harfe op. 137, 1968
  • 5 Pièces für Klarinette od. Altsaxophon und Klavier op. 138, 1968
  • Suite Nr 2 für Violoncello und Klavier op. 141, 1968
  • Suite mystique für 4 Flöten op. 145, 1969
  • Sonata für Violine und Klavier op. 146, 1970
  • Suite für Trompete und Klavier op. 149, 1970
  • Esquisses für Holzbläserquartett op. 154, 1971
  • Klaviertrio Nr. 2 op. 158, 1972
  • Images stellaires für Violine und Violoncello op. 161, 1972
  • Werke für einzelne Instrumente
    - Klavier

  • 3 Impromptus op. 10, 1932
  • Sonatine op. 27, 1937
  • 3 Pièces für die rechte Hand op. 32, 1938
  • 3 marines op. 36, 1939
  • Sonatina Nr. 2 (Suite pastorale) op.37, 1939
  • Bagatelles op. 61, 1944
  • Grande suite op. 62, 1944
  • Hommage à Schumann op. 67, 1946
  • Esquisses sur les 7 péchés capitaux op. 83, 1954
  • Variations op. 93, 1956
  • Echecs, op. 96, 1957
  • Danse rustiques, 1958
  • Passacaglia in memoriam Alban Berg op. 101, 1959
  • Rhapsody Nr. 5 für 2 Klaviere op. 102, 1959
  • Danses bulgares op. 103, 1959
  • 30 études préparatoires à la polyphonie op. 107, 1961
  • Du rythme à l'expression op. 108, 1961
  • Grande suite Nr. 2 'Hommage à Chopin' op. 110, 1962
  • Sonatina op. 125, 1965
  • Humoresques op. 126, 1965
  • Ballade für die linke Hand op. 129, 1966
  • Asymétries für 2 Klaviere op. 136, 1968
  • Alternaces op. 140, 1968
  • Féeries op. 153, 1971
  • Poésie et vélocité op. 157, 1972
  • - Gitarre

  • 10 Pièces op. 111, 1962
  • Suite op. 114, 1963
  • 3 Pièces für 2 Gitarren op. 119, 1963
  • Pièces caractéristiques op. 123, 1964
  • Suite für 2 Gitarren op. 135, 1967
  • Contrastes für 2 Gitarren op. 143, 1969
  • Sur un paravent chinois op. 147, 1970
  • 4 Pièces op. 150, 1970
  • Petit bestiaire op. 151, 1970
  • 10 Pièces op. 159, 1972
  • - andere Instrumente

  • Chaconne für Violine, op. 69, 1949
  • 3 Pièces für Bandoneon op. 121, 1964
  • Etude für Tromel, 1964
  • 3 Pièces für Orgel op. 127, 1965
  • Sonata für Violine op. 134, 1967
  • Entrée solennelle pour un Te Deum für Orgel, 1968
  • Chorwerke

  • La guerre (V. Gilles), Kantate op. 2, 1922
  • 3 Stücke (H. Malteste, I. Gilkin, E. Verhaeren) für dreistimmigen Frauenchor und Klavier op. 6, 1930
  • 3 poèmes (A. Cantillon) für vierstimmigen Chor op. 9, 1932
  • 3 Stücke (P. Reboux, Cantillon, Verhaeren) für vierstimmigen Chor op. 14, 1934
  • 3 Stücke (Fort) für zweistimmigen Kinderchor und Orchester op. 15, 1934
  • 3 Stücke (A. Séché, F. de Grammont, Fort) für Kinderchor und Orchester op. 24, 1935
  • 3 Stücke (F. Bataille, P. Brohée, anonymus) für dreistimmigen Frauenchor und Klavier op. 24, 1936
  • Alcools (Apollinaire) für vierstimmigen Chor op. 43, 1940
  • Philatélie (T. Braun), Kantate op. 46, 1940
  • Les bénedictions (Braun), Kantate op. 48, 1941
  • 4 chansons de bonne humeur (Klingsor) für zweistimmigen Frauenchor und Orchester, op. 49, 1942
  • Les chants du mort (trad. Rumänien), Kantate op. 55, 1943
  • Bestiaire (Apollinaire) für vierstimmigen Chor op. 58, 1944
  • Printemps (Carême) für Kinderchor und Orchester op. 59, 1944
  • Zoo (J. Sasse) für vierstimmigen Chor op. 63, 1944
  • Thrène pour le vendredi-saint (Etienne de Sadeleer), Kantate op. 66, 1945
  • L'album à colorier (Etienne de Sadeleer), Kantate op. 68, 1948
  • Le zodiaque (Braun) für Chor und Orchester op. 70, 1949
  • Le cirque volante (Etienne de Sadeleer), Kantate op. 82, 1953
  • Colindas (trad. Rumänien) für dreistimmigen Frauenchor op. 87, 1955
  • Chansons plaisantes (trad. Rumänien) für zweistimmigen Kinderchor und Orchester op. 88, 1956
  • Chansons plaisantes (trad. Frankreich etc.) für zweistimmigen Kinderchor und Orchester op. 94, 1956
  • 6 poèmes (Carême) für dreistimmigen Kinderchor op. 109, 1961
  • Petites polyphonies für zweistimmigen Chor und Orchester op. 128, 1966
  • A cloche-pied (Carême) für Kinderchor und Orchester op. 139, 1968
  • Le chant de l'école für Kinderchor op. 144, 1969
  • Vokalwerke

  • 3 mélodies (Moréas, Gilkin) für Mezzosopran od. Bariton und Klavier, 1927
  • 3 mélodies (Brohée, Cantillon) für Tenor und Klavier op. 8, 1932
  • 5 mélodies (Maeterlinck, Valéry, Hugo) für Mezzosopran und Streichquartett op. 12, 1933
  • 4 mélodies (Maeterlinck) für Mezzosopran od. Bariton und Klavier, 1 für Sopran od. Tenor und Klavier, 1933
  • Nostalgie d'Arabella (M. Beerblock) für Alt, Altsaxophon, Klavier und Schlagzeug op. 22, 1936
  • Batterie (Cocteau) für Sopran od. Tenor und Klavier op. 29, 1937
  • Berceuse (Morgenstern) für eine Stimme und Klavier, 1938
  • 3 poèmes (Klingsor) für Mezzosopran od. Bariton und Orchester op. 45, 1938-1940)
  • Enfantines (M. Ley) für Mezzosopran od. Bariton und Klavier op. 52, 1942
  • 2 poèmes (Jammes) für Sopran od. Tenor und Klavier op. 53, 1942
  • Chansons de 4 sous (Fort) für Mezzosopran od. Bariton und Klavier, 1942
  • Phantasmes (Michaux, L. Hughe, Beerblock [incl. op. 22]) für Alt, Altsaxophon, Klavier und Schlagzeug op. 72, 1950
  • Rêves (René Lyr) für eine Stimme und Klavier op. 80, 1952
  • Heure de grâce (Carême) für Sopran od. Tenor und Klavier op. 98, 1958
  • 3 vocalises für Mezzosopran od. Bariton und Klavier op. 116, 1963
  • Cache-cache (Carême, E Vollène) für Mezzosopran od. Bariton und Klavier op. 117, 1963
  • Bühnenwerke

  • Peau d'âne (Henry Ghéon), féerie lyrique 3 Akte op. 26 (1937; 1942 Rom)
  • Ulysse et les sirènes (José Bruyr), Funkoper, scène mythologique (Hörspiel) op. 41 (1939)
  • Fansou ou Le Chapeau chinois (Maurice Franc-Nohain), comédie lyrique op. 64 (1944; 1947 Brüssel)
  • Le miracle de Pan (René Lyr), Ballett 1 Akt op. 71 (1949; 1952 Brüssel)
  • Pierre Breughel l'Ancien (René Lyr), Funkoper, Hörspiel op. 73 (1950)
  • Epouvantail (Etienne de Sadeleer), Ballett 1 Akt op. 74 (1950; 1951 Brüssel)
  • Les voix de la mer (René Lyr), Oper 3 Akte op. 75 (1951; 1954 Brüssel)
  • Les météores (René Lyr), Ballett 1 Akt op. 77 (1951; 1952 Monte Carlo)
  • Le Bal chez Madame de X, Ballettszene (1956; 1957 Brüssel)
  • Bibliografie

  • Catalogue des ouvres de compositeurs belges: Jean Absil (Brüssel 1957)
  • R. Wangermée: La musique belge contemporaine (Brüssel 1959)
  • Music in Belgium (Brüssel 1964)
  • R. de Guide: Jean Absil (Tournai 1965)
  • Klangbeispiele

  • Brazilian Rhapsody for orchestra (1953)
  • Bulgarian Dances
  • Cinq Piéces Faciles
  • Fantaisie Caprice (Alto Saxophone and Organ)
  • Le bestiaire
  • Petite suite
  • Petit bestiaire op 151 (la poule)
  • Rites
  • Sicilienne oboe and harp
  • Sonate I
  • Sonate op. 115
  • Suite for guitar
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