Spruchlexikon DEUTSCH

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Bezahlen ist besser als bürgen.
dk] Jeg vil heller böde ond svaerge med ham.
Bezahlen und wenig haben, ist besser als schuldig sein bei vollem Beutel.
it] E meglio pagare, e poco havere, che molto havere, e più dovere.
Bezahlen wir die Musik, so wollen wir auch tanzen.
Bezahlstag kompt.
Bezahlt ein jeder seine Zech', so gibt's kein Schuldenpech.
Bezahlt Gott nicht zur Stunden, so bezahlt er zuletzt mit Heller und Pfunden.
nl] God betaalt alle weken niet, maar hij betaalt eens op het einde.
Bezahlt man den Mann, so sind die Wunden quitt.
[RSpW]
i] War nach altdeutschem Recht die Buße für ein einem andern zugefügtes Unrecht bezahlt, der Verletzte befriedigt; dann war die Wunde quitt, d.h. der Rechtsfrieden wieder gesichert. Nicht selten gab sogar die Feierlichkeit der Bußzahlung und die darauf erfolgte Wiederversöhnung Anlass zu nachher entstehender enger Freundschaft.
fries] Betale he den man, so sind de wunden quitt.
Bezahlte Schuld ist die beste.
Bezahlung riecht niemals schlecht.
Hawaii
Bezahlung wäscht von Schande rein.
Japan
Bezähme deinen Zorn und überlasse dem die Rache,
Der besser als du selbst kann führen deine Sache!
Bezähme die Zunge und halte das Herz in der Faust.
Russland
Bezähme die Zunge, und halte das Herz gepreßt in der Faust.
Bezeichne die Sache mit ihrem Namen.
la] Signa suo nomine!
Bezeuge Ehre den Greisen, dann wird man auch dich im Alter preisen.
Kurdistan
Beziehungen anknüpfen.
en] To establish contacts.
fr] Nouer des relations.
it] Stringere rapporti.
Beziehungen sind mehr wert, als ein Haufen Gerechtigkeit.
Bezüglich der Schweine ist alles Geld, und in Sachen des Geldes sind alle Schweine.
Mexiko
Bezweifle nur (immer) das, was wahrscheinlich zu sein scheint.
Frankreich
Bezwing deinen Groll!
la] Compesce mentem!
Bi 'm Pund Wachs.
i] So wurden bei Gemeinde-, Zunft- u. dgl. Versammlungen die alten Strafen ausgedrückt, bei welchen die Mitglieder zu den Zusammenkünften gefordert wurden.
Bi 'n Drunk kennt man den Narr.
Bi 'n rechten Kôpmann (Kaufmann) kam'n.
i] Ironisch für: schlimm ankommen, seinen Mann finden.
Bi 't Brugen (Brauen) un Backen hebb'n de Frugen den Düwel in 'n Nacken.
Strelitz
Bi 't Kinnerspill (Kinderspiel) is 't Schreien dat Best.
i] Der Oldenburger liebt Ruhe und verzeiht ein Überströmen jugendlicher Lust nur Kindern. Das Sprichwort hat nur die Erwachsenen im Auge, deren Heiterkeit sich lärmend äußert.
Bi an suarten Seddel maghet'm ham lacht suttag.
Nordfriesland
i] Bei einem schwarzen Kessel macht man sich leicht rußig.
Bi anner Lüe (Leute) över de Däle wesen.
i] Auf fremder Diele sein, bei oder mit andern Leuten zusammen wohnen. Mit andern ein gemeinschaftliches Familienleben führen.
Bi Brunkohl hört Speck un Malligkeit.
i] Lachen hilft die schwere Speise verdauen.
Bi d'r Gaus (Gänsen) sin.
Grafschaft Mark
i] Bewusstlos, ohnmächtig.
Bi da Hund begrûnt, begrôt er auch.
Ungar. Bergland
i] Wie er begrünt, d.i. beginnt, anfängt, begraut er auch; für: Jung gewohnt, alt getan.
Bi dat Botterfass früen.
Holstein
i] Gut essen und trinken, beim Butterfass auf die Freie gehen.
Bi de Lüden (Leuten) is de Nahrung.
la] Ubi hominum frequentia, ibi quaestus.
Bi de Nase dael sehen.
Lauremberg
i] Herunter zur Erde sehen, d.i. niedergeschlagen sein.
Bi dem hopst de Figenbôm (Feigenbaum) ôk mit de Düvelsklau.
i] Der wird von seinen Gläubigern hart gedrängt, ist dem Falliment nahe.
Bi den Alte isch me ghalte.
Schwiizertütsch
Bi den Lüen (Leuten) is de Nârunge, sacht de Schärensliper, un schof met de Kâr in de Kiârke (Kirche).
Iserlohn
Bi der Nacht arnen (ernten).
Westfalen
i] Stehlen.
Bi der Rewi esst nix Grünes, es muss belese sein.
i] Spottweise vom Frömmler, besonders in Bezug auf den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Die strengfrommen Juden essen nämlich kein grünes Gemüse, ohne dass es vor dem Kochen wegen der verbotenen Insekten, die sich darauf befinden könnten, sorgfältig 'belesen' worden ist.
Bi der Wäsche maut man 't Tüg drügen in 'n Somer, dat et klappet, in 'n Winter, dat et knacket.
i] Im Sommer muss man den Zeug bei der Wäsche trocknen, dass er klappt, im Winter, dass er knackt.
Bi di hêt dat: Klock sla, Dag gah, Mahltît kumm bald.
Mecklenburg (Von einem Faulenzer)
hdt] Bei dir heißt es: Glocke schlage, Tag geh', Mahlzeit komm.
Bi di Leut, so des Gezeuk (Gerät, Werkzeug).
i ] Wie der Herr, so es Gescherr (Geschirr, namentlich vom Fuhrwerk).
Bî döm geit et hinderût as de Hoiner kleiet.
Bi em es Laven (Loben) un Geven ênerlei.
i] Er lässt sich nichts abdingen. Laven steht hier in der Bedeutung einen Preis für eine Ware fordern. Wat lâv ji dat Pärd, d.h. was soll das Pferd kosten?
Bi em hungern de Müs' (Mäuse) in't Schapp dôd.
Bützow
Bi em is Hochwasser.
i] Er kann den Urin nicht halten.
Bi em meste de Lewark und plögt de Ritworm.
hdt] Bei ihm mistet (düngt) die Lerche und pflügt der Ritwurm.
i] Zur Verspottung eines faulen und nachlässigen Landmanns.
Bi em öss (glîk) Kopp (Kopf) on Narsch tosamen. Stallupönen
i] Er gerät leicht in Zorn.
Bi frümmeden Lüden (Leuten) is gut wanken, äwwer nit gut kranken.
Bi Gebreck van Höner (Hühner) ett de Bur Krein.
Bi Gebreck von Lüde (Leute) wurd mien Söhn noch wohl Grosskanzler.
Ostfriesland
jüdisch-deutsch] Be-Mukem (= an einem Orte) sche-ejn (wo kein) Isch (Mensch) ist Häring auch Fisch.
i] Wenn man nichts Besseres hat, muss man mit etwas Geringerm fürlieb nehmen. Man muss Heringe essen, wenn keine bessern Fische da sind; und man muss oft jemand ein Amt anvertrauen, der es nicht erhalten würde, wenn man tüchtigere und geeignetere Personen dazu fände.
Bi Gebrek (Gebrechen) van Lüde wurd mîn Sön noch wohl Großkanzler.
Bi Gebrek van Volk word de Schnîder Karkvogd.
i] In Ermangelung von andern Leuten. Der Volksschwank erzählt, dass ein Felnk ersten Ranges zu dem Ehrenposten eines Kirchenältesten gewählt wurde. Die Ehre sagte ihm zu; aber der Dienst, das Tragen des Klingelbeutels war ihm das Schwierigste bei der Sache. Als er sorgenschwer darüber nachsann, fiel ihm seine große Zipfelmütze in den Schos, die ihn ihrer Form nach an den Klingelbeutel erinnerte. Er stand sofort auf, ergriff eine zweizinkige Heugabel steckte sie auf die Zinken nahm eine faltenreiche Amtsmiene an, 'as 'n Propp van 'n Suurpülle', und sah sich nach den geeigneten Vertretern der Kirchgänger um, um Probe zu gehen. Da er zufällig nach den Viehställen sah, so war es ihm sofort klar, an wen er sich zu wenden habe. Bedächtigen Ganges näherte er sich der ersten Kuh, klingelte pro formell und hielt ihr den Opferbeutel unter die Nase. Die Kuh sah ihn an, senkte aber den Kopf sofort wieder zum Heubündel, an dem sie eben beschäftigt war. 'Dat is gaud', sagte er, 'Nikkoppers gäven niks', und fuhr in seinem Probegang unbeirrt fort. Alles ging ihm nach Wunsch; jedes Vieh senkte das Haupt vor dem Klingelbeutel. In der letzten Abteilung des Stalles stand aber ein Bulle; als diesem der Zipfel vorgehalten wurde, warf er den Kopf in die Höhe und fing zu brummen an. Schnell zog der neue Kirchenälteste den Beutel zurück und sprach besänftigend: 'I denn, de nich will, hövet ja ök nich göver.'
Bi Gebrek vun Volk, ward de Snîder Karkvâgd.
i] Gebrek = Gebrechen, Mangel.
i] Weil es an anderen Leuten fehlte, wurde der Schneider Kirchvogt.
nl] Bij gebrek van eenen wijze zet men den zot in den zetel.
Bi Gebrekk (Gebrechen) von Höner frett de Bûr grise Kraien.
Bi Geld is gôd wân'n (wohnen).
Ostfriesland
Bi Klick un Klack.
i] Klicken = einen hellen Ton hören lassen, dem Klick nachgebildet ist Klippen = klappen, holländisch klacken, französisch claquer = klatschen.
Bi magt (Macht) hollen, wat man toseggt.
i] Sein Versprechen erfüllen.
Bi me sich stellt, so wöred me gekrellt.
Henneberg
i] Krellen, sich krellen, wird in der Regel nur die Empfindung genannt, welche z.B. ein mit einem Beile oder dergleichen Werkzeuge auf ein hohlliegendes Stück Brett, Holz u.s.w. geführter Schlag der Hand oder dem Arme verursacht. Das Sprichwort wird gebraucht, wenn durch ungeschicktes, tölpelhaftes Benehmen bei irgendeiner Arbeit, einem Geschäft, jemand zu Schaden gekommen ist. Krellen, kratzen, besonders von der Katze.
Bi n'n Stücke Brât is gaud reisen.
i] Es ist gut auf der Reise ein Stück Brot bei sich zu führen.
Bi Schepels un bi Lepels tomäten.
i] Vollauf.
Bi schmeckt d's Wasser so gut, hätt' ich me Häusle noch.
Meiningen
i] Sagte jener, als er sein Haus in Wein vertrunken hatte.
Bi wellt mal sehen, bu de Lame danssen kann, sach de Blinne.
Grafschaft Mark
Bi'n April un bi die Frau, nie säker up gaut Wäder bu!
Bi'n iersten Schäpel Roggen möt de Mann de Frau toliehren, nåst is't to låt.
Bî'n Saat- und Wullenhandel is de êste Kâpman de beste.
i] Raps und Wolle soll der Landmann nicht lange liegen lassen, der erste Kaufmann ist der beste. Vielleicht wegen starker Preisschwankungen.
Bî'n'n Stücke Brât (Brot) is gaud reisen.
i] Es ist gut auf der Reise ein Stück Brot bei sich zu führen.
Bî't Nackenhaar kriegen.
Biäen un Düngen ies kein Abergläuwen.
Soest
hdt] Beten und Düngen ist kein Aberglaube.
Biän (wen) uese Hiärguot (Herrgott) well strafen am Liwe, diäm giet he 'n Kuok arr 'ne Kamerjuffer taum Wiwe.
Iserlohn
Biän me imme Sacke finnt, diän schütt me derin ut.
Iserlohn
Biärch un dâl begignet sick nitt, oawer en Mensk dem annern.
Biäter 'n schlûten Wif, äs 'n kîwen (keifendes) Wîf.
Münster
schlûten = verschlossen, schweigsam
Biäter 'n Stück Braut in der Kîpen, as Fîeren (Federn) un Flünke an'n Hôr (Hut).
Münster
Biäter 'n Stück Brot in der Taske, as ne Fiär omme Haue (auf dem Hut).
Iserlohn
Biater dat de Bûk bäst (berstet), all dat de Kost verdarf.
Ravensberg
Biäter en half Ei, äs en liägen Dop.
Soest
Biäter en hewwen (haben), äs en kruigen.
Soest
Biäter en Hewwîk ässe Härrik.
Soest
i] Wortspiel mit Hewwik (hab' ich) und Hawik (Habicht).
Biäter en Lülink in der Hant, as en Kranek oppem Dâke.
Iserlohn
i] Auch Lüning, Leining = Sperling.
Biäter en Toak (= oberflächliche, flüchtige Flickerei), as en Loak (= Loch).
Biäter en Toak äs en Loak (Loch).
i] Toak = ein schlechtes Flickwerk, ein toaken = flüchtig, oberflächlich zu nähen.
Biäter heww ik, ässe härr' ik (= hätte ich).
Soest
Biatter te fiell as te wennig.
Attendorn
Biatter te frou (früh) as te late (spät).
Attendorn
Bibel der Armen
la] biblia pauperum
Bibel und Schreibfeder stehen selten in einem Stalle bei Regenten und Kriegsleuten.
Bibel, Bubel, Babel.
i] Bibel bezeichnet die Heilige Schrift, Babel eine verlarvte Person und Babel die bekannte Stadt. Luther erwähnt dieses Sprichwort und schreibt es den Wiedertäufern zu, welche die Bibel gering achten. Wahrscheinlich hat man durch die Zusammenstellung mit Babel ausdrücken wollen, dass die Bibel die Menschen verwirre.
Biber und Otter haben keine Hege.
Bibergeil und Frauenkutt ist für den Krampf gut.
Bibliomanie: Sucht, Bücher zu besitzen und zu sammeln.
Jean Baptiste le le Rond d'Alembert (1717-1783), Bibliomanie
Bie Geld hört Geld.
i] Zu Geld gehört Geld.
Bie Gott is kien Ding unmöglick, segg de Buur, do satt de Hahn up't Höhnernöst.
Biecht an den Bäumen deutet vor Weihnacht Brot, nach Weihnacht Tod.
Luzern
i] Biecht = Duft, gefrorner Nebel, Brot = reiche Getreideernte, Tod = Krankheiten.
Biedere Leute glauben keiner Hure.
Biederleute sind dünn gesäet.
Biedermann soll Krümme schlichten und Arme als die Hohen richten.
Biedermanns Erbe liegt in allen Landen.
Bieg den Baum heute gerade.
Estland
Bieg den Baum, solang er jung ist.
Biege das Krummholz, wenn es jung und schwach ist.
Estland
0001 0002 0003 0004 0005 0006 0007 0008 0009 0010
0011 0012 0013 0014 0015 0016 0017 0018 0019 0020
0021 0022 0023 0024 0025 0026 0027 0028 0029 0030
0031 0032 0033 0034 0035 0036 0037 0038 0039 0040
0041 0042 0043 0044 0045 0046 0047 0048 0049 0050
0051 0052 0053 0054 0055 0056 0057 0058 0059 0060
0061 0062 0063 0064 0065 0066 0067 0069 0068 0070
0071 0072 0073 0074 0075 0076 0077 0078 0079 0080
0081 0082 0083 0084 0085 0086 0087 0088 0089 0090
0091 0092 0093 0094 0095 0096 0097 0098 0099 0100
0101 0102 0103 0104 0105 0106 0107 0108 0109 0110
0111 0112 0113 0114 0115 0116 0117 0118 0119 0120
0121 0122 0123 0124 0125 0126 0127 0128 0129 0130
0131 0132 0133 0134 0135 0136 0137 0138 0139 0140
0141 0142 0143 0144 0145 0146 0147 0148 0149 0150
0151 0152 0153 0154 0155 0156 0157 0158 0159 0160
0161 0162 0163 0164 0165 0166 0167 0168 0169 0170
0171 0172 0173 0174 0175 0176 0177 0178 0179 0180
0181 0182 0183 0184 0185 0186 0187 0188 0189 0190
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0301 0302 0303 0304 0305 0306 0307 0308 0309 0310
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0331 0332 0333 0334 0335 0336 0337 0338 0339 0340
0341 0342 0343 0344 0345 0346 0347 0348 0349 0350
0351 0352 0353 0354 0355 0356 0357 0358 0359 0360
0361 0362 0363 0364 0365 0366 0367 0368 0369 0370
0371 0372 0373 0374 0375 0376 0377 0378 0379 0380
0381 0382 0383 0384 0385 0386 0387 0388 0389 0390
0391 0392 0393 0394 0395 0396 0397 0398 0399 0400
0401 0402 0403 0404 0405 0406 0407 0408 0409 0410
0411 0412 0413 0414 0415 0416 0417 0418 0419 0420
0421 0422 0423 0424 0425 0426 0427 0428 0429 0430
0431 0432 0433 0434 0435 0436 0437 0438 0439 0440
0441 0442 0443 0444 0445 0446 0447 0448 0449 0450
0451 0452 0453 0454 0455 0456 0457 0458 0459 0460
0461 0462 0463 0464 0465 0466 0467 0468 0469 0470
0471 0472 0473 0474 0475 0476 0477 0478 0479 0480
0481 0482 0483 0484 0485 0486 0487 0488 0489 0490
0491 0492 0493 0494 0495 0496 0497 0498 0499

operone
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