Spruchlexikon DEUTSCH 86

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Du forderst den Rechten zum Kampfe auf.Auffordern
Dat is een grot Frittup.
So sagt der Hamburger doppelsinnig von großen Gastereien.
Auffressen
Der frisst die Schule (Synagoge) und die Bühne (Almemer) auf.
Zur Bezeichnung eines ungewöhnlichen Fressers. Die »Kirche sammt der Kanzel«, den »Pfaffen sammt der Kutte«.
Auffressen
Der frisst's auf mit Haut und Haar.Auffressen
Friss auf und scheiß es wieder, das bringt verlorene Güter wieder.Auffressen
Willst du nicht werden aufgefressen, so hüte dich vor dem Landgrafen zu Hessen.Auffressen
Führe dich gut auf, Jakob, dass sie dich recht lange behalten, sagte die Mutter, da besuchte sie ihren Sohn im Zuchthause.Aufführen
Sich aufführen wie Saublut.
Franken. Von dem Gischten des letzteren beim Auffangen im Moment des Schlachtens.
Aufführen
Sich wohl aufzuführen, ist niemals zu spät.
la] Sera nunquam est ad bonos mores via.
Aufführen
Wenn do di guot upföhrst, saste ôk 'n Kierl häw'n, de rên vör 'n Oars wegschitt, sägt de Voader.Aufführen
Wie die Aufführung, so das Glück.Aufführung
Einen aufgabeln.
Endlich habe ich nach langem Suchen einen Boten aufgegabelt.
Aufgabeln
Töw man! dat schal em opgalstern as rooch Speck.
Süderdithmarschen. Galstern = ranzig sein, ranzig werden, galstrig = ranzig. - Warte nur, das wird er so schwer verdauen wie rohen Speck.
Aufgalstern
Bis zum Aufgang der Bescheidenheit soll die Rute der Kinder Missetat zwingen.
So lange, bis die Kinder zu Verstand gekommen sind, stehen sie unter dem Züchtigungsrecht der Eltern.
mhd] Bis an den uffgang der bescheydenheit sal die rede twingen der kinder myssethat.
Aufgang
Der Sonne Aufgang ist der Nacht Untergang.Aufgang
Eines Aufgang ist des anderen Untergang.
cz] Jedno vzchází, druhé zachází.
dk] Eens Opgang en andens Undergang.
la] Nemo ditescit, nisi malo alterius.
pl] Jedno wzchodzi, drugie zachodzi.
Aufgang
Dat schall em upgären as olt Fett.
Oldenburg. Soll ihm übel bekommen.
Aufgären
He gift et up, as Mewes de Bicht.Aufgeben
Ufgüh ist sehr verspielt.
Luzern
Aufgeben
Was man aufgibt ist verloren.
it] Ogni lasciata è persa.
Aufgeben
Wer aufgibt, bekommt nichts.Aufgeben
E äs ôfgebrät.
Siebenbürgen-sächsisch
Aufgebracht
Er ist aufgebracht wie ein Puterhahn.Aufgebracht
Er ist so aufgebracht, dass man Schwefelhölzchen an ihm anzünden könnte.
la] Lucernam accendere possis. (Theokrit.)
Aufgebracht
Er ist ufgedresst (von unne bis owe) wie en philadelphier Market-Striet-Dändy.
Aufgeputzt, von dem englischen dress. Eine Mischung aus dem Deutsch der von der früheren Einwanderung mitgebrachten deutschen Mundart und englischer Wörter mit deutscher Biegung. Ein Stutzer, wie man sie in der Market- Street, der Hauptstrasse Philadelphias, sieht, in der die feine »fassionable« Welt promeniert.
Aufgedresst
Aufgehn wie en Nudltaig.
Oberösterreich. Von einem Jähzornigen.
Aufgehen
Die gehling auffgehn, gehn bald vnter. - Franck, I, 118a; 1424, 59.Aufgehen
Dort geht es auf, wie beim Halter zu Brünn. Niederösterreich
Wenn Einnahme und Ausgabe einander genau entsprechen.
Aufgehen
Er geht auf in sechzig.
jüdisch-deutsch] Er wird botel beschischim. Ist von keiner Wichtigkeit und ohne Einfluss. Nach rabbinischen Speisegesetzen verliert das Verbotene seinen Charakter als solches, wenn es mit Erlaubtem vermischt wird und nur den sechzigsten Teil desselben bildet. Die Redensart wird z. B. von jemandem gebraucht, dessen Einfluss in einer großen Gesellschaft paralysiert wird.
Aufgehen
Er ist aufgegangen wie ein Pfannkuchen.
fr] Il est venu tout en une nuit.
Aufgehen
Er lässt aufgehen, was der Brief vermag.Aufgehen
Es geht grad' auf, sagte Jörg, und gab einen Sechser für ein Böhmenbrot.
nl] Gelijk op, zei de man, en hij gaf een' barlaf voor eene schram.
Aufgehen
Es gieng zugleich auff, leib, gut vnd ehre.
nl] Het ging al tezamen tegelijk op: lijf, goed en eer.
Aufgehen
Es ist alles aufgegangen, wie bei des Nachtwächters Hochzeit, wo ein Stück übrig blieb, das die Katze frass.
dk] De leonede kan et stykke bröd det gave de hunde.
dk] Det slog lige til som til skraedenns barsel.
Aufgehen
Es ist bei einem bisslin dürr auffgangen.
Er hat sein Gut durchgebracht.
Aufgehen
He geit up as Dêg (Teig).
So schnell, der aber auch ebenso schnell wieder sinkt.
Aufgehen
Ik lât wat uppergân, segt de Hannoveraner.Aufgehen
Was auffgehen will, daran hilfft jedermann bawen.Aufgehen
Was aufgeht, weiß der Abschneider (Vorleger), aber nicht der Esser (Gast).Aufgehen
Was bald aufgeht, fällt bald ab.
fr] Ce qui croît soudain, périt le lendemain.
la] Quae sero contingunt, sed magnifica.
Aufgehen
Wo nix aufgeht, is ka Wirtschaft.
Eger
Aufgehen
An Aufgeklärter in a klein Städtel esst Kasche mit Chrilene.
Jüdisch-deutsch, Warschau. Kasche = Kasza, Grütze. Talg, Unschlitt. Unter »Aufgeklärter« verstehen die rechtgläubigen Juden einen Anhänger der modernen Richtung, der sich über Religionsvorschriften, wie z. B. die Speisegesetze, hinwegsetzt. Um sie lächerlich zu machen, sagen sie, ein solcher aufgeklärter oder Reform- Jude lege, zumal in einer kleinen Stadt, wo es ihm fast an Gelegenheit zu sündigen fehle, seine Aufklärung dadurch an den Tag, dass er trotz des Verbots, ja selbst auf Kosten des guten Geschmacks, seine Grütze mit Talglichtern schmalze.
Aufgeklärter
Wer heut nicht aufgelegt ist, ist's morgen noch weniger.
dk] Hvo ey i dag er val bekoem, i morgen er han meere slem.
Aufgelegt
Aufgepasst, die Hanswursteln kommen.
Eine im deutsch-französischen Kriege 1870 unter den Bayern entstandene Redensart, auf welche die bunte Kleidung der Spahis, Turkos und Zephyrs einen durchaus komischen Eindruck machte. Als sie das erste mal anrückten, lief durch die bayerischen Reihen der Ruf: »Aufgepasst, die Hanswursteln kommen.« Die Preußen wurden ebenso wenig von ihnen eingeschüchtert. Als die Königin Augusta einen Landwehrmann fragte, ob nicht die Turkos einen schrecklichen Eindruck auf sie gemacht hätten, erwiderte er: »Schrecklichen Eindruck, uf mir? Nê Majestät, aber ick uf ihnen.« (Illustrierte Welt, Stuttgart, 19. Jahrg.)
Aufgepasst
Aufgeputzt wie die Schippenkönigin im Kartenspiel.Aufgeputzt
Aufgeputzt wie ein Kutschpferd.
In Beziehung auf den Mastochsen, den die pariser Fleischergesellen in den letzten Faschingstagen aufgeputzt durch die Straßen führen, sagt der Franzose: Promener comme le boeuf gras.
Aufgeputzt
Aufgeputzt wie ein Meisterochs.Aufgeputzt
Aufgeputzt wie ein Schlittenpferd.Aufgeputzt
Sie geht aufgeputzt wie ein Pfingst- (auch: Minister-)ochse.Aufgeputzt
Wo es wohl aufgeräumt im Hauss stehet, da ist vnd wohnet eine saubere Fraw.Aufgeräumt
Er hat aufgesponnen.Aufgesponnen
Er hat zu spät aufgegient, wie Gobande.
Von denen, die sich durch Säumigkeit einen Gewinn oder Vorteil haben entgehen lassen. Die Entstehung der Redensart wird a.a.O. so erzählt: Ein König rief nach Tische seinen ältesten Sohn zu sich und befahl ihm, den Mund aufzumachen, weil er ihm einen Apfelschnitz hineinstecken wolle. Er verweigerte dies. Dann rief der Vater den zweiten Sohn, welcher gehorchte und dafür zum Könige ernannt wurde. Der dritte Sohn wurde ebenfalls gerufen, leistete Folge und ward Herzog. Da sagte der älteste Sohn Gobande: »Ich tue meinen Mund auf, gebt mir auch einen Apfelschnitz!« Aber es war zu spät - aufgegient.
Aufgienen
De glûrt (glûmt) van ünnern (von unten) herup, as 'n Hönerdêf.
Ostfriesland. Glûren, glûmen = düster aussehen.
Aufglûren
Sie guckt auf, wie die Henne vor Tage.
Nürtingen
Aufgucken
He hett 't up, dat is 'n richtig Testament.
Ostfriesland. Hat es auf = hat es verzehrt, ist damit fertig.
Aufhaben
Wenn du das aufhost, treter de Katz d'n Mông net wak.
Oberharz. Von einem Fresser. Wenn du das aufgezehrt hast, wird dir die Katze den Magen nicht wegtragen.
Aufhaben
Den enen helt op, den anderen schropt in.
Deutz. »Der Eine hält auf, der Andere schropt ein, sie helfen einander beim Geld gemein.«
Aufhalten
Hol di jo nich up, de Ohl is komisch, seggt se in Hamborg.Aufhalten
Hol di man jo nich op, sonst kömmst du in 'n Schedderkopp.
Danzig
Aufhalten
Holl di jo nich up, de Weg is god.
Pommern
Aufhalten
Hollt der mit up, sä Klaas, do fullt Harm von de Kark.
Ostfriesland
Aufhalten
Ich werde ihn nicht aufhalten.
Zum Bleiben nicht nötigen.
la] Penulam vix attingere.
Aufhalten
Was man nicht aufhalten kann, soll man laufen lassen.
fr] Ce qu'on ne peut retenir, il faut le laisser aller.
fr] Il faut laisser courir le vent par-dessus les tuiles.
Aufhalten
Wäre ken Obbenhälder, wäre ken Dêv.
Brandenburg
Aufhälter
Einen aufhängen, wie eine Schnur Knoblauchsköpfe am Deckbalken einer Küche.
Königsberg
Aufhängen
He hangt sück up, as de Köster an de Klock.
Wie der Küster tut, wenn er den Glockenstrang zum Läuten anzieht, was kein Erhenken ist.
Aufhängen
Sich aufhängen, um nicht an den Galgen zu kommen.Aufhängen
Sie hängen ihn auf wie einen Großvogel.Aufhängen
Und wenn se mich ärschlich ufhingen, ich kennte ne (o. ich hätte nischt bemmer).Aufhängen
Wär seck wil uphengen, dän dräget de Düvel det Strick dertau.Aufhängen
Da wird (gut) aufgehauen.
Aufwand machen, lustig, übermütig sein, tanzen, springen.
Aufhauen
Er ist vo Ufhuse.
Luzern. Er ist ein Verschwender, ein Mensch, der bald mit dem Seinen fertig ist, aufgehauset, zu Ende gewirthschaftet hat.
Aufhausen
Besser die Taja (eine Erdfrucht) aufheben, als den Menschen.
Surinam. Um zu sagen: Tue lieber einer leblosen Sache Gutes, die dir gar nicht danken kann, als Menschen, die nicht danken mögen.
Aufheb
Ein großes (nicht viel) Aufhebens (von etwas) machen.
la] De pusillis magna paroemia.
Aufheb
Einen aufheben, ehe er gefallen ist.
en] To take one up before he is down.
Aufheb
Er hebt auf, was andere weggeworfen haben.
la] Furari littoris arenas. (Ovid)
Aufheb
Er hebt es auf, wie einen Hund auf die Handmühle. LitauenAufheb
Er hebt es für die große Glocke auf.
Um zu sagen, dass jemand ein Andenken, das entweder sehr kostbar ist oder von einer teuren Person herrührt, sorgfältig bewahrt, oder eine Sache nur bei feierlichen Gelegenheiten gebraucht. Ihren Ursprung hat diese Redensart von der großen, auf Befehl des polnischen Königs Sigismund I. gegossenen Glocke, die sich in dem über der Sakristei der Krakauer Schlosskirche erbauten Turme befindet und acht kräftige Menschen erfordert, um in Bewegung gesetzt zu werden. Da sie nur bei äußerst wichtigen Anlässen geläutet wird, so erklärt sich die obige Redensart.
Aufheb
Er hebt nicht auf, was überall zu haben ist.
la] In foribus urceum. (Plautus.)
Aufheb
Es mag ('s) ihn aufheben, wer ('s) ihn nicht kennt.
Von schlechter Ware, oder um zu bezeichnen, dass uns jemandes List und Ränke nicht mehr unbekannt seien und dass er uns nicht täuschen könne.
la] Tollat te qui non novit. (Quint.)
Aufheb
Heb' es auf, wer will.Aufheb
Hebe nicht auf, was du nicht von dir gelegt.Aufheb
Heb's auf, es findet wohl seine Statt.Aufheb
Heb's auf, es fritt ja kein Heu. OberösterreichAufheb
Hebup hat wat, Frettup het nischt.
Brandenburg
Aufheb
Ich mag nich ufheben, woas a foallen lässt.Aufheb
Im Aufheben mehren sich die Brocken.Aufheb
Viel Aufhebens von etwas machen.
Wohl von Klopffechtern entlehnt, die viel lächerliche Vorübungen haben, ehe sie den Kampf wirklich beginnen.
la] Multis ambagibus uti, priusquam rem aggrediamur.
Aufheb
Wer aufhebt, der findet, wenn er bedarf.
la] Bonus condus, bonus promus.
Aufheb
Wer etwas aufhebt über Nacht, hat es den Katzen (Mäusen) gebracht.
dk] Hvo gjemmer til natte, gjemmer til katte.
Aufheb
Wer sich was aufhebt, der hat was.Aufheb
Wer wohl auffhebt, der findet es, wan er's bedarff.Aufheb
Wir wollen miteinander aufheben.
Die gegenseitigen Beleidigungen vergessen. Der Sinn der Redensart ist zwar klar, aber der Ursprung dunkel.
»Wir können gleich miteinander aufheben.«
fr] Quitte à quitte et bons amis.
Aufheb
Wohl aufgehoben ist leicht gefunden.Aufheb
Hilff mir auff, îch stoß dich nieder; ehre mich, ich schend dîch wieder.Aufhelfen
Wer jhm selbst auffhilfft, der ist lobenswert.Aufhelfen
Ich bin kein Aufhetzer, aber ein guter Hund beißt von selber.Aufhetzer
Ich bin kein Aufhetzer, aber zusammenhetzen mag ich gern.Aufhetzer
Ök si kein Ophetzer, âwer dat lêt öck mi nich gefalle.Aufhetzer
Dä hiv huch op un schlêt hösch.
Er holt weit aus, schlägt aber wenig zu; es fehlt das Streichen.
Aufhocken

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361 362 363 364 365 366 367 368 369 370
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381 382 383 384 385 386 387 388 389 390
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451 452 453 454 455 456 457 458 459 460
461 462 463 464 465 466 467 468 469 470
471 472 473 474 475 476 477 478 479 480
481 482 483 484 485 486 487 488 489 490
491 492 493 494 495 496 497 498 499 500

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