Spruchlexikon DEUTSCH 43

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Alle Dâg andersch on am Sinndag sûre Komst.
Wehlau
Auf die Frage: wie heißt du?
Anders
Das ist was anders, sagte der Flohfänger, da hatte er eine Laus gekriegt.Anders
Er heißt alle Tage anders.
Anders als Eigenname. Ein Wortspiel, ähnlich das lateinische: Uterque ambo, alter neuter. (Plut.)
Anders
Er ist anders wenn er steht und anders wenn er sitzt.Anders
Es kommt wohl anders, als wir meinen.
It kumt wohl anders dan wy meinen. (Evenit interdum secus atque putavimus omnes.)
la] Non omnia evenire, quae statuas solent. (P. Syr.)
Anders
Es wird wohl immer anders, aber nicht besser.
Hannover
Anders
Et is nich anners, as wenn he drum vom Balken (obersten Boden, Decke des Hauses) fallen will.
Osnabrück
Er will nicht gern an die Sache dran.
Anders
Hie stehe ich. Ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!
Martin Luther (1483-1546), auf dem Reichstage zu Worms (18. April 1521)
Anders
Was morgen anders kann sein, das nenne nicht dein.
la] Nil proprium ducas, quod mutari possit. (Publ. Syr.)
Anders
Wenn et nich andersch ös, denn, Herrke, stête se mî man dâl, seggt jenne Margell.Anders
Wer es nicht anders haben will, dem geschieht recht.
la] Volenti non fit injuria.
Anders
Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Faust I (1808), Nacht (Faust)
Anders
Es lebt ein andersdenkendes Geschlecht!
Friedrich von Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell (1804), II, 1 (Attinghausen)
Andersdenken
Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden.
Friedrich Nietzsche (1844-1900), Gesammelte Werke (1895-1897)
Andersdenken
Verfallen wir nicht in den Fehler, bei jedem Andersmeinenden entweder an seinem Verständnis oder an seinem guten Willen zu zweifeln!
Otto von Bismarck (1815-1898), im norddeutschen Reichstage (16. April 1869)
Andersdenken
Ânderschmachen äs nit Bießermâchen.Andersmachen
Wie willt dat annersmaken, sägt de Schmedt, äwwer se sagt nich, bätter.
Lippe
Andersmachen
Försch Anderstwerda ka ma nüd.
Niemand kann sich verbürgen, seine Gedanken nicht zu ändern, denn fürs Anderswerden kann man nicht.
Anderswerden
Anderswo isset man auch Brot.Anderswo
Anderswo ist auch gut Brot essen.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.
Anderswo
Anderswo ist's immer besser.
cz] Kde nás není, tam dobre.
Anderswo
Anderswo sind auch Leute.
Wer anderswo gewesen, dem laufen hier die Ochsen gebraten herum.
Anderswo
Änderung der Gesetze bessert niemanden.
Viele Leute meinen, ist jenes unrecht gewesen, so kann dies auch unrecht sein.
Änderung
Änderung macht oft gute Ordnung.Änderung
Änderungen im Regiment nehmen selten ein gutes End'.Änderung
Enderung der zeiten des Jahres bringen Kranckheiten, Enderung im Regimente vnnd statuten bringen beschwerlichkeiten.Änderung
Ist die Änderung noch neu, so bleibt der alte Name am (vom) Gebäu.Änderung
Viel Änderung im Regiment bringt schlechtes End'.Änderung
Vier wundersame änderungen: aus dem fischer der erst kirchhiert, aus dem verfolger der heidenlerer, aus dem zolner der erst evangelist, aus dem mörder d' erst paradeiser.Änderung
Anderwärts ist auch gut Brot essen.Anderwärts
An Sankt-Andreas ist's die ganze Zeit (den ganzen Tag) Nacht.
Spanien
Andreas
Andreas (30. November) hell und klar, bringt ein gutes Jahr.
Eifel
Andreas
Andreas, hell on klôr bröngd e gud Jôhr.
Trier
Andreas
Andree bringt Schnee.
Niederösterreich
Andreas
Andreis Misse (auch Sünte Dreies Misse) bringet den Winter wisse (gewiss).
Soest
Andreas
Andrês brängk (bringt) dä kahle Frês (die kalten Fröste).
Köln
nl] Sint Andries staat op en vringt, en laat niet af voor onze Lieur frouw Lichtmesdage.
Andreas
Andres macht Pappe süß.Andreas
Andris bringt den Schnee gewiss.Andreas
Den Andreas sieht man lieber dürr als nass.Andreas
Geh, dummes Andreaschen, mit dem Glöckchen. Du bist zu alt zum Spielen, geh' und lerne was.
Masur.: Jdz glupi Jendrisku ze dzevenkun.
Andreas
Nach Andris is der Winter gewiss.Andreas
Sankt Andres macht das Eis, Sankt Georg (22. April) bricht das Eis.Andreas
Sankt Andres, Sankt Bartolomes, die zween Söhne Zebedes, der heilige Sankt Wentzel und der selige Sankt Stenzel sind gut vor's kalte Weh, und behüten vor Regen und Schnee. Die heiligen sieben Planeten, die trösten uns in allen Nöten: Hachus, ? Maccus, ? Baccus, ? die heiligen Wort behüten uns vor schlimm Werken an allen Ort.
Spruch der Waschfrauen. »Kein Waschweib«, heißt es im Erleuterten Preußen (Königsberg 1724, »wird sich leicht außer Haus begeben, sie bete denn zuvor wie folgt, insgemein: Sankt Andreas u.s.w.«
Andreas
Sünten Dresmisse es de Winter gewisse, Kläsken dernoa sicht me 'ne vör allen Düören stoan.
Grafschaft Mark
Andreas
Wer sich am Andreasabend zu Tode fastet, der stirbt noch im November.Andreasabend
Andreasschnee treibt dem Bauer die Preise in die Höh.Andreasschnee
Andreasschnee tut den Früchten (Saaten) weh.Andreasschnee
De Andreißnei doit den Kôren wei.Andreasschnee
Wenn der Andreasschnee liegen bleibt, so liegt er hundert und zehn Tage.
Oberösterreich
Andreasschnee
Was kindisch angedrehet wird, das helt in nöthen, als ein zubrochen Armbrust.Andrehen
Sie hat sich eins andrellen lassen.
Von unehelicher Schwängerung.
Andrellen
Dröck an, mîn Schuschelke, passe wâr öck di woll.
Dönhoffstädt
Andrücken
Er hat sich einen angeduselt.
Ist betrunken.
Anduseln
Äneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.Äneas
Aneinander hängen.
Sie hängen aneinander wie ein Rattenkönig.
Aneinander hängen
Das hangt aneinander wie die Hôse am Schinken.Aneinander hängen
Das hängt aneinander wie Spenzel und Papier.Aneinander hängen
Dat hänget aneinanner as Kattenscheske.
Sauerland
Aneinander hängen
Es hangt (sie hängen) aneinander wie eine Reihe (Gebund) Zwiebeln.
nl] Het hanget aan elkander als eene riet uijen.
Aneinander hängen
Et hänget anein es en Schepel Appel.
Sauerland
Aneinander hängen
Sie hängen aneinander wie Ketten.
nl] Zii hangen als klissen aan malkander.
Aneinander hängen
Sie hängen aneinander wie Krotenkrös.Aneinander hängen
Was einem angeerbet ist, der hat die Gewinne von dem Toten.
Von dem, was man als Erbgut erhält, hat man nicht nötig, das Besitzrecht nachzuweisen. In dieser Beziehung sagt die Glosse zum Sachsenspiegel: »Was man einem Manne oder einem Weibe gibt, das soll sie drei Tage besitzen, auf dass sie ein Gewer darvon erkriegen, was aber auf sie geerbt wird, brauchen sie nicht zu besitzen.«
mhd] Waz einem angeerbit ist, der hat die gewer von dem toden.
Anerben
Anerkennung ist das Brot der Geister.
Paul Lindaus Gegenwart
Anerkennung
Das fädelt sich nicht an wie Perlen.
Geht nicht am Schnürchen.
fr] Cela ne s'enfile pas comme des perles.
Anerkennung
Des Guten Anerkennung ehrt dich selbst,
Es macht dich gut: das Schöne macht die Seele
Dir schön wie jenem, der es bringt, es trägt.
Leopold Schefer (1784-1862), Laienbrevier (1834), Juni Nr. 10
Anerkennung
Fordre kein lautes Anerkennen!
Könne was, und man wird dich kennen!
Paul Heyse (1830-1914), Spruchbüchlein (1885), Lebensweisheit, Sich bescheiden
Anerkennung
Unser Verdienst verschafft uns die Anerkennung ehrenwerter Menschen, unser Glück aber die der Menge.
fr] Notre mérite nous attire l'estime des honnêtes gens, et notre étoile celle du public.
François de La Rochefoucauld (1613-1680), Reflexionen oder moralische Sentenzen und Maximen (1665), Nr. 165
Anerkennung
Einen anfahren wie die Sau den Dreck (Sack).Anfahren
Anfall fällt vor sich.
Der Erbgang ist niederwärts.
mdh] Der Anfall vellet vor sich.
Anfall
Anfall stirbt der Mutter in den Schoß.
Wird ein eheliches Kind erst nach des Vaters Tode geboren, so ist es Erbe, sobald es die Augen öffnet und die vier Wände beschreit. Stirbt es wieder, so fällt sein Anteil an die Mutter.
mhd] Daz angevelle stirbet der muter in den schoz.
Anfall
Süßer Anfall macht süße Antwort.Anfall
Was bald anfällt, fällt bald ab, junge Lieb' ist fahrend Hab'.Anfallen
All anfang sol in Gottes namen geschehen,
Auff das es wol mach auß gehen.
Alter Spruch
Anfang
Aller Anfang is licht, seggt de Plümaensammler.Anfang
Aller Anfang is schwar, nur 'n Lumpenmann seiner net.Anfang
Aller Anfang ist leicht, segt de Lumpensammler.
Lüneburg
Anfang
Aller Anfang ist leicht, und die letzten Stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Wilhelm Meisters Wanderjahre (1807-1821), Buch 1, Kapitel 4
Anfang
Aller Anfang ist schwer, blot nich bi't Steensammeln, segt de Buur.
Selmsdorf in Mecklenburg-Strelitz
Anfang
Aller Anfang ist schwer, dachte die Reichsarmee, und verschied.Anfang
Aller Anfang ist schwer, no's Mistladen net, do kriegt me 's leicht zuerst.
Schwaben
Anfang
Aller Anfang ist schwer, säd de Bur, do wull he de Koh bi'n Schwans in'n Stall trecken.Anfang
Aller Anfang ist schwer, säd' de Dêf, dör stöl he 'n Mählstên.Anfang
Aller Anfang ist schwer, sagte der Dieb (oder: sagte Hans Klapper) und stahl einen Amboss (einen Mühlstein).
nl] Alle beginselen zijn zwaar, zei de dief, en voor de eerste maal stal hij een aanbeeld.
Anfang
Aller Anfang ist schwer, sagte der Jung, aber zum Betteln ist der Sack leicht.Anfang
Aller Anfang ist schwer, sagte der Tanzmeister und lehrte die Gans auswärts gehen.Anfang
Aller Anfang ist schwer, seggt de Deiw, un stehlt tauirst 'nen Amboss.
Mecklenburg
Der Anfang, d. h. die Entdeckung, wo man anfangen soll, ist mehr als die Hälfte der Arbeit. (Aristoteles in seiner Ethik)
Anfang
Aller Anfang ist schwer, wie der Teufel sagte, als er sich mit Mühlsteinen trug.Anfang
Aller Anfang ist schwer.
Jean Paul sagt: dermaßen schwer, dass die ganze Philosophie bisher weiter nichts suchte, als eben einen. Goethe meint: allgemeiner könne man sagen: Aller Anfang ist leicht und die letzten Stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen.
»Aller Anfang ist schwer, ächzt der Deutsche. Au commencement tout et beau, ruft lustig der heitere Franzose.«
cz] Co k hure, vse hure.
cz] Kazdý zacátek tezký (tvrdý).
dk] Begyndelsen er altid svarest.
en] The beginnings are always hard.
en] The difficulty is in the outset.
fr] Il n'y a que le premier pas qui coûte.
hr] Vsaki pocetek je tezek.
it] Il più duro passo è quel della soglia.
it] Ogni principio è difficile.
la] Initii difficultas toleranda.
la] Omne initium difficile.
la] Omne principium grave.
la] Omnibus in rebus gravis est inceptio prima.
la] Portum itineri longissimum esse.
nl] Alle begin is moeijelijk.
nl] Het begin is altijd 't zwaarste.
pl] Poczatek kazdéj rzeczy jest trudny.
se] All begynnelse är swår.
tschud] Keik hakkatus raske.
Anfang
Aller Anfang ist zwar schwer,
Doch ohne ihn kein Ende wär'.
Alter Spruch
Anfang
Aller Anfang mit Gott, bringt alles zu Ende ohne Spott.
la] A Jove principium.
Anfang
Aller Anfang öss leicht, säd de Pracher, als hei dörcht erschte Dorp gegange wer on hadd nuscht ön Sack.
Heiligenbeil
Anfang
Aller Anfang öss schwer, man det Prachregehen nich.
Königsberg
Anfang
Aller Anfang öst schwer, segt Jenner, on stellt n'n Ambos.
Königsberg
Anfang
Aller Anfang zielet aufs Ende.Anfang
Alles mot en Anfang un en Enne hewwen.
Westfalen
dk] Aldting maa have en begyndelse.
dk] Der maa valn grundvold til bygningen.
Anfang
Am Anfang heilen ist besser (o. leichter) als am Ende.
Nießwurz, sagt Ovid, ist umsonst, wenn die kranke Haut schon geschwollen, Arznei zu spät, wenn das Übel durch die Länge der Zeit schon unheilbar geworden ist.
la] Satius est initiis mederi quam fini. (Suid.)
Anfang
Am Anfang wollt' ich hoch hinaus und kam nachher ins Gärtner- (auch Huren-) Haus.
Königsberg
Anfang
Anfang flüchtig, Fortgang nichtig.Anfang
Anfang heiß, Mitte lau, Ende kalt.
la] Principium fervet, medium tepet, ultima frigent.
Anfang

001 002 003 004 005 006 007 008 009 010
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021 022 023 024 025 026 027 028 029 030
031 032 033 034 035 036 037 038 039 040
041 042 043 044 045 046 047 048 049 050
051 052 053 054 055 056 057 058 059 060
061 062 063 064 065 066 067 069 068 070
071 072 073 074 075 076 077 078 079 080
081 082 083 084 085 086 087 088 089 090
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341 342 343 344 345 346 347 348 349 350
351 352 353 354 355 356 357 358 359 360
361 362 363 364 365 366 367 368 369 370
371 372 373 374 375 376 377 378 379 380
381 382 383 384 385 386 387 388 389 390
391 392 393 394 395 396 397 398 399 400
401 402 403 404 405 406 407 408 409 410
411 412 413 414 415 416 417 418 419 420
421 422 423 424 425 426 427 428 429 430
431 432 433 434 435 436 437 438 439 440
441 442 443 444 445 446 447 448 449 450
451 452 453 454 455 456 457 458 459 460
461 462 463 464 465 466 467 468 469 470
471 472 473 474 475 476 477 478 479 480
481 482 483 484 485 486 487 488 489 490
491 492 493 494 495 496 497 498 499 500

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