Spruchlexikon DEUTSCH

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Das, was du gesät hast, wird für dich wachsen.
Mali
Das, was du heute denkst, wirst du morgen sein.
Buddha
Das, was du in deinen Suppentopf tust, kommt auf deinen Löffel.
Marokko
Das, was du liebst, ist besser als das, was du besitzt.
Ruanda
Das, was du nicht nimmst, wird jetzt verloren.
Italien
Das, was du tust, schreit so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst.
Afrika
Das, was ein Tag bringt, wiegt nicht schwer.
Mali
Das, was heute vernünftig ist, ist zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht unvernünftig.
Nigeria
Das, was in der Nacht geschieht, kommt am Tage ans Licht.
Uruguay
Das, was in der schönen Frau Anmut ist, verwandelt sich in der hässlichen Frau in Blamage.
El Salvador
Das, was klein ist, soll nicht unterschätzt werden, schließlich sind Mücken gefährlicher als Tiger.
Thailand
Das, was köstlich ist, kommt vom Schweiß.
Uganda
Das, was leckt, kann nicht voll bleiben.
Namibia
Das, was man gesehen, geht über die Augen, was man getan, (geht) über das Herz.
Estland
Das, was man mit Maß nicht tut,
Nimmer kann es werden gut.
Das, was zwischen gleich und gleich eine Beleidigung heißt, wird, vom Größeren zum Kleineren, als Gewalt bezeichnet.
Spanien
Das, wonach viele trachten, muss man scharf beachten.
la] Difficile custoditur, quod multis placet.
Das, wovor du dich fürchtest, könnte sich für dich als das Bestmögliche erweisen.
Ägypten
Dasitten as 'ne Ûle in Stierwensnäen.
i] Wie eine Eule in Sterbensnöten
Dasitzen wie die Braut im Winkel.
Oberösterreich
i] So sagt man von jemand, der an einer einsamen Tischecke sitzt. In manchen Gegenden soll die Braut während des Mahles 'im Winkel sitzen', wie dies Baumgarten aus Oberösterreich bemerkt
Dasitzen wie ein Klotz.
z] Ar soss dou wie ej Kloutz und rührt sich nie, jo maiche Menschen sein wie de Klötzer.
Dasitzen wie ein Scheffel Unglück.
Dasitzen, als wollt' er alle Tritt Feuer ausspeien und Kohlen fressen.
z] Wenn einer bei ehrlichen Zechen und Gastereien, so Lusts halber sind angestellet, sitzet da als wollt er u.s.w. fressen, redet gar nichts, viel weniger lachet er einmal, darum, dass die Gäste sagen sollen: ach, wie ist das ein ernsthafter Mensch, wie sinnet er stäts so tief u.s.w.
Dass Arm' und Reiche sind, das macht mir keine Pein;
Doch warum muss denn ich just grad der Arme sein?
Dass bayerisch Bier auch Helden nährt, das haben die Bayern in Frankreich gelehrt.
Dass Böss muss doch zuletzt gestraft werden.
Dass das eine Auge das andre nicht sieht.
i] Arbeitete er, oder schlief er
z] Er warf sich aufs Lager und schlief so wacker, dass ein Auge das andre nicht sah.
Dass das eine Auge das andre nicht sieht.
»Er warf sich aufs Lager und schlief so wacker, dass ein Auge das andre nicht sah«.
Auge
Dass das Fleisch noch im Topf steckt, kann auch einfach daher kommen, dass keine Katze in der Nähe ist.
Dass das Kalb ein Bulle geworden ist, weiß man in der Koppel.
Äthiopien
Dass das Sterben kost't kein Geld, ist das Best' in dieser Welt, sonst müsste mancher arme Gesell für einen Reichen in die Höll'.
Dass dein Freund gestorben ist, glaube, nicht aber dass er reich geworden ist.
Asien
Dass der Hund nicht zur Hochzeit kommt, das macht der Prügel hinter der Tür.
Dass der Mond zu- und abnimmt, ist der Lauf der Welt.
Japan
Dass der Schöffen sieben sind, ist gut.
Dass der Teufel ihr nicht käm' ins Haus, lausete jene Nonne eine Maus.
i] Denn Müßiggang ist aller Laster Anfang.
Dass der Vater ein Dreck getan, so stinkt doch der Sohn nicht danach.
Dass der Windhund einen langen Start (Stärt, Steert), das kommt von seiner Art.
i] Alles hat und behält seine eigne Natur.
nl] Dat de windt-hondt een langen steert heeft, komt hem van sijn geslachte.
Dass der winter sey grimm und kalt, vernimmt man auch von ferne balt.
la] Longe clarescit, quae hyems algore rigescit.
Dass dich alles Unglück bestehe!
i] Alter und veralteter sprichwörtlicher Fluch.
nl] Dat hem alle ongeluk besta.
Dass dich d' Ente vertrette (o. vertrapple).
Dass dich das Geschwür (= Lustseuche) ankomme!
Dass dich das heilige Feuer verzehre.
fr] Que le feu Saint-Antoine vous arde.
Dass dich das hellische feuer verbrenne!
Dass dich das herzeleid bestehe!
nl] Harteleed is de diepste pajn.
Dass dich das Herzleid ankomme, sagte der Teufel zum Schelm, und gab ihm eine Maultasche, dass er ihn eingeladen, den Hintern zu küssen und dann ein Kreuz davorgemacht.
Dass dich das Kreuzdonnerwetter in den Boden 'nein schlüg.
Nürtingen
Dass dich das Mäuschen (er-)beisse!
Dass dich das Mäuslein beißt.
Dass dich das parle ruere (angehe)!
Agricola
i] Auch Barle, Parlay, Parlin, Parlys (Paralysis), Parlysucht, Parleysucht, Perle, Perli, Perlin, Perlis. Drückt den Fluch aus: dass du lahm werdest. Das Übel wird auch durch Tropf (apoplexia) bezeichnet.
z] Tropff auf eyner seiten, so nur dz halb theyl des leibs lamm ist, hemiplexia.
z] Das perli macht ein menschen schlottern, stettig, hinter sich gon, vnempfintlich, weich, irrig.
z] gut fuir Siechthum der Nieren und Beschwärung der gelider, das Parlay, fuir Gicht und Tropffen.
Dass dich das wetter angehe!
Dass dich de ritz scende (schände).
i] Dass dich das Fieber verderbe.
Dass dich der Bock nicht stoße.
i] Das slavische bog, bedeutet entweder Gott oder Teufel, je nachdem dabei an den beli-bog, den weißen, lichten, guten Gott, oder an den czernibog, den schwarzen Gott oder Teufel gedacht wird. 'Bokleichnam', ein Ausruf bei Hans Sachs, heißt so viel als Fronleichnam, corpus domini. 'Durch Boks Tod lauf, trink', bedeutet, um Christi Todes, um Jesu Christi willen, lauf, trink. - Dagegen (auch bei Hans Sachs) 'Beltzenbok' meint den Beelzebub, den Teufel. Ins Bokshorn jagen, heißt, zum Teufel jagen, dass dich der Bok nit stoß (in verschiedenen Wendungen bei Hans Sachs u.a.) bedeutet, dass dich der Teufel nicht hole. - Bok ist in diesem Sinne, in dem es nicht das Tier bezeichnet, das slavische Bog.
Dass dich der Deutscher!
Dass dich der Donner erschlage.
i] Der Donner schlage dich! oder älter: Der Hammer schlage dich! steht in Beziehung zu Donar, und den Begriffen von Tod und Teufel. Diese Redensart gehört zu den Fluch- und dergleichen Formeln, die für das eigentlich Gedachte oder Gemeinte eine mildernde Verkleidung setzen. Dazu dient hier auch das Wort Donner, das aber auch in sein vielen Formen eigentlich oder durch Stellvertretung eines Dinges, das donnert, in anderen sprichwörtlichen Redensarten oder bloßen Ausdrücken in diesem Sinne angewandt wird. Aus dem Elsaß: Bîm Dunder! Bîm Dunder! Dass dich e Bumm (Bombe) platz! Dass dich der Duender! D'r Duener! D'r Dunder au! Potz Dunder! D'r Dontel! Potz Wetter! Zuem Dunner! Zuem Dunder! Potz Dunner unn Wetter! Dunnerwetter! Dunderwetter! Kritzdunnerwetter! Potz Hiehnerwetter! Dunnerschla! Ei ze schla dich .! Dunderschiess (Donnerschoss)! Potz Dunderschiess! Zuem Dunderschiess! Dunderkeil (Donar's Keule, Keil, Hammer, Donnerkeile nennt man die Luftsteine, Aërolithen)! Donnerstrahl! (Fischart, Gargant., Kap. 34.) Dunnerwille! Dunderwischbele! Noch mehr verhüllend stehen folgende Wörter für Donner: Potz Plunder! Botz hundert! Botz hunderttausend Elen und Enden.
Dass dich der Donnerstag!
ndt] Bîm Dungsti! Zuem Dungsti! Elsaß
ndt] Bim Dumstig! Hessen
Dass dich der Einhorn in diesem Jahre nicht stoße und in vielen Jahren nicht.
i] Dass dich der Tod nicht berühre
Dass dich der Geier schände!
Dass dich der Gruzl.
Kärnten (Der Teufel)
Dass dich der Hahn hacke im Strohsacke.
i] Eine in dem früheren Niedersächsischen gebräuchliche Redensart, die einen sehr bösen Wunsch enthält. Nach den alten Gesetzen wurden früher die Kindesmörderinnen und die, welche ihre Eltern umgebracht hatten, mit einem Hunde, einem Huhne, einer Schlange und einem Affen (in dessen Ermangelung mit einer Katze) in einen Sack gesteckt und ersäuft.
Dass dich der Has!
Dass dich der Henker.
Dass dich der Hitzel!
Schlesien (Für: Teufel)
Dass dich der Kuckuck gemacht! Meiningen
i] Ausruf beim Missraten der Arbeit.
Dass dich der Neidhard schänd.
i] Eine Schimpf- oder Fluchformel.
Dass dich der Rangen anstoße!
Dass dich der Ritten schütt'.
i] In dem alten, dem 13. Jahrhundert angehörenden Fabelbuche: Der Edelstein von Boner, handelt die 48. Fabel von der Ritte. Der Ritten (jetzt in Ein- und Mehrzahl Ritten) ist das altdeutsche Wort für Fieber. Man nahm an, dass es mit ridt, reiten, rütteln zusammenhänge. Das Wort kommt in den Schriften jener Zeit in den verschiedensten Schreibweisen vor. Man findet: Ritt, Ritte, Ritten, Rieden, Rito, Rötschit; Garritt, Jaritt, Janritt, Jaritten, Jhachritten, Herzjaritten, Järitten, Gäritten. Es scheint darunter ein im 14., 15. und 16. Jahrhundert besonders sehr verbreitetes, pestartiges Fieber gemeint zu sein, das die Leute schnell (jäh) ergriff und hinraffte; daher Jaritten, Jähritten (wie Jähzorn) genannt, nicht, wie es irrigerweise geschehen ist, als ein Fieber, das ein Jahr dauert (febris quae annum durat.) Es hatte zwei Hauptstadien und begann gewöhnlich mit Frost, Rittenfrost. In der elsassischen Mundart heißt rîdere: zittern, und heißt der Ritt wohl ursprünglich das Zittern und dann das Fieber. Man nennt es dann auch das Kaltwee.
z] 'Ein fraw, die das kaltwee hat.' Aus der Legenda Sanktorum ad 2. Kal. Jun. erfahren wir, dass die heilige Petronilla dagegen angerufen wurde: 'Man eret sie gerne fuir den ritten, wan unser herre tůt vil zeichen durch ihren willen.' 'Do sties in (den Kaiser Leo IV.) eine rötte an das er starb.' 'Das dich der rit schit!' 'Das im got den ritten geb.' 'Und ob dich die pestrlentz anstoßet in dem stat, in des ritten namen, worumb bistu gehasset.' 'Sie haben das fieber oder ritschit.' 'Eine fraw, die das kaltwee hat, und den ritten, an dem tantz so bliget sie wie ein ross und meint der war sie sei huibsch.' 'Das Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.' 'Nach dem essen stieß jm ein kleiner ritten an, ein klein fieber.' 'Ich zitter als mich der ritten schit.' 'Er hat den ritten in den hut.' 'Wolt Got, das sie der ritte schit.' 'Das dich der einfeltig ritten schit, als kündstu nit ganz drü erzelen.' 'Hyn lüss man dich den ritten han.' 'Schweig, dass dich der ritten schitt.' 'Das in der Herziar ritenschit.' 'Das dich der Herz jar ritten schitt.' 'Ich muss den Herz iarritten schweren.' 'Dass dich der Ritt schitt; du Bösswicht!' 'Ich ließ die Schul haben den Rieden.' 'Und dass dich der ritt muss schütten.' 'Ey, das schütt dich der ja ritt.' 'Geht hin, dass euch der Riet schüttelt.' 'Schütt dich der ritt, du junger Lapp.' 'Ey, das vergelt der Jar ritt dir!' 'Dass dich der ritt wasch.' 'Das sie der jarritt schütt.' 'Der herzewige ritt gange sie an!' 'Der Garritt gehe dich an.'
Dass dich der Schwede!
Dass dich der St. Veitstanz ankomme.
Frankreich
Dass dich der Teufel hole.
ndt] Dat di de Düwel hâl!
Dass dich der Teufel schände!
i] Verderbe, verführe, unglücklich mache.
Dass dich der Teuker!
i] Verhüllend für Teufel.
z] Viele, bloß schwarzgekleidete Kardinäle schwören nur: 'dass dich', etwas kühner: 'dass dich der Teuker', oder nur: 'dass dich der Tausend!' einer meiner Bekannten nur: 'Sadrach', weil er aus Daniel 1, 7 weiß, dass dies auch ein Fürst der Finsternis bedeutet. Andere halten auch 'Satan' für unbedeutender. So schwören die Neugriechen, die sich ungemein vor dem Teufel fürchten: 'Der soll dich holen, der draußen und weit von uns ist'; und nur in der Kirche getrauen sie sich, das Kind beim rechten Namen zu nennen, weil man dort sicher ist; dafür schwören wieder fromme Seelen bloß 'meiner Sex', ohne zu wissen, dass es sagen will: bei meinem Schwert (sass) und ohne zu überlegen, dass sie oft nichts weiter bei sich haben, als ein schlechtes Taschenmesser.
Dass dich der tropf schlage!
i] Sprichwörtlicher Fluch, der wünscht, dass der Betreffende gelähmt werden möge.
z] Dass ein yglicher mensch ynn seinem gehirn drey tropffen habe, einer zur lincken, einer zur rechten seytten und einer mitten. Wenn nun der zur lincken fellt, so wirt die lincke, fellt aber der zur rechten, so wirt die rechte seytten lam, wo er aber mitten fellt, so muss der mensche ynn vier und zwentzig stunden sterben, wo nicht ehe.
Dass dich die Franzosen ankomen!
i] Franzosen = Lustseuche
z] Dieser fluch ist new, und bei Keyser Maximilians zeytten auff kommen. Denn vor diser zeyt war diese kranckheyt und plattern vngehoret ynn deutschen landen. Da aber Maximilian kriegte mit dem Ludouico Gibboso, Konig ynn reich, und mit den Venedigern, brachten die vnseren dise platern aus Lombardien ynn Deutsche land, davon sie auch noch heuttigs tages den namen haben und heyssen Frantzosen.
Dass dich die höllische Darr' ankomme.
Dass dich die Mäuse fressen.
Dass dich die pestilenz ankomm.
ndt] Dat du de Pestelenz kriggst. Pommern
i] Sprichwörtlicher Fluch.
Dass dich die Plag bestehe!
z] Die plage ist das falbel, das fallend vbel, die große krankheyt.
Dass dich die raben fressen!
i] Sprichwörtlicher Fluch.
nl] Dat u de raven picken (schenden, vreten, beschijten).
la] Ad corvos.
Dass dich die schwere Not!
i] Gleichbedeutend mit der Verwünschungsformel: Dass dich die Kränk oder die Fallsucht (Epilepsie) heimsuche.
Dass dich die Soldaten hätten!
Dass dich die Sucht erschlage.
Dass dich die Todesgöttin erwürge!
lit] Kad tawe Gittinę nusmanztu.
Dass dich die vier bottschafft ankommen.
i] Ein sprichwörtlicher Fluch, wodurch man jemand die vier Übel wünschte, welche nach dem Heiligenglauben die vier Heiligen: Sanct- Antonius, Sanct-Ruprecht, Sanct-Valentin und Sanct-Cornelius heilten.
Dass dich die vier haken schenden, daran der Himmel hengt.
Dass dich die Wache nicht kriegt.
Dass dich ein böss jahr ankomme!
z] Das dich ein bös jar an gehe und alles übel!
i] Ein alter sprichwörtlicher Fluch, in dem man wünscht, dass jemand keine gute Stunde haben möge!
nl] Dat hem een boos jaar aankome.
nl] Dat u het goede jaar hale!
Dass dich Gott schände!
i] Verdammt seist du!
i] Agricola hat die sprichwörtlichen Redensarten, die zu seiner Zeit als Verwünschungsformeln im Brauch waren, in seiner Sammlung der 750 Sprichwörter aufgenommen: Dass dich das blaw, das vor dem donner herlauffet, ankom. Dass dich die vier botschaff ten ankommen. Dass dich der donder erschlag. Die Druess gehe dich an. Dass dich das hellische fewer verbrenne. Dass dich die frantzosen ankomen. Das falbel gehe dich an. Dass dich Gotts dufft und lufft schende. Dass dich Gotts funf Wunden schenden. Dass dich Gotts kraft (macht) schende. Dass dich Gotts leichnam schende. Dass dich Gotts marter schende. Dass dich Gott schende. Dass dich Gottes Sacrament schenden. Dass dich das hertzleyd bestehe. Dass dich ein boss iar ankomme. Dass dich die plag bestehe. Dass dich Sanct-Quirin ankom. Der ia ritten gehe dich an. Die sucht gehe dich an. Dass dich der Tropff schlage. Dat dick negen Tüffel ynnet hole liff faren. Der Teuffel fuere dich über den Osterrode hynweg. Dass dich der Teuffel schende. Dass du müssest toll, rasent und vnsinnig werden. Dass dich alles Unglück bestehe. Dass dich Sanct-Veitstantz ankom. Dass dich Sanct-Vrbans plag bestehe. Dass dich Sanct-Veltin ankom. Dass dich dass Wetter angehe. Dass dich die Pestilenz ankom. Dass dich das Parle (Paralysis) ruere. Dass dich Sanct-Anthoni ankom. Dass dir nymmer guts geschehe.
Dass dich Gotts angst schände.
i] Eine zu Agricola's Zeit sehr gewöhnliche Verwünschungsformel vom Leiden Jesu hergenommen. Der angeführte Schriftsteller sagt: 'Fast jedes Kind braucht dies Wort zu allen leichtfertigen Sachen, als wäre die Angst Christi ein Spott.'
Dass dich Gotts Dufft und lufft schende.
i] Sogar die Luft soll dir zum Verderben gereichen
Dass dich Gotts funff wunden schenden.
Dass dich Gotts krafft, Gotts macht schende.
Dass dich Gotts leichnam schende.
Dass dich Gotts Lung schendt.
z] Gotslästerer und gotsschwerer (nennen) Gots hirn, lung, leber, kröss, wunden onmacht.
Dass dich Gotts marter schende.
Dass dich Gotts sacrament schenden.
Dass dich Hasehart verzehr'!
i] In einem ungedruckten Gedichte Rüdigers von Meure. Jakob Grimm, sagt darüber: 'Ein seltener mittelhochdeutscher Ausdruck, der erst im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts vorkommt und sichtbar dem französischen hasart, hazart nachgeahmt, seiner Wurzel nach also undeutsch ist.' Er erklärt es als Würfelspiel auf Grund angeführter Quellen.
Dass dich potz Valtin schendt.
z] Valten, Valthin, kommt vom fallen und ist das fallend übel; darzu S. Valtin (ist anderst yrgent ein heilig ym Hymel, der also heysst) apoteckerknecht ist.
Dass dich S. veits tanz ankomme.
i] Eine in jener Zeit sehr übliche Verwünschungsformel.
z] Ynn Deutschen landen sind der plagen vil gewesen, als do der Teufel die leutte besessen hat und aussgerichtet was er gewolt hat . Vnd eben daselbs wurden etliche leutte geplagt, dass sie tantzen musten oft tag an eynander, oft zwen tag, drey tag und nacht.
i] Der Sankt- Veitstanz ist eine Krankheit, deren Entstehung früher dem Teufel zugeschrieben wurde, und die in Krämpfen der willkürlichen Muskeln besteht, die sich unter Fortdauer des vollen Bewusstseins durch unwillkürliche Bewegung des Rumpfes, Kopfes und Gesichts kundgibt. Man unterscheidet kleinen und großen Veitstanz. Bei dem letztern können sich die krampfhaften Zuckungen, das Hüpfen, Tanzen, Herumlaufen im Kreise, bis zu einer Art Geisteskrankheit steigern, deren Ausgang Blödsinn oder Fallsucht sein kann. Die Krankheit kommt in den ältern Schriften unter verschiedenen Namen, als Sankt-Veltiensplag, Sankt-Veltens Siechtag, Sankt-Valentin's Siechtag Veltenstanz, Sankt- Veltes Krisem, Fallentübel, Sankt-Verden bluot, vor. Nach einigen kommen bei einzelnen Einsiedlern und Mönchen schon im 5. Jahrhundert Spuren von Sankt-Veitstanz vor. Allgemeiner zeigte sich die Plage zu Erfurt im Jahre 1237, wo am 15. Juni plötzlich tausend Knaben und Mädchen so von der Tanzwuth ergriffen wurden, dass sie vier Stunden weit von der Stadt unaufhaltsam forttanzten und den folgenden Tag von den Eltern auf Wagen zurückgebracht werden mussten. Im Jahre 1374 brach die Krankheit in den Niederlanden aus und zeigte sich 1417-18 am Rhein, besonders im Elsass. Die Ergriffenen waren in diesem Zustande gegen allen Schmerz, der durch Stechen, Zwicken u.s.w. hervorgebracht werden sollte, unempfindlich. In Strassburg wurden besonders Frauen von der Krankheit ergriffen, sie geriethen in krampfhafte Zuckungen, sprangen und tanzten so lange, bis sie erschöpft zu Boden fielen. Eine handschriftliche strassburger Chronik enthält, das Jahr 1418 betreffend, den Vers: 'Viel hundert fingen zu Strassburg an zu tanzten und springen, Frau und Mann, am offnen Marck, Gassen und Straßen, Tag und Nacht ihrer vil nicht assen, bis in das Wüten wieder gelag. Sankt Vits Tantz ward genannt die Plag.'
z] Also gat es denen die Sankt-Veltins Siechtagen hond, wen sie die Siechtagen leiden, so entpffinden sie nit, waz man inen anthut.
Dass dich S. Velten ankomme odder schende.
i] Böser Wunsch. Velten (volksmundliche Zusammenziehung aus Valentin) ist hier bloßes Wortspiel, entstanden aus Valthin = fallt hin für Fallsucht. Valentin war aber Schutzheiliger gegen Pest und Epilepsie. Man glaubt, dass der heilige Valentin, der zu Rom im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt, von dem Volke irrtümlich in das Heidenthum versetzt und dadurch unter die Teufel geraten sei, weil an seinem Gedenktage (21.5.) die schon aus Shakspeare und Walter Scott bekannten, mit allerhand abergläubischen Gebräuchen verbundenen Festlichkeiten der heirathslustigen Jugend stattfanden. Richtiger wird wohl aber der Namen Velten auf Valant zurückgeführt, der im Volksglauben den Teufel vorstellt. Der Ausdruck kommt im Volksmunde häufig und früher noch mehr als jetzt vor. Man gebraucht ihn meist in Ausrufe- und Fragesätzen, um Unwillen oder Verwunderung auszudrücken: 'Wie zum Velten hatte ich mir einbilden können. Was zum Velten, Sie wissen nicht, dass Julchen meine Nichte ist. Was Velten hatte sie im Koffer zu kramen? Ei, zum Velten, der bin ich nun wohl nicht. Wo, zum Velten, soll ich mein Schiff herkriegen. Wie, zum Velten, ist das Kätzchen heraufgekommen?' Häufig wird es auch mit Potz verbunden und steht dann für Gottsteufel, als: Potz Velten, und wie heißen Sie. Potz Velten, böse müssen Sie nicht sein. Potz Velten, jetzt fällt mir's ein. Potz Velten, was heißt das wieder? Ei, zum Velten und seiner Schwiegermutter. Die letztere Redensart erinnert an den Teufel und seine Großmutter. 'Das euch S. felten, hätte schier geflucht.'
0001 0002 0003 0004 0005 0006 0007 0008 0009 0010
0011 0012 0013 0014 0015 0016 0017 0018 0019 0020
0021 0022 0023 0024 0025 0026 0027 0028 0029 0030
0031 0032 0033 0034 0035 0036 0037 0038 0039 0040
0041 0042 0043 0044 0045 0046 0047 0048 0049 0050
0051 0052 0053 0054 0055 0056 0057 0058 0059 0060
0061 0062 0063 0064 0065 0066 0067 0069 0068 0070
0071 0072 0073 0074 0075 0076 0077 0078 0079 0080
0081 0082 0083 0084 0085 0086 0087 0088 0089 0090
0091 0092 0093 0094 0095 0096 0097 0098 0099 0100
0101 0102 0103 0104 0105 0106 0107 0108 0109 0110
0111 0112 0113 0114 0115 0116 0117 0118 0119 0120
0121 0122 0123 0124 0125 0126 0127 0128 0129 0130
0131 0132 0133 0134 0135 0136 0137 0138 0139 0140
0141 0142 0143 0144 0145 0146 0147 0148 0149 0150
0151 0152 0153 0154 0155 0156 0157 0158 0159 0160
0161 0162 0163 0164 0165 0166 0167 0168 0169 0170
0171 0172 0173 0174 0175 0176 0177 0178 0179 0180
0181 0182 0183 0184 0185 0186 0187 0188 0189 0190
0191 0192 0193 0194 0195 0196 0197 0198 0199 0200
0201 0202 0203 0204 0205 0206 0207 0208 0209 0210
0211 0212 0213 0214 0215 0216 0217 0218 0219 0220
0221 0222 0223 0224 0225 0226 0227 0228 0229 0230
0231 0232 0233 0234 0235 0236 0237 0238 0239 0240
0241 0242 0243 0244 0245 0246 0247 0248 0249 0250
0251 0252 0253 0254 0255 0256 0257 0258 0259 0260
0261 0262 0263 0264 0265 0266 0267 0268 0269 0270
0271 0272 0273 0274 0275 0276 0277 0278 0279 0280
0281 0282 0283 0284 0285 0286 0287 0288 0289 0290
0291 0292 0293 0294 0295 0296 0297 0298 0299 0300
0301 0302 0303 0304 0305 0306 0307 0308 0309 0310
0311 0312 0313 0314 0315 0316 0317 0318 0319 0320
0321 0322 0323 0324 0325 0326 0327 0328 0329 0330
0331 0332 0333 0334 0335 0336 0337 0338 0339 0340
0341 0342 0343 0344 0345 0346 0347 0348 0349 0350
0351 0352 0353 0354 0355 0356 0357 0358 0359 0360
0361 0362 0363 0364 0365 0366 0367 0368 0369 0370
0371 0372 0373 0374 0375 0376 0377 0378 0379 0380
0381 0382 0383 0384 0385 0386 0387 0388 0389 0390
0391 0392 0393 0394 0395 0396 0397 0398 0399 0400
0401 0402 0403 0404 0405 0406 0407 0408 0409 0410
0411 0412 0413 0414 0415 0416 0417 0418 0419 0420
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