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SPRÜCHE ABERGLAUBE

...eigentlich ergreift der Aberglaube nur falsche Mittel, um ein wahres Bedürfnis zu befriedigen [...] Denn wer kann sagen, [...] daß er sich nicht neben dem ernstesten Tun und Leisten, wie mit Glauben und Hoffnung, so auch mit Aberglauben und Wahn, Leichtsinn und Vorurteil hinhalte.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. - Roger Bacon

...unterdessen sind wir nicht Herren unseres Aberglaubens und unserer Hoffnungen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), An Zelter, 29.5.1817

Das einzige Mittel gegen Aberglauben ist Wissenschaft. Nichts anderes kann diesen Pestflecken aus dem menschlichen Geiste hinwegwischen. Ohne sie bleibt der Aussätzige ungereinigt und der Sklave unbefreit.
en] The only remedy for superstition is knowledge. Nothing else can wipe out that plague-spot of the human mind. Without it, the leper remains unwashed, and the slave unfreed.
Henry Thomas Buckle (1821-1862), Gesch. d. Zivilisation (1858-1861)

Dem Aberglauben wachsen die Federn, der Zufall mag ihm dienen oder schaden.
Jean Paul (1763-1825), Leben Quint. Fixlein (1796)

Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns. - Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Nathan d. Weise (1779) IV, 4 (Tempelherr)

Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 500

Der Aberglaube gemeiner Leute rührt von ihrem frühen und allzu eifrigen Unterricht in der Religion her.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Verm. Schriften (1800-1806). Bd. 1, Nr. 3. Bemerk. verm. Inhalts. Nr.11. Allerhand

Der Aberglaube ist das ungeheure, fast hilflose Gefühl, womit der stille Geist gleichsam in der wilden Riesenmühle des Weltalls betäubt steht und einsam.
Jean Paul (1763-1825), Vorschule d. Ästhetik (1804)

Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens, beide erfinden eingebildete Wesen, und zwischen dem Wirklichen, Handgreiflichen ahnen sie die seltsamsten Beziehungen; Sympathie und Antipathie walten hin und her. Die Poesie befreit sich immer gar bald von solchen Fesseln, die sie sich immer willkürlich anlegt; der Aberglaube dagegen läßt sich Zauberstricken vergleichen, die sich immer stärker zusammenziehn, je mehr man sich gegen sie sträubt.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Justus Möser

Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deswegen schadet's dem Dichter nicht, abergläubisch zu sein.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 171

Der Aberglaube ist ein Erbteil energischer, großtätiger, fortschreitender Naturen; der Unglaube das Eigentum schwacher, kleingesinnter, zurückschreitender, auf sich selbst beschränkter Menschen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. - Roger Bacon

Der Aberglaube ist ein Kind ber Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.
Friedrich der Große (1712-1786), Sämtl. Werke (1789)

Der Aberglaube trauet den Sinnen bald zu viel, bald zu wenig.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Sämtl. Schriften. Theologische Streitschriften (1777). D. Testament Joh.

Der Aberglaube, sowie manches andre Wähnen, verliert sehr leicht an seiner Gewalt, wenn er, statt unserer Eitelkeit zu schmeicheln, ihr in den Weg tritt und diesem zarten Wesen eine böse Stunde machen will; wir sehen alsdann recht gut, daß wir ihn loswerden können, sobald wir wollen; wir entsagen ihm um so leichter, je mehr alles, was wir ihm entziehn, zu unserm Vorteil gereicht.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,11

Der Aberglauben macht die Gottheit zum Götzen, und der Götzendiener ist um so gefährlicher, weil er ein Schwärmer ist.
Johann Gottfried Herder (1744-1803) & August Jacob Liebeskind (1758-1793), Palmblätter (1787-1800). T. 4, Erz. 1

Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen
Für den erträglichern zu halten.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Nathan d. Weise (1779). A. 4, Sz. 4 (Tempelherr)

Der sogenannte Aberglaube beruht auf einer viel größeren Tiefe und Delikatesse als der Unglaube.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Riemer, 12.12.1806

Dringt durch des Aberglaubens Nacht,
Die euch zu finstern Köpfen macht.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), Fab. u. Erz. (1746). B. 2. D. Freigeist

Es ist schon viel mit der guten Vorbedeutung gewonnen, und der Aberglaube selbst ist nützlich, wenn er im Vertrauen bestärkt.
Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Brief an eine Freundin (Febr. 1835)

Glaube, dem die Tür versagt,
Steigt als Aberglaub' ins Fenster;
Wenn die Götter ihr verjagt, Kommen die Gespenster.
Emanuel Geibel (1815-1884), Gedichte u. Gedenkblätter (1864). Spr. Nr. 44

Ist es denn zuviel gesagt, daß ein gewisser Aberglaube an dämonische Menschen niemals aufhören, ja daß zu jeder Zeit sich immer ein Lokal finden wird, wo das problematisch Wahre, vor dem wir in der Theorie allein Respekt haben, sich in der Ausübung mit der Lüge auf das allerbequemste begatten kann.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1805

O Aberglaube, dickste Nacht,
Wie drückst du schwer die Welt!
Das Licht, es ist umsonst erwacht
Am hohen Sternenzelt!
August von Platen-Hallermünde (1796-1835), Gedichte. Verm. u. Gelegenheitsgedichte. In Palermo (gedichtet 1835)

Sklaverei und Aberglaube können Kampanien zu einem Lande von Bettlern machen und die Ebene von Enna in eine Wüste verwandeln.
en] Slavery and superstition can make Campania a land of beggars, and can change the plain of Enna into a desert.
Thomas Macaulay, 1. Baron Macaulay (1800-1859), Reden. Rede zur Eröffnung d. Glasgow College (21. März 1849)

Stets liegt, wo das Banner der Wahrheit wallt,
Der Aberglauben im Hinterhalt.
August von Platen-Hallermünde (1796-1835), D. neuen Propheten (gedichtet 1817). (D. Nationale)

Vernichten wir den Elenden (den Aberglauben).
fr] Écrasons l'infâme.
Voltaire (1694-1778), Briefe (1759-1768). An verschiedene Personen

Vom Aberglauben ist Unglauben stets begleitet,
Und Aberglauben hat zum Glauben oft geleitet.
So im Unglauben ist der Glaube schon enthalten;
Durch Gottes Kraft geweckt, wird er sich draus entfalten.
Friedrich Rückert (1788-1866), D. Weisheit d. Brahmanen (1836-1839). B. 18, Nr. 43. (Stufe 6. Prüfung. Nr. 341)

Wuchern wird der Aberglaube,
Wo man weg den Glauben warf.
Friedrich Rückert (1788-1866), Gesammelte Gedichte (1834-1838). Bd. 3