<<< Weisheiten 0875 >>>

Drohe nicht mit Strafen, die größer sind als die Schuld, vollstreckst du sie, so sündigst du, erlässt du sie, so lügst du!
Arabien

Drohen Geister, uns zu schädigen,
Soll sich die Magie betätigen.
Goethe, Faust II A I, Weitläufiger Saal (Plutus) Vs 5985f.

Drohen ist leichter, als töten.

Drohen schreckt die Narren wie Donner die Kinder.

Drohend und fürchterlich ist das herannahende Alter, und da ist nichts, was es euch zurück und wieder herbringt! Selbst das Grab ist barmherziger.
Nikolaj W. Gogol

Drohender Schaden ist ein noch nicht eingetretener Schaden, dessen Eintreten man befürchtet. [RSpW]
la] Damnum infectum est damnum nondum factum, quod futurum veremur.

Drohlärm ist Eselsgeschrei.
Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, Wahlspruch

Drohnen machen keinen Honig.

Drohnen und Bären lassen sich gern von anderen ernähren.
Von den Ämterschnappern in den USA

Drohnen und Bären schaden dem Korbe.
Nordamerika

Droht ein Unfall dich in die tiefe Schwermut der Verzweiflung hinabzustoßen, ermanne dich an deiner göttlichen Natur. Was könnte den zu Boden schlagen, dessen Wille frei ist und keinem unterworfen?
Platen, Lebensregeln

Drohungen sind Waffen des (o. für den) Bedrohten.

Drohungen sind Waffen für den Bedrohten. Italien

Drohworte brechen kein Geleit.

Drohworte sind nur Worte.
fr] De l'ennemy les menaces sont fouetz qui chevaulx chassent.
la] Adversariorum minae aurigarum scuticae.

Drollige Gesellschaft, diese Deutschen. Ich bin ihnen eine stinkende Blume, und sie stecken mich doch immer wieder ins Knopfloch.
Albert Einstein, Über den Frieden

Drop (drauf), drop, et es en Orhane (Auerhahn).

Drôpen (getroffen), säd de Jung, dôr smet he sîn Môder 'n Ôg ût.

Dröschflegel (Dreschflegel) will äten, secht de Bua, un dän müdst Fruen goed gericht Erften, Nudel un Fleîsch för de Dröschers (Drescher) kocken.
Ukermark

Dröttië Bohne, vêrtië Tasse, Fru Nabre, Kaffee wie Oelge.

Drowen (drohen) schreckt Narren, wie Donner die Kinder.

Drre Dinge plagt de Münschen alltid, Flöhe, Flägen und Nid.

Drsent dar Moan (Mann) tûd îs, do is oss wänn a Hond v'rackt wär.
i] Es will nicht mehr gehen.

Drü mol zoge ist eimol abbrännt.
i] Ziehen die Wohnung wechseln. Dreimal ziehen ist so gut wie einmal abbrennen.
jüdisch-deutsch] Drei muhl gezogen is ärger wie einmuhl ubgebrännt.

Drü Recht: Recht ist Recht; us Unrecht macht me Recht; wie me's macht, so isch's Recht.
Schweiz

Drüber wischen, wie der Hahn über heiße Kohlen.

Drück den Arsch auf die Erde, sieh, wie du durchkommst.
Estland

Drück den Mund zu und verbeiß das Lachen und warte ab, was die anderen machen.
Estland

Drück den Pfeil zu schnell nicht ab, der nimmer zurückkehrt;
Glück zu rauben ist leicht, wiederzugeben so schwer.
Herder, Stimmen der Völker: Persisch

Drück dich, Karlienke, am End lett se to.
i] Karlinchen wird die Branntweinflasche genannt. Wenn der Inhalt geleert ist, pflegt man sie scherzweise zu drücken, damit sie noch einige Tropfen ausfließen lasse.

Druck erzeugt Empörung (o. Gegendruck).
fr] En Flandres l'oppression a fait la rébellion.

Druck erzeugt Gegendruck.

Druck macht Heuchler.

Drück man düchtig to, wie geet et doch up'n Rinnsteen.

Drück nicht des Fohlens Rücken ein.
Estland

Drückchen, Drückche, stör dich ân Nicks un schmêr ding Schohn (Schuhe) met Eierwicks.
Köln

Drücke niemals die Katze im Dunkeln.
Gewöhne dich nicht daran, geistige Getränke im Geheimen zu trinken. Unter Katze ist die lederne Flasche zu verstehen
nordfries] Kniipe nimmer de kat ön Junkens.

Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben!
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Drückende (schwere) Zeit schreitet langsam.
z] Drückende Zeiten langsam schreiten, langsam schreiten nach ihrer Art, die Tage länger, der Winter strenger, das ist hart.

Druckener März, nasser Abbril un kühler Mai, fillt Schyr un Keller un gidd viel Heu.
Elsass
en] March many weathers.
fr] Mars gris, avril pluvieux et mai venteux font l'an fertil et plantureux.
fr] Mars venteux et avril pluvieux, font le may gay et gracieux.

Drückt dich ein Leid, so breit es nicht vor vielen aus. Schweigend soll man sein Leid ertragen.
Sophokles, Fragmente

Drückt euch ein Kummer, werft ihn frisch vom Herzen!
Nehmt mit, was kommt; die Zeiten sind jetzt schwer;
Drum muss der Mensch die Freude leicht ergreifen.
Hier wird gefreit und anderswo begraben.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 3 (Stüßi)

Druf uf de Mutter, weil sie jung ist.
Schreiberhau

Druff, 's isch e Welscher.
Zuruf im Elsass, wo jeder Franzose ein Welscher heißt, bei Händeln

Druga ruka, druga glika.
Niederlausitz
bm] Jiná ruka, jiné stestí.

Drüge (= trockener) April ist Landmanns Will.
Münster

Druha ruka, druhje zbozo.
Wendisch in der Oberlausitz

Drüj (trocken) Broed (Brot) macht die Backe roet.
Siegen

Drükzehn Handwerker, vefzehn Unglöcker.
Köln
i] Die alte Börse zu Königsberg hat folgende Deckeninschrift: 'Ja, dreizehn Handwerk, wie man spricht, dem mangeln vierzehn Unglück nicht, auch wenn das Weib die Börsch betritt, nichts guts von ihr geredet wird.'

Drum erhebe frohe Lieder.
Wer die Heimat wiedersieht.
Schiller, Das Siegesfest

Drüm es der nitt viel van te seggen, grote Aier könnt se der nit leggen.
Iserlohn

Drum esst nur, Pfaffen, Hühner, trinket Wein
Und laßt die dummen deutschen Laien - fasten.
Walter von der Vogelweide, Gedichte

Drum folg ich diesem Spruch der Liebessitte:
Gewähren wird Befehl, Versagen Bitte.
Shakespeare, Troilus und Cressida, 2, Cressida)

Drum gehet tapfer an, ihr meine Kriegsgenossen,
Schlagt ritterlich darein.
Freiligrath, Vision

Drum gilt's, das, was man weiß, durchs Sieb zu rollen,
Den Hammer in der Hand: Dann Brüder, marsch, voran!
Den großen, schönen Traum zu träumen dann und wann
Vom schlichten Sein.
Rimbaud, Der Schmied, 1792

Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund,
dass ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß,
dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen
Und tu nicht mehr in Worten kramen.
Goethe, Faust I, Nacht (Faust) Vs 377f.

Drum haltet fest zusammen, - fest und ewig!
Kein Ort der Freiheit sei dem anderen fremd!
Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,
Dass sich der Bund zum Bunde rasch versammle!
Seid einig, einig, einig!
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 2 (Attinghausen)

Drum in der Ferne lebend,
Ergaben wir uns wilder Ausschweifung.
Wie Menschen immer es zu halten pflegen,
dass sie am lustigsten fern von zu Hause sind.
en] [We]therefore, living hence, did give ourself
To barbarous licence, as 'tis ever common
That men are merriest when they are from home.
Shakespeare, König Heinrich V. I,2

Drum is 's Geld rund, dass 's rollt.

Drum ist der Österreicher froh und frank,
Trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden,
Beneidet nicht, lässt lieber sich beneiden!
Grillparzer, König Ottokars Glück und Ende, III, 3 (Horneck)

Drum ist mein Alter wie ein frischer Winter,
Kalt, doch erquicklich.
en] Therefore my age is as a lysty winter,
Frosty, but kindly.
Shakespeare, Wie es euch gefällt II,3

Drum ist nichts, dass man Adler führt,
Wann man den Adlers Mut nicht spürt.
Joh. Friedr. Fischart, Ernstliche Ermanung an die lieben Teutschen (1581)

Drum leb', wer das Küssen und Lieben
Und Trinken und Singen erdacht!
Körner, Die drei Sterne

Drum lebe mäßig, denke klug,
Wer nichts gebraucht, der hat genug.
Wihelm Busch, Haarbeutel

Drum möcht einmal, eh in die Schattenwelt
Elysiums mein seliger Geist sich senkt,
Die Flur noch segnen, wo der Kindheit
Himmlische Träume mein Haupt umschwebten.
Matthisson, Wunsch

Drum paart, zu eurem schönsten Glück,
Mit Schwärmers Ernst des Weltmanns Blick.
Schiller, Licht und Wärme

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das nötige Geld auch findet.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was bess'res findet.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet.
Friedrich Schiller, Das Lied von der Glocke

Drum räsoniert nicht! Glaubt, was ihr nicht wisst!
Ihr müßt es, wenn die Ding unglaublich scheinen,
Ihr sollt es, wenn die Sach' unmöglich ist;
Am besten sprecht ihr nach, was andere meinen.
Byron, Don Juan

Drum seid nur brav und zeigt euch musterhaft,
Lasst Phantasie, mit allen ihren Chören,
Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,
Doch, merkt es wohl! nicht ohne Narrheit hören.
Goethe, Faust, I, Vorspiel auf dem Theater (Lustige Person)

Drum sind auch alle französischen Trauerspiele Parodien von sich selbst.
Goethe, Zum Schäkespears Tag

Drum sind die Musen mir hold, drum ist Apollon mir hilfreich.
Propertz, Elegien

Drum spar die Liebe bis zur Ehe
Und lieb nur eine dann, verstehe,
Dass dir dann Gegenlieb erwachs
Von deinem Weibe, wünscht Hans Sachs.
Hans Sachs, Die junge Wittfrau Franziska

Drum strenge jeder seinen Geist nun an,
Dem edlen Werk zu schaffen freie Bahn.
Shakespeare, König Heinrich V.

Drum treibts ein jeder wie er kann
Ein kleiner Mann ist auch ein Mann.
Der Hob stolziert, der Kleine lacht,
So hats ein jeder wohl gemacht.
Goethe, Neueröffnetes moralisch politisches Puppenspiel. Prolog

Drum tu wie ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick ins Auge! Kein Verschieben!
Begegn ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln seis, zur Freude seis dem Lieben.
Nur wo du bist, sei alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich.
Goethe, Trilogie der Leidenschaft, Elegie

Drum wird all's g'esse und alls g'schaffet, aber nid alls zahlt.
Luzern

Drum, werter Herr, beratet Euch in Zeiten!
Goethe, Faust I, Garten (Marthe) Vs 3093

Drunten im Unterland,
Da ist's halt fein!
Gottfr. Weigl, Unterländers Heimweh

Drup, et is en Hesse.
Göttingen
i] Erinnert an die Zeiten, wo die hannoverschen und hessischen Grenzbewohner öfters Streitigkeiten und Raufhändel miteinander hatten

Druppen alze en olt scho.
hdt] Tropfen wie ein alter Schuh
i] Gar nicht; von Speck und trockenen Würsten schlechtester Art.

Drüsen (Pestbeulen) und Franzosen sind des Teuffels Bleikugeln.
Luther

Drweile wärd der Esel ä Bischof. Harz

Drwile cha no menge Maus in ein' angers Lach schlüfe.
Schweiz

Dry (darein) und dernebe goht vil.
Solothurn
i] Wenn man beim Eingießen neben das Gefäß schüttet

Drythoaipe, saghte Ebbinges Hiärmen, un Küeteln asse Micken.
Iserlohn
hdt] Kothaufen, sagte Hermann Ebbinges, und Küttel wie Semmel.

Ds is a Saustall, hat der Bandwurm gsagt, wia s' ihn abtriebn ham.

D's Mähju (Mähen) und d's Singu ist nit z' erzwingu.

D's Schünst vom Geld es, dass me' net wess, bâm's (wem es) es.
Meiningen

Dü (du) host noch a Chüppe vor dir.
Warschau
i] Man glaubt, dass Gott am Hochzeitstage alle religiösen Sünden vergebe. Macht sich nun ein Kind eines solchen Vergehens schuldig und macht sich große Vorwürfe darüber, so wird ihm zugerufen: Beruhige dich, ängste dich nicht, du hast die Trauung (Chuppe) noch vor dir, die diese Sünde wegnehmen wird.

Du (faules) Aas!
Als Schimpfwort auch: Rabenaas, Schindaas (Ein für den Schinder reifes Tier
ndt] Schinoos. Rheinisch
ndt] Et äs e fel Ôs. Siebenbürgen
fr] Charogne!

Du (gottverfluchte) Hundeseele!
Troppau

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.
Goethe, Divan - Buch Hafis - Offenbar Geheimnis

Du aber halte dich mit Liebe
An das Durchscheinende, das Trübe.
Denn steht das Trübste vor der Sonne,
Da siehst die herrlichste PurpurWonne.
Und will das Licht sich dem Trübsten entwinden,
So wird es glühend Rot entzünden.
Und wie das Trübe verdunstet und weicht,
Das Rote zum hellsten Gelb erbleicht.
Goethe, Gott, Gemüt und Welt

Du aber wisse, der in Berge schreit:
Wie man hineinruft, tönt zurück die Kunde.
Aus dem Persischen

Du aber, wenn du mit deinem Widersacher zur Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Wege Mühe, von ihm loszukommen, damit er dich nicht etwa vor den Richter ziehe, und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergebe und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfe.
Lukas, 12, 58

Du achtest nicht das Ansehen der Menschen.
Matthäus 22, 16

Du ahnungsvoller Engel du!
Goethe, Faust I, Martens Garten (Faust) Vs 3495

Du alte Runggungl, du zahnluckets Tier, sitzt ällweil an der Gunggl, aber spinna magst nie.

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