Deutsche Sprichwörter, Redensarten, Zitate 0835
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Die weltlich Art - Gottes widerpart.

Die weltlich Ehr bringt dieses Recht, heut biste ein Herr und morgen ein Knecht.

Die weltlichen Kritiker sind sittliche Kastraten, man hat ihnen den sittlichen Nerv herausggeschnitten, das Bewusstsein, dass man Leben aus eigener Kraft zu schaffen vermag.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1890)

Die Weltmenschen freuen sich alle darüber, wenn die anderen mit ihnen einig sind, und hassen es, wenn die anderen von ihnen abweichen. Der Grund dafür, dass man es gern hat, wenn die anderen mit einem übereinstimmen, und nicht gern hat, wenn die anderen von einem abweichen, ist das Streben, sich vor der Menge hervorzutun. Aber dieses Streben, sich vor der Menge hervorzutun, kann unmöglich dauernden Erfolg haben.
Dschuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland

Die Weltreligionen sind es, welche die größten historischen Krisen herbeiführen. Sie wissen von Anfang an, dass sie Weltreligionen sind, und wollen es sein.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Die Weltrevolution wird nicht gemacht: sie vollzieht sich geistig, sittlich und auf einer weiten Skala des Erlebens.
Sprüche der Weisen

Die Weltsprache der Medizin ist schlechtes Englisch.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Die Weltverbesserer. Sie reißen alle Zäune ein, um Platz für neue Mauern zu schaffen.
Sprüche der Weisen

Die Weltverbesserung geht einen sehr langsamen Gang.
Platen, Ursprung der Carraresen

Die weltweite Wissenschaftssprache ist heute der Dollar.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht naß, sagen viele. Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod.
Brecht, Zum Völkerkongreß für den Frieden, Wien 1952

Die wenigen Terzinen, in welche Dante den Hungertod Ugolinos und seiner Kinder einschließt, gehören mit zu dem Höchsten, was die Dichtkunst hervorgebracht hat; denn eben diese Enge, dieser Lakonismus, dieses Verstummen bringt uns den Turm, den Hunger und die starre Verzweiflung vor die Seele.
Goethe, Schriften zur Literatur - Ugolino Gherardesca

Die weniger arbeiten als kauen,
die ohne Geld bauen
und die beim Ausleihen blind vertrauen,
fallen in der Armut Klauen.

Die wenigsten hören gern von den Sünden, die sie gern begehen.
England

Die wenigsten Kinder schlagen nach ihren Eltern.

Die wenigsten Menschen leben ihre eigene Biografie.
Egon Friedell, Egon Friedells Konversationslexikon

Die wenigsten Menschen lieben an dem anderen das, was er ist, nur das was sie ihm leihen, sich, ihre Vorstellung von ihm, lieben sie.
Goethe, Riemer, 1803-1814

Die wenigsten Menschen verstehen, wie unendlich viel in der Einsamkeit liegt.
W. v. Humboldt, Sentenzen für eine Freundin

Die Werbetrommel rühren - einen Werbefeldzug starten
en] to run a publicity (o. advertising) campaign
fr] battre la große caisse -faire une campagne de publicité
it] battere la gran cassa - fare una campagna di publicità

Die werden auch keinen Rosenkranz miteinander beten.
Rottenburg
i] Im heimlichen Tête-à-tête.

Die werden wohl zusammen ein Tänzchen machen.
nl] Hij komt met hem aan den dans.

Die Werke der Alten sind der Nordstern für jedes künstlerische Streben.
Arthur Schopenhauer

Die Werke des Geistes sind ewig feststehend, aber die Kritik ist etwas Wandelbares, sie geht hervor aus den Ansichten der Zeit.
Heine, Reisebilder, 1: Norderney

Die Werke für den Nächsten, der Glaube für Gott.
Martin Luther, Tischreden

Die Werke Gottes werden allen, die sie würdigen können, frei gegeben, ob es nun e in Millionär oder ein armer Schlucker ist, wogegen die Werke der Menschen für die Millionäre reserviert sind.
Vita Sackville-West, Erloschenes Feuer

Die Werke sind die besten, von denen man nicht weiß, wie gut sie sind.

Die Werkstatt ist die Familie in der Arbeit. Ganz anders gestaltet sich dies da, wo die Maschinen auftreten.
Lorenz von Stein, Die socialen Bewegungen der Gegenwart

Die Werkzeuge der künstlichen Unwissenheit trugen die Erzieher des Menschengeschlechts zusammen, ihrer bedienten sie sich, um, wo möglich, allen Menschen einerlei Oberfläche und Glätte zu geben, da doch das Naturgesetz, welches sie unwissend verkennen oder wissentlich übertreten, keine andere Bildung als jene gestattet, die in jedem einzelnen Menschen von innen heraus, nach Maßgabe seiner eigentümlichen Kräfte geschieht.
Georg Forster, Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit

Die Werte der Wirklichkeit erschließen sich nur in der Erfahrung und in der Geduld.
Sprüche der Weisen

Die Wertschätzung der verschiedenen Geistesarten entspricht in jedem Jahrhundert dem Interesse, das man daran hat, sie hochzuschätzen.
Claude-Adrien Helvetius

Die Wertschätzung von Idealen schließt stets die Geringschätzung des Lebens ein.
Sprüche der Weisen

Die wertvollsten Einsichten sind die Methoden.
Friedrich Nietzsche

Die wertvollsten Einsichten werden am spätesten gefunden: aber die wertvollsten Einsichten sind die Methoden.
Nietzsche

Die wertvollsten Gesetze sind die Abschaffungen früherer Gesetze gewesen, und die besten Gesetze, die gegeben worden sind, waren die, die alte Gesetze aufhoben.
Henry Thomas Buckle, Geschichte der Civilisation in England

Die Wesensart der Franzosen verlangt einen gewissen Ernst in der Person des Herrschers.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Die wesensmäßige Zweckhaftigkeit oder Zwecklosigkeit unsrer Gedanken ist das einzige Kriterium für Ruhm oder Vergessen.
Joubert, Gedanken und Maximen

Die wesentliche und schwerste Aufgabe unserer geistigen Existenz ist nicht, die Rätsel des Lebens zu lösen, sondern an ihnen nicht zu ermüden.
Sprüche der Weisen, Repertorium

Die wesentlichste Eigenschaft eines kultivierten Menschen sollte das Verantwortungsbewußtsein vor den Erben und Fortsetzern seiner Arbeit, den Kindern, sein.
Maxim Gorki (1868-1936), Durch die Union der Sowjets

Die wesentlichste Existenzbedingung für den genialen Menschen ist die seelische Einsamkeit. - Dennoch tut er alles, um von ihr loszukommen.
Romain Rolland, Denkwürdigkeiten und Erinnerungen

Die Wespe will der Biene zeigen, wie man Honig macht.

Die Wespe will die Zikade singen lehren.
la] Vespa cicadae obstrepit.

Die Wespen vertreiben, so um den Honig schwärmen.
z] Verrichte du indess das Deinige für mich bei ihrem Vater und vertreibe die Wespen so um den Honig schwärmen, drücke meine Mitbuhler u.s.w.

Die Weste ist ihm zu enge geworden.
i] Er ist von Besorgnis, Furcht u.s.w. erfüllt.

Die Westfalen hencken die frommen, die diebe ledig von ihn kommen.

Die westliche Menschheit hat sich nun bald zwei Jahrtausende lang offiziell zu weiblichen Idealen bekannt, und das war gut, denn nur dank dieser Erziehung im Frauengemach ist sie halbwegs gezämt worden.
Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, 3, Indien, Mahabalipuram

Die westlichen Völker haben den Ackerbau aufgegeben und wollen alle nur herrschen. Über sich selbst herrschen geht nicht, also machen sie sich auf die Suche nach Kolonien und Märkten.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Die Wetter, die langsam aufziehen, tun gern den größten Schaden.

Die Wetterfahne des Kirchturms dreht sich mit jedem Wind in einer anderen Richtung.
Spanien
i] Die Höchstgestellten richten sich oft nach der Volksmeinung

Die Wetterfahne ist für jeden Wind (o. dreht sich nach jedem Winde.)
fr] A tous vents comme girouette.

Die Wetterfahne richtet sich nach dem Winde und die Gunst nach dem Glück.
la] Quo se fortuna, eodem etiam favor hominum inclinat. Justinian

Die Wetterhähne sind am höchsten gestellt.

Die Wichtigkeit des alten sprichwörtlichen Rates: gehe vor die rechte Schmiede! ist mir früh einleuchtend gewesen; aber was hilft die Einsicht, wenn die Schmiede so weit liegt, dass man mit seinem Geschirr sie nicht erreichen kann?
Goethe, Brief an Zelter, 10. 3. 1803

Die wichtigste der Lehren bestand darin, dass eine Zukunft für die Menschheit nur 'von unten her', vom Standpunkt der Unterdrückten und Ausgebeuteten aus, sichtbar wurde. Nur mit ihnen kämpfend, kämpft man für die Menschheit.
Brecht, Rede anläßlich der Verleihung des Lenin-Preises.. 1955

Die wichtigste Frage in der Gesellschaft, die Frage aller Fragen, ist die soziale, die Stellung der Besitzenden zu den Besitzlosen.
Sprüche der Weisen

Die wichtigste Funktion der Politik besteht darin, die Bevölkerung ruhigzustellen.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Die wichtigste Kunst der Königsherrschaft: Neid ertragen zu können.
Lucius Annaeus Seneca, Der rasende Herakles

Die wichtigste Kunst des Herrschers ist es, Neid; Mißgunst ertragen zu können.
la] Ars prima regni est, posse invidiam pati.

Die wichtigste Maxime für die Maxime ist, einmalig, und nicht ganz ernst, aber fast ernst zu sein.
Sprüche der Weisen

Die wichtigste Schraube im Familienleben ist - die Liebe, die sexuelle Neigung, die Einheit des Fleisches, alles andere ist unzuverlässig und langweilig, so klug wir uns das auch immer ausrechnen mögen.
Anton P. Tschechow, Briefe (26. Oktober 1898)

Die wider das Recht treten, werden vom Recht zertreten.
it] Chi litiga senza ragione, patisce poi con ragione.

Die Wiederkehr als ein anderer, das ist es, was sich aus der Lektüre eines guten Buches ergibt.
Becher, Verteidigung der Poesie

Die Wiederkehr ist der Weg des Sinns. Die Sanftheit ist die Wirkung des Sinnes. Alle Dinge dieser Welt entstehen aus dem Sein. Das Sein entsteht aus dem Nichtsein.
Laotse

Die Wiedervereinigung ist ein sinnentleerter Begriff, den wir, wollen wir glaubwürdig werden, streichen müssen.
Sprüche der Weisen

Die Wiege ist dem Menschen das ruhigste Bett.

Die Wiese gehet in das Heu, ist St. Georgentag vorbei.
i] Wiesen, die mit Weide- oder Hutgerechtigkeiten belastet sind, müssen doch eine gewisse Zeit von der Ausübung derselben befreit sein, damit der Eigentümer seine Heuernte halten kann. In der Gegend, wo dies Sprichwort entstanden ist (wahrscheinlich Türingen), nimmt diese Befreiung mit dem Sankt-Georgentag (23.4.) ihren Anfang.

Die Wiese ist die Mutter des Feldes.
Finnland

Die Wiese mähe zackig und kantig, aber den Acker pflüge in langer Furche.
Estland

Die Wiesen geben den Kühen Gras, die sie mit Füßen treten und mit Unflat beschmeißen.

Die Wiesen von einem Gute sind wie das Euter von der Kuh.

Die wilde Hitze roher Jugend
Wird mit den Jahren Sittsamkeit.
Christian Fürchtegott Gellert, Lieder

Die wilde Jagd und die deutsche Jagd, auf Henkers Blut und Tyrannen.
Th. Körner, Leier und Schwert: Lützows wilde Jagd

Die wilde Natur des Löwen ist gut sichtbar, die des Menschen nicht.
Südafrika

Die wilde Sau am Ohr fassen.

Die wilden Schweine jagen sich.

Die wilden Tiere untereinander sind friedlich.
Die wilden Tiere vertragen sich untereinander.
la] Ferae inter se placidae sunt.

Die wildeste Tigerin ist die beste Mutter.

Die wildesten Fohlen werden die besten Pferde.

Die Wildgans legt am Morgen des Fastenmarientags (Mariä Verkündigung, 25.3.) das erste Ei.
Estland

Die will dem Tage die Augen ausleuchten.
i] Sagte eine Frau zur Magd, die früh, als es schon stark tagte, noch Licht brannte.

Die Willensfreiheit haben viele im Munde, im Geist aber wenige.
Dante, Über die Monarchie, I, Kap. 12

Die Willenskraft der Schwachen heißt Eigensinn.
Marie von Ebner-Eschenbach

Die Willkür des Genies lässt sich gar nicht bestimmen und abmessen. Genie kann im Schönen und Vollkommenen verbleiben oder darüber hinausgehen ins Absurde.
Goethe, Riemer, 9.7.1809

Die Wind gebiert, mag den Sturm schon Vater nennen.

Die Winde bei Altmond wehen Regen (herbei), die Winde bei Neumond wehen Dürre (herbei).
Estland

Die Winde gehen, wie es die Schiffe nicht begehren.

Die Winde haben Ohren. Goldküste

Die Winde schaden dem Zaun mehr als der Sturm.

Die Winde sind der Welt Besen.
la] Venti scopari mundi.

Die Windeln sind ihm noch nicht vom Hintern gefallen.

Die Windrichtung können wir nicht bestimmen, aber wir können unsere Segel anpassen.
Unbekannt

Die Winkel, die der Körper bei der Verbeugung bildet, sind für Individuen und Völker, für einzelne Umstände und ganze Zeiten gleich bezeichnend.
Lichtenberg, Vermischte Schriften

Die Winkeleisen auf der Scheide haben, sind nicht alle Werkmeister.

Die Wintersonne gleicht dem Herzen einer Witwe.
Russland

Die Wintersonne scheint wohl, aber wärmt nicht.
dk] Vinter-sool skinner vel, men varmer intet.
it] Sol di marzo muove, ma non risolve.

Die wir doch eigentlich nur dadurch Menschen sind, dass wir unsern Zuständen eine gewisse Folge zu geben trachten
Goethe, An M. P. v. Brühl, 23.10.1828

Die wir heut' tragen, morgen uns schlagen.

Die wird nicht beim ersten Kinde sterben.
i] Weil sie schon geboren hat.
en] The is past dying of her first child.

Die wird nicht lange sitzen bleiben.
i] Das Mädchen wird bald einen Mann finden.
fr] C'est une fille de belle défaite.

Die wird uns auch kê Haus ei a Oarsch bauen, sie brengt kê Gesperre nei.
Sagte ein Bauer in der Oberlausitz in Bezug auf eine Gutsbesitzerin, die stets viel tadelte und nie etwas geben wollte

Die wirklich lieben, stehlen keine Herzen.
Chrétien de Troyes, Yvain (Botin der Königin)

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