<<< Weisheiten 0832 >>>

Die Welt ist wie eine Leiter: hinauf geht einer, hinab ein zweiter.
Jiddisch

Die Welt ist wie eine Treppe, der eine steigt hinauf, der andere herunter.

Die Welt kan nit ohn Hebammstul und Babststul sein.
i] Sie hat sich aber zu behelfen gewusst, ehe sie erfunden wurden.

Die Welt kann der Schreiber und Lumpen nicht entbehren.

Die Welt kann eher fünfhundert Baalspfaffen ernähren, als einen Elias.

Die Welt kann ja niemand warm heizen.

Die Welt kann mi Buckel(Bugel-)kraxen tragen.
Wien
i] Bugelkraxen ist ein Korb, der über den Rücken hangend getragen wird. Auch kleine Kinder trägt man gern so, dass sie die Hände um den Hals des Trägers schlingen, während der Oberleib am Rücken und die Füße zu den Füßen des Trägers zu liegen kommen. Durch die Redensart will jemand sagen, dass ihm das Urteil der Leute gleichgültig sei.

Die Welt kann ohne Europa leben, während Europa ohne die Welt stirbt. Um dieser Lebensgefahr zu begegnen, muss Europa sich gemeinsam bis zur Grenze des Möglichen organisieren.
v. Coudenhove-Kalergi, Held und Heiliger

Die Welt kann's nicht leiden, dass einer rein ist (weiße Wäsche trägt).
z] Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabne in den Staub zu ziehn. Schiller, Jungfrau von Orleans

Die Welt klingt. Sie ist ein Kosmos der geistig wirkenden Wesen. So ist die tote Materie lebender Geist.
Wassily Kandinsky, Über die Formfrage (im Blauen Reiter)

Die Welt kommt niemandem auf halbem Wege entgegen.
England

Die Welt lässt ihr Tadeln nicht.

Die Welt lässt niemanden ungehobelt.

Die Welt lässt sich nicht mit dem Paternoster regieren.
Schlesisch, 17. Jh.

Die Welt lehrt (= macht) einen Albernen klüger.

Die Welt lehrt schmerzhaft.

Die Welt lehrt so, dass es durchs Fleisch dringt und eine Kerbe in den Knochen schneidet.

Die Welt lehrt spät.

Die Welt leugt nicht eher, als wenn sie das Maul aufthut.

Die Welt liebt einen kranken Mann ebensowenig wie einen alten, zerrissenen Korb auf dem Landwege.
Nigeria

Die Welt liebt, wer ihr am meisten gibt.
en] I wot well how the world wags; he is most lovd tat hath most bags.

Die Welt liegt im Argen.
1. Joh. 5, 19

Die Welt liegt im Orgen, ohne Pfand muss man nicht borgen.
z] Es heißt, man siehet gantz die Welt im argen liegen, die Weisheit ist sehr rar, die Wahrheit sehr verhasst.
i] Das Wort: Die Welt liegt im Argen ist aus 1 Joh. 5, 19 entlehnt.

Die Welt liegt in Wehen; wer will sagen, was geboren wird! Der Sturz des Alten bereitet sich vor.
Th. Fontane, Causarien über Theater

Die Welt lohnet nicht anders als mit Undank.
it] Il mondo perseguita chi lo seguita, e seguita chi lo perseguita.

Die Welt lohnt wider gbür und recht, gleich wie der Henker seinen Knecht.

Die Welt lohnt wie der Schafbock, der stößt seinen eigenen Herrn.

Die Welt lohnt, wie der Bock, wenn er Hörner kriegt.

Die Welt macht den Preis.

Die Welt macht es, die Welt isst es.

Die Welt macht Leute.
i] Die fremde Welt bildet.

Die Welt mag untergehen, wenn ich mich nur rächen kann.
C. de Bergerac, La mort d'Agrippine

Die Welt meint, sie könne Gott Brillen verkaufen.

Die Welt meint, wenn sie für jedem Dorf einen Pfaffen hing, so möchts gut werden.

Die Welt mit Falsch wirbt, der eine lebt, der andere stirbt.

Die Welt muss nach den Zehngeboten regiert werden, das Evangelium gehört in den Beichtstuel.

Die Welt muss überhaupt in jeder Richtung durch Freiheit zur Vollendung gelangen, nicht durch Zwang und Gewalt irgendeiner Art.
Carl Hilty, Glück

Die Welt muss Zoll geben.
ho] De wereld geeft tol.

Die Welt nimmt teil mit Lust an unserm Schaden nur.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Die Welt nötigt uns zur Angst. Angst ist nicht eine Schwäche des Urteils, sondern sie ist eine zutreffende Erkenntnis.
Sprüche der Weisen

Die Welt öffnete ihm ihr Herz, und er öffnete seine Augen und seinen Geist und trank alles in sich hinein.
Anne Terry White,Versunkene Kulturen

Die Welt ohn Sonn ist blind wie ein Ehbett ohne Kind.

Die Welt ohne Wein ist nichts wert.

Die Welt reisst allweg das Korn fürs Unkraut aus.

Die Welt richtet nach dem Erfolge und nennt ihn Gottesgericht.
Laube, Die Karlsschüler (Herzog, im letzten Auftritt)

Die Welt ruht auf der Hoffnung.
Persien

Die Welt sagt nicht Scheck, wo nicht irgend ist ein Flock.
Venetien

Die Welt sagt nicht Schecke, wenn kein Fleck da ist.

Die Welt sähe anders aus, wenn ein jeder in sein ihm zusagendes Element käme.
Goethe, J. Ch. Lobe, Juli 1820

Die Welt schaltet, Gott waltet.

Die Welt schändet immer, was man loben soll, und lobt, was man schänden soll.
Luther

Die Welt schließt Freundschaft mit dem Elefanten und tritt auf die Ameise.
Hindi, Indien

Die Welt sei geneigt, in allem die Persönlichkeit zu lieben.
Goethe, Julie v. Egloffstein, 16.3.1819

Die Welt sichtet alles.

Die Welt sieht wohl auf den Kragen, aber nicht in den Magen.

Die Welt singt lieber Alt als Bass.
i] Will lieber hoch hinaus als fein demütig bleiben.

Die Welt soll friedlich leben.

Die Welt soll nicht so rasch zum Ziele, als wir denken und wünschen. Immer sind die retardierenden Dämonen da, die überall dazwischen und überall entgegentreten, so dass es zwar im ganzen vorwärts geht, aber sehr langsam.
Goethe, Eckermann, 23.10.1828

Die Welt spart die Wahrheit an die feiertag.

Die Welt spinnt lauter grobes Garn.

Die Welt steckt voller bossheit und untreu.
dk] Bedragerie er saa meget i verden.
la] Nunqum mores, quos extuli, refero. Seneca
la] Quoties inter homines fui, minor homo redii. Thomas a Kempis
pl] Jilekroć się na świat ukazę tylekroć się w czém nakazę.

Die Welt stehet nicht auf einem Mann.

Die Welt steht nicht still,
Nacht liebt lichten Tag -
Schön klingt dem Ohr 'Ich will',
Schöner noch 'ich mag'.
Nietzsche, Spruchartiges: Die Welt steht nicht still

Die Welt theilt sich in Schurken und Narren.

Die Welt treibt große Buberei, als ob kein Gott im Himmel sei.

Die Welt tut ihr Möglichstes, uns gegen Lob und Tadel gleichgültig zu machen, aber es gelingt ihr denn doch nicht, und wir kehren, wenn wir günstige und zugleich im ganzen mit unsern Überzeugungen zusammentreffende Urteile vernehmen, immergar zu gern aus unserer Resignation zum Genuss zurück.
Goethe, An A. Müller, 28. 8. 1801

Die Welt überdauert die Menschen.

Die Welt um die Ohren schlagen.

Die Welt und des Menschen Persönlichkeit stehen sich Antlitz in Antlitz gegenüber wie Freunde, die ihre innersten Geheimnisse austauschen.
Tagore

Die Welt und schwangere Frauen wollen seltsam Zeug verdauen.

Die Welt unserer kleinen Nöte ist voll von Gottes Boten.
Sprüche der Weisen

Die Welt urteilt gut über die Dinge, denn sie befindet sich in dem Zustand jener natürlichen Unwissenheit, die der wahre Ort des Menschen ist.
Pascal, Gedanken

Die Welt urteilt nach dem Scheine.
Goethe, Clavigo A IV, Clavigos Wohnung (Clavigo)

Die Welt verändert sich und wir in ihr.
bm] Svĕt se mĕni, a my v nĕm.

Die Welt verfolgt den, der ihr folgt, und folgt dem, der sie verfolgt.
Italien

Die Welt vergeht,
Wann Männertreue wanket.
E. M. Arndt, Mannestreue

Die Welt vergöttert die Jugend, aber regieren lässt sie sich von den Alten.
Henry de Montherlant

Die Welt verhärtet das Herz der Mehrzahl der Menschen; jene aber, welcher dieser Verhärtung weniger ausgesetzt sind, sind verpflichtet, sich diese künstlich zu schaffen, um nicht die Narren weder der Männer noch der Frauen zu werden. Das Gefühl, das ein anständiger Mann davonträgt, nachdem er einige Tage in der Gesellschaft zugebracht hat, ist peinlich und traurig: den einzigen Vorteil, den es bringt, ist die Liebe für die Einsamkeit.
Chamfort, Maximes et pensées

Die Welt vermag viel.

Die Welt verstehen nenne ich der Welt gewachsen sein.
Oswald Spengler

Die Welt voll lügen und falschheit staht, allen Geisternglauben ist kein Rat.

Die Welt voran, die Furcht hinterdrein.

Die Welt war immer in Parteien geteilt, besonders ist sie es jetzt, und während jedes zweifelhaften Zustandes kirrt der Zeitungsschreiber eine oder die andere Partei mehr oder weniger und nährt die innere Neigung und Abneigung von Tag zu Tag, bis zuletzt Entscheidung eintritt und das Geschehene wie eine Gottheit angestaunt wird.
Goethe, Maximen und Reflexionen 970

Die Welt war nimmer froh, seit niedres Heucheln galt für Artigkeit.
Shakespeare, Was Ihr wollt

Die Welt wäre glücklich, stände sie auf dem Kopf.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Die Welt wäre schon gut, wenn nur die Leute was nutz wären.

Die Welt will also mit Gotte theilen, dass sie das beste davon trage und also Gott Brillen verkaufen.

Die Welt will betrogen sein, daher sei sie betrogen.
Sebastian Franck, Paradoxa

Die Welt will betrogen sein, darum werde sie betrogen.
z] Dieß Sprichwort stäts im Mund vmzogen, die Welt, die will doch sein betrogen.
z] Kurtzumb Mundus vult decipi, ergo sey bschiss jr Recipe.
z] So bleibt das Sprichwort vnerlogen, dass Mundus will beschissen sein, das ist Immund sein, gar unreyn.
z] Als der Cardinal Caraffa, der päpstliche Gesandte, in Frankreich einzog und das Volk heftig zulief und vor jhm niederfiel, sprach er oft lachend: 'Die weil das Volk betrogen seyn will, so sey es betrogen.'

Die Welt will betrogen sein, drum sei sie betrogen.
la] Mundus vult decipi, ergo decipiatur.
Seb. Franck, Das Narrenschiff (1494)

Die Welt will betrogen sein, sagte der Krämer, und mischte Mäusedreck unter den Pfeffer.
ho] Mundus vult decipi, zei de kwakzalver op het theater, en hij verkocht den lui krotensop voer oogwater.

Die Welt will betrogen sein.
dk] Verden vil være gekked.
ho] De wereld will bedrogen zijn.
la] Muneribus vel dii capiuntur.
sd] Werlden will wara gjäckerd.

Die Welt will betrogen seyn, sagt der Mönch, darum bin ich hier.
z] Wäre der Luther noch einhundert Jahr ausgeblieben, oder im ersten Bad ertränkt worden, sagten die Pfaffen, so wären wir bei unsern renten und prebenden geblieben. Wenn sie das hätten tun wöllen, so hätten sie die Bauren gelehrt haberstro essen, das gleich wie das Sprichwort laut: Mundus vult decipi.

Die Welt will betrogen und genarret sein, das trägt manchen fette Schwein in die Küchen ein.

Die Welt will betrogen werden, also werde sie betrogen.
la] Mundus vult decipi, ergo decipiatur.
nach Sebastian Brant, Narrenschiff

Die Welt will eine Nasen haben, darum muss man ihr eine drehen.

Die Welt will einen jeden aus ihm selbst herausreißen und wieder zu ihm selbst bringen.
Hugo von Hofmannsthal

Die Welt will einen Papst haben.
z] Die Welt will und muss ein Bapst haben, dem sie zu dienst wohl alles glaub, und solt se ihn stelen, oder aus der Erden graben; und nâme man jr alle Tag einen, sie suchte bald ein anderen.

Die Welt will grob Garn, das sie sieht und tastet.

Die Welt will ihr nicht sagen lassen, sie wils erfahren.

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