Deutsche Sprichwörter, Redensarten, Zitate 0813
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Die Töchter müssen einbringen, was die Mutter ausbrachte.

Die Tochter naset (straft, tadelt) man, und die Schnur meint man.
i] Erteilung eines mittelbaren (indirecten) Verweises. Nicht selten mag es der Schwiegertochter gelten, wenn auf die Tochter gescholten wird.

Die Tochter nimmt der Mutter Schönheit, der Sohn legt Röte auf ihre Wangen.
Estland

Die Tochter schlägt der Mutter nach.

Die Töchter sind die Schleudern des Teufels.

Die Töchter sind wie fahrende Habe.
z] D' töchtere sind a fahrige Hab.
i] Wie die Fahrhabe dem wahren Eigen gegenüber steht, so ungefähr ist die Stellung der Töchter des Hauses zu der des Sohnes. Es ist die natürliche Bestimmung der Töchter, aus dem Hause auszuscheiden.

Die Tochter soll man nicht lassen auf ein Stülichen sitzen und die Finger spitzen, sondern sie zur arbeit halten.

Die Tochter spinnt unter den Linden rein Garn.
la] Filia sub tilia, ducit sub tilia fila.

Die Tochter tot, der Schwiegersohn verschwunden.

Die Tochter trägt gern der Mutter Hemd, der Sohn des Vaters, besonders wenn es beschmutzt ist.
i] Die Kinder nehmen leichter der Eltern Fehler und Laster, als Tugend an.
dk] Dotter før ig gierne i moders serk, og søn i faders skjorte, helst om den er skiden.

Die Tochter und ihre Mutter stritten sich, die Narren und Verrückten glaubten es.

Die Tochter vergilt des Mütterchens Mühe, der Sohn vergilt nicht mal die Hälfte der Mühe.
Estland

Die Tochter verheiraten, ehe sie geboren.

Die Tochter verheiratet, hundert Schwiegersöhne an der Tür, um sie zu fragen.
Wenn es zu spät ist

Die Tochter verlangt nach dem Mann, die Mutter bietet sich selbst an.
Estland

Die Töchter wachsen aus den Misthaufen.

Die Tochter wird immer der Mutter Bastschuhtuch tragen.
Estland

Die Tochter zahlt, was der Vater ausgeborgt hat.

Die Tochter zieht oft den Mantel der Mutter an. Island (Sie wird wie sie)

Die Tochter, die Nichtige - häufig krank; die Mutter stöhnt kein einziges Mal.
Estland

Die Tochter, die Nichtige, ist des Speichers Schloß, der Schwiegersohn des Tores Schloß.
Estland

Die Tochter, mit einem Mann getraut, ist wie ein Stück abgeschnittenes Brot.
Estland

Die Todesgefahr verpestet alle Gedanken. Der Mensch kann nicht jahrelang, ohne Schaden zu nehmen, auf einer Degenklinge balancieren, die 'Siegen oder Sterben!' heißt.
Romain Rolland, Ein Spiel von Tod und Liebe

Die Todesstrafe lehne ich ganz ab.. Sie gehört nicht in unsere Zeit. Auch ist sie vom Standpunkt jenseitigen Denkens, das andere Vergeltungsgesetze im Verlauf der Schicksale kennt, undiskutabel.
Sprüche der Weisen

Die Toga macht den Doktor nicht.
Italien
bm] Kápĕ nedĕlá mnicha, ani ornat biskupa.
fr] L'habit ne fait pas le moine.
ho] De kap maakt geenen monnik, en de mutse geen' kanonik.
it] L'abito non fa il monaco.
la] Habitus non facit monachum.

Die Toleranz in jeder Gesellschaft muss jedem Bürger die Freiheit sichern, zu glauben, was er will. Aber sie darf nicht so weit gehen, dass sie die Frechheit und Zügellosigkeit junger Hitzköpfe gutheißt, die etwas vom Volke Verehrtes dreist beschimpfen.
König Friedrich der Große, an Voltaire, 13. August 1766

Die Toleranz muss in einem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben, was er will, aber sich nicht so weit erstrecken, dass sie die Frechheit und Ausgelassenheit junger unbesonnener Leute autorisiert, die dem kühn Hohn sprechen, was das Volk verehrt.
Friedrich der Große, Briefe

Die Toleranz, welche man oft an großen Männern bemerkt und preiset, ist wohl immer das Bild der größten Menschenverachtung: denn erst wenn ein großer Geist von dieser ganz durchdrungen ist, hört er auf, die Menschen für seinesgleichen zu halten und diesem entsprechende Forderungen an sie zu machen.
Schopenhauer, Nachlaß, Neue Paralipomena

Die tollen Leut zu Dölpelbach.
i] Name einer Lalenburg und auch eine Geschichte der Art.

Die Töne sind doch der Irisbogen, der den Himmel mit dem Irdischen verbindet.
Andersen, Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz

Die Tonkunst, mehr Tochter als Nachahmerin der Natur, in ihrer feierlich geheimnisreichen Sprache Andacht gebend und erzeugend, wirkt unmittelbar auf das Gemüt und ist tiefer Rührung Herrscherin.
Karl Maria von Weber, Literarische Arbeiten

Die Tonne kann nichts dafür, ob sie Wasser hält oder Bier.

Die Tonne riecht immer nach dem Hering.
i] Eine gemeine Herkunft, eine rohe Erziehung lässt sich nie ganz beseitigen, sie tritt stets bei irgendeinem Anlass wieder zu Tage. Einem Menschen von niedriger Herkunft gelingt es nie ganz, seine Abstammung zu verleugnen.

Die Tonne riecht immer nach Hering.

Die Tonne weiß es wohl, ob sie Bier in sich hat oder Kwas.
Russland

Die Tonsprache ist Anfang und Ende der Wortsprache, wie das Gefühl Anfang und Ende des Verstandes, der Mythos Anfang und Ende der Geschichte, die Lyrik Anfang und Ende der Dichtkunst ist.
Richard Wagner, Oper und Drama

Die Töpf' erkennt man an dem Klange, die Narren am Gedankengange.
la] Ex verbis fatuus, pulsu cognoscitur olla.

Die Töpfe im Haus müssen umgestürzt werden, damit die Seele nicht in einem derselben sich aufhalte.

Die Töpfe sind klein in dem Hause.
i] Es gibt schmale Bissen dort.

Die Tore sind groß, um hineinzugehen, (aber) klein, um herauszukommen.
Estland

Die Toren der Vergangenheit sind die Weisen der Zukunft.
A. Vinet, La folie de la vérité

Die Toren habens besser, denn die Herren.

Die Toren meinen, um das Kapitol zu erobern, müsse man zuerst die Gänse angreifen.
Heinrich Heine

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott.
Psalm 14, 1

Die Toren tadeln immer, doch besser machen können sie nimmer.

Die Toren werden durch Schaden klug.
la] Malo accepto stultus sapit.

Die Toren, die nicht sehen, dass es eigentlich auf den Platz garnicht ankommt und dass der, der den ersten Platz hat, so selten die erste Rolle spielt! [..] Und wer ist dann der Erste? Der, dünkt mich, der die anderen übersieht und so viel Gewalt oder List hat, ihre Kräfte und Leidenschaften zu Ausführung seiner Pläne anzuspannen.
Goethe, Werther - 2. Fassung 2. Buch, 8. Januar 1772

Die Torenehre ist, erstens an sich, weil die Dummköpfe sie verstehen können, sodann weil sie auf das alltägliche, ja allstündliche Treiben anwendbar ist, viel nützlicher als die wahre Ehre für die Genüsse unserer Eitelkeit. Man sieht Leute mit Torenehre und ohne wahre Ehre sehr wohl aufgenommen in der Gesellschaft, und das Gegenteil ist unmöglich.
Stendhal, Über die Liebe

Die Torheit anderer erscheint immer denen höchst lächerlich, die selber am törichsten sind.
Sprüche der Weisen

Die Torheit der Narren bleibt Torheit.

Die Torheit des einen ist das Glück des anderen.
en] The folly of one man is the fortune of another.

Die Torheit hat nur dann Macht, wenn sie die Menge hinter sich hat, und der Betrug triumphiert nur dann, wenn viele Lobredner, anstifter und Helfershelfer dahinterstehen.
Du Marsais
D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Die Torheit ist beileibe kein Stein, sie ist eine Seifenblase, die vor uns hertanzt und sich wie der Regenbogen in allen Farben der Schöpfung malt. Mitunter zwar zerplatzt die Seifenblase und spritzt uns ein paar Tropfen Wasser in die Augen; doch sogleich bildet sich daraus eine neue.
Musset, Margot

Die Torheit rennt, die Weisheit geht.

Die Torheit soll um alle Schätze nicht aus der Welt gehen, so bleibet Grethe schön und dies Leben gülden.

Die Torheit will zwar immer reden, hat aber niemals etwas zu sagen; deshalb macht sie so viele Scherereien.
Helvetius, Gedanken und Überlegungen

Die Torheit wohnet bei den reichen.

Die Torheiten der Jugend bringen Reue im Alter.
en] The follies of youth are food for repentance in old age.

Die Torheiten der Väter sind für die Kinder verloren.
Goethe

Die Torheiten wachsen schneller heran, als die Erfahrungen reifen.
Fliegende Blätter

Die töricht Welt durch tollen schein will immerdar betrogen sein.
sd] Werlden warder wrang, och gifve gud en sal afgång.

Die Törichten machen immer wieder dieselben Dummheiten, die Gescheiten wenigstens immer wieder andere.
Sprüche der Weisen

Die totale Summe der Materie bleibt sich immer gleich, ohne vermehrt oder vermindert zu werden.
Feuerbach, Geschichte der neuern Philosophie..

Die totalitäre Weit ist schwach nach innen und stark nach außen .. Die freie Welt ist stark nach innen und schwach nach außen.
Sprüche der Weisen

Die tote Gans verlangt nach Wein, die lebende will im Wasser sein.

Die tote Hand ist fromm und faul, und gibt nichts wieder her, was einmal an sie gekommen ist.

Die tote Kuh gab am meisten Milch.

Die tote Kuh war eine gute Milchkuh.
en] The cow that has died used to give a lot of milk.
tü] Ölen inek sütlü olur.

Die Toten ausgraben.
i] Wenn man Übles von Verstorbenen spricht.
sp] Dessenterrar los muertos.

Die Toten beißen nicht (o. niemanden) mehr, sagte die Frau, als sie zwei Flöhe auf einmal fing und tötete.

Die Toten beißen nicht.
la] Mortui non mordent.

Die Toten beweinen und fürs Wetter sorgen sind unnütze Dinge.

Die toten gehören untern Boden, die Lebendigen zur Schüssel.

Die Toten gibt das Grab nicht zurück.
i] Wird gezagt, wenn etwas als verloren betrachtet wird. Was gegessen ist, kann man nicht wieder zurückerhalten.
bm] Mrtvého hrob nevracuje.
it] Uomo morto non fa piu guerra.

Die Toten haben immer Unrecht.
i] Die Worte drücken einen alten Rechtsgrundsatz aus, der an die sogenannten Gottesurteile erinnert, wonach der Besiegte, der Tote insbesondere, durch die alleinige Tatsache der Niederlage bzw. des Todes für schuldig erklärt wurde. Heutzutage findet es Anwendung, wenn sich die Lebenden auf Kosten der Toten zu entschuldigen suchen, welche letzteren stets unrecht haben müssen, weil sie sich nicht verteidigen können.

Die Toten haben nur so viel Leben, als die Lebenden ihnen leihen.
France, Die Insel der Pinguine

Die toten Heiligen werden tractiert, die lebenden Frommen müssen verhungern.

Die toten Heiligen zu preisen und die lebenden zu verfolgen, das ist die Weise dieser Welt.
England

Die Toten holen die Lebendigen bei den Beinen.
i] Es ist von totgeborenen Kindern die Rede, von denen man sagt, dass sie die Lebendigen, d.h. ein bald nachfolgendes, lebendes gleichsam bei den Beinen holten. Der Grund ist der, dass die Mutter, die von einem toten Kinde entbunden wird, nicht nötig hat, wegen des sonst notwendigen Ernährens und Wartens eine neue Schwangerschaft aufzuschieben. Man wendet das Sprichwort aber auch an, wenn den Eltern kleine Kinder sterben, um zu sagen, dass bald wieder Ersatz da sein werde.

Die Toten in die Grube, die Lebenden in die Trinkstube.
Basken

Die Toten kehren nicht zurück.
it] Imorti non tornano.

Die Toten können nicht mehr schaden.

Die Toten kümmert keine Rede.

Die Toten lehren die Lebenden.
Estland

Die Toten lehren die Lebendigen, was recht ist.
i] Entweder die Gestorbenen sagen den Hinterbliebenen, dass sie auch sterben müssen, oder die hinterlassenen gelehrten Werke sind die Bildungsschule für die Lebenden.
it] I morti aprono gl' occhi a vivi.

Die toten Mäuse (o. Hunde) beißen nicht.
la] Mortui non mordent.

Die Toten müssen sich immer vor's Loch stecken lassen.
i] Müssen die Schuld auf sich nehmen, weil sie sich nicht verantworten können.

Die Toten müssen von sich reden lassen.
la] Linguis mortui non imperant.

Die Toten noch einmal töten.
la] Mortus rursus occidere.

Die Toten öffnen den Lebenden die Augen.
pt] Os mortos aos vivos abrem os olhos.
sp] Los muertos abren los ojos a los vivos.

Die Toten öffnen die Augen der Lebenden.
Italien

Die Toten reiten schnell.
6. Vers der 20. Strophe aus Bürgers Leonore
z] Der Mond, der scheint so helle, die Toten reiten so schnelle, fein Liebchen, graut dir nicht?
i] Der Geliebte nämlich reitet mit den Geliebten in einer kalten, mondhellen Winternacht und spricht, je weiter sie kommen, wiederholt sie an: 'Der Mond scheint hell, der Tote reit't schnell, Feinsliebchen, grauet dir?' worauf sie antwortet: 'Und warum sollte mir grauen, ist doch Feinslieb mit mir.'

Die Toten sagen nichts aus.

Die Toten sind bald vergessen.
fr] Les morts sont bientôt oublies.

Die Toten sind den Lebenden auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Iran

Die Toten sind nicht zu beklagen, die einen guten (großen) Namen tragen.
la] Non est lugenda mors, quam immortaletas consequitur.

Die Toten sind verschwiegen.

Die Toten sind zu fürchten, nicht die Lebenden.
A. H. Tammsare, Wargamäe

Die toten soll man ruhen lassen.
fr] Il ne faut pas remuer les cendres des morts.
la] Cum larvis (umbris) luctari non decet.
la] Cum mortuis non nisi larvae luctantur.
la] Pax adsit vivis, requies aeterna sepultis.
un] Haded nyúgodni a' holtakat.

Die Toten tragen weiße Kleider.
Surinam
i] Ein jeder, wie sich's für ihn schickt.

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