<<< Weisheiten 0778 >>>

Die Obrigkeit ist der Untertanen Spiegel.
Finnland

Die Obrigkeit ist ein lebendiges Gesetz.

Die Obrigkeit ist Gottes Dienerin.

Die Obrigkeit muss einem so tief ins Maul sehen wie dem anderen.
i] Sie muss beide Teile hören, Gerechtigkeit üben ihre höchste Aufgabe.

Die Obrigkeit muss sich mit ihren Dienern behelffen wie S. Franziskus mit seinen Brüdern.

Die Obrigkeit muss strafen wie der Vater das Kind.
dä] Øvrighed straffer, som en fader barnet paa den sted, som det gjør mindst skade.

Die Obrigkeit soll Adleraugen und Hühnerflügel haben.
i] Um die Bösen scharf zu überwachen und die Guten zu beschützen.
fr] Magistrat qui siége visage de cadavre.
dä] Øvrighed skal have ei ørne-vinger, til at flyve efter rov; men høne-vinger til at bedække kyllingerne.

Die Obrigkeit soll drey Aemter und drey Namen führen; sie soll helfen, nähren, wehren, und soll heißen: Heiland, Vater, Retter.

Die Obrigkeit soll hören und nicht hören.
dä] Øvrighed skal høre og ikke høre.

Die Obrigkeit soll nicht nur für sich beten lassen, sie soll selber beten.
i] Sie soll das für die Untertanen tun, was diese erbeten.
dä] Øvrigheden bør saa vel at bede for undersaaterne, som disse for øvrigheden.

Die Obrigkeit und die Unruh in der Uhr dürfen nie schlafen.
dä] Øvrighed har altid at tage vare, er som uroe i soger værket.

Die Obtrectatores [Verkleinerer] machen, dass man sich ewig defensiv verhalten muss. Man hat nichts von ihnen, man wird nicht gefördert. Ihre Liebe gewinnt man doch nicht, und man muss ewig wie vor Feinden auf der Hut sein.
Goethe, Riemen, 28.6.1809

Die Occasio grüßet dich und reichet dir das Haar, als wollte sie sagen: Ergreif' mich! Willst du nicht, so greif' mir (mit Züchten) in Hintern.

Die Ochsen gehen nicht auf Bratwürsten.
Königsberg
i] Sagen die Fleischer, wenn man von ihnen Fleisch ohne Knochen begehrt.

Die Ochsen hinter den Pflug (Wagen) spannen.
i] Eine Sache verkehrt anfangen.
mhd] Er seezt den wagen für die rinder.
fr] Mettre la charrue devant les boeufs.
ho] Hij spant de oßen achter den ploeg.

Die Ochsen hinter den Pflug spannen
z] Du fahest am letsten an und aufzeumest das Pferd bei dem schwantz.
ndt] das Pferd beym hindern (Schwanz) aufzäumen
en] to put the cart before the horses
fr] Brider son âne par la queue.
fr] Brider son cheval par la queue.
fr] mettre la charrue avant (o. devant) les boufs
ho] Hij toomt het paard aan den staart.
it] mettere il carro innanzi ai buoi
la] Praepostere agis.

Die Ochsen kälbern ihm.
i] Von einem, der außerordentliches Glück hat.

Die Ochsen machen und treten den Mist, und müssen ihn danach ausführen.

Die Ochsen müssen nicht eher gehen als der Wagen.
i] Alles zur rechten Zeit und an seinem Platze.

Die Ochsen pflügen, die Pferde fressen.

Die Ochsen sind die Gesellen im Bauerwerk und die diener des Getreidichts.

Die Ochsen sollen da sein, wo sie sind, die Kälber kommen doch nach Hause.

Die Ochsen tragen hörner aufm Kopf, die Menschen tragen sie im Hirn und tun damit viel mehr schaden als die Ochsen.

Die Ochsen wollen viele treiben, aber nur wenige wollen den Pflug halten.

Die Ochsen ziehen den Pflug nicht für sich.

Die Ochsen, welche am meisten brüllen, haben das wenigste Inselt (Fett).
Schlesien

Die Oder ist nicht weit.
Breslau
i] Wird gesagt, wenn man in einem Gasthause sehr dünnes Bier findet.

Die Oder schützen (sie in ihrem Lauf aufhalten) wollen.
la] Amnis cursum cogere.

Die Oder will ihr Opfer haben.
i] Man sagt dies wohl von jedem Gewässer, weil infolge von Unvorsichtigkeit oder Umständen Personen darin ertrinken können. Die Italiener sagen dies vom Arno und von Maulbeerbäumen.
it] Arno e mori, ogni anno ne vuole.

Die Oder würde wenig Wasser haben, wenn nicht hineinflöss mancher Fluss und Graben.
it] Terere non cresce, se Nera non mesce.

Die Ofentür steht offen.
i] Um zu sagen, es sind Horcher da.

Die offenbaren Feinde
Sind arg, noch ärger die, die still und heimlich gehn;
Doch wisst, die lobenden sind ärger zween.
Lichtwer, Die Krähe und die Elster

Die Offenbarung Gottes in der Bibel folgt nicht einmal aus christlichen Begriffen. Wenn er sich offenbaren wollte, so hätte er vermöge seiner Liebe, die es ihm nicht erlaubte, die Menschen irre zu führen, und vermöge seiner Allmacht, die es ihm möglich machte, ein Buch liefern müssen, welches über alle Missdeutung erhaben war und von jedem wie er selbst erfasst werden konnte. So hat er sich zum Beispiel in der Natur ausgesprochen, die von jedem verstanden wird.
Hebbel, Tagebücher, 23. 7. 1835

Die Offenbarung Gottes zeigt uns mehr, was er nicht ist, als was er ist.
Thomas von Aquino, De anima 13

Die offene Tür führt selbst den Heiligen in Versuchung.
Frankreich

Die Offenheit des wahrhaft Liebenden kennt keine Grenzen.
Petrarca, an den Dogen von Venedig, Andrea Dandolo

Die offenherzigste, aufrichtigste und privateste Schöpfung menschlichen Geistes und Herzens ist der Liebesbrief.
Mark Twain, Vorwort gleichsam aus dem Grabe

Die öffentliche Freiheit ist gewährleistet, sofern ein jeder instand gesetzt ist, sein Recht zu verfechten und es auch zu erlangen.
Sprüche der Weisen

Die öffentliche Hand befindet sich meist in unseren Taschen.
Sprüche der Weisen

Die öffentliche Meinung ist die größte Lüge der Welt.
Carlyle

Die öffentliche Meinung ist die Königin der Welt.
Frankreich

Die öffentliche Meinung ist die unorganische Weise, wie sich das, was ein Volk will und meint, zu erkennen gibt.
Hegel

Die öffentliche Meinung ist die unsichtbare Rüstung des Volkes.
Börne

Die öffentliche Meinung ist ein Eisberg: der sichtbaren Oberflächengestalt hängt steuernd eine vielfache Masse in unkontrollierbarer Tiefe an.
Sprüche der Weisen

Die öffentliche Meinung ist ein Tyrann.
i] Jeder, auch die einflussreichste Person, muss mit der öffentlichen Meinung rechnen.
fr] L'opinion publique est un tyran.

Die öffentliche Meinung ist eine Buhlerin: man sucht ihr zu gefallen, ohne sie zu achten.
Petit-Senn

Die öffentliche Meinung ist eine Gerichtsbarkeit, die ein vernünftiger Mensch nie anerkennen, aber auch nie ganz ablehnen soll.
Chamfort

Die öffentliche Meinung ist eine Mischung aus Torheit, Schwäche, falscher und richtiger Meinungen, Eigensinn und Zeitungsartikel.
Sprüche der Weisen

Die öffentliche Meinung ist jene politische Macht, die in der Demokratie sicherlich das Schlimmste verhindert. Mit derselben Sicherheit verehindert sie das Beste.
Sprüche der Weisen

Die öffentliche Meinung vergöttert Menschen und lästert Götter, sie preist oft die Fehler, worüber wir erröten, und verhöhnt die Tugenden, welche unser Stolz sind.
Goethe, A.G.v.Stroganoff 1825-1830

Die öffentliche Meinung wartet nicht darauf, um sich zu bilden; in den meisten Fällen ist sie vorher schon fix und fertig festgelegt.
André Gide, So sei es

Die Öffentlichkeit ist eine Einschüchterung der Schüchternen, und eine Ermunterung der Frechen.
Sprüche der Weisen

Die Öffentlichkeit ist etwas Schreckliches, - aber man ist nun einmal für sie geboren und zu ihr verurteilt.
Thomas Mann, an Otto Basler, 13. 3. 1949

Die offizielle Pflichtsprache ist der beste Knebel.
Sprüche der Weisen

Die oft in den Spiegel sieht, spinnt wenig.
ho] Wie veeltijds spiegelen, zelden spinnen.

Die Ohle ist gar stolz darauf, dass durch Breslau geht ihr Lauf.
i] Die Oka hört es gern, wenn man sagt, dass das pečerische Kloster an ihr liege. Die Oka ist ein breiter Nebenfluss der Wolga, welche sich dicht bei Nishnij-Nowgorod in diese ergießt; und der zwischen den beiden Strömen bei ihrer Verbindung gelegene Raum ist das Gebiet, auf welchem sich zur Zeit der großen Messe alljährlich im August 4-500000 Menschen aus allen Nationen bewegen.

Die ohne Geld hier gehen ein, breche der Teufel Hals und Bein.

Die ohne Grund noch Ziel ausgeübte Autorität weist bei dem, der sie an sich reisst, auf einen Mangel an echter Autorität hin.
Martí, Feldtagebuch 1.3.4.1895

Die ohne Kleider gehen, brauchen sich nicht zu gürten.
Russland

Die ohne Lieb zusammen kommen, gehen auseinander (scheiden) ohne Tränen.
ho] Die vergaderen zonder liefde, scheiden zonder weten.

Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt.
Lenin, Sozialismus und Religion

Die Ohnmacht des Menschen in Mäßigung oder Hemmung seiner Affekte nenne ich Knechtschaft; denn der von seinen Affekten abhängige Mensch ist nicht Herr über sich selbst, sondern dem Schicksal untertan.
Spinoza, Posthume Werke

Die Ohren (Augen) haben auch ihre Zungen.

Die Ohren an den Kopf legen.
z] Aber ich werde die Ohren an den Kopf legen und denken müßen, thue recht u.s.w.

Die Ohren aufstecken.
ho] Hij steekt de ooren op.

Die Ohren der Leute sind ungläubiger als ihre Augen.
Herodot

Die Ohren des Hochgestellten sind empfindlich wie die der Fledermaus.

Die Ohren einziehen.
ho] Hij trekt zijne ooren in.

Die Ohren falschen Zungen leihen.

Die Ohren gellen mir danach.

Die Ohren gespitzt.
z] Aufgepasst, was gesagt wird, ist wichtig.
la] Arrectis auribus.

Die Ohren glauben oft anderen Leuten, und die Augen wollen sich selbst nicht glauben.
fr] Les oreilles croient bien souvent à autrui et les yeux ne croyent pas à eux-mêmes.

Die Ohren hängen, wie ein Esel vor der Mühle.

Die Ohren in der Hosentasche tragen.
Leipzig

Die Ohren jucken ihm (nach Neuigkeiten).
ho] Die ooren jeuken hem.
ho] Hebben u de ooren niet getuit?

Die Ohren kann der Esel verbergen, aber die Stimme verrät ihn.

Die Ohren klingen (summen) mir.
Um zu sagen, es werde von mir gesprochen.
fr] Les oreilles me cornent.
ho] Als er van ons gesproken wordt, tuiten ons de ooren.
ho] Het regter oor tuit.

Die Ohren kommen den Hörnern nicht gleich.
Litauen
i] Wird gebraucht, um zu sagen, dass sich ein Schwacher gegen einen Starken nicht auflehnen soll; daher, weil das gehörnte Vieh stärker ist als das ungehörnte.

Die Ohren lassen sich melken (überreden).
Thomas Murner, Narrenbeschwörung

Die Ohren lauten mir.
i] Es wird jetzt von mir gesprochen.
fr] Quand les oreilles cornent à quelqu'un, c'est un signe qu'on s'entretient de lui.
la] Oculus dexter mihi salit.
la] Tinniunt aures sono suopte.

Die Ohren melken lassen.
Sich Schmeichlern hingeben
ho] Hij melkt de ooren van die hem hooren.
la] Adulatoris verba sunt cocquineria.
la] Demulcere caput.
la] Filiae equorum.
la] Scabies Herculana Lethale multum.
la] Ut nos pauca loqui, plura autem audire moneret, linguam unam natura, duas dedit omnibus aures.

Die Ohren sind gefährlicher als die Zungen.
z] Nicht fürchterlich wären die Zungen, wären die Ohren es nicht.

Die Ohren sind meistens Zeugen ohne Einladung.
Bantu

Die ohren sind mir dünn worden.
i] Ich kann jetzt gut hören.

Die Ohren sind neidisch aufeinander.
Bantu

Die Ohren sind nicht größer als der Kopf.
Glaube nicht alles, was du hörst
Suaheli

Die Ohren sollen hören, die Augen sehen.
dä] Lad ørene merke lærdom og øyene merke exempler.

Die Ohren spitzen (wie ein alter Wolf)
en] to prick up o's ears- to listen with all ears
fr] dresser l'oreille
it] tendere l'orecchio - drizzare gli orecchi - stare con le orecchie tese

Die Ohren steif halten
i] Gesund bleiben

Die Ohren verstopfen.
la] Ceram auribus obdis.

Die Ohren von etwas voll haben.
i] Es müde sein, von etwas reden zu hören, etwas bis zum Überdruss gehört haben.
fr] Avoir les oreilles battues de quelque chose.

Die Ohren wachsen wohl, aber niemals über den Kopf hinaus.

Die Ohrenbeichte hätte dem Menschen nie sollen genommen werden.
Goethe, H. Voß, 8.2.ff. 1805

Die Ohrenbeichte im besten Sinne ist eine fortgesetzte Katechisation der Erwachsenen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 823

Die Ohrenbläser tun sich selbst schaden, und hat sie niemand gern um sich.
Jesus Sirach, 21, 31

Die Ohrenbläserei ist der Brennstoff der Feindschaft.

Die Ohrfeige eines Verwandten ist schmerzhafter als die eines Fremden.

Die Ohrfeige in seidenen Handschuhen geben.
i] Das Unangenehme in milde Form einkleiden.
z] Wiltu lehren und straffen fein, so meng holdselige red mit ein.
la] Objurgationi semper aliquid blandi admisce.

Die Ohrfeige, die das Glück gibt, ist empfindlicher für den Narren, als der Keulenschlag, den das Unglück dem Rücken des Weisen versetzt.
Russland

Die Ohrläppchen gucken heraus.
i] Wie sehr er auch Bildungsmangel und Unwissenheit zu verdecken sucht, man merkt sie doch.

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