<<< Weisheiten 0777 >>>

Die Not geht nicht im Walde um, sondern unter den Menschen.

Die Not geht nie (spät) zu Rüst und weiß nicht, was Bruder und Schwester ist.
bm] Nouze i na macechu vzene.
bm] Nouze není sestra ani bratr.
lit] Strokas ne brolis.

Die not gibt der wahr den preiss.

Die Not hat alle Stunden eine Ausgabe.
bm] Nouze vselijak se krčí.
wend] Nuza so wselko huza.
wend] Nuza wsitko zhuza.

Die not hat auch morgen brot.

Die Not hat ein Ketzergesicht.
sp] La necesidad tiene cara de hereje.
la] Necessitas caret lege.

Die Not hat Flügel.
bm] Zlí dnové skáčí, nouze učí, a cizí chléb nedá spáti.

Die Not hat keinen Feierabend.

Die Not hebt einen Wagen auf.

Die Not ist am Ende das einzige Gute auf der Welt - ein bisschen Not stachelt in die Rippen hinein, und vor uns liegt die Zukunft.
Weerth, an den Bruder Wilhelm, 24. 12. 1844

Die Not ist die beste Lehrmeisterin.
W. Liebknecht, Wissen ist Macht - Macht ist Wissen

Die Not ist die Mutter aller Künste.
it] Necessità è madre delle arti.

Die Not ist die Mutter der Künste, aber auch die Großmutter der Laster.
Jean Paul

Die Not ist die Mutter des Lasters.

Die Not ist erfinderisch.

Die Not ist ja nicht immer so groß wie der Schmerz.

Die Not ist ja nicht so groß wie ein Ochs, ein Ochs ja nicht so groß wie die Welt.

Die Not ist nicht faul und nimmt kein Blatt vors Maul.
dä] Yderste nød og fare giver frimodig tale.
en] Necessity is coal-black.

Die Not ist noch ein Genuss gegen die Notwendigkeit, die Not zu verbergen.
Nestroy, Der Schützling

Die Not ist schlimm, nicht der Mann.

Die not ist über alle waffen.
la] Necessitati ne dii quidem resistunt.

Die Not kann den Schmied lehren, Stiefel zu nähen.
Russland

Die Not kann nicht schweigen.

Die Not kennt kein Gesetz außer sich, die Not bricht Eisen.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Die Not kommt ja nicht durch die Tür und durch das Fenster herein.

Die Not lässt nicht mit sich handeln.

Die Not lehret einen reden.

Die Not lehrt den Esel traben.

Die Not lehrt den Lappländer schießen.
Finnland

Die not macht auch ein alt weib traben.

Die Not macht das Saure süß.
Norwegen

Die not macht Füße.

Die not macht, dass der gerechte unrecht tut.
sd] Nöd wåller at goder man giör illa.

Die Not mag so groß sein, es gehen tausend Freund auf ein Quentlein.

Die Not schafft sich ihr eignes Recht.

Die Not treibt den Ochsen in den Brunnen.

Die Not treibt in die Unfreiheit.
Gladkow, Der Schnee schmilzt

Die Not treibt ins Loch (= Grab).

Die Not verwirrt die Menschen.
Marchwitza, Treue

Die Not wartet auf keinen Sonnenschein.

Die Not wird einen Weg finden.
un] Mindent ki gondol a' szégenýseg.

Die Not zankt gern.

Die not, die lehret ein zu hand, dass man sonst hette kein Verstand.
la] Quae pro parte nocent, plurima saepe docent.

Die not, die person und die Zeit machen die gebote eng und weit.
dä] Nød, person og tijd giør loven eng og viid.
la] Leges humanae non fundantur super impossibile.

Die Not, die Unsinnige, winselt nicht.

Die Notbeute bleibt in des Netzes Schlinge.

Die Notdurft erfand das schützende Kleid und die Eitelkeit erfand den Putz.
la] Utile indumentum excogitavit necessitas, pretiosum luxus, elegans vanitas.

Die Notdürftigkeit ist fast immer diensteifrig.
Diderot, Bedauern über meinen alten Schlafrock

Die Nöte gehen immer voraus, schon bevor du selbst ankommst.

Die Nötigung regt den Geist auf, und aus diesem Grunde [ ...] ist mir die Einschränkung der Preßfreiheit sogar lieb.
Goethe, Eckermann, 9.7.1827

Die Notlüge ist die Höflichkeitsform der Wahrheit.
Sprüche der Weisen

Die notschlang ist über all geschoss.
z] Es ist ein hefftig krafft, was die letzst noth schafft. Not all ding schleusst. Not eisen reisst. Not machet donder und blitzen. Not felssen spalt. Not schwecht all gwalt. Not dringt engstlich zu schwitzen. Not stifftet mord. Not bringt gut wort. Not brichet halssstarcken willen. Not gibt vil dieb. Not raubt mein lieb.'
la] Acerrima est virtus, quam excutit ultima necessitas.

Die Notschlange ist das stärkste Geschütz.

Die Notwendigkeit aber ist der beste Ratgeber.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1794

Die Notwendigkeit der Prostitution ergibt sich aus dem Umstand, dass viele Männer unverheiratet oder durch Reisen von ihren Frauen getrennt sind, dabei aber keineswegs gewillt, enthaltsam zu bleiben. Da jedoch die Frauen der wohlanständigen bürgerlichen Gesellschaft nicht zu haben sind, wurde eine besondere Klasse von Frauen dazu ausersehen, der Befriedigung jener männlichen Nöte zu dienen, die die Gesellschaft sich zwar schämt, offen anzuerkennen, aber doch fürchtet, ganz unberücksichtigt zu lassen. Die Prostituierte bietet nicht nur den Vorteil, in jedem beliebigen Augenblick verfügbar zu sein, sondern zudem die Gewähr, dass sie, die ja kein Dasein außerhalb ihres Berufes führt, sich nie unliebsam bemerkbar macht, so dass der Mann, der sie aufsucht, nachher mit ungeschmälerter Würde zu seiner Frau, seiner Familie und seiner Kirche zurückkehren kann. Die Ärmste selbst ist aber von allen verachtet, obwohl sie die Tugend unserer Frauen und Töchter sowie die angebliche Reinheit der Geistlichkeit schützt und schirmt, und gilt allgemein als Auswurf der Gesellschaft, und darf mit gewöhnlichen Menschen nur 'geschäftlich' zusammenkommen.
Bertrand Russell, Marriage and Morals

Die Notwendigkeit des Reisens und Handelns wie das gemeinsame Interesse aller Nationen an den Werken von Kunst, Literatur, Wissenschaften und ihren Entdeckungen haben die Völker zu internationalen Verträgen und Bündnissen geführt...
Shaw, Wegweiser für die intelligente Frau

Die Notwendigkeit ist kohlschwarz.
England

Die Notwendigkeit schafft die Form.
Wassily Kandinsky

Die Notwendigkeit und Schicklichkeit einer solchen Zeichensprache, wo das Grundzeichen die Erscheinung selbst ausdrückt, hat man recht gut gefühlt, indem man die Formel der Polarität, dein Magneten abgeborgt, auf Elektrizität und so weiter hinübergeführt hat.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 5. Abt. - 756

Die Notwendigkeit, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, führt auf die Dauer stets dazu, dass man unreife Äpfel vom Baum schüttelt, weil man einfach nicht in der Lage ist, ihre Reife abzuwarten; aber beim Schriftwerk ist es leider anders als beim Obst: es reift nicht während der Versendung nach.
Sprüche der Weisen

Die Notwendigkeit, sich einzuschmeicheln, um sich Gönner oder Käufer zu verschaffen, benahm dem Charakter Eigenheit und Energie, erzeugte Falschheit, Verstellung, Höflichkeit und feine Lebensart... Treue und Wahrheit verschwanden.
Knigge, Benjamin Noldmanns Geschichte der Aufklärung

Die Novelle ist das Sublimat des Dramas.
Hille, Zur Geschichte der Novelle

Die Novelle ist die strengste und geschlossenste Form der Prosa-Dichtung, die Schwester des Dramas; und es kommt nur auf den Autor an, darin das Höchste der Poesie zu leisten.
Storm, an Gottfried Keller, 14. 8. 1881

Die nüchternen Narren sind die schlimmsten.
ho] Het is kwaad, nuchteren mal te wezen.

Die nüchternen Räte sind die besten.
i] Vorausgesetzt, dass sie nicht zu nüchtern sind.
la] In crastinum seria.
sd] Nöchtert råd slutes bäst.

Die Nudeln sind ihm nicht fett genug geschmalzen.

Die nur bei sich in die Schule gehen, gehen in die Narrenschule.
Russland

Die nur ein Schaf haben, reden am meisten vom Wollmarkt.

Die nur einmahl auf der Welt geboren worden, kommen nicht in Himmel.

Die Nürnberger beißen wie die anderen, wenn sie einen Harnisch anhaben.

Die Nürnberger hängen (o. henken) keinen, sie hätten ihn denn (zuvor).
z] Da doch viel Rechtsamer, mit glimpflichen Worten und harten Straffen, nach Exempel der Nürnberger, die Bürgerschafft zu regieren.

Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn.

Die Nuss hat noch niemand aufgebissen.

Die Nuss ist ein kleines Ding, doch ohne Kern erst gar gering.

Die Nuss ist eines schönen Kernes wert, an der man sich den besten Zahn herausbeisst.
Russland

Die Nuss ist nur äusserlich bitter.

Die Nuss ist zu hart, man kann sie nicht aufbeißen.

Die Nuss losgehen lassen.

Die Nüss sind ihm in die Schuhe gefallen.
i] Das Herz ist ihm in die Hosen gefallen, er hat den Mut verloren.

Die Nüsse meinen, dass sie von Mandeln abstammen.
Russland

Die Nüße sassen, dass sie von den Mandeln abstammen.

Die Nüsse sind jetzt nicht mehr so gut wie vor funfzig Jahren, sagte der alte Mann, der keine Zähne hatte.
i] Jeder sucht seine Schwächen zu verbergen und so gut zu entschuldigen als möglich.

Die Nüsse werden wohlfeil werden.
i] Androhung von Kopfnüssen.

Die Nüsse, die das Glück austeilt, sind taub.
Russland

Die nützlichen Tugenden der Bürger sind Menschlichkeit, Billigkeit, Tapferkeit, Wachsamkeit und Arbeitsliebe.
König Friedrich der Große, Politisches Testament (1752)

Die nützlichsten Bücher sind diejenigen, welche den Leser zu ihrer Ergänzung auffordern.
Voltaire, Philosophisches Wörterbuch

Die nützlichsten Erfahrungen, die man macht, sind die schlechten.
Thornton Wilder

Die nützlichsten Lebensregeln werden meist unnütz gegeben.
z] An den nützlichsten Lebensregeln ist gewöhnlich doch Eins unnütz dass sie gegeben wurden.

Die obere Hand ist besser als die untere.
Nigeria
i] Geben ist besser als Nehmen

Die Oberen haben ein erlangt recht, dass sie die geringern reformieren, aber sie nimmer reformiert werden sollen.

Die oberen Klassen statten ihre Töchter bei der Heirat aus; die mittleren tun nichts, sondern ziehen sie auf und verheiraten sie; die unteren verdienen Geld bei der Verheiratung.
China

Die oberen Zehntausend.
Nach George Gordon Lord Byron, Don Juan, II, 45
en] the upper ten (thousand)
fr] les deux cents familles - le dessus du panier
it] l'alta società

Die oberflächliche Ausbildung der Edelleute früherer Zeiten machte den vollendeten Kavalier aus.
Balzac, Der Ehevertrag

Die Oberhand behalten.
fr] Avoire barre sur quelqu'un.

Die Oberhand gewinnen
en] to gain (o. get) the upper hand (of)
fr] prendre le dessus (o. la haute main)
it] avere il sopravvento (su)

Die oberste Pflicht des Staatsmannes ist es, über den Frieden zu wachen. Wird der Krieg unvermeidlich, dann muss er seinem Lande die nötige Zeit sichern, damit es ihn führen und gewinnen kann.
Sprüche der Weisen

Die obersten Grundsätze unseres Strebens und Wertens sind für uns in der jüdisch-christlich religiösen Tradition gegeben: (...) Freie und selbstverantwortliche Entfaltung des Individuums, damit es seine Kräfte froh und freiwillig in den Dienst der Gemeinschaft aller Menschen stelle. Da ist kein Platz für Vergottung einer Nation, einer Klasse oder gar eines Individuums.
Albert Einstein, Aus meinen späten Jahren

Die Obersten ordnen die Niedersten.
i] In der mittelalterlichen Ständegliederung standen die Landesherren, die Fürsten, der höhere Adel an der Spitze der Heeresabtheilungen, sie riefen zu den Waffen und führten die geordneten Mannschaften dem Kaiser zu.
mhd] Die obersten ordent die nidersten.

Die Obrigkeit beisst in die Füße.
Litauen

Die Obrigkeit hat das Heißen und Verbieten, die Untertanen haben das Tun und Lassen.

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