<<< Weisheiten 0639 >>>

Der Wunsch, das Lob zu verdienen, das man uns erteilt, steigert unsere Tugend, und das Lob, das man Geist und Mut und Schönheit gönnt, hilft mit, sie zu erhöhen.
La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Wunsch, dem Zeitgeschmack und den Forderungen der Mehrheit der jeweiligen Leserschaft zu entsprechen. Das ist besonders schädlich und nimmt dem, was geschrieben wird, schon vori vornherein jegliche Bedeutung.
L. Tolstoi, L. N. Andrejew, 2. 9. 1908

Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt meist dem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies der freien Natur.
Konrad Lorenz, Schaff dir keinen Buchfink an

Der Wunsch, Gefallen zu empfinden, ist allgemein, der Wunsch, Gefallen zu erregen, sollte es ebenfalls sein.
Philipp Stanhope Earl of Chesterfield, Briefe über die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden

Der Wunsch, Gutes zu tun, ist ein kühner, stolzer Wunsch, man muss schon sehr dankbar sein, wenn einem ein kleiner Teil davon gewährt wird.
Goethe, An J. F.- Krafft, 13.7.1779

Der Wunsch, klug zu sein, hindert uns oft, es zu werden.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Wunsch, sich auszuzeichnen und sich einen Namen zu machen, zwingt uns zur Arbeit.
Herzen, Mein Leben

Der würd leicht reich, dem die weiber übel wöllen, die ymmen und schaf wohl.
i] Die Weiber wollen einem übel, wenn sie zeitig sterben, die Bienen wohl, wenn sie am Leben bleiben. Im ersten Fall kann man durch Erbschaft, im anderen durch Honig und Wolle gewinnen.

Der würde das Schießpulver erfinden, wenn es nicht schon erfunden wäre.
i] Es ist ein scharfsinniger Kopf, gewandter Geist. Auch ironisch von einem Klügling.
fr] Cestuy a beaucoup de gens subtilz.
la] Multos iste daedalos habet.

Der würdige Mann, der sich das Vertrauen seiner Gemeinde zu erwerben wusste, so dass sich jeder Rat holt, ehe er etwas anfängt, was er nicht selbst beurteilen kann, und oft Rettung findet, wäre es auch nur vor Advokaten und Prozessen, - der ist ein wahrer Seelsorger.
Weber, Demokritos, Die Theologen

Der Wurf mag zuweilen nicht treffen, aber die Absicht verfehlt niemals ihr Ziel.
Jean-Jacques Rousseau, Träumereien eines einsamen Spaziergängers

Der Würfel ist gefallen.
la] Alea jacta est. (Caesar, als er (49. v. Chr.) den Rubicon überschritt)

Der Wurm befindet sich im Baum.
tü] Ağacın kurdu içinde olur.

Der Wurm findet nichts Hübsches an dem Gesang des Rotkehlchens.
Schwarze in den USA

Der Wurm frisst, in der Erde verfault (man), frisst die Schlange, kaut (sie) nicht, saugt die Made, freut (sie) sich nicht.
Estland

Der Wurm hat vor dem Hahn immer Unrecht.

Der Wurm nagt am Baum, die Sorge am Menschen.
tü] Ağacı, insanı dert yer.

Der Wurm, der im Wohlstand sitzt, sind nicht die Bedürfnisse, die er befriedigt, sondern die, die er weckt.
Graff

Der wus hot lieb zü nehmen, hot feind zü geben.
Jüdisch-deutsch, Warschau

Der wus will Gaawe (Hochmuth, Stolz) treiben, müss Hünger leiden.
Jüdisch-deutsch, Warschau (Wer aus falscher Scham die Hilfe seiner reunde zurückweist oder nicht nachsucht, muss Hunger leiden)
en] Bashfulness is an enemy to poverty.
ho] Den behoeftige is de schaamte onnut.

Der wütende Tiger schläft nicht mitten auf dem Wege.
Surinam

Der Zahn beisst oft die Zunge, und doch bleiben sie Freunde (o. gute Nachbarn).

Der Zahn der Zeit fasst (o. nagt) alles an.

Der Zahn der Zeit
en] the ravages of time
fr] les ravages (o. les outrages) du temps
it] il dente roditore del tempo

Der Zahn dieses Hundes, der mal gebissen hat, ist bekannt.
Estland

Der Zahn ist mir näher als irgendein Verwandter.
Italien

Der Zahn ist nicht zu Hause, wenn der Hunger kommt.

Der Zahn trägt nicht Leid.
Kosi, Afrika
i] Auch wenn man in Trauer ist, muss man manchmal lachen

Der Zank ist das Band vieler bürgerlichen Ehen; der Gescholtene bekommt den ganzen Tag das zu hören, was er am meisten liebt.
Stendhal, Über die Liebe

Der Zänker faßt immer gern den fünften Zipfel am Sack.

Der Zänker hat immer eine wäßrige Brühe.
Estland

Der Zapf ist gut vor die Flasch.
z] Es war eben ein Zapff für diese Flasch, denn faul, Eyer und stinkend Butter gehören zusammen.
i] Um zu sagen, dass ein paar Dinge zusammenpassen, meist im übeln Sinne.

Der Zapfen fällt nicht weit vom Stumpf.
Estland

Der Zar hat drei Hände, aber nur ein Ohr.
Russland

Der Zar herrscht über uns und das Schicksal über den Zaren.
Russland

Der Zar ist auch nur ein Mensch.
Petersburg

Der zarteste Leib hat vorn ein W.

Der Zauber des Märchens wurde, wie der Trost der Religionen, vom gleichen Flimmern der Sterne geboren. Und wird erst mit ihnen erlöschen.
Welk, Mein Land, das ferne leuchtet

Der Zauber meines Berufs erschließt mir eine Welt, in der ich schon in zwei Stunden die schwarzen Drachen bekämpfen und gegen die Berge anrennen darf, die blaue Blitze umwallen, wo ich, wenn die Nacht gekommen ist, frei bin und meinen Weg in den Sternen lese.
Antoine de Saint-Exupéry, Wind Sand und Sterne

Der Zaun ist Friedensstifter unter den Nachbarn.

Der Zaun ist stolzer als der Garten.
Lettland

Der Zaun steht drei Jahre, das Leben eines Hundes währt die Zeit von drei Zäunen, das Leben eines Pferdes das Alter von drei Hunden, das Leben eines Menschen das Alter von drei Pferden.

Der Zaunpflock behütet immer mehr als ein schlechter Hirt.
Estland

Der Zecher denkt anders als der Schenk.

Der zehnte weiß nicht, wo den elften der Schuh drückt.

Der Zeit nach kommt die Autorität zuerst, den sachlichen Vorrang aber hat die Vernunft.
Aurelius Augustinus, Über das glückselige Leben

Der Zeit, des Schreckens Narren sind wir.
Goethe, Monolog aus Byrons 'Manfred'

Der Zeitungsleser sei gesegnet,
Der liest, was heute mir begegnet.
Goethe, Zahme Xenien

Der Zeitungsschreiber ist ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat.
Bismarck, Äußerung am 10. 11. 1862

Der Zeitungsschreiber selbst ist wirklich zu beklagen,
Gar öfters weiß er nichts, und oft darf er nichts sagen.
Goethe, Mitschuldigen A II Sz 2 (Der Wirt)

Der Zerfall der republikanischen Staatsauffassung ist der Kollektivismus.
Fliegende Blätter

Der Zerlumpte sieht Hunger, der Elende verlebt ärmliche Tage.
Estland

Der Zerlumpte verlacht den Zerfetzten.
Estland

Der zerlumpteste Bettler hat den vollsten Sack.

Der Zerstreute denkt, und denkt nur das nicht, was er, seinen itzigen sinnlichen Eindrücken zu Folge, denken sollte.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Der zeucht an einem langen Seil, der auf eins anderen Tod wartet.

Der Zeuge des Hasses ist sein Blick.

Der Zeuge des Lügners ist seine Frau.

Der ziacht (zieht) en die Haut über die Oahren.
Franken

Der ziagt si(ch) a Rott'n (Rute) über'n Arsch.
Franken
i] Er bürdet sich selbst eine Last auf.

Der Ziehknoten der Ehe ist der stärkste von allen.
Assam, Indien

Der zieht an einem langen Seil, der wartet auf ein Erbeteil.
ho] Hij trekt wel aan een zeer lang touw, die wacht, dat iemand sterven zou.

Der zieht aus.
i] Hat große Eile

Der Ziemer schmeisst jm sein eigen übel.
z] Wo der Zimer (Reckhaltervogel, Pilaris Trichade) auf einen Baum hinschmeisst, da sol mistel dauon wachsen; darum sagt man im Sprichwort von denen, so jnen selbs ein Unglück uff den hals laden: Fundus ipse sibi malum cacat, dieweyl von seinem Kaot mistel wächst, darauss man Klub oder vogelleim macht, von welchem er hernach gfangen wird.

Der Zierschuh steht der gut an, die krumme Waden hat.

Der Zigeuner bekommt noch einen Zehnten.
Jiddisch
i] Ihm, als Abkömmling der alten Ägypter, schulden die Juden noch Frondienst

Der Zigeuner betrügt alle Christen.
Estland

Der Zigeuner hat drei Seelen, eine mit mir, eine mit dir, eine mit sich selbst.
Ukraine

Der Zigeuner ist genügsam, um desto mehr beiseite legen zu können und weil ein Schein von Armut die Wohltätigkeit anregt... Der Zigeuner tut nichts gratis. Ob er stolz wie ein Spanier agiert oder ob er sorglos ins Blaue hineinschwatzt... Als der Erzschelm, der er ist, hat er die besten Anlagen zur Menschenkenntnis...
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Die Zigeuner

Der Zimmervogel fürchtet die Kälte.
Estland

Der zivilisierte Wilde ist der schlimmste aller Wilden!
K. J. Weber, Demokritos IX, 93

Der Zopf, der hängt hinten.
A. v. Chamisso, Tragische Geschichte

Der Zorn beherrscht nur schwache Leute.

Der Zorn der Liebenden ist ihrer Liebe Erneuerung.
la] Amantium irae amoris integratio est.

Der Zorn der Männer entlädt sich in Gewalttätigkeiten. Der Zorn der Frauen entlädt sich in Dummheiten.
Henry de Montherlant, Erbarmen mit den Frauen

Der Zorn der Verliebten gleicht Spinnenweben.
Venetien

Der Zorn der Zahmen ist die Gereiztheit.
Schaukal

Der Zorn des Schwachen ist zum Verlachen.

Der Zorn einer Frau und der Wind aus Westnordwest lassen nicht eher nach, bis das Wasser da ist.
Estland

Der Zorn Gottes währt nur einen Augenblick, die göttliche Barmherzigkeit ist ewig.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Der Zorn hat keinen Bruder, der Schimpf keine Schwester.
Estland

Der Zorn ist blind.

Der Zorn ist dein Feind.

Der Zorn ist der Vorsicht so dienlich als die beleimten Flügel den Vögeln.
Schlesisch, 17. Jh.

Der Zorn ist ein kurzer Wahnsinn.
Horaz

Der Zorn ist ein Narr.

Der Zorn ist ein schlechter Ratgeber.
Shaw, Wegweiser für die intelligente Frau

Der Zorn ist eine kurze Raserei.
la] Ira furor brevis est.
Horaz, Episteln

Der Zorn ist eine laute, der Ärger eine leise Empörung.
Ernst R. Hauschka

Der Zorn ist höllisch Feur; wenn er in dir entbrennt,
So wird dem heilgen Geist sein Ruhbettlein geschänd't.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Der Zorn ist offenbar eine Charakterschwäche, was sich an der Haltlosigkeit derjenigen am besten erkennen läßt, die er beherrscht: Kinder, Weiber, Greise, Kranke.
Francis Bacon (1561-1626), Über den Zorn

Der Zorn ist schädlicher als die Beleidigung, die ihn hervorrief.
China

Der Zorn ist vorübergehend,
der Hass dauernd,
der Zorn will weh tun,
der Hass gilt der Schlechtigkeit,
der Zürnende will, dass der andere es spüre, dem Hass liegt daran nichts.
Aristoteles, Psychologie

Der Zorn kann auch lachen.

Der Zorn lässt den Menschen nicht alt werden.

Der Zorn nimmt (d.i. bringt) das Getreide aus dem Land, der Neid die Fische aus dem Meer.
Estland

Der Zorn nimmt den Fisch aus dem Wasser, die Feindschaft nimmt den Vogel vom Himmel.
Estland

Der Zorn verzehrt oft, was die Güte eingespart hat.
Island

Der Zorn wirft blinde Junge wie die Hündin.

Der Zornige geht als Laus und kommt als Lausei wieder.

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