<<< Weisheiten 0610 >>>

Der Schlaf ist ein Schalk.

Der Schlaf ist für manche Menschen der fruchtbarste Teil ihres Daseins.
Fliegende Blätter

Der Schlaf ist gleich dem Tode.
mhd] De slâp is gelyk dem dode.
la] Noxius est somnus mortique simillimus atrae.
la] Quid est somnus gelidae nisi mortis imago? Ovid

Der Schlaf ist ihm in den Magen gefallen.
Nürtingen
i] Das Gähnen wandelt ihn an, als Zeichen des Schlafs, wie der Sand in den Augen und die Schlafläuse solche Zeichen sind.

Der Schlaf ist schmackhafter als der Tod.

Der Schlaf ist süßer im Zelt als zwischen vier Wänden.
Haussa, Afrika

Der Schlaf kann alles.
la] Somnia omnia.

Der Schlaf kommt umherstreichend, das Schlafen marschierend.
Estland

Der Schlaf nährt.

Der Schlaf sorgt nicht darum, ob er das Bett in Unordnung bringt.
i] Wenn jemand keine Rücksicht darauf nimmt, ob er anderen Mühe macht.

Der Schlaf trügt.

Der Schlaf wird nicht durch Schlaf, die Arbeit nicht durch Arbeit beendet.
Finnland
i] Man kann nie genug schlafen und nie alle Arbeit tun

Der Schlaf wird schon das Kissen (weich)klopfen.
Estland

Der Schläfer begeht weniger Sünden.
Estland

Der Schläfer braucht etwas unter dem Kopf.
Estland

Der Schläfer hat am Kopfende einen Brottaib.
Estland

Der Schläfer hat immer ein Auge offen.
Estland

Der Schlafplatz eines großen Tieres ist nie ganz frei von Haaren.

Der schläft auf sanftem Kissen, der rein ist im Gewissen.

Der schläft gut, der weder Kuh noch Kalb hat.
Indien

Der Schlaft ist doch die köstlichste Erfindung!
Heinrich Heine

Der schläft nicht fest, der an die Füße friert.

Der schläft sanft, der nicht weiß, dass er hart liegt.

Der schläft sicher, wer nichts zu verlieren hat.
fr] Celui qui n'a rien à perdre, peut dormir en sureté.

Der schläft stêihnedi (stehend) wêi a Papp'nhamers gaul. Nürnberg
i] Das Pferd eines Pappenheimer, d.h. eines Arbeiters, der bei Nacht die heimlichen Gemächer ausräumt.

Der schläft wohl (sanfft), der nit empfindt (fühlet, weiß), das er hart (unsanft, übel) ligt.
bm] Sladké vyspání - pĕst pod hlavu a pasem ee přikrýti.
la] Bene dormit qui non sentit quam male dormiat.
pl] Słodkie wyspanie pięść pod głowę a pasem się odsziawzy.

Der schläft wohl, der nicht weiß, wie über er liegt.
fr] Il n'est heureux que celui croit l'être.

Der Schlag der Stute tut dem Hengst nicht weh.
i] Beleidigungen weiblicher Personen sollen Männer nicht achten.

Der Schlag gab Öl.
i] Der Ton auf der. Wenn ein Unternehmen gelang, ein Coup glückte.

Der Schlag gibt kein Öl.

Der Schlag trifft immer das entzündete Auge.

Der Schlag wird bald geschehen.
i] Vor einem nahen Unglück.

Der Schlag, den man auf den eigenen Rücken führt, macht keine großen Striemen.
i] . reisst keine Wunden auf. Russland

Der Schlagende findet keinen Schlaf, der Geschlagene findet Schlaf.
Estland

Der schlägt sich zwei Augen aus, damit sich sein Kind eins ausschlage.
Spanien

Der Schlange auf dem Schwanze stehen.

Der Schlange bleibt ihr freier Pass.

Der Schlange Dank ist Gift, Verleumdung der Lohn der Bösen.

Der Schlangenbeschwörer ist nicht sicher vor den Schlangen.

Der Schlangenbeschwörer kommt schließlich durch die Schlange um. Jemen
i] Vgl. Bibel, Jesus Sirach 3,27: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Der Schlauberger gebiert oft ein stummes Kind.

Der Schlaue klügelt sich sogar noch vom Galgen herunter.
Jiddisch

Der schlaue Mann wird oft des starken Meister.

Der Schlaue sitzt in der Kutsche, der Dumme hängt am Galgen.

Der Schlaue verlangt Fleisch und ist mit Brot zufrieden.

Der Schlaue wird schon wissen, unter welchem Stein der Krebs steckt.
Estland

Der Schlaue wird von einem noch schlaueren betrogen.

Der schlaueste Fuchs findet seinen Kürschner.

Der schlecht beritten ist, soll zuerst satteln.

Der schlecht macht all ding recht.

Der schlecht tut alle Ding recht, der frumb tut all Ding krumb.
i] schlecht = Schlichte, Gute, Brave.
la] Homines frugi omnia recte faciunt.

Der schlecht tut allweg recht.

Der schlecht Unterrichtete ist gefährlicher, als wenn einer gar nichts weiß.
Henri Henri Barbusse (1873-1935), Der Betrug als Staatseinrichtung

Der Schlechte ärgert den Guten, denn der wagt sich an den Schlechten nicht heran.
Spanien

Der schlechte Geschmack gefällt, sobald er Mode wird.
Fliegende Blätter

Der schlechte Geschmack hat sein Recht wie der gute, und sogar ein Vorrecht vor ihm, falls er das große Bedürfnis, die sichere Befriedigung und gleichsam eine allgemeine Sprache, eine unbedingt verständliche Larve und Gebärde ist: der gutgewählte Geschmack hat dagegen immer etwas Suchendes, Versuchtes, seines Verständnisses nicht völlig Gewisses - er ist und war niemals volkstümlich!
Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft

Der schlechte Handwerker streitet sich mit seinen Werkzeugen.
USA

Der Schlechte ist der Böse, der da stürzt, der fällt.

Der schlechte Kopf vergisst, die armen Füße müssen verantworten.
Estland

Der Schlechte macht sich an den Guten, denn an den Schlechten wagt er sich nicht.

Der schlechte Mensch hat viele Klagen.
Estland

Der schlechte Mensch ist eine Kohle, wenn a auch noch brennt, su macht a doch schworz.

Der schlechte Mensch ist ohne Ruh, das wilde Pferd hat keine fetten Lenden.

Der schlechte Nachbar sieht nur, was ins Haus hineingeht, aber nicht, was herauskommt.
i] Er bringt nur in Rechnung, was der Nachbar einnimmt, aber nicht, was er als Almosen ausgibt. Er ist blind für die guten Eigenschaften desselben und bemerkt bloß seine Fehler.

Der schlechte Pfarrer predigt über sich selbst.
Finnland

Der schlechte Räter und der schlechte Täter werden mit gleicher Pein gepeinigt.
[RSpW]

Der schlechte Ruf gleicht dem zunehmenden Mond.
Russland

Der schlechte Sammler (= Hüter) hat viele Diebe.
Estland

Der schlechte Schütze beschuldigt den Pfeil, die schlechte Regierung das Volk.
Mongolei

Der schlechte Zauberer zieht die Schlange mit eines anderen Hand heraus.
Spanien

Der schlechten Welt Adieu zu sagen und im Paradies auf einer Lotosblüte beisammen zu sitzen, davon träumt der Liebende.
Japan

Der schlechteste Esser beim Hochzeitmahl ist die Braut.
Spanien

Der schlechteste Gast bekommt oft die beste Herberge.

Der schlechteste Läufer muss vorangehen.
ho] De slechtste looper moet voorgaan.

Der Schlechteste von allen wird ein Schamane (Zauberpriester).
Mongolei

Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur bleibt aber die Schadenfreude, da sie der Grausamkeit enge verwandt ist.
Arthur Schopenhauer, Zur Ethik

Der schlechtste Bettler
Hat bei der größten Not noch Überfluss.
en] Our basest beggars
Are in the poorest thing superfluous.
Shakespeare, König Lear II, 4

Der Schleicher kommt mit dem Eiler.
i] Übereilung bringt nichts

Der Schleicher kommt so weit wie der Läufer.

Der Schleicher trifft die Krähen.

Der Schleicher überwindet den Beißer.

Der Schleier allein macht die Nonne nicht.
i] Auf Äußerlichkeiten kommt es nicht an

Der Schleier deckt nicht stets ein schönes Gesicht.

Der Schleier einzig macht no kei Klosterfrau. Aargau

Der Schleier ist kostbarer als das Gesicht.

Der Schleier verdeckt oft ein hässlich Gesicht.

Der Schleier, der das Gesicht bedeckt, verhüllt selten Schönheit.
Russland

Der Schleier, welcher das Gesicht deckt, deckt selten die Schönheit.

Der Schleifstein im Dorf macht die Messer nicht stumpf.
i] Die Gelegenheit schafft noch keine Bedürfnisse. Kenia

Der Schleifstein wetzt das Eisen, geht aber dadurch selbst zu Grunde.
dä] Naar hvet-steenen sliber jernet, forstlider den sig selv.

Der Schlemmer lässt das Saufen nicht.
i] Ein Laster bleibt selten allein.

Der Schlesier kann ohne Reime den Sonntagsrock nicht anziehen.
i] Bezeichnet Schlesien als den klassischen Boden des Gelegenheitsgedichts. Von der Karsch, die an einen Schneider in Glogau verheiratet war, wird erzählt, dass sie durch die Verse, womit sie die fertige Arbeit den Kunden überbrachte, ebenso viel wie ihr Mann verdient habe. In Breslau soll es Zeiten gegeben haben, in denen selbst die Ratssessionen, wenn man so sagen darf, poetisch waren. Noch jetzt wird mitunter totgeborenen Kindern in öffentlichen Blättern ein Denkmal in Versen gesetzt. Beim Wahlkampf 1858 zogen sogar die politischen Parteien in Versen gegeneinander zu Felde.

Der Schlesier schlägt ihn in den Nacken.
z] Ich habe es desswegen öffters mit Unwillen angehört, wenn man von Slesiasmis allein geredet und dem oder jenem nicht ohne Lachen vorgeworffen, der Schlesier schlage ihn in den Nacken.

Der schlesische Bergbewohner wirft einen Stein nach der Kuh, der mehr wert ist als die Kuh.

Der schlichte und natürliche Liebreiz der Melodie aber ist es, der zum Herzen jeden Menschengeschöpfs spricht.
Pestalozzi, an Greaves, 18. 2. 1819

Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.
Thomas Carlyle, Über Helden, Heldenverehrung und das Heldentümliche

Der schlimmste Feind aber, den das hohe Alter zu bekämpfen hat, ist Schlaffheit und Müßiggang; Schwelgerei jedoch, die jedem Alter hässlich ansteht, ist für den Greis vollends abscheulich.
Cicero, Drei Bücher von den Pflichten, I, 34

Der schlimmste Feind der Frau ist die Frau.
Henry de Montherlant, Erbarmen mit den Frauen

Der schlimmste Feind der Freiheit, der barbarische Despotismus, ist für uns... Menschen des Abendlandes, der preußische Imperialismus...
Rolland, Über dem Getümmel

Der schlimmste Feind ist nicht außerhalb der Grenzen, sondern innerhalb jeder Nation.
Romain Rolland, Au-dessus de la mêlée

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