< Sprichwörter >

Der Künstler ist der wahre Vermittler des geistigen Verkehrs der Gegenwart mit der Zukunft.
Mühsam, Eine Mahnung

Der Künstler ist der wirklich Reiche. Er fährt im Auto. Die Öffentlichkeit folgt im Omnibus. Weshalb sollte es verwundern, dass sie in einiger Entfernung folgt?
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin

Der Künstler ist derjenige, der Einblick in das Unbewusste hat und versucht, es uns zu vermitteln.
Anaïs Nin, Sich vom Traum führen lassen

Der Künstler ist die purste Antithese des Heiligen. Der Heilige opfert sein Ich Gott auf, der Künstler opfert sich selbst seinem Ich auf.
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

Der Künstler ist die Synthese des Theoretikers und Praktikers.
Novalis, Fragmente

Der Künstler ist Künstler nur vermöge seines hochgradig verfeinerten Schönheitssinns - eines Sinnes, der ihn zu höchstem Entzücken hinreißen mag, gleichzeitig aber einen ebenso hochgradig entwickelten Sinn für die Ungestalt und das Missverhältnis impliziert.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Der Künstler ist zwar der Sohn einer Zeit, aber schlimm für ihn, wenn er zugleich ihr Zögling oder gar noch ihr Günstling ist.
Schiller, Kleine prosaische Schriften: Ästhetische Erziehung, 2. Brief

Der Künstler kann nur arbeiten, Beifall lässt sich, wie Gegenliebe, wünschen, nicht erzwingen.
Goethe (1749-1832), An Ph. F. Seidel, 27.10.1787

Der Künstler kann und muss, als Mensch, die Heiligkeit der Moral einsehen und respektieren, als Künstler braucht er von der Moral keine Notiz zu nehmen, nur muss er in seinen Darstellungen die ewige Sittlichkeit - nicht verletzen.
Zacharias Werner, an E. F. Peguilhen (5. Dezember 1803)

Der Künstler macht sein Werk, wie die Blume blüht, sie blüht, wenn sie auch in der Wüste ist und nie ein Auge auf sie fällt.
Adalbert Stifter, Der Nachsommer

Der Künstler soll nicht Richter seiner Personen und ihrer Gespräche sein, sondern nur ein leidenschaftsloser Zeuge.
Anton P. Tschechow, Briefe (30. Mai 1888)

Der Künstler soll nicht sowohl gewissenhaft gegen die Natur, er soll gewissenhaft gegen die Kunst sein. Durch die treueste Nachahmung der Natur entsteht noch kein Kunstwerk, aber in einem Kunstwerke kann fast alle Natur erloschen sein, und es kann noch immer Lob verdienen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Diderots Versuch über die Malerei

Der Künstler soll nur darüber urteilen, wovon er etwas versteht; sein Gesichtskreis ist ebenso beschränkt wie der eines jeden anderen Spezialisten auch.
Anton P. Tschechow, Briefe, 27. Oktober 1888

Der Künstler steht auf dem Menschen wie die Statue auf dem Piedestal.
Novalis, Fragmente

Der Künstler strebt nicht danach, bekannt zu werden. Er tut seine Arbeit, und zuweilen stirbt er unbekannt, zuweilen stirbt er berühmt. Aber darauf richtet er sich nicht aus.
Anaïs Nin, Der Künstler als Magier

Der Künstler sucht ein Etwas, das wir das Moderne nennen möchten, da sich uns kein treffenderer Ausdruck bietet, um den fraglichen Gedanken auszudrücken. Ihm geht es darum, aus der Mode den poetischen Gehalt des Historischen zu lösen, das Ewige dem Vergänglichen zu entreißen..
Charles Baudelaire (1821-1867), Romantische Kunst

Der Künstler sucht nicht die Wahrheit, er schafft sie.
Maxim Gorki (1868-1936), Sofja Andrejewna Tolstaja

Der Künstler versäume nie, die Spuren des Schweißes zu verwischen, den sein Werk gekostet hat. Sichtbare Mühe war zu wenig Mühe.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Künstler weiß, dass sein Werk nur voll wirkt, wenn es den Glauben an eine Improvisation, an eine wundergleiche Plötzlichkeit der Eingebung erregt.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Der Künstler will zur Welt durch ein Ganzes sprechen; dieses Ganze aber findet er nicht in der Natur, sondern es ist die Frucht seines eigenen Geistes oder, wenn Sie wollen, des Anwehens eines befruchtenden göttlichen Odems.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.4.1827

Der Künstler, der echte Kenner hat ein unbedingtes ganzes Interesse am Ernst der Kunst und am Kunstwerk.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über den Dilettantismus

Der Künstler, der Gefühl für die Realität besitzt, muss nie Angst haben, lyrisch zu werden. Die objektive Wel bewahrt ihre Macht in seinem Werk, was auch immer die Metamorphosen sein mögen, denen sie durch das Lyrische unterworfen ist.
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin

Der Künstler, der nicht sein ganzes Selbst preisgibt, ist ein unnützer Knecht.
Friedrich Schlegel, Ideen

Der Künstler, der sich allem, was die Umwelt angeht, so hoch überlegen dünkt, ist ein Philister.
Mühsam, Appell an den Geist

Der Künstlergeist soll nur ein brauchbares Werkzeug sein, die ganze Natur in sich zu empfangen und, mit dem Geiste des Menschen beseelt, in schöner Verwandlung wiederzugebären.
Wilhelm Heinrich Wackenroder, Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders

Der künstlerische Genius will Freude machen, aber wenn er auf einer sehr hohen Stufe steht, so fehlen ihm leicht die Genießenden; er bietet Speisen, aber man will sie nicht.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Der Kürbis nennt die Melone eine Gurke.
Russland

Der Kürbis schwimmt so lange auf dem Wasser, bis er untersinkt.
Ungarn

Der Kürbis wird auch gekocht nicht zu einer Melone.

Der Kurier, der den Unglücksbrief überbringt, fährt mit schnellen Postpferden.
Russland

Der Kurze nimmt eher ein Stück Dreck von der Erde auf als der Lange einen Stern vom Himmel.
Finnland

Der Kurze schiebt in dieser Zeit, wenn der Große erst trödelt.
Estland

Der kürzeste Rat ist der beste.
nl] Cort raet goet raet.
la] Si breve consilium dicitur esse bonum.

Der kürzeste Weg führt ins Wirtshaus.
Estland

Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste.

Der kürzeste Weg zu sich selbst führt rund um die Welt.
H. Keyserling

Der kürzeste Weg zum Reichtum führt über die Verachtung des Reichtums.
la] Brevissima ad divitias per contemptum divitiarum via est.

Der kürzeste Weg zum Ruhm ist - gut zu werden.
Heraklit, Fragmente

Der Kuß einer alten Jungfer ist wie verschimmeltes Brot aus ausgeschlagenem Roggen.
Estland

Der Kuß eines jungen Mädchens ist wie warmes Weißbrot.
Estland

Der Kuss eines keuschen Weibes ist das Zeichen, womit die Natur ihren Segen sprüht.
August von Kotzebue, Verleumder

Der Kuss ist billig, die Träne teuer.

Der Kuß ist der Liebe Maßstab.
Estland

Der Kuß ist Handgeld für etwas anderes.
Estland

Der Kuss klang als wenn eine Kuh ihren Hinterhuf aus einem Sumpf herauszieht.

Der Küster bekommt für lange Litanei nicht so viel, wie der Pfaff für einen Schrei.
bm] Knĕz jen piskne, a uz tiskne; kostelnik (kantor) ač vříská, předc málo stiská.

Der Küster ist der Geschichten Schloß, der Pfaffe ist der Worte Knoten, die Mutter der Kinder Gesangtafel.
Estland

Der Küster ist des Pfarrers (Selfkant) Ohrenbläser.

Der Küster ist des Pfarrers Ohrenbläser.

Der Küster mag läuten, dass die Glocke springt, die Leute gehen nicht in die Kirche bis er singt.
dk] Ringer degnen saa han sprenger, jeg kommer ei saa han synger.

Der Küster nimmt den Hut vorm Heiligen nicht ab.
z] Man sagt im Sprichwort, der Costner oder Opperman tut den Hut für den Heylichen nicht ab; das macht die gewonheyt und tägliche Beiwohnung.

Der Küster soll nicht ohne Licht ins Bett gehen.
info] Empfiehlt ihm ironisch Kirchenlicht dabei zu benutzen.

Der Küster spielt's auf der Orgel.
info] Antwort für die, welche etwas wissen wollen, was man ihnen nicht sagen will.

Der Küster und der Paster, die rauchen einen Knaster.

Der Küster will den Pfarrer lehren.
fr] C'est gros Jean, qui remontre à son curé.

Der Kwas im Vaterlande ist mehr wert als der Wein in der Fremde.
Russland

Der Lachs ist mitzunehmen.
info] Dieser augenscheinliche, nicht unbedeutende Vorteil.

Der lacht, wenn ein altes Pferd hustet.
info] Über alles, selbst da, wo gar nichts zu lachen ist.

Der Laden wünscht, dass sein Besitzer hinke. Jemen (Damit er nicht so oft fortgeht)

Der Laden wünscht, dass sein Besitzer hinke.
Jemen
info] Damit er nicht so oft fortgeht

Der Ladoga hält sich für den Ladoga, aber die Newa meint, sie sei ein Teil des Finnischen Meeres.
Russland

Der Lahm' ist wohl ein thöricht Mann, der seine Krücke verbrennt und nicht weiter kann.
dk] Det er en daare som giver skib, at han ligger selv paa landet.

Der Lahme beleidigt mit jedem Schritt.
Indien

Der Lahme kann ja den Hinkenden nicht stützen.
Estland

Der lahme Katholizismus schleppt sich unter dem blauen Himmel der alten Glaubensüberlieferung dahin.. der melancholische Ausklang eines Zeitalters, das ins Grab steigt.
Zola, Das kleine Dorf

Der Lahme kommt weiter als der Sitzende.
Slowakei

Der Lahme kommt weiter als der Sitzende.
Slowenien
info] Härtnäckigkeit lohnt sich.

Der lahme Mann schlägt (nur) einmal zu.
Liberia

Der Lahme muss dem Blinden den Weg zeigen.

Der Lahme spottet über den Dollfuß.

Der lahme Teufel ist der schlimmste.
info] Die unmerkliche Verführung ist die gefährlichste

Der Lahme vergisst das Hinken, wenn er Brot zu holen hat.
Lettland

Der Laib zum Brot, der Knust zum Dünnbier.

Der Lakai schwört, er müsse künftig Page heißen.

Der Lakedaimonier Phedares bewirbt sich um Aufnahme in den Rat der Dreihundert. Er wird verworfen. Voller Freude, dass es in Sparta dreihundert bessere Männer als ihn gibt, geht er wieder nach Hause.
Jean-Jacques Rousseau, Émile I

Der Landfrieden hält und bricht nicht.

Der Landmann braucht Land, der Edelmann Ehrungen, der Soldat Krieg, der Kaufmann Geld, der Bauer Friede, der Handwerker Arbeit, der Maler Schönheit - und Frauen die ganze Welt.

Der Landmann hasst, wenn es donnert über dem dürren Ast.

Der Landmann hat keine Zeit, auf Unheil zu sinnen.
Ukraine

Der Landmann kocht ein Meer von Wasser (= viel) und einen See von Fischen (= wenig), der Strandmann - ein Meer von Fischen und einen See von Wasser.
Estland

Der Landmann muss seinen Pflug selbst führen, wenn es gedeihen soll.

Der Landmann weiß nicht, was er tut.
info] Wie viel bei seiner Ernte auf Rechnung seines Fleißes und wie viel auf den Segen Gottes kommt.

Der Landrichter fuchst die Bauern.

Der Landrichter richtet zum Gut hin.
[RSpW]
info] Während bei persönlichen Klagen der Wohnsitz des Beklagten das zuständige Gericht bestimmte, verlangte die dingliche Klage, wo es sich um Erb und Eigen handelte, den Ort der belegenen Sache als Gerichtsstätte, schon der genauern Beweisführung wegen.
z] Der Landrichter soll richten hin zu dem Gut.

Der Landsiedel ist sich selber Hausherr.
info] Will sagen, dass es in Betreff der Vorteile und Rechte, die der Hausfriede biete, wie hinsichtlich der Störung desselben gar nicht darauf ankomme, ob der Betreffende Eigentümer des von ihm bewohnten Hauses sei; dass vielmehr der Mieter oder der Pächter in seinen vier Pfählen ebenso gut Hausfrieden habe, als wenn er Eigentümer sei; dass er als Mieter sogar gegen den Eigentümer alle Hausrechte gebrauchen könne, wenn dieser es sich einfallen liesse, ihn in seiner Wohnung zu belästigen.

Der Landstreicher hat überall ein Zuhause.

Der Landstreicher wirft den Kreisel, auch der König kann ihn nicht wegnehmen.

Der Landweg heff fürstlich Geleide.

Der Landwirt hat längst begriffen, dass man auch von zweibeinigen Rindviechern leben kann.
Eugen Roth

Der lange bleibende Gast wird langweilig.
Estland

Der Lange ißt Feigen, der Kurze nimmt ein trauriges Ende.
Libanon

Der lange lupus (das schwarze Register), darinnen wir mit einem großen Item stehen.

Der Lange nimmt solange einen Kienspan, bis der Kleine sich bückt.
Estland

Der lange Peter.
info] Es war dies ein geborener Friese und berüchtigter Seeräuber, der um das Jahr 1517 den Hansestädten Lübeck und Hamburg viel schadete. Er nannte sich einen Stürmer der Dänen, einen Strafer der Bremer, einen Fänger der Hamburger, einen Marterer der Holländer, und trug als Schreckzeichen Galgen und Rad in seine Kleidung gezeichnet.

Der lange Spieß gilt nicht.

Der lange Tag baut nicht viel Land, es tut's die rührige Hand.
it] Il lungo giorno no, ma il cuor fa l' opera.

Der langen Freude folgt das Weinen, dem langen Lachen der Furz.
Finnland

Der Langsame bekommt des Hundes Abfälle.
Estland

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als der ohne Ziel herumirrt.
Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Der längste Atem gehört zum Aphorismus.
Karl Kraus

Der längste Tag hat auch seinen Abend.

Der längste Tag hat auch seinen Abend.
z] Der längst tag hat endlich och seinen obend.
en] The longest day must have an end.
fr] Il n'y a si grand jour qui ne vienne pas a vêpres.
ho] De langste dag heeft ook een avond.
it] Non vien di, che non venga sera.

Der längste Umweg ist der kürzerste Heimweg.
en] The farthest way about is the nearest way home.

Der längste Weg ist der von der Mutter zur Haustür.
dk] Længste vey fra moderen til porten.

Der längste Weg ist der zum Grabe.
fr] Le chemin le plus long est celui ou l'on tombe.

Der längste Weg ist der, auf dem man fällt (liegen bleibt).

Der längste Weg ist oft der kürzeste.
fr] Le chemin le plus long est quelque fois le plus court.

Der Langweiler ist ein Mensch, der, wenn du dich nach seinem Befinden erkundigst, es dir erklärt.
Channing Pollock

Der Lappen muss größer sein als das Loch.
info] Gegengeschenk, Wiedergabe größer als das erhaltene Geschenk oder das Entlehnte.
bm] Záplata musí vĕtsí býti nez díra.
wend] Zapłata dyrbi wjetsa być hać dzjera.

Der Lärm der Räder ermisst nicht die Last im Wagen.
Schwarze in den USA

Der Lärm tut nicht gut, das Gute macht keinen Lärm.
it] Il rumore non fa bene, il bene non fa rumore.

Der Lassdunkel plaget ihn.

Der Lasse ist ledig (frei), dieweil er lebt.
info] Die Benennung einer Art zinspflichtiger Untertanen, deren Verhältnisse nicht überall gleich waren, und die auch Lassbauern hießen.

Der lässet ihm mit Ehren dienen, der's wider gelten mag.

Der lässt die Finger kleben.

Der lässt einem nichts in der Haut.
Niederösterreich

Der lässt heint (heute) sein Rappen lauf'n.
Franken
info] Er tummelt sich aus, macht sich einen guten Tag, legt die Zügel ab, auch: lebt verschwenderisch.

Der lässt ihm wehren.
Nürtingen
info] Von der Arbeit abwehren, er arbeitet sich nicht zu Tode.

Der lässt nix lieg'n wêi d' Mühlschta und 's glêihed Eis'n.
Nürnberg

Der lässt si üm an Kreutzer a Louch 'nei's Knia bohr'n.
Franken

Der lässt sich die Butter (nicht) vom Brote schwätzen.
Nassau

Der lässt sich keine Rüben für Birnen verkaufen.
nl] Hij laat zieh geene knollen (appels) voor citroenen verkoopen.

Der lässt sich klug gedünken.

Der lässt sich leicht überreden, der gern hört reden.

Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt.
la] De facili trahitur qui saliens sequitur.
sd] Han aer godher lokka, som siaelwer will mz hoppa.

Der lässt sich um einen Kreutzer ein Loch ins Knie bohren.
Oberösterreich
slow] Za babku by kozu i přes Tatru hnal.

Der lässt sich's Wasser in den Hals laufen.
info] Lässt's bis aufs Äußerste, Schlimmste kommen.

Der Laster Verachtung ist der Tugend Lob.

Der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit..
Büchner, Dantons Tod

Der Lasterhafte, wenn gelehrt,
Sich doch zuletzt zur Tugend kehrt
Und so im Grund viel besser ist,
Als Frommer, der unwissend ist.
Mohammed ben Raschid ben Mohammed Effendi, Diwan

Der lästige Schurke plagt gewiss uns lange noch,
Wenn nicht ein Geschenk uns aus des Wichtes Krallen hilft.
Aristophanes, Die Vögel, II, 931 (Peisthetairos)

Der lateinische Freitag (Dies veneris) liegt ihm immer auf der Zunge.
info] Scherzhaft von einem Verliebten oder Buhler

Der Latus ist auf dem Transport.
info] Latus bezeichnet hier alles nicht Vorhandene. Bei einer in Neisse stattgefundenen Compagnieversammlung war dem Unteroffizier am Schlusse der ersten Seite das Latus als ein noch vorhanden sein müssender Wehrmann vorgekommen. Er rief daher mehrmals, natürlich vergebens, 'Latus', ohne dass ein 'hier' erfolgte. Endlich wandte er um und fand nebenan den 'Transport' vom 'Latus' und dies gab zu der Meldung Veranlassung, dass 'Latus' auf dem Transport sein müsse. Diese Anekdote machte schleunigst die Runde durch die Stadt und kommt täglich in scherzhafter Weise zur Anwendung. Alles nicht Vorhandene ist 'Latus auf dem Transport'.

Der Latus und der Transport sind ja verfluchte Kerle; sie fressen ja so viel wie die anderen alle zusammen, sagte der Oberst, als er die Verpflegungslisten seiner Mannschaft einsah.

Der Laue dient weder zu sieden noch zu braten.
z] Die erste Schell der Faul Narren ist die löwheyt oder lewe. Dies ist eine böse Faulkeit, dieweil du weder kalt noch warm bist, sondern lewe; da dienst du nirgendt zu, weder zu sieden noch zu braten.

Der Lauf des Wassers und die Zukunft des Menschen gleichen einander.

Der lauft davon, wenn einer nur auf die ledernen Hosen duscht (klopft).
Rott-Tal

Der lauft weit, der niemals wiederkommt.

Der launische März verlässt die Sonne und nimmt den Regenschirm.
it] Marzo pazzerello lascia il sole e prende l'ombrello.

Der Laurentius (10.8.) steht bei den Bauern in Gnaden, weil bald die Gewitter nicht mehr schaden.

Der Laurentiustag (10. VIII) bringt die erste helle Nacht (= bringt zum erstenmal Kienspanbeleuchtung in die Kammer).
Estland

Der Laurentiustag (10. VIII) gibt dem Apfel den Geschmack.
Estland

Der Laurer haurt und laurt.

Der Lauscher an (o. hinter) der Wand hört seine eigne Schand'.
ndt] Da Lousa hinta da Wount head sain oagni Schount. Steiermark
ndt] De Lausderer oan der Wannd hörd sein âjn Schand. Trier
la] Clam qui sermones aliorum sublegit, audit quod non vult.

Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand.

Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand'.

Der Läuse wegen soll man einem Kinde nicht den Kopf abhauen.
Russland
info] Es ist sehr gewöhnlich, mit dem Missbrauch die gute Sache selbst aufzuheben. In Beziehung auf Rechtsangelegenheiten will das Sprichwort sagen, dass wegen eines bei einem Rechtsgeschäft vorgefallenen Fehlers nicht stets das ganze Geschäft ungültig sei, sondern wenigstens teilweise aufrecht erhalten werden könne.
dä] At kaste barnet ud med løven (badet).
ho] Men moet het kind niet met het bad uitschudden.
la] Aegri quia non omnes convalescunt, non id circo nulla medicina est.

Der Lautenspieler fängt nicht eher an, bis der Trommler schweigt.
info] Der Verständige fängt erst an zu reden, wenn der Schwätzer aufhört.
bm] Loutenik hráti nezačne, az dudy umlknou.
pl] Lutnista grać niezacznie, az gajda umilknie.

Der Lazarus schaut bei ihm überall zum Fenster heraus.
info] Er hat zerrissene Kleider an.

Der ldealismus ist eine konventionelle Form der Hoffnung.
Braque

Der lebe in aeternum, der gibt potare Valerum, wer aber mir gibt villum, all Teuffels plag torqueat illum.

Der Lebende gibt keine Erbschichtung.
info] Vor des Erblassers Tode ist keine Erbschaft denkbar.
z] De lewendige Deid nene Erbschichtinge.

Der Lebende hat ein Recht vor den Toten.
Russland

Der Lebende hat keinen Grabhügel.
Russland

Der Lebende ist im Recht vor dem Toten.
Russland

Der Lebende soll hoffen.
Goethe (1749-1832), Faust, II, 4 (Mephisto)

Der Lebende spürt wohl Hitze.

Der lebendig begabte Geist, sich in praktischer Absicht ans Allemächste haltend, ist das Vorzüglichste auf Erden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1205

Der lebendig genießende Mensch, so wie der Künstler, fühlt, wie billig, ein Grauen, wenn er in die Tiefen blickt, in welchen der Naturforscher als in seinem Vaterlande herumwandelt, dagegen hat der reine Naturforscher wenig Respekt vor dem Künstler, er sieht ihn nur als Werkzeug an, um Beobachtungen zu fixieren und der Welt mitzuteilen.
Goethe (1749-1832), Schrift. zur Kunst - Diderots Versuch über die Malerei I

Der lebendig man, der lieb.
z] Das liebst weib sei dir, das da lebt, das liebst gelt, das du hast.

Der Lebensstandard ist der Gott dieses Zeitalters, und die Produktion ist sein Prophet.
Fliegende Blätter

Der lebt mit allen Krähen um die Wette.

Der lebt nach der Gesundheit.
info] Meist ironisch von Leuten, die ihre Zeit für Essen und Trinken, Bewegung und Ruhe verwenden und großer Anstrengung aus dem Wege gehen.

Der lebt nicht mehr lange.
info] Wenn jemand etwas Ungewöhnliches tut.

Der lebt nicht wohl, der nicht weiß, wie er sterben soll.
la] Male vivet, quisquis nesciet bene mori.

Der lebt nicht, der nur sich selber lebt.

Der lebt schlecht, der sich nicht bessert.

Der lebt übel, der nicht an seinen Tod gedenkt.
fr] Ceux-la vivent mal qui pensent toujours vivre.
it] Chi pensa di viver sempre vive male.

Der lebt vom Winde wie der Dudelsack.

Der lebt wohl im Land, der lebt nach seinem Stand.
la] Tu recte vivis, si curas esse, quod audis. Horaz

Der lebt wohl, der Frieden hat mit Gott und sich.
it] Viver bene, e lasciar vivere è la vera strada di ben vivere.

Der lebt wohl, der so lebt, wie er einst wünschen wird, gelebt zu haben.
it] Vive bene colui, ch' in vita fà quel bene, che vorrebbe haver fatto alla morte.

Der lebt wohl, der tut, was er soll.
la] Is vivit, ut vult, qui recta sequitur.

Der lebte gewiss schlecht, der nicht gut zu sterben weiß.
Seneca (??-65 n. Chr.), Abhandlungen

Der lebte wohl, der verborgen lebte.
la] Bene qui latuit, bene vixit.
Ovid, Klagelieder

Der Leckerjan wird Bettelmann.

Der Leere (d.i. der Nichtsnutz od. Teufel) weiß, wo die Arbeit bleibt, Erholung erbt die Seele.
Estland

Der Leere (der Nichtsnutz od. Teufel) erbt immer des Geizigen Habe.
Estland

Der leere Arsch wird schon lehren.
Estland

Der leere Bauch will nicht tanzen, der volle kann nicht.

Der leere Eimer steigt (stets) in die Höhe.

Der leere Magen kann nicht gut springen, der volle überhaupt nicht.
Albanien

Der leere Stolz und darbend Hochmut verschachern Ehre, Leute und Gut.
bm] Pýcha a zadodt panováni jest velini skodlivá osobám i obcítto.

Der leere Teller sieht auf die Schüssel.

Der leere Wagen muss dem vollen ausweichen.

Der Leere weiß, wo die Arbeit bleibt, Erholung erbt die Seele.
Estland

Der legt seine Gaben übel an, der sie zugleich gibt zween Mann.
fr] Don à plusieurs conféré peu de grace et moins de gré.

Der legt sich auf die liederliche Seite.

Der Lehm haftet nicht am Eisen.
Maori, Neuseeland (Gemeint ist, was die Europäer der Maori-Kultur hinzugefügt haben, wird wieder abfallen)

Der Lehm ist unser aller Bruder.
Litauen

Der Lehnmann muss sein Lehn verdienen.

Der Lehnmann weist den Herrn ins Bett und die Knechte ins Stroh.
[RSpW]
info] Neben den Abgaben, die der Lehnmann dem Schutzherrn zu leisten hatte, lag ihm auch noch die freie Beköstigung desselben, sobald er einkehrte, ob. Die Leistungen waren im einzelnen bestimmt. Der Herr erhielt ein Bett, seine Begleitung ein Strohlager, der Falke eine schwarze Henne, die Hunde Brot, die Pferde Streu bis an den Faselt und Hafer bis in die Augen. Der Huber (der auf der Hufe sitzende Lehnsmann) zündet Feuer ohne Rauch auf (Kohlenfeuer), bringt weiße Leinlachen (Tischtücher) und hölzerne Becher mit ehrbarem Landwein für die Herren und aufrichtig Bier für die Knechte.
mhd] Item weist der Lehenman den Herrn vff das bett und die knecht in das stroe.
mhd] Allweg den herren wein ond den knechten byer.

Der leh'r uns, daß eine Gottheit unsre Zwecke formt, wie wir sie auch entwerfen.
William Shakespeare

Der lehr wend allzeit ohren dar, dass dir nichts böses widerfahr.
la] Audidoctrinam, si vis uitare ruinam.

Der Lehrer gleiche nicht einem Raubvogel, der Eier aus einem Nest holen will, worein noch keine gelegt sind.
Pestalozzi, Sämtliche Schriften

Der Lehrer in strengster Bedeutung muss sich nach der Bedürftigkeit richten; er geht von der Voraussetzung des Unvermögens aus.
Schiller, Über die notwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen

Der Lehrer ist nie fertig.
Diesterweg

Der Lehrer muss .. keine Liebe des Vorzuges gegen ein Kind besonders zeigen.. Sobald das Kind sieht, dass sich nicht alle übrigen auch demselben Gesetz unterwerfen müssen, so wird es aufsätzig.
Kant

Der Lehrer strebe nur, sich selber zu entfalten;
Der Schüler lerne nur sein Eignes zu gestalten!
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Der Lehrer weiß mehr als der Schüler.
la] Non est discipulus par cognitione magistro.

Der Lehrer wird hoch geehrt, der selber tut, was er anderen lehrt.
mhd] Swenne eigen schuld den lêraer strâfet, daz ist lasterbaer. Rügen
mhd] Swer tuot daz er lêret, des lêre und rât ist geêret.

Der Lehrer, der Geist des Lehrers bleibt die alleinige Hauptsache bei allem Unterrichten und Erziehen.
Diesterweg

Der Lehrerberuf gehört nicht zu den einfachen Erwerbsberufen, sondern zu den anspruchsvollen Führungsberufen.
Eduard Spranger, Pädagogische Perspektiven: Die Volksschule in unserer Zeit, Anprache zum 1. Lehrertag in Rottweil am 9. 9. 1950

Der Lehrjung kan mehr dann sein Meister.

Der Lehrjunge ist kein Meister.
fr] Apprentif n'est pas maître.

Der Lehrling hört mit Bangigkeit die sich kreuzenden Stimmen. Es scheint ihm jede Recht zu haben, und eine sonderbare Verwirrung bemächtigt sich seines Gemüts.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Der Lehrling übertrifft den Meister.

Der Lehrstuhl der Philologie ist der Sitz der Weisheit.
la] Cathedra quippe philologiae sedes est sapientiae.

Der Leib dem Galgen, und die Seele, wer sie will (bekommt).
nl] Het lijf der galg, en de ziel den genen, die ze will.

Der Leib eilt nun zur Ruhe,
Legt ab das Kleid und Schuhe.
Gerhardt, Nun ruhen alle Wälder

Der Leib endet immer damit, langweilig zu werden, nichts bleibt schön und interessant, mit Ausnahme des Gedankens, weil der Gedanke das Leben ist.
Bernard Shaw

Der Leib erhält wohl Kleidung, aber Kleidung erhält keinen Leib.

Der Leib gehet, wie ihn das Aug führet.

Der leib hat und lieb verkeust, und lieb um liebes willen verleust; ich rhade im, das ir also widder kiese, das er lieb vm liebe willen nit verliese.

Der Leib heißt Falck.
mhd] Dat lyf hêt falke.
la] Qui semel extinctus praesens sibi vita negatur.
info] Wie der Falk ein edler Vogel ist, so ist das Leben für den Menschen von hohem Wert.
z] Das Sprichwort scheint mir gerade das Gegenteil sagen zu wollen. Der lebende menschliche Leib ist etwas sehr Edeles wie der Falke; wenn dieser Leib aber tot ist, so geht's ihm wie dem todten Falken, dann ist er ebenso unwerth wie dieser. Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
ho] Dat lijf heet valc.
la] Hoc vulgus fatur, quod corpus falco vocatur.

Der Leib ist das Grab der Seele.
Platon, Gorgias

Der Leib ist das Hauptgut.

Der Leib ist des Teufels, aber der Seele wird geraten werden.
Martin Luther, Tischreden

Der Leib ist doch mehr als Kleider, das Leben mehr als Essen.

Der Leib ist ein Gerüst, das dem Aufbau von Leben dient. Der Leib ist die Nahrung des Geistes.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1890)

Der Leib ist eine Blume, woraus der eine Honig, der andere Gift saugt. Nicht der Geist wird vom Leib, sondern umgekehrt der Leib vom Geist infiziert. Das Böse ist in gewissem Betracht das reinste Geistige, denn es führt den heftigsten Krieg gegen alles Sein, ja es möchte den Grund der Schöpfung aufheben.
Schelling, Sämtliche Werke

Der Leib ist näher als das Hemde.

Der leib ists hauptgut.
[RSpW]
info] Wo nach den Gesetzen Gemeinschaftlichkeit der ehelichen Güter besteht, bleibt die Witwe nach ihres Mannes Tode in der empfänglichen Hand sitzen und ist als überlebender Eheteil aller nachgelassenen Güter ihres verstorbenen Mannes nächster Erbe. Der Leib ist Hauptgut; Vermögen die dazu gehörende Nebensache.

Der Leib jagt der Zeit nach.

Der Leib kann ohne Herz nicht weiter leben, und wenn er es doch tut, so ist das ein Wunder, das noch keiner sah.
Chretien de Troyes, Yvain

Der Leib muss dem Willen und der Wille der Vernunft gehorchen.
la] Hic ordo naturae in homine, ut corpus pareat animo, animus menti, mens Deo.

Der Leib muss hülle und fülle, Futter und Dreck haben.

Der Leib muss Kraft haben, um der Seele zu gehorchen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Der Leib muss sein der Seele Knecht, wenn du willst leben schlecht und recht.
z] Der Leib soll sein ein Knecht der Seele, die Seele eine Dienerin des Geistes.

Der Leib soll sein ein Knecht der Seele, die Seele eine Dienerin des Geistes und der Geist ein Anstarren Gottes.
Johannes Tauler, überliefert von Julius Wilhelm Zincgref (Apophthegmata)

Der Leib von außen zeiget frei, ob drinnen wohne Schelmerei.

Der Leib wird rein durch Gangas Klarheit,
Der Geist durch Wissen, das Herz durch Wahrheit.
L. Jacoby, Cunita

Der Leichenwäscher bürgt dir nicht dafür, dass du ins Paradies kommst.
Suaheli

Der Leichenwäscher gibt keine Gewähr für das Paradies.

Der Leichnam des Papstes braucht nicht mehr Erde als der des Kaplans.
nl] Het ligchaam van den paus beslaat niet meer aarde dan dat van den kapellaan.

Der Leichnam eines toten Feindes riecht immer gut.
Karl IX., Vor dem Galgen von Montfaucon, an dem Admiral Colignys gerichtet wurde (August 1572)

Der Leichnam hört nichts vom Tanz (beim Leichenbegängnis).
Jabo, Afrika

Der leicht glaubt, würt leicht betrogen (o. betrübt).

Der leicht zürnet, sündet leicht.

Der leichte Dichter eines fröhlichen Trinkliedes, eines kleinen, verliebten Gesanges ist mehr ein Genie als der schwunglose Schreiber einer langen Hermanniade.
Lessing, Der Sperling und der Strauß

Der leichte Sack der Strohscheune leiht dem Brot die Zugabe.
Estland

Der Leichte sehe nach Ernst und Strenge sich um, der Strenge habe ein leichtes und bequemes Wesen vor Augen, der Starke die Lieblichkeit, der Liebliche die Stärke, und jeder wird seine eigene Natur nur desto mehr ausbilden, je mehr er sich von ihr zu entfernen scheint.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst, Propyläen, Einleitung

Der Leichtfertige glaubt der Rede des Pastors und dem Krähen des Hahnes.

Der leichtfertige Mensch, der die Wahrheit nicht weiß, drückt sich allgemein, hoch und ungenau aus.
Brecht, Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Der leichtfertigkeit geferten seynd Narrheit und geferligkeit.

Der Leichtsinn auch erringt sich Diademe,
Bis aufgebracht ein Gegner ihn entleibt.
Goethe (1749-1832), Festzug 18.12.1818 (Epos)

Der Leichtsinn der Söhne ist zwar der Kummer der Väter, aber auch ihre heimliche Eitelkeit.
Fliegende Blätter

Der Leichtsinn des Alters ist leichtsinniger als der der Jugend.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Leichtsinn ist das größte Hindernis unseres Ansehens. Wie der zurückhaltende Mann für mehr als Mensch gehalten wird, so der leichtsinnige für weniger als Mensch.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der Leichtsinn ist ein Schwimmgürtel für den Strom des Lebens.
Ludwig Börne, Aphorismen

Der Leichtsinn schließt schon den Ausdruck der Heiterkeit aus, denn dies schöne Wort wird in unserer Sprache nur im edelsten Sinn genommen.
W. v. Humboldt (1767-1835), Briefe an eine Freundin, Tegel, Februar 1835

Der Leichtsinn verfolgt uns unser ganzes Leben. Wenn einer abgeklärt erscheint, dann nur deshalb, weil sein Leichtsinn seinem Alter und seiner Stellung angepasst ist.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der leichtsinnig hengt sein gewissen an einen hohen Nagel.

Der leichtsinnig legt alles auf die leicht achssel o. setzts aufs gerathwol.

Der Leichtsinnige freut sich der Flucht wie einer Spazierfahrt und der Ungenügsame verlangt, dass ihm auch noch als Bettler alles zu Dienste stehe.
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Der Leichtsinnige hängt sein Gewissen an den hohen Nagel.

Der Leichtsinnige trinkt Wasser, der Vorsichtige trinkt Met.
Russland

Der Leidende wird gern zum Schwätzer.
Türkei

Der Leidende wird zum Schwätzer.
Türkei

Der Leidenschaften Art vergleicht sich muntern Pferden,
Im Zaume sind sie gut, wild, wenn sie ledig werden.
Lichtwer, Das Recht der Vernunft

Der Leidenschaftliche redet stets eine fremde Sprache, die von dem, was die Dinge sind, abweicht: Aus ihm spricht die Leidenschaft, nicht die Vernunft.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der leidenschaftslose Mensch ist zu jenem Grad an Aufmerksamkeit unfähig, an den die Überlegenheit des Geistes geknüpft ist..
Helvetius, Vom Menschen

Der Leider behält das Land.

Der leider behelt das feld.

Der Leider überwindet den Streiter.
info] Geduld siegt

Der leidet an Blähungen.
info] Von einem aufgeblasenen Menschen, Dicktuer, Großmaul

Der leidet Pîn (Pein) und Schmerte grôt, de geren blêf und doch scheden môt.

Der Leihende findet mehr Tadel als Dank.
Estland

Der Leihende ist ein Freund, der Zurückfordernde ein Feind.
Estland

Der Leim hält (hielt) nicht.
en] The glue did not hold.

Der Leinsamen muss so dick gesäet werden, dass ihn der Ochse mit der Zunge auflecken kann.

Der Leinweber guckt zum Tuchmacher heraus.
Böhmen
info] Wenn man durch den zerrissenen Rock das Hemde sieht.

Der Leinweber schlachtet alle Jahr zwei Schwein, das eine ist gestohlen, das andere nicht sein.
info] Müller, Schneider, Weber waren früher in der öffentlichen Meinung nicht gut angeschrieben. Man meinte, sie nähmen es mit der Ehrlichkeit nicht sehr genau.

Der Leise hat des Leisen Streiche.
Estland

Der leitende Grundsatz der Stilistik soll sein, dass der Mensch nur einen Gedanken zur Zeit deutlich denken kann; daher ihm nicht zugemutet werden darf, dass er deren zwei oder gar mehrere auf einmal denke. Der Deutsche flicht aber seine Gedanken ineinander zu einer verschränkten und abermals verschränkten Periode: weil er sechs Sachen auf einmal sagen will, statt sie eine nach der anderen vorzubringen.
Schopenhauer

Der Leitstern deines Lebens sei: Treue und Ehrlichkeit. Hab' keinen Freund, der dein nicht würdig ist. Wo du gefehlt, verfehl nicht, dich zu bessern.
Konfuzius, Gespräche

Der Leitstern des Lebens sei: Treue und Ehrlichkeit.

Der Lektor las mein Buch mit seiner Konzeption. Seit dieser Zeit weiß ich, dass es Lektoren gibt, die ihr Buch von einem anderen geschrieben haben möchten, weil ihnen selbst zum Schreiben die Zeit oder die Begabung fehlt. Das ist schlimm - am schlimmsten für Junge. M. Scheer, Der Autor schreibt sein eigenes Buch

Der Lellenkönig. Basel
z] Ob selbigesmal noch der Lellenkönig am Tor fungirte, der von Rechtswegen allen Fremdlingen die Zunge zum Trotz herausstreckte, weiß ich nicht.. Seitdem haben ihn die Baseler abgeschafft und ich denke, es ist auch sonst nichts mehr vom Lellenkönig übrig geblieben. Denn wenn man einen Fremdling verachtet, so hat man einen Lellenkönig doch noch bei sich.

Der Lenz drickt (ihn) mechtig sehr.
info] Nämlich der Faul-lenz.

Der Lenz drückten gor.

Der Lenz hat ihn belegen.
Ostpreußen
info] Er ist träge geworden durch Hitze.

Der Lenz ist angekommen;
Habt ihr es nicht vernommen?
Vulpius(?), Lenzlied

Der Lenz ist feucht, der Sommer dürr, der Herbst weich, der Winter rauh.
info] Die Alten nannten den Lenz Risum Jovis, der 'Luft Gelächter.'

Der Lenz sticht ihn.
z] Den König David hat einmal der Lenz gestochen, deswegen er Nachmittag Langweil halber sich niedergelegt.

Der Lenz will ihm aufsitzen.
info] Spott schweizer Erntearbeiter über einen Genossen, der über Rückenschmerzen klagt. Man pflegt diese Klage aus Unlust zur Arbeit herzuleiten, und man nötigt nicht selten einen solchen Arbeiter, sich auf den Bauch zu legen und nach der Musik des Geigers von einem anderen Schnitter auf dem Rücken herumtanzen zulassen.

Der Leopard kämpft und kämpft, und dann leckt er (nur noch) den Lehm.
Jabo, Afrika

Der Leopard sagt: Die Dinge, die laufen, sind die, die wir fangen.
Jabo, Afrika
info] Man soll sich nicht unnötig bemerkbar machen

Der Lercheg'sang weckt di vom Winterschlaf. Bis wacker, füer Mist vff Feld und Acker.
Solothurn

Der lernt nichts, der nach seinem Kopf gelehrt werden will.

Der lernt nichts, der nach seinem Kopf will gelehrt werden.
info] Sowie der Kranke nicht zur Gesundheit gelangt, der nach seinem Gefallen will kuriert sein.

Der lernt nix, un wenn er so alt wird, wie Mesuschelach.
Jüdisch
info] Methuselah, der unter Adams Geschlecht am längsten gelegt hat und 969 Jahre alt geworden ist. 1. Mose 5,21
z] Denn am Tage, wo du davon issest, musst du sterben. 1. Mose 2,17
z] Denn tausend Jahre sind in deinen Augen, wie der Tag von gestern. Psalm 90,4

Der Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
Tucholsky, Schnipsel

Der Leser kennt nicht die Mühen des Verfassers.

Der Leser, wenn er irgend etwas Geschichtliches zur Hand nimmt, will es gern, für einige Zeit wenigstens, mit Wahrheit und Wirklichkeit vollkommen übereinstimmend ansehen. Gilt dies sogar von Roman und Gedicht, warum sollte es nicht von einer Lebensbeschreibung gelten?
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Memoiren Robert Guillemards

Der Leser.. bildet seinen Autor so gut wie der Autor den Leser, und einer muss des anderen wert sein, wenn sie nebeneinander gedeihen sollen.
Merck, an den Herausgeber des 'Teutschen Merkurs'

Der letscht' (letzte) hed no nid g'schosse.
Bern
info] Die Sache ist noch nicht zu Ende geführt, noch nicht entschieden, das letzte Mittel noch nicht verbraucht.

Der letzt ins Bett, der erst herauss.

Der letzt macht (schleusst) die Tür zu

Der letzt Mann nimmt die ehr einem anderen.
la] Rerum ab aliis gestarum postremus quispiam interveniens gloriam intercipit.

Der letzt muss den fuchs schleppen.

Der letzt muss herhalten.
nl] De laatste zal schijtebroek zijn.
la] Occupet extremum scabies.

Der letzt siht hinden nach.

Der letzt zahlt alls.
Luzern
ho] Die de laatste is, moet ramp hebben.

Der letzte Abdruck.
Das Verb »abtrucken« in diesem Sinne findet sich in Simplic., IV, 600.
la] Extremus vitae habitus.

Der letzte Abend ist noch nicht gekommen.

Der letzte Akt ist blutig, mag die Komödie im übrigen auch schön sein: man wirft zuletzt etwas Erde auf den Kopf - dann ist's für immer aus.
Pascal, Pensées

Der letzte Bart ist ihm abgenommen worden.

Der letzte Becher macht den ersten sieden.
dk]Det sidste begere faaer den förste kunds hed.

Der letzte Becher straft den Zecher.

Der letzte Becher straft den Zecher.
dk] Af det sidste begere kommer den foerste puust. Den som vil vaere den sidste i gilde-huuset am aflenen, bliver den förste i barsker-huuset om morgenen.

Der Letzte bekommt die Knochen.
Frankreich

Der letzte bekommt die Streiche.
fr] Au dernier les os.

Der letzte Betrug ist ärger, als der erste.

Der letzte Bissen ist im Topf.
Schottland

Der Letzte der Mohikaner.
info] Um den Schluss einer bestimmten Reihe anzuzeigen. Sprichwörtlich gewordener Titel eines Cooper'schen Romans. Man gebraucht dafür auch: 'Ich bin der Letzte meines Stammes,' aus Schiller's Tell

Der letzte Dezember schließt das Jahr.

Der letzte Diktator, der seine Muttersprache beherrschte, war Julius Cäsar.
Joseph Roth

Der letzte Entscheid über die Zukunft einer Gesellschaft liegt nicht in der größeren oder geringeren Vollendung ihrer Organisation, sondern in der größeren oder geringeren Wertigkeit ihrer Individuen.
Albert Schweitzer, Verfall und Wiederaufbau der Kultur

Der letzte Ernst der Dinge ist heiter. Sind sie nicht alle vergänglich und wunderbar in ihrer Einmaligkeit?
René Schickele, Genfer Reise

Der letzte esse mit den Gemalten an der Wand.

Der letzte Freier bekommt das Mädchen.

Der letzte Galgen ist ihm lieber als der erste.
nl] Hij hangt ook liever aan de laatste, dan aan de eerste galg.

Der letzte habe den schaden.

Der letzte Handel hebt alle frühern auf.
[RSpW]
info] Wie das spätere Gesetz das frühere außer Kraft setzt, so der nachfolgende Vertrag seine Vorgänger
dä] Thet vtaerst for takaer allae the thaefor warae. Jütland

Der letzte hat das Nachsehen.

Der letzte hat den Sack gestohlen.

Der letzte hat den Sack gestohlen.
info] Auf alle Fälle bekommt er die Schuld

Der letzte hat noch nicht geschoben (geschossen).
info] Die Sache ist noch nicht zu Ende, die Angelegenheit kann sich noch ändern. Noch kann man auf günstige Umstände hoffen, die der Sache eine ganz andere Wendung geben können.
la] Est nulli certum, cui pugna velit dare sertum.

Der letzte hat schon geschoben (geschossen).
Bayern
info] Die Sache ist zu Ende; o. es ist aus mit ihm.

Der Letzte hat zweimal Glück.
Estland

Der letzte Hund fängt bissweilen noch den Hasen.
dk] Den sidste hund fanger og ofte haren.
la] Praestat sero, quam non venire.

Der letzte im Sack ist der erste heraus.
Wendische Lausitz

Der letzte ins Bett, der erste heraus.

Der letzte Knecht macht gemeinlich den ersten fromm.

Der letzte Kreutzer macht den Gulden voll.
bm] Krejcar střeze kopy.

Der letzte kriegt die Knochen.
la] Sero venientibus ossa.

Der letzte Leib soll das Gut halten.
z] Dat letzte lyff sall dat guidt holten.

Der letzte macht die Tür zu.

Der Letzte macht die Türe zu.
[RSpW]
info] Ursprünglich ein Grundsatz des Erbrechts. Bezeichnet als altes Rechtssprichwort den Anfall des ehelichen Gesamtguts an den überlebenden Ehegatten.

Der letzte Mann wird ja nicht im Krieg erwartet.
Estland

Der letzte Mohikaner. J. F. Cooper, Romantitel, 1826 erschienen

Der letzte muss den Sack flicken.

Der Letzte muss herhalten.

Der letzte ritt (sitt) übel.

Der letzte Sand entrollt.
z] Selbst wenn der letzte Sand entrollt, der Kranke glaubt sich stets gesünder.

Der letzte schad wird immer ärger, denn der dritt.

Der letzte Schaden ist ärger als der erste.

Der letzte schließt die Tür.

Der letzte Schritt der Vernunft ist die Erkenntnis, dass es eine Unendlichkeit von Dingen gibt, die sie übersteigen. Sie ist nur schwach, wenn sie nicht bis zu dieser Erkenntnis vordringt.
Pascal, Gedanken

Der letzte sein ist nimmer gut.

Der letzte Sohn ist das Nestei.
Estland

Der letzte Strohhalm bricht dem Kamel den Rücken.
USA
en] The last straw breaks the camel's back.

Der letzte Tag ist der klügste.

Der letzte Tag ist der klügste.
nl] De laatste dag is de wijste.

Der letzte trägt die Buttermilch heim.

Der letzte Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen.
en] It is the last straw what breaks the camel's back.
fr] La dernière goutte est celle qui fait déborder le vase.
fr] Une goutte d'eau suffit pour fair déborder le vase.

Der letzte Tropfen hat's ihm getan.
info] Das letzte Glas hat seine Trunkenheit bewirkt.
ho] Het latste dropje heeft het hem gedaan.

Der letzte Trunk sei nun mit ganzer Seele
Als festlichhoher Gruß dem Morgen zugebracht!
Goethe (1749-1832), Faust I, Nacht (Faust) Vs 735

Der Letzte tut die Tür zu, in successione conjugum.
Halle 1741 [RSpW]
info] Von der Erbfolge der Ehegatten. Wo es im Gebrauch ist, hat es die Bedeutung, dass, wenn in den Ehepacten nicht etwas anderes festgesetzt worden ist, der überlebende Ehegatte mit Ausschliessung aller übrigen Verwandten, wenn keine Kinder vorhanden sind, der einzige Erbe des Verstorbenen wird.
en] He tat comes last, makes all fast.
fr] Le dernier ferme la porte, ou la laisse ouverte.
fr] Les derniers venus ferment les portes.
it] Chi resta di dietro, serri l'uscio.

Der letzte und sicherste Arzt ist Vetter Knochenmann; er heilt alle Krankheiten.

Der letzte Vers ist noch nicht gesungen.
info] Die Sache ist noch nicht ausgetragen, noch nicht endgültig entschieden.
la] Grammatici certant et adhuc sub judice lis est. Horaz

Der letzte Wille soll der kräftigste sein.
info] Die letzte testamentliche Bestimmung hebt entgegenstehende frühere auf.
z] Wo ein Recht über das andere gegeben wird, da muss das erste weichen.

Der letzte wird vom Wolfe gefressen.

Der letzte zahlt die Zeche.

Der Letztling sein.

Der Leuchtenträger muss vorangehen.

Der Leumund tötet den Mann.

Der Leute Freund, ihren Sünden feind.

Der Leute Gespött zerreisst dir kein Bett.

Der Leute Gesundheit ist der Ärzte Krankheit.

Der Leute Hochmut, stoltz und Zorn ist gemeiniglich größer denn ihr Macht.

Der Leute Kinder sind nicht deine eigenen.
Afrika

Der Leute Kinder sind nicht wie deine eigenen.
Surinam
info] Von der Behandlung der Stiefkinder.

Der Leute Mund kann Festungen sprengen.

Der Leute unordentliches (o. Übel-)Leben ist der Ärtzte Wohlleben.
la] Intemperantia est medicorum nutrix.

Der Leute Zanksucht und Trug ist der Advokaten Acker und Pflug.

Der Lewjussen (Leviathan) rührt sich.
info] Ein unbeholfener Mensch, welcher durch jede seiner Bewegungen Schaden anrichtet. Die Sage erzählt, der Leviathan sei ein Seeungeheuer, das den ganzen Ocean umschlingt und seinen Schwanz mit seinen Zähnen festhält. Würde er diesen loslassen, so müsste die ganze Welt davon überschwemmt werden.

Der Liberale ist ein Anbeter der Macht ohne Macht.
Orwell

Der Liberalismus .. ist die Weltanschauung derer, welche überallher geistige Güter zusammenschleppen und dies in dem guten Glauben tun, jene seien darum ihr Eigentum, weil sie in ihren Truhen und Schreinen liegen.
Lagarde, Die graue Internationale

Der Liberalismus gerät immer weiter, als seine Träger wollen.
Bismarck, im deutschen Reichstage, 29. 11. 1881

Der Liberalismus ist die äußerste Großmut; er ist das Recht, das die Majorität einräumt, und darum die edelste Losung, die auf dem Planeten erklungen ist. Er verkündet den Entschluss mit dem Feind, mehr noch: mit dem schwachen Feind zusammenzuleben.
Ortega y Gasset, Aufstand der Massen, Warum die Massen in alles eingreifen

Der Liberalismus ist weit eher eine tiefeingewurzelle Vorstellung vom Leben als eine Frage der Politik. Er ist der Glaube, dass jedes menschliche Wesen frei sein muss, um sein individuelles, unübertragbares Schicksal zu erfüllen.
Ortega y Gasset

Der Liberalismus und Individualismus wären die lebens- und naturnahesten Weltauffassungen, wenn sie nicht durch den Eigennutz missbraucht würden.
Fliegende Blätter

Der Lichtbogen im Morgennebel trinkt Nebel, aber der Regenbogen trinkt Wasser.

Der Lichtzieher möchte gern den Sonnenschein besteuern.

Der Lieb end ist leidt.

Der lieb freude wäret so lang als ein löffel von Brod.

Der Lieb Wunden kann allein heilen, der's macht.

Der lieb wunden kann allein heilen, ders macht.
la] Amoris vulnus idem qui facit sanat.

Der Liebe Ade sagen (gute Nacht geben).
fr] Briser ses chaînes (fers).

Der Liebe Blindheit heilt der Ehebund.

Der liebe Gott erhält uns alle, manche von uns aber verdammt knapp.

Der liebe Gott gießt einen Eimer aus und trommelt darauf.
info] In der Provinz Preußen beim Gewitterregen

Der liebe Gott hat den Menschen aufrecht geschaffen, und der Rum macht, dass er nicht aufstehen kann.
Jamaika

Der liebe Gott hat ein Einsehen gehabt.
info] Was einen gefährlicher Ausgang zu nehmen schien oder was recht einfältig angelegt war, ist wunderbar zum Glück ausgeschlagen.
la] Praevertit anchorae jactum deus.

Der liebe Gott hat ihn für eine feindliche Kanone angesehen.
info] Er ist vernagelt, ein sehr beschränkter Kopf.

Der liebe Gott hat 'n Narren an dem Kerl gefressen.
info] Wenn jemand ungewöhnliches Glück hat)

Der liebe Gott hat wunderliche Kostgänger.

Der liebe Gott kann, der Mensch redet.
Walisisch

Der liebe Gott könnte uns recht in Verlegenheit setzen, wenn er uns die Geheimnisse der Natur sämtlich offenbarte: wir wüßten vor Unteilnahme und Langeweile nicht, was wir anfangen sollten.
Goethe (1749-1832), Riemer, Juni 1818

Der liebe Gott lässt der Ziege den Schwanz nicht länger wachsen, als sie ihn braucht.
Oberlausitz

Der liebe Gott schenkts und der Teufel lenkts.
es] Dios lo da y el diablo lo guisará.

Der liebe Gott sieht alle Jahr einmal vom Himmel, wen er dann bei der Arbeit findet, der muss das ganze Jahr arbeiten, und wen er spazieren gehen sieht, der geht das ganze Jahr spazieren.
Braunschweig

Der liebe Gott sieht alles - die Nachbarschaft noch mehr.

Der liebe Gott straft nur die Dummen, die Klugen helfen sich selbst.

Der liebe Gott verlässt keinen treuen Bier- und Branntweintrinker.
Ostpreußen

Der liebe Gott wird seine liebe Not mit ihr haben, sagte der Bauer, als der Pfarrer ihn damit tröstete, dass er sie zu sich gerufen habe.

Der liebe Herr Sankt-Nikolaus wird fürder bescheren.

Der liebe Herrgott liebt die Hässlichkeit nicht. Jamaika

Der liebe Herrgott reicht schon wieder seinen Arm heraus.

Der Liebe ist kein Ding unmöglich.
mhd] Der minne ist niht unmügelîch.
fr] Amour ne craint ni péril ni mort.
it] Amore vince ogni cosa.
la] Nihil difficile amanti.

Der Liebe ist kein Weg zu weit.

Der Liebe ist kein Wind zu kalt.

Der Liebe leichte Schwingen trugen mich;
Kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren,
Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann.
Shakespeare (1564-1616), Romeo und Julia II, 2

Der Liebe Lust währt so lang als ein Löffel von Brot.

Der liebe maß ist, dass sie sein ohn alle maß.

Der Liebe Mund küsst auch den Hund.

Der Liebe Mund
Küßt auch den Hund.

Der Liebe Nacht ist Mittag.

Der liebe Niemand ist an allem schuld.

Der Liebe Pfeile treffen schnell.
z] Der minnen vier is sneller vele dan enich ghescot.

Der Liebe Sehnsucht fordert Gegenwart..
Goethe (1749-1832), Natürliche Tochter A III Sz 2 (Herzog) Vs 1307

Der liebe Sonntag kommt heran
Mit festlichem Geläute.
Gieseke, Lied

Der Liebe Spiel bedarf gar viel.

Der Liebe und dem Feuer muss man bei zeiten wehren.
fr] Il ne faut pas jouer avec le feu ni avec l'amour.
la] Flamma recens parva sparsa resedit aqua. Ovid

Der Liebe und dem Feuer muß man beizeiten wehren.

Der Liebe und dem Tode kann niemand entgehen.
dk] Kierlighed og døden kand ingen undgaae.

Der Liebe und des Glaubens Stärke zeigen sich im Werke.
it] L' amore e la fede, dall' opera si vede.

Der Liebe Wonne flieht des Lauschers Ohr,
Sie flieht des Strahles unbescheidnen Zeugen.
Schiller, Die Erwartung

Der Liebe Worte sind nicht allweg süß.
nl] De liefde heeft niet altijd aangename zaken te zeggen; zij is onafscheidelijk van de waarheid.

Der Liebe Wunden kann nur heilen, der (wer) sie schlug.

Der Liebe Wunden kann nur heilen, der sie schlug.

Der Liebe Wunden kann nur heilen, wer sie schlägt.
Publilius Syrus, Sentenzen

Der lieben Deutschen Völlerei, der Italiener Verräterei, der Spanier Dieberei sind unfehlbar alle drei.

Der Liebende befindet sich nicht da, wo er lebt, sondern wo er liebt.
England

Der Liebende ist wie ein Fisch, ist er nicht frisch, ist er schlecht.
la] Amator, quasi piscis, nequam est, nisi recens.

Der Liebende schenkt sich weg; der welcher geliebt werden will, möchte sich selber geschenkt bekommen.
Friedr. Nietzsche, Nachgelassene Fragmente

Der Liebenden Börse ist mit Spinnweben geknüpft.

Der Liebenden Grollen ist kurz wie Gewitterrollen.

Der Liebenden Streit die Liebe erneut.
Terenz, Andria

Der Liebenden Streit wärt nicht lange.

en] Lovers' quarrels are soon adjusted.

Der Liebesgenuss hat noch niemals Nutzen gebracht; man muss zufrieden sein, wenn er keinen Schaden angerichtet hat.
Epikur, Vatikanische Spruchsammlung

Der Liebeskuß verwundet die Nase. Assam, Indien

Der Liebeskuss verwundet die Nase.
Assam, Indien

Der Liebleller und Kapellan kann auch das heilige Öl anstreichen.
la] Illis, qui laborant in extremis.

Der lieblose Klaub-Raff-Saug-Trieb, der Nationalismus von heute, hat sich, dumm, brutal, hirnlos wie er ist, der Heimatliebe bemächtigt und redet verlogen durch dieses Mundstück.
Döblin, Über Heines 'Deutschland' und 'Atta Troll'

Der liebste Buhle, den ich han,
Der liegt beim Wirt im Keller;
Er hat ein hölzern Röcklin an
Und heißt der Muskateller.
Volkslied

Der liebste Mann, der lebendige.

Der liebt das Gift nicht, der es nötig hat.
So ich dich: ob sein Tod erwünscht mir schien,
Den Mörder hass ich, lieb' ermordet ihn.
Shakespeare (1564-1616), König Richard III., V, 5 (Bolingbroke)

Der liebt die Arbeit nicht, der nicht daran gewöhnt ist.
Walisisch

Der liebt mich auf die rechte Art, der mir den Bauch füllt.
England

Der liebt mich recht, der meinen Bauch füllt.
en] He loves me well, that makes my belly swell.

Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 843

Der liebt seinen Sohn, der ihn mit der Rute zurechtweist.
la] Diligit hic natum, virga qui corripit illum.

Der liebt sich selber schlecht, der gegen andere nicht gerecht.
pl] Kto siebie nie miłuje, ten i bliźniego nie miłuje.

Der liebt sonder Lust, trinkt sonder Durst, isset sonder Hunger, stirbet desto junger.

Der liebt wohl, der nicht vergisst.
fr] Bien aime, qui n'oublie.

Der liegt am närrischen Fieber, der meint, er sey geschickt und witzig genug, der doch nicht einmal der Weißheit Schulsack getragen.

Der liegt mir im Mågen wie 'r a Betschamel.
Wien
info] Liegt mir wie ein Betschemel im Magen, ist mir äußerst zuwider.

Der Liman (eine Bucht) gilt dem Narren vor dem Meere.
Russland

Der Limp und der Lamp finden einand' im ganzn Land. (Gleich und gleich gesellt sich gern)

Der Limp und der Lamp finden einand' im ganzn Land.
info] Gleich und gleich gesellt sich gern

Der lindert nicht die Not, der dem Hungernden gibt ein Hemd und dem Nackten ein Brot.

Der Lipp (Philipp), der Lipp hot d' Hosa geflickt, da draußen am a Roinle; er hat a gstumpets Kittele an, ma sieht'm seine Beinle.

Der Lippe muss flicke.
Oberösterreich
info] Der Apostel Philipp soll regnen, damit es auf den leeren Flecken in den Feldern nachwachse.

Der listig nutzt fremder müh.

Der listige Fuchs regiert die Stadt, in der der Wachhund fehlt.

Der listige Fuchs wird doch endlich unterm Arm zur Kirche getragen.

Der listige Fuchs wird doch endlich unterm Arm zur Kirche getragen.
fr] La peau du renard finit toujours par arriver à la boutique du pelletier. (Die Haut des Fuchses kommt schließlich immer in den Laden des Pelzhändlers.)

Der Listige kennt den Listigen.

Der Listige verachtet die Studien; der Schlichte bewundert sie und der Weise gebraucht sie.
Babington, Lord Macaulay, Kritische und historische Essays, Lord Byron

Der Litauer ist keinem Deutschen treu und wenn er bis Mittag schläft.

Der Litauer kommt mit einem Pferdezaum in der Hand zur Welt.
info] Der Litauer wird mit dem Zaum in der Hand geboren. Der ostpreussische Litauer gilt nicht nur für einen berüchtigten Pferdedieb, seine Liebe und seine Anhänglichkeit an sein Ross ähnelt auch der des Orientalen, seine Unzertrennlichkeit von demselben der des asiatischen Steppenbewohners. Selbstverständlich sind sie auch gute Reiter.

Der Litauer lässt seine Nicken nicht.

Der Litauer reitet in den Wald und kommt gefahren (zu Wagen) heraus.
Ostpreußen
info] Er soll durch dies Sprichwort die Gewohnheit der preussischen Litauer angezeigt werden, nach welcher sie ihr ganzes Fuhrwerk aus bloßem Holze selbst verfertigen, ohne dazu einen Schmied oder Geschirrmacher nötig zu haben. Da dies nun oft im Walde geschieht, und sie das fertige Fuhrwerk durch ihre Pferde herausführen, so ist das obige Sprichwort entstanden.

Der Literat. Er kämpft nicht mit Machtmitteln, sondern mit Argumenten. Seine Waffen sind sein persönliches Wissen, sein persönliches Können, seine persönliche Überzeugung. Er kann nur zur Geltung kommen durch seine Persönlichkeit. Vollste Freiheit für sie erscheint ihm als die erste Vorbedingung gedeihlichen Wirkens. Nur schwer fügt er sich einem Ganzen als dienendes Glied ein..
Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Der Literatur kommt ihrem Wesen zufolge keine aktive Bedeutung zu, sie beschränkt sich entweder darauf, vorauszusetzen, was getan werden müsse, oder sie stellt dar, was bereits getan wird und getan worden ist.. Somit ist die Literatur.. eine Hilfskraft, deren Bedeutung in der Propaganda besteht und deren Wert dadurch bestimmt wird, was sie propagiert und wie sie es tut.
Dobroljubow, Ein Lichtstrahl im finsteren Reich

Der Literaturkritiker soll aber nicht nur der Lehrer des Autors, sondern auch der Lehrer des Lesers sein.
F. Selbmann, an einen Literaturkritiker

Der Litzel ist los.
info] Verhüllung für Teufel.

Der Lobgesang der Menschheit, dem die Gottheit so gerne zuhören mag, ist niemals verstummt, und wir selbst fühlen ein göttliches Glück, wenn wir die durch alle Zeiten und Gegenden verteilten harmonischen Ausströmungen bald in einzelnen Stimmen, in einzelnen Chören, bald fugenweise, bald in einem herrlichen Vollgesang vernehmen.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. Lücke

Der lobt'n iwa'n grean Glê.
Niederösterreich
info] Er lobt ihn außerordentlich, wie man auch sagt: Über den Schellenkönig.

Der Löcher in die Kornsäcke machte, ist nun ein (Sitten-)Prediger geworden.

Der Löffel gumpet, wie er der Metzen wohlgefalle, und läuft ihr nach wie der Stier der Kuh.
info] Das Wort Löffel steht hier in dem schon im 17. Jahrhundert veralteten Sinne von buhlerischer Schöntuer, Mädchen- oder Schürzenjäger, verliebter Geck, und ist jetzt nur noch in Rotzlöffel = naseweiser, vordrängender junger Mensch hochdeutsch üblich, ist aber dasselbe Wort, das als Bezeichnung des Essgeräts bekannt ist, und eigentlich, wie es mittelhochdeutsch geschah, Leffel (althochdeutsch lefil) geschrieben werden sollte.

Der Löffel ist ihm entfallen.
info] Er ist gestorben.
z] Also entfiel dem Hauptmann >Wurst der Löffel.<

Der Löffel ist teuer während der Mahlzeit.
Estland

Der logen (Lügen) wert wohl radt, men hode sik vor der dath.

Der Logiker operiert, der Metaphysiker betrachtet.
Joubert, Gedanken und Maximen

Der logische Zusammenhang eines Systems und die Leichtigkeit, womit es recht viele Erscheinungen beantwortet, sei dir kein Zeichen seiner Richtigkeit, weil falsche oft dasselbe führen.
Jean Paul, Brief über die Philosophie

Der Lohn des Lichtanzünders: Er bekommt unter dem Laiusberg aus dem Pferdedreck ein Haferkorn zu gleichen Teilen mit dem Hahn.
Estland

Der Lohn eines Amtes ist das Amt selbst.
Lucius Annaeus Seneca

Der Lohn für den Freund der Wahrheit ist, dass man ihn aus der Stadt jagt.
Türkei
mhd] De de wârheit secht, de en kan nicht herbergen.
la] Cogitur esse foris, verum qui dicere curat.
mhd] De wahrheit alle tit spreken will, mot ok liden vorvolginge vil, mot ok vaken buten stan, wan de anderen in de herberge gan.
dä] Sandhed faaer ei gjerne herberg.
la] Veritati nusquam locus.
sd] Sanningen får intet gjärne härberge.

Der Lohn für die Tugend ist sie selbst.
USA
en] Virtue is its own reward.

Der Lohn ist das Mittel die überschüssige Arbeitskraft, welche sonst feiern oder sich nur unvollkommen verwerten würde, dahin zu lenken, wo sie im Interesse sowohl des Arbeiters als der Gesellschaft die beste Verwendung finden kann.
Ihering, Der Zweck im Recht

Der Lohn ist der Arbeit angemessen.

Der Lohn ist krank, wo man nur sagt: hab dank.

Der Lomp hat ein groß Maul, aber einen engen Schlund.
Afrika
info] Der Lomp ist ein dortiger Fisch

Der Lorbeer und der Hochmut sind gefährlich.
Chamisso, Sage von Alexandern

Der Lorbeerkranz ist, wo er dir erscheint,
Ein Zeichen mehr des Leidens als des Glücks.
Goethe (1749-1832), Tasso A III Sz 4 (Leonore) VS 2038f.

Der Lord lässt sich
Entschuldigen; er ist zu Schiff nach Frankreich.
Schiller, Maria Stuart, Schluss

Der Lorenz (10.8.) gibt das Feuer dem Wein, tut er es nicht, kommt nur Wasser hinein.

Der Lorenz (10.8.) zündet gärn a.
Solothurn
it] San Lorenzu la gran calura, Sant Antonia la gran friddura; l'una e l'autra pocu dura.

Der Lorenz (Sankt-Laurentiustag, 10.08) sêcht än de Bàch.

Der Lorenztag (10.8.) muss wie ein heißer Stein sein, soll im Herbste guter Wein sein.

Der Loser a der Tör verstôd alls hönderför.

Der Loser an der Wand
Hört seine eigne Schand.

Der lot se um 'n Pfennig a Loch ins Ohr stechen.

Der Löwe achtet keine Mückenstiche.
sd] Lejonet achter intet Loppebett.

Der Löwe beachtet die Mäuse nicht, aber die Mäuse hassen den Löwen.
Russland

Der Löwe erschrickt nicht, wenn auch ein Elefant über den Weg läuft.
mhd] Der lewe niemer sol verzagen, ob in die hasen wellent jagen.

Der Löwe fängt keine Fliegen.
sd] Lejonet fängar inga flugor.

Der Löwe fragte den Fuchs: Von wem hast du diese Art des Teilens gelernt? Der Fuchs antwortete: Von den Augen des Wolfes.

Der Löwe freut sich, wenn er die Ameisen in den Fresszangen hält, aber die Ameise schwebt in Todesängsten.
Abyssinien.
info] Hier der Ameisenlöwe.

Der Löwe fürchtet den Hahn.
Altgriechisch

Der Löwe fürchtet den Menschen nicht,
Wenn er ihn hört und sieht ihn nicht.
Freidank, Bescheidenheit

Der Löwe ist nicht immer so wild wie auf dem Bild.
es] No es tan bravo el léon como lo pintan.

Der Löwe ist nicht so grausam, als man ihn abmalt (schildert).
en] The lion's not half so fierce as he's painted.
fr] Le lion n'est pas si furieux qu'on le peint.
ho] De leeuw is zoo vreeselijk niet, als men hem schildert.
la] Leonem ex unguibus aestimare.
la] Minuunt praesentia famam.
sp] No es tan bravo el leon como le pintan.

Der Löwe ist zu einer großen Katze geworden.
info] So heruntergekommen ist er. Macht, Ansehen, Einfluss sind gesunken.

Der Löwe kümmert sich nicht darum, was die Katze von ihm denkt.

Der Löwe muss auf einmal ein ganzes Schaf haben.

Der Löwe nimmt lieber den Esel als den Fuchs in seine Dienste.

Der Löwe sagt wohl zum Lamm: Willkommen, aber nicht: Lebewohl.
dk] Løven hilser nok lammet velkommen, men ikke sit farvel.

Der Löwe sagte, 'ich werde deine Lämmer töten und du wirst dich an meine Anwesenheit erinnern.'
Bosnien

Der Löwe sei noch so fromm, er weiß, wo er die Zähne hat.

Der Löwe sieht sich nicht um, wenn ein Hündchen ihn ankläfft.
Rumänien

Der Löwe soll mich fressen, aber nicht der Fuchs.
Altgriechisch

Der Löwe stirbt eher Hungers, ehe er frisst, was der Hund übriglässt.
dk] Før döer löven af hunger, end han spiiser hundelevning.

Der Löwe stößt seine Jungen ins Tal hinab.
info] Um sie zu erproben

Der Löwe trachtet nicht nach Mäusen.

Der Löwe wird niemals übermütig, wenn man ihm Stroh vorlegt, sondern wenn er mit Fleisch gefüttert wird.
Talmud

Der Löwe wollt mit keinem Tier Bündnis machen als mit dem Schwein, darum, dass es seinem gesellen in gefahr treulich zuspringt.

Der Löwe zerreisst den nicht, der ihm einen Dorn aus dem Fuße gezogen.
z] Der Leu dem Menschen dankbar war, der ihm geheilt die kranke Pfote; das klingt jetzt vielen wunderbar und ist wohl auch nur Anekdote.

Der Löwe, der tötet, ist der, der nicht brüllt.
Bantu

Der Luchs ist ein Wanderer von einem Berg zum anderen.
info] Ein alter Jägerspruch, um die Lebensweise des Luchses zu charakterisieren, der sich wirklich, wie der Wolf, unstet, meilenweit und tagelang umhertreibt, aber immer gern wieder dahin zurückkehrt, wo er gute Beute und Deckung findet.

Der Luchs lässt nicht von der Tücke seiner Ahnen.

Der Lüge Beine sind schief unten.
Estland

Der Lüge des eigenen Kindes glaubt man mehr als der wahren Erzählung des Fremden.
Estland

Der Lüge ein Färblein geben.

Der Lüge ein Gewand antun.
la] Mendacio fucum addere.

Der Lüge kecke Zuversicht reisst hin,
Das Wunderbare findet Gunst und Glauben.
Schiller, Demetrius II, 1 (Hiob)

Der Lüge Mantel ist durchsichtig.
info] Sie verät sich selbst.
bm] Klamy jak sidla v mĕchu nedlouho se utají.
bm] Podvod a klam zradí se sam.
pl] Kłamstwo jak szydło w worze nie długo się zataji.

Der Lügen deck ist ein garn.

Der Lügenhafte hat sieben Freitage in der Woche.
Estland

Der Lügenhafte macht mehr mit seiner Zunge als mit seinem Verstand.
Estland

Der lügenhafte Minister zerstört die Regierung, die eifersüchtige Frau zerstört das Heim, ungleiche Anpflanzung zerstört das Land.

Der Lügenmantel ist durchsichtig.

Der Lügner bewegt sich im Freien, die Wahrheit steckt hinter Häusern.
Litauen

Der Lügner braucht ein gutes Gedächtnis.
tü] Yalancının hafızası kuvvetli olmalı.

Der Lügner bringt sich selbst in seiner Lüge um.

Der Lügner fängt sich selbst in seiner eigenen Lüge.

Der Lügner fängt sich selbst in seiner Lüge.

Der Lügner hat ein schweres Tagewerk.
z] Er muss stets Lug und Trug vereinen, wofür es keine Kitte gibt.'
la] Ingens labor mendacis, omnia fingere.

Der Lügner hofft vergeblich Treu und Glauben.
Goethe (1749-1832), Divan. Buch der Betrachtungen. Fünf Dinge

Der Lügner ist ein Betrüger.
la] Mendax est fur.

Der Lügner kommt durch die Lüge um.
bm] Lhář jen sám sobĕ skodí, at' ráno nebo pozdĕ.
un] Hamarébb úton érik a' hazugot, mint a' sánta kutyát.

Der Lügner muss ein gutes Gedächtnis haben.
en] A liar ought to have a good memory.
fr] Il faut qu'un menteur ait bonne mémoire.
sp] El mentir quiere memoria.

Der Lügner trägt des Teufels Livree.

Der Lügner trägt des Teufels Livrée.

Der Lügner und der Dieb wohnen unter einem Dache.

Der Lügner und der Dieb wohnen unter einem Dache.
en] Shew me a lair, and I'll shew you a thief.
fr] Un menteur est ordinairement larron.

Der Lügner und der Mörder sind Kinder desselben Dorfes.
Estland

Der Lügner verspricht Meere und Berge.
it] Il bugiardo promette mari e monti.

Der Lump gilt nichts, wo die Leute teuer sind.

Der Lump ist einer von denen, wo dreizehn auf ein Dutzend gehen.

Der Lumpen schimpft den Fetzen und beide sind zerrissen.
Tschechei

Der lust (lauscht) wie die Sau vor der Mühltür.
Rotttal

Der Lüste Teppich falte zu, zerreiß der Wünsche Flor.
Hafis, Ghaselen

Der lustige Bruder nimmt ein Weib, das heißt Armut, das Weib gebährt einen Sohn, der heißt Gespött (o. der lässt seinen Vater betteln gehen, bis er stirbt).

Der Lustlose zieht bei jeder Arbeit eine Flappe.

Der Lustspieldichter ist gleichsam nur ein hämischer Kontrolleur, der auf die Fehler seiner Mitbürger überall ein wachsames Auge hat und froh zu sein scheint, wenn er ihnen eins anhängen kann.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre II,4

Der Lutheraner und Calvinisten Götzen sind ihr heimlicher Neid, Ehrgeiz und Zanksucht.

Der luxuriöse Privataufwand eines großen Grundherrn verschafft gewöhnlich mehr Müßiggängern als fleißigen Leuten Nahrung, und der reiche Kaufherr unterhält zwar mit seinem Kapital nur fleißige, produktiv tätige Leute; aber mit seinem Privataufwand, d. h. in der Art, wie er sein Einkommen ausgibt, setzt er in der Regel dieselbe Sorte Menschen in Nahrung wie der große Grundherr.
Smith, Natur und Ursachen des Volkswohlstandes

Der Luxus der Armen ist ihr Hochmut.
Örkény, Katzen-Spiel

Der Luxus ist entweder die Folge des Reichtums oder macht ihn nötig; er verdirbt nicht nur den Reichen, sondern auch den Armen, jenen durch den Besitz, diesen durch Begehrlichkeit; er verwandelt das Vaterland in eine Stätte der Verweichlichung und der Eitelkeit..
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Der Luxus ist.. wahrhaftig eine der hauptsächlichen Äußerungen gesellschaftlicher Unsittlichkeit, doch durchaus nicht deswegen, weil er den Menschen verwöhnt, schwächt, seine Gedanken von erhabenen Ideen auf materielle Genüsse ablenkt usw. Ganz und gar nicht - er ist ein Anzeichen sozialer Unsittlichkeit, weil er auf jene traurige Lage der Gesellschaft hinweist, bei der Blut und Schweiß vieler Schaffenden für den Unterhalt eines einzelnen Schmarotzers vergossen werden müssen.
Dobroljubow, Die russische Zivilisation

Der Luxus saugt das Mark aus den Gebeinen und frisst zuletzt das Herz.
la] Luxus corpus conficit, animum multo magis.

Der Luxus steigert also unsere Fähigkeit zum Glück in dem Maß, wie er unsere Bedürfnisse vermehrt.
Goldsmith, Der Weltbürger

Der Luxus und die Leidenschaften, die zum Luxus führen, müssen dem Geist der Gemeinschaft und dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet sein.
Diderot, Luxus

Der Lydier hatte damit nichts zu schaffen, aber er zog hinaus und machte sich etwas zu schaffen.
Griechen
info] Von Krösus, dem Könige der Lydier, der sehr glücklich lebte, aber doch den Cyrus wider sich aufregte, von dem er besiegt wurde.
en] Much ado about nothing.
en] With the intelligent is good to keep company.
fr] Bien du vacarme pour peu de chose.
it] Assai pampani e poca uva.
it] Più parole, meno fatti.
it] Molto fama e poco arrosto.

Der lyrische Dichter dagegen soll irgendeinen Gegenstand, einen Zustand oder auch einen Hergang irgendeines bedeutenden Ereignisses dergestalt vortragen, dass der Hörer vollkommen Anteil daran nehme und, verstrickt durch einen solchen Vortrag, sich wie in einem Netze gefangen unmittelbar teilnehmend fühle. Und in diesem Sinne dürfen wir wohl die Lyrik die höchste Rhetorik nennen, die aber wegen der in einem Dichter kaum sich zusammenfindenden Eigenschaften höchst selten in dem Gebiete der Ästhetik hervortritt. Es schwebt uns kein Moderner vor, der diese Eigenschaften in so hohem Grade besessen als Manzoni.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur. Adelchi von Manzoni

Der lyrische Dichter muss namentlich jede Phrase, das bloß Überkommene vermeiden, jeder Ausdruck muss seine Wurzel im Gefühl oder der Phantasie des Dichters haben.
Storm (1817-1888), An Hartmuth Brinkmann, 10.12.1852

Der macht a G'sicht wêi der O'klopfer (Anklopfer) ba S'nt Séibald.
Nürnberg
info] Bezieht sich auf den bronzenen beweglichen Türgriff (Anklopfer) an der Brauttür der Sanct-Sebalduskirche in Nürnberg, der wegen seines fratzenhaften Gesichts sprichwörtlich geworden ist.

Der macht auch einmal eine dreckige Himmelfahrt.
info] Es wird mit ihm einmal ein schlimmes Ende nehmen

Der macht Augen wie ein g'stochner Bock.
Iglau

Der macht ein Gesicht, als wenn er Maikäfer gefrühstückt hätte.

Der macht ein Maul wie en Berd Röbben.
info] Wie eine Bürde Rüben, also ziemlich groß, und zwar infolge einer Beleidigung, Verdruss.

Der macht einen Buckel wie ein Els.

Der macht G'schichten, als wenn der groß' Hund sein Vetter wär'.
info] Bildet sich sehr viel ein

Der macht 'n Brei nicht dick.

Der macht Quinten.
info] Lächerliche, wilde Gebärden. In Preußen soviel als Finten oder arglistige Streiche spielen.

Der Macht, die diese Gesellschaft über den Menschen gewonnen hat, wird durch ihre Leistungsfähigkeit und Produktivität täglich Absolution erteilt.
Herbert Marcuse

Der Mächtige ist immer ungerecht und rachsüchtig.
Helvetius, Vom Geist

Der Mächtige steckt den andern in den Sack.

Der Mächtige unterdrückt die Menschen, der Mutige nimmt es mit Geistern auf.

Der mächtige Unterschied zwischen den englischen, richtiger chinesischen Gärten und den jetzt immer seltener werdenden, jedoch noch in einigen Prachtexemplaren vorhandenen altfranzösischen beruht im letzen Grunde darauf, dass jene im objektiven, diese im subjektiven Sinne angelegt sind. In jenen nämlich wird der Wille der Natur, wie er sich in Baum, Staude, Berg und Gewässer objektiviert, zu möglichst reinem Ausdruck dieser seiner Ideen, also seines eigenen Wesens gebracht. In den französischen Gärten hingegen spiegelt sich nur der Wille des Besitzers, welcher die Natur unterjocht hat.
Schopenhauer (1788-1860), Die Welt als Wille und Vorstellung II, Vereinzelte Bemerkungen über Naturschönheit

Der Mächtige, steht er allein, bricht bald zusammen oder erstarrt zur unmenschlichen Kälte der Bildsäule.
Arnold Zweig, Thomas Mann. Zum 40. Geburtstag

Der Mächtigere steckt den anderen in den Sack.
info] Von ungerechten Bedrückungen und Vergewaltigungen

Der Mächtigste soll sich am wenigsten erlauben.
J. v. Müller

Der mächtigste von allen
Herrschern ist der Augenblick.
Schiller, Gedichte, Die Gunst des Augenblicks (gedr. 1802). Melodie v. Joh. Friedr. Reichardt (1810)

Der macht's Kraut nicht fett.

Der macht's wie der ulmer Kuhhirt.
info] Der abdankte, bevor er abgedankt wurde.

Der mag bei Käse und Brot wohl leben, wem Gott Gesundheit hat gegeben.
la] Caseus et panis sunt optima fercula ganis; si non sunt sani, tunc hunc non iungito pani.

Der mag harnasch leiden.
info] Wohl um auszudrücken, dass jemand irgendetwas (widerwärtiges) gewohnt ist. Zur Verdeutschung des lateinischen Sprichworts: Incus maxima non metuit strepitus.

Der mag lieber nix tun als Bolla (. 's Tuoch) hüeta.
Oberschwaben
info] Bollen sind die an die Sonne zum Aufspringen in Blahen gelegten Leinsamenkapseln.

Der mag mit dem Kopfe in den Sack kriechen und mit dem Arsche sehen, wenn's Tag wird.
info] Diese Redensart wurde in der Oberlausitz auf einen jungen dummen Klugsprecher angewendet.

Der mag passieren, der in einer Sitzung so viel sauft als er wiegt.
z] Dann ich lass den passiren, welcher eins Sitzens so viel sauft alss er wigt.

Der mag sich krauen, den's juckt, wir haben eine glatte Haut.

der mag sich nicht erwehren,

Der mag wohl bleiben ein armer Mann, der seinen Nutzen nicht fördern kann.
la] Qui tacet ut mutus, raro fit munere tutus.

Der Magd Sonntag ist der Kühe stiller Freitag.

Der Magen (des Hungrigen) bildet sich ein, die Gurgel habe sich aufgehängt.
info] Wird von solchen gebraucht, die starken Hunger haben.

Der Magen belästigt den Armen mehr als den Reichen.
Estland

Der Magen borgt (wohl, aber) nicht lange.
info] Versprechen machen nicht satt
sd] Magen will intet borga.

Der Magen borgt nicht lange. (Versprechen machen nicht satt)

Der Magen der Waisen wird nicht satt Osmanien

Der Magen des Gierigen wird satt, aber seine Augen nicht.
Ottomanen
it] L'uomo avaro e l'occhio sono insaziabili.
la] Avarum irritat, non satiat pecunia.

Der Magen des Kindes ist blind.

Der Magen eines Fremden ist klein.
info] Er muss sich mit wenigem begnügen
Zulu

Der Magen eines Hungernden bildet sich ein, die Gurgel habe sich aufgehängt.

Der Magen findet oft, was der Kopf gesucht.

Der Magen fragt nicht, wie viel es geschlagen.

Der Magen hat bälder genug als die Augen.
Nürtingen

Der Magen hat kein Gewissen.
info] Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Der Magen hat keine Fenster.

Der Magen hat keine Fenster.
Albanien

Der Magen hat keinen Verstand, wenn man selbst keinen Verstand hat.
Estland

Der Magen hört zwar nicht auf Vorschriften, sondern fordert und mahnt, aber er ist kein lästiger Gläubiger und mit wenigem zufrieden, sofern du ihm das nur gibst, was er braucht, nicht das, was du geben kannst.
Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe

Der Magen ist der böseste Gutsvogt.
Estland

Der Magen ist der Gott der Welt.
Nordböhmen
info] Der Magen erscheint, wie andere Dinge auch, je nach dem Standpunkte und Zustande des Betrachtenden verschieden. Rossini z.B. hielt den Magen für den Kapellmeister, welcher das große Orchester unserer Leidenschaften regiert und in Tätigkeit setzt. 'Den leeren Magen', sagt er, 'versinnlicht der Fagott oder die Piccoloflöte, wie er vor Missvergnügen brummt oder vor Verlangen gellt; der volle Magen dagegen ist der Triangel des Vergnügens oder die Pauke der Freude.

Der Magen ist der Herr, du (bist) sein Knecht.
Estland

Der Magen ist der richtigste Zeitmesser. Die Magenuhr geht richtig.
Russland
la] Molestus interpellator venter.

Der Magen ist des Armen Kummer.
Estland

Der Magen ist die beste Uhr.
Serbien
fr] Au ventre tout y entre.
la] Alvus homini plurimum negotii exhibet.
pl] Głodnemu zawsze południe.

Der Magen ist die Werkstatt des Körpers.
Schweden

Der Magen ist ein böser Ratgeber.
Estland

Der Magen ist ein grimmig Thier.
bm] Zaludek je pouhé hovado.
bm] Zaludek není kůze ovčí (vlčí).

Der Magen ist ein großer Schalk und macht viel zu Schelmen.

Der Magen ist ein offener Schaden.

Der Magen ist ein reines Vieh.
Tschechien

Der Magen ist es, der den Menschen besitzt, der Rücken ist nur ein Name.
Jabo, Afrika

Der Magen ist kein Hund, den man neckt.
Estland

Der Magen ist kein Lette, den man betrügt.
Estland

Der Magen ist kein Spiegel.

Der Magen ist mir lausig.
Graz
info] Bei Übelkeit und Schwäche.

Der Magen ist mir näher als mein Schwäher.

Der Magen ist nie schwerer als wenn er am leichtesten ist.

Der Magen ist oft leicht zu füllen, aber die Augen sehr schwer.

Der Magen ist stärker als die Ohren; auch fette Lerchen fängt man.

Der Magen ist stets ein offener Schaden, macht den Menschen am meisten zu schaffen.
z] Ich sag's zuerst: wir müßen essen. Darum in unserer Sprache ist gleichklingend auch das Ist und Isst; drum reduciren alle Fragen sich auf den Magen; drum reimt sich alles Klagen und alles Jagen und alles Zagen, Behagen, Ertragen, Sagen und Schlagen, drum reimen sich alle Lagen auf den Magen. Glassbrenner, Reineke Fuchs

Der Magen ist voll, der Sinn fröhlich; was da fehlt, das hängt am Nagel (= ist vergessen).
Estland

Der Magen kann ja nicht darauf hören, was vor dem Mund getan wird.
Estland

Der Magen kann nicht sprechen.
Estland

Der Magen kennt seine Zeit besser als eine Uhr.
Estland

Der Magen krimmert mich gor.
nl] Mijne maag jeukt.

Der Magen lässt sich kein Schnippchen schlagen.

Der Magen lässt sich nicht mit Versprechungen abspeisen.
z] Die Vernunft muss Widerstand haben, aber den Magen hat Gott ohne Widerrede auf Sättigung angewiesen.
pt] A boca não admitte fiador.

Der Magen lässt sich nicht vergessen.

Der Magen läutet um elf Uhr Mittag.
la] Venter optimum est horologium.

Der Magen lehrt den Lappländer das Schießen.
Finnland

Der Magen leidet keinen Verschub.

Der Magen murrt über die Zähne.
Estland

Der Magen muss stark sein, der ein großes Glück verdauen kann.
Russland

Der Magen reibt, auch wenn man nicht die Karre treibt.

Der Magen spielt mit dem Darm Kaschlan (Solo).
info] Beim Hungrigen.

Der Magen stärkt das Herz und nicht das Herz den Magen.
es] Tripas llevan corazon, que no corazon tripas. Don Quixote

Der Magen steht schief.

Der Magen trägt die Füße und nicht die Füße den Magen.
pt] As tripas estejaõ cheias, que ellas levarão as pernas.
sp] Tripas llevan piés que no piés á tripas. Don Quixote

Der Magen und die Venus sind Zwillinge, ist jener satt und hat sich gelegt, so steht diese auf.

Der Magen verträgt keine harte Speise.
Estland

Der Magen wird eher gefüllt als die Augen.
dk] Han mætter bugen før øynene.
sd] Magen blir förr mätt än ögat.

Der Magen wird schon treiben.
Estland

Der Magen wird von einem Huhn gefüllt, aber das Auge nicht von einer Heerde Gänse.
Russland
en] Better fill a glutton's belly than his eye.
it] Più tosto si satolla il ventre che l'occhio.

Der Magnet ist ein Urphänomen, das man nur aussprechen darf, um es erklärt zu haben, dadurch wird es denn auch ein Symbol für alles Übrige, wofür wir keine Worte noch Namen zu suchen brauchen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 434

Der Magnetismus eines die Seele erfüllenden Interesses ist stark und geheimnisvoll. Unter Menschen wird es, ohne wissentliches Zutun seines Trägers, das Gespräch lenken, es unwiderstehlich in seine Sphäre ziehen.
Thomas Mann, Die Entstehung des Doktor Faustus

Der mähet ein Wies, da Gras gebrist.
info] Von unfruchtbarer, unnützer Arbeit.

Der Mahner muss nicht gleich den Beutel mitnehmen.
info] Die Zahlung einer Schuld pflegt in der Regel nicht so rasch zu erfolgen.

Der Mahner soll den Beutel nicht mitnehmen.

Der Mahner soll nicht gleich den Beutel mitnehmen.

Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, aber dem Magen keine Früchte.

Der Mai bringt der Rosen viel.

Der Mai ein Gärtner, viel Stroh und wenig Körner.
Venetien

Der Mai ein halbes Winterei.

Der Mai geht um Feuer betteln.
Basken

Der Mai hat die Schwalben in der Hand und Erik (18. Mai) den Kuckuck unter dem Arm.
Finnland
fr] Mai clair et venteux fait l'an plantureux.
ho] In de maand van Mei leggen alle vogeltjes een ei; behalwe de kwartel en de griet, die leggen in de mei maand niet.

Der Mai hat nicht seinesgleichen.
Lombardei
ho] Met de maand van Mei blijft geen koebeest uit de wei.

Der Mai is ön Habarn sei' Winda.
Oberösterreich

Der Mai ist der schönste Monat.
Mailand

Der Mai ist gekommen,
Die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat,
Mit Sorgen zu Haus.
E. Geibel, Lieder als Intermezzo XXXII, Str. 1

Der Mai ist selten so gut, er bringt dem Zaunpfahl einen Hut (von Schnee).
info] Der Mai lässt sich zwar Wonnemond nennen, er spielt aber oft noch einen recht empfindlichen Nachwinter

Der Mai ist so verwegen und setzet noch ein Schneechen.
Nassau

Der Mai ist wie der vergangene November.

Der Mai Kohlbauer ist nicht Weinbauer.
Portugal

Der Mai kommt gezogen, wie der November verflogen.

Der Mai kühl, der Brachmond nass, die füllen Scheunen und Fass.
ndt] Der Meie chüel, der Brachmonat nass, füllt Spîcher und Fass. Solothurn
la] Majus frigidiusculus, non frigidus amatur.

Der Mai lässt den Pflug hinei.

Der Mai lockt ins Frei'.
info] Die Engländer nennen den Monat den lustigen (the merry month of May).

Der Mai muess sein kuehl und koi.
Neresheim

Der Mai nicht zu trocken bringt Korn und Wein, der Mai aber feucht bringt der Frauen Lein.
it] Maggio asciutto ma non tutto, gran per tutto; maggio molle lin per le donne.

Der Mai, zum Wonnemonat erkoren, hat den Reif noch hinter den Ohren.

Der Maikäfer Menge bedeutet der Schnitter Gedränge.
Westpreussen

Der Main ist hoch entsprossen, lang genossen, viel verflossen.
z] Die Berge triefen mit Wein, die Hügel fließen mit Milch, die Anger sind voll Schafe, die Wälder voll Wild, und der geflügelte Mercurius kann vermittels dieses edeln Stromes alle necessaria herbeibringen.

Der Makellose verkenne das Laster nicht, auch wenn es sich in Gold und Seide kleide: Ja, es wird bisweilen eine goldene Krone tragen, deshalb aber doch nicht weniger verwerflich sein.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der Maler darf also nur einigermaßen Künstler sein, so findet er schon ein größeres Publikum als der Musiker, der auf, gleichem Grade stünde, wenigstens kann der geringere Maler immer für sich operieren, anstatt dass der mindere Musiker sich mit anderen soziieren muss, um durch gesellige Leistung einigen Effekt zu tun.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 491

Der Maler geht herum.

Der Maler kennt die Farben am besten.

Der Maler malt eigentlich mit dem Auge; seine Kunst ist die Kunst, regelmäßig und schön zu sehen.
Novalis, Fragmente

Der Maler malt, wie man ihn bezahlt.
z] Er malt den Jakob, wie er liegt, den Abraham, wie er steht, den Hiob, wie er sitzt, den Moses, wie er kniet, den Lot, wie er trinkt, den Esau, wie er isst, die Sara, wie sie lacht, den Peter, wie er weint, den Absalon, wie er hangt, den Elias, wie er fährt, den Bileam, wie er reit't, den reichen Prasser, wie ihn der Teufel holt. Der Maler macht Adler und Gimpel in der Luft, Pferd und Esel auf Erden, Hecht und Stockfisch im Wasser, Teufel und Engel an die Wand, Doctoren und Narren unters Fenster. Abraham a Sancta Clara

Der Maler reibe seine Farben und der Schnitter binde seine Garben.
info] Jeder treibe seinen Beruf!

Der Maler verleiht der Gestalt Seele, der Dichter dem Gefühl und Gedanken Gestalt.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Der Maler, wenn er aus dem mehr oder weniger Manierierten sich durch eigene Anschauung der Wirklichkeit retten will, hat den doppelten Weg, die Nachahmung der Natur oder die Nachbildung schon vorhandener Kunstwerke.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15. Kunst und Altertum. Heidelberg

Der Mälzer zeucht den bauern den rock aus, der Gerber dem schuster.

Der Manager ist die Krone der Erschöpfung.
Fliegende Blätter

Der Mandarin ergreift für den Mandarin Partei, das Volk ergreift für das Volk Partei, und der Kriegsgott Guanyu ergreift für die Leute aus Buzhou Partei.
info] Guanyu war Feldherr in der Zeit der Drei Reiche (220 - 280), wurde nach seinem Tode als Kriegsgott verehrt. Er stammte aus dem Distrikt Buzhou

Der Mangel an äußeren Verhältnissen und Verbindungen, ja die Langeweile ist demjenigen günstig, der manches zu verarbeiten hat.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 14.10.1797

Der Mangel an Erfahrung aber liefert das Leben dem Zufall aus.
Aristoteles, Älteste Metaphysik

Der Mangel an jener Strebsamkeit nach außen hin, das Hängen an einsamem Sinnen, das Versenken in sich selbst ist auch nicht immer reines Metall ohne Schlacken. Es entspringt oft aus Apathie, aus Hang zum Müßiggange, und ist oft mehr ein weiches Träumen als ein fruchtbares Nachdenken.
W. v. Humboldt (1767-1835), Briefe an eine Freundin, 12. 1. 1834

Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.
Kant

Der Mangel erst gibt den Dingen ihren Wert.
Petrarca, an Francesco Nelli in Florenz

Der Mangel guckt dort zu allen Fenstern heraus.
z] So stutzen wir auch nicht in einem seidenen Kleide, der Mangel guckt bei uns zu allen Fenstern raus.

Der Mangel ist ein Fluch,
Er reisst, ein schlimmer Lehrer, uns zum Bösen fort.
Euripides, Elektra, 378/79

Der Mangel macht uns jeder Sünd' ergeben..
Shakespeare (1564-1616), Die beiden Veroneser

Der Mangel mag dem Fleiß einmal ins Fenster schaun,
Doch zu der Tür herein darf er sich nicht getraun.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Der Mann - die Hölle, die Frau - der Teufel, die armen Kinder in Not.
Estland

Der Mann (gehört) in den Rat, die Frau ins Bad.

Der Mann (gehört) in den Rat,
Die Frau ins Bad.

Der Mann allein ist würdig großer Ahnen,
Der wagt, auf ihre Schulter sich zu heben,
Kühn auszuschreiten kühn gebroch'ne Bahnen.
Frz. Freiherr von Dingelstedt, Gedichte (1877)

Der Mann an (einen) Vogel, der Schneider ane (eine) Gans.
Hirschberg

Der Mann an Vogel, sagte der Knecht und nahm sich aus einer Schüssel mit gebratenen Staren die in der Mitte liegende Taube.
Oberlausitz

Der Mann auf der Hochzeit, das Pferd in der Hölle.
Estland

Der Mann auf der Straße, einfach überrollt.
Alexander Eilers

Der Mann aus Kose wird nicht in der Kirche ankommen.
Estland

Der Mann aus Vigala (Vigala ist ein Kirchspiel im Kreise Wiek in Estland) ist der letzte Verruchte, er hat eine spitze Pelzmütze.
Estland (Ein Wortspiel im Estnischen)

Der Mann aus Vigala ist der letzte Verruchte, er hat eine spitze Pelzmütze.
Estland
info] Ein Wortspiel im Estnischen. Vigala ist ein Kirchspiel im Kreise Wiek in Estland)

Der Mann bedeutet den Ewigkeitswert des Augenblicks, die Frau die Unendlichkeit des Ablaufs der Geschlechter.
Gertrud von Le Fort, Die Frau in der Zeit

Der Mann befiehlt, und die Frau macht, wozu sie Lust hat.

Der Mann bekommt eine Frau, aber die Kinder bekommen keine Mutter.
Estland

Der Mann bekommt immer eine Frau: Stirbt die erste, bekommt er eine zweite.
Estland

Der Mann berät den Mann, die Frau verleitet die Frau.
Estland

Der Mann beweint so lange seine verstorbene Frau, bis der vom Feuer genommene Breikessel auf dem Fußboden (weiter)kocht.
Estland

Der Mann bläst die Flöte, aber die Frau stirbt vor Hunger.
Estland

Der Mann bleib' auf der Kanzelei und das Weib treibe die Kocherei.

Der Mann bleibt allweg das Haupt und die Frau sein Hut.

Der Mann bleibt der Frau ebenso ein Geheimnis wie die Frau dem Manne. Wenn dem nicht so wäre, so wäre die Verschiedenheit der Geschlechter ja überflüssig und eine Kraftvergeudung der Natur.
Tagore, Das Heim und die Welt

Der Mann bleibt immer (o. allweg) das Haupt und die Frau sein Hut.

Der Mann braucht zum vollkommenen Glück einen zuverlässigen Freund, die Frau eine zuverlässige Feindin.
Tennessee Williams

Der Mann bricht nicht das Wort, das seinen Mund verlassen hat.

Der Mann bringt alles, was in ihm und für ihn ist, auf deutliche Begriffe .. Das Weib hat ein natürliches Unterscheidungsgefühl für das Wahre, Schickliche, Gute; nicht etwa dass ihr dasselbe durch das bloße Gefühl gegeben werde .. Man kann sagen, der Mann muss sich erst vernünftig machen; aber das Weib ist schon von Natur vernünftig.
Johann Gottlieb Fichte

Der Mann bringt herein, und die Frau verwahrt.

Der Mann darf das Sinnliche in vernünftiger Form, die Frau das Vernünftige in sinnlicher Form begehren. Das Beiwesen des Mannes ist das Hauptwesen der Frau.
Novalis, Fragmente

Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.
Paulus

Der Mann denkt beim Anfang schon an das Ende. Die Frau erinnert sich am Ende noch an den Anfang.
Fliegende Blätter

Der Mann denkt er weiß, aber die Frau weiß besser.

Der Mann denkt und spricht, die Frau spricht und denkt nicht.
Estland

Der Mann denkt, die Frau lenkt.

Der Mann denkt, er weiß, aber die Frau weiß es besser.
Hindi, Indien

Der Mann der Mutter ist nicht immer des Kindes Vater.

Der Mann des Aufschubs schärft seine Pfeile, wenn er den Eber sieht.
Japan

Der Mann des Weibes Schutz und Hort,
Das Weib des Mannes Zier,
So schwingen beide fort und fort
Der Freude bunt Panier!
Freiligrath, Köln und der Rhein

Der Mann ehrt das Amt, nicht das Amt den Mann.
pl] Nie urząd męża, ale mąż urząd zdobić ma.
sd] Mannen pryder rummet.
sd] Personen heedrar Ambetet.

Der Mann ehrt den Platz.

Der Mann ehrt nicht den Rock, sondern der Rock ehrt den Mann.
Estland

Der Mann ehrt sich gar schlecht, der ist des Weibes Knecht.
la] Non sane convenit ut Hercules Omphalae serviat.

Der Mann einen Vogel, der Bauer (der Schneider) eine Gans.
nl] De man een vogeltje, en den boer eene gans.

Der Mann einen Vogel, die Frau einen Sperling.

Der Mann erfährt es allzeit am letzten, was geschehen ist.

Der Mann erkennt schon seinen Mann.
Estland

Der Mann erlebt das Schicksal und begreift die Kausalität, die Logik des Gewordenen nach Ursache und Wirkung. Das Weib ist Schicksal, ist Zeit, ist die organische Logik des Werdens selbst.. Der Mann macht Geschichte, das Weib ist Geschichte. In geheimnisvoller Weise enthüllt sich hier ein doppelter Sinn alles lebendigen Geschehens: es ist kosmisches Dahinströmen an sich, und dann doch wieder die Reihenfolge der Mikrokosmen selbst, die das Strömen in sich faßt, schützt und erhält.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes, Der Staat

Der Mann erlebt das Schicksal und begreift die Kausalität, die Logik des Gewordenen nach Ursache und Wirkung. Das Weib ist Schicksal, ist Zeit, ist die organische Logik des Werdens selbst.
Oswald Spengler

Der Mann ernährt nicht die Arbeit, die Arbeit ernährt den Mann.
Estland

Der Mann erträgt des Mannes Schlag.
Estland

Der Mann erträgt die Ehe aus Liebe zur Frau. Die Frau erträgt den Mann aus Liebe zur Ehe.
Gabriel Laub

Der Mann erwirbt das Vermögen, die Frau erhält es.
Bergamo

Der Mann fährt's auf Wagen ins Haus, die Frau trägt's in der Schürze hinaus.

Der Mann fängt wohl die Robbe, aber die Robbe fängt auch den Mann.
Estland

Der Mann fiel von der Eiche herab und ruhte aus.
info] Wenn der Gast sich beeilt, nach Hause zu kommen; er soll dadurch zu längerem Verweilen bestimmt werden.

Der Mann findet leicht wieder eine Frau, die Kinder (aber) nie wieder eine Mutter.
bm] Zena muzi zas se můz naroditi, matka nikdy.
pl] Zona męzowi moze się urodzić, a matka juz nie.

Der Mann findet nur Vergnügen bei seiner ersten Frau.

Der Mann fragt Bücher, Freunde, Welterfahrung;
Das Weib vernimmt des Herzens Offenbarung.
Geibel, Neue Mann und Weib

Der Mann führt das Regiment im Haus; aber was die Frau will, muss geschehen.
en] As the good man saith, so say we, but as the good woman saith, so it must be.

Der Mann füttert den Hund nicht dann, wenn er auf die Jagd geht.
Estland

Der Mann gehört in den Rat, die Frau ins Bad.

Der Mann geht auf den Weg (und) nimmt das Grab auf den Hals (d. i schwebt in Lebensgefahr), die Frau geht in die Ecke (= die Frau gebärt) (und) nimmt das Grab auf den Hals.
Estland

Der Mann geht in Geschäften aus, die Frau zu Schmaus.

Der Mann geht zum Erbe, das Weib davon.
[RSpW]
info] Bespricht die Bevorzugung des Mannes vor der Frau im Erbrecht und in Bezug auf liegende Güter. Es ist wohl skandinavischen Ursprungs: Tha gangen hatt er til ok huva fram.

Der Mann glaubt an des Mannes Not, die Frau treibt die Frau in den. Streit.
Estland

Der Mann glaubt zu wissen, aber die Frau weiß es besser.
China

Der Mann hält sich durch Mut.

Der Mann hat anderes zu tun als der Jüngling.
Francesco Petrarca, Petrarca über sich selbst

Der Mann hat Augen, um zu sehen, die Frau, um gesehen zu werden.

Der Mann hat die Jahre in den Knochen, die Frau im Gesicht.

Der Mann hat einen Namen.
nl] Het zijn mannen van naam.

Der Mann hat einen Rock bekommen, der Rock hat ja nicht einen Mann bekommen.
Estland

Der Mann hat einer Frau Kopf, die Frau eines Schafes Kopf.
Estland

Der Mann hat eines Mannes Herz.
Estland

Der Mann hat freien Mut,
Der gern tut, was er tut.
Thomasin von Zirclaere, Der welsche Gast

Der Mann hat hauptsächlich deshalb einen Kopf, damit eine Frau ihn verdrehen kann.
Jacques Prevert

Der Mann hat keine Freude,
Wenn ihm das Weib nicht gern zu Willen ist.
Aristophanes (um 445 - 386 v. Chr.), Lysistrate

Der Mann hat keinen Verstand im Kopf, der Junge keinen halben Verstand.
Estland

Der Mann hat Mut, der Mann hält Stich.
Wen hat der Mann wohl hinter sich?
In diesem Kampf das Beste:
Ein Rückgrat grad und feste.
- Und vor sich eine weiße Weste.
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Der Mann hat Recht, der muss einen Schnaps kriegen.

Der Mann hat sein Ziel und das Weib seinen Sinn.
Christian Morgenstern, Psychologisches

Der Mann hat seinen Willen - aber die Frau setzt sich durch.
Oliver Wendell Holmes

Der Mann hat Zeit genug, sich eine Frau zu wählen.
Finnland

Der Mann hätte nichts zu verlieren, wenn er darauf verzichtete, die Frau als Symbol zu verkleiden, ganz im Gegenteil.
Sprüche der Weisen

Der Mann heiratet, wann er will, die Frau, wann sie kann.

Der Mann herrscht über seine Frau, der Pastor über seine Gemeinde und der Kaiser über das ganze Reich.
Finnland

Der Mann herrscht über seine Frau, der Pfarrer über seine Gemeinde, der Kaiser über das Reich.

Der Mann hinaus, die Frau ins Haus.

Der Mann im Mond hat das Holz gestohlen.
info] Es dürfte schwerlich einen Volksstamm auf der Erde geben, der nicht an die Flecken im Monde eine Sage knüpfte. Unerklärt ist es noch, warum der Mond von verschiedenen Völkern mit den Hasen in Beziehung gesetzt ist. Die hottentottische Namaquahorde verehrt den Mann im Monde als ein höheres Wesen, und vermeidet den Genuss des Hasenfleisches, weil ihnen dies Tier geheiligt erscheint. In der 13. Fabel des indischen Hitopadesa gibt sich ein Hase vor dem Elefanten für den Botschafter des Mondes aus und sagt, dass der Mond in seiner Scheibe den Hasen als Wappentier trage. In Indien heißt der Mond wirklich Hasenträger. Doch vergleicht man die Mondflecken dort auch mit einem Reh und nennt den Mond danach auch Rehträger. In Siam erblickt man in der Mondscheibe bald einen Hasen, bald ein altes Ehepaar, einen Großvater und eine Großmutter, welche die Felder im Monde bestellen. Buddha hat den Buchstaben Om darin erkannt. Die Japanesen dagegen erblicken ein Kaninchen, das in einem Mörser Reiskörner stößt. Die mongolischen Buräten sehen in den Umrissen auf der Mondscheibe ein von ihrer Mutter verwünschtes Mädchen, das in der einen Hand einen Blätterbüschel hält, während es im anderen Arme einen Wasserkrug trägt. Auf Samoa, der großen Schifferinsel, erblickt man darin eine Frau mit ihren Kindern, ihrem Hammer und Klopfbrett, die der Mond, den sie beleidigt, von der Erde weggenommen hat. Auf Rarotonga, einer Insel der Cooksgruppe, 200 deutsche Meilen von jener entfernt, wird erzählt, dass eine Göttin einen Knaben geboren, den zwei Götter als Sohn beanspruchten und der daher getheilt werden musste. Der Gott, welcher die Kopfhälfte erhielt, schleuderte sie in den Himmel, und es wurde die Sonne daraus; der andere warf die Beinhälfte in den Wald, wo sie lange lag, bis sie der Sonnengott erhielt, auch in den Himmel warf, wodurch der Mond entstand. Die dunkeln Flecken zeigen die Verwesung an, von der das Fleisch bereits angegriffen war. Die Potewatami, ein Indianerstamm im jetzigen Iowa, sahen im Mond ein Weib sitzen und einen Korb flechten, mit dessen Vollendung die Welt untergehen müße, wenn nicht während der Verfinsterung desselben ein Hund mit dem Weibe kämpfe und den Korb zerreiße. Die Inca-Peruaner erklären die Mondflecken dadurch, dass sich eine Dirne in den Mond verliebte; als sie ihn aber anfasste, schloss er sie in seine Arme und hält sie noch fest. Shakespeare (Sommernachtstraum, V, 1 und Sturm, I2) spielt auf eine alte Sage an, von einem Bauer, der Holz gestohlen hat, der im Monde einen Dornbusch trägt und auf den sich der Vers bezieht: Rusticus in luna quem sarcina deprimit una, monstrat per spinas, nulli prodesse rapinas. Noch älter als diese Sage, die sich schon im 12. Jahrhundert findet, ist eine altnordische, nach welcher Mani (der Mond) den Eltern zwei Kinder, die Wasser geschöpft hatten, stahl und mit sich in den Himmel trug.

Der Mann im Mond trinkt Rotwein.
England

Der Mann im Monde hat das Holz gestohlen.

Der Mann in Stiefeln kennt den Mann in Bastschuhen nicht.
nl] De man in laarzen kent den man in schoenen niet.

Der Mann in Stiefeln kennt den Mann in Schuhen nicht.
England

Der Mann is des Weiwes Haupt un de Frau de Nachtmitz drauf.

Der mann ist aller ehren werd, der all ding zum besten kert.

Der Mann ist aller Ehren wert, der alle Dinge zum Besten kehrt.

Der Mann ist alles Lobes wert, der gutem Rat folgt unbeschwert.

Der Mann ist am besten gekleidet, dessen Kleidung niemand bemerkt.
England

Der mann ist an das schwert gebunden.
Luther

Der Mann ist April, wenn er Frauen kürt; Dezember, wenn er sie heimgeführt.
it] Gli uomini sono Aprile quando fanno all' amore, Decembre quando hanno sposato.

Der Mann ist April, wenn er verliebt, und Dezember, wenn er verheiratet ist.
Schottland

Der Mann ist berechtigt, in einer Nacht hinter neun Türen zu gehen, bis er endlich die richtige Tür auffindet.
Estland

Der Mann ist bis zum Tode ein Bulle.
Estland

Der Mann ist blutarm, hat gar nichts als Läus und die sind krank.
Oberschwaben

Der Mann ist dann am ärmsten, wenn die Kinder Rotz zum Brot essen.
Nürnberg
info] Wenn nämlich seine Kinder noch so klein sind, dass sie bloß Opfer erfordern, ohne sie durch irgendeine kleine Hilfsleistung vergelten zu können.

Der Mann ist das (von) Feuer, das Weib das (von) Werch und der Teufel der Wind, der bläst.

Der Mann ist das Feuer, die Frau der Zunder (o. das Werg), dann kommt der Teufel und bläst (die Flamme an).
es] El hombre es el fuego, la mujer la estopa, viene el diablo y sopla.

Der Mann ist das Feuer, die Frau der Zunder, dann kommt der Teufel und bläst.
sp] El hombre es el fuego, la mujer la estopa, viene el diablo y sopla.

Der Mann ist das Feuer, die Frau ist die Hede.
Estland

Der Mann ist das Hapßt und das Weib die Korne, sagte die Großmutterr.

Der Mann ist das Haupt der Familie, und die Frau ist der Hut darauf.

Der Mann ist das Haupt der Frau.

Der Mann ist das Haupt des Weibes und das Weib die Krone des Hauses.

Der Mann ist das Haupt und die Frau der Nacken, mit dem es sich dreht.

Der Mann ist das Haupt und die Frau die Krone.
info] Das letztere setzen die Frauen hinzu, wenn die Männer das erste behaupten. Man bedient sich aber auch des ganzen Satzes, wenn ein Mann seine Frau schmäht, um zu sagen: Wenn ein Mann seine Frau schände, so schände er sich selbst.

Der Mann ist das Haupt und die Frau sein Leib.

Der Mann ist das Haupt und die Frau sein Leib.
dk] Manden skal være hoveder, quinden hiertet.

Der Mann ist das Haupt, die Frau aber die Krone.

Der Mann ist das Haupt, die Frau sein Hut.

Der Mann ist das Haupt, on de Fru öss et Klutke, dat sött bawe drop.

Der Mann ist das Paradies der Frauen.

Der Mann ist der Baum, die gute Frau seine Krone.

Der Mann ist der Fels, auf dem die Zeit ruht, die Frau ist der Strom, der sie weiterträgt.
Gertrud von Le Fort, Die Frau in der Zeit

Der Mann ist der Frau Haupt.
Estland

Der Mann ist der Frauen Meister.

Der Mann ist der Frauen Meister.
info] Gesetzlicher Vormund: 'Der man is der frawen maister.'

Der Mann ist der Herr des Hauses. Im Hause soll aber nur die Frau herrschen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Mann ist der Kopf und die Frau der Hut.
Schweden

Der Mann ist der Kopf, aber die Frau dreht ihn.
en] Man is the head, but woman turns it.

Der Mann ist der Kopf, aber die Frau verdreht ihn.
USA
en] Man is the head, but woman turns it.

Der Mann ist der letzte im Haus, der erfährt, was man (was die Frau) trägt zur Hintertür 'naus.
en] The good man is the last, who knows, what's amiss at home.
la] Dedecus ille domus sciet ultimus.

Der Mann ist des Weibes Haupt und die Frau die Nachtmütze darauf.

Der Mann ist des Weibes Haupt.
1 Kor. 11, 3
mhd] Der mân ist ein houpt des wibes.
fr] L'homme est l'âme de la maison.
la] Caput mulieris vir.

Der Mann ist des Weibes Vogt und Meister.

Der Mann ist des Weibes Vogt und Meister.
z] Da ist davon gesetzet, daz der man des wîbes voget ist und ir maister.
mhd] Der man is sines wibes vogtt und ir meister.

Der Mann ist des Weibes Vormund zu Hand, da sie ihm angetraut wird.

Der Mann ist des Weibes Vormund zur Hand, da sie ihm angetrauet wird.
info] Von dem Augenblicke an, da sie in gesetzliche Ehe mit ihm eingetreten ist, steht sie unter ihm.
mhd] Die man is vormunde sînes wîbes, to hant als sie imme getrüwet werd.

Der Mann ist die Seele seines Hauses.
fr] L'homme fait la couronne.

Der Mann ist die Sonne, das Weib der Mond; der Mann regiert bei Tage, das Weib bei der Nacht.

Der Mann ist die untere Schale, die Frau die obere Schale (der Muschel).
Estland

Der Mann ist ehrenwert, der alle Dinge zum besten kehrt.

Der Mann ist ehrenwert, der sein Geld in Ruh' verzehrt.

Der Mann ist ehrenwert,
Der alle Dinge zum Besten kehrt.

Der Mann ist eifersüchtig, wenn er liebt, die Frau, auch ohne dass sie liebt, weil so viel Liebhaber, als von anderen Frauen gewonnen worden, doch ihrem Kreise der Anbeter verloren sind.
Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Der Mann ist eifersüchtig, wenn er liebt, die Frau, ohne dass sie liebt.
Immanuel Kant

Der Mann ist ein Haupt des Weibes.

Der Mann ist ein Schiff, das nach Hause bringt; die Frau ist eine Stadt, wo man stehen bleibt (= wo aufbewahrt wird).
Estland

Der Mann ist ein Seiler.
info] So sagte man in Hessen von einem Manne, der sehr breit und langweilig über einen Gegenstand spricht, seinen Kopf in langen Fäden ausspinnt.

Der Mann ist ein wilder Fluss (o. Sturzbach), die Frau ein stiller See.
tü] Erkek sel kadın göl.

Der Mann ist Feuer, die Frau ist Werg, der Teufel kommt und setzt sie in Flammen.
Spanien

Der Mann ist frei, wenn seine Frau drei Schöpflöffelstiellang entfernt ist.
Estland

Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind. Aber was ist das Weib für den Mann?
Zweierlei will der echte Mann: Gefahr und Spiel. Deshalb will er das Weib als das gefährlichste Spielzeug.
Nietzsche, Zarathustra

Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind.
Friedrich Nietzsche

Der Mann ist geschaffen zu Ernst und Schutz, das Weib zu Schimpff und Freuden.

Der Mann ist geschaffen zum Lenken der Frau, die Frau, die Kinder zu hüten.
Finnland

Der Mann ist geschaffen, über die Natur zu gebieten, das Weib aber, den Mann zu regieren. Zum ersten gehört viel Kraft, zum anderen viel Geschicklichkeit.
Immanuel Kant

Der Mann ist glücklich, welcher keine Sorgen hat.
mhd] Selig ist ein Mann sunder sorge.
la] Ex animus curas remove, cor mandere noli.

Der Mann ist Himmel und Erde im kleinen.
China

Der Mann ist hübscher mit der Pfeife im Mund; die Frau ist hübscher mit dem Kind auf dem Schoß.
Estland

Der Mann ist im Wirtshaus reich, zu Hause arm.
Estland

Der Mann ist kein Honigtopf, der Mann ist ein Wespenscheffel.
Estland

Der Mann ist leicht zu erforschen, die Frau verrät ihr Geheimnis nicht.
Immanuel Kant

Der Mann ist leicht zu erforschen, die Frau verrät ihr Geheimnis nicht; obgleich anderer ihres (wegen ihrer Redseligkeit) schlecht bei ihr verwahrt ist.
Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Der Mann ist lyrisch, die Frau episch, die Ehe dramatisch.
Novalis, Fragmente

Der Mann ist nicht besser als sein Wort.

Der Mann ist nicht bloß der Mann seiner Frau, er ist auch Bürger des Staates, die Frau hingegen ist nichts, als die Frau ihres Mannes.
Kleist, An Wilhelmine von Zenge, 30.5.1800

Der Mann ist nicht immer auf dem Tisch, sondern manchmal auch unter dem Tisch.
Estland

Der Mann ist nicht klug, der sein Haus auf dem Eis baut, denn wenn das Eis taut, bricht der Mann ein.

Der Mann ist nicht zu finden, der einen Wetzstein könnte schinden.
nl] Alle die levenden vilden nog geen wetsteen.
la] Vivens nemo datur, per quem cos excoriatur.

Der Mann ist nichts anderes als ein Reisigbündel und ein Spreusack.
Estland

Der Mann ist noch so lange ein Mann, bis er den Hahn am Schwanz festhalten kann.
Estland

Der Mann ist nur in gewissen Augenblicken Mann, die Frau ist ihr ganzes Leben lang Frau.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Der Mann ist nur Mann durch seine Dirhems.
Ägypten

Der Mann ist Pfeffer, welcher in die Zunge beisst, das Weib Zwiebel, welche Zunge und Augen beisst.

Der Mann ist schnell beim Versprechen, aber nicht beim Ausführen.
Estland

Der Mann ist schön für die Frau (= das Liebchen der Frau), die Frau schön für den Mann.
Estland

Der Mann ist schuldig, sein Weib zu verhegen.
info] Über ihre sittliche Führung zu wachen.

Der Mann ist schwarz (od. schmutzig) und erdfarbig, das Brot ist wie des Herrn Weißbrot.
Estland

Der Mann ist schwarz (od. schmutzig), das Brot weiß .
Estland

Der Mann ist schwarz (od. schmutzig), das Glück weiß.
Estland

Der Mann ist schwarz, der Bart ist weis.
Finnland
info] Von einem hässlichen Freier, der wohlhabend oder reich ist

Der Mann ist seins Leibs nicht mächtig, sondern das Weib.

Der Mann ist so sicher wie die londoner Bank.

Der Mann ist töricht,
Der die Menge der Freunde zählt.
Ein Bündel Röhricht
Hilft dir nicht, wo ein Stab dir fehlt.
Rückert, Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande

Der Mann ist ungeziert am schönsten.
la] Forma viros neglecta decet.

Der Mann ist unglücklich welcher Frauen ein Geheimnis anvertraut.
Sardinien

Der Mann ist wacker, der, sein Pfund benutzend,
Zum Dienst des Vaterlands kehrt seine Kräfte.
Rückert, Geharn. Sonette

Der Mann ist weis' und wohlgelehrt, der alle Ding' zum besten kehrt.
sd] Den man är wijs och mycket snill, som alt til bästa tyda will.

Der Mann ist weis und wohlgelehrt, der alle Dinge zum Besten kehrt.

Der Mann ist weis und wohlgelehrt,
Der alle Ding zum Besten kehrt.

Der Mann ist wie ein Fichtenklotz, (der) manchmal kracht; die Frau ist wie ein Espenscheit, (das) immer zischt.
Estland

Der Mann ist wie eine Ähre, die Frau wie ein Reisgefäß oder Kornbehälter.
Tamil, Indien

Der Mann ist wie Pfeffer, die kleinste Probe genügt, um sich von seiner Bitterkeit und Schärfe zu überzeugen.
Haussa, Afrika

Der Mann ist, wer: 'Das bin ich' sagen kann,
Nicht, wer da sagt: 'Mein Vater war der Mann..'
Rückert, Hamâsa

Der Mann jagt der Frau nach, bis sie ihn erwischt.
USA

Der Mann kämpft mit dem Wort, der Ochs mit den Hörnern.
Estland

Der Mann kann immer eine neue Frau finden, aber die Kinder keine Mutter.
Finnland

Der Mann kann mit einem Leiterwagen nicht so viel zum Tor hereinfahren, als die Frau in der Schürze zum Hinterpförtchen hinausträgt.
info] Die Verschwendung der Frau ist für die Wirtschaft gefährlicher als die des Mannes.

Der Mann kann mitm Leiterwagen net so viel ins Haus führen, als wia a Weiberleut im Fürtuch (Schürze) furttragen kann.

Der Mann kann nicht so viel zum Tor hereinbringen als die Frau zum Hinterpförtchen heraustragen.

Der Mann kann nig so vêl in de grôte Dör inföhren, as de Fro (Frau oder as en Kistenfegersch = Gelegenheitsmacherin) ut de lütje kleine) Dör uttragen kann.
Holstein

Der Mann kann reden, was er will; das Wort ist für ein richtiges Frauenzimmer keine geistige Macht. Sie hört nicht auf Gründe, sie gelten ihr als eine unausstehliche Zumutung, als eine Beeinträchtigung ihres Gefühls und ihrer Herrschaft durch weiblichen instinkt.
Bogumil Goltz, Zur Charakteristik und Naturgeschichte der Frauen

Der Mann kann sich nur als Held zeigen, indem er angreift, das heißt, indem er Schmerzen zufügt. Die Frau dagegen zeigt ihr Heldentum, indem sie die Schmerzen erträgt.
Ernest Bornemann, Mann, Frau, Schmerz

Der Mann kann's nicht hereinfudern, was die Frau fortschürzt (mit der Schürze fortträgt).
Wendische Lausitz

Der Mann kehrt aus Åbo wieder zurück, aber nicht aus jener Welt.
Finnland

Der Mann kommt an den Galgen, die Frau unter den Stein.
[RSpW]
info] Die mittelalterlichen Rechtsbücher kennen als regelmäßige Lebensstrafen Schwert, Galgen und Rad. Frauen wurden aber, der weiblichen Ehre wegen, im entsprechenden Falle nicht mit dem Galgen bestraft, sondern in die Grube versenkt oder unterm Stein begraben, d.i. gesteinigt.

Der Mann kommt nicht mit einem Schnurrbart auf die Welt.
Albanien

Der Mann kommt ohne Frau aus, aber die Frau nicht ohne Mann.
Estland

Der Mann kostet ja nichts, es kostet des Mannes Geld.
Estland

Der Mann läßt nicht mehr schlafen, der Gatte sich nicht erholen.
Estland

Der Mann legt das Gut auf die Schwelle und die Frau zieht es herein.
Bergamo

Der Mann liebt mit dem Kopf, die Frau denkt mit dem Herzen.

Der Mann löst sich mit seiner Habe.
[RSpW]
info] Er macht das getane Unrecht durch entsprechende Buße gut.
z] Das sich ein mann mit seiner habe lösen mag.

Der Mann macht das Kleid.
Thomas Mann, Felix Krull

Der Mann macht die Frau etwas schlechter, die Frau den Mann etwas besser.
Estland

Der Mann macht die Frau um vieles älter.
Estland
info] Die Frau wird schneller älter als der Mann

Der Mann macht die Frau und die Frau den Mann.
info] Eheleute beeinflussen sich

Der Mann macht die Schule.
info] Der tüchtige Lehrer lehrt mehr durch seine Person als durch seine Worte. Die Bildung des Willens ist die Hauptsache.
z] Auf den Willen wirkt nur ein starker Wille. Ein Lehrer ohne Willen ist ein tönendes Erz. Vernachlässigte Willensbildung macht endlich ein Volk zum Waschlappen, so klug und gelehrt es sein mag.

Der Mann macht Geschichte, das Weib ist Geschichte.
Oswald Spengler

Der Mann macht Nägel mit Köpfen.

Der mann macht sein vorfarn fromm.
z] Er helt sich so vbel, dass die fraw den vorigen aus der erden kratzt.

Der Mann mag das Geliebte laut begrüßen,
Geschäftig für sein Wohl lebt still das Weib.
Franz Grillparzer, Sappho (Rhamnes)

Der Mann mit einem dichten Fell ist ein Lüstling oder ein tapferer Gesell.
es] El hombre velloso o valiente o lujurioso.

Der Mann mit Fleisch sucht Feuer.

Der Mann mit Haaren auf der Brust ist tapfer und seiner Pflicht bewußt.
es] Hombre de pelo en pecho, hombre de valor y hecho.

Der Mann mit rotem Schopf und das bärtige Weib halt dir eine Meile weit vom Leib.
info] Zahlreich sind die Zeignisse für das Vorurteil gegen rotes Haar, das man Judas und dem Teufel zuschrieb. Aus dem 16. Jahrhundert wird erzählt, dass infolge eines Justizirrtums ein Mann mit roten Haaren ausgepeitscht wurde und dass der Richter nach Feststellung des Irrtums bemerkte: 'Wenn er sein Verbrechen noch nicht begangen hat, so wird er es noch begehen, da er ein Rotkopf ist.'
sp] Hombre bermejo y mujer barbuda de una legua los saluda.

Der Mann muss bei der Frauen sein im ersten Jahr ein Esel, im anderen ein Joseph bei der wiegen, im dritten ein Kuckuck bei dem Kind.

Der Mann muss der öffentlichen Meinung trotzen, das Weib sich ihr unterwerfen.
Germaine de Staël, Delphine

Der Mann muss es seiner Frau tun bis auf den Kirchhof.

Der Mann muss etwas erwerben, die Frau muss nichts lassen verderben, sonst müssen sie beide am Bettelstabe sterben.

Der Mann muss etwas unter den Zähnen haben.

Der Mann muss gewinnen, die Frau wohl spinnen.
nl] De man moet winnen, zal 't wijf wel spinnen.

Der Mann muss gut sein, gesund sein, Brot haben; die Frau muss gefallen, schweigen, häuslich sein.
Venetien

Der Mann muss Haar lassen, er mag eine alte oder eine junge Frau heiraten.

Der Mann muß Haar lassen, er mag eine Alte oder Junge heiraten.

Der Mann muss Haare lassen, er mag eine Alte oder Junge heiraten.

Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben.
Schiller, Gedichte: Lied von der Glocke

Der Mann muss immer drin bei seinem Namen sein.
Estland
info] Er muss immer seine Würde bewahren

Der Mann muss mäßig weise sein,
Doch nicht allzuweise.
Des Weisen Herz erheitert sich selten,
Wenn er zu weise wird.
Havamal

Der Mann muss seine Frau fassen und führen.

Der Mann muss seine Frau führen und fassen.
[RSpW]
info] Dies Sprichwort drückt im Canton Schwyz die Pflicht des Ehemannes aus, seine Frau standesgemäß zu halten.

Der Mann muss seine Frau tun bis auf den Kirchhof.

Der Mann muss seine Frau tun bis auf den Kirchhof.
[RSpW]
info] Dies Sprichwort gehört dem Canton Schwyz an, wo es indess jetzt seine Rechtskraft verloren hat. Es drückt den Satz aus, dass der Ehemann einer ohne Kinder verstorbenen Frau alle Kosten, welche der Todesfall veranlasst bis zum Begräbnis, dieses eingeschlossen, zu tragen hat, während weitere Ausgaben, z.B. für kirchliche Exequien, auf die Erben fallen.

Der Mann muss seine Frau um Erlaubnis bitten, vorwärts zu kommen.
England

Der Mann muss seinem Herrn folgen und der Herr dem Mann.
z] Eyn man musz woll folgenn seynem herrnn, und der herre dem manne.

Der Mann muss selber sein der Knecht, will er's im Hause haben recht.

Der Mann muss sich zur Keuschheit der Frau erheben, statt dass die Frau, wie dies jetzt geschieht, auf die Stufe der Lasterhaftigkeit des Mannes herabsteigt.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1901)

Der Mann muss wohl alles essen, aber nicht alles wissen.

Der Mann ohne ein Stückchen Frau ist ein Saumtier ohne Ladung (o. eine Fliege ohne Kopf und Beine).
Mailand

Der Mann ohne Frau ist ein Baum ohne Laub und Zweige.

Der Mann ohne Grundsätze ist ebenso gewöhnlich ein Mann ohne Charakter; denn wenn er mit einem Charakter geboren worden wäre, so würde er auch das Bedürfnis gefühlt haben, sich Grundsätze zu schaffen.
Chamfort, Maximes et pensées

Der Mann sagt Mannesworte.
Estland

Der Mann sagt, was er weiß, die Frau, was gefällt.
Jean-Jacques Rousseau

Der Mann sâl abräinjen, de Fra sâl zesumen hâlden.
Siebenbürgen/Sachsen

Der Mann sâl mîren (mehren), de Frä sal erhalden.

Der Mann sammelt (= spart) bei wenigem, die Frau verschwendet aufs Geratewohl.
Estland

Der Mann schafft und erwirbt, die Frau verwendet's: das ist auch im intellektuellen Sinne das Gesetz, unter dem beide Naturen stehen. Daher muss man einer Frau das Fertige geben, und aus eben dieser Ursache sind sie das wünschenswerteste Auditorium für einen Dogmatiker, der nur Geist genug hat, das, was er ihnen sagt, angenehm und sinnlich ergreifend zu sagen. Das Positive lieben sie in diesen Falle, solche Undulisten sie auch in anderen Rücksichten sein mögen.
Goethe (1749-1832), Riemer, November 1806

Der Mann scheint oft gering, durch den Gott schaffet große Ding.

Der Mann schießt mit dem Pfeil, das Weib mit der Zunge.
Russland
fr] La langue des femmes est leur épée, et elles ne la laissent pas rouiller.
ho] Vervaarlijk is der vrouwen twist, gelijk de pest, die in 't vernielen niet en mist.

Der Mann schießt mit dem Pfeil, die Frau (o. das Weib) mit der Zunge.
Russland

Der Mann schießt, aber Gott trägt die Kugel.
Litauen

Der Mann schläft, das Bett hält Wache.
Estland

Der Mann schleppt mit dem Geldbeutel nicht so viel fort, wie die Frau mit dem Kochtopf.
Russland
bm] Nenavozí muz na řebřínovem voze do domu, co zena po zástĕrkách vynesti můze.
ho] De vrouw kan met den boezelaar meer uit het huis dragen, dan de man er met den hooiwagen kan inrijden.
ho] Het helpt niet, of de man het er al met de schep inbrengt, als de vrouw het er weêr met den wagen uitvoert.
un] Nem kereshet annyit a jó gazda, a mit a rosz gazdaszszony el nem tékozolhat.
wend] Muz njezamoze zreblowanym wozom tak wjele domoj nawozić, hač zona sórcusi domach wotnosi.

Der Mann schweigt, wenn er leidet, die Frau leidet, wenn sie schweigt.

Der Mann sehe nicht, die Frau sei blind.
Spanien
en] The husband must not see and the wife must blind be.
fr] Pour faire bon ménage, il faut que l'homme soit sourd et la femme aveugle.

Der Mann sei beklagt, der seiner Frau ein Geheimnis sagt.

Der Mann sei frumm, das Weib sei stumm, so geht das Hausshalten recht um.

Der Mann sitzt auf dem Schlitten, der Frost kauert sich unter den Pelz.
Estland

Der Mann sitzt und lebt zu hauss unter dem Juncker.
z] Er ist überherret, übermannet, überweibet. Er hat zu hauss das Fegfewer, und die Heiße Hell, einen Brumkater und nagenden wurm an der seiten, der ihm das hertz aufrist, und weder tag noch nacht ruh lest. Wenn sie anfengt zu gnurren, brummen und krehen, so ist da kein aufhören. Es ist ein schener Oelgötz, eine schene Monstranz, wen nur Heiligthum drinnen wer. Sie bawen mit einander die Helle. Sie begehren sich als Katzen und Hunde. Eins bricht Töpfe, das ander krüge. Wenn sie zu hauf reiten, so ist nur da Bu, Ba, Schelm, Dieb, Galgenvogel, Hallunck, Nichtenguts, Teuffelsnachlass, Hausshund, Schorb, Gnack, Schurck, Dreckharcker.

Der Mann sol allerley schaffen zu'n henden, das Weib zu'n brenden.
info] Brente = ein hölzernes Gefäß für verschiedene Wirtschaftszwecke, z.B. für Weintrauben, gesalzenes Fleisch, in Viehwirtschaften besonders für Milch (Milchkübel, Milchnapf), in der Küche das Gefäß zum Aufwaschen. Die Milch wird in Brenten aufgestellt.
z] Er äße, wenn man es ihm gäbe, zwei Brenten voll.
z] Seih ihn in ein schönes Schaff oder in ein Brenten. (Die Frau soll das, was der Mann erworben, aufbewahren, durch die ganze Haushaltung angemessen verteilen und verwenden)
it] Gli uomini fanno la roba, e le donne la conservano.

Der Mann soll erwerben, das Weib soll ersparen, damit kann das Weib den Mann wohl reich machen, denn der ersparte Pfennig ist besser denn der erworbene.
Luther, Aus seinen Tischreden

Der Mann soll gehorchen, das Weib soll dienen. Beide streben nach der Herrschaft. Jener erreicht sie durch Gehorchen, diese durch Dienen. Gehorchen ist dicto audientem esse, dienen heißt zuvorkommen.
Goethe (1749-1832), Riemer, August 1807

Der Mann soll kein Schaustück der Frau, sie kein Spielzeug für ihn werden. Wo ein Wesen nur das andere für sich und nach sich bilden will, muss dies Letztere zum toten Mittel verderben.
Friedrich Ludwig Jahn, Deutsches Volkstum

Der Mann soll schöner sein als der Teufel, das Weib garstiger als ein Engel.

Der Mann soll sehen wie ein Teufel, das Weib wie ein Engel.
en] In the husband wisdom, in the wife gentleness.

Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann.
Neues Testament, Paulus (1 Korinther 7, 3)

Der Mann soll seiner Frau das kurze Messer geben, das längere soll er selbst behalten.

Der Mann soll werben, das Weib sparen.

Der Mann soll Wort halten, auch wenn das Bein von unten weg(geschlagen) wird.
Estland

Der Mann soll ziehen, nähren, zeugen, das Weib gebären und säugen.

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