< Sprichwörter >

Am krummen Holz erkennt man den Künstler.
Sudan
info] Weil das gerade leicht zu bearbeiten ist).

Am Lachen erkennt man den Narren und den Dummkopf.
fr] Au rire connaît-on le fol et le niais.

Am Lachen erkennt man den Toren.

Am Lachen hat man Spaß, aus Weinen wächst ein Mastochs.
Estland

Am Lachen und Blarren erkennt man die Narren.
dk] Latter førrader narren. Megen latter, megen daarskab.

Am Lachen und Flennen ist der Narr zu erkennen.

Am Lachen und Flennen kann man die Narren erkennen.

Am Lande ist gut schiffen.

Am langen Finger bleibt die Sache haften.
Estland

Am längsten behält man, was man in der Jugend gelernt hat.

Am längsten liebt man, was man in der Jugend geliebt hat.

Am Lappen halten.
z] Hastu ein Löhnlein, Erbtheil, eine Besoldung, halte am Lappen, lege den Gülden nicht zu viel auf, sei ein Sparmundus.

Am lästigsten sind die geistreichen Dummköpfe.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Am Laurentiustag (10.8.) Elendsbrot, am Olafstag (29.7.) richtiges Brot.
Estland

Am Laurentiustag muss ein fauler Mann das Saatgut zum Dreschen aufgestellt haben.
Estland

Am lebenden Objekt
la] in vivo

Am leder lernt der Hund endlich das kalb gar essen.

Am Lehrling mäkelten sie,
Nun mäkeln sie am Wandrer,
Jener lernte spät und früh,
Dieser wird kein andrer.
Beide wirken im schönen Kreise
Kräftig, wohlgemut und zart,
Lerne doch jeder nach seiner Weise,
Wandle doch jeder in seiner Art.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V

Am Leibe abstraffen und darzu schelten, ist zu viel.
en] Great boast, small roast.

Am leichtesten erträgt man noch die Gewalt, die man eines Tages selbst auszuüben hofft.
Joubert

Am leichtesten kauft man den Völkern die Freiheit mit dem Wohlstand ab.

Am leichtesten schartig werden scharfe Messer,
Doch: schneidet man deshalb mit stumpfen besser?
Bodenstedt, Die Lieder des Mirza Schaffy: Zuleikha

Am leichtesten trifft man Leute, denen man aus dem Wege gehen will.

Am leichtesten werden alte Irrtümer unter neuen Bezeichnungen für Fortschritte gehalten.

Am letzten in den Schuhen sein.

Am letzten Tag des Weihnachtsfestes (27.12.) kann man schon den Tag erkennen (= es ist heller geworden).
Estland

Am letzten Viertel ein roter Streif, der bringt gar manchen Regenstrich.

Am letzten Weihnachtstag soll der Tag schon so lang sein, dass die Kohlsuppe ordentlich fertig kocht.
Estland

Am Liachtmösstoag (Lichtmesstag, 2.2.) hoate' (heiter), troag' d' U'ress'n übe' d' Loate (Leiter); am Lichtmösstoag külb', tua d' U'ress'n hî, wo d'willst.
Unterinnthal
info] U'ress'n = Überbleibsel des Futters; külb' = bedeckt, trübe, wolkig. Wenn der Lichtmesstag klar ist, soll man die Überbleibsel des Futters aus dem Stalle wieder auf den Heuboden tragen, weil ein spätes Frühjahr und daher Heumangel droht; ist jedoch der Lichtmesstag trübe (külb), dann sind sie entbehrlich, weil ein zeitiges Frühjahr und deshalb gutes Auskommen mit den Heuvorräten in Aussicht steht.

Am Lichtmesssonnabend (l. 2.) sind die Nüsse im Schuß.
Estland

Am Lichtmesstag (2.2.) sieht kaum der Bär 'nen Sonnenblick, kehrt er in seine Höhl' zurück.

Am Lichtmesstage umtanzen die Kinder auf dem Acker angezündete Holz- und Strohhaufen mit dem Ruf: 'Lank Flaß!'

Am liebsten erinnern sich die Frauen an die Männer, mit denen sie lachen konnten.
Anton Tschechow

Am liebsten ist mir denn aber doch, was ich in der Seele mitnehme und was, immer wachsend, sich immer vermehren kann.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 13.2.1787

Am liebsten prophezeit, wer nichts tun will in der Zeit.

Am liebsten werd' ich Amme, sagte die Konfirmandin.
Hamburg

Am Lucientag (13.12.) ist die Nacht so lang, dass der Adler vom Baum herunterfällt.
Estland

Am Mädchen und an der Erbse darf man vorbeigehen, wenn man sie mit dem Finger berührt hat.
Estland

Am Magdalenentag ist die Nuss voll.
Frankreich

Am Magdalenentage sind die Haselnüsse voll.
Picardie

Am Magdalenentage wird die Maulbeere reif.
Frankreich

am Mahl der Götter teilnehmen
la] epulis accumbere divum

Am Maitag steckt man in jede Ackerecke ein Kreuz, das aus dem am Karsamstag geweihten 'Osterbengel' gefertigt wird.

Am Margarethentage (13.7.) ist Regen eine Plage.

Am Marientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) bekommt man Wasser für eine Krähe.
Estland

Am Marientag geht der Tag in die Schneewehe und bleibt dort neun Tage und Nächte, von dort geht er ins Wasser und bleibt dort wieder neun Tage und Nächte, kommt dann aus dem Wasser heraus und beginnt die Erde zu trocknen.
Estland

Am Marientag gibt man den Burschen und Mädchen den Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Marientag gibt man den Schweinen den Schlüssel ab.
Estland

Am Marientag legt die Krähe das erste Ei.
Estland

Am Marientag müssen die Wasserströme einander schon treffen.
Estland

Am Marientage im März legt man sie (die Lampe) nieder; am Marientage im September (8.) holt man sie wieder.
Mailand (Die Marientage werden vielseitig zu wirtschaftlichen und andern Zeitbestimmungen und Einteilungen gebraucht)

Am Markt lernt man die Leute kennen.
info] Am Markt = beim Handel.

Am Markt und Handel erkennt man den Wandel.

Am Marterholz nagen.
z] Der freisinnige Geschichtschreiber verliert gewöhnlich ein Amt; entweder eins, das er schon hat, oder eins, das er noch bekommen könnte. Daher vertuscht der Vorsichtige, der das Marterholz des Mangels fürchtet, die männliche Offenheit seiner Meinung und lässt zwischen den Zeilen lesen.

Am Martinsfeste (10.11.) zapft man den Wein an für die Gäste.
info] Es ist dies Fest ein Überbleibsel des Altertums. Die alten Griechen pflegten nach beendigter Weinlese und Weingärung ein Bacchusfest zu feiern, wobei die Weinbehälter zum erstenmal geöffnet wurden.
it] Da San Martin, si spilla la botte del buon vin.

Am Martinstag (10.11.) soll Mart(in) mit dem Sieb Bier brauen.
Estland

Am Martinstag (11. Nov.) beißt jung und alt den Gänsebraten warm und kalt.

Am Maß erkennt man den Kaufmann.
nl] Aan de maat kent men den koopman.

Am Matthiastag (24.2.) dreht sich alles Ungeziefer auf die andere Seite.
Estland

Am Matthiastag beginnen die Halme den Schnee zu hassen.
Estland

Am Matthiastag dreht sich die Schlange auf die andere Seite.
Estland

Am Matthiastag fängt der Neuschnee an, den alten zu essen.
Estland

Am Matthiastag ist der halbe Schnee im Himmel.
Estland

Am Matthiastag müssen alle den Winterschlaf schlafenden Tiere erwachen.
Estland

Am Matthiastag müssen die Fliegen, Schlangen und alle anderen kleinen Tiere erwachen.
Estland

Am Matthiastag wird den Hühnern der Schlüssel in die Hand gegeben.
Estland

Am Matthiastag wird die Zunge der Lerche losgeschnitten, damit sie bald zu singen anfängt.
Estland

Am Maul stirbt der Fisch.
es] Por la boca muere el pez.

Am Meer wartet man nicht auf (gutes) Wetter.
Estland

Am Meer wohnen und Wasser suchen.

Am Meere wohnen auch noch andere Leute als Schiffer.
Russland

Am Mehlbrei beisst sich niemand die Zähne entzwei.
dk] Meel-grød og kaal er bondens lægedom.

Am Meinen und Glauben bindet man kein Pferd fest.
nl] Aen meinen en bint nieman peerde vast.
la] Ancipiti posti committit nemo caballum.

Am Meinen und Glauben bindet niemand sein Pferd fest.

Am meisten entzückte uns [bei Lessing] die Schönheit jenes Gedankens, dass die Alten den Tod als den Bruder des Schlafs anerkannt, und beide, wie es Menächmen geziemt, zumVerwechseln gleich gebildet.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,8

Am meisten freut mich jetzo das Pflanzenwesen, das mich verfolgt, und das ists recht wie einem eine Sache zu eigen wird. Es zwingt sich mir alles auf, ich sinne nicht mehr darüber, es kommt mir alles entgegen, und das ungeheure Reich simplifiziert sich mir in der Seele, dass ich bald die schwerste Aufgabe gleich weglesen kann.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 9.7.1786

Am meisten fühlt man sich von Wahrheiten getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte.

Am meisten gilt das beste.

Am meisten lieb ich mir die vollen, frischen Wangen.
Goethe (1749-1832), Faust, Prolog im Himmel
Mephisto Vs 320

Am meisten Platz ist zu Hause.
Kroatisch

Am meisten schadet böser Rat demselben, der ihn geben hat.

Am meisten überschätzt sich der, der sich zur produzierenden Klasse rechnet, da er zur genießenden gehört.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts 4

Am meisten Unkraut trägt der fetteste Boden.
Shakespeare (1564-1616), König Heinrich IV., 2. Teil, IV, 4 (König Heinrich)

Am meisten wird das Kind geliebt, das jung ist, bis es heranwächst, das krank ist, bis es gesund ist, oder abwesend, bis es nach Hause kommt.
Arabien

Am Menschen muss man für ein gut Stück fünf böse abrechnen.
fr] Tout homme est menteur.
ho] Alle menschen zijn leugenaars.
la] Omnis homo mendax.

Am Mentig (Montag) ist der Hebean, am Zeinstig thu ich, was i ma; am Miggta ist der Wochamarkt, am Donnstig schaff i au nit stark, am Freitig lass i Freitig sein, am Samstig hilf i am Sonntig 'rein.

Am Michaelsabend werden die Fohlen aus dem Wald gebracht und das Wolfsmaul wird zerrissen.
Estland

Am Michaelstag (29.9.) wird Butter mit dem Löffel gegessen.
Estland

Am Michaelstag geht der Bär auf sein Lager, zur Lichtmess (2.2.) dreht er sich auf die andere Seite, am Marientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) kommt er vor Tagesanbruch heraus.
Estland

Am Michaelstag muss geschlachtet werden.
Estland

Am Michaelstag näht man dem Wolf die Augen zu, damit er die Herde nicht sieht.
Estland

Am Misstrauen ist das unheimlichste seine Rechtfertigung.

Am Misthaufen derkennt ma 'n Bauern.

Am Mittwoch in der zwölften Stund ändert sich das Wetter.

Am Mittwoch wechselt selbst die Maus nicht das Loch.

Am Mondschein ist noch keine Traube reif geworden.
info] Um zu sagen, diese Hilfe reicht nicht.
dä] Druen modnes ikke ved maaneskin.
la] Lunae radiis non maturescit botrus.

Am Mondschein wird keine Traube reif.

Am Montag bekommt man nichts, am Dienstag bekommt man für die anderen, am Mittwoch bekommt man für alle.
info] Beim Kohlpflanzen.

Am Montag legt man sich nieder.
info] Die Arbeitsperiode beginnt nicht am Montag.

Am Morgen der Lichtmess (2.2.) soll der Rabe den ersten dürren Zweig ins Nest bringen.
Estland

Am Morgen des Georgstages (23.4) kommt der Kuckuck heraus, um zu rufen.
Estland

Am Morgen des Marientags (Mariä Verkündigung, 25.3.) soll der Rabe das erste Ei ins Nest legen.
Estland

Am Morgen des Marientags soll im Nest des Raben ein goldenes Ei liegen.
Estland

Am Morgen des Matthiastages (24.2.) schneit es Fische, am Nachmittag Schlangen.
Estland

Am Morgen ein Junker, am Abend ein Bettler.

Am Morgen erkennt man den Gast, am Mittag den Wirt.

Am Morgen erkennt man den Tag.

Am Morgen fängt man die Heuschrecke.
Haussa, Afrika
info] Wenn die Sonne heiß wird, fliegen sie fort.

Am Morgen frisch, am Abend müde, das hält das Haus aufrecht.
Finnland

Am Morgen geistlich, am Mittag weltlich; am Morgen sursum corda, am Mittag aber gefüllte Schnürbrust, sagen die Pfaffen.

Am Morgen Gras und z' Obe Heu.
nl] 'S Morgens bont, 's Avonds stront.

Am Morgen ins Gebirge und am Abend ins Bad, so wirst du nicht malad.
it] La mattina al monte, e la sera al fonte.

Am Morgen ist der Himmel golden.

Am Morgen ist der Himmel golden.
it] Di novello tutto par bello.

Am Morgen ist der Käse wie Gold, zu Mittag wie Silber und zur Nacht wie Blei.
Oberaargau

Am Morgen mit dem Hahn, am Abend mit dem Hund.

Am Morgen mit dem Holzlöffel, am Abend mit der Schöpfkelle.

Am Morgen musst du so früh aufstehen, dass du noch einen weißen Spatz fängst.

Am Morgen rot (am Himmel), am Abend Kot (auf der Straße).
Brusiotal

Am Morgen rot, am Abend tot.
la] Quem dies veniens videt superbum, hunc dies videt fugiens jacentem. Seneca

Am Morgen sei fleißig, am Abend schwindet die Kraft aus den Nieren.

Am Morgen sind wir am klügsten, aber auch am sorglichsten, denn auch die Sorge ist eine Klugheit, wiewohl nur eine passive. Die Dummheit weiß von keiner Sorge.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 16.8.1824

Am Morgen Sorgenkuckuck, am Mittag Trauerkuckuck, am Abend Glückskuckuck.

Am Morgen sur, zu Mittag mit der Montur, zu Nacht geschwellt und hingestellt.
Schweiz
info] Die Kartoffel in verschiedenen Zubereitungsarten als Frühstück, Mittag- und Abendgericht.

Am Morgen toll und voll tut den ganzen Tag, wohl.
info] Wahlspruch der Saufbrüder.

Am Morgen werden die Sorgen, am Abend das Glück hinausgefegt.

Am Morgen wird Gold gesät.

Am Moste erkennt man, wie der Wein schmecken wird.
z] Schönes Kindlein, lass dich küßen; bist zum Kusse nicht zu klein. Schmeckt der Kenner doch im Moste, wie ihm schmecken wird der Wein.

Am Munde erkennt man den, der gegessen, am Auge den, der Böses gethan hat.
Finnland

Am Muster erkennt man das Tuch.
es] Por la muestra se conoce el paño.

Am Mute hängt der Erfolg.
Fontane, Stine

Am Muttermal erkennen.
la] E naevo cognoscere.

Am nächsten besten Baume aufknüpfen.

Am Nâisten san a êrgsten.
Amrum
hdt] Am nächsten sind am ärgsten.

Am Narren hilft weder Chrisam noch Taufe.

Am Narrenbart lernt man scheren.

Am Narrenseil hängen (o. tragen).
info] Wer ohne Mittel will zum Zweck gelangen, der bleibt am Narrenseile hangen.

Am Narrenseil ziehen.
info] Närrisch handeln.
z] Jeder Junggesell muss sieben Jahre am Narrenseile ziehen, und so oft von vorn anfangen als er eine Stunde drüber versäumt.

Am Nest kann man sehen, was für'n Vogel drin wohnt.

Am Nest sieht man schon, welche Art Vögel drin ist.
ndt] An't Nest kann einen söchen, wat för'n Vogel drin woahnt.
info] Die Wohnung, sowie das ganze Äußere eines Menschen verrät schon seinen Charakter, sein ganzes Innere.

Am nest wird man leichtlich innen, was für ein Vogel war darinnen.

Am Neste kann man sehen, was für ein Vogel darin wohnt.

Am Nestrand des Hühnerhabichts gedeihen die Hühner nicht.

Am Netze nagen.
info] In Verlegenheit sein.
la] Casses rodere.

Am Neuen sehen die gewöhnliche Menschen nur das Seltsame, im Seltenen jedoch alsobald das Bedeutende zu erblicken, dazu gehört schon mehr.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,3

Am Neujahrstage Sonnenschein, lässt das Jahr uns fruchtbar sein.

Am Neujahrstage werden im freien Felde Waffen gezeigt, um Hagel abzuwehren.

Am Nimmerleinstage(, wenn die Eulen bocken, wenn der Karfreitag auf den Gründonnerstag fällt, wenn die Kuh einen Batzen gilt).
z] Wenn ich auch Campe den Auftrag gebe, das Buch Ihnen zu senden, so bekommen Sie es gewiss erst an dem Tage, wo auch der Messias eintrifft, wenn er, der alten Tradition nach, auf einem Esel kommt und nicht die Eisenbahn benutzen will. H. Heine
z] Das Urteil soll auf nechste Griechische Kalendas, d.i. auf der Juden Christtag und der Genffer Liechtmess ausgesprochen werden.
z] Wann die Sternenplacker und Prockdickprocker der lügen eins werden; wenn man einen Koler, Schlotfeger, Kolfactor find, der nie ist russig und rauchig worden; Bettler, die gute Kleider tragen; Mamelucken die recht glauben; Juden und Wechssler, die nie durch Wucher rauben; Kauflaut, die nimmer bös Gelt nemen, Schreiner, Müntzer u.s.w. die nimmer nebenaussstemmen; Fassbinder und Steinmetzen, die sich nie auf die Finger haben geklopfft. Wann die Sonn in die Höll scheint. Wann die Hennen vor sich scharren. Wann die Schaben ins Salz kommen. Wann de wyden prumen dregen. Wann der Teufel von Aachen kommt. Wenn der Teufel im Weihwasser ertrinkt. Wenn der Hund den Hasen fleucht und der Dumme den Juden betreugt, wenn die Gans einen Wolf wird jagen und Frauen keine Kinder werden tragen, wenn der Frosch den Storch verschlückt und kein Bettler Kleider flickt. Wenn es Gulden regnet. Wenn mir Haar in der Hand wächst Zu Ostern, wenn die Bôcke lammen. Wenn die Katzen Ganseier legen; am letzten Bohnenmarkt; am Nimmerlistag, wenn die Schnecken bellen. Zu Martini, wann die Störch und Schwalben kommen. Wenn der Teufel stirbt, wenn mir Haar auf den Zähnen wächst, wenn die Maulesel Junge werfen. Auf der Juden Christtag. Zu Weihnachten in der Ernte (im Schnitt, im Sommer); wenn der Schneekönig (Gustav Adolf von Schweden) kommt, wenn es schwarzen Schnee gibt; wenn die Kühe lachen. Übermorgen wenns Heu blüht. In Preußen sagt man: Es geschieht am zweiunddreissigsten, auf weiße Pfingsten, op Plumepingste; in Holstein: Pingsten um de Iistid (Eiszeit); in Siebenbürgen: wenn die Katz en Oache liegt; wenn der Teufel im Weiher ertrinkt, oder af den Gorrfoatstoag, auf Pferdepfingsten. Im Oberharz: Wenn die Elbe brennt und die Gänse Wasser tragen. In Tirol: Wenn zwei Staupbesen zusammenkommen. Zu Pfingsten auf dem eiss. Zu Sankt-Martin, wann die störck kommen. Wann ein Maulesel junge hat. Wann die Sonn still steht. Wann der reich herbst Platonis kommt. Wann Sankt Claus widerkompt. Zu den Heiligen, denen der Sankt-Nimmerstag gewidmet ist kommt noch in der Romagna San-Guacara, im Primat San-Mai und in Nordfrankreich Saint-Loion, zu dessen Ehren man 'die Kälber schert'. In der Romagna vertröstet man auf das Jahr mit zwei Carnevals (l'aun di du Carnaval oder l'aun dëméi), das nie kommt; in Sicilien auf die Woche ohne Samstag (la simiana senza sabatu); in Neapel auf die Zeit, 'wenn es Rosinen und Feigen regnet' (quanno chiovettero passe a fico cecche) o. 'wenn die Lebern Haare und die Affen Schwänze haben'; in der Provence auf die Woche mit vier Donnerstagen (A la semano deis quatre dijous); in der Picardie: 'wenn die Frösche Schwänze oder die Hühner Zähne haben' (quand chés guernoules [glaines] iz [az] avont des queues [deints]); in Northamptonshire auf Tib's eve, der weder vor noch nach Weihnachten kommt, o. When we have a month o' Sundays. In Norwegen sagt man: Naar han Sant-Olav kjem atter nordantil (wenn Sankt-Olav wieder nach Norden kommt). In der Schweiz sagt man auch: Jo jo de muest ha, aber nöd, bis der Ahau kalberet ond d' Saue ûfflügid. Muest g'ha ha am Nümmerlistag. ( 21.) In Warschau jüdisch-deutsch: Dus wett sein in'm zweiten Gilgel; d.h. die Erfüllung dessen steht nicht in naher Aussicht. Gilgel ist ein Grad der Seelenwanderung. In ähnlichem Sinne sagt man auch: Morgen, nuch'n Kügel, oder nach der Kuchel. Ferner: Wenn drei Tage Rosch Choodesch is. D.h. das kann geschehen, das will ich man, wenn drei Tage nacheinander Neumondfest ist, was aber nie vorkommt. Wenn Schabbes-Nachme uf Mittwoch fallt.
en] At latter lammas when the devil is blind.
en] When two sundays come together.
fr] Cela se fera la semaine des trois jeudis, trois jours après jamais.
fr] Quand tous asnes auront longues oreilles.
fr] Renvoyer quelqu'un au calendes grecques.
ho] Te Sint-Jutmis, als de kalveren op het ijs dansen.
ho] Te Sint-Jutmis, als men de muilen melkt.
la] Ad graecas Calendas.
la] Anno magno Platonis.
la] Cum mula peperit fiet.
la] Cum Nybas coccyssaverit.
la] Per Harma aliquid facere.
la] Plenilunio fiet.

Am nördlichen Baum reiten.
info] So hieß im Mittelalter der Galgen. Das Gesicht des Verbrechers wurde gegen Norden gerichtet.

Am obersten wird die Hullefrau verbrannt.
Henneberg
info] Unter dem 'obersten' ist der Dreikönigstag gemeint, eine Benennung die auch in Süddeutschland gehört wird. Am Dreikönigstage wird nun in Eisfeld alljährlich Frau Holle verbrannt. Alt und Jung zieht nach beendigtem Nachmittagsgottesdienst mit Musik auf den Markt. Man singt ein geistliches Lied und ruft dann einander zu: 'Frau Holle wird verbrannt.' Zur Erklärung dieses Volkbrauchs erzählt man, dass die Äbtissin eines ehemaligen dort befindlichen Klosters, weil sie mit dem Teufel Buhlschaft getrieben habe, verbrannt worden sei. Es scheint dies aber nur eine ungeschickte, kirchliche Übertünchung eines altheidnischen Gebrauchs.

Am Ochsen gehîrt Hê (Heu).
Schlesien

Am Olafstag (29.7.) endet die Heuernte und beginnt die Kornernte.
Estland

Am Olafstag geht der Mond so niedrig, dass auch das Schwein ihn sieht.
Estland

Am Olafstag muss das Messer blutig gemacht werden.
Estland

Am Olafstag sagt man: 'Ochsen ins Joch, Wallache ins Geschirr'.
Estland

Am Olafstag wurden die ersten Lämmer geschlachtet, da nun, von diesem Tage an, dem Fleisch kein Heugeschmack mehr anhaftete.
Estland

Am Osterabend Fischhändler werden.
info] Sich zu einer Zeit in einen Handel einlassen, in der kein Vorteil mehr zu erwarten ist. Der Fischhandel blüht während der Fastenzeit; von Ostern ab wird wieder Fleisch gegessen.
ho] Een vischkooper worden op paaschavond.

Am Ostersonntag geht man beim 'ums Korn singen' früh aufs Feld und singt Osterlieder.

Am Ostertage sehen die Vlamingen gern Ost- und Nordostwind, wenn andere Winde nicht den Karfreitag verderben.

Am Pâl (Pfahl) stân.
info] Am Pranger, an der Straf- oder Schandsäule; auch öffentlich beschämt werden.

Am Palmbaum des Ruhms vertrocknet die Dattel der Bescheidenheit.
Abessinien
fr] Quand vient la gloire s'en va la mémoire.

Am Palmsonntage Sonnenschein soll ein gutes Zeichen sein.
ndt] Up Palmsöndag Sônnenschîn, soll en ganz gut Teken sîn.
Westfalen
pl] W niedziele kwietna dzien iasný, jest to dla lata znak krasný.

Am Palmsonntagsfest baut der Vogel sein Nest.
it] La domenica dell' ulivo, ogni uccello fa il suo nido.

Am Paulstag (10.1.) erhält das Meer einen Riß, am Antoniustag (17.1.) (kriecht) die Zecke auf des Ochsen Rücken.
Estland

Am Peetri-Paavlitag (29.6) schweigt der Kuckuck.
Estland

Am Pentstag (Benediktustag, 21.3.) wendet der Fisch den Kopf dem Ufer zu.
Estland

Am Pferd wird oft gerochen, was der Kutscher hat verbrochen (o. was den Kutscher hat gestochen).

Am Pfingstmontag umreiten Dorfrichter und Dorfgenossen auf schönen Pferden langsam und mit Andacht, singend und betend die Äcker, um guten Saatenstand zu erlangen.
Aberglaube

Am Piitrestag (29.6.) beginnt der Sommer schon den Schwanz einzuziehen.
Estland

Am Piitrestag (29.6.) regnet es jedes Jahr.
Estland

Am polnischen Kriege schuld sein.

Am Poornatag (am ersten Sonntag nach Fastnacht) kann der Ochse schon unter der Traufe trinken.
Estland

Am Pranger stehen.
info] Der Beschämung bloßgestellt, der öffentlichen Schande preisgegeben worden.
fr] Être attaché au pilori.
la] In eo ipso stas lapide, in quo praeco praedicat.

Am Probierstein erkennt man das Gold.
it] Al paragone si conosce l'oro.

Am Purim (Purimfeste) sind alle Schickerim (Trunkenbolde) nüchtern.
Jüdisch-deutsch, Brody.

Am Quaken und an der Gosch erkennt man den Frosch.
z] Man sieht an Quacken und der Gosch, dass du bist ein Frosch.

am Rand (einer Tafel/eines Buchs)
la] in margine

am Rand des Abgrunds stehen
en] to be an the verge (o. brink) of ruin
fr] être au bord de l'abîme
it] essere sull'orlo del precipizio

Am Rande des Glases tanzen böse Geister.

am Rande des Grabes (o. mit einem Fuß o. Bein im Grabe) stehen
en] to have a foot in the grave - to be at death's door
fr] avoir un pied dans la tombe - être à deux doigts de la mort
it] avere (o. essere con) un piede nella fossa

Am Rande des Grabes wirst du klug, aber dann ist es zu spät.

Am Rande des Todes hinzuschweben, ein Fehltritt, und die Tiefe hat uns für immer, das ist des Lebens höchster Reiz.
Fontane, Unwiederbringlich

Am Rathsuter sugunt viele Chalber.
Schweiz
hd] Am Ratseuter saugen viele Kälber.

Am Rausch ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker.
China

Am rechten Seil ziehen.

Am Reden erkennt man den Menschen, am Geschmack den Wein, am geruch die blumen.

Am Reichen streiche gern, am Armen fern vorüber.
Osmanien

Am reinen Glanz will ich die Perle kennen;
Doch ihren Namen kann ich dir nicht nennen.
Schiller, Die Braut von Messina, 1469/70 (Don Cesar)

Am Reuel kauen müssen.
z] Vnd wenn man sich will oft verrewen, muss man zuletst am rewel kewen.

Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben.
M. Claudius, Rheinweinlied, Str. 8

Am Rhein, am tobenden, schäumenden Rhein,
Da möcht ich sein!
Wolff, Erzählung eines deutschen Improvisators, Wo?

Am richtigsten werden wir das Leben fassen als (..) eine Enttäuschung: Darauf ist, sicherlich genug, alles abgesehn.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Nachträge zur Lehre von der Nichtigkeit des Daseins

Am Riemlein lernt der Hund Leder kauen.

Am Rochustag (16.8.) viel Sonnenschein, der bringt Zucker in den Wein.

Am Rock erkennt man den Müller.

Am Ruder o. an den Schalthebeln der Macht sein
en] to be at the helm
fr] tenir le gouvernail - être à la barre
it] avere in mano le leve del potere

Am Ruheplatz der Toten, da pflegt es still zu sein,
Man hört nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.
Uhland, Graf Eberhard der Rauschebart

Am runzligen Halse trauert die Perle.

Am Sahlende erkennt man das Tuch.
la] E fimbrio de telo judico.

Am Salbende (o. Salbande) erkennt man das Tuch.

Am Samstagabend bekommt man (drei) gute warme Sachen: eine warme Sauna, warmen Brei und ein warmes Weib.
Estland

Am Sankt Bartholomäi (24.8.) ziehen die Schwalben mit Gott.
Venedig

Am Sankt Gall'(us) (Sankt-Gallus, 16.10.) pflüg auf dem Berg und sä' im Tal.
it] Da San Gal ara il monte e semina la val.

Am Sankt Johannistag (24.6.) hat der Teufel keine Macht.

Am Sankt Lukastag (18.10.) soll das (Winter)Korn schon in die Stoppeln gesät sein.

Am Sankt-Gallustag (Sankt-Gallus, 16.10.) den Nachsommer man erwarten mag.

Am Sankt-Lukas Brot und Brei in Mass.
Böhmen

Am Sankt-Lukas das Vesperprot in die Grube und die Mispeln geschält.
Toskana

Am Sankt-Lukas nimm die Rüben heraus und stecke die Kürbisse.
Mailand

Am Sankt-Lukas säe stark oder gar nicht mehr.
Picardie

Am Sankt-Lukas spanne die Ochsen an, es sei nass oder trocken.
Mailand

Am Sankt-Lukas tödte dein Schwein und spunde deine Tonne zu.
Spanien

Am Sankt-Magdalenentage schneidet man den Hafer.
Bergamo

Am Sankt-Michel steigt die Hitze auf zum Himmel.
Mailand

Am Sankt-Thomastag (16.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.

Am Schädel sieht man niemals recht, wer war der Herr, wer war der Knecht.
info] Die Grabschrift auf einen Junker und seinen alten Knecht lautet: 'Gott ist wahrhaftig und gerecht. Hier liegt der Herr und auch der Knecht. Ihr Weltweisen, tretet nur herbei und sagt, wer Herr, wer Knecht da sei.'

Am schalcksberge (auch: in den Schalksberg) hawen.
Luther
info] Ein Schalk sein.

Am Schall erkennt man das Metall.

Am Scheiden liegt der Dank.

am Scheideweg (o. an einem Kreuzweg) stehen
en] to be at the crossroads (o. at the parting of the ways)
fr] être (o. se trouver) à la croisée des chemins
it] trovarsi a un bivio

Am Schelmen sterben.

Am Schilde erkennt man die Gilde (den Kram, den Wirt).
nl] Aan de mars kent men den kramer.

Am Schilde erkennt man die Gilde.

Am Schiss ist es zu sehen, was einer verschluckt hat.
nl] Men zal aan het sch .. wel zien, wie scheermessen gegeten heeft.

Am Schlangenmarientag (Mariä Geburt, 8.9.) verschwinden Schlangen, Fliegen, Käfer, der Mund der Schlange wird zugestopft.
Estland

Am schlechten Wochentage wird mancher ausgezahlt.

Am schlechtesten zahlen, die am meisten prahlen.

Am schlimmsten wirkt sich der technische Fortschritt da aus, wo er die Mittel zur Vernichtung von Menschenleben und mühsam erzeugten Produkten der Arbeit liefert.
Albert Einstein, Mein Weltbild

Am Schlingen gehen mehr zugrunde als am Ringen.

Am Schluß wird abgerechnet.

Am schmerzlichsten
Sind jene Qualen, die man frei sich selbst erschuf.
Sophokles, König Oedipus, 1204/5 (Der Diener)

Am schnellsten ist der Gedanke, am süßesten der Morgenschlaf, am kostbarsten die Erde.
Slowenien

Am schnellsten kommt man auf dem Steckenpferd seines Vorgesetzten voran.
Rumänien

Am schönen weißen zeug siehet man bald ein Flecken.

Am schönen weißen Zeug sieht man bald einen Flecken (als erstes).

Am schönsten kleiden gute Sitten.

Am schönsten Seidenkleid sieht man die Flecken zuerst.
en] The fairest silk is soonest stained.

Am schönsten sind die Frauen so, wie Gott sie erschaffen hat - die Schneider können sie nur verderben.
Paul Gauguin

Am Schreien erkennt man den Esel.

Am Schustersonntag.
info] In dem Sinne des Nimmerleintags.

Am Schwanz ist er stecken blieben.
la] Toto devorato bove in cauda defecit.

Am Schwanze kann man's sehen, was für ein Vogel es ist.

Am Schwarzwald begegnete der Teufel dem Satan.
info] Das Verwandte findet sich leicht zusammen.
bm] Svůj svého poznal, i na pivo pozval. Pod černým lesem potkal se čert s bĕsem.

Am schwefflichstem Wein und pichichtem Bier gewohnen die seuffer des hellischen Trancks oder Feuers.

Am schwersten sind für den jungen Menschen nicht die Enttäuschungen, die er aus unerfüllten Hoffnungen, fehlgeschlagenen Unternehmungen und dem Versagen einzelner geschätzter Personen erfährt, sondern jene, die ihm, so nimmt er übertreibend an, die Menschheit bereitet.
Ehm Welk, Mein Land, das ferne leuchtet

Am schwersten zu bergen ist ein Gedicht,
Man stellt es untern Scheffel nicht.
Hat es der Dichter frisch gesungen,
So ist er ganz davon durchdrungen,
Hat er es zierlich nett geschrieben,
Will er, die ganze Welt soll's lieben.
Goethe (1749-1832), Divan - Buch des Sängers - Geständnis

Am schwierigsten ist es, die Meinung geheimzuhalten, die man von sich selber hat.
Pagnol

Am Selbende erkennt man das Tuch.

Am Septemberregen ist dem Bauer viel gelegen.

Am sichersten macht man Karriere, wenn man anderen den Eindruck vermittelt, es sei für sie von Nutzen, einem zu helfen.
Jean de La Bruyère

Am Simonitag feiern die Pantoffelhelden oder Siemanndl den Namenstag.
Oberösterreich
info] In einer solchen Ehe ist 'sie Mann', sie hat die Hosen an. Wortspiel von Simon und Siemann in der Voraussetzung, dass das o und a nicht rein, sondern als Mittellaut gesprochen werden. Nach Grimm mussten unterworfene Fürsten den Schuh des Siegers als Zeichen des Gehorsams tragen. Der Simonistag, an dem das Fest der Apostel Simon und Juda trifft, fällt auf den 28. Oktober.

Am Soldaten ist nicht in acht zu nehmen, ob er ein Bart habe, wann er nur Hände hat, damit er einem andern den Bart kann ausrupfen.

Am Sonnabend fließt der Festtag wie ein Fluss hinein, am Sonntagabend fließt er wie ein Bach hinaus.
Estland

Am Sonnabend kommt die Sonne immer für so lange hinter der Wolke hervor, dass der Mann aufs Pferd springen kann.
Estland

Am Sonntag bet' und sing', am Werktag schaff' dein Ding'.

Am Sonntag bet und sing, am Werktag schaff dein Sach.

Am Sonntag graben öss kein Sünd, denn öck heww e Krîz väre on e Krîz hinge.
info] Es ist der Spaten mit der Krücke und der Rücken gemeint.

Am Sonntag ist die Frau wie ein Kornfeld im Tau.
es] Así es la mujer el domingo como trigo en el rocío.

Am Sonntag lacht Gott auch nach der anderen Seite.
info] Der Unglücklichen.

Am Sonntag pflücken die Hexen solsequium, am Montag lunaria (Mondviole), am Dienstag verbena, am Mittwoch mercurialis (Bingelkraut), am Donnerstag barba Jovis (Donnersbart), am Freitag capelli Veneris (Frauenhaar) und am Sonnabend mischen sie die höllische Salbe.
info] Unter Angabe über die Bereitung der Hexensalbe.

Am Sonntag Ruh', am Montag Müh'.

Am Sonntag schaffen ist besser als am Werktag gaffen.
dk] Heller-dags syssel er mangen saa behagelig som uge-dags arbeyde.

Am Sonntag zum schwarzen Rössl, am Mondtag zum blauen Kessl, am Erchtag zum gulden Lampel, am Mittwoch zum grünen Kampel, am Donnerstag zur gulden Sonn, am Freytag zum wilden Mann, am Samstag zur schönen Linden lass ich mich beym Saufen finden.

Am Spiegel ist keine Frau hässlich, keine alt.
info] Jede glaubt, es liege am Spiegel, wenn das Gesicht nicht zusagt.

Am Spiel erkennt man, was in einem steckt.

Am Spieltisch enthüllt sich die Seele eines Menschen bis in ihre tiefsten Winkel.
Japan

Am Spötter rächt sich die Kunst.

Am St. Lukastag (18. Okt.) soll das Korn schon in die Stoppeln gesät sein,

Am St.-Agathastage rieselt das Wasser den Weg herab, am Matthiastage (24. Feb.) lass deine Bienen heraus und am Martinstage (11.11.) bringe die Kuh in den Stall.
fr] A la St.-Adietta, l'ivué avô la tzerreiretta, a la St.-Matthias, bouna féna, djita téja, a la St.-Martin, la vatse vu liu.

Am St.-Nimmerleins-Tag
la] ad calendas Graecas. Suetonius
la] ad Graecas kalendas. Suetonius, De vita Caesarum, Augustus

Am starken Gericht spürt man des Kaisers Gerechtigkeit.
info] An einer durchgreifenden unparteiischen Rechtspflege erkennt man eine gute Regierung.
mhd] An dem starken gerichte spuret me des keysers gerechtikeyt.

Am Stephan (26.12.) muss es windstill sein, sonst fällt die erste Hoffnung auf den Wein.

Am Steuermann hängt das Schiff.

Am stillen Herd in Winterszeit,
Wenn Burg und Hof mir eingeschneit,
Wie einst der Lenz so lieblich lacht'
Und wie er bald wohl neu erwacht,
Ein altes Buch, vom Ahn' vermacht,
Gab das mir oft zu lesen:
Herr Walther von der Vogelweid!
Der ist mein Meister gewesen.
Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, 1 (Walther Stolzing)

Am Stirnhaar lasst den Augenblick uns fassen,
Denn - unsre schnellsten Schlüsse
Beschleicht der unhörbare, leise Fuß
Der Zeit, eh' sie vollzogen sind.
Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut
König V. 3

Am Stirnhaar lasst den Augenblick uns fassen.
Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut / König

Am Stock kaufen.
info] In Weingegenden den Wein kaufen, wenn er noch als unzeitige Traube am Stock hängt.

Am Strande ist das Seewasser billig.

Am Strande ist der Damm stolzer, als wo er ins Meer ausläuft.
Russland

Am Strande ist man freilich weise, wenn auf der See ein Schaden geschieht.

Am Strande stehen und nach dem Meere fragen.'

Am Strick müssen sterben, die mehr verzehren als erwerben.

Am Stumpf erkennt man den Holzfäller.
Estland

Am Sunnta' san alle Leut schön, die Kropfaten (= Kropfigen), Krumpn (= Krummen) und die Gschiagelten (= Schielenden) aa!

Am Tag der heiligen Lucie trinkt sie schon die Nächte ab.
Tschechien

Am Tag der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.
it] Per Santa Maria Maddalena, la noce è piena.

Am Tag der vierzig Märtyrer (9.3.) wendeten vierundvierzig Vögel den Mund (d.i. den Schnabel) zum Sommer hin.
Estland

Am Tag des heiligen Simeon (28.10.) legt man beiseite den Fächer schon.
it] A San Simone il ventaglio si ripone.

Am Tag ein Bettler, (zu) nachts ein Dieb.

Am Tag ein Bettler, nachts ein Dieb.

Am Tag ein Bettler, zu nachts ein Dieb.

Am Tag erkennen, das sind Possen,
Im Finstern sind Mysterien zu Haus.
Goethe (1749-1832), Faust II A I, Saal des Thrones
Mephisto Vs 5031

Am Tag ist die Eule blind, bei Nacht die Krähe. Wen aber die Liebe blendet, der ist blind bei Tag und Nacht.

Am Tag, an dem du deine Frau heiratest, heiratest du auch deine Kinder.

Am Tag, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben!

Am Tage Allerheiligen kleiden sich die Großen warm, an Sankt-Martin tut es Groß und Klein.
Mailand

Am Tage Arbeit, abends Gäste; schwere Wochen, frohe Feste.

Am Tage den Mond und des Nachts die Sonne suchen.

Am Tage der heiligen Katharina muss man sich unter das Federbett stecken.
Tschechien

Am Tage der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.

Am Tage der Schlacht marschiert alles nach dem Kanonendonner.
info] Das Wichtigste kommt zuerst.
z] Die alte Soldatenregel: Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner, ist tief in das preussische Blut übergegangen.

Am Tage der sommerlichen Sonnenwende wurde wieder gesagt, dass die Nacht anfangs nur um einen Hahnenschritt länger wird.
Estland

Am Tage des Erfolges ist man immer überrascht über die Zahl derer, die plötzlich entdeckt haben, dass sie unsere Freunde sind.
André Maurois, Die drei Dumas

Am Tage des Sankt Valentein (14.2.), da friert das Rad samt Mühle ein.

Am Tage des Sieges denkt man nicht länger an die Wunden, in der Todesstunde nicht länger an die Arznei.
Bengali, Indien

Am Tage des Sieges lässt man sich keine Strapaze verdrießen.

Am Tage des Todes schämt sich die Liebe.
Haussa, Afrika

Am Tage ein Bettler, nachts ein Dieb.

Am Tage erleiert (erdreiert), des nachts verdreiert (verleiert).
info] Was man bei Tage mit der Leier verdient, das geht des Nachts wieder in den Wind.

Am Tage errungen, am Abend verschlungen.

Am Tage fliegen die Vögel überallhin, in der Nacht aber kehren sie zurück ins Nest.

Am Tage herrscht die Frau über den Mann, aber in der Nacht der Mann über die Frau.
Estland

Am Tage läuft er vor des Büffels Zorn, den Teufel fasst er in der Nacht am Horn.

Am Tage Licht ist Augengift.
Braunschweig

Am Tage nach den Sternen schauen.

Am Tage nach der Wohltat weiß man, wer ein Herz hat.

Am Tage Pauli Bekehr (25.1.) - der halbe Winter hin, der halbe Winter her.

Am Tage Portiuncula (2.8.) ist's leicht, den Kapuzinern zum Tanze pfeifen.

Am Tage Sankt Paul's bricht der Winter das Genick.
Frankreich

Am Tage schlaf nicht, in der Nacht trink kein Wasser, dann brauchst du keinen Arzt.

Am Tage siehst du nichts und in der Nacht schwatzest du.
Griechenland

Am Tage sind die Sterne nicht zu sehen, nachts scheint nicht die Sonne.

Am Tage von Sankt Valentin (14.2.) gehen Eis und Schnee dahin.

Am Tage vor Sanct-Lorenz esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. Sept.) esst hundert Nüsse.
Sardinien

Am Tage vor Sankt Kilian (8.7.), da säe deine Wicken an.

Am Tage, als Kunz Saudreck gen Pfingsten reut.

Am Tage, an dem du nackt herumläufst, wirst du bestimmt deine Schwiegermutter treffen.
Suaheli

Am Tage, an dem ich mein Haus nicht fegte, kamen unerwartete Gäste.
Spanien

Am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde.
Stefan Zweig, Erinnerungen

Am Takte erkennt man den Organisten (o. Spieler).
z] Auch noch vieles andere; denn Takt ist der Verstand des Herzens.

Am Tanztag beweint niemand seinen (verstorbenen) Angehörigen.
Kosi, Afrika
info] Man soll alles zu seiner Zeit tun.

Am Thersites krankt ein jeder Held.
Paul Heyse, Das Feenkind

Am Thomastag (21.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.
it] San Tomé cresce il dì quanto il gallo alza un piè.

Am Thomastag heiratet der schwarze Thomas seine erste Tochter, am Antoniustag (17.1.) die zweite, zur Lichtmess (2.2.) die dritte.
Estland

Am Thomastag kommt (von) der Sonne eine Staubschicht ab, die Sonne wird klarer.
Estland

Am Thomastag stöbert es immer.
Estland

Am Thomastag werden die Weihnachtstore vom Himmelsvater geöffnet.
Estland

Am Thomastag wird der rußige Thomas hinausgebracht.
Estland

Am Throne gibt es fast für niemand Geheimnisse als für den, der daruf sitzt.
Jean Paul, Titan

Am Tisch sei frölich, nicht hader mach, zu afterred sey nicht Ursach.
la] Absint a mensa, detractio, murmur et ira, sed cum laedicia, sumatur potus et esca.

Am Tisch soll man keines Haders gedenken.

Am Tisch und im Bett gehört die rechte Seite dem Mann.

Am Tische hat das Weib recht, im Bett der Mann.

Am Tische sei frölich, frisch und freundlich.

Am Tische soll man keines Haders gedenken.

Am Tische, den ein andrer gedeckt, das Essen meist am besten schmeckt.

Am Tor handelt man um ein Füllen, auf der (Dorf)straße um einen Hengst.
Estland

Am Trillern erkennt man die Lerche.

Am trockenen Busen hält sich Weißbrot, am feuchten Gerstenbrot.
Estland

Am trockenen Stamm ist gut Feuer machen.

Am Trompetentisch sitzen.
info] Am Bei- oder Nebentisch. Wohl daher, dass bei Gastmählern, besonders der Offiziere, die Trompeter oder Musiker, welche die Tafelmusik besorgen, an einen besondern Tische ihren Platz haben. Die Musiker genossen früher keine besondere Achtung, was sich noch in der Benennung Trompeten- oder Musikantentisch für Neben- oder Katzentisch zeigt.

Am übel gewonnenen Gut hat der dritte Erbe weder Freud noch Mut.

Am Übeltäter zittert selbst der Rock.
Tschechien

Am Ufer ist die Sicherheit, im Heer der Reichtum.

Am Ufer stehen nützt nichts, wenn der Fluss vertrocknet ist.

Am unbarmherzigsten im Urteil über fremde Kunstleistungen sind die Frauen mittelmäßiger Künstler.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Am unglücklichsten ist nicht der Mann, der keine Freunde, sondern der keine Feinde hat.
Spanien

Am unterspülten Ufer ist bös baden.
bm] Koupej se drze se břehu.

Am Vater erkennt man den Sohn, an der Mutter die Tochter.

Am Vater kennt man gemeiniglich die Kinder.

Am Verbrechen eines einzelnen lern alle kennen.
la] Crimine ab uno / disce omnes.

Am Veronatag soll's vormittags regnen und nachmittags die Sonne scheinen.
Luzern

Am Verstande trägt man nicht schwer.

Am vielen Fragen erkennt man den Narren.

Am vielen Lachen (o. Fragen) erkennt man den Narren.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vielen Lachen kann man den Narren erkennen.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Per risum multum debes cognoscere stultum.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vierten Tag vom Hochzeitsschmaus trollt der Hochzeitsbitter sich nach Haus.

Am Vorabende großer Ereignisse stehen.
info] Meist ironisch gebrauchte Redensart, um auszudrücken, dass nichts von Bedeutung geschehen werde.
z] Lassen Sie in Paris bekannt machen, dass wir am Vorabende eines großen Ereignisses, à la veille d'un grand évenement, stehen. Napoleon

Am vorderen Tor wehrt man den Tiger ab, durch das hintere kommt der Wolf ins Haus.
China

Am Vormittag der Heilige Elias, am Nachmittag Allah.
Bosnien

Am vorsichtigsten sei man beim Ratgeben in Heiratsangelegenheiten!
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Am Wachstum hindert den Menschen oft das eigene Dach überm Kopf.

Am wahren Spötter lächelt das ganze Gesicht, der Mund ausgenommen.
Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen

Am Walde hätte nicht die Axt so leichtes Spiel,
Hätt' ihr der Wald nicht selbst geliefert ihren Stiel.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Am Wams kann man nicht sehen, wer ein Brandmal trägt.
nl] Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt.

Am Wappen erkennt man die Münzen.
nl] Aan de wapens kent men de munten.

Am warmen Ofen (v)erfriert man nicht.
Rheinpfalz

Am Wege enden alte Pferde und alte Soldaten ihr Leben.
nl] Aan den weg en aan de straat rekken oude paarden en trouwe veteranen hun leven.

Am Weib schlägt der Mann seine Schande.

Am Weibe schlägt der Mann seine Schande.

Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Georg Trakl, De Profundis

Am Weiser kann man sehen, was an der Glocke ist.
ndt] Hä is wie de Wîser an de Klock, hä geiht, we ein'n 'n stellt.
ho] Men kan aan den wijzer wel zien, wat de klok heeft.

Am wenigsten sicher sind die Menschen vor dem, was das Schicksal nicht befürchten lässt.
la] Ad id, quod, ne timeatur, fortuna facit, minime tuti sunt homines.

Am wenigsten stützt Religion und Sittlichkeit auf Gründe. Eben die Menge der Pfeiler verfinstert und verengt die Kirchen.
Jean Paul

Am Werk der Nacht findet der Tag immer etwas auszusetzen.
Irland

Am Werk sieht man zu aller Frist, was meisters drob gewesen ist.
fr] A l'ouvre on connaît l'artisan (l'ouvrier).
fr] C'est à la muraille qu'on connaît les maçons.
ho] Aan het werk kent men den meester.

Am Werke erkennt man den Meister.
La Fontaine, Fabeln

Am Werke erkennt me den Werkmann (Arbeiter).
la] Indicat artificem res operata suum.

Am Werktag schaffe alle Ding,
Am Sonntag bete, hör und sing!

Am Widerrist erkennt man ein gutes Pferd, am Maul einen guten Esser.
Estland

Am widerwärtigsten sind die kricklichen Beobachter und grilligen Theoristen; ihre Versuche sind kleinlich und kompliziert, ihre Hypothesen abstrus und wunderlich.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 566

Am Wildfangen ist kein Gewinn.

Am Windeskreuztag (d.i. Jürgenstag) bekam das Pferd seinen Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Winterfirsttag (12. März od. 14.1.) wird der Hahn über den Dachfirst geworfen, denn er hat unter dem einen Fuß Körner, unter dem anderen Schnee.
Estland

Am Wissen trägt man nicht schwer.

Am Wohlgebornen übel steht, wenn er der Tugend Weg nicht geht.
la] Bene natis turpe est male vivere.
la] Honeste natis turpe est male vivere.

Am wohlsten fühlt sich ein Brunnenfrosch im Brunnen.
China

Am wünschenswertesten wäre jedoch, dass man die Sprache, wodurch man die Einzelnheiten eines gewissen Kreises bezeichnen will, aus dem Kreise selbst nähme, die einfachste Erscheinung als Grundformel behandelte und die mannigfaltigem von daher ableitete und entwickelte.
Goethe (1749-1832), Entwurf einer Farbenlehre 5. Abt. - 755

Am würdigen Alten in Treue halten, am kräftigen Neuen sich stärken und freuen, wird niemand gereuen.

Am zähesten wird verteidigt, was nicht existiert.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Am Zapfen sparen und am Spundloch herauslassen spart nicht.

Am Zapfen sparen und am Spundloche wieder herauslaufen lassen, das spart nicht.

Am Zaum erkennt man das Pferd.
pl] Uzda konia, język człowieka, smak potrawę pokazać ma.

Am zehnten Januar Sonnenschein
Bringt viel Korn und Wein.

Am Zeichen erkennt man die Warenballen, und an den Reden die bösen Zungen.
fr] Aux marques l'on connoit les bâles, et au parler les langues males.

Am Zeiger kann man sehen, ob die Uhr verrückt ist.
info] Vom Antlitz und äußern Betragen ist leicht ein Schluss auf den innern Menschen zu machen.

Am Zeiger kann man sehen, wie spät es (o. was an der Zeit) ist.

Am Zorn erkennt man den Toren.

Am zweiten Weihnachtstag (26.12.) wird der Tag um einen Hahnenschritt länger.
Estland

Ambassaden sind aller Orten frei.
[RSpW]
info] Die Völkersitte hat von jeher die Gesandten für unverletzlich gehalten.

Ambieren und anhalten ist keine Schande.
info] Wer eine Stellung haben will, darf sich keine Mühe verdrießen lassen.
lat] Ambitio opportuna est petitio honorum licita apud alios.

Amboss und Hammer machen das Eisen nicht weicher.
dk] Ambotten og hammeren gjör jernet ikke blödere.

Ambrosia auf sie Straße schütten.
info] Weise Reden vor Toren.

Ambrosius (4.4.) schneit oft den Bauern auf den Fuß.

Ameis' und Spinne auf allen Pfaden, dann wird das Wetter gut geraten.

Ameise Die Ameise ist unstreitig eines der edelsten, mutigsten, wohltätigsten, aufopferungsfähigsten, großherzigsten, uneigennützigsten Wesen, die unsere Erde trägt.
Maurice Maeterlinck, Das Leben der Ameisen

Ameisen haben auch Galle.

Ameisen haben auch Galle.
info] Auch der Wehrloseste sträubt sich gegen Misshandlungen, auch der Schwächste und Gutmütigste kann zuletzt zornig werden.
z] Die Ameisen und die Bienen, item die Bawren und Armen haben auch jren Zorn, aber er hat nicht die wehre, sondern ist ein kurtzes, kleines und geringes Zörnlein und Füncklein, nach dem Versslein: Vana est sine viribus ira: Haben Groll und Zorn ohne Nachdruck, ist verlorn.
Richter, Axiomata

Ameisen ins Bett tragen.

Ameisen kriechen nicht in leere Scheuern.

Ameisen suchen.
info] Sich vergebliche, unnütze Mühe machen.
la] Formicae semitas quaerere.

Ameisen zernagen des Löwen Fleisch.
info] So nagt der Neid am Rechtschaffenen.

Ameisenhut ist für (gegen) Schlafen gut.
fr] Celuy qui est trop endormy doit prendre garde à la fourmy.

Amen es ût, sed (= sagte) Beckroth, alle rôe (= roten) Schelmen dögen nit.
Meurs

Amen ist des lieben Gottes (großes) Siegel.

Amen ist des lieben Gottes großes Siegel.

Amen Selah, die Katz goht de Bach na!
Breitingheim

Amen Solomen, aliquando non habemus panem.

Amen, sagte der Küster, und die Kirche war aus.

Amene Wiib und anere Müli isch alliwil öppis z verbessere.
Schwiizertütsch

Amerika hat noch nicht gelitten. Man täuscht sich, wenn man ihm schon die hohe Fähigkeit des Herrschens zubilligen möchte.
>Sprüche der Weisen, Der Aufstand der Massen

Amerika ist Amerika. Deutschland will Deutschland und außerdem noch Amerika sein.
Jean Cocteau

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien IX

Ämm is 'n gôden Titt affsnäden.
Altmark
info] Er hat eine bedeutende Hilfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.

Amme Mittwoche schläft de Mus in es ander Loch.
info] Nach dem Volksglauben wird am Mittwoch keine Reise angetreten.

Amme, du bist Herrin, solange das Kind trinkt.

Ammenlieder lullen nur Kinder in den Schlaf.

Ammenmärchen
la] aniles fabellae

Ammenmären können keine Männer nähren.

Ammenpflege ist keine Mutterpflege.
fr] Les soins d'une nourrice ne sont pas ou ne valenu pas ceux d'une mère.

Ammer und Haubenlerche sagen, der Winter ist hinterm Berge.

Amnestie - die Großmut des Staats jenen Übeltätern gegenüber, deren Bestrafung zu kostspielig wäre.
Ambrose Bierce

Amnestie: das schönste Wort der menschlichen Sprache.
Victor Hugo

Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!
[.. Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirtung,
Welchen Amor empfiehlt, köstlich bewirtet ist er.]
Goethe (1749-1832), Römische Elegien XII (1788-1789)

Amor hasst die Faulen.
la] Amor odit inertes.

Amor hasst die Tätigen.
la] Amor odit agentes.

Amor hat dir zugeniest.

Amor ist der größte Spitzbube unter den Göttern, der Widerspruch scheint sein Element zu sein.
Giacomo Girolamo Casanova, Memoiren

Amor ist ein Krieger, der vor jeder Feste Sieger.
it] A ogni impresa.
la] Amor restat vincens.

Amor ist ein mächt'ger Fürst.
en] Love's a mighty lord.
Shakespeare (1564-1616), Die beiden Veroneser II,4

Amor ist ein mächtiger Fürst
Und hat mich so gebeugt, dass ich bekenne,
Es gibt kein Weh, das seiner Strafe glich',
Doch gibt's nicht größre Lust, als ihm zu dienen.
Shakespeare (1564-1616), Die beiden Veroneser

Amor ist ein Maulwurf, Hymen ein Luchs.
info] In der Liebe sieht man gar keine, in der Ehe zu viele Fehler.

Amor ist ein von Dichtern verzogenes Kind.
en] Love is a boy by poets styl'd.
Samuel Butler, Hudibras (1663-1678), Teil 2, Gesang 1, Vers 843

Amor ist immer noch Kind.
Goethe (1749-1832), Gedichte, antiker Form sich nähernd. Ungleiche Heimat

Amor steckt von Schalkheit voll,
Macht die armen Weiblein toll.
en] Cupid is a knavish lad,
Thus to make poor females mad.
Shakespeare (1564-1616), Ein Sommernachtstraum (1594), III, 2 (Droll)

Amor und Hymen bauen eine gute Hütte, ist Plutus der dritte (o. in ihrer Mitte).
info] Ehen sind in der Regel glücklicher, wenn zu der vorhandenen Zuneigung auch einige materielle Mittel kommen.

Amor verleihet so spät zärtliche Liebe nicht mehr.
Properz, Elegien

Amor, der schlaue Plagegeist des menschlichen Geschlechts.
Cervantes, Der eifersüchtige Extremadurer

AmoRalität: Verbrechen der Liebe.
Alexander Eilers

Amoris macht, Veneris bracht, Cupidinis swerth hant manchen verzert.

Amors Pfeil hat Widerspitzen.
Wen er traf, der lass' ihn sitzen
Und erduld' ein wenig Schmerz!
Wer geprüften Rat verachtet
Und ihn auszureißen trachtet,
Der zerfleischet ganz sein Herz.
Bürger, Gedichte (1796-1797), Amors Pfeil

Amors Pfeile sind unbesiegbar.
la] Invicta gerit tela Cupido.

Amors Streifschüsse nennt man Flirt.

Amors süßer Zaubermacht
Ist der Orkus untertänig.
Schiller, Der Triumph der Liebe (1781)

Ampel und Docht verschlucken viel Öl und werden doch nicht feist davon.

Ampère steht freilich in seiner Bildung so hoch, dass die nationalen Vorurteile, Apprehensionen und Borniertheiten vieler seiner Landsleute weit hinter ihm liegen und er seinem Geiste nach weit mehr ein Weltbürger ist als ein Bürger von Paris.
Goethe (1749-1832), zu Eckermann, 4. Mai 1827

Amptleut und Pfleger, Förster und Heger, Kastner und Schösser, bawen Häusser und Schlösser, haben kleinen lohn, werden reich davon. Nun zeug mir an, wie das sein kann. Ihr griff, die weiss nicht iederman, sie schreiben ein X vor ein U, so kommen sie mit der Rechnung zu.

Ams, amma, amma, bellen alle Hunde.
Litauen

Amsterdam ist die Perle aller Städte.
info] Als solche galt es früher, wie als Sitz und Sammelplatz des Reichtums).

Amsterdam, du grote Stadt, büst gebaut up Palen, wenn du nun ins umme fallst, wel sall dat bitalen.
info] Nicht allein in Amsterdam, sondern in ganz Holland ruhen beinahe alle Häuser auf Rosten. An und für sich ist indes die Befürchtung des Umfallens eine kindische Vorstellung. Dennoch gab im vorvorigen Jahrhundert eine Erscheinung einigen Grund zu dieser Befürchtung. Um das Jahr 1730 fanden sich nämlich plötzlich Würmer ein, wahrscheinlich mit Schiffen aus Indien gekommen, welche in kurzer Zeit die Wände der Schiffe und die Pfähle an den Dämmen durchbohrten und unbrauchbar machten. Die Besorgnis war groß, da man kein Vertilgungsmittel kannte. Man fürchtete, sie würden die Pfähle angreifen, worauf Amsterdam ruht. Sie verloren sich indes nach einigen Jahren infolge eines strengen Winters wieder.

Amsterdam, haaste Geld, ik hewwe Waare, sagte de Besenbinner.
Westfalen

Amsterdam. Pah! Gar nicht!
Thomas Mann, Buddenbrooks

Amsterdamer Ränder (Giljones).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Es ist hier der Bücherrand gemeint. Die Amsterdamer Ausgaben des Talmud sind von den Juden ihrer schönen Ausstattung und breiten Ränder wegen sehr gesucht und gut bezahlt. Es wird daher mit diesem Ausdruck ein Mensch (oder eine Sache) bezeichnet, dessen (deren) innerer Gehalt hinter seiner (ihrer) schönen äußern Form zurücksteht.

Amsterdamken, as ik dir noch ênmol so guamm, sullt du nêt völ behollen, sä de Feling, do harr he de 30 Gülden mitbrocht.
info] Der Westfälinger war auf seinem Hausierhandel bis Amsterdam gekommen, wo er für 30 Gulden seine Ware abgesetzt hatte, er fürchtete, wenn er noch einmal so viel Ware hinbringe, dass die Zahlungsmittel der Stadt erschöpft werden würden.

Amt adelt niemand.
[RSpW]
info] Nicht der Amtsbesitz führt zum Adel, sondern der Adel besitzt die Ämter. Die Rechte und Ämter, die der Adel besaß, erwarben sie durch den Geburtsstand, es waren Folgen, nicht Ursachen des Adels.

Amt bringt Ehre, aber die Tugend nicht immer Amt.
dk] Som ved amt erlangen ere, sau bör amt erlanges ved dyd.

Amt bringt Käppchen.

Amt bringt Samt.

Amt gibt Kappen(, sind's nicht Kappen, so sind's doch Lappen).
info] Der Ursprung dieses Sprichworts fällt nach den Berichten Grunar's in seiner 'Preussischen Chronik' in die Zeit des Hochmeisters Heinrich von Richtenberg, der von 1470-77, obwohl in großer Armut, regierte, da Preußen sich nach dem verderblichen dreizehnjährigen Kreige noch nicht erholt hatte. Diese Dürftigkeit drückte auch die Ordensbrüder, und oft war nicht einmal so viel Geld in der Kasse, dass ihnen die nötigen Kleider angeschafft werden konnten. Einer darunter, Matthias von Beybelen, bat den Hochmeister zu wiederholten malen um ein neues Kleid, zeigte ihm die zerrissenen Lappen, erhielt aber immer schlechten Trost. Auf fortgesetztes anhaltendes Bitten gab ihm endlich der Hochmeister das Amt, die Zinskäse von den Schäfern einzunehmen, wobei er bald so viel erwarb, dass er sich ein neues Kleid anschaffen konnte. Als sich nun viele über die schleunige Verbesserung seiner Umstände wunderten und ihn darum befragten, pflegte er zu antwowrten: Amt gibt Kappen. Diese Antwort wurde zum Sprichwort, auch außerhalb Preussens, und wird gebraucht von denen, welche bei geringer Besoldung sich Nebenzugänge zu verschaffen wissen)

Amt hat Würde, aber die Würde nicht stets das Amt.
dk] Som ambt besidder vaerdighed, burde vaerdighed besidder ambt.

Amt lehrt den Mann.

Amt macht verdammt.
info] Wenn es schlecht verwaltet wird.

Amt ohne Sold ist ein Schlüssel zu der Untertanen Gold.

Amt ohne Sold macht Diebe.

Amt ohne Sold macht Diebe.
dk] Bestilling uden lön giver tyve.

Amt ohne Verstand gilt wenig im Land.
la] Est decor obtusus cui nullus competit vsus.
sd] Lithin makth aer vm then hedher aenghin dygdh fölgher.

Amt und Können sind nicht zur Last.

Amt und Person soll man unterscheiden wohl.

Amt und Werk zeigen an, was der Mann kann.
fr] L'office et la somme, monstreront quel soit l'homme.

Amt und Würde gibt eine scheinbare Überlegenheit, welche selten von der persönlichen begleitet wird: Denn das Schicksal pflegt sich an der Höhe des Amtes durch die Geringfügigkeit der Verdienste zu rächen.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Amt wird keinem zur Eh' gegeben, drum soll man's brauchen, weil man's hat.

Amt wird keinem zur Ehe gegeben, drum soll man's brauchen, weil man's hat.

Ämtchen bringen Käppchen,
Ämtchen bringen Läppchen,
Reißen oft die Kappen
Und das Kleid in Lappen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Ämtchen bringt Käppchen.

Ämtchen bringt Käppchen.
info] Mönche tragen Kapuzen, Bischöfe Mützen, Äbte 'Käppchen', Kardinäle Hüte, der Papst eine dreifache Krone. Jedes kleine Amt wirft Vorteile ab.
ndt] Alle Ämter gevt Kappen.
ndt] Empter geben Kappen.
ho] Het ambt geeft kappen.
fr] Il n'y a point d'emploi sans bénéfice.
fr] On ne peut manier le beurre, qu'on ne s'engraisse les doigts.
la] Quodlibet officium lucri pinguedine crassum.

Ämter geben Töpfe, aber keine Köpfe.
fr] Point de bénéfice sans charges.

Ämter geben Würde und Bürde.
[RSpW]
info] D. h. Rechte und Pflichten.
la] Capere (o. Tradere) provinciam. Plato

Ämter kommen oben, die Eheleute werden unten zusammengeschoben.
nl] Brui loften en officiën worden van den hemel toegeschikt.

Ämter machen wohl dicke Bäuche, aber keine vollen Köpfe.

Ämter sind Brunnen.
dk] Bestilling erne (em beder) ere guds, dog personnerne ere tis dievelens.

Ämter sind Gottes, die Amtleute des Teufels.

Ämter und Ehren stehen ihm an, wie dem Ochsen ein Sattel und dem Esel eine Bischofsmütze.

Ämter und Posten hängen nicht am Baum, aber am Schiebkarren (= Gönner).
nl] Ambten en posten hangen niet ann den boom, maar wel aan den kruiwagen.

Ämter und Zünfte müssen so rein sein, als wären sie von Tauben gelesen.

Ämter und Zünfte müssen so rein sein, als wenn sie von den Tauben gelesen wären.
info] Wer in eine Zunft oder Gilde aufgenommen zu werden verlangt, darf nicht in Ansehung seiner Geburt, noch seines Lebenswandels beurteilt werden. Den Gedanken: Wer zu einem Amte gekommen ist, muss es nach Ehre und Würde desselben führen, drückten die Griechen in dem Sprichwort aus: Wer nach Sparta gekommen ist, schmückt es!
la] Spartam nactus est, hanc orna.

Ämter wären schon gut, wenn nur das Rechnung tun nicht wäre.

Ämter wären schon gut, wenn nur das Rechnungtun nicht wäre.

Ämter wären schon gut, wenn nur die Rechenschaft (das Rechnungslegen, Rechnungtun) nicht wäre.

Ämter, die besten, darben, tragen Stroh statt Garben.

Ämter, wobei die darben, die sie verwalten, sind Diebesanstalten.

Ämterlaufbahn
la] cursus honorum

Ämtle - Schlämple.
info] Schlamp = nachlässiges Tun oder Nebengewinn.

Amtleute geben dem Herrn ein Ei und nehmen den Untertanen zwei.

Amtleute haben die Schlüssel zu der Bauern Gelde.

Amtleute hüten wie der Fuchs die Gänschen, und richten wie der Wolf über die Schafe.

Amtleute kommen eher in Gefahr als ein Schiffmann.

Amtleute machen ein Loch auf und stopfen das andere zu.

Amtleute müssen klug sein.

Amtleute müssen manche Pille verschlucken.

Amtleute nehmen die Leilaken (Inletten) von einem Bette und decken sie aufs andere.

Amtleute nehmen von den Füßen und decken (schmücken) damit den Kopf.

Amtleute nehmen von einem Altar und schmücken damit den anderen.

Amtleute schneiden das beste Stück vom Tuch, Gott geb', dass dem Herrn zu einem Rock übrig bleibt.

Amtleute sollen den (o. die) Bauern hegen und nicht fegen, sich ihrer erbarmen und sie nicht verarmen, in der Not erfreuen, nicht mit Strafe bedräuen, ihre Arbeit ehren und nicht beschweren.

Amtleute sollen die Bauern hegen und nicht fegen,
sich ihrer erbarmen und sie nicht verarmen,
in Not erfreuen, nicht mit Strafe bedräuen,
ihre Arbeit ehren und nicht beschweren.

Amtleute und Pfleger,
Förster und Häger,
Schaffner und Jäger,
Schösser und Prokurator,
Verwalter und Kurator
haben nicht großen Lohn,
werden gleichwohl reich davon.

Amtleute und Schösser bauen schöne Schlösser.
z] Amtleute und Schösser (Zoll- und Steuerheber) bauen große Häuser und Schlösser, und kriegen doch wenig Sold, sind nicht treu noch hold, die Rechnung kann nicht fehlen, die Diebe müssen stehlen. Preußischer Hausfreund, Berlin 1810

Amtmann - verdammt man.

Amtmann Bär
Schickt mich her,
Ich sollte holen
Zwei Pistolen,
Eine für dich
Und eine für mich,
Ich bin ab
Und du noch nicht.
Abzählvers

Amtmänner kommen schwer in den Himmel.
z] Der Teufel war einst in einer Spielgesellschaft, da bekam er Nachricht, dass nächsten Tag ein Amtmann begraben werde.

Amtseid wird manchem leid.

Amtssessel
la] sella curulis

Amul hot a Meisel a Heisel.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Manchmal hat ein Mäuslein ein Häuslein.
info] Wenn sich jemand auf unbedeutende Dinge viel einbildet. In Warschau auch, um ein gewisses Siegesgefühl darüber auszudrücken, dass man endlich in den Besitz einer Sache gelangt ist, die man lebhaft gewünscht hat; so wie etwa die Maus stolz auf ihr Loch ist, das zu ihrer Wohnung führt.

Amyris ist wahnsinnig.
info] Dies altgriechische Sprichwort wurde gebraucht, wenn einer allein eine Gefahr voraussah und sich deshalb bei Zeiten in Acht nahm, andere ihn aber deswegen zum Narren hielten, bis sie endlich ihren Schaden einsahen, dass sie Narren gewesen. - Amyris, ein Sybarite, war von seinen Landsleuten nach Delphis geschickt worden, um das Orakel zu fragen, wie lange sie sich ihres glücklichen Zustandes zu erfreuen haben würden, worauf er die Antwort erhielt: so lange, bis sie würden anfangen die Menschen mehr als die Götter zu ehren. Als Amyris glaubte, dass ein solcher Fall eingetreten sei, packte er seine Sachen zusammen und zog fort, die Sybariten nannten ihn wahnsinng, mussten aber erfahren, dass ihn ein richtiger Blick dem Unglück zu rechter Zeit entzogen habe.

An (seidenem) Faden hängen
la] pendere filo.span>

An Aegidius man säen muss.
Masuren
pl] Jelzi, si ac wygelziij.span>

An Agathe (10.1.) Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.

Än äht versöfn seng.
Siebenbürgen/Sachsen
info] In etwas ersoffen sein, tief darin stecken.span>

An Ai is an Ai, sad thi Pruwst, man hi greab doch efter at gratst.
Föhr
hdt] Ein Ei ist ein Ei, sagte der Propst, aber er griff doch nach dem größten.
info] Man will damit sagen, dass Geistliche wohl die Eitelkeit und Verachtung irdischer Güter predigen, aber da, wo es Gelegenheit zum Zulangen gibt, gerade nicht blöde sind.span>

An Akschen (Eigensinniger) fallt in der Blote herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Blote = Polota, polnisch = Strassenkot. Das gewöhnliche Los des Eigensinnigen ist, dass er sich beschädigt, zu Nachtheil kommt, den Kürzern zieht.span>

An Alexis send' ich dich;
Er wird, Rose, dich nun pflegen.
Christoph Aug. Tiedge, Das Echo oder Alexis und Ida. Die Sendung der Rose (1812). Melodie von Friedr. Heinr. Himmel (1814).span>

An alle Himmel schreib ichs an,
die diesen Ball umspannen:
Nicht der Tyrann ist ein schimpflicher Mann,
aber der Knecht des Tyrannen.
Morgenstern, Allen Knechtschaffenen.span>

An allem ist zu zweifeln.
info] Wahlspruch von Karl Marx
la] De omnibus dubitandum.span>

An allem Ort und Ende
Soll der gesegnet sein,
Den Arbeit seiner Hände
Ernähret still und fein.
Friderici Ehren-Liedlein (1614), Familiengemälde.span>

An allen Ecken und Enden.

An allen Gliedern zittern.
info] Von sehr Furchtsamen.span>

An allen Körpern, die wir lebendig nennen, bemerken wir die Kraft, ihresgleichen hervorzubringen. Wenn wir diese Kraft geteilt gewahr werden, bezeichnen wir sie unter dem Namen der beiden Geschlechter. Diese Kraft ist diejenige, welche alle lebendigen Körper miteinander gemein haben, da sonst ihre Art zu sein sehr verschieden ist.
Goethe (1749-1832), Aphorismen und Fragmente - Urphänomen.span>

An allen Naturwesen, die wir gewahr werden, bemerken wir zuerst, dass sie einen Bezug auf sich selbst haben.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,4.span>

An allen orten dieser welt wirdt Gottes macht uns fürgestellt.
la] Omnis in orbe locus, fert Deitatis opus.span>

An allen Orten ist gut leben.

An allen Türen anbossen.

An Allerheiligen (1.11.) sitzt der Winter auf den Zweigen.

An Allerheiligen geh' in den Wald,
nimm von der Birke einen Span,
und da siehst du es ihm gleich an,
ob der Winter warm ist oder kalt:
Ist der Span trucken,
wird ein warmer Winter anrucken,
aber ist er naß genommen,
wird ein kalter Winter kommen.

An Allerheiligen Sonnenschein, tritt der Nachsommer ein.

An alles kommt ein Ende außer an Frauenarbeit und und Qual in der Hölle.

An alles leget die Natur die leise,
Doch unabwehrbar starke Hand; sie legt sie
An eines Kindes liebliches Gebild,
Wie an die Rosenknospe, und sie schafft
Sie beide voll und reif zu Mann und Rose,
So dass du Kind und Knospe nicht mehr kennst!
L. Schefer, Laienbrevier.span>

An Allmende graben, die da frieden.
[RSpW]
info] Das Privateigentum musste von der Allmende nicht bloß durch einen Zaun, sondern auch durch einen neben dem Zaun gezogenen Graben geschieden sein, den der Privatbesitzer ziehen musste. Frieden - die Grenzen so klar stellen, dass kein Streit zwischen Nachbarn entstehen kann.span>

An alta Hahn und an alta Mann sind um fünf Kreuzer gnue.
Oberösterreich
info] Teuer genug bezahlt.span>

An alte Drênl.
info] Von drehen (kreisen). Eine alte Weibsperson, welche viele Jahre in einem Hause sich geschäftig umherbewegt hat.span>

An alte Hiebe muss man nicht denken.
info] Alte Hiebe schmerzen aufs neue, wenn man ihrer gedenkt.span>

An alte Scherben sein.
Oberösterreich
info] So werden wohl alle gebrechliche Leute in Oberösterreich genannt.span>

An alte Schuh' is alsfort zu flicke'!
Jüdisch.span>

An altem Kessel beschmeisst man sich gern.

An altem Kuhfleisch ist viel Kochens.

An altem Kuhfleisch kocht man lange (ist lange Kochens).
info] In schwierigen, verwickelten Angelegenheiten ist lange zu beratschlagen.span>

An alten Flinten, die nicht schießen, fehlt es nicht.

An alten häfen (Kesseln) und schälcken ist alls waschen verlorn.

An alten Häfen ist alles waschen, purgieren oder arzneien verloren.

An alten Häfen und Schälken ist das Waschen verloren.

An alten Häusern und alten Weibern ist stets was zu flicken.

An alten Hunden ist Chrisam und Tauff verloren.

An alten kesseln beromet man sich gern.

An alten Kesseln macht man sich rußig.

An alten Kesseln ramigt man sich.

An alten Kesseln reiben ist keine hohe Kunst und heißt Ramfangen.

An alten Schuhen gibt's dauernd was zu flicken.

An alten Stiefeln mag der Hund sich abkiefeln.

An alten Stiefeln schmiert man sich müde.

An alten Töpfen und schälken ist alles waschen verloren.

An alten Wölfen und bösen Menschen ist Hopfen und Malz verloren.

An Alter bricht, ün a Jünger baut, is noch nit gleich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Dies den Rabbinern entlehnte Sprichwort preist die Vorzüge des Alters der Jugend gegenüber. Es behauptet, das Einreißen des erfahrenen Alters sei nützlicher als das Aufbauen der leichtsinnigen Jugend.span>

An alter Ochs is aa amal a Kaibl gwesn.

An alter oder ungewisser schuld nimmt man haberstroh.

An an Stich anhäng'n.
info] Ihm eine beißende Rede geben. Wenn diese gar zu verständlich oder persönlich war, nannte man sie Messnerstich.span>

An anbrennts Scheitl brennt besser als an anders.

An anderen enden ist auch gut brodt essen.

An anderen enden sind auch leut.

An anderer leute kindern und an frembden hunden hat man das Brot verloren.
v] An ander Lüte Kinder und a frönde Hünd het me's Brot verlore.
Schweiz
info] Der Hund läuft davon, oder man muss ihn seinem Herrn unentgeltlich wiedergeben. Wird auch auf den Fall angewandt, wenn jemand auf fremden Acker rechtswidrig gebaut hat und dadurch der Ernte verlustig geht.
ho] Aan vreemde lieden kinderen en vreemde honden is somtijds de kost verloren.
la] Qui canem alit exterum, huic praeter lorum nil fit reliquum.
ho] Qui canem alit peregrinum, huic nil reliqui fit, praeter linum.
sd] Fåfäng kost på annars barn och hundar.span>

An andern Leuten zum Ritter werden wollen.

An andern Orten ist auch gut Brot essen.

An andern sieht man das kleinste Läuschen, an sich keine Hundslaus.

An andrer Leute Kindern und fremden Hunden hat man das Brot verloren.

An anneri Mutter hat a (auch) a liabes Kind.
Franken
info] Damit tröstet sich, wer einen Korb erhalten hat.span>

An anne's Oast (ein anderer Ort), an andere Mensch.
Tirol.span>

An annrer Bauch, an annrer Brauch.
Franken
info] Auf schwangere Frauenspersonen angewandt.span>

An Anschlägen geht oft viel ein wie an rohem Tuche.
dk] Paa anslag gaaer meget ind, ligesom klæde og gammelt kiød.span>

An Anschlägen verliert man am meisten (o. am wenigsten).

An Anschlägen verliert man am meisten.

An är Hitte (Ziege) un an 'n Schwein is nit vill doktern.
Sauerland
info] Hitte, in der westlichen Mark: Hippe, Hessen: Hitz.span>

An arme Haustür folgt oim auf Weg un Steg.
Schwaben.span>

An arme Leut wünscht man die Schuh, so geht es in der Welt hier zu.

An armen Leuten will jeder sich die Schuhe wischen.
sd] Den fattige är hwars mans skostrok.span>

An armen Mannes Hoffart wischt der Teufel seinen Bart.
nl] Eens armen mans hoovaardij is niets waard.span>

An Armen weiß man nichts zu gewinnen.

An armer Hascher.
Steiermark
info] Häscher = Schlucker; bei Frauen: Häscherin, arme Haut.span>

An armer Leut' Bart lernt der Junge scheren.

An armer leut hochmut (hoffart) wischt der Teufel den arss.
z] An Hoffart, da wischet der Teufel seinen Hindern an; Und ob sie wohl fast drücket, so kan sie doch nichts machen, denn sie hat nichts im Bauche.
Luther
z] Wo Hoffart ist beim armen man, wüscht der Teufel den hindern an.span>

An armer Leute Bart lernt der Junge scheren.

An armer Leute hoffart wischet Meister Hämmerling die Nase.

An armer Leute Hoffart wischt der Teufel den Arsch.

An armer Leute Hoffart wischt der Teufel den Arsch.
ndt] An arme hoffart wischt der teifel den ars.
info] Nichtskönners Arroganz wirkt lächerlich.
z] Wo hoffart ist beim armen man, wischt der Teuffel den hindern an.
z] An solche Hoffart saget man, wischet der Teufel seinen Hindern; denn es ist in der Warheit alles eine arme elende, stinkende Bettelhoffart.
Luther
mhd] Armiu hôchvart deist ein spot.
mhd] Armiu hôchvart ist ein spot rîche dêmuot minnet got.
mhd] Mich wundert armiu hôchvart, und ist alter man unwîs.
ho] Aan arme lieden hoovaardij vaagt de duivel zijn' aars.span>

An armer Leute Hoffart wischt der Teufel seine lateinische Kunst.

An armer Leute Kinnlade lernt der junge Zahnarzt Zähne ausbrechen.
Russland.span>

An artlige Paröse sein.
Oberösterreich
info] Ein sonderbarer Mensch.span>

An Arwêt fehlt' 't mi nich, söä de barliner Silberpolêreren, bi da polêr ick Silver un Awends Nilköppe.

An Ases(Mechüzeph-)Punim.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Ein unbescheidener, frecher Mensch.span>

An Aufgeklärter in a klein Städtel esst Kasche mit Chrilene.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Kasza = Grütze, Chrilene = Talg, Unschlitt. Unter 'Aufgeklärter' verstehen die rechtgläubigen Juden einen Anhänger der modernen Richtung, der sich über Religionsvorschriften, wie z.B. die Speisegesetze, hinwegsetzt. Um sie lächerlich zu machen, sagen sie, ein solcher aufgeklärter oder Reform- Jude lege, zumal in einer kleinen Stadt, wo es ihm fast an Gelegenheit zu sündigen fehle, seine Aufklärung dadurch an den Tag, dass er trotz des Verbots, ja selbst auf Kosten des guten Geschmacks, seine Grütze mit Talglichtern schmalze.span>

An aufsteigenden Ängsten leiden.

An Augsburg schreiben.
info] Sich erbrechen.span>

An Augustin (28.8.) ziehn die Wetter (o. gehen die warmen Tage) dahin.

An ausgeräucherte Lülke.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] ausgeräucherte = durchgerauchte; Lülke = Lulka, ruthenisch = Pfeife. Von erfahrenen, durchtriebenen Menschen, in dem Sinne von Junge und Kind. Die Pfeifen, besonders die meerschaumenen, sind nur dann dauerhaft und geschätzt, wenn sie eine Zeit lang im Gebrauch gewesen, also durchgeraucht sind.span>

An ausgestanden (überwunden) Ungemach ist zu denken leichte Sach'.
la] Quod fuit durum pate, meminise dulce est.span>

An Bänken können auch schwache Leute gehen.
dk] Ved benke og stöd kunne og svage folk gaae.span>

An Barthelmä gehn die Gewitter wieder he (heim).
Sachsen.span>

An bäsen Hund geit mer (gibt man) zwä Brocken.
Franken.span>

An Bäumen wächst Moos, Männer werden bärtig.

An beiden Füßen gerecht, wie ein polnischer Stiefel.

An Beinen ist gut Fleisch nagen.

An Beinen ist niedlich fleisch zu nagen, als man gemeiniglich tut sagen.
la] Dulcior est caro, quae magis ossibus haeret ubique.span>

An bellenden Hunden sollen hohe Leut kein Hundschläger werden.

An Benedictus (21. März) man Hafer (o. Gerste, Erbsen, Zwiebeln) säen muss. ]BR]

An Benedictus (21.3.) man Hafer (o. Gerste, Erbsen, Zwiebeln) säen muss.

An betj föör't Süünjhâid, sâd a Thiif, diar 'r hinget wees skul.
Amrum
hdt] Ein bischen für die Gesundheit, sagte der Dieb, da er gehängt werden sollte.span>

An Betschwestern
erkenn' ich alte Buhlerinnen ganz so sicher
wie an den Scherben eingeschlagne Töpfe.
Grabbe, Don Juan und Faust, III, 1 (Don Juan).span>

An Beutel hängen.
info] Starke Rechnung machen, in der Anrechnung, Geldforderung streng sein.span>

An Bildern schleppt ihr hin und her
Verlornes und Erworbnes;
Und bei dem Senden kreuz und quer,
Was bleibt uns denn? - Verdorbnes!
Goethe (1749-1832), Museen.span>

An Böhm (Münze) un a Tippel Fett.
info] In Breslau als Bezeichnung eines dürftigen Lohnes.span>

An böse Tage denkt man länger als an gute.
fr] Memoire du mal alongue traße memoire du bien tuntost passe.
la] Maior longe ac diuturnior malorum quam bonorum memoria.span>

An bösem Erz und am Schlacken ist alles Schmelzen verloren.

An bösem Weib sich keiner reib'.

An bösen Hünj mut'm an Stak Broad du, that'r ean egh bat.
Nordfriesland
hdt] Einem bösen Hunde muss man ein Stück Brot geben, dass er einen nicht beiße.span>

An bösen Leuten gewinnt man nichts, weder mit guten, noch mit bösen Worten.

An bösen Taten lernt sich fort die böse Tat.
Sophokles, Elektra, 605 (Elektra).span>

An bösen Tieren ist nichts zu verdienen.

An bösen Weibern und räudigen Schafen hat es nimmer gefehlt.

An bösen Weibern, räudigen Schafen und falschem Geld ist kein Mangel in der Welt.
dk] Af onde kvinder og skabbede faar fattes ei mens verden staaer.span>

An bösen Zahlern mahnt man sich bald müde.

An böser Ware ist nichts zu gewinnen.

An böser ware ist nichts zu gewinnen.
info] Auch mit dem Zusatz: wenn schon gut Wort legst auf die Binnen.
it] Roba cattiva non è mai a buon mercato.
la] Judice me fraus est concessa, depellere fraudem.
sd] Elakt gods gjer slemm winning.span>

An Braten, den man einst gegessen, und Kleider, die man zerrissen, denkt man nicht mehr.
la] Vestis et escarum memor est quis preteritarum.
sd] Hwa minnis aethin math ok riwin klaedhe.span>

An Brot und Ehr' trägt man nicht schwer.
la] Mantica cum pane non est vectigal inane.
sd] Ae laettis mota byrdhe.span>

An Buben ist alle Wohltat verloren.

An Buhler Schwören tu dich nicht kehren.

An Butter ist noch niemand erwürgt.
Schlesien.span>

An Carlyle ist es bewundernswürdig, dass er bei Beurteilung unserer deutschen Schriftsteller besonders den geistigen und sittlichen Kern, als das eigentlich Wirksame, im Auge hat. Carlyle ist eine moralische Macht von großer Bedeutung. Es ist in ihm viel Zukunft vorhanden, und es ist gar nicht abzusehen, was er alles leisten und wirken wird.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 25.7.1827.span>

An das armut wil yederman die schuch wischen.

An das besondere Glück der Studierten und Examinierten, der Staatswürdenträger aller Arten und Grade, glaube ich nicht recht und.stehe mit meinen Sympathien dem freien Bürgertum näher, dem Handel und Wandel, der Kunst und Wissenschaft.
Theodor Fontane, Briefe.span>

An das Brett kommen.
info] Eine einflussreiche Stellung erhalten.
z] Wer ans Bret nit kommen kann, der ist nit ein geschickter Mann.
fr] Cet homme est le saint du jour.span>

An das Gesetz des Todes gebunden, geht alle Welt von hinnen, und alle Wesen gehen immerfort den Weg, den sie schon gegangen waren, der durch das Maß der Zeit gemessen ist und Schöpfung und Bestand zum Ziele hat.
Mahâbhârata.span>

An das Göttliche glauben
die allein, die es selber sind.
Hölderlin (1770-1843), Menschenbeifall.span>

An das grüne Tuch gesetzt werden.
info] In Gunst kommen, bevorzugt werden.
z] Zum Unterschied derer, die da felices, Hahn im Korbe seyn, an das grüne Tuch gesetzt werden, und bei den Jungfrauen durchschlagen.span>

An das schwarze Brett kommen.
info] An einer Schand-, Straf- oder Warnungstafel angeschrieben werden, in ungünstigen Ruf kommen.span>

An das Schwert gebunden sein.
info] Wohl in Bezug auf den Soldatenstand.span>

An de gröne Schnapp (grünen Schnabel) kennt man de jungen Vägels.
Rendsburg.span>

An de Miggda kommet de Ungeschickta.
info] Der allgemeine Glaube vom Mittwoch.span>

An de Wieg sihn können, wenn et Kend Schlôp het (o. kakken well).
Meurs
hdt] An der Wiege sehen können, wenn das Kind geschlafen hat (o. kacken will).
hdt] Hei kann et der Weige anseien, wann dat Kind kacken will.span>

An dei Diern drängen s' sik an as dei ollen Wiewer an'n Fischwagen.

An deinem Kopfe klingt's am hellsten, sagte Boleslaw zum Narren.
Schlesien.span>

An deiner Sprache rüge
Du schärfer nichts denn Lüge.
Die Wahrheit sei dein Hort!
Uhland, Die deutsche Sprachgesellschaft.span>

An deiner Sprache, Deutscher, halte fest!
Weh dem, der diesen Schatz sich stehlen lässt.
Wer erst beginnt, das reine Wort zu fälschen,
Dem kann gar bald auch Kopf und Herz verwelschen.
Otto von Leixner, Aus dem Leben für das Leben.span>

An dem Armen sind viele große Fehler zu sehen.
Irland.span>

An dem Barte der Narren lernt man scheren.

An dem Eingang der Bahn liegt die Unendlichkeit offen;
Doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste auf.
Schiller, Menschliches Wirken.span>

An dem feinsten Laken ist der größte Betrug.

An dem fremden tisch dein reden spar, so wird lob schier offenbar.
la] Dum conuiuaris, caueas ne multa loquaris.span>

An dem Füchselein siehst du schon
Dass er eines Fuchses Sohn.
Jüdisch.span>

An dem Füchslein siehst du schon, dass er eines Fuchses Sohn.

An dem Gaste wird's verspürt, wie der Wirt den Handel führt.

An dem gegenwärtigen Übel soll man ein künftiges tragen lernen.

An dem Halm erkennt man noch, wie groß die Ähre war.

An dem hat er seinen Mann gefunden.
nl] Hij heeft zijn' man in dem gevonden.span>

An dem hewwe mir nix verloren un sie nix gewunne'.
info] Von einem charakterlosen Menschen, der vom Judentum zum Christentum übergegangen ist.span>

An dem Hut der Flor bracht' ihn wieder empor.
info] Der Tod seiner Frau verbesserte seine Vermögensverhältnisse.span>

An dem is die Schmad (Taufe) verloren.
info] Es war überflüssig ihn zu taufen, da er schon längst aufgehört hat, Jude zu sein.span>

An dem is kei Massel un kei Broche, kei Broche un kei Zloche.
Jüdisch-deutsch
info] Wenn jemand kein Glück hat.span>

An dem is 'n Avkate (Advokat) verdorben.

An dem ist Chrisam (o. Chrisom) und Tauf verloren.

An dem ist Chrisam (o. Chrisom) und Taufe verloren.
info] Alles, Mühe und Kosten umsonst verwenden. Wohl ursprünglich von solchen Proselyten, die um des Gewinnes wegen einen anderen Glauben angenommen.
la] Oleum et operam perdidit.span>

An dem ist Chrisom und Tauf verloren.

An dem ist die Taufe (Schmad) verloren.
info] Er ist schon längst so wenig Jude mehr, dass er die Taufe nicht nötig hatte.span>

An dem ist Eure Kunst verloren.
Schiller, Maria Stuart, 1, 3 (Paulet).span>

An dem ist hacken und düngen verloren.

An dem ist Hopfen und Malz verloren.
ndt] An den is hoppen un molt verloren.span>

An dem ist kein gut Fäserlein.
Ulm.span>

An dem ist kein Tadel von der Fußsohle bis zum Scheitel.
la] Candidus et talos a pertice pulcher ad imos. Horaz.span>

An dem ist kein verfallener Schlag.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Er bleibt keine Antwort schuldig.span>

An dem ist keine falsche Ader.
fr] veine = Ader und Glück, mauvaise veine = Unglück
z] Ka Tüpferl, ka Stäuberl, ka Unaderl hat's. (Kein Unäderchen, d.h. keinen Makel, von einem Kind)
Joh. Gabr. Seidl, Niederösterreichische Flinserln, 1828 ff.span>

An dem ist Kost und müh verloren.

An dem ist nicht viel Gesundes.

An dem keine Besserung ist zu hoffen, dem gibt Gott wie Judas den fetten Bissen.

An dem Kopfe des Narren lernte er barbieren.

An dem läuft alles ab.
info] Von einem, bei dem aller Tadel, alle Ermahnungen vergeblich sind. Der Tadel erscheint hier als Regen, wie auch sonst strafende, scheltende Worte als eine Flut, und wie man auch ganz allgemein sagt, dass die Worte fließen. Wer einen solchen Regen hat über sich ergehen lassen müssen, ist ganz 'betroft' (betrauft), 'steht da, wie ein begoßener Pudel.
fr] C'est comme la pluie sur le dos d'un canard.
info] Wie Regenwasser, das vom Rücken einer Ente heruntertrieft, ohne durch die Federn zu dringen.
la] Asinus compluitur.span>

An dem öden Strand des Lebens,
Wo sich Dün auf Düne häuft,
Wo der Sturm im Finstern träuft,
Setze dir ein Ziel des Strebens.
Unter schon verloschnen Siegeln
Tausend Väter hingestreckt,
Ach! von neuen, frischen Hügeln
Freund an Freunden überdeckt.
Goethe (1749-1832), Trauerloge.span>

An dem Ort, wo der Rücken seinen ehrlichen Namen verliert.

An dem Pfälzer ist nichts als ein großes Maul.
info] So spotten die Bayern über die Pfälzer; diese dagegen rächen sich an den Bayern durch ein anderes Sprichwort.span>

An dem Platze, den der Tiger gern hat, legt er auch seine Flecken nieder.
Surinam
info] Wer eine gute Nummer bei ihm hat, kann alles erlangen.span>

An dem Rechtschaffenen kann der Neider sich die Zähne ausbeißen.
Estland.span>

An dem Scheine mag der Blick sich weiden;
Des Genusses wandelbare Freuden
Rächet schleunig der Begierde Flucht.
Schiller, Gedichte: Das Ideal und das Leben.span>

An dem Schwachen will sich jeder reiben.
info] Jeder will sich an den Schwachen die Schuhe wischen.
it] Alla macca ognun si ficca.span>

An dem Tag Vinzenzius (22.1.), jede Rebe treiben muss.

An dem Tag, an dem die Maschine in den Dienst aller Menschen gestellt wäre, würde sie dem Menschen die nötige Zeit für die Realisierung menschlicher Absichten verschaffen.
Triolet, Das rote Pferd.span>

An dem Tag, an dem du nackt herumläufst, triffst du bestimmt deine Schwiegermutter.

An dem Tag, da eine Frau gegen ihren Mann rücksichtsvoll wird - ist alles gesagt.
Honore de Balzac (1799-1850), Physiologie der Ehe.span>

An dem Tage, an dem einer alles weiß, laß ihn sterben.
Nigeria.span>

An dem Tage, da ihr davon esset, werden euch eure Augen aufgetan.
1. Mose 3,5a
info] Davon = von Früchten des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen.span>

An dem Tage, wo man Butter und Knoblauch isst, braucht man sich nicht vor Gift zu fürchten.
Polen.span>

An dem Tisch und auf dem Bette soll sich niemand schämen.

An dem Übel, das der Mensch fürchtet, stirbt er.
Spanien.span>

An dem Werke erkennt man den Meister.
fr] A l'oeuvre on connaît l'artisan.span>

An dem Willen der Menschen und gespanntem Gewand (Tuch) geht viel ab.

An dem Wort erkennt man den Toren wie den Esel an den Ohren.

An demselben Joche ziehen.
info] Ein gleiches Geschäft mit jemand treiben, dasselbe Schicksal mit ihm teilen.
la] Idem egoque tuque ducimus pariter jugum.
la] Idem jugum trahere.span>

An demselben Strumpfe stricken.

An den Altar (o. in das Asyl) flüchten (o. fliehen).
info] Sich retten, sich in Sicherheit bringen. Die letzte Zuflucht nehmen. Ehemals floh man in der äußersten Not an die Altäre der Götter, weil es für Frevel galt, von da jemanden wegzureißen.
ho] Het altaar kan den booswicht niet van straf bevrijden.
la] Ad aram seu ad asylum confugere. Cicero
la] Tanquam ad aram.span>

An den alten Schnee denkt man nicht meh'.
sd] Fram faren snö är snart glömder. - Seent tala om den snön som i fjol föll.span>

An den ältesten Männern und Schulen gefiel mir am besten, dass Poesie, Religion und Philosophie ganz in eins zusammenfielen, und ich behauptete jene meine erste Meinung nur um desto lebhafter, als mir das Buch Hiob, das Hohelied und die Sprüchwörtef Salomonis ebensogut als die Orphischen und Hesiodischen Gesänge dafür ein gültiges Zeugnis abzulegen schienen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,6.span>

An den Anfang eines Buches setzen: Ich habe keine Typen gesehen, wohl aber Individuen.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht.span>

An den Arbeiten wird man es erkennen.

An den Augen kann man das Herz erkennen.
Estland.span>

An den Augen sieht man, was einer ist und was er kann.

An den augen teublein und in den hertzen teuflein.
Trymberg, um das Jahr 1280.span>

An den besten Post schlät man dat Heck.

An den bettelstab geraten (o. gedeihen).

An den der Trunk oft ist kommen, der gehört ins Bett.

An den Dornen bleibt viel Wolle hängen.

An den Enden erkennt man die Naht.

An den Enden erkennt man die Naht.
fr] La lisière est pire que le drap.span>

An den Enden erkennt man Naht (und Gewebe).

An den Enden erkennt man Naht und Gewebe.

An den Exempeln, die ich beibringe, von allem, was ich gehört oder gelesen, habe ich mich gehütet, auch die leisesten und geringfügigsten Umstände zu ändern; mit Wissen verdrehe ich kein Jota; mit meinem Nichtwissen - ja, das weiß ich nicht!
Montaigne, Essais.span>

An den Fähnlein sieht man, wer den Sieg davongetragen.
la] Victrices turbae victricia signa tulere.span>

An den Federn erkennet man den Vogel.
bm] Po zpevu (letu, perí) ptak poznán bývá.
en] A bird is known by ist faethers.
fr] A la plume et au chant l'oiseau et au parler le bon cerveau.
fr] On (re)connaît l'oiseau à son plumage.
it] Al cantare l'uccello, al parlare il cervello.
it] L'elefante si conosce dalla tromba, il leon dalle branche.
kroat] Ptica po perji poznas.
la] Ex nido plumisque suis noscenda volucris.
la] Ex plumis cognoscitur avis.
pl] Znac ptaka po pierzu.
sp] Las aves son conocidas por las plumas.span>

An den Federn erkennt man den Vogel.

An den Federn kennt man den Han, am Gsellen ein jeden Gespan.

An den Federn sieht man wohl, dass eine Eule keine Taube ist.
nl] Men ziet aan de veeren wel, dat een kerkuil geene duif is.span>

An den Fehlern erkennt man den Menschen, an den Vorzügen den Einzelnen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit, Anhang II - Biographische Einzelnheiten.span>

An den Fersen sihet man, ob einer mit dem Gesess könn zundel schlagen.

An den Festtagen die guten Streiche.
info] Die Festtage sind den Dieben günstig.
fr] Aux bonnes fêtes les bons coups.span>

An den Franzosen sieht man recht die Zusammenwirkung von Geist und Leib, die ganze Armee ist ein Mensch, der keine Anstrengung, keine Ermattung und nichts scheut.
Goethe (1749-1832), Riemer, Oktober/November 1807.span>

An den Freunden erkennt man dich selbst. Estland

An den Freunden erkennt man dich selbst.
Estland.span>

An den Früchten erkennt man den Baum.
en] A tree is known by its fruit.
fr] On reconnaît l'arbre à son fruit.
it] Dai frutti si conosce l'albero.
la] E fructu cognoscitur arbor.
sp] Por el fruto se conoce el árbol.span>

An den Galgen der Leib, und die Seele hole wer will, sagt Käsbier.
nl] Het lijf der galg, en de ziel dengenen, die ze wil, zei de deugniet.span>

An den Galgen kommt man immer noch zeitig genug.
nl] Het is geen jagtwerk, ter galge te gaan.span>

An den Gästen man spürt, wie der Wirt sein Handel führt.

An den Gemärken erkennt man die Waren.
it] Dalla marca si conosce la mercanzia.span>

An den gemeinen Kasten geraten.
info] An den Bettelstab, der Armenpflege anheimfallen.span>

An den Gesellen erkennt man den Gesellen.

An den Gesellen erkennt man den Gesellen.
mhd] Den man acht ich sicherlich reht als er gesellet sich.
mhd] Ezn hât dekein geselleschaft mit ungelîchem muote kraft.
fr] Au regarder connoist on la personne.
fr] Au semblant cognoit on l'ome.
fr] Au semblant conoit l'en la gent.
la] A bonis disces bona, et malis te immiscens mentem amittes.
un] Embert a társáról, hogy ha nem magáról, könnyen megesmérheted.span>

An den Getreideschößlingen erkennt man (noch nicht) das Getreide.
Estland.span>

An den griechischen Kalenden
info] niemals, denn die Griechen rechneten die Tage anders als die Römer, hatten also keine Kalenden.span>

An den großen Männern tröstet sich die Menschheit über die Erbärmlichkeit ihres Alltags.

An den Haaren herbeigezogen
en] farfetched - dragged in by the head and shoulders (o. by the ears)
fr] tire par les cheveux
it] tirato per i capelli (o. con gli uncini).span>

An den hab i schon lang a Gradn g'funden.
info] Ein Hindernis, wie eine im Halse steckende Gräte es ist.span>

An den Hacken kann man sehen, ob einer kann gehen.
dk] Det kiendes paa hans hæle hvad helbred han haver.span>

An den Hoffnungen erkennt man die Toren, denn sie erfüllen sich nie. Sie hüpfen wie Irrlichter vor uns her und ziehn uns in das Elend hinab.
Ludwig Tieck, Karl von Berneck (Karl).span>

An den hohen Bäumen merkt man am besten, woher der Wind kommt (o. weht).

An den Hörfehlern aber ist der Diktierende gar oft selbst schuld. Man horche nur, wenn in Gesellschaften vorgelesen wird, ob wohl alles zur Klarheit kommt? Man merke den Schauspielern auf!
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur, Hör-, Schreib- und Druckfehler.span>

An den Hörnern faßt man den Ochsen, am Wort den Mann.

An den Hunden liegt's nicht, wenn die Pferde sterben.

An den Hungerpfoten saugen
z] Im Jahre 1347 herrschte eine furchtbare Hungersnot im ganzen Lande (Elsass) und war großes Elend. Zur Erinnerung daran wurde das große Hungertuch gemacht, welches noch heutzutage von Aschermittwoch bis zum Sonntag nach Ostern über den Hauptaltar gespannt wird, um die Ornamente desselben zu verhüllen.
z] Dich soll lehren das Hungertuch, so man aufspannt (am Aschermittwoch vor dem Altarbilde) Abstinenz und Fasten.
z] .. Den nechsten Sonntag darnach gibet man der Fassnacht vrlaub verbutzet vnd verhüllet sich aber, trinken sich voll, spielen vnd rasseln zuletzt. Alsdan folget die trawrige Fassnacht, darin essen sie (die Römischen) viertzig Tag kein Fleysch, auch nicht Milch, Käss, Eyer, Schmaltz, dann vom Römischen Stuel vnd gnad erkaufft. Da beichten die Leut nach ordnung. Da verhüllet man die Altar vnd Heiligen mit tuch vnd lässt ein Hungertuch herab, das die sündigen Leuth die Götzen nicht ansehen noch die heiligen Bilder die Sünder.
z] So müssens oft am Hunger gnagen.
en] to be starving
fr] tirer le diable par la queue - traîner la savate
it] patire (o. fare) fame
la] Cum exossis suum rodit pedem.
ndt]Am Hungertuche nehen.
z] Vnd muss am hunger Thuch selb nehen.span>

An den Kater muss auch ein Freigeist glauben.

An den Kehraus denken.
info] Ans Ende.span>

An den Kindern erkennt man die Eltern.
Estland.span>

An den Klauen erkennt man den Löwen (o. die Katze, den Vogel).
z] Bedarf es denn immer der Klaue, dass man den Löwen erkenne? Auch nur eine Flechte seiner Mähne ist oft genug. Börne, Gesammelte Schriften, Hamburg 1840
info] Wird meist ironisch gebraucht, soll aber, nach Lucian, dem Phidias seine Entstehung verdanken, von dem man erzählt, er sei im Stande gewesen, nach der Klaue eines Löwen die allen Teilen proportionierte Gestalt eines Löwen zu fertigen.
en] Yoh know the lion by his claws.
fr] A la griffe, on reconnaît le lion.
fr] A l'ongle on connaît le lion.
fr] On connaît le cerf à ses abattures.
ho] Naar den klaauw moet het beest wezen.
ho] Uit den klaauw kent men den leeuw.
it] Dalle unghie si conosce il leone.
la] Ex ungue leonem.
la] Leonem ex unguibus aestimare.
sp] Por las uñas se descubre el león.span>

An den Klauen erkennt man wohl den Löwen, aber die Klauen allein machen ihn nicht.

An den Klauen saugen.
fr] Il ronge son râtelier.span>

An den Kleidern sieht man, was einer im Schilde führt.
bm] Ze satu se vidí obyčeje lidí.
pl] Szata wydaje człeka obyczaje.span>

An den Kniegalgen, sagte jener, als ihn die Magd an den Galgen wünschte.
z] Kniegalgen' = obscoene sumitur pro exercitatio veneris, quasi dicas furca carnalis.span>

An den Köder picken.

An den Krallen erkennt man die Katze (den Löwen).

An den kranken Zahn stößt die Zunge an.

An den Lämmern sieht man, was die Schafe tragen.
info] In Beziehung auf Kinderzucht.span>

An den Lappen lern die hund leder fressen.
Luther
ho] Allengskens lappen leert die hont dat leer eten.
la] Particulis discit corium canis esse quod id seit.span>

An den leplin (Läpplein) oder riemen leren die hund leder fressen.
la] Discendo dicere discunt.
la] Periculosum est canem intestina gustasse.span>

An den Majoriten, nicht an den Minoriten muss man den Anfang zur Besserung machen, sagte Kaiser Sigismund.
info] An den hohen Orden.span>

An den Menschen sind vorn und hinten, wie an den Büchern, zwei leere, weiße Buchbinderblätter - Kindheit und Greisenalter.
Jean Paul, Aphorismen: Sieben goldene Sprüche.span>

An den Mienen erkennt man den Schalk (o. Wirt).

An den Nagel kann man alles hängen.
Warmbrunn
info] Lerne in der Jugend soviel als möglich; es ist viel leichter, erlernte Fertigkeiten und Kenntnise ohne Anwendung zu lassen, als sie nachträglich zu erwerben, wenn man ihrer bedarf.span>

An den Novellen des Cervantes habe ich einen wahren Schatz gefunden, sowohl der Unterhaltung als der Belehrung.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 17.12.1795.span>

An den Ohren erkennt man den Esel.

An den Ohren erkennt man die halben, am Schreien die Stocknarren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellum.span>

An den Ort, wo ich gerne bin, zieht man mich an ei'm Härlein hin.

An den Pfoten saugen.

An den Pier kommen.
Meurs
info] Wurm, d.h. anlaufen, übel ankommen.span>

An den Prozessen ist das Schlimmste, dass aus einem hundert entstehen.

An den Rabenstein kommen.

An den Rand
info] Anmerkungen zu Schriftstücken
la] ad marginem
Vergilius Maro grammaticus, Epistulae.span>

An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rate dir gut;
Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Mut.
Simrock, Warnung vor dem Rhein.span>

An den riemen lernen die hund das leder fressen.
mhd] Fóne démo limble se begin nit tir húnt lèder ézzen. 10. Jahrhundert
fr] On ne commence jamais par de grands crimes.
la] A teneris assuescere multum est.
la] Canis a corio nunquam absterrebitur uncto. Horaz
la] Difficile est assueta relinquere.
la] Ligularum fur tandem et marsupia suppilat.
la] Periculosum est, canem intestina gustare.span>

An den Rockschößen des Priesters klettert der Teufel auf den Turm.
es] Por las haldas del vicario sube el diablo al campanario.span>

An den russischen Monat denken.
info] Wenn man eine Züchtigung u. dgl. nicht sogleich ausführen kann, sondern eine günstige Zeit, eine passende Gelegenheit abwarten will, so bedient man sich der obigen Redensart in dem Sinne, wie wir sagen: Ich werde mir's hinter die Ohren schreiben.
pl] Popamiętać ruski miesiąc.span>

An den Scherben erkennt man den Topf.

An den Scherben sieht man, was ein Hafen (o. Topf) gewesen.
info] An seinen Taten erkennt man den Menschen.
fr] On voit bien encore aux tessons ce que fut le pot.span>

An den Schöffen liegt Gewinn und Verlust des Rechts.
[RSpW]
info] Nach ihrem Ausspruch muss der Richter entscheiden, er kann am Wahrspruch nichts ändern.
mhd] An den scheffen liget der gewin und die vorlust dez gerichts.span>

An den Schwalben merkt man, dass es Sommer ist.
info] Die Schwalbe gilt sehr allgemein als Verkünderin des Frühlings. Ihre Rückkehr wird in Griechenland durch die Jugend gefeiert, die, wie bei uns am Lätare-Sonntag den Tod austreibend, dort am 1. März gabenheischend am Orte umherzieht, indem sie eine künstliche Schwalbe an einem Faden in die Luft fliegen lassen und Schwalbenlieder singen. In Polen lässt die Jugend die ersten Schwalben singen:
z] Es waren hier Schober die Menge, jetzt sind keine mehr da.
ndt] Als ik fut trock, as ik fut trock, was Hus und Huof voll, nu ik wi'er kuem, nu ik wi'er kuem, es alles verrîten, verslîten, vertrîten, versplîten.
la] Aestatem loquitur hirundo.span>

An den Schwänzen der Schafe erkennt man den Hirten.

An den Spieß der Versuchung steckt der Teufel die meisten Braten.
Russland.span>

An den Spieß gesteckt, so verdirbt nichts.
info] Grundsatz grausamer Feinde.span>

An den Sporen erkennt man den Hahn.
nl] Aan kam en sporen kent men den haan.span>

An den Stapfen kann man sehen, ob ein Pferd oder Fuchs gegangen ist.
bm] Vic chei čtyřem kolám včřiti, nez tčyřem nohám koňskyn.span>

An den Strümpfen kann man sehen, wo das Bein zerbrochen ist.
nl] Het is wel van de kous te zien, waar het been gebroken is.
sd] Man kan snart see på strumpan, hwar beenet är sönder.span>

An den Stürmen wilder Jugend freut sich das gesetzte Alter.
Scheffel, Der Trompeter von Säckingen.span>

An den Tag (o. ans Tageslicht) kommen
en] to come to light
fr] paraître (o. éclater) au grand jour
it] venire alla luce (o. a galla).span>

An den Taten, nicht am Kleid erkennt man den Heuchler.
es] Por las obras, no por el vestido, el hipócrita es conocido.span>

An den Tod denken, ist der Weg zur Weisheit.
info] Den Arabern gegenüber hat man aber im allgemeinen jede Erwähnung des Todes zu vermeiden. Der Tod ist ein leidiges Wort; nur der im Glaubenskriege macht eine Ausnahme. Sogar wenn nach einer verstorbenen Person gefragt wird, darf man nicht geradezu antworten, sie ist tot, sondern muss umschreibend erwidern: Möge Gott ihr gnädig sein. Der Frager weiß schon, was das zu bedeuten hat. Auch hat man, wenn man eines Verstorbenen gedenkt, bei Nennung seines Namens zu sprechen: Sei mir Gott gnädig.
fr] Celuy a grant sapience, qui iour et nuict a la mort pense.
it] Quello tiene gran prudenza, che' alla morto sempre pensa.
la] Summa sapientia mortis memoria.span>

An den Tod denkt er nicht, aber einen Sarg von Nussholz will er haben.

An den Tod muss jeder einmal glauben.

An den Wänden deines Hauses erkennt man, dass du ein Köhler bist.

An den weißen Stab kommen.
info] Zum Bettler werden.span>

An den werken erkenn dein freundt und in nöten beware denselben.

An den Werken erkennt man, wie das Herz gesinnt sei.
z] Bei den wercken erkennt man wohl, ob das Herz sey liebe vol.span>

An den Werken kann man's merken.
nl] Aan de werken zal men 't merken.span>

An den Worten erkennt man den Mann.
nl] De woorden doen den man kennen.span>

An den Worten erkennt man den Toren, wie den Esel an den Ohren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellos.span>

An den Worten höret man, wes Geistes Kind er ist.
la] Effoeminatorum etiam oratio effoeminata.
la] Mihi quale ingenium habere, fuit indicio oratio.span>

An den Worten kent man den thorn, bei dem Angesicht den Morn.

An den Wundern erkennt man die Heiligen.
Frankreich
fr] C'est aux miracles que l'on connaît les saints.span>

An den Zähnen kennt man die Pferde.

An den Zäunen findet man keine gebratene Tauben.

An den Zufall muss man gleich übertriebene Forderungen machen.
Goethe (1749-1832), An G. Hufeland, 20.5.1797.span>

An denselben Bach
info] zum selben Zweck
la] ad rivum eundem. Phaedrus, Liber fabularum.span>

An der Allmende hat der König den Boden, der Bauer den Wald.
[RSpW]
info] Der Grund und Boden gehört der Gemeinde, das Holz, oder was sonst darauf wächst, aber der Benutzung der Insassen. Denselben Sinn hat auch der Spruch: Dem Könige die Erde, dem Bauer das Holz.
dä] Allminnig thaerac a koning iord oc bonda er skogh.span>

An der alten Jungfer nagt jeder wie der Hund an einem Fleischknochen.
Estland.span>

An der Anewand siyn.
Westfalen
info] Einen Wendepunkt erreicht haben. Wenn der Pflüger durch ein anstoßendes Feld oder einen Weg usw. genötigt ist, auf dem Acker selbst, den er pflügt, umzuwenden, so bleiben die Enden desselben vorläufig ungepflügt. Dieser Streifen, der später der Breite nach umgebrochen und mit Querfurchen versehen wird, heißt: Anewand, Anewenne, Anwende.span>

An der angeführten Stelle
info] Zitat
la] l. c. (loco citato).span>

An der Arbeit erkennt man den (guten) Arbeiter.
fr] A l'ouvrage on connaît l'ouvrier.

An der Arbeit erkennt man den Meister.
Rumänien.span>

An der Arbeit erkennt man den Täter (d. i. den Arbeitenden).
Estland
fr] A l'ouvrage on connaît l'ouvrier.
ho] Aan het werk kent men den Werkman.span>

An der Armen Truh wischt jedermann die Schuh.
bm] O chudého se kazdý otře. - Ubozí nebozí. Na kohoz vsecko zlé, nez na chudčho?
ho] Aan den arme will jeder zijne schoenen aufwisschen.
kroat] Kam íe vse zlo, neg na bogca?.span>

An der Armut will jeder den Schuh abwischen.
la] At nunc barbaries grandis habere nihil.
la] Pauper ubique jacet. Ovid
la] Mendico ne parentes quidem amici sunt. Tappius
un] Kutya is a szegényt hamar megugatja.span>

An der Armut will jeder den Schuh wischen.

An der Armut wischt jedermann die Schuhe.

An der Ausdauer erkennt man den Mann.

An der beste War deit mer de beste Kauf.
Köln.span>

An der besten Tafel kann man harte Brocken schlucken.

An der Blüte erkennt man die Frucht.

An der Brühe erkennt man das Fleisch.

An der Diebe Schwören darf man sich nicht kehren.

An der Egge fehlt kein Zahn.
info] Die Sache ist in Ordnung, in gutem Stande. Der Ton liegt auf 'der'.span>

An der Enthüllung eines Geheimnisses ist stets der schuld, der es jemandem anvertraut hat.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere.span>

An der Erfahrung fehlt es nicht, aber an der Gemütsruhe, wodurch das Erfahrene ganz allein klar, wahrhaft, dauerhaft und nützlich wird.
Goethe (1749-1832) zu Zelter, 29. 3. 1827.span>

An der ersten Lüge ist noch niemand gestorben.

An der Eselsbrücke stehen bleiben.

An der Ewigkeit knappen.
Rottenburg
info] Mit einem Geschäft nicht fertig werden.span>

An der Fahn' kennt man den Mann.

An der Fahne allein soll niemand unser künftig Volk erkennen; es muss sich alles verjüngen, es muss von Grund aus anders sein; voll Ernsts die Lust und heiter alle Arbeit! nichts, auch das Kleinste, das Alltäglichste nicht ohne den Geist und die Götter!
Hölderlin (1770-1843), Hyperion.span>

An der farb erkennt man das Tuch, am geschmack den Wein, am geruch die Blume, am reden den Mann.

An der Ferse der Arbeit.
Altgriechisch (Am Schluss).span>

An der Finsternis zusammengeschrunden,
wird dein Auge vom Licht entbunden.
Goethe (1749-1832), Gott, Gemüt und Welt.span>

An der Flagge kann man sehen, wie der Wind ist.
nl] Men kan aan de vlag zien, hoe de wind is.span>

An der Freude leichtem Gängelband.
Schiller, Die Götter Griechenlands.span>

An der Frucht erkennt man den Baum.

An der Frucht erkennt man den Baum.
Matthäus 12, 33
en] The tree is known by its fruit.
fr] C'est au fruit que l'on connaît l'arbre.
fr] On reconnaît l'arbre à ses fruits.
it] Dal frutto si conosce l'albero.span>

An der Fuhr bin i selber schuld, hat der Ochs gsagt, wie er 'n Mist hat aufs Feld ziachn müssen.

An der Futterkrippe sitzen
en] to feed at the public trough
fr] tenir l'assiette au beurre
it] mangiare alla greppia.span>

An der Galanterie muss was schlumpern.

An der Gaukelei teilnehmen und auf der Bühne eine anständige Rolle spielen, das kann jeder; aber im Inneren und in seiner Brust, wo alles für uns erlaubt ist und wo alles verborgen bleibt, dort mit sich im Reinen zu sein, das ist der springende Punkt.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais.span>

An der Geduld erkennt man den Mann.

An der Geduld erkennt man den Mann.
info] Geduld bezeichnet hier männliche Ausdauer im Kampfe, keineswegs das feige Hinnehmen jedes Unrechts.span>

An der Gesellschaft erkennt man die Leute, sagte die Henne, als sie Enten ausgebrütet hatte und am Hühnerstall vorüberging.

An der Gesellschaft erkennt man die Leute.

An der Grenze ist übel wohnen.
bm] U samých hranic neni dobre chalupu staveti.span>

An der Größe liegt nicht viel.
info] Die geistige Bedeutung eines Menschen hängt nicht von seiner körperlichen Größe ab.span>

An der Größe liegt's nicht, sonst wär' ein Mühlstein mehr wert als ein Edelstein.

An der Hagebutte sieht man nicht, dass sie einst eine Rose gewesen ist.

An der hänffen Sucht verderben.
info] Gehängt werden.span>

An der hund hincken, huren (buhlschwester) wincken, frawen weinen und krämer schweren soll sich niemand (kein weiser an)keren.
z] Du aber sollst dich an der Hund hincken, der Metzen wincken, der Frauen weinen, der Kinder greinen, der Krämer schwören nicht ein Dimplein kehren.
z] Weist das sprichwort: an frawen weinen, an hund hincken auff dreyen beinen und darzu auch an Kaufmanns schweren soll sich kein weiser man an kern.
z] An alter Bummler Trinken, an junger Mädchen Winken, an alter Weiber Zähren und mancher Fürsten Schwören, da soll sich niemand kehren.
mhd] An hundes hinken, frawen wainen und krâmer schweren, dâ darff sich kain man an keren. Fastnachtsspiel
bm] Kdyz pes spí, zid přisahá, zena pláče, nevĕř.
dä] Naar hunde hinker, horen vinker, qvinder græde, kræmmere svære, derom skal sig ingen kere.
ho] Aan der honden hinken, aan der hoeren winken, aan des kramers zweren, en des wijfs begeeren zal men zich niet keeren.
la] Phoenicum pacta.
pl] Kiedy pies śpi, żid przysięga, pijany się modłi, a białogłowa płacze, rzadko wierzyć trzeba.span>

An der Hunde Hinken und der Kaufleute Schwören soll sich niemand kehren.

An der Hunde hinken, an der Huren Winken, an der Weiber Zähren und des Krämers schwören, soll sich niemand kehren.

An der Hütte des Hirten klopft der Hunger nie an.

An der Inquisition soll sich niemand reiben.
info] Es soll sich keiner unterstehen, das Verfahren derselben zu tadeln.span>

An der Jahrzahl erkennt man den Wein nicht.

An der Jugend ist alles lieblich.
la] Pueritia semper amabilis.span>

An der Kette wird auch der Hund schneller alt.
Estland.span>

An der Kinder Weis' erkennt man der Mutter Fleiß.

An der Klaue erkennt man den Löwen.
Plutarch, De defectu oraculorum.span>

An der Kleidung kennt man den Toren, wie den Esel bei den Ohren.

An der Kleinkinderschule würdest Du Deine Freude haben, und auch die große Schule ist

An der Klippe immer noch weiter ist schon manches Schiff gescheitert.
fr] Les ambitieux font toujours naufrage au - plus ultra.span>

An der Klippe ist schon manches Schiff zerschellt.
nl] Op die klip heeft zich zoo menigeen gestooten.span>

An der Knospe schon erkennt man die Frucht.

An der Knospe sieht man schon, was eine Rose werden will.

An der Kralle erkennt man den Löwen.
info] Einen hervorragenden Menschen erkennt man oft an Eigentümlichkeiten, die an sich unbedeutend, für ihn aber charakteristisch sind.
fr] A l'ongle on connaît le lion.
it] Dall'unghia si conosce il leone.span>

An der Krämer Schwören soll sich niemand kehren.
bm] Kupecké vĕrováni a zenský pláč na korec es nemĕrî.
la] Phoenicum pacta.span>

An der Krone erkennt man den Kaiser.

An der kühnen Arbeit der Menschen sich ergötzend, wird man immer wieder an die Vergangenheit erinnert, und das hilft sehr, die Gegenwart richtig einzuschätzen.
Maxim Gorki, Durch die Union der Sowjets.span>

An der Latt sein.
info] Eine Strafe abbüßen.span>

An der Leine fängt der Hund keinen Hasen.
Bulgarien

An der Leine fängt der Hund keinen Hasen.
Bulgarien.span>

An der Macht ist der Mensch so gern alleine.

An der Madonna ist's noch gut, an Sanct-Rochus hat's zu sehr warten lassen.
Mailand.span>

An der Madonna ist's noch gut, an Sanct-Rochus ist's noch etwas.
Venetien.span>

An der Männer Schwören, an der Frauen Zähren soll sich niemand kehren.
z] Den Schwüren der Männer und den Ttänen der Frauen ist niemals zu trauen.'
it] Ad uomo che giura, ed a donna piangente, non creder mai niente.span>

An der Mannigfaltigkeit der Welterscheinungen freut sich der Lebemensch, an der Einheit dieser Mannigfaltigkeit der höhere Forscher.
Goethe (1749-1832), An E. Meyer, 23.4.1829.span>

An der Menschlichkeit sündigt, wer den Gegensatz und den Hass der Rassen schürt und propagiert.
Martí, Unser Amerika.span>

An der Narrenkappe muss jeder sein Teil haben.
info] Die Narrenkappe ist eine an den Zipfeln mit Schellen versehene Kappe, dergleichen ehemals die Hofnarren trugen.
z] Tragt die Kappe willig, habt nur Mut, ein Narr zu sein; klug zu sein, ist billig.span>

An der Nase ziehen
la] naribus trahere.span>

An der Nasenspitze kann man doch den Mann nicht erkennen.
Estland.span>

An der Oberfläche des Weltgeschehns herrscht das Unvorhergesehene. Spengler, Der Untergang des Abendlandes.span>

An der Oberfläche, wo die geschichtlichen Schlachten wüten, wo alles in Geld- und Machtbegriffen gedeutet wird, mag ein Gedränge sein; aber das Leben beginnt erst, wenn man unter die Oberfläche gerät, wenn man den Kampf aufgibt, wenn man sinkt und außer Sicht verschwindet.
Henry Miller, Von der Unmoral der Moral.span>

An der öffentlichen Krippe liegen.
info] Von den Einkünften eines Amtes leben.span>

An der Pfaffen scheinen, an der Frauen weinen, an der kramer schweren soll sich niemand kehren.

An der Pforte des Ladens (Überflusses) gibt's der Freunde und Genossen gar viele, an der Pforte des Elends weilen weder Freunde noch Genossen.
Rabbinische Blumenlese.span>

An der Pisangpalme der Tatkraft wachsen die Bananen des Ruhms.
Ägypten.span>

An der Priester Leben kehrt man sich mehr als an ihre Lehren.

An der Quelle ist (o. schmeckt) das Wasser am reinsten (besten).

An der Quelle ist auch die Wolga nicht tief.
Russland.span>

An der Quelle ist das Wasser am reinsten.

An der Quelle saß der Knabe
Blumen wand er sich zum Kranz.
Schiller, Der Jüngling am Bache.span>

An der Raufe nagen.
info] Not, Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen leiden; am Hungertuche nagen.
fr] Ronger son râtelier, sa litière.span>

An der Raufe sein.
en] To lie at rack and manger.span>

An der Rebe hängen die reifsten und vollsten Trauben am tiefsten zur Erde herab. So ist der Mensch, je weiser, desto bescheidener.
Talmud.span>

An der Red erkennt man den Mann.

An der Red erkennt man den Toren wie den Esel an den Ohren.

An der Red' erkennt man den Toren wie den Esel an den Ohren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellos.span>

An der Rede erkennt man den Mann.
Pred. Sal. 27, 18
info] Man erkennt an der Sprache nicht bloß Bildung und Charakter eines Menschen, sondern auch an seinen Dialekten die Provinz oder Stadt, in der er geboren oder erzogen worden ist. Die Chinesen sprechen dieselbe Erfahrung sprichwörtlich aus: ein Mensch, in den Ländern Tsi oder Tsu geboren oder erzogen, behält unfehlbar seinen Accent; sowie man in Deutschland den Berliner, den Sachsen, Schlesier u.s.w. sofort erkennt.
bm] Po chodu a po řeči poznás človĕka.
bm] Poznás po vřavĕ (řeči), co ve hlavĕ.
it] Al canto l'uccello, al parlare il cervello.
it] Al parlar si scorge l'uomo.
it] Dal discorso si conosce di qual tempera sia il cuor dell' uomo.
kroat] Covĕk se po besedi poznaje.
la] Qualis autem homo ipse esset, talem esse eius orationem
pl] Poznać wnet z mowy, jakiéj kto głowy.
sd] Af ljudet kännes malmen, af talet pröfwas mannen.
un] Embert a' szaváról jobban meg ösmérheted, mint sem a' nyomáról.
un] Ki-tetszik szavából, ha tehén-e vagy fülemile.span>

An der Reinlichkeit erkennt man die Hausfrau fein, Schmudelei verrät ein Schwein.

An der Saale hellem Strande
Stehen Burgen stolz und kühn.
Franz Kugler, Rudelsburg.span>

An der Schale beißt sich mancher die Zähne aus, eh er zum Kern kommt.

An der Schale beisst sich mancher die Zähne aus, ehe er zum Kern kommt.

An der schönen blauen Donau.
info] Kehrreim des Gedichts 'An der Donau' von Karl Beck.span>

An der Schrift erkennt man den Schreiber.
nl] Men ziet aan het schrijven wel, wat klerken het zijn.span>

An der schwarze Tafel stoh.
Hauenstein im Aargau
info] Gantverpfändung, öffentlicher Zwangsverkauf.span>

Än der schwarzer Jêrd (Erde) gerêt gât Kiren.
info] Auch wohl scherzhaftes Schmeichelwort für Brünetten, fast in dem Sinne wie Acker.span>

An der Schweine Waschen ist Seife und Lauge verloren.

An der Schwelle des Hafens sein.
la] In limine portus esse. Virgil.span>

An der Schwelle jeder wissenschaftlichen Betrachtung der Welt.. steht die Verwunderung.
Röpke, Die Lehre von der Wirtschaft.span>

An der Schwindsucht stirbt man (entweder dann), wenn die Blätter im Herbst vom Baum fallen oder wenn die Blätter im Frühling an den Bäumen treiben.
Estland.span>

An der Sonne ist es warm, aber bei Muttern ist es gut.

An der Sonne öffnet sich die Rose.
info] Warmherzigkeit schafft Vertrauen.span>

An der Spitze aller Kultur steht ein geistiges Wunder: die Sprache, deren Ursprung, unabhängig vom Einzelvolk und seiner Einzelsprache, in der Seele liegt.. dann aber sind die Sprachen die unmittelbarste höchste spezifische Offenbarung des Geistes der Völker, das ideale Volk desselben, das dauerhafteste Material, in welches die Völker die Substanz ihres geistigen Lebens niederlegen, zumal in den Worten großer Dichter und Denker.
Jacob Burckhardt.span>

An der Spitze aller literarischen Bemühungen steht das Wort; man muss verstehen mit ihnen umzugehen. Man lerne den Umgang mit Worten.
Döblin, Glossen, Fragmente.span>

An der Sprache erkennt man das Regime.

An der Stiefmutter Grabe weinen.
info] Von erheuchelten Tränen.span>

An der Stimme erkennt man Mensch und Vieh.

An der Stinkblume merken, dass es nicht nach Rosen riecht.
Russland.span>

An der Stirn kann man sehen, wie einer beschaffen ist.
es] No se mide el hombre que para la frente.span>

An der Stirn sieht man nicht das Hirn.

An der Stirn zu lesen ist des Menschen Wesen.
la] Frons animi janua.span>

An der Straße steht ein Haus, da mancher macht ein Tadel draus; wenn jeder dächte nur an sich, so gäb' es keine Feinde nich.

An der Suppe großer Herrn soll man sich den Mund nicht verbrennen.

An der Tafel des Gastmahls gibt's mehr Freunde als an der Tür des Kerkers.

An der Tafel kommt zuerst der Abt, dann der Küchenmeister und dann ich, sagte der Hofnarr, der Herrgott isst bei uns mit den Armen.

An der Tafel muss man nicht vom Tode reden.
info] Man soll nichts sprechen, was den Umständen, dem Orte, der Zeit oder den anwesenden Personen nicht angemessen ist.
it] Non ragionar (ricordar) de'(i) morti a tavola.span>

An der Tafel wird man nicht älter.
it] A tavola non s' invecchia.span>

An der Tanne kann kein Äpfelchen wachsen.

An der Tat liegt die meiste Macht.

An der Theologie und an Stockfischen ist die Tunke das Beste.

An der Tugend Blüte denken, macht alle Seufzer kränken.

An der Tür des Paradieses steht geschrieben: Nie in ihrem Leben hat eine Schwiegermutter ihre Schwiegertochter lieb gehabt.

An der Tür des vollen Gewölbes drängen sich Freunde und Verwandte, aber die kalte Küche ist leer.

An der Tür sollt es geschrieben stan, Hurenleben ist zum tot ein ban.
la] Scribatur portis, meretrix est ianua mortis.span>

An der Versachlichung des Menschen und seiner Lebensführung arbeiten, heißt demnach, dem Aufstieg der Kultur den Weg bereiten. Vorausgesetzt, dass die schöpferische Ursprünglichkeit des persönlichen Lebens dabei nicht Schaden nimmt.
J. M. Verwegen, Der Edelmensch.span>

An der Wahrheit sein.
info] Auf der Erde vollendet haben.span>

An der Warte und am Bauen liegt mehr als am Kosten.

An der Weiber Zähren, an der Bauern Geren und der Spieler Schwören soll sich niemand kehren.
fr] Femme rit quand elle peut et pleure quand elle vent.
fr] Femme se plaint femme se malade femme se deult quand elle veut.
it] Due sorte di lagrime negli occhi delle donne una di dolore, altra d'inghanni.
it] Le donne sono simile al coccodrille: per prendere l'uomo piangane e presso lo divoranno.
la] Foemina dum plorat, dum rusticus ebrius orat, dum lusor jurat nihil haec devotio durat.span>

An der Welt ist alle Straff verloren.

An der Welt ist Tauf und Krisam verloren.
Luther.span>

An der Wende der Zeiten sind die Denkenden eine Saat, über das Feld gestreut.
Heinrich Mann, Ein Zeitalter wird besichtigt.span>

An der westlichen Küste von Afrika gebrauchen sie [die Engländer] die Neger selbst in ihren großen Besitzungen, und es ist gegen ihr Interesse, dass man sie dort ausführe. In Amerika haben sie selbst große Negerkolonien angelegt, die sehr produktiv sind und jährlich einen großen Ertrag an Schwarzen liefern. Mit diesen versehen sie die nordamerikanischen Bedürfnisse, und indem sie auf solche Weise einen höchst einträglichen Handel treiben, wäre die Einfuhr von außen ihrem merkantilischen Interesse sehr im Wege, und sie predigen daher, nicht ohne Objekt, gegen den inhumanen Handel.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 1.9.1829.span>

An der Zunge des Bewerbes hüpft der Name des Geliebten.

An der Zunge erkennt man den Kopf (Menschen).

An derselben Klippe scheitern.
info] Auch: An dieselbe Klippe stossen, d.h. in Ausführung eines Planes durch etwas gehemmt werden, was schon andern bei Verfolgung derselben Absicht ein Hindernis gewesen ist.
la] Haerere in eisdem scopulis. Offendere in eundem scopulum.span>

An derselben Sucht krank liegen.

An des anderen Vorteil denken, wird zum eigenen werden.
China.span>

An des Armen Barte lernt der Junge scheren.

An des Armen Barte lernt der Junge scheren.
var] An armer Leute Bart lernt der Junge scheren.

An des Herren Sohlen hangt der beste Mist.
nl] Aan de voetzolen des meesters hangt de beste mest.span>

An des menschen stirn kan man sein frommkeit nicht spürn.

An des Nachbarn Fall soll man sich spiegeln.

An des Narren Barte lernt das Messer scheren.
it] A la barba de' pazzi il barbier impara a radere.
la] A barba stulti discit tonsor.
la] Audax in barba stulti novacula.
pt] Na barba do nescio aprendem todos a rapar.
sp] A barba de necio aprenden todos á rapar.span>

An des Pfarrers Rockschößen klettert der Teufel in den Glockenstuhl.
Spanien.span>

An des Schläfrigen Angel beisst ja kein Fisch.
Estland.span>

An des Schwätzers Kopfe ist nicht viel Gutes zu sehen.
Surinam
en] He tat is a blab is a scab.
ho] Laat geene klappers in uw huis wonen, want zij draagen veel in en uit.span>

An des Täters Kopf hängt die Tat den Zopf.

An des Tauben Tor muss man stark klopfen.

An des Tigers Grabe hört man kein Wehklagen der Antilopen.
Abessinien (Um den Gedanken auszudrücken, dass der Tod eines Tyrannen von dem Tyrannisierten nicht beklagt wird).span>

An des Todes Seil kommen.

An des Waisen Kopf lernt der Barbier zu rasieren.

An des Wartenden Angel beisst der Fisch.
Estland.span>

An Deutschlands baldiger 1heit,
Da 2fle ich noch sehr.
Adolf Glaßbrenner, Eingabe an seine Majestät den König (1847).span>

An di is kên Haar gôds.
Altmark
hdt] An der ist kein gutes Haar.span>

An di sint caelumque regant, ne quaere doceri:
cum sis mortalis, quae sunt mortalia, cura.
Disticha Catonis
dt] Begehr nicht zu erfahren, ob es Götter gibt und sie im Himmel herrschen: Du bist ein Mensch, kümmere dich um das Menschliche.span>

An dickes Drutscherl.
Oberösterreich
info] Eine dicke weibliche Person mit plumpen Körperbewegungen.span>

An die Anständigkeit muss man den Weibern tippen - dann kriegt man sie.
Hans Rehfisch, Oberst Chabert, III, Boucard.span>

An die ärgere Hand fallen.

An die Armee, meine Herren, rühren Sie nicht! Da sage ich ihnen auch nicht bloß meine Meinung, sondern die Meinung der Majorität der Nation; da hört die Gemütlichkeit auf.
Otto von Bismarck im Reichstage (14. Juni 1882).span>

An die Arznei glauben, macht sie wirksam.
Tamil, Indien.span>

An die Berge scheint die Sonne zuerst.

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