Spruchlexikon

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AlabasterAlabaster gibt teure Pflaster.
AlabasterWeiß wie Alabaster.
AlasterDie Alastern schreen derb arnstlich, de Schilger (Gläubiger) war'n kumm'n.
AlaunAlaun für Zucker essen.
Einen Tadel für Lob annehmen; etwas Scharfes, Bitteres für Beweis der Güte ansehen.
AlaunVon Alaun bis Tittwersamen.
Bei den Materialisten, und nicht allein bei ihnen ist für »alles Mögliche«, »alles und sonst noch etwas«, nicht bloß in geschäftlicher Beziehung die obige Redensart gang und gäbe, sondern nach dem früheren Anfangs- und Endartikel der Magdeburger Preiskurante noch heute sehr gebräuchlich, obgleich längst vor Alaun und hinter Zittwersamen Artikel hinzugekommen sind. Auch in dem Sinne von durchweg, von A bis Z, gründlich.
AlbelEin Albel ist besser uf den Tisch, denn in dem wage ein michel visch.
Albel: Weißfisch.
AlberJa, Alber hat gefiddelt.
Luther
AlbernAlbern und fest ist besser als schön und kraus.
Lob der Kindlichkeit und kindlichen Einfalt.
AlbernAlbern wie eine ungemachte Wassersuppe.
AlbernDu bist so albern wie der Klosterschreiberin Hühner.
AlbernSo albern ist keiner, er weiß seine Not zu klagen.
AlbernSüß ist albernes Tun zur Zeit.
la] Dulce est desipere in loco.
Horaz / Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Oden (um 18 v. Chr.), IV, 12, 28
AlberneDas die Albernen gelüstet, das tötet sie.
AlbertAlberts Zeit, der Ochsen Freud.
Masuren
AlbertstagAm Albertstage (24. April) versteckt ihre Socken die Krähe im Roggen.
pl] Na Woy ciecha wrona sie wzycie skryil.
AlbrechtIn König Albrecht's Tagen ward der Adel erschlagen.
Polen
Bezieht sich auf die unglücklichen Kämpfe des polnischen Königs Johann Albrecht um das Jahr 1500 mit den Walachen, die sein Heer nicht nur in ihrem Lande in einen Hinterhalt lockten und bis auf den letzten Mann vernichteten, sondern später sogar in Polen selbst einfielen und in Verbindung mit den tatarischen und türkischen Horden die fürchterlichsten Verwüstungen anrichteten.
AlchemieAcht stück sind bei der Alchimey: Rauch, Asch, viel Wort vnd groß vntrew, erseufftzen tieff vnd schwer arbeit, armut vnd allerley Kranckheit. So du dafür wilt sicher seyn, gehe nicht zum laboratorio ein.
AlchemieAlchemie ist eine Kunst, für die sogar der Kaiser zu arm ist.
AlchemieAlchemie, Bergwerk, Vogelstellen, verderben manchen Junggesellen.
AlchemieDer Alchemie ist niemand wert.
AlchemieDie beste Alchemie ist, viel einnehmen und wenig ausgeben.
Die Franzosen behaupten, die besten Alchemisten seien die Zähne: La meilleure alchimie se fait avec les dents.
en] No alchymy like saving.
pt] Alchimia he provada, ter renda, e naõ gastar nada.
es] Alquimia provada, tener renta y no gastar nada.
AlchemieMan spürt wohl in der Alchimey, was falsch vnd beschiss auff Erden sey.
AlchemieWer sich befasst mit Alchemie, findet nur Läuse für seine Müh'.
»Man macht verächtlich sich bei dieser Müh', das Silber schwindet und das Gold kommt nie.«
it] Chi cerca l' alchimia, trova i pidocchi.
AlchemieZur Alchimey sechs stuck gehören: bey tag vnd nacht laborieren, das fewr ohn vnterlass schüren, Rauch vnd dampff spüren, sich selber inficieren, gesicht, gesundheit vnd gelt verlieren vnd endlich den betrug mit betrübten hertzen spüren. (Teutsche Sprach und Weißheit)
AlchemistAlchemisten misten.
D. h. sie verwandeln, um Gold zu gewinnen, Geld und Gut in Mist.
dk] Alemist aller Alchemist; thi for at saae gald, forsaetter han celt sit guld og gods.
AlchemistAlchimisten lass vnder dein dach nit nisten.
AlchemistAlchymisten Kunst ist niemand wert, er hab den Haus vnd Hof verzert.
AlchemistDie Alchemisten haben fünferlei Beute: sie verthun das Gut, verderben die Zeit, beschweren das Leben, schwächen den guten Namen und betrügen die Leute.
AlchemistDie Alchemisten reiten auf einem hanfenen Pferde dem Himmel zu.
AlchemistEin Alchimist, ein Algenist vnd alles verloren.
»D. i. der alles genießet vnd nichts wieder bekompt. Ich habe niemals gesehen einen reichen Alchimisten vnd einen schwartzkünstler eines rechten todes sterben.«
AlchemistHüt dich vor der Alchimisten sublime, wilt du mit vollem beuttel zu marck gehn.
AlchemistHüte dich vor der Alchemisten Süpple, vor der Juristen Codice, vor der Medicorum Recipe, vor der Pfaffen Praesta quaesimus Domine, willst du mit vollem Beutel zu Markte geh.
AlchemistWas die Alchemisten suchen, das finden sie nicht, und was sie haben, das verlieren sie.
AlefEr lässt sich bei der Alef totschlagen.
Er will schon im Anfange nicht. Alef ist der erste Buchstabe im hebräischen Abc.
AlefVon Alef bis Tem.
Jüdisch-deutsch, Brody
So viel wie von A bis Z.
AlefanzAlefanz macht die Schuhe ganz.
Alefanz heißt soviel als List zu Gewinn, Vorteil, Eigennutz und ist nach Körte (67) mit der jetzigen Plusmacherei gleichbedeutend. Im neuern Sinne bezeichnet es Fremdartiges, Unnützes, Törichtes.
AlemtejrAlemtejr ist Portugals Kornkammer.
Deutsche Romanzeitung, 1847
AlençonIn Alençon gibts mehr Buckelige als Häuser.
Die Stadt Alençon in Frankreich wird nicht nur durch ihre Propheten verspottet, die stets prophezeien, was bereits da ist; sie wird auch durch den Spottreim geneckt: Alençon, habit de couleurs et ventre de son, plus de bossus que de maisons. (Alençon - Sammtkleid und Kleienbauch mehr Buckliche als Häuser.) (Illustrirte Zeitung, 1447.)
AlerschAlersch, was blase' wer nu?
Dieses Wort rührt von einem gar gestrengen Herrn her, der vor etwa 30 Jahren die Artillerie auf dem »Grützmacher« exerzierte. Der wurde nach alter guter Sitte mit jedem Kommando immer »wütiger«; und Alersch, der Stabstrompeter, musste seine Reservelunge einsetzen, um so schnell, wie der Herr Major es verlangte, mit den Signalen mitzukommen. Wie im Sturmwind brausten die Batterien über den Platz - doch halt - jetzt war Holland in Not; alle vier jagten in einer Ecke zusammen, in einer Ecke mit der fatalsten Eigenschaft, die eine Ecke haben kann, nämlich, dass es nirgends herausgeht. Dann strich der bärbeißige Herr sich den Schnurrbart und drehte sich im Sattel herum: »Alersch, was blase' wer nu?« (er war von Geburt ein Türinger) so donnerte er den verblüfften Stabstrompeter an. Und wo sich jemand beim Manöver festfährt oder festreitet, da heißt's noch heute: »Alersch, was blase' wer nu?« (Über Land und Meer, Bd. 37)
AlexanderAlexander der Große war klein zu Rosse.
AlexanderEs ist nicht jeder ein Alexander, der den Kopf schief trägt.
AlexanderWenn Alexander ein Hahnrei ist, so weiß es Gott und alle Welt.
Die Fehler der Großen sind überall bekannt.
AlexisAn Alexis send' ich dich;
Er wird, Rose, dich nun pflegen.
Christoph August Tiedge (1752-1841), Das Echo oder Alexis und Ida, Die Sendung der Rose (ged. 1812), Melodie von Friedrich Heinrich Himmel (1814)
AlexiusWenn's auf Alexius regnet, so fault das Getreide auf der Mauer.
Bayerischer Hauskalender
AlfanzereiMit Alfanzerei umgehen.
Gegen Vorspiegelung und Übervorteilung. Vgl. Weigand, Wörterbuch: »Man soll nicht mit Alfantzerey umbgehen und die Leute betriegen.« (Luthers Tischreden)
AlfsrankelDat ös en reiner Alfsrankel.
Natangen
AlgarveAlgarve ist das kleinste Königreich der Christenheit.
Deutsche Romanzeitung
AlgauAlgäw: Alpigawi, wo, außer Hafer, kein Getreide wächst.
AlgauIn Algäw, da das Brot ein Ende hat.
AlgierWer Algier erobert, findet so viel Barschaft, Afrika damit zu bezahlen.
Ein altes Sprichwort, dessen Wahrheit am besten die Franzosen jetzt bestätigen oder widerlegen könnten. Wie es scheint, haben sie den Schatz noch nicht gefunden.
AlkoholAlkohol macht die Leute toll.
Sprichwort einzelner Branntweinvertilgungs-Gesellschaften.
AlkoholIch will's den Teufel tun; ich wünschte, dass das giftig garstige Zeug (der Alkohol) gar nicht da wäre und getrunken würde.
Friedrich der Große (1712-1786), als man ihn bat, eine Rum- und Arrakfabrik in Könisberg anlegen zu dürfen.
All (das)Du bist ein Teil des Alls und nicht von solcher Kleinheit,
Dass du nicht in dir trägst des großen Ganzen Einheit.
Friedrich Julius Hammer (1810-1862), Schau um dich und schau in dich (1851), Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wie du dich selber liebest usw.
All (das)Wenn alles auch ein letzter Tag bewältigt,
Im All lebt alles fort vertausendfältigt.
Hermann Lingg (1820-1905), Die Völkerwanderung (1866-1868), Gesang 2, Völkerfrühling
AllahAllah schafft kein Krokodil, er schafft auch ein Ichneumon.
AllahWährend Allah die Durrahfelder verflucht, hebt er die Hand auf, die Reisfelder zu segnen.
Wir könnten sagen: Schlagen die Kartoffeln fehl, so gibt's Gott an Weizenmehl.
AllahWen Allah bis auf den Hurtu führt, dem will er auch das Rote Meer zeigen.
AllärtAllärt (tätig) wie eine Seigames (Ameise).
Bittburg
AllärtHä es esu alläht (geschäftig) we de Kochepan (Küchenpfanne) ôm Fastelovend.
Köln
Fastelovend: Fastnacht - Karneval, Vorabend der Fasten.
AllbotAllbot helpt, säd de Mêsk un pisst an'n Strand.
AllbotAllbot helpt, säd Matz Hast, un söp'n Näsdröppel vor Döst.
Holstein
AllbotAllbot helpt, säd Michel un pisst in die Eider.
AllbotAllbot helpt, säd' de Mügg', dor pisste se in't Haf (oder: in de Emse).
Ostfriesland
AllbotAllbot helpt, sae Jürgen, dô nêm he noch ên.
Ostfriesland
AllbotAllbot helpt, segt das Müsken un pisst in'n Rîn.
AllbotAllbot helpt, segt dat Mîgemken (Ameise) un pisst in de See.
AllbotAllbot helpt, söä' de Möller, un lêt 'n Forz gä'n de Möllflüchteln.
AllbotAllbot helpt.
AllbotAllbott helpt, harr de Mügg' seggt, harr in d' Ja' pisst.
Oldenburg
AlleAlle hernach!
Eine Kirchhofsinschrift. Früher oder später wird jeder eine Beute des Todes.
AlleAlle können nicht Alles.
la] Non omnia possumus omnes.
AlleAlle möchten wohl viel wissen, aber etwas darum geben, will sie verdrießen.
AlleAlle, welche die Erde trägt, die Sonne bescheint.
Gute und Schlechte.
la] Omnium quos sol videt.
AlleAlle, wie wir jebacken sind.
Alle zusammen.
Berliner Redensart
AlleDer König rief, und alle, alle kamen,
Die Waffen mutig in der Hand.
Heinrich Clauren (1771-1854), Gesammelte Schriften, Gedichte, Der König rief, und alle, alle kamen usw. (ged. 1813), Melodie von Albert Philipsborn (komp. 24. Juni 1813)
AlleMit allen essen und mit keinem es halten.
Von Schmarotzern, die jedem, von dem sie Genuss spüren, so reden, wie er es gern hört.
AlleSo machen's alle (Weiber).
it] Così fan tutte.
Lorenzo da Ponte (1749-1838), Titel einer komischen Oper, komponiert von Wolfgang Amadeus Mozart (Uraufführung 26. Jan. 1790 in Wien)
AlleWas allen gefällt, ist schwer zu behalten (oder: man schwer behält).
Denn es findet zu viel Liebhaber, Neider und Abnehmer.
AlleWas über allen schwebt, kann alle treffen.
AlleWer allen dienen will, kommt immer am schlimmsten weg.
la] Ardua res regi carum simul esse gregi.
AlleWer allen dient, macht keinem sich verbindlich (oder: dient keinem).
it] Chi serve al comune, non serve a nessuno.
la] Qui servit communi servit nulli.
hu] Ki községnek szolgál, egynek se szolgál.
AlleWer allen gefällt, soll noch geboren werden in der Welt.
AlleWer allen genügen kann, der lösche mich aus und schreibe sich an.
AlleWer es allen recht machen will, muss früh aufstehen.
it] Bisogna che si levi di buon' ora, chi desidera piacere a tutti.
hu] Lehetetlen minden embernek kedvére járni. - Az Isten se tehet mindennek eleget.
AlleWir sind alle arme Sünder.
Die reichen werden nicht gerechnet.
Alle werdenEs ist alle geworden wie in der nienburger Apotheke.
Von einem zu Grunde gegangenen Droguengeschäft, das vor Zeiten in Nienburg a. d. S. die Stelle einer Apotheke vertrat.
Alle werdenEs ist eben alle geworden, wie Uhden sein Pfeffer, da geht das Mädchen mit dem letzten hin.
AllehöflichAllehöflich, sprechen die Bergleute.
AlleinAlle unsere Leiden kommen daher, dass wir nicht allein sein können.
fr] Tout notre mal vient de ne pouvoir être seuls.
Jean de La Bruyère (1645-1696), Charaktere (1688), Vom Menschen
AlleinAllein bist du nirgend allein.
Wer sich hat, der hat alles. »Schafe und Rindvieh«, sagt der neuere »Lachende Philosoph« (Julius Weber), »leben in Gesellschaft, Adler horsten allein.«
AlleinAllein ehrbar ist annehmlich, selbander schlafen ist freundlich, zu dritt gehen ist lieblich.
AlleinAllein getan, allein verbüßt.
AlleinAllein ist allein, am besten ist's daheim.
Böhmen
AlleinAllein ist besser als mit Schlechten im Verein,
Mit Guten im Verein ist besser als allein.
Friedrich Rückert (1788-1866), D. Weisheit d. Brahmanen (1836-1839), Buch 16, Abteilung 5, Nr. 76 (Stufe 5, Leben, Nr. 478)
AlleinAllein ist das beste Fuhrwerk, da ist immer angespannt.
AlleinAllein ist einem am besten.
Die Osmanen sagen: Allein zu sein geziemt nur Gott.
AlleinAllein ist unsicher.
Gegen Ehelosigkeit.
AlleinAllein känn män essen, ober nit arbeiten.
Warschau
Teilung der Arbeit ist meist nothwendig, nur essen kann man allein.
AlleinAllein kann niemand freveln.
Es ist hier von verbrecherischen Angriffen auf den Rechtsfrieden eines andern die Rede, die, wie Überfälle, nur von einer Anzahl von Leuten ausgeführt werden konnten. Die Zahl derselben ist in den einzelnen Rechten verschieden festgesetzt. In den nordischen Rechten werden fünf Teilnehmer, vier Männer mit ihrem Anführer, angenommen, in andern germanischen Rechten sieben.
AlleinAllein verredt sich kein(er)es.
la] Ubi desunt audientes, non inveniuntur detrahentes.
AlleinAllein wie der Auerhahn auf der Falz.
AlleinAllein wie der Fuchs in der Angel.
AlleinAllein wie der Teufel vor der Frühmesse.
AlleinAllein wie ein Finger.
Russland und Litauen
AlleinAllein wie ein Meilenweiser.
Einzeln dastehend.
AlleinAllein wie ein Sandkorn im Auge.
Russland
Nebenbegriff des Hinderlichseins, Imwegeseins.
AlleinAllein wie ein Tropfen in der Rinne.
AlleinAllein wie eine verspätete Mohnblume.
Russland
AlleinAllein zu sein! Drei Worte, leicht zu sagen,
Und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen!
Adelbert von Chamisso (1781-1838), Gedichte (1824)
AlleinAllein, wie das rechte Auge.
Russland
Einzig und teuer.
AlleinAlleinsein mit dem Nebenbegriff der Wichtigtuerei und Albernheit.
AlleinAlleinsein mit dem Nebenbegriff des Sichverlassenfühlens in der Not.
AlleinAlleinsein mit dem Nebenbegriff unnützer Geschäftigkeit.
AlleinAllêne is allêne.
Böhmen
AlleinAls Christus allein war, versuchte ihn der Teufel.
AlleinBesser allein, als bei Bösen böse sein.
AlleinBesser allein, als in böser Gemein'.
D. h. in schlechter Gesellschaft.
dk] Bedre er sene at vaere, end ondstal brod er al have. - Vaer haller eare, end i selskab med en daare.
en] Better be alone than in bad company.
fr] Il faut mieux être seul qu'en mauvaise compagnie.
nl] Beter alleen dan kwalijk verzelt. - 'T is beter nog alleen geleefd, dan dat men kwaad gezelschop heeft.
it] È meglio esser solo, che male accompagnato.
pt] Mais val só, que mal accompanhado.
se] Bättre wara ensam, än i dåligt sällskap.
hu] Jobb magán, mint rosz társsal járni.
es] Mas vale solo que mal acompañado.
AlleinBin ich allein, was bin ich?
Talmud (3. Jahrhundert)
AlleinBiss gern allein, mach dich nicht zu gemein, so wirstu wert gehalten sein.
AlleinBleib gern allein, so bleibt dein Herz rein.
mhd] Bisz gern allein und halt dein gedenk rein, hab vor augen gotes gebot, über alle ding so minne got.
AlleinBleib' nicht allein, denn in der Wüste trat
Der Satansengel selbst zum Herrn des Himmels.
Friedrich von Schiller (1759-1805), D. Jungfrau von Orleans (1801), Prolog, Sz. 2 (Thibaut)
AlleinBleibe gern allein, mach' dich nicht gemein, halt' dich wohl und rein, willst du geachtet sein.
AlleinBleibt gern allein, so bleiben euere Herzen rein.
Luther
AlleinDei geit nich mött sock alleen.
Königsberg
Von einer schwangern Frauensperson.
AlleinDer Starke ist am mächtigsten allein.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell I, 3 (Tell)
AlleinDer stärkste Mann der Welt ist derjenige, welcher allein steht.
Henrik Ibsen (1828-1906), Ein Volksfeind (1882), V, 7 (Stockmann)
AlleinDie allein nicht schlafen kann, nehm' zu Fassnacht einen Mann.
AlleinDu sollst auch Einen für dich allein haben.
Verspricht man scherzhaft einem Mädchen.
AlleinEiner allein kann nicht alles wissen.
it] Un solo non può saper tutto.
AlleinEr geht nicht allein nach Haus.
Ist betrunken.
AlleinEr ist für sich allein wie der Gottesberg.
Schlesien
In der Gegend der kleinen Bergstadt Gottesberg üblich, weil der gleichnamige Berg, an dessen Fuße die Stadt liegt, einen alleinstehenden Kegel bildet. Um auszudrücken, dass jemand insofern allein steht, dass er der letzte seines Namens ist, dass er keine Familie hat, sagen die Einwohner in Surinam: Ich bin der Kokosnussbaum, ich habe keine Ableger.
fr] Cet homme vole de ses propres ailes.
la] Ne musca quidem (sc. cum eo est).
AlleinEr ist gern allein, wenn er etwas auf ungeräumter Bank findet.
AlleinEr ist nicht mit sich allein.
Von einem Betrunkenen.
AlleinEs ist das große Traurige, dass eine Seele stets allein ist.
Jens Peter Jacobsen (1847-1885), Niels Lyhne (1880)
AlleinEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.
1. Mos. 2, 18
AlleinEs ist niemand weniger allein dann allein.
AlleinEs kan keiner alles allein.
AlleinGanz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit, denn nur, wann man allein ist, ist man frei.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Parerga u. Paralipomena (1851), Aphorismen zur Lebensweisheit, Bd. 1, K. 4
AlleinHalt dich allein, dein hertz halt rein, vnd acht dich klein. Hab lieb, das nymer mach vergain, so kan dyn hertz in frewden stain.
AlleinIch bin allein auf weiter Flur.
Johann Ludwig Uhland (1787-1862), Schäfers Sonntagslied (ged. 17. Nov. 1805), Melodie von Konradin Kreutzer (1821)
AlleinJe länger, je lieber ich bin allein, denn Treu' und Glaub' ist worden klein.
AlleinKannst du's allein, so nimm keinen Gesellen.
fr] A ce que tu peux faire seul, n'attends personne.
AlleinLänger allan sein, I kånn's nit dertråg'n,
I låß mi lei (gleich) lieber
Lebendig begråb'n.
Kärtner Schnaderhüpfl
AlleinMan ist nie weniger allein, als wenn man allein ist; ist Gott nicht bei uns, so ist's der Teufel.
AlleinMein allein, oder lass es gar sein.
AlleinMir gäb' es keine größre Pein,
Wär' ich im Paradies allein.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Gedichte, Sprichwörtliches (ged. 1812-1814)
AlleinNichts steht allein. Nichts kann allein bestehen.
AlleinNiemand ist gern allein.
la] Natura solitarium nihil amat. (Cicero)
AlleinNiemand ist weniger allein, als wer allein ist.
fr] Il n'étoit jamais moins seul, que quand il étoit seul.
AlleinNiemand wird ihm (sich) allein geboren.
la] Nemo sibi nascitur.
AlleinNit mir allein, Vielen in gemein, mein Regiment nützlich soll seyn.
la] Symb. Adriani Imperat.: Non MIHI SED PoPuLo.
AlleinÖck si nich allên.
Sagt eine Schwangere, um ihren Zustand zu bezeichnen.
AlleinOhnmächtig ist der Mensch, steht er allein.
Ernst Benjamin Salomo Raupach (1784-1852), Die Hohenstaufen (1837)
AlleinVil besser ist eines allein, dann viler Herren diener sein.
AlleinVor wun em alin äss, verriet em sich näkest.
AlleinWann i am Fenster steh',
So in die Nacht h'nei seh',
So ganz alleine,
Da muss i weine!
Philipp Jacob Düringer (1809-1870), Gedichte (1831), Des Mädchens Klage, Volksweise
AlleinWas du allein wissen willst, das sage niemand.
AlleinWas ist, bedarf des anderen, zu sein.
Leopold Schefer (1784-1862), Laienbrevier (1834), Okt. Nr. 2
AlleinWehe dem, der allein ist!
la] Vae solis
Alter Spruch
AlleinWenn der allein ist, ist er in schlechter Gesellschaft.
AlleinWenn du allein bist, so denke, dass Gott und dein Gewissen bei dir sind.
AlleinWenn er allein ist, ist er der beste.
nl] Daar hij alleen is, daar is hij de beste.
AlleinWenn ich allein bin, bin ich am wenigsten allein.
la] Nunquam se minus solum esse, quam cum solus esset.
Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.), Vom Staat, I, 17, 27
AlleinWer allein fertig werden kann, soll sich keine Gehülfen suchen.
AlleinWer allein ist, hustet allein.
AlleinWer allein läuft, wird stets Sieger.
Von denen, die ohne Nebenbuhler sind. Von den Rennbahnen entlehnt.
la] Solus currens vicit.
AlleinWer allein reist und bei Nacht wacht, hat sich übel bedacht.
AlleinWer allein schläft, bleibt lange kalt, zwei wärmen sich einander bald.
AlleinWer alles allein haben wîll, dem wirdt billig nichts dan der stil.
la] Nil habeat uere, qui uult bona solus habere.
AlleinWer alles allein will haben, soll billig nichts haben.
AlleinWer bei sich allein ist, sehe zu, dass er sich nicht in schlechter Gesellschaft befinde.
Beim Menschen ist entweder sein guter oder sein böser Engel.
hu] Az egyes élet nem lehet bú nélkúl.
AlleinWer heute,
Vom Strome fortgerissen, sich vergisst,
Wird nüchtern werden, sieht er sich allein,
Nur seine Ohnmacht fühlend und geschwind
Umlenken in die alte, breitgetretne
Fahrstraße der gemeinen Pflicht, um wohl-
behalten unter Dach zu kommen suchen.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Die Piccolomini (1799), II, 6 (Illo)
AlleinWer stets an sich allein denkt, wird nie geliebt werden.
AlleinWirke, soviel du willst, du stehest doch ewig allein da,
Bis an das All die Natur dich, die gewaltige, knüpft.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Gedichte, Der Vater (ged. 1796)
AlleinZu zweien geht einem das Schaffen leichter von der Hand, und man genießt die Lust des Daseins besser, als wenn man allein ist.
Georg Ebers (1837-1898), Der Kaiser (1881)
AlleinherrschaftAlleinherrschaft kann nur bestehen, solange das Volk in Stände zerfällt, welche, in einer unwandelbaren Ordnung übereinandergebaut, die festen Stufen bilden, welche gemächlich zum Throne führen.
Ludwig Börne (1786-1837), Gesammelte Schriften (1862-1863)
AlleinherrschaftEin Staat gehört nicht einem ganz allein.
Sophokles (497-406 v. Chr.), Antigone, 733 (Hämon)
AlleinherrschaftNichts schädigt mehr den Staat als Alleinherrschaft.
Euripides (480-406 v. Chr.), Die Schutzflehenden (um 418 v. Chr.), 429 (Theseus)
AlleinherrschaftSinnverblendet ist der Sterbliche,
Der nach dem Zepter trachtet mit Alleingewalt (der Alleinherrschaft erstrebt).
Euripides (480-406 v. Chr.), Hippolyt (um 428 v. Chr.), 1014-1015 (Hippolyt)
AlleinseinAlleinsein schickt sich nur für Gott.
Arabien
AllemalAllemal heft de Katt e Puckel.
AllemannWennt Johann Allemann erst wet, so is et wyt noch kamen.
AllenbergEr ist aus Allenberg.
Von einem, der sich albern gebärdet. Auch: Er ist reif für Allenberg, d. i. für die in der Nähe Wehlau's befindliche Irrenheilanstalt der Provinz Preußen.
AllenburgÖn Allenborg wâre de Kinder möt schwînschen Wâter gedêpt.
Dönhoffstädt
Die Stadt liegt am Einfluss des Schweine-Bachs in die Alle.
AllenthalbenEr ist allenthalben, wie ein Hanswurst in der Komödie.
AllenthalbenEs ist allenthalben gut Brot essen.
AllenthalbenWir sind allenthalben in Gottes Hand.
AllerdingsAllerdings heft de Bock e Büdel.
Danzig
Scherzhafte Anspielung auf den Bocksbeutel, richtiger Booksbüdel. Die Redensart wird zur Verspottung altertümlichen Wesens angewandt.
AllerfrömmsteDer Allerfrömmste ist ein Schalk.
la] Simiarum pulcherrima deformis est. (Plutarch)
AllerhandAllerhand ist ein Gänsedreckel.
Schlesien
Als Erwiderung, wenn auf die Frage, was es zu essen u.s.w. gebe, geantwortet wird: Allerhand.
AllerheiligeMan kommt nur ins Allerheilige durch die Pforte des Tempels.
nl] Men komt in het heiligdom niet dan door het portaal van de kerk.
AllerheiligeMan muss nicht ins Allerheilige dringen.
Ähnlich sagt der Franzose, um abzumahnen, jemandes Geheimnisse erforschen zu wollen: Il ne faut pas entrer dans le sanctuaire.
AllerheiligenAllerheil'ge Mäss, da' sei mer des Wönters gewess; wann er dann nôch nödd mag, da' kimd en off Meerdes dâg.
Trier
Meerdes dâg: St. Martinstag, 11. November.
AllerheiligenAllerheiligen (1. Nov.) bringt einen gewissen Sommer (oder: bringt den Nachsommer).
AllerheiligenAllerheiligen bringt Sommer für alte Weiber, der ist des Sommers vertreiber.
AllerheiligenAllerheiligen klar und helle, sitzt der Winter auf der Schwelle.
AllerheiligenAllerheiligen Reif macht zu Weihnacht alles starr und steif.
AllerheiligenAllerheiligen trägt eigen den Winter zu allen Zweigen.
AllerheiligenAllerhilgen, sit de Winter up de Tilgen (Zweigen).
AllerheiligenAllerhillgen stigt de Winter upp de Willgen (Weidenbäume).
Oldenburg
AllerheiligenAllerhilligen Dag Fressland wohl beklagen mag.
Wenn die Heiligen irgendwo ihre Schutzaufgaben nicht erfüllt haben, so ist es in Nordfriesland gewesen; denn für dieses ist der 1. November wiederholentlich ein wahrer Unheilstag gewesen, besonders aber der des Jahres 1570, der Veranlassung zu obigem Sprichwort gegeben hat, an dem gegen 400.000 Menschen ihr Leben eingebüßt haben sollen, und viele Ortschaften völlig verschlungen worden sind. (Weigelt, Nordfriesische Inseln, Hamburg 1873)
AllerheiligenAm Allerheiligen säe Weizen und sammle Disteln.
Spanien
AllerheiligenBringt Allerheiligen Winter, so bringt Martini (11. Nov.) Sommer.
AllerheiligenDe Allerhillgen Summer du'ert drai Stunnen, drai Dage oadder drai Wiäken.
Gesch. Mark
AllerheiligenEr ist Allerheiligen.
AllerheiligenEs ist noch nicht Allerheiligen Abend.
AllerheiligenIch bin nicht Allerheiligen Knecht.
AllerheiligenKommt vor Allerheiligen Frost, so kommt ein weißer Winter zur Post.
AllerheiligenNach der Allerheiligen Mess' sind wir des Winters gewess; wenn er dann nicht kommen mag, dauert's bis Martinitag.
Eifel
AllerheiligenWenn um Allerheiligen ein gehauener Eichenspan nass ist, so gibt's einen kalten, wenn er trocken, einen milden Winter.
Luzern
AllerheiligenZwischen Allerheiligen und Christtag es nicht viel regnen und winden mag.
fr] Entre la Toussaint et Noël ne peux trop pleuvoir ne venter.
AllerheiligensommerAllerhillgensuemer bliwt nit iude.
Westfalen
Selten bleiben sonnige Tage in der Zeit des 1. November aus.
AllerhöchsterLass den Allerhöchsten walten, der so lange hausgehalten.
AllerlängstSeit allerlängst wiehert der Hengst.
AllerleiAllerlei dient nicht jedermann.
la] Omnia non pariter rerum sunt omnibus apta. (Properz)
AllerleiAllerlei ist zweierlei.
AllerleiEr ist Hans Allerlei.
Von Krämern, die alle Gegenstände führen, nach denen man fragen mag.
AllermannAllermanns Freund ist Allermanns Narr.
la] Nec nulli sis amicus, nec omnibus (multis).
AllermannAllermanns Nutzen, Allermanns Schaden.
se] Allmän nytta, allmän skada.
AllermannAuch Allermanns Knecht kann's nicht jedem machen recht.
Schwierige Stellung der Gemeindediener.
AllermannSie ist eine Allermanns Grete.
Nürtingen
AllerseelentagAllerseelentag.
Der Allerseelentag (2. Nov.) ist ein Markttag, auf dem man die Seelen aus dem Fegfeuer kauft. - »Oder doch zum wenigsten die Gefängnuss verleichtert, sonderlich wenn die Freunde ein schweren säckel auf den Markt bringen, tieff in den greiffen. Denn wann die Gecken zu markt gehn, gleich dieser ist, so lösen die Krämer (Messleser) Geld.«
AllerseelentagDer Allerseelentag will drei Tropf Räge ha.
Solothurn
AllerwegenDer allerwegen ist, der ist nirgend daheim.
la] Nullibi est, qui ubique est.
AllerwegenHe is allerwegen, as dat lêge Geld.
AllerwegsHe es allerwegs (überall), as't quâd (böse) Geld.
Ostfriesland
AllerweltsfreundAllerweltsfreund, jedermanns Geck.
AllerweltsfreundDer Allerweltsfreund, glaubt es,
Ist keines Menschenfreund.
Karl Egon Ebert (1801-1882), Gedichte (1845)
AllerweltsfreundEt is en Allerweltsfründ.
Westfalen
Von Personen, die sich jedem ohne Prüfung anschließen.
AllerweltsfreundSei nicht Allerwelts Freund!
AllerweltskerlEt is en Allerweltskerel.
Westfalen
Ein überall beliebter Mensch.
AllerwertesterSetz dich auf den Allerwertesten nieder.
Alles't is all as't is, säd Fehlmann, un trekt'n Vraak verkiert an.
Alles't is all as't is, segt Hoppach, kickt in de Zeitung un hölt's verkirt.
AllesAll gôd mit, se(de) de Maid, dô krêg se 'n Snîder.
AllesAlles an alles setzen.
la] Omnem jacere aleam.
AllesAlles getan mit Bedacht, hat niemand ins Unglück gebracht.
AllesAlles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
AllesAlles hat sein Warum.
AllesAlles hat seine Zeit, nur die alten Weiber nicht.
AllesAlles hat seine Zeit.
dk] Aldting haver sin tiid og maade.
en] There is a time for all things.
fr] Chaque chose a son temps. - Il y a temps pour tout.
it] Ogni cosa ha il suo tempo.
la] Omnium verum vicissitudo est.
se] Allt har sin tid.
AllesAlles hat seinen Anfang.
AllesAlles in allem.
la] Summa summarum.
Titus Maccius Plautus (254-184 v. Chr.), Der Grobian, I, 1, 4 (Diniarchus)
AllesAlles in mein Reich! - Gottfried mak de Döer tau.
Westfalen
AllesAlles ist eitel, säd' Salomon, as he dormit farig wier.
AllesAlles ist eitel.
la] O quantum est in rebus inane. (Persius) - Res humanae fragiles caducaeque sunt. (Cicero)
AllesAlles ist Falschheit und Betrug.
Finstere Lebensansicht vielfach Betrogener.
AllesAlles kann keiner.
AllesAlles lässt sich sagen.
Aber nicht allemal ausführen, und dann kommt dabei sehr viel auf die Form und den Stil an.
AllesAlles liegt an Zeit und Glück.
AllesAlles mit Bedacht.
Wahlspruch des deutschen Kaisers Maximilian I. und nach ihm vieler andern Leute.
AllesAlles mit Gott und Ehren.
AllesAlles mit Gott.
AllesAlles mit Liebe, nichts mit Gewalt.
AllesAlles muss unter die Erde.
AllesAlles nach Gottes Willen.
AllesAlles nimmt ein Ende.
AllesAlles nur mit dem linken Ohr hören.
AllesAlles oder nichts.
»Ganz oder gar nicht. Alles in Allem. Jehova oder Baal; Christus oder Belial. Mit Christo oder wider Christum. Sammeln oder zerstreuen. Garizim oder Hebol. Kinder des Vaters im Himmel oder Kinder ihres Vaters, des Teufels. Das Evangelium im Geruch des Lebens zum Leben, oder im Geruch des Todes zum Tode.« (Hillmann, Evangelisirte Sprichwörter)
fr] Tout ou rien.
la] Aut Caesar aut nihil.
AllesAlles um der Wurst willen.
AllesAlles und sonst no Einiges.
Ulm
AllesAlles verzehrt vor seinem End' macht ein richtig Testament.
Wahlspruch für die Zukunft unbesorgter Leute oder Verspottung der in den Tag Hineinlebenden, die es darauf ankommen lassen, ob sie in der letzten Zeit ihres Lebens noch etwas für die Befriedigung der nötigsten Lebensbedürfnisse haben werden.
AllesAlles vollauf.
la] Cornu copiae.
AllesAlles währt nur eine Weile.
fr] Toute chose n'a qu'un temps.
AllesAlles zu seiner Zeit, sagt der Prediger (Koheles).
AllesAlles zu seiner Zeit, sagt Salomo, zu seiner Zeit essen, zu seiner Zeit trinken und fasten und zu seiner Zeit an die Pumpe tasten.
AllesAlles, was geboren, hat der Tod erkoren.
AllesAlles, was ich habe, ist des Höchsten Gabe.
AllesDa ist alles zu haben, wie in Auerbach's Laden.
AllesDas ist sein ein und alles.
AllesDat wör Alles, Kröck ok Awestil (Krücke und Ofenstiel).
AllesDâu is alles âfganga, wêi aff der Matthes'n- Hâuchzet.
Nürnberg
AllesDe 't all hebben will, krigt nix.
Rastede
AllesDers wil alle haben, kriegt oft nichts.
AllesEiner hat alles und der andere nichts.
nl] De een heeft het al, en de ander niemend as.
AllesEs geht alles Gott und Thule.
D. h. durcheinander.
AllesEs ist alles beschert Ding.
AllesEs ist alles eins, ob ich mich in diesen oder in jenen Finger beiße.
AllesEs ist nicht alles aus England, worauf London steht.
AllesEt es alles op sech elfondertegs (auch: sestehalf).
Meurs
Elfunddreißig, d. h. vortrefflich.
AllesMan muss alles auf die hörner nemen, wil mans hinausführen; es muss biegen oder brechen.
AllesMan soll nicht Alles auf Eine Karte setzen.
en] Venture not all in one bottom.
AllesO wat all, säd de Pracher, und as he toseg, härr he nix.
AllesÜber alles und einiges andere.
la] De omnibus rebus et quibusdam aliis.
Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494), Thesen (1486)
AllesVon Allem wat, vom Besten gar nuscht.
Dönhoffstädt
AllesVon Allem wenig, vom Ganzen nichts.
AllesWenn alles vergeht, Tugend besteht.
AllesWer alles an einem Orte hat, der hat es im Feuer.
Es ist gewagt, alles auf ein Spiel zu setzen, oft so gut wie verloren zu achten.
AllesWer Alles aus Nichts machen kann, kann aus Unmöglichem mögliche Dinge machen.
dk] Han kand gjöre muelige ting af umuelige, som kand gjöre alt af intet.
AllesWer alles ist, ist nichts.
AllesWer alles kann, ist ein furchtbarer Mann.
Von denen zunächst, welche die höchste Macht haben, Gutes und Böses zu tun. Von Fürsten und im Scherz vom Gelde.
AllesWer alles nicht fürcht, den beißt der Teuffel auch wohl.
AllesWer alles tun will, tut nichts recht.
la] Festinans ad duo diversa, neutrum bene peragit.
AllesWer alles verfechten will, darf das Schwert nie einstecken.
Wo es ohne Aufopferung wichtiger Güter und Interessen geschehen kann, gibt der Weise gern etwas von seinem strengen. Recht auf, um den Frieden des Lebens zu wahren; aber »für Wahrheit und Recht kämpft er mit Klugheit und Kraft«.
AllesWer alles will verfechten, der hat gar viel zu rechten.
AllesWer alles will, drückt nichts an die Brust.
»Wer Alles will, wird nichts erhalten. Laut der Sentenz der lieben Alten.« (Pfeffel, Fabeln und Erzählungen)
es] Quien todo lo
AllesWer alles will, stirbt aus Raserei.
AllesWer nicht Alles machen kann, braucht nicht Alles liegen zu lassen.
AlleseinWenn's alle ist, hat die liebe Seele Ruh.
Schlesien
In Ostpreußen: Wenn 't aller ös, denn heft de lêwe (auch: arme) Seel' Ruh. Ist bei der Mahlzeit alles aufgezehrt, beruhigt sich auch der, welcher noch einen Bissen genommen hätte.
AlleseinWenn's alle ist, sind wir satt.
In Ostpreußen: Wenn 't aller, denn satt.
AlletagAlletag weh stirbt nimmermeh'.
Spöttelnder Trost, oder Ausdruck liebloser Ungeduld bei lästigen und durch ununterbrochene Klagen behelligenden Kränklichen.
AlletagDer Alendâch brocht vil.
AlletagDer Alendâch huod e griss Mil.
AllezeitAldidj krank, an nimmer duad.
Insel Amrum
Immer krank und nimmer tot.
AllezeitAllezeit angel', so hast du keinen Mangel.
AllezeitAltied is't keen Sömmer un Sönndag.
AllezeitIch bin (er ist) allezeit derjenige, welcher.
Berlin
Nämlich kann, wenn er will, oder weis, was er in einem gewissen Falle zu tun hat.
AllezeitMan iss nich altied upp sin scharpste.
Ostfriesland
AllgemachAllgemach hond au dar.
AllgemachAllgemach kommt (man) auch weit.
it] A penna a penna si pela un' oca, a passo a passo si fa di gran cammino.
AllgemachAllgemach kommt am ersten zum Ziel.
la] Romanus sedendo vincit. (Varro)
AllgemachAllgemach kommt auch (wohl) nach.
AllgemachAllgemaek küemet Hans int Wammes.
(Westfalen)
AllgemeinDenn Raub begeht am allgemeinen Gut,
Wer selbst sich hilft in seiner eignen Sache.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Wilhelm Tell (1804), II, 2 (Stauffacher)
AllgemeinDer gras ist gerne kleine.
Bridankes Bescheidenheit (1225-1240), Nr. 38 v. erkantnisse
AllgemeinDer ist kein Bürger, der die eigne Sorge
Vergisst nicht in der Not des Allgemeinen.
Franz Grillparzer (1791-1872), Ein Bruderzwist in Habsburg (1873), IV (Prokop)
AllgemeinEs ist nichts so allgemein, als falsche Worte in gutem Schein.
AllgemeinIst die Wiese allgemein,
Deren Gras ist gerne klein.
Mittelhochdeutsch: Swelch mate ist gemeine,
AllgemeinSollen andre Vorteil von mir haben,
So muss ich pflegen meine Gaben;
Und wer da nichts tut als das Seine,
Der lebt erst recht fürs Allgemeine.
Karl Aug. Georg Max Graf von Platen-Hallermund, Gedichte. Verm. u. Gelegenheitsgedichte. Antwort (ged. 1822)
AllgemeinheitJa, wenn's nicht anders geht, muss das Kleinere des Größeren wegen fallen; das Einzelne mag in Gottes Namen der Allgemeinheit geopfert werden.
Henrik Ibsen (1828-1906), Die Stützen der Gesellschaft (1877), II (Bernick)
AllgemeinwohlDas Größte, was dem Menschen begegnen kann, ist es wohl, in der eignen Sache die allgemeine zu verteidigen.
Leopold von Ranke (1795-1886), Sämtliche Werke (1875-1890), Englische Geschichte
AllgemeinwohlDer edelste Beweggrund ist das Allgemeinwohl.
en] The noblest motive is the public good.
Wahlspruch der White
AllgemeinwohlEs ist das Wohl des Ganzen, wovon jedes patriotische, wovon selbst jedes eigennützige Gemüt das seinige hofft.
Friedrich von Gentz (1764-1832), Schriften (1838-1840)
AllianzenJe größer die Allianzen, desto kleiner die Chancen.
Desto weniger Haltbarkeit und Nutzen.
AllmachtHier steh' ich. Rund um mich
Ist alles Allmacht und Wunder alles.
Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), Oden, Die Frühlingsfeier (ged. 1759)
AllmachtKennst du den Fluch,
der sich an ird'sche Allmacht knüpft? Gewohnt sein,
Sich alles zu gewähren und dann plötzlich
An eine Schranke stoßen - unerträglich!
Robert Hamerling (1830-1889), Ahasver in Rom (1866), Gesang 2, Das Bacchanal
AllmachtLeicht ist es deiner Allmacht, ehrne Bande
In dünnes Spinngewebe zu verwandeln.
Friedrich von Schiller (1759-1805), D. Jungfrau von Orleans (1801), V, 11 (Johanna)
AllmachtMan muss nicht gegen die Allmacht Gottes streiten.
AllmachtMan muss nicht in die Allmacht Gottes greifen.
AllmachtTrostlose Allmacht,
Die nicht einmal in Gräbern ihren Arm
Verlängern, eine kleine Übereilung
Mit Menschenleben nicht verbessern kann!
Friedrich von Schiller (1759-1805), Don Karlos (1787), V, 9 (König)
AllmachtWer kann der Allmacht Grenzen setzen?
Friedrich von Schiller (1759-1805), Demetrius (1805), I
AllmählichPeu à peu, sagt Kuchenbecker, zu deutsch sukzessive.
Stettin
AllmannAchter Allmann's Oars goahn.
AllmannAchter Allmanns Fers gan.
AllmannAllmanns Freund, jedermanns Geck.
AllmannAllmanns Frund, mennig Manns Geck.
AllmannAllmanns Rat ist gute Teilung.
AllmannEn Allmanns Frund.
AllmannEne Allmanns Hore.
AllmannSe is nich Allmanns Gadung.
AllmannWas Allmann sagt, ist gern wahr.
Wenn auch nicht alles, doch etwas davon.
AllmannsfreundEt is en Amannsfreund.
Westfalen
Tadelnd, von einem, der sich jedem ohne Prüfung anschließt; auch von Hunden gebraucht.
AllmeinEr ist ein Allmein.
Nassau
Einer, der alles haben will. - Der Habsüchtige.
AllmendeAllmende der Stadt (der Gemeinde) kann nicht verjähren.
AllmendeAn Allmende graben, die da frieden.
Das Privateigentum musste von der Allmende nicht bloß durch einen Zaun, sondern auch durch einen neben dem Zaun gezogenen Graben geschieden sein, den der Privatbesitzer ziehen musste. Frieden - die Grenzen so klar stellen, dass kein Streit zwischen Nachbarn entstehen kann.
AllmendeAn der Allmende hat der König den Boden, der Bauer den Wald.
D. h. der Grund und Boden gehört der Gemeinde, das Holz, oder was sonst darauf wächst, aber der Benutzung der Insassen. Denselben Sinn hat auch der Spruch: Dem Könige die Erde, dem Bauer das Holz.
dk] Allminnig thaerac a koning iord oc bonda er skogh.
AllmendeAuf Allmende zu weiden ist niemand verboten.
Ein Weideplatz, der Gemeingut ist, kann auch von zur Gemeinde Gehörigen, natürlich in bestimmten Grenzen, benutzt werden, so dass es nicht von der Willkür des Einzelnen abhängt, wie viel Stück Vieh er darauf weiden lässt.
la] Nemo ire quemquam prohibet publica via.
AllmendegutAlmendegut ist nicht Nachbargut.
Das Gut, welches einem Privatbesitzer gehörte, musste durch einen Zaun vom Gemeingut geschieden sein. Die Gemeinden unter sich bezeichneten die Grenzen nur durch Einschnitte in eine Eiche oder andern starken Baum.
AllnagradeAllnagrade kumt Harm int Wamt.
Endlich wird der Langsame fertig, endlich ist Harm angekleidet.
AlloAllo (= allons) derin, min Mour (Mutter) släd miek sou (ohnedies), har et Wecht (Mädchen) saght.
Halver, Grafsch. Mark
AlltagDer Alltag ist das elementarische Dasein.
Carl Leberecht Immermann (1796-1840), Reisejournal (1833)
AlltäglichGib der Alltäglichkeit ihr Recht, und sie wird dir mit ihren Anforderungen nicht zur Last fallen.
Clemens Brentano (1778-1842), Gesammelte Schriften (1851-1855)
AlltäglichMan wird des Guten und auch des Besten, wenn es alltäglich zu sein beginnt, sobald satt.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Sämtl. Schriften. Theologische Streitschriften (1777). Das Testament Joh.
AlltagskleidEs ist kein Kleid so feiertäglich gewesen, es ist endlich ein Alltagskleid daraus geworden.
AlltagslebenWas dich bewegt und tief erregt,
Was ist es denn so Wicht'ges eben?
Hast du dir's recht zurechtgelegt,
War's nur ein Stückchen Alltagsleben.
Franz Ludwig Feodor Löwe (1816-1890), Gedichte (1860), Sinnspruch
AlltagsrockAlldagsrock nährt, Sünndagsrock fehrt.
Lübeck
AlltagwehAlltagweh nümmermeh.
AlltagwehAllwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Faust I (1808), Studierzimmer (Mephistopheles)
AllwissenheitAlles Wissen hat nur dann einen Wert, wenn es uns tatkräftiger macht. Wenn Allwissenheit ohne Allmacht denkbar wäre, so müsste dies die furchtbarste Qual der Hölle sein.
József Eötvös (1813-1871), Gedanken (1867)
AllwissenheitO, eines Pulses Dauer nur Allwissenheit.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Don Karlos (1787), III, 2 (König)
AllzuAllte gued is Annermanns Narre.
Westfalen
AllzuAllto äben - halb unäben. Strelitz
AllzuAllto ackrat (allzu akkurat) is börgerlick.
Oldenburg
AllzuAllto fett is ungesund.
AllzuAllto fram (allzu fromm) is Nabers Spott.
AllzuAllto gliek, sä Beender Bôr, hedd' een Perd vör de Wagen.
Ostfriesland
AllzuAllto good dögt ook nicht.
Ostfriesland
AllzuAllto good is ungesund.
Es ist ein Erfahrungssatz, dass die Menschen zu viel gute Tage nicht ertragen können, sondern leicht dabei verderben.
AllzuAllto hastig is quâd.
Oberharz
Nachteilig, gefährlich, schlecht.
AllzuAlltogotwillig (llzu gutwillig) ist Nabers Narre.
Altmark
AllzuAlltovell is bidder und wêr 't ôk Honnich.
AllzuAllzu behende hat's oft verfehlt.
fr] Vitement et bien ne s'accordent pas.
it] Presto e bene, non si conviene.
AllzuAllzu fein hält nicht.
AllzuAllzu fein ist eitel Schein.
nl] Al te fijn is maar schijn.
AllzuAllzu früh kommt auch unrecht.
AllzuAllzu gelinde ist verachtet geschwinde.
AllzuAllzu gemein macht dich klein.
Darmstadt
la] Contemtum parit nimia familiaritas.
AllzuAllzu gemein macht verachtet.
AllzuAllzu gerecht macht's meist schlecht.
AllzuAllzu gerecht tut Unrecht.
AllzuAllzu gut fördert Armut.
AllzuAllzu gut ist eines andern (oder: Andermanns) Narr.
AllzuAllzu gut ist liederlich.
AllzuAllzu gut ist, nicht gut.
AllzuAllzu gut verdirbt's gar.
nl] Al te zoet, dat is niet goed.
hu] A lágy pásztor alatt gyapjut rág a farkas.
AllzuAllzu hastig taugt nicht.
nl] Al te hastig deugt niet.
AllzuAllzu heiß hat die Kühlung in sich.
AllzuAllzu heiß verbrennt den Mais.
la] Ne nimium callidum hoc sit modo. (Terenz)
AllzuAllzu höflich ist verkleideter (versteckter) Hochmut.
se] Alltför ödmjukt är förklädd högfärd.
AllzuAllzu klug ist dumm.
la] Quisquis plus justo non sapit, ille sapit.
hu] Nem igen hasznos felelébb okoskodni.
se] Alltför klok är största tok.
AllzuAllzu klug macht närrisch.
Die Menschen sind niemals einfältiger, als wenn sie recht gescheit, niemals dümmer, als wenn sie recht pfiffig und niemals abgeschmackter, als wenn sie recht liebenswürdig sein wollen.
AllzuAllzu klug regiert nicht gut.
dk] All for viis regieren ey wel; verden regieren med ringe viisdom.
AllzuAllzu klug schießt daneben.
dk] Alt for viïs giir ingen priis; thi da drukner man i visdommen.
AllzuAllzu klug taugt weder für die Nadel, noch für den Pflug.
la] Subtilitas nimia reprobatur.
AllzuAllzu kühn taugt nicht.
la] Qui nimis est audax, saepe infeliciter audet.
AllzuAllzu lang und schwank hat keinen Gang, allzu kurz und dick hat kein Geschick, doch oben kurz und unten lang, verspricht Kraft und guten Gang.
In Bezug auf Pferdekauf.
AllzuAllzu mild hilft zur Armut.
AllzuAllzu mild macht die Suppe dünn.
dk] Alt for rundt gjör suppen tynd.
AllzuAllzu nah mindert die Freundschaft.
se] Alltför noga minskar wänskapen.
AllzuAllzu satt macht Ekel.
AllzuAllzu satt macht matt.
AllzuAllzu scharf haut nicht.
AllzuAllzu scharf macht schartig.
»Allzu scharf, wisst ihr, macht schartig, tadeln dürft ihr, aber artig, räsonnieren, aber sacht.«
Von A.W. Iffland erschien im Jahre 1801 zu Wien ein Schauspiel unter diesem Titel.
Fläm.: Alte scherp mookt schuardigh.
la] Arcus nimium tersus rumpitur. - Triste rigor nimius.
AllzuAllzu scharf schneidet nicht.
fr] Trop tranchant ne coupe pas.
AllzuAllzu scharf und niemals gut, verdirbt der Jugend frohen Mut.
fr] Trop pointu ne pique pas.
AllzuAllzu spitzig ist nicht witzig.
AllzuAllzu spitzig sticht nicht.
AllzuAllzu spitzig wird leicht stumpf.
AllzuAllzu straff zersprengt den Bogen.
la] Arcum intensio frangit, animum remissio. (Publ. Syr.)
fr] La trop grande sévérité révolte. - Trop de sévérité nuit.
AllzuAllzu streng zerreißt.
AllzuAllzu stumpf schneidet nicht.
AllzuAllzu teuer macht die Ware unwert.
AllzuAllzu viel ist nicht genug.
AllzuAllzu viel ist ungesund.
cz] Prílis mnoho ztízí mnoho pomáhá.
dk] For meget er usundt.
Fläm.: Al te veel is onghezond.
nl] Al te veel is ongezond.
it] Il troppo non è mai sano. - Ogni troppo è vizioso.
fr] Trop est mal-sain.
la] Copia parit fastidium. - Ingratum est, quidquid nimium est. - Nimia omnia nimium exhibent hominibus negotium. (Plautus.) - Omne nimium vertitur in vitium. - Qui nimis emungit, elicit sanguinem. - Quod nimium est, fugito. (Cato.)
Wend.: Wjele za dziw hdy wjele pomha. - Wjele pseco wjele nje pomha.
AllzuAllzu viel macht auch aus Tugend ein schlimmes Spiel.
it] Per l'eccesso la virtù diventa viziosa.
AllzuAllzu viel schmeckt schlecht.
AllzuAllzu viel treibt den Bauch vor.
Fläm.: Alte veel, dar werd de buyk zeer af.
AllzuAllzu viel zerreißt den Sack (die Tasche).
dk] For miget pijner saekken sönder, tynger vognen i stykker, nedsaenker skibet.
nl] Al te veel scheurt den zak.
Fläm.: Al te veel schuert de zak.
AllzuAllzu weis' ist töricht.
AllzuAllzu weise sein, heißt ein Narr sein.
AllzuAllzu witzig ist unnützig.
AllzuAllzubekannt hat wenig Ehr' und viel Schand'.
AllzuAlte spitz, dat steckt nich.
Abmahnung von zu großer Strenge, die ihren Zweck verfehlt.
AllzuAuf Allzuviel und Zwerge stirbt weder Lehn noch Erbe.
Allzu viel ist hier verstümmelt aus Altvile = Zwitter.
AllzuNicht allzu klug ist weise und klug genug.
la] Quisquis plus justo non sapit, ille sapit. (Mart.)
AllzuOllte gud is des Nohwers (Nachbars) sin Hundsfutt.
Waldeck
AllzuSei nicht allzu weise!
Pred. Sal.
AllzuWenn Allzu dazukommt, taugt nichts was.
AlmAuf der Alm gibt's kein Sünd.
In dem Artikel Bergbrüche in der augsburger Allgemeinen Zeitung (1855) theilte ein Reisender »Bekenntnisse einer schönen Sennerin« mit. Da heißt's unter andern: »Es reut mich auch kein Lustbarkeit, und auf der Alm gibt's kein Sünd, denn was auf der Alm geschehen ist, braucht man nicht zu beichten, es bleibt alles an den Taxusbäumen (Nadelhölzern) beim Abfahren hangen.«
AlmenrauschAlmenrausch und Edelweiß gehören zusammen.
Bayerisches Hochgebirge
»Die zwei fürnehmsten Blumen, die auf den Bergen wachsen.«
AlmosenAlmosen erlösen von allen Sünden.
Tob. 4, 11
AlmosenAlmosen geben armet nicht:
Kirchengehen säumet nicht.
Reimspruch (16. Jahrhundert)
AlmosenAlmosen geben ist besser als Almosen nehmen.
AlmosenAlmosen geben ist leichter als von Almosen leben.
AlmosenAlmosen ist der Reichen bester Schatz.
AlmosenAlmosen ist ein Wasser, welches die Sünden abwäscht.
Nicht unbedingt. Mit Almosengeben lässt sich ein lasterhaftes Leben nicht gut machen. Gott lässt sich keinen Sand in die Augen streuen. Wer einen Taler stiehlt und die Hälfte den Armen gibt, ist immer noch ein Dieb.
AlmosenAlmosen ist eine Leiter (ein Schlüssel) in den Himmel.
AlmosenAlmosen kommt nach den Schulden.
AlmosenAlmosen machen keine leeren Beutel.
en] Giving to the poor encreases the store.
it] Il far limosina non vuota mai la borsa.
AlmosenAlmosen sind das Salz des Reichtums.
AlmosenAlmosen von einem Filze holen.
AlmosenAlmosen, das von Herzen kommt, dem Geber wie dem Nehmer frommt.
AlmosenDas Almosen ist wie der Geber.
AlmosenDer verliert sein Almosen nicht, der es seinen Schweinen gibt.
AlmosenDie Almosen zu behalten, die durch die Ohren gehen, ist kein Kornhaus groß genug.
AlmosenEr teilt Almosen aus wie der Fuchs Hühnerfleisch.
Das er bekanntlich selber frisst.
AlmosenEs ist ein schlechtes Almosen, das man in müss'ge Bäuche wirft.
AlmosenEs ist kein größer Almosen, als das ein Bettler dem andern gibt.
AlmosenEs ist offt besser ein klein Almosen nemen, den ein großes geben.
AlmosenGib Almosen, damit deine Kinder keins gebrauchen.
dk] Giv almisse at dine börn ey behöve almisse.
AlmosenIs dat ôk en Almosen, harr de Bedelmann seggt, as he so'r Döhr rûtsmeten wör.
AlmosenKleine Almosen haben auch Wert.
fr] La petite aumône est la bonne.
AlmosenMan würde ihm ein Almosen nicht versagen.
Von denen, die schon in ihrer ganzen äußern Erscheinung den traurigen Zustand verkündigen, in dem sie sich befinden.
AlmosenWasser löscht des Feuers Glut,
Almosen auch dasselbe tut:
Es löscht die Sünden allezeit,
Wenn man's mit freud'gem Willen leiht.
Mittelhochdeutsch: Wazzer leschet fiur unde gluot,
Almuosen reht daz selbe tuot;
Daz leschet sünde zaller zît
Da manz mit guotem willen gît.
Bridankes Bescheidenheit (1225-1240), Nr. 10 v. sünden
AlmosenWenn du Almosen gibst, so lass die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.
AlmosenWer Almosen geben will, muss sich nicht lange bitten lassen.
es] Haz bien, y
AlmosenWer Almosen gibt, legt sein Geld auf Zinsen an.
it] Chi al povero fa limosina presta ad usur
AlmosengebenAlmosengeben armet nicht; Kirchengehen säumet nicht; Wagenschmieren hindert nicht; unrecht Gut faselt (gedeiht) nicht; Gottes Wort trüget nicht.
cz] Almuzna nechudi.
dk] Almisse givet forarmer ekke.
en] Alms-giving never made any man poor, nor robbery rich, nor property wise. - Giving alms, no charity.
fr] Donner pour Dieu n'appauvrit l'homme. - Personne ne devint jamais pauvre pour faire l'aumône.
it] Nessun diventa mai povero per far elemosina. - Per dar limosina niuno divento mai povero.
la] Oculo liberali benedicetur. - Pauperibus dando, res non decrescit; ad aedem ire sacram, positum non remoratur opus.
se] Almosa minskar icke, kyrkogång hindrar icke.
es] El dar limosna nunca mengua la bolsa.
AlmosengebenAlmosengeben leert keinen Beutel.
dk] Almisse tommer ikke pung; og ey heller messe dag-faerd.
AlmosenwerkVier almosswerck seind: notturfft raichen den armen, rach nachsehen den belaidigern, besserung ankeren den sündern, jrrende abweisen von jrrtumb.
AloëAloë ist gemeines Holz, wo es wächst.
AloëEr hat mehr Aloë als Honig.
Mehr Bedrückung als Erquickung. Von denen, deren Leben überwiegend kummervoll ist.
la] Plus aloës quam mellis habet.
AloëJede Aloë meint, sie stamme aus Sokotora.
Arabien
AloëholzDas Aloëholz ist gemeines Holz, wo es wächst.
Wo eine Sache im Überflusse vorhanden ist, sinkt sie im Werte.
AlpDas ist der Alp in der Sache.
AlpDer Alp und Teuffel holt es.
Monatsblätter
AlpEs fällt mir ein Alp (auch: ein Stein) vom Herzen.

Ich werde von einer großen Sorge befreit; - Alp = schwerer, beklemmender Traum, der erst verschwindet, wenn man erwacht; durch das Erwachen fühlt man sich erleichtert.
AlpacherDirweil die Alpböcker den Tuifel amal anschmir'n, derweil hot'n a Zillarschthola schon zwoamol betrogen.
Im Unter-Innthal sagt man den Zillertalern nach, sie hätten den Teufel schon zweimal betrogen, während die Alpacher ihn kaum angeschmiert (getäuscht) hätten.
AlpenmilchDie Alpenmilch ist gut, sagte die Milchfrau, sie ist vom reinsten Wasser.
AlphaEr ist das Alpha und Omega.
AlphabetDas größeste ist das Alphabet,
Denn alle Weisheit steckt darin.
Aber nur der erkennt den Sinn,
Der's recht zusammenzusetzen versteht.

Emanuel Geibel (1815-1884), Juniuslieder (1848), Spr. Nr. 1
AlraunEr hat Alraun gegessen.
Von einem trägen und schläfrigen Menschen. Die Fabel ließ den Alraun aus dem blutigen Eiter des an den kaukasischen Felsen geschmiedeten Prometheus entspringen, weshalb er auch von den Alten das Kraut des Prometheus genannt wurde. Seine schlafbringende Eigenschaft hat zu der obigen Redensart Veranlassung gegeben.
la] Bibere mandragoram. (Julian.)
AlraunwurzelEr hat Alraunwurzel gegessen, oder Alraunwurzelsaft genossen.
Um zu sagen, dass jemand etwas absichtlich vergessen habe. Die Alten schreiben der Alraunwurzel die Kraft zu (vgl. Plinius, Hist. mund., 25, 13) Schlaf oder Vergessenheit zu erzeugen: Mandragoram bibere.
AlsenAlsen hat so lange Geld, als Wasser im Haff ist.
AlsoEs ist also, odder Gott tödte mich.
nl] Het is alzo, of God doe het mij.

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