<<< Deutsche Sprichwörter >>>

An jemandes grüner Seite sitzen.
i] Auf der Seite des Herzens, das dem Nachbar gewogen ist.
nl] Aan iemands groene zijde zitten

An jemandes Lippen hängen

An Jesuiten ist nichts zu bessern.
z] Sie müssen sein, wie sie sind, oder gar nicht sein, erklärte ihr Ordensgeneral Ricci dem Papste Ganganelli

An jonghan Lânjhüs, an ualen Thiif.
Amrum
hdt] Ein junges Lügenhaus, ein alter Dieb

An jonkan Mâran, an lachtan Dâi.
Amrum
hdt] Ein dunkler Morgen, ein heller Tag

An jungen Bäumen muss man immer etwas abhauen, wenn sie gerade wachsen sollen.
i] Von der Zuchtbedürftigkeit der Jugend

An jungen Bäumen, wenn sie gerade wachsen sollen, muss man immer etwas abhauen.
fr] A jeune arbre, si l'on veut qu'il soit d'une bonne venue, il y a toujours à retrancher

An Junkersrappen, Mönchskappen und Pfaffenschlappen ist kein Segen.
z] Hängt der Fluch der Welt

An Kamm und Sporen erkennt man den Hahn.
nl] Aan kam en sporen kent men den haan

An Kamm und Sporen sieht man, ob der Hahn alt oder jung ist.
nl] Kam en sporen van den haan doen zijn' ouderdom verstaan

An Kasparl mache.
Oberösterreich
i] Einen Hanswurst in der Gesellschaft u.s.w. vorstellen, weil Kasperle auch ein Name des Hanswurstes war oder ist

An Kindes statt angenommen werden Haussöhne; adoptiert wird, wer rechtlich eigenständig ist. [RSpW]
la] Adoptantur filii familias; arrogantur qui sui iuris sunt.

An klein Rêms lehr'n de Hunn Lärrer kau'n.
Altmark

An kleinem Zahnweh merkt man frei, wie elend unser Leben sei.

An kleinen Brunnen löscht man auch den Durst.
en] A little stream may quench thirst as well as a great river.
fr] A petite fontaine boit-on à son aise.
sd] Små brunnar släcka ock törsten

An kleinen Riemen lernen die Hunde Leder fressen.

An kleiner Hund bellen soll man sich nicht kehren.

An kleiner Quelle kann man bequem trinken.
fr] À petite fontaine on peut boire à son aise

An Konrad steht kein Mühlrad, weil er ja immer Wasser hat.
Bauernregel

An Kopf haben wiera Wassaschaf.
Oberösterreich
i] Einen unförmlich großen oder so angeschwollenen Kopf haben

An Korbinian fängt das frieren an.
Bauernregel

An Kosmas und Damian fängt das Laub zu färben an.
Bauernregel

An Kotzebue schreiben.

An kranken (o. armen) Leuten kan niemand Ritter werden.

An Krankheiten gedacht - umgefallen, an Gesundheit gedacht - genesen.
Russland

An Künsten trägt man nicht schwer.
z] An Kunst und weisheit tregst nit schwer

An kurzen Haaren ist nicht viel zu kämmen.
Russland
bm] Dlouhé vlasy, krátký rozum.
en] A bald head is soon shaven.
fr] De peu de drap courte cappe.
nl] Kort haar is gaauw gekamd

An kurzen Rossen und langen Stieren ist nichts zu verlieren.

An Lamberti (17.9.) nimm Kartoffeln raus, doch breite ihr Kraut auf dem Felde aus.

An Lânjhüs het kurt Bian.
Amrum
hdt] Ein Lügenhaus hat kurze Beine

An Lânjhüs mut (skal) an gud Gîdechtnis hâ.
Amrum
hdt] Ein Lügenhaus (Lügner) muss ein gut Gedächtnis haben

An Lappen lernen die Schneiderjungen nähen.

An Laurentius (10.8.) man pflügen muss.

An Laurentius ist's zur Zeit; an der Madonna (15. Aug.) ist's noch gut; an Sanct-Rochus (16. Aug.) ist's zu spät, an Bartholomäi (24. Aug.) gib ihm einen Fußtritt.
i] Der frühe Augustregen ist der beste.
Italien

An Laurenzi (10.8.) ist es Brauch, da hört das Holz zu wachsen auf.

An leffen Wâi wânert 'm lagt.
Amrum
hdt] Einen lieben Weg wandert man leicht

An leib, an ehr, an gut schadt vngetrewer muth.

An Leib, Verstand und Gut, der volle Wein schaden tut.

An Leibeserben fällt das Eigen lediglich.
[RSpW]
i] Das deutsche Erbrecht gründet sich ursprünglich nur auf Sippe, d.i. eheliche Verwandtschaft, nahe und fern, Vater, Kinder und alle Vettern. Es liegt in der Natur des deutschen Erbrechts, dass das Erbe nur in der Familie sich vererbe, d.h. was der Sinn des obigen Sprichworts ist, nur an Leibeserben falle.
mhd] An lip erben vallz daz aigen ledeclich.
bm] Matka při synu není nápadnice

An Leuten, die hoch stehen, sieht man Male und Höcker (Buckel) fern.
la] Omne animi vitium tanto conspectius in se crimen habet, quanto major, qui peccat, habetur. Juvenal

An Lichtmess (2.2.) fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an.

An Lichtmess begegnet sich der Sommer mit dem Winter.
Rutenen

An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an.
Bauernregel

An Lichtmess lässt man (Arbeit und) das Spinnrad in Ruh', damit der Wolf keinen Schaden tu'.
Masuren

An Lichtmess miss deinen Topf und hebe dein Korn auf.
England

An Lichtmess muss die Lerche singen und sollt' der Kopf ihr auf dem Stein zerspringen.

An Lichtmess müsst ihr noch die Hälfte euers Strohs und Heus haben.
Tschechien

An Lichtmess Schnee, zu Ostern Wasser zu Tee (Regen).

An Lichtmess Sonnenschein, der bringt noch viel Schnee herein,
gibt es aber Regen und keinen Sonnenblick, dann ist der Winter fort und kehrt nicht mehr zurück.

An losen (falschen) Zeugen gebrach es niemand.
mhd] Loses tuges en brak nummanne.
la] Inveniet facile testem qui quaerit inanem.
nl] Looze getuigen ontbreken niemand

An losen Zeugen gebrach es nie (o. niemandem).

An Ludwig schon die Schwalben ziehn, wenn im März die Veilchen blühn.
Bauernregel

An Lügen gewöhnt man sich wie an Regierungen.
Russland

An Lügnern gewinnt man nichts, denn dass man ihn zunächst destoweniger glaubt.
fr] Le mensonge a besoin qu'on le croie.
fr] Mentir a mestier à la fiée

An Magd, die glei singt, und on a Hund, dâr glei bellt, sein nischt wârt.
Lusdorf bei Böhmisch-Friedland

An Magdalena (22.7.) regnet's gern, weil sie weinte um den Herrn.

An Magerkeit ist noch keiner gestorben.

An manchem Kopf ist das beste der Zopf.
z] Da war einmal an einem Schopf ein Zopf, der hing so stattlich an dem Kopf; des freute sich der Tropf. Und als der Zopf geschnitten war vom Haar, da ward zuerst es allen klar, dass weiter nichts dahinter war

An manchem Ort wär' volle Offenheit
Nur lächerlich und schwerlich an der Zeit.
Molière, Le Misanthrope, I, 1 (Philinte)

An Margarethen (13.7.) Regen bringt den Nüssen keinen Segen.

An Mariä Geburt (8.9.) ziehen die Schwalben fort.

An Maria Himmelfahrt (15.8.), das wisse, gibt es schon die ersten Nüsse.

An Mariä Namen (12.9.) sagt der Sommer (sein) Amen.

An Maria Namen sagt der Sommer Amen.
Bauernregel

An Mariä Reinigung (2.2.) begegnet sich der Winter mit dem Sommer.
Russland

An Mariä Verkündigung (25.3.) geht unsere liebe Frau mit einem brennenden Scheit unter der Erde hin.
Oberösterreich
z] Unter den Tagen, welche auf Zeit und Witterung, auf Saat und Ernte Bezug haben, treten gewisse besonders hervor, und es lassen sich auch, wenn man die Abstände vergleicht, öfters wiederkehrende Cyklen von Monaten und Tagen nicht verkennen. Unter den Frauentagen ist besonders Mariä Verkündigung zu nennen. Von da an gefriert es nicht mehr, weil unsere liebe Frau mit einem brennenden Scheit unter der Erde hingeht. Unter den Tagen der Heiligen sind am wichtigsten Georg, Peter und Paul, Michael, denen sich Matthias, Jakob, Bartholomäus, Matthäus, Simon und Judas anschließen. Zu erwähnen sind noch Gregor, Benedict, die vierzig Märtyrer, Mariä Heimsuchung, Laurenz; Gertrud (17.3.), welche an ihrem Namenstage zu >garteln< anfängt, fällt, was Zeit- und Natursymbolik betrifft, mit Mariä Verkündigung zusammen. Die beiden Tage schließen so zu sagen eine Octave ein. Als Haupttag des Jahres stellt sich Georgi heraus; mit ihm beginnt der Auswärts, die mildere Jahreszeit, welche mit Michaelis wieder endet. Der Abstand zwischen beiden beträgt fünf Monate und wenige Tage; nur einen Tag mehr als der von Pauli Bekehrung (halb Winter hinum, halb Winter herum) bis zum Peterstag, der mit der Sichel dasteht und die erste Hälfte der mildern Jahreszeit schließt. Von Mattheis, der's Eis bricht, bis Jakobi, wo der Schnee blüht, zieht sich ebenfalls eine Frist von fünf Monaten. Von Pauli Bekehrung bis Georgi verläuft eben ein Vierteljahr oder drei Monate; und die nämliche Zeitfrist erstreckt sich zwischen Georgi und Jakobi, zwischen Jakobi und Simon Judas, wo es den ersten Schnee anwirft, und die rauhe Jahreszeit wieder beginnt, endlich zwischen Simon Judas und zwischen Pauli Bekehrung. Auch Peter und Pauli und Michaeli liegen drei Monate voneinander ab. Von Mattheis, der's Eis bricht, bis Bartholomäi, wo alles Getreide eingebracht sein soll, gehen sechs Monate; ebenso von Benedicti, wo Hafer gebaut wird, bis Matthäus, der das Geschick der neuen Aussaat bestimmt, und von Mariä Verkündigung bis Michaeli. Von Gregori, wo der Bär das erstemal aus dem Loche geht, sind etwas mehr als vierzig Tage bis Georgi, wo er keinesfalls mehr im Loche bleibt. Mit Beginn der Woche, in die Georgi fällt, enden die vierzig kalten Tage der vierzig Märtyrer. Vierzig Regentage reichen von Mariä Heimsuchung bis Laurenzi; und der Laurenzisturm, der dem Regenwetter ein Ende macht, bleibt nicht aus

An Mariä Verkündigung hat das Frühjahr den Winter überwunden.
Russland

An Mariä Verkündigung hell und klar, ist ein Segen für das ganze Jahr.

An Mariä Verkündigung kehrt der Storch zurück mit Vespermündung (Vesperbrot).

An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum.
Bauernregel

An Mariä Verkündigung legt man die Lampen nieder, an Maria Geburt (28.9.) holt man sie wieder.
it] Alla Madonna di Marzo si scopano, e alla Madonna di Settembre si trovano

An Marien (25.3.) ist gut Lein säen.

An Markus (25.4.), da versteckt die Socken, unsere Krähe im Roggen.

An Markus, da versteckt die Socken, unsere Krähe im Roggen.
Bauernregel

An Mârnemân hi hê't, an Injammân hi fê't.
Amrum
hdt] Ein Morgenmann hat's, ein Abendmann kriegt's.
i] Der Frühaufstehende ist schon im Besitz dessen, was der Spätaufstehende noch erreichen soll

An Martina (30.1.) Sonnenschein, verheißt viel Frucht und guten Wein.

An Martini (10.11.) Sonnenschein tritt ein kalter Winter ein.

An Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
Bauernregel

An Martinitag (10.11.) die Gans zu Hause bleiben mag.
i] Man trieb an diesem Tage die Gänse nicht ins Feld, weil jedermann das Recht besaß, sie wegzunehmen

An mäßigem (etwas) Regen ist viel gelegen.

An Matrus hed di Nacht sin Jil ferdên. Am Marnam siad an Kriak üb a Roa an rep: Spar', spar'! To lât, to lât, Mât, sad thi Matrus.
Nordfriesland
hdt Ein Matrose hatte die Nacht sein Geld verthan. Des Morgens sass eine Krähe auf der Raa und rief: 'Spar, spar!' 'Zu spät, zu spät, Kamerad', sagte der Matrose

An Matthäi (21.9.) die Mütz' über die Ohren zieh'.

An Matthäi hat das schöne Wetter ein Ende.
Italien

An meinem Barte soll er das Scheren nicht lernen.
i] Ich gehöre nicht zu den Leuten, die mit sich spielen und sich misshandeln lassen.
nl] Hij zal voor niet hat scheren aan mijn baard nit leeren

An meinem Herzen hat sich nichts angehängt (o. ist nichts hängen geblieben).
i] Um die Unschuld zu versichern

An meinen Bildern müsst ihr nicht schnüffeln, die Farben sind ungesund.
Rembrandt, überliefert bei Goethe (Maximen und Reflexionen)

An Meinen bindet niemand sein Pferd an.

An Meinen und Glauben bindet niemand seinen Gaul (o. Pferd) fest.

An meiner Stelle würdest du anders reden.
Terenz, Andria

An menschen oft ein schaafes wat, eins wolffe gmüt bedecket hat.
la] Pelle sub agnina, latitat mens saepe lupina

An Menschen und Rosenstöcken muss man nie verzweifeln.
z] Der Winter entblättert diese, das Unglück beugt jene, aber pflegt sie nur die Liebe, so schießen die Knospen wieder nach. Kotzebue

An Mich und Mir und Mir und Mich kennt man Berliner sicherlich.

An Michaeli (29.9.) kauft man gut Vieh. Doch den Verkauf brech' nicht übers Knie.

An mir soll es nicht fehlen.
la] Partes meae non desiderabuntur

An Mitgift ist noch keiner gestorben, sagte der Bräutigam.

An Mittag, wenn die Sonne scheint, sieht man keine Sterne.
fr] A midy estoile ne luit

An Mutters Rock- o. Schürzenzipfel hängen
en] to be tied to o's mother's apron-strings
fr] être pendu aux basques (o. au cotillon o. au jupon) de sa mère - se réfugier dans les jupes de sa mère
it] essere attaccato (o. cucito) alla gonnella (o. alle sottane) della madre

An 'n groten As gehört 'ne grote Bückse.
Iserlohn
hdt] An einen großen Arsch gehört eine große Hose

An 'n Mund vull Aeten sitt väl Ehre.
Bremen

An narren hilft weder chrisam noch tauf.
fr] Tout est perdu ce qu'on donne à fol

An Narren ist nirgends Mangel.
la] Stultorum plena sunt omnia.
un] Rakva vagyon e' tarka világ sokféle bolondokkal

An Neujahr wächst der Tag um einen Hahnenschritt, am heiligen Dreikönig um einen Hirschensprung, an Sebastian um eine ganze Stund', an Mariä Lichtmess merkt man erst was drum.

An niadd'n Loppen (Lappen) gfold sain Koppen.
Steiermark
i] Auch meine Haube, setzt man in Oberösterreich hinzu

An nichts Geliebtes musst du dein Gemüt
Also verpfänden, dass dich sein Verlust
Untröstbar machte.
Herder, Literatur und Kunst IX

An nichts gewöhnt man sich so schnell wie an des langsame Arbeiten.

An nichts zweifelt, wer von nichts Ahnung hat.
Brasilien

An Nöösh so grat üsh an Hauberg.
hdt] Eine Nase so groß wie ein Hauberg

An oandere Mutter hoat ah a liebs Kind.
Steiermark

An Ochs hot a lange Züng ün känn kein Schojpher (Posaune) nit blusen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der Ochse hat zwar eine lange Zunge, aber das Posaunenblasen vermag er doch nicht; denn nicht immer gelingt, wozu man Anlagen zu haben meint

An Ochs üm a Groschen, wenn der Groschen is nit du (da).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Im Paradiese, heißt es, kostet der Ochse einen Groschen; was nützt jedoch, fragt das Sprichwort, der billige Preis einer Ware, wenn das wenige dazu erforderliche Geld nicht vorhanden ist

An olde Husen un olde Froens gift't immer wat to flicken.

An ole Hüser un ole Wîfer is altît wat to flicken.
hdt] An alten Häusern und alten Weibern ist stets was zu flicken.
i] Man vernimmt aber sehr oft die gegenteilige Behauptung, dass junge Frauen mehr kränkeln als alte

An olle Wîfen un olle Hûsen is alltîd wat to lappen.
i] Lappen heißt eigentlich: flicken, ausbessern, uneigentlich: prügeln.
en] A ship and a women are ever repairing.
en] A women and a glass are ever in danger.
it] A molini, orologi e sposa manca sempre qualche cosa

An Orden vün a Borek.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Burak, polnisch = rote Rübe. ein Orden von einer Rübe. Scherzhafte Belohnung. Man wird dafür zum Eselsritter geschlagen

An Ort und Stelle hat die Erzählung einer wichtigen Begebenheit stets mehr Interesse.
Goethe (1749-1832), J. S. Grüner, 30. 8. 1821

An Ort und Stelle, in originaler Lage
i] z. B. archäologische Funde
la] in situ

An Ostern geht die Sonne hüpfend auf.

An Pauli Bekehrung (25.1.) dreht sich die Padde (Frosch) um.

An Pauli bekerungtag (25.1.), des Wetters solche rechnung trag: so die Sonne tut scheinen klar, das bedeutet ein gutes Jar; ein nebel auch, groß oder klein, der bringt ein sterben allgemein. Nimpt aber der wind überhand, darauf eruolget krieg im land; durch regen aber oder schnee soltu ein theure zeit versteh.
la] Clara dies Pauli, bona tempora denotat anni, si fuerint nebulae pereunt animalia quaeque; si fuerint uenti nascuntur praelia genti: si nix aut pluuia designat tempora cara

An Paulus Einsiedel Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.
Bauernregel

An Petri Kett (1.8.), da sollt' scheinen die Sonne von A bis Zett.

An Petri Kettenfeier (1.8.) geh'n die Störche fort.

An Petri Kettenfeier von diesem Ort ziehen die Störche fort.
Bauernregel

An Pfaffen solt nicht kehren dich, die gelehrten seynt die besten nicht.
la] Clericus edoctus non est semper sale coctus

An Pflaumenpfingsten.
ndt] Op Plumepingste.
i] Nimmerleinstag

An Philippi (1.5.) säet unser Herrgott dem Korn unter.
Oberösterreich
i] Philipp flickt das Getreide aus. Nach dem Volksglauben in Oberösterreich soll man am Philippitage, der mit dem Jakobitage zusammenfällt, nicht flicken, man bekomme sonst den Wurm am Finger, den das Volk, mit Vermeidung des eigentlichen Namens, häufig das >Beistad< nennt; auch soll man am Philippitage nicht nähen und stricken, weil unser Herrgott dem Korn untersäet, überhaupt nicht arbeiten, weil Philippi das Getreide >ausflickt<

An Purpurmänteln und Bauernkitteln, ist's dem Winde gleich zu schütteln.

An putzsüchtigen Weibern und schlechten Zigarren ist das Deckblatt das beste.

An Quargk sillt 'r kriegen, sagte Jockel zu den Flöhen, die ihn bissen, und löschte das Licht aus, dass sie ihn im Bett nicht finden sollten.
Schlesien

An Rat gebrach es nie einem Mann, der vor- und umwärts schauen kann.
nl] Aan raad ontbreekt het niemand

An Rauschign und a Fua Hai muisst aus'n We gain.
i] Einem Berauschten und einem Fuder Heu musst du aus dem Wege gehen

An rechnung machen, an worten, an duncken und gespante tuch gehet viel ab.

An Rechten und Kriegen gewinnt niemand viel.

An rechter Stelle Schande, an rechter Stelle Mut.

An Riemen lernt der Hund das Leder fressen.

An ringen Bedler, thiar egh ian dör amgungkân.
Nordfriesland
hdt] Ein schlechter Bettler, der nicht eine Tür umgehen, meiden kann

ân ritterschaft ist frommen und freiheit.
i] Der Deutsche des Mittelalters dachte sich nur den Freien als edel und hielt den Unfreien für einen Schalk, wie er später auch den Teufel nannte. Nur der Freie konnte die Ritterwürde erwerben

An Romanus (28.2.) und Lupizinius - unsere Sonne scheinen muss.

An Ross und an Mann stehts Scheiße schön an.
Oberösterreich
i] Vernehmbare Winde

An runzeln ists alter leicht abzunemen.

An Salz kann man sich nicht satt essen und mit Gedanken sich nicht von seinen Sorgen befreien.
Russland

An salzigem Wasser sieht man keinen Durstigen.

An Sankt Afra (7.8.) Regen kommt dem (o. ist für den) Bauern ungelegen.

An Sankt Agathe (5.2.) Sonnenschein, bringt recht viel Korn und Wein.

An Sankt Agnes (21.1.) die Hälfte Heu und die Hälfte Ausgabe (o. Arbeitslohn).
Venetien

An Sankt Andreas (30.11.) ist's die ganze Zeit Nacht.

An Sankt Ann' fangen die kühlen Morgen an.
pl] Od świętej Anki zimne poranki

An Sankt Anton (17.1.) nehmen die Tage zu um eine Mönchsruh'.

An Sankt Benedikt (21.3.) acht wohl, dass man Hafer säen soll.

An Sankt Cyprian (15.9.) zieht man oft schon Handschuh' an.

An Sankt Gall (16.10.) ernte man die Rüben all!

An Sankt Gall flieg auf den Berg und sä' im Tal.

An Sankt Gall führe die Ochsen aufs Feld und unterlass es nicht.
Italien

An Sankt Gall säe, säe, tue es ja.
Italien

An Sankt Galli (Sankt-Gallus, 16. Okt.), wann die Rübe reif ist.
Oberlausitz

An Sankt Gallustag den Nachsommer man erwarten mag.
Bauernregel

An Sankt Gertrud ist es gut, wenn in die Erd' die Bohn' man tut.
Bauernregel

An Sankt Johann gafft man hinein.
Picardie (Wenn es regnet, in die leeren Nüsse)

An Sankt Johann geht der Sorgo ins Korn.
Venetien (Sie haben wie alle Bewohner Oberitaliens den Glauben, dass wie in der Johannisnacht der Most in die Traube, am Johannistage der Sorgo oder Mohnhirse in die Körner geht)

An Sankt Joseph fliegen die Schwalben übers Dach, sie fliegen oder fliegen nicht, die Kälte verlässt uns.
Venetien

An Sankt Joseph legt man den Bettwärmer weg.
Mailand

An Sankt Katharina entweder Schnee oder Reif.
Italien

An Sankt Katharina ist Schnee auf den Hügeln.
Mailand

An Sankt Katharina nimmt man den Kohlentopf.
Venetien (Sowohl den Topf zum Wärmen der Hände und Füße wie die Wärmflasche zum Auswärmen des Bettes)

An Sankt Katharina wird die Kälte schärfer.
Lombardei

An Sankt Katharina ziehe den Wärmetopf heraus.
Mailand

An Sankt Kilian (8.7.) säe Rüben und Wicken an.
Bauernregel

An Sankt Laurenti (10.8.) Sonnenschein bedeutet ein gut Jahr für Wein.
fr] Quand il pleut en aout, il pleut bien et bon moust

An Sankt Lorenz blickt man hinein und An Sanct Rochus knackt man sie auf.
Frankreich

An Sankt Lorenz die große Hitze, an Sankt Antoni die große Kälte; die eine oder die andere währt nicht lange.
Italien

An Sankt Lorenz kommen die Nüsse mit dem Stocke, an Sankt Rochus verlieren sie die grüne Schale.
Venetien

An Sankt Lucia (23/25.12.) ist der Abend dem Morgen nah.
i] Die Tage sind da am kürzesten, der Abend grenzt an den Morgen.
dä] Dagen er kan to stumpede ender; er som stumpede lys, der har kan øjne og ender

An Sankt Lucia beisst die Kälte.
Mailand

An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah.
Bauernregel

An Sankt Lucia martert die Kälte.
Italien

An Sankt Lucia wachsen die Tage um den Sprung eines Flohs, an Sanct Thomas um den Schritt eines Pferdes.
Frankreich

An Sankt Lukas das Vesperbrot in die Grube und die Mispeln geschält.
Italien

An Sankt Magdalena, ist die Nuss voll oder noch nicht voll, unsere Kinder wollen sie aufmachen.
Lombardei

An Sankt Martha (29.7.) hängt man das Licht unter den Rauchfang.
i] In Venetien soll man an diesem Tage wieder anfangen abends bei Licht zu spinnen.
it] Da Santa Marta se taca la luse sota la nappa

An Sankt Martin der Winter im Kamin.
Italien

An Sankt Martin lege Holz ins Kamin.
Mailand
Sankt Martin feiern. (Ein gutes Mahl bereiten, genießen)
Sankt Martin führt die Schlüssel zu jeder Seele auf dem Pfad zum letzten Urteil. (Bezieht sich auf die drei großen Gerichtszeiten (Dinge) im Jahr. Eins dieser Dinge fiel in die Zeit um Ostern (Frühling), das andere in den Anfang des Herbstes; und als drittes echtes Ding war der Martinstag bezeichnet. Nachdem das Christentum Eingang gefunden, wurde der Sonne rechtseinschließende Kraft auf die Heiligen übertragen. Die Dreizahl bildet die Regel beim echten Dinge)
Sankt Martin gab den Mantel; ein Spieler gibt Hosen, Wams und Hemd, darum weil er wohl heiliger ist, wenn er nackt seinem Herrn, dem Teufel, nachrennt.
Sankt Martin macht Feuer ins Kamin; dann, o Mädel, greif' zum Rädel. Nassau
Sankt Martin Miss is de Winter wiss.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank zum Wärmen auf die Ofenbank.
Sankt Martin war ein milder Mann, trank gerne cerevisiam; und hatt' er nicht pecuniam, so ließ er seine tunicam.
Sankt Martin weiß nichts mehr von heiß.
Sankt Martin, du vol Liebe, du wonst vnter Diebe, die geben dir ein Pfennig und stelen dir ein Pferd; wer die Diebe hengte, des weren sie wohl wert.
Sankt Martins breckt dat Is, man find he gên, so mâkt he ên.
Sankt Martinus zu Pährd macht de Bauer allährd. Trier (allährd = munter, flink, rührig, vom französischen alerte. Auf den Martinstag, trierisch Meerdestag, fallen gewöhnlich für den Landmann die Zahltermine von gepachteten Grundstücken und geliehenen Kapitalien)
altfries] Sinte Martine da sloetelin feert to iwer siele in dat paed ti da lesta ordele.
fr] Faire la Saint-Martin.
fr] Saint-Martin boit le bon vin et laisse l'eau courre au molin.
la] Post Martinum bonum vinum

An Sankt Martin scherzt der Winter nicht bald, Schnee und Frost kommen mit Gewalt.
Tschechien

An Sankt Martins Tag (10.11.) lobe unsrer Frauen Fasten.

An Sankt Matthäi ist das schöne Wetter vorüber.
Italien

An Sankt Mattheis (24.2.) geht kein Fuchs mehr übers Eis.

An Sankt Mattheis (24.2.) trinkt die Lerch' aus'm Gleis.

An Sankt Matthias (24.2.) erste Frühlingshoffhung.
Oberschlesien

An Sankt Medardus (6.6.) wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht.

An Sankt Michael siehe gut zu, ob der Himmel heiter ist.
Venetien

An Sankt Paul Bekehr (25.1.) wendt sich der Winter halb hin, halb her.

An Sankt Philipps Tag die Linsen zum Felde trag.
Bauernregel

An Sankt Philippstag die Linsen zum Felde trag.

An Sankt Urban (25.5.) setzt die Frucht die Körner an.
it] Per Sant' Urbano il frumento è fatto grano

An Sankt Urbanstag (25.5.) ist Baum- und Weingarten verdient.
i] Da die Pflege der Baum- und Weingärten den Wirtschafter nicht das ganze Jahr in Anspruch nimmt, so war bestimmt, dass mit dem Sankt- Urbanstage, als der Zeit, da die Weingärten und Baumpflanzungen aus der Pflege des Gärtners traten und ihrer eigenen Entwickelung überlassen wurden, der Ertrag verdient sein solle

An Sankt Valentein (14.2.) friert's Rad mitsamt der Mühle ein.

An Sankt Valentin (14.2.) die Hälfte Brot, die Hälfte Wein, und die Hälfte Heu fürs Vieh.
i] Die Italiener gehen sogar in der Vorsicht noch weiter, indem sie die andere Hälfte des Winters erst mit dem 14. Februar beginnen lassen

An Sankt Vinzent (22.1.), da hat der Winter noch kein End'.

An satten Eers kan föl bitheenk. Nordfriesland (Ein sitzender Arsch kann viel erdenken)

An Säuen fehlt es nicht, wenn der Teufel aus Besessenen fährt.

An Saukauf ist wenig zu gewinnen.
i] Schädlicher Einfluss schlechter Gesellschaft.
z] Vnd fecht ein schedlichs spil jn (den Schelm, hier ein Mensch von unanständigem Betragen, pöbelhaftem Charakter, der in bessere Geaellschaft gekommen ist) an, damit sie all zu schaffen han, mit leib und leben kaum entrinnen, an sawkauf wenig nutz gewinnen

An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.

An schlechten Bissen kauen.

An Schlechtes klammere dich nicht, von Gutem trenne dich nicht.
Russland

An schlüpfrigen Händen bleibt leicht etwas kleben.

An schmierigen (o. schmutzigen) Händen bleibt viel hängen.
en] Benefits bind.
fr] Qui prend s'engage.
fr] Qui prend, se vend.
it] Chi ha preso resta preso.
la] Munera capiunt hominesque deosque.
sp] Quien prende su cuerpo vende

An Schnittern fehlt es nicht, wenn nur erst zu ernten ist.

An schöne Galgen soll man sich hängen.

An schönes (teueres, kostbares) Holz gehängt werden.
i] Ein Unglück ist erträglicher, wenn es von Schande frei ist. Für den der hängt, dürfte es allerdings keinen schönen Baum geben; eine hohle Weide möchte für ihn wohl mit einem Lorberbaume in gleichem Range stehen

An Schönheit und an Leim bleibt man sehr leicht kleben.
z] Schönheit ist ein Vogelleim, jeder hänget gern daran, wer nur fleugt, wer nur schleicht, wer nur manchmal kriechen kann

An schönne Gruß, und wear net laufe könn', deam fehl's am Fuß.
Bietigheim

An Schorf soll man nicht tasten.
i] Verharschte, wunde Stellen soll man nicht berühren.
nl] Schurft is ligt geraakt. - Schurft will niet geraakt zijn

An schwarzen Kesseln kann man sich nicht weiß brennen.
ndt] Am e ruessige Kessel kammer sich nidd sufer rywe. Strasburg
la] Luto lutulentior

An seine Träume glauben heißt, sein Leben im Schlaf verbringen.
China

An seinem eigenen Schopfe kann sich niemand aus der Grube ziehen, in die er gefallen ist.

An seinem Ort
la] suo loco

An seinem Stricke spinnen.
i] Auf dem Wege zum Galgen sein

An seinem Todestage kräht kein Hahn.

An seinem Umgange (o. seiner Gesellschaft) erkennt man den Menschen.

An seinem Werk erkennt man den Arbeiter.
Frankreich

An seinen Blüten erkennt man den Baum der Früchte trägt.

An seinen Früchten erkennt man jeden Baum.

An seinen Früchten erkennt man, was für ein Baum es ist.
la] Fructibus ex propriis arbor cognoscitur omnis. Beda Venerabilis, Proverbiorum liber
la] Fructibus ipsa suis, quae sit, cognoscitur arbor. Panfilus

An seinen Gewohnheiten hängt man.

An seinen Nachkommen erkennt man den Mann.
la] In extremis suis agnoscitur vir

An seinen Räten erkennt man den Fürsten.
bm] Po radcĕ krále poznati jest

An seinen Scherzen erkennt man den Menschen.
fr] Au plaisanter on connaît l'homme

An seinen Vertrauten soll man nicht zweifeln; einmal Bezweifelten nicht trauen.

An seiner Nase findet jeder Fleisch.
i] Er ziehe sich also daran, und bekümmere sich nicht um die Nasen (Angelegenheiten) anderer

An seiner Rübe erkennt man den Trunkenbold.
fr] À la trogne connaît-on l'ivrogne

An seiner Uhr ist's nie zu spät.
i] Vom Trägen.
fr] Il n'est jamais tard à son horloge

An Septemberregen
Für Saaten und Reben ist dem Bauern gelegen.

An sich denken, ist ganz recht; nur an sich denken, das ist schlecht.

An sich rapsen und dapsen.

An sicherem Ort
la] in solido

An sichern Dingen ist der Zweifel gut.

An sieben Dingen (Stücken) wird eines Menschen Weisheit erkannt: wenn er in Gegenwart Verständigerer schweigt, niemandem in die Rede fällt, nicht unbedachtsam antwortet, gern hört und lernt, nach des Gesprächs Veranlassung fragt, in seinen Reden Ordnung hält und die Wahrheit sagt.

An Siebenbrüder Regen, der bringt dem Bauern keinen Segen.
Bauernregel

An Silber bin ich äußerst interessiert.
la] In argento plane studiosus sum

An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn.

An sîne Rede ess weder Klack noch Schmack.
Lippe

An Skelm, diar sin bâst ep dê.
Amrum
hdt] Ein Schelm, der sein Bestes nicht tut

An skürw'd Schep kan an hian Hokfal umstegh.
Nordfriesland
i] Ein räudig Schaf kann eine ganze Hürde voll anstecken

An slacht Müs, diar man ian Hâl hea.
Nordfriesland
hdt] Eine schlechte Maus, die nur eine Höhle, ein Loch hat

An slachten Föggel, thiar sin anj Neast egh onnerhoal kaan.
Nordfriesland
hdt] Ein schlechter Vogel, der sein eigenes Nest nicht unterhalten kann

An solchem Kaufe solches Geld.
it] Tanto è mercante colui che perde quanto colui che guadagna

An Sorgen muss mancher erworgen.
nl] De zorgen verworgen

An Steckn muss ma sich richten in jungen Jahrn, dass ma a Heb' (= Stütze) hat für die alten Tag.

An Stelle des Siegels
i] auf Kopien, Beglaubigung
la] loco sigilli (l. s.)

An stinckendem (faulem) Fleisch ists saltz verlohren.

An Stockfisch- un Erdäpfelsdâg (Freitag) sagen de ärm Lück, esse mêr de Erdäpfel met gekreiztem Olg (Öl) un de Stockfesch' setzen dröm eröm.
Köln

An Stricke bindet man die Ochsen, an Unterschriften die Bauern.

An Sünden gewinnet man nichts.

An Tand'lmoarkt z'sammenkaufen.
z] Was hast denn da für an Tand'lmaorkt z'sammen kauft?
i] Altes Zeug aller Art, Plunder, ein Durcheinander von unbedeutenden Dingen

An Terno mach'n.
i] Glück haben, ein gutes Geschäft machen.
z] Mid sein Weib had er an Terno g'machd. Mit dem Kuf had er an Terno g'machd

An Tiefe sowie an Fleiß hat es dem Deutschen nie gefehlt. Nähert er sich anderen Nationen an Bequemlichkeit der Behandlung und übertrifft sie an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, so wird man ihm früher oder später die erste Stelle in Wissenschaft und Kunst nicht streitig machen.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 2. Abt. - Farbenlehre und Farbenbehandlung

An Titeln soll man nicht sparen, man kauft sie ja nicht auf der frankfurter Messe.
la] Qui vents volnut pasci, indigni sunt alimento alio

An Titeln soll man nicht sparen, sagte die Braut zum Pfarrer, als sie das Aufgebot bestellte; ich bitte um den Ehrentitel Weiland vor Jungfrau, den die selige Amtmännin bekam.

An Tröghal, hä egh mannar üsch tau Earmer.
Nordfriesland
hdt] Ein Bettler hat nicht weniger als zwei Gewerbe.
i] Will sagen, dass er nicht mit einer Gabe zufrieden ist

An trübem Teich sammelt der Fischer leicht Reichtümer an.

An Tuch und Worten geht viel ein.

An übel gewonnenem Gut hat der dritte Erbe weder Freude noch Mut.
la] Et male partorum non gaudit tertius haeres

An überstandene Leiden erinnert man sich gern.
la] Meminisse laborum suave qui servatus est

An überwundene Leiden denkt man mit Siegesfreuden.
it] Quel che fù duro a patire, è dolce a ricordare

An überwundenes Missgeschick denkt man gern zurück.
la] Jucunda est memoria praeteritorum malorum

An und für sich; von selbst
la] per se

An und in dem Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menschen zur Bearbeitung übergeben.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,14

An Undankbaren ist alle Wohlthat verloren.

An ungebetnen Gast steckt man untern Ofen.

An ungetanem Werk ist nichts zu meistern.
sd] För ogjord gjärning bötes oföd fä.
sd] Hät är med ingo bött.
sd] Ogjord blijr ospord

An Unmögliches ist niemand gebunden.
la] Ad impossibile nemo tenetur.
[RSpW]

An Unordnung geht das stärkste Heer zugrunde.
Russland

An unverschuldeter Aufregung gestorben, erklärte der Totenschauer, als er einen Mann tot mit drei Kugeln im Kopfe fand.

An unverstendigen Leuten kan niemand Meister werden.

An Urban (25.5.) die Hirse gut geraten kann.

An Urban (25.5.) und Pankrazius (12.5.) der Winzer die Ernte bemessen muss.

An urem Mann is a Wattren (Freigebiger) auf a fremden Beutel.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn jemand auf Kosten anderer mildtätig ist

An urem-Mann is wie a Hojker.
i] Höcker, Buckliger. Beide tragen, was sie besitzen, auf dem Rücken

An urm Mann is wie a löchriger Sack.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Schwer zu füllen

An urm Mann steht bei der Tür.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wer Gefälligkeiten oder Wohltaten beansprucht, muss bescheiden sein

An Ursula (21.10.) muss das (o. brings) Kraut herein, sonst schneien (noch) Simon und Juda (28.10.) hinein.'

An verdächtigen Orten halte dich nicht auf und sei nie Gefährte eines Menschen, der ein Wegweiser zum bösen Ort ist, damit er dich nichts Böses lehre. Dergleichen Leute fliehe und bleibe ihnen fern.
Buch des Kabus

An vergangenes Unglück ist gut denken.
la] Jucunda malorum praetoriorum memoria

An verlegenem Fleisch kauft man allzeit zu teuer.

An verlorenem Appetit stirbt man nicht.
es] Dejar de comer por haber comido no es enfermedad de peligro

An Versprechungen und rohem Tuch geht viel ein (zurück).
dk] Løfte og raat klæde løber meget ind

An viel reden kennt man einen Narren.

An viel reden ohne Verstand wird der Narr erkannt.
nl] In woorden zonder slot is't kenmerk van een' zot

An viel Rühmen soll man sich nicht kehren.
fr] De se vanter doit l'en prendre garde

An vielem Fragen erkennt man einen Narren.
z] In den Hospitälern bemerkt man, dass die Narren vorzüglich gern Tabak schnupfen. In der Gesellschaft erkennt man sie an dem vielen Fragen.
it] Chi troppo dimanda ha testa di matto

An vielem Lachen erkennt man den Hachen (o. Narren).
i] Oft wird man fragen können, wer der Narr ist, der welcher lacht, oder der, über den gelacht wird

An vielem Lachen sollst du den Narren erkennen (o. erkennt man den Narren).
la] Per risum multum debes cognoscere stultum

An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.
la] Qui multum fatur, stultissimus esse probatur

An vielen Höfen essen die Esel der Gelehrten Brot und die Narren besitzen die Ehrenstellen.

An vier Dingen erkennt man den Franzosen: wenn die Uhr schlägt, wenn er jemand fragt, wenn er Versprechungen macht und wenn er von seinen Liebschaften redet.

An vier Dingen erkennt man einen Narren: sich selbst loben, sich leicht erzürnen, ungefragt viel reden und wegleihen ohne Sicherheit.
en] By six qualities may a fool be known: Anger without cause, speech without profit, change without motive, inquiry without an object, putting trust in a stranger and wanting the capacity to discriminate between a friend and a foe

An vier Dingen geht viel ab: an Rechnungen, an Worten, Dünken und gespanntem Tuch.

An vier Dingen wird ein Mensch erkannt: in seinem Geschäft, in seinem Trinken, in seinem Zorn und seinem Spiel.

An vier Zeichen erkennet man den Mann: seine Weisheit, wenn er in Rechten ist; seine Geduld, wenn er in Not ist; seine Demut, wenn er groß ist, seinen Reichtum, wenn er tot ist.

An viererlei Leuten ist Mangel auf Erden: an Pfaffen, sonst dürfte einer nicht sechs bis sieben Pfründen haben; an Adeligen, sunst wollte nit jeder Bauer ein Junker sein; an Huren, sonst würden Eheweiber und Nonnen das Handwerk nicht treiben, und an Juden, sonst würden Christen nicht wuchern.

An Vierzigritter kalter Wind, noch vierzig Tage windig sind.
Bauernregel

An Vinzenzi (22.1.) voller Sonnenschein, der lässt uns hoffen auf Korn und Wein.

An Vorwand fehlt es keinem, wenn er betrügen will.

An Wänden gehen.

An Wanj, thiar knarket, thi healt laang.
Nordfriesland
hdt] Ein Wagen, welcher knarrt, hält lange.
i] Um zu sagen, dass die, welche stets über ihre Gesundheit klagen, in der Regel am längsten leben

An Waren und grauem Tuch geht viel ein.

An Wedwüf her iarst Mân mut altidj üübh baasel dânsi.
Nordfriesland
hdt] Der erste Mann einer wieder verheirateten Witwe muss allezeit auf dem Tische tanzen.
i] Er wird bei jedem Anlass gelobt

An Weibern ist keine Ehre zu erjagen.

An Weibern liegt keine Macht.
i] Der Ehemann wird als der natürliche Vormund seiner Frau betrachtet, in dessen Hand auch die Verwaltung des gesammten Vermögens ruht.
mhd] An wiben liget keyne macht niet

An Weibern schlagen die Männer ihre Schand'.

An Weibern und Melonen kauft man allzeit mit Gefahr.

An Weibern und Unglück ist niemals mangel gewest.

An Weibertreue und Wunder ist schwer glauben.

An Weiberweinen, Metzgerschwören und Hundehinken darf sich niemand kehren.
la] Neve puellarum lachrymis moveare caveto, ut flerent, oculos erudire suos

An Weihnacht die Hälfte Brot, die Hälfte Wein.
Italien

An wen sich die Armut heftet, dem folgt sie bis Mekka.
Abchasien

An wessen Gewinn jemand beteiligt war, an dessen Verlust soll er auch teilhaben.
[RSpW]
la] Cuius participavit lucrum, participet et damnum.

An Willen und Worten ist kein Zwang.
i] Im Allgemeinen sollen nicht bloß die Gedanken, sondern auch die Worte, insofern in diesen nicht selbst schon, wie bei Ehrenkränkungen, das vollendete Unrecht liegt, von strafrechtlicher Ahndung verschont bleiben, da dadurch allein noch niemand Gewalt angetan wird.
mhd] An willen noch an worden i's nen gedvang

An williger Armut hat Gott kein Schuld.

An witjen Hingst skal föl Streilis ha.
Amrum
hdt] Ein weißer Hengst (Pferd) soll viel Streu haben.
i] Wird in Bezug auf eitle Hausfrauen gebraucht.
ndt] Di wit Hingster skel fuul Streils haa. Sylt

An Witwen und Jungfrauen, an Rüben und Schoten am Wege rupft jedermann.
bm] Usklubná semena, v poli hrách ařepa, vlidech vdova a panna kazdému jsou na ránĕ

An Witwen und Waisen will jeder ziehen und zerren.

An Witwen und Waisen will jedermann den Arsch wischen.
nl] Aan weduwen en weezen will elk trekken en plakken

An wohlen Tagen geht er auf dem Eis tanzen.

An wohlfeiler Ware ist teuerer Kauf.
it] Guardati delle derrate di buono mencato

An Wort und Schritten erkennt man den Mann und seine Sitten.

An Worten und an Werken kann man den Heuchler merken.
it] Per l' opere non per il vestito vien conosciuto l' hipocrita

An worten und grauem (ungenetztem) tuch geht viel ein.
nl] Aan woorden en laken, neem altijd wat tegen het krimpen

An Worten und grauem Tuch geht viel ein.

An Worten und Laken muss man immer etwas gegen die Krümme haben.

An Worten und ungenetztem Tuche geht viel ein.

An Wüüf kaan onnar a Skortelduk muar wechbring, üüs sööwen Hingster tji kôn.
Nordfriesland
hdt] Ein Weib kann unter der Schürze mehr wegbringen, als sieben Pferde ziehen können.
i] Heimlich, hinter dem Rücken des Mannes

An Zeichen erkennt man die Herberge.
nl] Het teeken wijst de zaak

An Zerstreuungen lässt es uns die Welt nicht fehlen; wenn ich lese, will ich mich sammeln und nicht, wie jener Sultan von Indien, durch abgerupfte Märchen hingehalten sein.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Literarisches Konversationsblatt

An Zornigen ist kein Ehr zu erjagen.

An zu viel Glück ist noch keiner gestorben.
Flandern

An Zusagen und rohem Tuch gehet viel ein.

An zuviel Wurst kann ein Hund ersticken.

An zwei Ankern steht ein Schiff fester als an einem.
en] Good riding at two anchors, men have told, for if one break the other may hold.
la] Ancoris duabus niti bonum est.
un] Két istáphoz jó támaszkodni

An zwei Dingen fehlt immer etwas: an einer Mühle und an einer Braut.

An zwei Dingen ist immer was zu flicken: an alten Häusern und alten Weibern.

An zwei Dingen ist verloren der Safran und die goldnen Sporen: an Kuhfleisch in gelber Brüh' und einem Ritter ohne Müh'.

An zwei Dingen ist wenig zu erwischen: an Träumereien und Backfischen.

An zwei Tischen wird ein Fraß erzogen.
ndt] A zwé Tische wird en Frass erzoge.
Schweiz

An zweien Tischen erzieht man einen Fraß.

Analphabeten können am besten zwischen den Zeilen lesen.

Analphabeten müssen diktieren.

Anarchie ist die größte aller Utopien.

Anarchie ist die schlimmste Despotie.

Anarchie ja, aber bitte nicht zuviel.

Anarchismus ist der Versuch, das kleinere Übel durch das größere zu ersetzen.

Anblick der Liebe
la] imago pietatis

Ancho hat eine Seele voll Erbarmen, die Füße des gestohlenen Schweines gibt er den Armen.
Basken
it] Rubar il porco, e darne i piedi per l'amor di Dio

Andacht - Andaucht.
i] Ein Wortspiel der Alten in der Neuzeit, um das Wort Andacht durch Vergleich mit Andaucht (Abzugskanal) herabzusetzen

Andacht durch Vergleich mit Andaucht (Abzugskanal) herabzusetzen)

Andacht gebiert Reichtum, aber die Tochter frisst die Mutter.

Andacht ist das beste Sonntagskleid.

Andacht ist ein Stern der Frühe,
Der das Herz mit Gott vermählt,
Dass es preisend, dankend glühe,
Fromm bekennend den Dreieinen.
Ludwig Bechstein, Der Sonntag (1833)

Andacht steht nicht wohl auf einem vollen Bauch.

Andächtig gebet und weise räth können vil verhindern.

Andächtige Ohren finden.
nl] Hij vond aandachtige ooren

Andalusien ist Spaniens Keller und Kornkammer.
z] Es galt auch als Mittelpunkt der spanischen Jalousie

Andauerndes Fieber bringt den Löwen um.
Italien

Andauerndes Schlagen tötet die Schlange.
Afrika

Andel und Kandel machen einen bösen Wandel.
i] Andel = Diminutiv von Anna. Liebe und Trunk verführen sehr häufig

Ander Amt, andere Sorge.
la] Non est eadem cura oratoribus, quae phonascis. Quinct

Ander dag Abend is noch nich e kommen.
Braunschweig

Änder den Himmel, die Sterne werden sich mit ändern.
Chile

Ander Handel, ander Wandel.
nl] Andere nering, andere tering

Ander Holz her.

Ander Jahr, ander Glück.

Ander Jahr, Ander Haar.

Ander Jahr, ander Haustock.
Franken
mhd] Ander jâr, ander guot

Ander Jahr, ander War'.
dk] Et andet aar kommer der en anden jule aften

Ander Land Schwarzbeere, eigen Land Erdbeere.
Finnland

Ander Land, ander Glück.
i] Dem, der in ein ander Land kommt, kann es besser oder schlechter ergehen als an seinem frühern Wohnsitz.
it] Chi muta paese, muta ventura

Ander Land, ander Leute.

Ander Land, ander Litt, hat dr Schwyzer gsit, wia a Goaßbock zum Fenster rausgschaut hat.

Ander Land, andere Leute.

Ander leut brot schmeckt allzeit besser.

Ander leut creutz lehrt das deine tragen.
la] Aliorum exemplo patiens

Ander Leut fehl sehen und sein eigen nicht, das ist der Toren sitt.

Ander Leut gelt, ander Leuth sorg.

Ander Leut Gut ist ander Leut Sorge.

Ander Leut Gut, ander Leut Sorge.

Ander leut haben auch hände.
la] Et meum telum cuspidem habet.
la] Et mihi sunt vires et mea tela nocent. Ovid

Ander Leut haben auch heut.

Ander Leut häuser sein besser als vnsers.

Ander Leut Hilff nit mehr bedürffen.
la] Sine cortice nare

Ander Leut Küh geben immer mehr Milch alss vnsere.

Ander Leut Schad ist guter Rat.

Ander Leut(e) Brot schmeckt allzeit besser.

Ander lude (Leute) breve, büdels unde tavelen en sal men nicht ansein.
la] Alterius chartas, loculum, non inspice mensam

Ander Mann, ander Glück.
i] Auch wohl mit dem Zusatz: denn Gottes Wunder erben nicht

Ander Städtchen, ander Mädchen (o. ander Städtel, ander Mädel).
i] Zur Schilderung der Soldaten- und Gesellenliebschaften. Von denen, die sich ein Verdienst daraus machen, an jedem neuen Orte ihres einstweiligen Aufenthalts eine neue leichtgläubige Schöne zu täuschen.
bm] Holka bez hocha, ryba bez vody.
bm] Kde obĕd tu milá, kde večeře tu jiná.
en] Other cities, other girls.
fr] Autres villes, autres filles.
nl] In elk steedken een ander meedken.
it] Città che vai ragazza che trovi.
sp] Amor trompetero: cuantas veo tantas quiero.
sp] En cada puero un amor

Ander Sünd kreucht zu Winkel, Hoffart will allzeit am Licht stehn.

Ander' Wind - ander' Wetter.

Ander Wohltat vergisst man bald, Gottes am ersten.

Ander Zeit, ander Anfechtung.

Ander zeit, ander Gott, ander Jahr, ander Glück.

Andere (fremde, neue) Weide ist der Kühe Freude.
i] Wie fremdes Brot der Kinder Semmel ist, so lieben auch die Tiere Veränderung der Kost, und die Kühe gehen gern auf des Nachbarn Brache und Wiesen

Andere Bäume, andere Baumfäller.
Litauen

Andere Bäume, andere Holzhauer.
Litauen

Andere Beeren, schmutzige Beeren, Johannisbeeren, schlechte Beeren, Vogelbeerbaumbeeren, kräftige Beeren, da kannst du Trauben kauen, so hat der Bär gesungen.
Estland

Andere büezt er d' Seck, und sîn lot er d' Müs frässe.
hdt] Andern flickt er die Säcke, die seinen lässt er die Mäuse fressen.
i] Er ist gegen andere dienstfertig und vernachlässigt dabei seine eigenen Angelegenheiten.
it] Un gobbo vede la gobba del compagno e non la sua.
la] Aliena vitia in oculis habemus, a tergo nostra

Andere Büsche, andere Pilze.

Ändere deine Gedanken und du veränderst die Welt.
Indien

Andere Dinge bezeugt man mit anderen Leuten.
[RSpw]
i] Zur Bestätigung oder Aufklärung verschiedener Fragen sind in der Regel verschiedene Zeugen erforderlich

Andere erkennt man klar, sich selbst nicht.

Andere feist machen und selbst Hunger leiden, ist beherzten Leuten zuwider.

Andere Felder haben andere Grashüpfer.
Papua-Neuguinea

Andere Felder, andere Grashüpfer; andere Meere, andere Fische.
Indonesien

Andere Gedanken kommen über Nacht.

Andere gurrt er auf und er selber schläft.
Lettland
bm] Zvon do kostela lidi prizývá, a sám v kostele nikdy nebývá.
fr] Les cloches appellent à l'église, mais n'y entrent pas.
nl] Hij slacht de klokken die het volk ter kerke luiden, en er buiten blijven.
nl] Hij slacht den bakker, die het brood in den oven steekt en er zelf buiten blijft.
it] Non entra a messa la campana, e pur ognuno ci chiama.
pl] Dzwon do kosciola ludzi zwolywa, a sam w kosciele nigdy niebywa.
sp] No entra en misa la campana, y á todos llama

Andere Hand, anderes Glück.

Andere Hände haben immer die fettesten Schnitte.
i] Neid vergrößert.
bm] V cizích rukou vzdy vetsí krajíc

Andere Hauer, andere Fuhrleute.

Andere Hund sind zum Hasen-, andere zum Bärenfangen.

Andere Hütten, andere Sitten.
la] Diversi diversa putant

Andere jahr, andere haar; andere zeit, andere freud.
i] Die großen Veränderungen, die oft ein einziges Jahr im Leben eines Menschen bewirkt

Andere Jahre, andere Leute, andere Glocken, ander Geläute.
bm] Mnoho let, a mnohých nevidĕt

Andere Jahre, andere Schuhe.

Andere Kinder sind Schleppsäcke, willst du auch einer sein?
i] Findet seine Erklärung in einem Kinderspiel. Die Kinder fragen der Reihe nach die Mutter: Darf ich auf die Gasse? Mutter: Nein. Kind: Andere Kinder sind auch gegangen. Mutter: Die andern Kinder sind Schleppsäcke; willst du auch einer sein?

Andere Krankheit, andere Arznei.
dk] Ny syger, ny liegedom.
la] Aliud est alio morbo remedium

Andere Kultur bedeutet anderer Brauch.
Indonesien

Andere Länder besuchen, andere Sitten finden.
Italien

Andere Länder, andere Sitten.
en] Other countries, other manners.
en] So many countries, so many customs.
fr] Autres pays, autres mours.
fr] Vérité en-deçà, erreur au-delà.
it] Paese che vai usanze che trovi.
la] Alia vita, alii mores.
ndt] Ander Land, andre Sitten.
sp] En cada pueblo su uso y en cada su costumbre

Andere Leut gebrechen haben wir vor uns, die unsern aufm Rücken.

Andere Leut muss man nicht mit der Hausselen, sondern mit Krämer Elen messen.

Andere Leut' tragen auch Schälk in der Häut.

Andere Leute haben auch einen Kopf.
es] Necio es, quien piensa que otro no piensa

Andere Leute haben auch Fäuste.
nl] Andere lieden hebben ook handen

Andere Leute haben auch Häute.
i] Sie sind auch empfindlich

Andere Leute haben auch Nägel unter den Stiefeln.

Andere Leute haben auch Spieße und Schilder, Helme und Harnische.

Andere Leute kochen auch (nur) mit Wasser.
i] Auch wenn sie tun, als kochten sie alles in Rebensaft

Andere Leute sind auch keine Narren.
z] On dencke desholben nich, dass andre Leute Narren seyn; a mêent wul, ich bin ihm gerade gutt genug

Andere Leute wollen auch leben.

Andere Leute, andere Fehler.
la] Aliud aliis vitii est

Andere Leute, andere Sitten und Gebräuche.
ndt] Oeödar Lidj, öödar Wetten.
Nordfriesland

Andere Menschen brauchen andere Medizin.
Thailand

Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
en] There are plenty of other fish in the sea

Andere nach seinem Kopf richten.
fr] Mesurer les autres à son ause

Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt, ist Größe.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Ändere nicht deinen Stand, du habest denn einen bessern bei der Hand.
la] Maritimus cum sis, ne velis fieri terrestris.
la] Nil cito mutabis, donec meliora videbis

Andere Pfeifen ziehen.
i] In dem Sinne wie: andere Saiten aufziehen

Andere pflanzen was ich essen soll - ich pflanze, was andere essen mögen.
Persien

Andere richten ist leicht.

Andere Saiten aufziehen.
i] Andere, mildere oder ernstere Mittel anwenden, Maßregeln ergreifen.
fr] Changer de batterie.
fr] Changer de ton.
fr] Changer de gamme.
fr] Mettre de l'eau dans son vin.
nl] Hij strijkt eene andere snaar aan

Andere sehen zu, er hat zugegriffen.

Andere sieht man in einem klaren Licht, sich selbst aber nicht.

Andere Städtchen, andere Mädchen.
v. Schlippenbach, in der Ferne (vertont von Friedr. Silcher)

Andere Tiere, andere Köder (Lockspeise).
i] Den einen gewinnt man durch Lob, den andern durch Geschenke

Andere trösten macht kein Kopfwehe.
it] A buon confortatore non dolse mai il capo

Andere Wälder, anderes Wild. Andere Büsche andere Pilze.

Andere werden dich mit dem gleichen Stab messen, den du verwendest, um sie zu messen.
Brasilien

Andere Zeit, (zeugt) andere Leut.
dk] Anden tid giver andre folk.
fr] En temps et lieu on doibt tout faire.
sp] Tal el tiempo, tal el tiento. Don Quixote

Andere zeit, andere freud.
bm] Jiné doby, jiné způvoby.
dä] Anden tid, anden fryd.
nl] Andere tijden, andere zeden.
ill] Druga doba, druge ćudi.
la] Alia vita, alia diaeta

Andere Zeit, andere Lehre.
i] Eine Zeit hatte das Priestertum, eine andere das Fürstentum; jetzt arbeitet das Volkstum an der Lösung seiner Aufgabe

Andere Zeit, andere Weise.
la] Tempora mutantur, nos et mutantur in illis

Andere Zeit, anderes Geschmeid.
isl] Adhra tidh annadh smidh

Andere Zeiten andere Sorgen!
Goethe (1749-1832), Benvenuto Cellini, Anhang

Andere Zeiten, andere Gedanken.

Andere Zeiten, andere Lieder.
z] Andere Zeiten, andere Lieder! Heute bauen die Enkel jener Heiligen den Schweizern für gutes eidgenössisches Geld die Eisenbahn

Andere Zeiten, andere Musen (o. Saiten, Städte).

Andere Zeiten, andere Sitten.
en] Other times, other manners.
fr] Autre temps, autre mours.
it] Altri tempi, altri costumi.
it] I tempi mutano.
la] Alia vita, alii mores.
la] Mores secundum tempus.
la] Quae placuere prius, displicuisse solent.
sd] Andra tider, andra zeder.
sp] Otros tiempos, otros costumbres

Andere Zeiten, andere Sorgen.
it] Altri tempi, altre cure

Andere zu durchforschen ist schwer; aber man muss diese Kunst notwendig verstehen, sich selbst dagegen undurchdringlich machen. Dazu gehört das Dissimulieren, d. h. die Zurückhaltung seiner Fehler, und jener äußere Schein.
Kant, Über Pädagogik, Von der praktischen Erziehung

Andere zu kennen ist nichts als Wissenschaft, sich selbst zu kennen aber ist Intelligenz.
Laotse

Andere zu kritisieren ist mitunter eine Möglichkeit, sich selbst in ein besseres Licht zu setzen.
Mexiko

Anderen gefällt mehr das Unsere, uns das anderer.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.

Anderen gibt er weisen Rat, aber die Trauben isst er selber.
tü] Ele verir talkını, kendi yutar salkımı

Anderen kannst du oft entkommen, dir selbst niemals.
la] Alios effugere saepe, te numquam potes.

Anderen verzeih alles, aber dir selbst nichts.
Estland

Anderer (Leute) Fehler sind gute Lehrer. Estland

Anderer Fehler sind unsere (o. gute) Lehrer.
la] Optimum est, aliena insania frui

Anderer Gefähr sei deine Lehr'.
fr] Belle doctrine met en lui qui se châtoye par autrui

Anderer Hände können nicht kratzen, wo es dich juckt.
Slowakei

Anderer Himmel, ander Glück.

Anderer Hintergrund bedeutet anderes denken.
Indonesien

Anderer Hof, anderer Kwaß.
Estland

Anderer Kopf, andere Gedanken.

Anderer Kreuz lehre dich das dein tragen.
dk] Andres kors lære dig at bære dit.
dä] Lær du af andres kors hvorledes du skal bære dit

Anderer Leid tut uns nicht leid.

Anderer Leut Kühe haben allzeit die größten Euter.
la] Parvus semper tuus pullus

Anderer Leut Torheit sei dein Weisheit.

Anderer Leut Unglück, der Landsknechte höchstes Glück.

Anderer Leute Bettdecke schützt mich nicht vor Kälte.
i] Es ist ein schlechter Trost, zu hören, dass andere etwas haben

Anderer Leute Briefe, Beutel und Tisch soll man nicht ansehen.
i] Nicht die Augen in den Briefen, noch die Hände in den Taschen (anderer).
Italien

Anderer Leute Brot schmeckt allzeit besser.

Anderer Leute Bücher sind schwierig zu lesen.
Niederlande

Anderer Leute Eier haben zwei Eigelb.
Bulgarien

Anderer Leute Ernte abmähen.

Anderer Leute Esel dreht die Mühle am besten, der Priester aus der Ferne liest den Gottesdienst am besten.
China

Anderer Leute Fehler sind die besten (o. gute) Lehrer.
sd] Andras feel lära bäst.
sd] Bäst lära aff annars skada

Anderer Leute Fehler sind gute Lehrer.

Anderer Leute Geld ist auch kein Blei.

Anderer Leute Häuser löschen und das eigene brennen lassen.
z] Wir reden von disen, so ander leut fürdern und sich versaumen, oder so ander leut häuser löschen und lassen das jrig brennen

Anderer Leute Höcker (Buckel) sehen wir besser als unsere eigenen.
la] Sed non videmus id manticae, quod in tergo est

Anderer Leute Kreuz lehrt das eigene tragen.

Anderer Leute Kühe haben immer größere (o. ein größeres) Euter.
Schweiz
mhd] Frembd brot schmeckt wol.
en] The largest udders are found on other people's cows.
fr] Pain d'autrui réveille l'appétit.
nl] Vreemd brood smaakt wel.
it] Il pane degl' altri par sempre più saporito.
it] La moglie del compagno pare più bella.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.
la] Fertilior seges est alienis semper in agris, vicinumque pecus grandius uber habet.
la] Juvat inconcessa voluptas. Ovid
sp] La gallina del vecino más huevos pone que la mía

Anderer Leute Sachen ordnen ist nicht ratsam.
Kamerun

Anderer Leute Schaden ist der Juristen und Ärzte Gewinn.

Anderer Leute Schmerzen tun nicht weh.
i] Aber desto mehr die eigenen

Anderer Leute Sorge hängt man an den Nagel.

Anderer Leute Speck ist immer fetter.
i] Neid vergrößert

Anderer Lob hat Rosenduft für uns, Selbstlob hat Kotgeruch für andere.
Russland

Anderer Lüe Abend is âk noch nich ekômen.
i] Dem Schadenfrohen und Spötter ruft man zu: Anderer Leute Abend ist auch noch nicht gekommen, um ihm zu sagen, dass auch er vor Widerwärtigkeiten nicht sicher sei, dass auch ihm vor seinem Tode noch Ähnliches begegnen könne

Anderer Meinung soll man hören und mit Verstand sich daran kehren.
bm] Přijímej cizí zdání, a drz se svĕho uznání.
pl] Kazdego zdanie przyjmuj, a swego się rozumu trzymaj

Anderer Menschen Weisheit verhindert, dass der König ein Narr genannt wird.
Nigeria

Anderer Schaden auf sich laden, ist auf sich laden größern Schaden.

Anderer Stand, andere Sitten.
en] Honours change manners.
fr] Les honneurs changent les moeurs.
it] Chi muta lato, muta stato.
la] Honores mutant mores.
la] Permutant mores hominis, cum dantur honores

Anderer Tag, andere Plag'. Innsbruck

Anderer Torheit bemerkt man eher als die eigene.

Anderer Torheit sei deine Weisheit.

Anderer Übel sind uns nur ein Traum, wir bemerken sie kaum.
fr] Mal d'autrui n'est que songe

Anderer Unglück ist für den Neidischen gut.

Anderer Unglück ist uns nur ein Traum.

Anderer Unglück warnet uns vor gleicher Tück.
bm] Cizi nestĕstí druhdy vhod.
bm] St'astný, kdoz cizí příhodou vystříhá se před svou skodou.
bm] St'astný jest ten, kdo cizím nestĕstim umí se kátí.
la] Aliena periclitatio, nostra emendatio.
pl] Cudze nieszezęście podczas gwoci

Anderer Würde ist dem Neidischen eine Bürde.

Andererseits, sagte der Pfarrer, ist die Akustik jetzt besser.
[ASpW]

Anderes Brot hat sieben Rinden.
it] Il pane degli altri ha sette croste

Anderes Brot ist sehr gesalzen.
it] Il pane degli altri è troppo salato

Anderes ist Versprechen, anderes ist Geben (o. Halten).
fr] Autre est promettre, autre est donner (o. tenir)

Anderes Jahr, anderes Haar.

Anderes Leben - andere Lebensweise.
la] Alia vita alia diaeta

Anderes lesen sich Knaben, anderes Männer, anderes Greise heraus.
la] Aliud legent pueri, aliud viri,aliud senes.Terenz, Grotius

Anderes Sinnes werden.
i] Seine Meinung ändern, sein Vorhaben aufgeben

Anderes werden Knaben lesen, anderes Männer, anderes Greise.
Terenz

Anderland: Schwarzbeere, Eigenland: Erdbeere.
Finnland

Anderleut Gut - anderleut Sorge.

Anderleut Gut ist groß (schön) Gut.
nl] Anderer goed behaagt ons 't meest

Anderm die Netze flicken und seine eigenen zerrissen lassen.
Russland

Andermann Geld macht keinen reich.
fr] Argent d'autrui nul n'enrichit

Andermanns Gut gehört dir nicht.

Andern altert das Herz zuerst und anderen der Geist.
Und einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Andern beim Essen zusehen, macht keinen satt.

Andern das Glück in die Hände spielen.
i] Wenn uns etwas nicht nach Wunsch gelingt, und ein anderer davon den von uns beabsichtigten Vorteil erhält. Vom Würfelspiel entlehnt, wenn man so wirft, dass man verliert und ein anderer gewinnt

Andern die Federn vom Rocke klauben.

Andern die Schalen geben und sich den Dotter behalten.

Andern ein Vormünder, sich ein Torminder.
z] Wie solt ich andere guberniern, da ich mich selbst nit kann regiern, andern ein Vormünder, mir ein Torminder

Andern empfiehlt er Braten und kann sich selber nicht raten.
la] Aliis prospiciens, non sibi

Andern fängt man Ratten, sich kann man keine Maus fangen.

Andern flickt man die Säcke, die seinen lässt man die Mäuse fressen.
fr] Les cordonniers sont ordinairement les plus mal chaussés

Andern ins Maul sehen müssen.
i] Ihrer Gnade leben müßen

Andern ist gut predigen.

Ändern ist nicht bessern; und bessern ist zweierlei.

Andern kann man raten, nur sich selber nicht.

Andern Leuten flickt er den Sack, seinen lässt er die Mäuse fressen.

Andern Leuten muss der Esel Haare tragen.

Andern predigen ist leichter als selber tun.
it] Chi predica agl' altri, non si scordi di se stesso.
it] Felice chi mette in opra il ben che dice.
it] Per ben predicar, si deve prima far

Andern putzt sie auf, aber sie selber ist eine Schlumperliese.
bm] Jiné kase (podkasává), a sám se plíhá

Andern raten ist leichter als sich selber erkennen.
z] Stromabwärts schwimmt, wer andern rät, stromaufwärts, wer sich selbst erkennt.
la] Leve est dare consilium, arduum se noscere

Andern raten wir immer recht und uns selber beraten wir schlecht.
z] Wir können allen andern raten, dass dies und jenes soll gehn von statten, zum öfftern aber wohl geschicht, dass wir uns können raten nicht.
la] Tria sunt necessaria: vesci absque saturitate, non refugere laborem, et abstinere a venere

Andern soll man viel, sich selber nichts verzeihen.

Ändern und bessern ist zweierlei; viel wird in der Welt geändert, aber wenig gebessert.

Ändern und bessern sind zwei.

Andern vergib viel, dir selbst nichts.
dk] Forlad andre, men ei dig selv.
it] Condona i falli d'altrui ma non i tuoi propri

Andern vertreibt er die Ratten und ihn vertreiben die eigenen Mäuse.
Russland
fr] L'enseigne du logis chacun esberge et demeure à la playe.
la] Qualis vita, talis fama

Andern will er Ratten fangen und ihn selbst fressen die Mäuse.
z] Wer andern Rat erteilt und da ihm Hülffe Not, sich allzulang verweilt, von dem heißts: Dieser Mensch wiel andern Ratten fangen und kan vor sich doch selbst nicht eine Maus erlangen.
it] Chi non sà far i fatti suoi, peggio sà far quei d'altri.
la] Nequicquam sapit, qui sibi ipsi non sapit

Andern zum Ergötzen, sich zu Tode zu hetzen.
Wendische Lausitz

Anders benehmen sich Männer, wenn sie allein unter sich, anders, wenn sie mit Frauen zusammen sind, und wieder anders wird sich dieselbe Gesellschaft betragen, wenn ein Vornehmerer unter sie tritt, dem sie Ehrfurcht zu bezeigen Ursache haben.
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe, Anmerkungen. Geschmack

Anders denk' ich, anders tu' ich.

Anders denkt der Braune und anders der, so ihn sattelt.

Anders der Mund es redet, anders das Herz es meint.
fr] Il a dit de bouche, mais le coeur n'y touche

Anders hat sich der Jüngling, anders der Greis zu betragen. Vom Jüngling fordert man, dass er die älteren Leute ehrt, dass er sich den Besten und Bewährtesten anschließt, um sich auf ihren Rat und ihr Ansehen zu stützen; denn die Unerfahrenheit des jugendlichen Alters bedarf zur Stütze und Leitung der Umsicht des gereiften Alters.
Cicero (103-43 v. Chr.), Drei Bücher von den Pflichten

Anders ist der Honig, anders sein Preis.
Türkei

Anders lebt man bei uns, anders zu Rom.

Anders machen ist nicht besser machen.
ndt] Anderschmachen äs nit Biessermâchen

Anders reden dann im Herzen han, ist gemein bei jederman.
la] Est mens nostra suis contraria saepe loquellis

Anders reden und anders meinen ist das schändlichst auf Erden.

Anders regiert man das Schiff, wenns gut Wetter ist, anders wanns bös und ungestümm ist.

Anders sagen die Musen, und anders sagt es Musäus.
Goethe (1749-1832), Physiognomische Reisen. Der Dichter

Anders sein ist einfach (leicht). Etwas besser als andere machen (tun) ist hart.
Australien

Anders singt die Krähe, anders die Nachteule.

Anders spricht der Herr, anders der Knecht.
la] Alia Leucon, alia Leuconis asinus portat

Anders spricht er und anders denkt (tut) er.
la] Aliud in ora, aliud in corde

Anders und doch der gleiche
la] alius et idem
Horatius, Carmen saeculare

Anderswo (o. anderwärts) ist auch gut Brot essen.
ndt] Annerwegen ward ok Brod backt.
ndt] Annertwäigen wärt äuk Bräoud backen.
Arnsberg
dä] Man bager saa godt bröd andensteds som her.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.
la] Omne solum forti patria est

Anderswo gibt es (o. sind) auch Leute.
z] Sie tun nach ihrem, nicht nach deinem Willen

Anderswo isset man auch Brot.

Anderswo ist auch gut Brot essen.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.

Anderswo ist die Welt auch nicht mit Brettern vernagelt (o.) verschlagen.

Anderswo ist's immer besser.
bm] Kde nás není, tam dobře

Anderswo sucht er, was er zu Haus im Überfluss hat.
Böhmen
i] Nämlich zu tun und zu sorgen

Anderswo
la] alibi

Anderthalb Mann und ein Pferdekopf.
i] Von einem Zimmer oder irgendeinem Orte, wo sich sehr wenig Menschen befinden. Aus einer Till Eulenspiegelschen Erzählung entstanden. Als Till Eulenspiegel noch als kleiner Knabe in der Wiege lag, da kam eines Morgens, als seine Eltern oben nicht anwesend waren, ein Mann zu Pferde an die Tür, die er aufstieß und fragte, ob niemand zu Hause sei. Eulenspiegel antwortete: 'Anderthalb Mann und ein Pferdekopf', weil er sich nur für einen halben Mann rechnete, der Reiter aber mit dem Leibe auf dem Kopfe des Pferdes lag und beide zum Teil im Wohnhause waren

Änderung der Gesetze bessert niemand.

Änderung im Regiment nimmt selten gut End.

Änderung macht oft gute Ordnung.

Änderung zum Nachteil
la] reformatio in peius
[RSpW]

Änderungen im Regiment nehmen selten ein gutes End'.

Anderwärts ist auch gut Brot essen.

And'r Laits (Leute) Brûd is d'r Kend'r Säm'l.

Andre Bäume, andre Holzhauer.
Litauen

Andre Hauer, andre Fuhrleute.
Litauen

Andre Hütten, andre Sitten.

Andre Jahr', andre Haar'; andre Zeit, andre Freud.

Andre Jahre, andre Haare.

Andre lehren ist die größte Kunst.

Andre Leut' sind auch Leut.

Andre Mütter haben auch schöne Töchter.

Andre Städtchen, andre Mädchen.
Ovid

Andre Zeit, andre Anfechtung.

Andre Zeit, andre Freud.

Andre Zeit, andre Lehre.

Andre Zeiten, andre Musen.
Uhland, Die neue Muse

Andre Zeiten, andre Vögel!
Andre Vögel, andre Lieder!
Sie gefielen mir vielleicht,
Wenn ich andre Ohren hätte.
Heine, Atta Troll

Andre zu kennen, das musst du probieren,
Ihnen zu schmeicheln oder sie zu vexieren.
Goethe (1749-1832), Sprichwörtlich

Andreas (30.11.) hell und klar bringt ein gutes Jahr.
ndt] Andreas, hell on klôr bröngd e gud Jôhr. Trier
pl] Święty Andrzej jasny i pogodny będzie roczek płodny

Andreasschnee (30.11.) bleibt hundert Tage liegen.

Andreasschnee bleibt hundert Tage liegen.
Bauernregel

Andreasschnee kann lange liegen, Hubertusschnee (3.11.) im Graben versiegen.
Bauernregel

Andreasschnee tut dem Korn weh.
pl] Śnieg na Andrzeja, dla zboża zła nadzieja.
pl] Śniegi w dzień Andrzeja gęste, żytom czynią szkody częste

Andreasschnee tut den Saaten weh.
Bauernregel

Andreasschnee tut Korn und Weizen weh.

Andreis Misse (o. Sünte Dreies Misse) bringet den Winter wisse (= gewiss).

Andren Leuten flickt er den Sack, seinen lässt er die Mäuse fressen.

Andrer Leute Briefe, Beutel und Tisch soll man nicht ansehen.

Andrer Leute Fehler sind gute Lehrer.
China

Andrer Leute Frauen sind die besten, die eigenen Kinder sind die besten, Gemüse des eigenen Gartens schmecken nicht, die aus anderen Gärten sind die besten.
China

Andrer Leute Kreuz lehrt das eigene tragen.

Andrer Leute Kreuz lehrt das eigne tragen.

Andrer Leute Kühe haben immer größere Euter.

Andrer Leute Schmerzen tun nicht weh.
Köthen

Andrer Lüte (Leute) Küje hend allewîl e größer Üter.

Andrer Mann, andres Glück.

Andrer Torheit bemerkt man ehere als eigene.

Andrês brängk (bringt) dä kahle Frês (die kalten Fröste).
Köln
nl] Sint Andries staat op en vringt, en laat niet af voor onze Lieur frouw Lichtmesdage

Andres macht Pappe süß.

Andris bringt den Schnee gewiss.

Andrus (Andreastag, 30.11.), der ehrliche Mann, gibt die Weihnachten (25.12.), Toomas (Thomastag, 21.12.), der grobe Mann, bringt die Weihnachten, Nuut (Knutstag, 7. od. 13.1.), der Zapfen vom Bierfaß, bringt die Weihnachten fort.

Ane kluge Maus wêss mehr alls ee Lôch, sagte der Spitzbube, als er ins zehnte Gefängnis ging.
Schlesien

Äneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.

Anerkennende Worte sind eine beliebte Einleitung für anschließenden Tadel.

Anerkennung ist das Brot der Geister.

Anerkennung ist der Sauerstoff für menschliche Beziehungen.

Anerkennung ist eine beliebte Friedhofspflanze.

Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst.

Anerkennung und Applaus können auch Vernichtung bedeuten.

Anes, Fanes (Fenchel), Koriander ist der vin' als wi der ander.
Ulm

Anfahen ist schwer, beharren ist Kunst.
Petri, II, 16.

Anfall fällt vor sich.
[RSpW]
i] Der Erbgang ist niederwärts.
mdh] Der Anfall vellet vor sich.

Anfall stirbt der Mutter in den Schoß.
[RSpW]
i] Wird ein eheliches Kind erst nach des Vaters Tode geboren, so ist es Erbe, sobald es die Augen öffnet und die vier Wände beschreit. Stirbt es wieder, so fällt sein Anteil an die Mutter, was der Sinn des obigen Sprichwortes ist.
mhd] Daz angevelle stirbet der muter in den schoz.

Anfang flüchtig, Fortgang nichtig.

Anfang heiß, Mitte lau, Ende kalt.
la] Principium fervet, medium tepet, ultima frigent.

Anfang ist bedenkenswert.

Anfang ist dasjenige, was selbst nicht mit Notwendigkeit auf ein anderes folgt, wogegen nach ihm naturgemäß ein anderes ist oder wird; Ende im Gegenteil das, was selbst naturgemäß nach einem andern folgt, sei es mit Notwendigkeit oder bloß in der Regel, wogegen nichts andres nach ihm folgt.
Aristoteles, Dichtkunst

Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
nl] Het begin is het halve werk.
la] Principium dimidium totius. Hesiod

Anfang ist ein gut Behagen, denn das Ende die Last muss tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfang ist ein gut Behagen, die Last, die muss das Ende tragen.

Anfang ist ein gut behagen,
Das end muss den last tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfang ist kein Meisterstück.
fr] Les apprentis ne sont pas maîtres.
fr] N'a pas fini qui commence.
it] Tutti i principi son deboli.
la] Inventum simul et perfectum nihil est.

Anfang und End' in allen Sachen
Muss man mit Gott dem Herren machen.

Anfang und end nicht bleiben gleich, wer heut ist arm, wirt morgen reich.

Anfang und End steht alles in Gottes Händ.

Anfang und Ende in allen Sachen muss man mit Gott dem Herren machen.

Anfang und Ende reichen sich (o. einander) die Hände.

Anfang und Ende sind nicht immer gleich.

Anfang und Ende sind selten gleich.
dk] Enden og begyndelsen vil ey gierne folges ad.
la] Flebile principium melior fortuna sequetur.
la] Non sibi concordem spondent exordia finem.

Anfang und Ende sind wohl unter sich verwandt,
Doch ist der Anfang blind, das Ende hat's erkannt.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Anfang und Ende vom Januar zeigen das Wetter fürs ganze Jahr.

Anfang und Ende wollen nicht allzeit übereinkommen.

Anfang Verstand und Rat, zum Fortgang Vorsicht, zum Vollenden Glück und Beständigkeit.

Anfang, bedenk das Ende!
Wahlspruch des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (gest. 1640)
dä] For begyndelsen taenk paa ende.
dä] Som enden er sidst i gjerningen maae den vaere först i betragtningen.
fr] Au commencement considérez la fin.
la] Principiis obsta.

Anfang, Mitte und Ende sein.
i] Die Seele des Ganzen, alles in allem sein.
la] Principium, medium et finis.

Anfang, Mittel und End' allein, lass Gott in allen Sachen sein, denn, was mit Gott wird angefangen, ist niemals übel ausgegangen.

Anfangen ist ein gut Behagen, denn das Ende die Last muss tragen.
fr] Au commencement tout est beau.
it] Il veleno sta nella coda.

Anfangen ist leicht, (doch) Beharren ist Kunst.
dk] Let er at begynde, men at fare fort og fuldende, hører forstand og mod til.
fr] Il est aisé de commencer, mais pour continuer et pour finir il faut du jugement et du courage.
it] Non ci è più difficil cosa ch' il cominciare.
pl] Łatwiej jest zacząć niż skończyć.

Anfangen ist leicht, Beharren ist schwer.

Anfangen ist leichter als aufhören.
Mageligerre er den förste ende at gribe an, end den sidste at faae fast.

Anfangen lasst sich viel!

Anfangen tut's.

Anfangen und aufhören sind bei ihm eins.
la] In limine deficere.

Anfangen und ringen ist ob allen Dingen.

Anfangen und Ringen
Ist bei allen Dingen.

Anfangen und Vollenden (o. Ausmachen) ist zweierlei.
fr] Commencer et finir sont deux.
fr] N'a pas fini (o. fait) qui commence. (Der hat nicht getan [das Werk vollbracht], der anfängt)
it] In limine deficere.

Anfangen, fortfahren und hinausführen gehören zusammen.
dk] At beginde, fare fort og fuldende hörer sammen.
fr] N'a pas fait qui commence.

Anfang'n un tolang'n.'
z] Beide Hann' in beide Taschen, will dat Spillwerk doch nie flaschen.

Anfangs bedenk das End.

Anfangs eine Sache zum Lachen, später wird es Ernst.
Estland

Anfangs halt gute maß, spar, was noch ist im Fass, sonst, wenn du am end erst sparen wilt, so ists zu spat, es ist verspilt.

Anfangs Hauses.
i] In der ersten Zeit des Ehestandes.

Anfangs holt man Wasser mit dem Sieb, später nicht mal mit dem Eimer.
Estland

Anfangs Honigwochen (= Flitterwochen), später Tränenwochen.
Estland

Anfangs immer groß und berühmt, später scheint (es) nicht mal aus der Wandritze heraus.
Estland

Anfangs immer so gut und teuer, später wird man mit der Hundepeitsche weggejagt.

Anfangs macht man immer die ganze Welt, später nicht mal ein einziges Hemd.

Anfangs nimmt der Mann einen Schnaps, später nimmt der Schnaps den Mann.
Estland

Anfangs verbreiten sich die Räuden zwischen den Fingern, aber später kratzt man sich schon den Arsch.
Estland

Anfangs zog Aegina die besten Kinder.
i] Von allem, was einen guten Anfang nimmt, allmählich aber schlechter wird.

Anfangstermin
la] dies a quo

Anfank un Enne sint selten glück.
Sauerland

Anfechtung ist der Seele eine Artzeney und dem Leibe Gifft.

Anfechtung ist ein Salz, welches die Tugend würzt.
la] Virescit vulnere virtus.

Anfechtung lehrt aufs Wort merken.
i] Auf die Stimme Gottes, sie tue sich kund in der Natur, Vernunft oder Bibel

Anfechtung lehrt, dass man Gott hört.

Anfechtung macht einen Mann.

Anfechtung macht gute Christen, sagte der Handwerksbursch auf der Landstraße.

Anfechtung macht gute Christen.
i] Bewährung macht stark

Anfragen steht frei.

Anführen heißt nicht führen an der Hand.
Russland

Angeben und Ertz schatzen trifft selten zu.

Angeber sind des Teufels Netzweber.

Angeber sind Sprachriesen, in denen sich Denkzwerge verstecken.

Angeboren Blut queint, wenn's gleich nur ein Tröpflein wäre.
i] Blutsfreunde treten ans Herz.

Angeboren ist besser als angelernt.

Angeboren ist unverloren.
it] Quel che vien dalla natura, fino alla fossa dura.

Angeborene Weise geht schwer aus ihrem Gleise.
la] Difficile est tacitos naturae abscondere mores, ponere difficile est, quae placuere diu.

Angeborene weise ist schwer zu verbergen.
la] Difficile est ingenitos mutare mores.

Angeborne mängel kan man nicht aus und ein setzen wie der Glaser die Fenster.
z] Gewisse Mängel sind nothwendig zum Dasein des einzelnen. Es würde uns unangenehm sein, wenn alte Freunde gewisse Eigenheiten ablegten.

Angebotene Dinge sind niemanden eben.

Angebotene Hilfe hat keinen Lohn.

Angebotene Ware gilt nichts.

Angebotene Ware hat lahme Füße.

Angebotene Ware stinkt.
en] Proffer'd ware stinks.
nl] Aangeboden waar is verdacht.
it] Mercanzia offerta è spesso 'guastata.
it] Mercanzia offerta hà mal odore.
la] Merx ultronea putet.

Angebotener (aufgedrungener) Rat trägt keinen (wenig) Dank.
z] Geh nicht zu rath, man heiss dich dann, dann wann man dich dabei will han, wird man dir einen Boten schicken und dich zu ihm heißen rücken.
mhd] Chom nymma an den ratt, daran man dich nicht beten hatt.

Angebotener Dienst ist henkenswert (o. unwert, halb umsonst).
ndt] Angebotten dienst ward nie werdt.
en] Proffer' d service stinks.
nl] Aangeboden dienst is onwaard.
nl] Aangeboden dienst is zelden aangenaam.
nl] Gheboden dienst is onweert.
la] Dicitur oblatum fore servitium male gratum.
la] Merx ultronea putet.
la] Officium oblatum saepe ingratum.

Angebotener Dienst ist selten angenehm.
i] Wer zur Unzeit gefällig sein will, ist lästig.
it] Servitù offerta non è mai stimata.
la] Intempestiva benevolentia nihil a simultate differt.

Angebotener Dienst ist unwert (o. halb umsonst).

Angebotener Dienst stinkt.

Angebotne Dinger sind selten viel was gut.

Angebotner Dienst ist henkenswert.

Angebrannt Holz geht bald wieder an.
i] Von verwitweten Personen.

Angebrannte Suppen riechen weit.

Angebrochener Taler, ausgegebener Taler.
fr] Écu changé, écu mangé.

Angefailt gut verdenckt man.

Angefälle ist kein Lehen.

Angefangen ist noch nicht getan.
fr] N'a pas fait qui commence.

Angefangen war's, sagte der Pfaff', aber ich machte den Kopf dran.

Angefangen Werk ist halb getan.
fr] Besogne commencée est plus qu'à demi faite.

Angefangene Arbeit ist halb getan.
fr] Besogne commencée est à moitié faite.
fr] Besogne qui plaît est à moitié faite.

Angefangene ding endet Gott.

Angefangene Reise ist halb getan.

Angeführt mit Löschpapier.
Oberharz

Angeführt, mit Butter geschmiert.

Angehalten erlaufft den Hasen.

Angeheiratete Verwandte sind wie die Hasen, sie brechen Versprechen.
Sambia

Angekohltes Holz ist leicht in Brand zu setzen.

Angel und Netz müssen stets fertig sein.
i] Es ist keine Gelegenheit zu versäumen.

Angelächelt zu werden heißt nicht, geliebt zu werden.
Kenia

Angeln legen.
i] jemanden mit List zu berücken suchen.
la] Mellitus gladius.

Angeln und Fischen bringt's Brot von den Tischen.

Angeln und Vogelstellen verderben manchen jungen (o. braven) Gesellen.
i] Man hat unter allen Arten der Jagd die mittels der Angelschnur als die des Menschen unwürdigste bezeichnet.

Angemessene Last überfordert keinen.
la] Pari pondere nemo fatigabitur.

Angemessener Lohn, richtiger Knüppel.
Estland

Angenehm ist der Krieg nur für den, der ihn nicht kennt; wer ihn kennt, fürchtet ihn.
la] Dulce bellum inexpertis, expertus metuit.

Angenehme Geschichten brechen des Jünglings Knie.
Surinam
i] Angenehme Unterhaltung macht junge Leute träge, hält sie von der Arbeit ab. Anziehende Gesellschaft ist ihr Unglück.

Angenehme Sache kommt nie zu früh.
dk] Det man adlyster kommer ikke for snart.

Angenehme Stunden fliegen schnell.
England

Angenehme Stunden gehen schnell vorüber.
en] Pleasant hours fly fast.

Angenehme Worte sind nicht wahr, wahre Worte nicht angenehm.
Laotse

Angenehmes (o. süßes) Gespräch macht angenehme Tage und Nächte.
England
la] Comes facundus in via pro vehiculo est.

Angenomen weiß geht bald unter eis.

Angenomen weiß zerschmiltzt wie ein eiss.
i] Unter 'angenommener Weise' versteht man in Bayern eine fehlerhafte Art, den Körper zu tragen. Die Gebräuche und Sitten der Vorzeit hören nach und nach auf und werden mit andern vertauscht.
bm] Dejz bůh s moudrým i najíti i ztratiti.
bm] Radĕj s moudrým plakati, nezli s bláznem zpívati.
la] Ficta cito recidunt in naturam suam. Nemo potest diu personam ferre fictam.

Angenommene Weis zergeht wie Eis.

Angenommene Weis' zerschmilzt wie Eis.

Angepumpt, wir haben keinen Keller.

Angerührt - heimgeführt.
i] In Bezug auf 'Buhlschaft' zu Gunsten der Dirnen.

Angeschlagenes Geschirr hält zwei Menschenalter.

Angesehen wie ein Spieß in den Augen.

Angesicht die Tat ausspricht.
la] Efficiunt tetrum teterrima crimina vultum.

Angesicht falsch bericht't.

Angesicht, falscher Wicht.

Angesicht
Die Tat ausspricht.
la] Efficiunt tetrum teterrima crimina vultum.

Angestochen kommen.

Angetrieben in der Jugend macht hurtig im Alter.

Angewohnheit wird zur zweiten Natur.
nl] Aanwenst wordt eene tweede natuur.

Angle, willst du Fische fangen.
i] Treibe dein Geschäft mit Eifer.

Anglern und Jägern ist der Mund nicht zu stopfen.
Russland

Angreifen kann jeder, aber der Mutige erwartet's.

Angriff ist die beste Verteidigung.
England

Angriff ist mächtiger als Verteidigung
i] Wille zur Macht höher als Kampf ums bloße Dasein.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Angriffskrieg
la] bellum offensivum

Angst (und Not) macht auch den Alten laufen.
mhd] Anxt unde vruchte maken den olden man lopen.
la] Grandaevus tremula fugit anxietate metuque.
la] Si timor in mente, currit vetus ipse repente.

Angst beschwört Gefahr herauf.

Angst bindet das Herz.
Tschechien

Ängst di nich ver e Pogg (Kröte), öss ok e Vagel ohne Zagel.

Angst einzugestehen - dazu gehört Mut.

Angst habe ich nicht, aber laufen kann ich schnell.
ndt] Bange bin ick nich, abers lopen kann ick fix.

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: wovor?

Angst Hasmi ist der falsche Freund.
Albanien

Angst hat große Augen.
Russland

Angst hat immer große Augen.

Angst hat Zukunft.

Angst hilft der Tugend auf die Beine.

Angst hilft nicht gegen den Tod.

tü] Korkunun ecele faydası yoktur.

Angst hört das Gras wachsen und die Steine schreien.
[ASpW]

Angst ist der Preis, den wir für unsere Beweglichkeit zahlen. Pflanzen und Steine kennen keine Angst.

Angst ist der Vater des Mutes und die Mutter der Sicherheit.
England

Angst ist die Voraussetzung fürs Überleben.

Angst ist ein schlechter Ratgeber
en] Fear is a bad counselor.
en] Don't act out of fear.

Angst ist nichts, die wahre Sache ist Mut.
Simbabwe

Angst ist unser schlechtester Berater.
Chile

Angst klopfte an. Vertrauen öffnete. Keiner war draußen.
China

Angst lehrt recht beten.

Angst macht auch den Alten laufen.

Angst macht Mut.
it] La paura fa coraggio.

Angst treibt den Menschen sogar ins Dornendickicht.
Russland

Angst und Not macht ein alt Weib traben.
nl] Die angst heeft van de bladeren, die jage niet in het bosch.
la] Adversus necessitatem ne dii quidem resistunt.

Angst und Not
Währt bis in' Tod!
Spruch auf einer Münze von 1552

Angst und Schrecken bringen den Lahmen auf die Beine.

Angst verleiht Flügel.

Angst vor dem Gut ist größer als Angst vor dem Tod.
Estland

Angst zu leben, widerwillig zu sterben.
Brunei

Angst, Elend, Kreuz und Not ist der Christen täglich Brot.

Ängste erlebt, wer Sünde auf Sünde häuft.
Ben Sira

Angsthase
en] scaredy-cat

Ängstige dich nicht über die Leiden von morgen; denn du weisst nicht, was das Heute erzeugt.
Hebräer

Angstopöner Brotdêw (Brotdieb). Memel
i] So sagen die auf den Schiffen (beim Stauen) tätigen Arbeitsleute zu den vom Lande, namentlich aus dem Dorfe Angstupönen herbeikommenden Mitbewerbern.

Angst't euch bei leibe nicht, der Magen kimmt.
Breslau
i] Wenn sich jemand ohne Ursache Sorge macht.

Anhalten nutzt und zwingt, was trutzt.
Brünn

Anhängischer als eine Schaflaus.
i] Von einem Menschen, dessen Zudringlichkeit man sich nicht erwehren kann.

Anheben und Ringen ist ob allen Dingen.

Anheben, fortfahren und hinausführen, gehören zusammen.

Anheren Mêster (Meister), anher Wetten.
Franz. Flandern
i] Andere Herren, andere Gesetze, Rechte.

Anhollen winnt (anhalten gewinnt).
Münsterisch

Anholn deit krign.

Anholn geit vör't krign.

Aniske löfft 't, Kämelke dröfft.
Alt-Pillau.
hdt] Ein Schnäpschen Anis lüftet, macht Luft, erleichtert das Atmen, Kümmel treibt Blähungen ab.

Anj Swöb an fream Hingstar.
Nordfriesland
hdt] Eigene Peitsche und fremde Pferde.
i] Swöpe, Swepe = Peitsche, holländisch zweep, schlesisch Schwuppe, eine dünne, schwanke Gerte. Dazu schwappen, schwappern, schwupen u.s.w.

Ankemilch usem Chübel vertreibt alle Übel.
Luzern
i] Die Milch, welche übrig bleibt, wenn die Butter aus der Nidel (dem Milchrahm) geschieden wird, Buttermilch, in Bündten Schlagmilch.

Ankemoers (= Ahnmutters) Höke (= Frauenmantel) hewt up Bestevars (= Großvaters) Kiste leagen. (Von sehr weitläufiger Verwandtschaft)

Ankemoer's Hoike heft up Grootvaers Kiste legen.
Osnabrück
i] Die Verwandtschaft ist sehr weitläufig, denn der Großmutter Kleider haben auf Großvaters Kiste gelegen.

Ankemoers Höke (Frauenmantel) hewt up Bestevars (Großvaters) Kiste leagen.
i] Von sehr weitläufiger Verwandtschaft.

Anken und knurren ist halbes Bören.
Göttingen
i] Anken = ächzen, stöhnen.

Anker werfen (an-, aus-, einwerfen).
fr] Jetter l'ancre.
la] Jactare anchoram.

Anklag ist eine halbe red, man muss die Theil verhören bed.

Anklage folgt immer der Katze.
Irak

Anklagen mit Recht ist besser denn argwöhnen mit Unrecht.

Ankommen ess erst dat Besste (oder auch: Ankommen es auch dat Abkommen).
Lippe
i] Eine Arbeit anfangen.

Ankommen wie der Fuchs unter den Hühnern.
fr] Il a été reçu comme un chien dans un jeu de quilles.

Ankommen wie die Eule unter den Krähen.

Ankommen wie die Katze unter den Mäusen.

Ankommen wie die Sau in der Judengasse (im Judenhause).
i] Also sehr übel.

Ankona, die Stadt des schönen Hafens.
i] Es hat den besten Hafen des Adriatischen Meeres.
it] Ancona del bel porto. (Giani, 1477.)

Anlehen muss lautlos heimgehen.
dk] Laan bör at gaae lydeslös (lakkelös) hiem.

Anlocker gibt es viele, aber Zaumanleger wenige.
Estland

Anmaßung ist eine Herrschaft ohne Krone.

Anmaßung und Dünkel blähen sich im kleinsten Winkel.

Anmut geht über Schönheit. Jiddisch
la] Gratior est pulchro veniens in corpore virtus.

Anmut geht über Schönheit.
la] Gratior est pulchro veniens in corpore virtus.

Anmut macht keine Suppe (fett).

Anmut muss angeboren sein.
en] Grace must be natural.

Ann (Annentag) hat sehr schmächtige Schamteile (= es kann bald anfangen, zu regnen).

Ann (Annentag, 26.7.) harnt (= es regnet).

Ann de Binätsch verlesen.
Durlach
i] Einen tüchtig heimschicken, ausfilzen. In Elsass Binätsch = Spinat.

Ann Koahle, du bleibst.
Schlesien
i] Diese Redensart ist neuern Ursprungs. Eine Gemeinde hatte aus den Probepredigern nicht den Kandidaten gewählt, der einigen einflussreichen Persönlichkeiten angenehm war. Die Wahl wurde bemängelt, und es wurde versucht, seitens des Patrons oder eines Kreisbeamten in einer Gemeindeversammlung der Stimmung der Gemeinde eine andere Richtung zu geben. Ein Mitglied der Gemeinde, Namens Kahl, sprach seine Meinung dagegen aus. Der anwesende Patron drohte, ihn hinausbringen zu lassen. Da riefen Stimmen: 'Ann Koahle, du bleibst!' (Und Kahl, du bleibst!) Das Wort wurde nochmals im Chor wiederholt und ward sofort nicht blos am Orte selbst, sondern auch in der Umgegend, wo man von dem Vorgange Kenntniss erhielt, sprichwörtlich angewandt, um jemand zum Dableiben zu nötigen.

Anna (26.7.) warm und trocken, macht den Bauer frohlocken.

Anna ist als Jungfrau gestorben, weil sie nicht gefragt wurde.

Anna warm und trocken, macht den Bauer frohlocken.
Bauernregel

Annaberg die liebste, Freiberg die größte, Chemnitz die höchste, Leipzig die beste.

Annahmen füllen den Getreidekorb nicht, 'wenn' füllt die Speisekammer nicht.
Namibia

Anne ähs, bi di Wärr' hoatt gebrahnt.
Henneberg
i] Anno eins, als die Werra gebrannt, d. i. vor sehr langer Zeit. Die Franzosen sagen, wenn sie ausdrücken wollen, dass etwas vor uralter Zeit gewesen sei: Zur Zeit, als man sich die Nase an die Ärmel wischte. Namentlich um eine gute alte Zeit auszudrücken.
fr] Du temps qu'on se mouchait sur la manche.

Anne bêse Schwegermutter îs's Toifels Underfutter.
hdt] Eine böse Schwiegermutter ist des Teufels Unterfutter.
i] Man hat sogar behauptet: Der Teufel dürfte sich ihrer oft als Überzug nicht schämen. Die Spanier sagen: Eine Schwiegermutter ist bitter und wäre sie auch von Zucker. In Hindostan heißt es, um das Glück einer jungen Frau zu preisen, die mit ihrem Manne allein ist: Es ist weder Mutter noch Schwiegerin da, sie ist glücklich. Man lässt dort aber auch die Schwiegertochter Hunger leiden, wenn die Schwiegermutter nicht daheim ist, indem man sagt: Die Schwiegermutter ist nach ihrem Dorf gegangen und die junge Frau fragt: was soll ich essen? Dagegen klagt diese über Ansprüche jener: Die Schwiegermutter hat nicht einmal Beinkleider und die junge Frau verlangt ein Zelt und Schirme. Bei den Russen hat die böse Schwiegermutter auch hinten Augen. Die Albanesen bezeichnen das Wohnen in der Nähe einer Schwiegermutter als unangenehm und gefährlich, indem sie sagen: Die Schwiegermutter nahe bei der Tür ist wie der Mantel beim Dornbusch.

Anne Froge (Frage) stieht frey: Jungfer, set er anne Hure?

Annem (einem) Langsamen ies ke woarmer Bissen beschert.

Anner Jâr (Jahre), anner Hâr.

Anner Lü(de) (Leute) Gôd is anner Lü(de) Sorge.
Ostfriesland

Anner Lüd' (Leute) sind ôk Lüd', se(de) Klâs Steffens, dô lewte (lebte) he noch.
Ostfriesland

Anner Lüde Kôl is ümmer fetter.
i] Was andere Leute haben, scheint immer besser als das, was man selbst besitzt.

Annere Heerens (Herren) settet annere Suulen.

Annerwegen ward ok Brot backt.
ndt] Annertwäigen wärt äuk Bräoud backen.
Arnsberg

Annika, schürze das Kleid, wenn du durch die Furth watest.
Russland

Anno achtundvierzig haben sie uns beschossen, achtundfunfzig beschissen.
i] Der erste Teil bezieht sich auf die Revolution und der andere (Prag) auf die Einführung der österreichischen Verfassung, wodurch faktisch alles im Preise stieg.

Anno dazumal.
i] Vor langer Zeit.

Anno Een (eins), as de Döwel junk weer.
Ostfriesland

Anno Eins, als der große Wind ging.
nl] In het jaar één, als de uilen preken.

Anno Eins, wie die Elbe brannte und mit Stroh gelöscht wurde.
Chemnitz

Anno ên ass de Düfel jung was.

Anno ent (= eins) als de grote Wind wär (= war).
Königsberg
i] Wenn man keine genaue Zeitangabe machen kann. Man meint damit den am 3. Nov. 1801 in Königsberg wütenden Orkan, der große Verwüstungen anrichtete und an den noch heute eine Denkmünze erinnert. Man sagt abgekürzt: Anno Wind.
i] Man bedient sich für dergleichen Zeitbezeichnung auch der Ausdrücke: Anno dazumal, Anno Kruck, Anno Schnee, Anno Schniefke. Von Anno Schneife her, von Anno Tobak.

Anno neng, dea di däck Schnî fäl.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Anno neun, als der dicke Schnee fiel.

Anno Tekli.
Siebenbürgen/Sachsen
i] Emmerich Graf von Tököly wurde im Jahre 1690 mit Hilfe der Türken zum Fürsten von Siebenbürgen ausgerufen, aber schon im folgenden Jahre wieder vertrieben. Um zu sagen, vor sehr langer Zeit.

Anno Toback, als der alte Fritz Gefreiter war.

Anno Tuback, und jetzt schreibt ma Zundel.
Schwaben

Anno Vierzig, als die Elbe brannte und die Hunde das Feuer mit Strohwischen löschten.

Anonym sind wir schon - jetzt werden wir Alkoholiker.

Anpacken und zu Ende führen.
la] Suscipere et finire.

Anpassung ist die Stärke der Schwachen.

Anpumpft, Herr Vetter (oder Herr Pfarrer).

Ans brennende Haus läuft auch der feindselige Nachbar, um zu löschen.
Rumänien

Ans Brett müssen.

Ans Kreuz geschlagen sein.
i] Scherzhaft von denen, die einen Orden erhalten haben.
la] Alligari ad gladium.

Ans Licht zeuch nicht, sollen sie bleiben hold: Mädchen, Leinwand und Gold.

Ans Meer gehen, um seine Hände zu waschen.
fr] Pour laver ses mains on ne vend pas sa terre.

Ans Nehmen ist so viel Freude gehängt, als wenn vom Mann das Weib empfängt; doch Wiedergeben tut beschweren, als sollten wir ein Kind gebären.

Ans Rad hängt sich Dreck, wie Rost ans Eisen.
dk] Der hænger altid skarn ved hiulet og rust ved jernet.

Ans Ruder kommen.
en] to take the helm
fr] prendre le gouvernail (o. la barre)
it] salire al potere

Ans Schienbein stoßen macht helle (o. wache) Augen.

Ans Sterben denkt man zu spät.
fr] On s'arise tard en mourant.

Ans Übel hat sich noch keiner gewöhnt.
Spanien

Ans Werk!
i] letztes Wort des Kaisers Septimius Severus
la] Laboremus.

Ans Ziel gelangen.
i] Bis zum Kalke kommen: das Ziel war mit Kalk bezeichnet.
la] Ad calcem pervenire.

Ansammlung hat die Riesenratte getötet.
Zentralafrikanischen Republik

Anschauen macht Gedanken.

Anschauen macht Liebe, Gelegenheit Diebe.

Anschläg haben oft ein gestalt der Riesen und sind doch nur ein Rauch.

Anschläg kluger Leut ohne Gott stehen vffen Sand und gehen für sich als hetten sie's von Krebsen gelernt.

Anschläg sind für augen gross, in Worten ein rauch und ganz krafftlos.

Anschläge gehen mit der Sonne auf und nieder.
nl] Alle anslagen gelukken niet even wel.

Anschläge in hohen Sachen lassen sich in keinen Sack packen.

Anschläge macht er, es könnt's kein Hund verrennen.
Rottenburg

Anschläge ohne Gott stehen auf Sand und gehen, als hätten sie es von den Krebsen gelernt.
dk] Mange anslag tillige gaaer krebsgang.
fr] Plusieurs projets à la fois avancent à reculons.

Anschläge sind (oft) in den Augen groß, im Werk aber ein Rauch und kraftlos.

Anschläge und Blaubeeren geraten nicht alle Jahre.

Anschläge verschmelzen oft wie Schnee.
la] Ut sunt rerum eventus, sic sunt hominum mentes.

Anschläge, die listig und frech, sind im Anfange lieblich, in die Länge beschwerlich, im Ausgange verderblich.
dk] Listige (o. dristige) anslag ere i begyndelsen yndelige, i længen besværlige, i enden fordærvelige.
it] Disegni non riuscone sempre.

Anschläge, so nicht fortgesetzt werden, sind so nütz wie ein Wagen ohne Räder.

Anschlege bestehn, wann man sy mit rath füret, und Krieg solle man mit vernunfft füren.

Anschuldigungen gegenüber muss man schwerhörig sein.
la] Difficilem oportet aurem habere ad crimina.

Anschuldigungen muss man überhören.
la] Difficilem oportet aurem habere ad crimina.

Ansehen deit gedenken, schrivt de Becker in Hadersleven.
i] Dies holsteinische Sprichwort rührt daher, dass ein Bäcker in Hadersleben, dessen Haus sehr vor dem Anlauf der Reisenden lag, über verschiedene an die Vorderseite seines Hauses gemalte Brotwaren das: Ansehen thut gedenken, als Inschrift und Lockspeise hatte malen lassen.
flämisch] Anzien doet gedenken.
nl] Aanzien doet gedenken, sprak de man, en hij zette een' geschilderden oven op het venster.
nl] Aanzien doet gedenken, zei de vos tegen de hoenderen, toen noodde hij haar op een ont bijt.

Ansehen der Person macht schele Augen.

Ansehen ist leichter als machen (o. ausführen, tun).
i] Um auszudrücken, dass etwas beim ersten Anblick nicht schwer erscheint, bis man dazukommt.
fr] Il semble qu'il n'y ait qu'à se baisser et prendre.)

Ansehen kostet kein Geld.

Ansehen kostet nichts.

Ansehen macht (o. deit, tut) gedenken.

Ansehen macht (o. tut) freien.
it] Dov' è l'amore, la è l'occhio.
la] Ex aspectu nascitur amor.

Ansehen tut alles, und Gold macht das Ansehen.

Ansehen tut mehr denn Macht

Ansehen tut nicht unrecht.

Ansehnlicher Schaden.
la] speciosum damnum

Ansichten sind wie Nägel, je häufiger man darauf klopft, desto tiefer dringen sie ein.
China

Anspannen kostet viel.
Estland
i] Ein selbständiges Leben beginnen kostet viel Geld.

Anspruch einer Sache
i] Herausgaberecht
la] rei vindicatio

Anstand ist die Hauptsache.
la] Caput artis est, decere, quod facias.

Anstand tut's, sage Säuberlich, da putzt er an der Tafel seine Nägel aus.

Anstand und Lüge sind Geschwisterkinder.

Anstand ziert und kostet nichts.

Anständige Leute richten die Hochzeit nicht in des Sommers Mitte aus.
Russland

Anständige und prächtige Kleidung verleiht den Menschen Ansehen.
var] Kleider machen Leute.
la] Cultus concessus atque magnificus addit hominibus auctoritatem.

Anstatt aufzustehen und schlecht zu tanzen, bleibe auf der Stelle.
Afrika

Anstatt des Federspitzens den Degen schleiffen.

Anstatt des Zaums braucht man oft Sporen.

Anstatt dich in den Augen des anderen zu verlieren, versuch, dich dort zu finden.
Gabun

Anstatt dich selbst zu loben, solltest von Gott gelobt werden.
Ruanda

Anstatt die Teufel zu fürchten, fürchte die Menschen!

Anstatt in der Ferne nach Nahrung zu suchen, baue sie dort an.
Uganda

Anstatt zu hören was er sagt, ist Marashlis's Eselsfurz besser.
Zypern

Anstatt zu klagen, dass die Rosen Dornen haben, Freude soll(te)st du haben, dass der Dornstrauch Rosen trägt!

Anstatt zu sagen, dass deine Mutter größer als dein Vater ist, stell eine neben der anderen.
Guinea

Anstatt zum Huhn ksch-ksch zu sagen, zerbrich ihm gleich die Füße.

Anstatt zwei Hasen nachzulaufen, fange ich lieber einen.
Kasachstan

Anstelle des Titels.
la] pro titulo

Anstelle einer Zahlung (bzw. Leistung) (annehmen oder geben).
la] in solutum (accipere aut dare)

Anstelle eines Elternteils.
la] in loco parentis

Anstelle von Fleisch iss Bohnenkäse - du wirst satt und sparst dein Geld.
China
i] Bohnenkäse entsteht aus Sojamilch, einer aus gequollenen, zerkleinerten Sojabohnen gewonnenen Flüssigkeit, gehört zu den typischen Zutaten der chinesischen Küche.

Anteilnahme ist die allseitige Bestätigung der Einsamkeit.

Anteilnahme ist die gesellschaftliche Form der Zudringlichkeit.

Antichristus kann Christentum nicht predigen.

Antilope und Hyäne schließen keine Freundschaft.

Antilopen werden nicht wegen ihrer Schönheit, sondern ihres Fleisches gesucht.
Gabun

Antje, bede, 't Speck wart uns stâlen (= gestohlen)

Anto (nahebei) is noch nicht half.
Oldenburg

Anton, das verstehst du nicht.

Anton, steck'n Degen ein!
i] Beruhigungsformel.
i] Der Titel einer Posse von Kalisch, die 1859 in Berlin auf Aschers Narrenfest aufgeführt wurde und als Anspielung auf die Kriegsgelüste des französischen Kaisers Napoleon III. betrachtet wurde. Wurde als Sprichwort gebraucht, um im Ernst oder auch scherzhaft die Angriffs- und Streitlust zu dämpfen.

Antoni, vergiss den Lein nie.
i] Der dem Anton von Padua gewidmete 13. Juni wird als ein zum Leinsäen günstiger Tag bezeichnet.

Antwort, die nicht zur Frage passt, ist eine Last.
la] Responsio debet fieri secundum interrogationem.

Antworte auf ein Unrecht nicht mit einem anderen Unrecht.
Afrika

Antworte dem Dummkopf seiner Dummheit entsprechend.
Wales

Antworte dem Narren nach seiner Narrheit, auf dass er sich klug dünke.
Acerra philologica

Antworte dem Wissenden, diene dem Unwissenden.
Ägypten

Antworte dem, der dich ruft.
Tansania

Antworte einem Unrecht nicht mit einem anderen.
Kenia

Antworte nicht auf einen bellenden Hund.
Israel

Antworte nicht, man frage dich denn.

Antworten finden heißt: vom Fragen ermüdet sein.

Antworten wie ein Normann.
i] Normännisch, d. i. unbestimmt, zweideutig.
fr] Répondre en Normand.

Antwortet man nicht, so ist man überwunden.
[RSpW]
i] Wer sein Recht nicht verteidigt, oder bei gerichtlichen Verhandlungen gar nicht, oder nicht rechtzeitig erscheint, geht seines Rechts verlustig.
ndt] Antwortet he nicht, so is he verwunnen.
Schlesien

Anvertrautes Gut hat ein kurzes Leben.
tü] Emanetin ömrü kısadır.

Anwalt des Teufels
i] einer, der die Einwände - gegen eine Seligsprechung - vorträgt
la] advocatus diaboli

Anwalt Gottes
i] einer, der die Gründe für eine Seligsprechung vorträgt
la] advocatus Die

Anwälte und Ärzte erteilen nur Rat, wenn sie gefragt werden.

Anweisung (o. Assignation) ist keine Zahlung.
[RSpW] (In dem Falle aber, wenn A eine Forderung an B hat, dieser aber A an C weist, welcher dem B schuldig ist, um sich die Summe auszahlen zu lassen, C aber entweder an A nicht zahlen will oder überhaupt nicht zahlen kann, ist die Anweisung keine Zahlung. A hat die Schuld des C von B nicht übernommen und hält sich mit seiner Forderung nur an B)
ndt] Anweisung is noch geen Betahlung.
Ostfriesland
nl] Assignatie is geene betaling. - Onderwijzing is geene betaling.

Anweisung (o. Delegation) ist gute Bezahlung.
[RSpW]
i] Dieses Sprichwort gilt, wenn A für seine Forderung an B, dessen Forderung an C an Zahlungsstatt förmlich übernimmt und sich somit aller Ansprüche an B begibt.

Anweisungen der Eltern missachten ist den Tod herausfordern.
Afrika

Anweisungen für ein glückliches Leben
la] vitae praecepta beatae

Anwerbung macht keine Verbindung.
[RSpW]
i] Dem Ehestande gehen Anwerbung, Jawort, Verlobung und Trauung voraus. Dies Sprichwort bezieht sich aufs erste und will anzeigen, dass, solange auf die Anwerbung das Jawort nicht erfolgt, der Anwerber seine volle Freiheit habe, seinen Antrag zurückzunehmen und eine andere Verbindung einzugehen.

Anwesend und doch abwesend
la] praesens absens

Anziehen ist für einen gut, essen ist für alle gut.
Pakistan

Anziehen wie Magnet.
i] Von Sachen und Personen, die einen starken Einfluss auf unser Begehrungsvermögen ausüben.
nl] Hij trekt het al gelijke de zeilsijzer trekt een.
la] Omnes attrahens ut magnes lapie.

Ap, wat hest du wackre Kinner.
Oldenburg
i] Spott auf die Affenliebe vieler Eltern, welche ihre Kinder für die schönsten und wohlbegabtesten halten.

Ape, knicke dick, Esel bücke dick, segt de Bûere un slut 'n Slagbôm.
Lüneburg

Ape, wat hest du moje (= schöne) Jungen.
Ostfriesland
nl] Aap, wat hebt gij mooije jongen. - Schipper, welk een mooi wijf hebje.

Apenteker köche bäter, und losse sich är Köchen doch déier bezuolen.

Apfel der Zwietracht.
la] Malum discordiae.
Justinus

Apfel fällt nicht weit vom Stamme.

Apfel hin, Apfel her, ich gehe gewiss nicht dran.

Äpfel um Birnen.
i] Wechsel, der wenig ändert.

Äpfel und Frauen sind auswendig schön, inwendig wurmstichig zu schauen.

Äpfel vom Herrengaul sind auch keine Süßlinge.

Äpfel zu Ostern und Mädchen über dreißig schmecken nicht mehr.

Äpfel, Birnen und Nuss machen der Stimme Verdruss.
dk] Aebler, paerer og nöder skade rösten.

Äpfel, Nüss' und Mandelkern fressen die Auerkinder gern.
München
i] Die Au ist eine dortige Vorstadt.

Äpfel, Nüsse und Mädchen haben oft ein Würmchen im Kern.
Schweden

Äpfelschnitz und Bireschnitz, sie wachse 'n a de Bäume,
's geht Mânge zue 'me Meitschi g'hilt, 's wär' besser, er blieb daheime.

Äpfelschnitz und Birneschnitz und gäli Ruesli drunger,
wenn ein Muetter e Jumpfern 'n isch, so nimmt's mi's Düvels Wunger.

Apfelschnitzen hat jedermann im Halse sitzen.

Apfelsinen sind gut, aber Kartoffeln sind besser.
z] Man lebt besser von lauter Kartoffeln als von lauter Apfelsinen, aber der erste Anbiss von einer süßen Orange ist freilich romantischer, als der in eine gekochte, oder gar in eine rohe Knollenfrucht. Zur Charakteristik der Frauen von Bogumil Goltz

Apfelwolken und geschminkte Frauen sind nicht von langer Dauer.
fr] Temps pommelé et femme fardée ne sont pas de longue durée.

Apke, spring' äwer.
Königsberg
i] Spottend zu dem, der auffallend gekleidet geht.

Deutsche Sprichwörter
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