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Der Philosoph lebt von Problemen, wie der Mensch vom Speisen.
Novalis, Fragmente oder Denkaufgaben

Der Philosoph steht auf dem Zenit des Denkens; von dort faßt er die Welt ins Auge, wie sie war und wie sie werden muss.
Saint-Simon, Sokrates an seine Schüler

Der Philosoph von Sanssouci.
i] Wie sich Friedrich der Große in der ersten Sammlung seiner Werke selbst nannte und später allgemein genannt wurde.

Der Philosoph weiß, dass nichts ganz wichtig und ganz ernsthaft ist, daher kann er sich über alles hinwegsetzen und über alles lachen. Aber ebensogut weiß er, dass nichts ganz unwichtig und lächerlich ist: Daher nimmt er wieder eigentlich alles ernst und setzt sich über nichts hinweg.
Sprüche der Weisen

Der Philosoph, der seine Leidenschaften abtöten möchte, gleicht einem Chemiker, der sein Feuer auslöschen will.
Chamfort, Maximes et pensées morales

Der Philosoph, der sich in die Mitte stellt, muss alles Höhere zu sich herab, alles Niedere zu sich herauf ziehen und nur in diesem Mittelzustand verdient er den Namen des Weisen. Indem er nun das Verhältnis zu seinesgleichen und also zur ganzen Menschheit, das Verhältnis zu allen übrigen irdischen Umgebungen, notwendigen und zufälligen, durchschaut, lebt er im kosmischen Sinne allein in der Wahrheit.
Goethe, Wanderjahre II,1

Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es müßt so sein:
Das Erst wär so, das Zweite so
Und drum das Dritt und Vierte so,
Und wenn das Erst und Zweit nicht wär,
Das Dritt und Viert wär nimmermehr.
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1928f.

Der Phlegmatiker lässt die Dinge auf sich zukommen und ist glücklich, wenn sie an ihm vorbeigehen.
Fliegende Blätter

Der Piaster des Geizhalses ist ein Stein.
Libanon
i] Er wird nicht in Bewegung gebracht

Der Pîkenier macht mir gar viel Plaisir.
Holstein
i] Erwiderung des hoffnungsvollen Spielers auf die obige Redensart seines Mitspielers.

Der Pilger findet den Pilger in Mekka.
tü] Hacı hacıyı Mekke'de bulur.

Der Pilgermantel macht den Derwisch nicht.
i] Der Pilgermantel ist die Bekleidung, welche die Mekkapilger am vorletzten Tage der Wallfahrt zum Einzuge in die heilige Stadt anlegen müßen. Sie besteht aus zwei Stücken weissbraunen wollenen Zeuges, lässt den rechten Arm entblösst, den kahlen Kopf unbedeckt, setzt bei Tage dem Sonnenstich, bei Nacht der Verkältung aus. Sie soll große Gottergebenheit u.s.w. bekunden. Mekkapilger und Derwische stehen jedoch in keinem bessern Rufe als unsere Wallfahrer und Mönche.

Der pilgert in den Himmel, wie eine Sau ins Mausloch, sagte der Narr, als er den Propst auf der Pilgerfahrt sah.

Der Pilot sitzt am Steuer still und lenkt das Schiff doch wie er will.

Der Pilwiss hat ihn geschossen.
i] Alter Name für Hexe, Kobold, Zauberer. Das Wort kommt unter vielen Gestalten vor: pilwîs, pilwiht, pilbiz u.a.m. Davon Bilwisszotte = verworrenes Haar, Weichselzopf, Wichtelzapfen.
z] Pilwizen, Zoten, und Fasen.
z] Ihr Haar verpilwizet, zapfet und streblet.
z] Sie werden gescholten für Pilwizen und Huren (Hofhuren).' Aeltere: 'Da kom ich an Pilwizberg gangen, da schoss mich der Pilwiz, da schoss mich die Pilwizin, da schoss mich alls ihr Ingesind.
z] Sin Bart het manchen Pilwizzoten.
z] Du wulfin, preckin, unhuld, pilbitz.
z] Die da sagen, das sie mit der Perchten und bilbissen oder truten farn auf den Pruckelperg.

Der Pilz auf der Spitze des Berges meint, er mache den Berg.
Russland

Der Pilz ist des Auerochsen Fleisch.
Estland

Der Pilz ist einbeiniges Hammelfleisch.
Estland

Der Pilz, der auf dem Ural wächst, nennt sich den Großvater der Berge.
Russland

Der Pilz, der auf den Bergen wächst, erzählt gern von der Palme.
Russland

Der Pimmel und die Möse sind sich niemals böse.

Der Pinsel ist selbst dem Schwert an Stärke überlegen.
i] Der Pinsel ersetzt in und unsere Feder, ist also nicht bloß ein Malwerkzeug.

Der Pitt fragt den Dreck, frisst Hühner und Gänse weg.

Der Platonismus ist nur vernünftig, wenn er schön ist, und er ist nur schön in den Geistern, die Platon gleichen. Nur diesen steht er wohl an. Der Platonismus ohne Platon ist unerträglich.
Joubert, Gedanken und Maximen

Der Platz der Frau in der Gesellschaft ist immer der, den der Mann ihr zuweist.
Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht

Der Platz ehrt nicht den Menschen, sondern der Mensch den Platz.

Der Platz macht einen nicht gelehrt.
la] Nulla ars loco discitur.

Der Platz schändet die Person nicht, sagte der Bürgermeister, als er auf einem Misthaufen lag.

Der plausible Irrtum findet weniger Widerstand in der Welt als die Wahrheit.
G. Chr. Lichtenberg

Der Plunder vom Elsass.
z] Heisst ein großes über Land und Meer kommendes Erbe.
i] Wie man in ähnlicher Weise sagt: ein holländisches Erbe machen.

Der Po würde Po nicht sein, flösse nicht die Adda und der Tessin hinein.
it] Il Po non sarebbe Po, se l' Adda ed il Ticin non ci mettesser co' (= capo).

Der Pöbel blinzelt: wir sind alle gleich.
Nietzsche

Der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu sein, und wenn Sonne und Mond sich wandeln und Himmel und Erde veralten wie ein Kleid.
Schiller, Vorrede zu den Räubern

Der Pöbel ist der größte Hauf' auf Erden.
Gellert, Fabeln II, Der Freigeist

Der Pöbel ist der Teufel.

Der Pöbel ist ein Tier mit viel Füßen ohne Haupt.
dä] Almuen er et dyr med mange hoveder.
it] Non è bestia piû pazza che quella del popolo.

Der Pöbel ist so beständig als das Aprillenwetter.

Der Pöbel ist wie Sand, darauf nichts zu bauen, er wird vom Winde zerstreut.
la] Nihil est incertius vulgo.
la] Vulgus imperitum et mutabile.

Der Pöbel ist wie Wasser, leichte Dinge trägt's, schwere sinken unter.

Der Pöbel kann's nicht ertragen, so er vom Regiment ausgeschlossen ist.

Der Pöbel macht die Herren weise.

Der Pöbel misset die freundschafft am nutz wie tuch an einer ellen.
la] Vulgus amicitias utilitate probat.

Der Pöbel sucht Neuerung.
i] Stets den Umsturz des Bestehenden, weil er nichts zu verlieren hat, wohl aber bei jeder Unordnung gewinnen kann.

Der Pöbel verzeiht niemandem einen Makel.
sp] No perdona el vulgo tacha de ninguno.

Der Pöbel will stets die Hand mit im teig haben, wenn man im Regiment Brodt backen will, dass es ihnen schmäcklich sey.

Der Podex wächsten wull nich vu Tiljauche (Pfützenwasser), doss a su fett is.
Schlesien

Der Poesie fällt anheim, was im Leben untergeht.
Immermann

Der Poet aber vergeudet die ihm verliehene Gabe im Genuss, um Genuss hervorzubringen, Ehre durch das Hervorgebrachte zu erlangen, allenfalls ein bequemes Leben.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Mahomet

Der Poet im Dorfe sein, ist nicht gut.
i] Man ist zu vielerlei Anfechtungen und Zumutungen ausgesetzt.

Der Poet soll das Besondere ergreifen, und er wird, wenn dieses nur etwas Gesundes ist, darin ein Allgemeines darstellen.
Goethe, Eckermann, 11.6.1825

Der Poet versteht die Natur besser als der wissenschaftliche Kopf.
Novalis, Fragmente

Der Poet wird geboren, nicht gemacht.
la] Poeta nascitur, non fit.

Der poetischen Rhythmik stellt der Tonkünstler Takteinteilung und Taktbewegung entgegen. Hier zeigt sich aber bald die Herrschaft der Musik über die Poesie...
Goethe, Wanderjahre II,8

Der Pöfel will mit gewalt regiert sein.

Der Pol' an einem Tag oft mehr vertrinkt, als was ein Deutscher im Leben erringt.
i] Bezieht sich auf die maßlose Schwelgerei und Verschwendung des polnischen Adels.

Der Pol und Böhm haben einander lieb; kommt darzu ein Ungar, so sinds drei rechte Dieb.

Der Pole ist ein Dieb, der Preuß ein Verräter seines Herrn, der Böhme ein Ketzer, der Schwab ein Schwätzer.
la] Quum in Sarmatia essem, audivi esse proverbium inter Germanos qui ibidem morabantur: Polonus fur est, Prutenus proditor domini, Boëmus haereticus et Suevus loquax.

Der Pole ist zum Unterdrücken da und der Bauer zum Aushalten.
Ukraine

Der Pole wird (nur) durch Schaden klug (wenn er es wird).
i] Nachdem der polnische König Mieczyslaw 1034 zu Krakau gestorben, übernahm seine Gemahlin Rixa die vormundschaftliche Regierung für ihren minderjährigen Sohn Kasimir. Ihre Regierung trieb bald alle Klassen des Volks zum Aufstande. Sie floh mit ihrem Sohne. Jetzt wurde in einer Reihe von Jahren das Land auf eine furchtbare Weise verwüstet, bis 1040 auf Veranlassung des Erzbischofs von Gnesen der junge König zurückberufen und dadurch die Ruhe wiederhergestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit tat der Erzbischof den obigen Ausspruch, der in ein Sprichwort überging.

Der Pole wird betrogen vom Deutschen, der Deutsche vom Italiener, der Italiener vom Spanier, der Spanier vom Juden und der Jude vom Teufel.
Polen

Der Politik ist der Mensch ein Mittel; der Moral ist er Zweck.
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Der Politiker bleibt, solange er lebt, immer unfertig. Er ist in der Erreichung dessen, was er erstrebt, zu sehr auf die Mitwirkung anderer angewiesen. Die sind unberechenbar und schwankend. Er hat mit zufälligen Störungen, wie der Landwirt mit Witterungsumschlägen, zu rechnen.
Bismarck, Zu Hermann Hofmann, Chefredakteur der Hamburger Nachrichten

Der Politiker ist der einzige Mensch, der dich um Hilfe bittet und der dir nachher die Rechnung schickt.
Unbekannt

Der Politiker ist ein Akrobat. Er hält das Gleichgewicht dadurch, dass er das Gegenteil von dem, was er tut, sagt.
Barrès

Der Politiker ist ein Händler in Versprechungen.
Chevalier

Der Politiker ist ein Mann, der besonders oft der Alternative begegnet, entweder seine Ansichten oder seine Freunde zu wechseln.
Sprüche der Weisen

Der Politiker ist ein Mensch, der den Klang seiner eigenen Stimme mit der unfehlbaren Stimme des Volkes gleichsetzt.
Unbekannt

Der Politiker ist ein Mensch, der nie so schlecht ist wie ihn seine Feinde machen, und nie so gut, wie er durch das Weißwaschen seiner Freunde scheint.
Unbekannt

Der Politiker ist einer, der vor der Wahl alle Leute zum Narren hält.
Unbekannt

Der Politiker, der ehemals lernen musste, wie man Königen schmeichelt, muss jetzt lernen, wie man die Phantasie der Wähler bezaubert, unterhält, bestrickt, beschwindelt, erschreckt oder sonstwie verblüfft.
Shaw

Der politische Dramatiker: es befreit ihn, das Unglück der Armen anklagend nachzubilden. Das politisch engagierte Publikum: es wird befreit, anlässlich der ungefährlichen Aktivierung von Mitleid und Zorn.
Ludwig Marcuse

Der politische Gesetzgeber kann den Wahrheitsfreund ächten, aber die Wahrheit besteht; er kann den Künstler erniedrigen, aber die Kunst kann er nicht verfälschen.
Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen

Der politische Journalismus ist keine Lebensversicherung: Das Risiko erst gibt seinen besten Antrieb.
Ossietzky, Rechenschaft

Der politische Kollektivismus beruht auf einem psychologischen Fehler, denn er geht davon aus, dass sich die subjektiven Werte in der Masse in einem arithmetischen Verhältnis objektivieren.
Fliegende Blätter

Der politische Sozialismus ist vom religiösen sehr verschieden. Der eine will den Menschen ändern, der andere die Verhältnisse.
Coudenhove-Kalergi, Held und Heiliger

Der politische Witz ist ein respektloser Lausejunge.
Tucholsky, Politische Satire

Der Polizist hat an seinen Schuhen Schnüre, aber sein Monatslohn besteht aus Kuhbohnen.

Der Polnisch gotsdienst, ein Boemischer Mönch, ein Schwäbische Nonn, ein Österreichischer kriegsmann, der welschen andacht und der Teutschen fasten gelten nit ein bonen.
Von 1541

Der polnische Goethe.
i] Es ist damit der polnische Dichter Adam Mickiewicz gemeint

Der Pope ist ein Heiliger vor dem Dorfe, aber nicht vor den Mägden seines Hauses.
Rumänien

Der Pope und der Hahn singen auch ohne gegessen zu haben.
Russland

Der Pope wartet auf die Leiche des reichen Mannes, der Richter auf den Prozeß des Freigebigen.
Russland

Der Popelmann kommt.
i] Eine Redensart, mit der man die Kinder schon in früher Jugend furchtsam macht, damit sie in der Folge das für einen guten Kirchen- und Staatsbürger erforderliche Autoritätsbewusstsein besitzen.

Der Popularisierung, der Einteilung der Wissenschaften in höhere und niedere, verdanken wir jenes trübe Halbdunkel, jenes Dämmerlicht, das schlimmer ist als völlige Finsternis...
Block, Der Zusammenbruch des Humanismus

Der Postbote bringt nicht immer gute Kunde.
dä] Tit længes man efter posten og bedrøves dog ved dens bud.

Der Postschwede.
i] Die Schweden hatten im Dreissigjährigen Kriege in den von ihnen besetzten Teilen Deutschlands unter Verwendung von Dragonern eine Art von Feldpostdienst zur Herstellung der Verbindung zwischen den Standorten der einzelnen Truppenteile mit dem Hauptquartier sowie mit der Heimat eingerichtet. Diese schwedischen Dragoner, welche sich wahrscheinlich auch wohl mit der Mitnahme von Briefen an Privatpersonen befassten, erhielten im Munde des Volkes die Bezeichnung >Postschweden<, welche sich bisjetzt erhalten hat und scherzweise noch zur Anwendung kommt.

Der Pracher (Bettler) hat Hochzeit.
i] So sagt man, wenn jemand, der sonst nur mit einem kleinen Licht sich behilft, deren zwei anzündet.

Der prahlende Arzt hat niemals gute Arznei.
China

Der Prahler hat nichts, wenn der Barmer nichts hat.
i] Wer klagt, hat eher etwas, als wer prahlt.

Der Prahler ist des Lügners Bruder.
Jamaika

Der Prahler stirbt, ehe seine Tage gezählt sind.
Haussa, Afrika

Der Prahler und da Floh, die hupfn gleich hoch.

Der Prahler und der Floch (Floh), die hupfen gleich hoch.

Der Prahlhans steckt sich gern die Federn des Pfaus an.
it] Allo spaccone gli piace mettersi le penne del pavone.

Der Prasser gräbt sein Grab mit den Zähnen.
Tamil, Indien

Der Prattigmacher macht d' Prattig, der Herrget 's Wätter.
i] Prattig = Kalender, das praktische Buch, aus dem lateinischen Practica.

Der Präzedenzfall ist ein Urteil, das ein Prinzip konserviert.
Disraeli

Der Prediger gehört in die Kirche.
i] Also nicht in die Schenke und an den Spieltisch.

Der Prediger predigt nicht zweimal. Danzig

Der predigt am besten, der am besten lebt.
it] Per ben predicare bisogna prima fare.

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