< Sprichwörter >

Der Käufer folgt seinem Verkäufer um die Gewer.

Der Käufer hat nur ein Auge, der Verkäufer hat hundert nötig.

Der Käufer jagt den Mieter.
[RSpW]
info] Nach römischem Recht kann der neue Käufer den früheren Mieter vor Ablauf des Mietkontraktes exmittieren.

Der Käufer soll sich vorsehen. [RSpW]
la] Caveat emptor.

Der Käufer will den Verkäufer kriegen und der Verkäufer den Käufer betrügen.
Polen

Der Käufer wird leichter (o. öfter) übers Ohr gehauen als der Verkäufer.

Der Kaufleute Freundschaft entspringt aus Nutzbarkeit, der Studenten und Gelehrten aus Ehrliebigkeit, der Hof-Schranzen aus zutrinken.

Der Kaufmann hat in der ganzen Welt dieselbe Religion.
Heine, Briefe aus Berlin, 16. 3.1822

Der Kaufmann hat jedes Interesse nur im Plural.

Der Kaufmann lacht nicht, den ein Schiffbruch (o. Unglück) betrifft.
fr] Marchand qui perd ne peut rire.

Der Kaufmann lebt vom Gewinn, aber mit Betrug macht er Staat.

Der Kaufmann nennt jedermann: Gnädiger Herr.

Der Kaufmann rechnet seine Zeit nach der Messe und der Bauer nach den Birnen.

Der Kaufmann tut nichts umsonst.

Der kaufmännische Geist hat die große Aufgabe, die Menschen, die der Erhebung unfähig sind, eine Leidenschaft einzupflanzen, die ihnen weite Ziele und eine vernünftige Verwendung des Tages gibt, zugleich aber auch sie so aufbraucht, dass sie alles Individuelle nivelliert und vor dem Geiste wie vor einer Ausschweifung schützt. Er bildet eine neue Gattung Menschen, welche die Bedeutung haben wie die Sklaven im Altertum. Dass sie reich werden gibt ihnen so lange Einfluss, als die Geistesmächtigen ihren Vorteil nicht kennen und Politik machen wollen. Dieser Arbeiterstand zwingt auf die Dauer die höheren Naturen, sich auszuscheiden und eine Aristokratie zu bilden. Einstweilen gehören die Künstler und Gelehrten zu diesem Arbeiterstande, sie dienen ihm, weil sie viel Geld wollen.
Nietzsche, Unschuld des Werdens

Der Kaufpreis der nationalen Ehre und ihr Wechselkurs in Verstandesmünze wird nicht von der Journalistenbörse bestimmt.
Spitteler, Politische Tagesberichte

Der kauft gern Arbusen (Wassermelonen), wer selber Kantelupen zieht.
Russland

Der kauft gut, der zu rechter Zeit kauft.
it] Chi compra a suo tempo, compra a buon mercato.

Der kauft nie gut, der schlechte Ware kauft.

Der Kaulbarsch - ein kräftiger Bissen.
Estland

Der Kaulbarsch ist eine Arschegge.
Estland

Der Kehraus ist der letzte Tanz.
info] In dem Sinne wie Kehrab

Der Kehraus und Putzaus bringen kein Brot ins Haus.

Der Kehricht aus dem Hause gehört nicht auf die Gasse.
info] Die Vorgänge in der Familie, die Reibungen, Zwistigkeiten u.s.w. in derselben sollen im Hause bleiben und nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden.
bm] Smetí z domu na ulici nevynásej.

Der Keil geht, wohin ihn der Schlägel treibt.
en] There goes the wedge where the beetle drives it.

Der Keil ist des Holzspalters Gehilfe.

Der Keim zersprengt die Hülle.

Der kein Heiligtum ist, den setzt man hinter die Tür; wenn man ihn bedarf, so nimmt man ihn wieder herfür.
info] Ausdruck der Verachtung, wenn man jemand nur als Mittel zu einem gewissen Zwecke gebraucht, ihn sonst aber zurücksetzt.

Der kein Lob verdient, ist vor Ehrabschneidung sicher.

Der keine Wahrheit kann erleiden, red't oftmals selbst gar unbescheiden.
la] Is male dicit, qui non potest verum ab altero audire.

Der keinen Anfang hat zum Reichtum, der sammelt nicht bald Schätze.

Der keit (wirft) oim Brocke na, es fräss 's koi Hond.
Ulm

Der Kekelrêm'n (Zungenband) ist ihm gut gelöst.
info] Er hat eine geläufige Zunge.

Der Kellner sagte zum Koch: Bratest du mir eine Wurst, so lösch' ich dir den Durst.

Der kennt das Süße nicht, der nur Saueres hat gekostet.
fr] Il n'est pas digne du doux qui n'a goûté l'amer.
sd] Den känner ej det söta, som aldrig smakat det sura.

Der kennt das Wasser am besten, der es durchwatet hat.
Dänemark

Der kennt den Dreck beim Mondschein, braucht keine Laterne.
info] Spott auf Überkluge

Der kennt die ganze Welt, auch die bunte Kobbel.
ndt] De kennt de ganze Welt, ok de bunte Kobbel. Samland

Der kennt die ganze Welt, auch noch zwei Dörfer.
ndt] De kennt de ganze Welt, ok noch twei (o. sêwe, auch: de omliggende) Därper.

Der kennt Gott besser, der ihn nicht zu kennen bekennt.
Aurelius Augustinus, Über die Weltordnung

Der kennt kein Unglück, der keine junge Witwe geheiratet hat.
Russland

Der kennt nicht einmal das Abc.

Der kennt sich aus beim Wurstkessel.
Böhmen

Der Kenntnisreiche ist überall ein Wissender, der König aber Herrscher nur in seinem Reiche.
Malaysia

Der Kerker quält, aber bezahlt nicht.
info] Unter die Mittel, böse Schuldner zur Zahlung zu zwingen, gehörte die Schuldhaft. Der Sinn des Sprichworts geht nun dahin, dass ein wegen Schulden Gefangensitzender keineswegs glauben solle, dadurch seine Schuld zu tilgen, das Gefängnis soll ihn bloß zwingen, seine Zahlungsverbindlichkeiten zu erfüllen.
bm] Zalář zla hospoda.

Der Kerker quält, aber er zahlt nicht.
info] Gemeint ist der Schuldturm.

Der Kerl hat Beine wie eine Butterkarre.
ndt] De Kêrl hat Bâne oss 'ne Botterkarn. Lippe
info] Entweder sehr gesunde, kräftige oder wassersüchtige.

Der Kerl hat einen Bart wie armer Leute Korn.
ndt] Dar Karle hôt an Bôet wi ôem'r Lait's Kôen.
info] Das bekanntlich oft sehr dünne steht.

Der Kerl hat einen Kopf wie ein Ochse (o. Holzschlägel, Kohltopf).
ndt] De Kêrl hät 'n Kopp oss'n Osse (o. oss'n Holtschlage, Kaulpott). Lippe

Der Kerl hat Glück wie eine Faust so dick; was er anfasst wird Gold.
ndt] De Kêrl hett Glück as'n Fûst dick; wat he anfât't, wart Gold. Ostfriesland
info] Nicht bloß, um großes Glück überhaupt zu bezeichnen, sondern auch als Wortspiel, um zu sagen: Die Quelle seines Glücks ist seine kräftige und arbeitslustige Faust.

Der Kerl hat Glück, der fängt den Dreck im Mondschein.
ndt] De Kierl hät Glück, dä fingt 'n Dreck in 'n Moandschîn.

Der Kerl hat Glück, schmeisst einen Pfennig auf's Dach, fällt ihm ein Taler runter.
ndt] De Kierl hät Glück; schmitt 'r 'n Pennik up 't Dach, fällt em 'n Doaler raw.

Der Kerl hat nicht einmal Stroh, womit er seine Läuse verbrennt.
hdt] De Kêrl hett nich mal Stroh, wo he sine Lüse mit verbrennt. Oldenburg

Der Kerl ist auf alle Sättel gerecht wie ein Jesuit.

Der Kerl ist ein Lump, so weit ihn die Haut anrührt.
Nürtingen

Der Kerl ist ein rechter Büba.
ndt] De Kêrl is 'n rechten Bueba (o. Bullerbuller).
info] Grobian.

Der Kerl ist gar hoch studiert.
ndt] Dar Kalte îs goar hûch schtudîrt.

Der Kerl ist geschickt, er guckt in neun Töpfe zugleich und auch auf das Dach.
ndt] De Kierl is geschickt, hä kîkt in nün Pött toglîk un ôk up 't Dach.

Der Kerl ist im Arsch verrückt und im Kopf hat der kein Gedärm.
ndt] De Kierl is im Oars verrückt un im Kopp hätt 'r kên Därm.

Der Kerl ist mit Scheiße gefüllt (o. gestopft)
ndt] De Kierl is met Schîte gedôpt.
info] Ist sehr dumm.

Der Kerl ist so dumm wie ein Brett.
info] Er ist sehr dumm, brettdumm.

Der Kerl ist so dumm, dass einer ihm vorlügen kann, unser Herr gott heißt Wenzel.
ndt] De Kierl is so dumm, dat einen em vöärlö'n kann, uose Harrgott hitt Wenzel.

Der Kerl ist so groß, sagt Decker, dass, steckt man ihm eine Mohrrübe in Arsch, dann baumelt das Kraut auf der Erde.
ndt] De Kierl is so grot, söä' Decker, dat, stickt man em 'ne Mohrröwe in 'n Oars, denn bammelt 't Krut up de Är'.

Der Kerl ist von vorne ein Isel? und von hinter ein Ochse.
ndt] De Kêrl is van vorn 'n Iisel un van achter 'n Osse.

Der Kerl ist wie eine Häslaus (Kleiderlaus).
Rottenburg
info] Man wird ihn nicht wieder los.

Der Kerl kann ausstehen wie ein Gaul (o. Pferd).
z] Man sollte sagen, der Gaul kann ausstehen wie ein Matrose. Seiltänzer müssen sich vor einem Matrosen schämen, der im Sturm im Takelwerk arbeitet. Demokritos

Der Kerl kann den Pflug ziehen.
ndt] Hei is en Kerel, hei kann den Plauch trecken. Büren
info] Ist sehr stark.

Der Kerl kann so klug lügen, dass er es selber glaubt.
ndt] De Kierl kann so kloch lö'n, dat 'r 't sülwst glöwt.

Der Kerl kommt eben recht, wie das Mädel von Crembss.
info] Wenn man den Wolf nennt, so kommt er gerennt.

Der Kerl macht ein Gesicht, als wenn die Kuh scheißen will.
ndt] De Kierl möckt 'n Mûl, as wenn de Koh schîten wull.

Der Kerl meint wohl, wenn er erst Fleisch hat, kommt das Brot ganz von selbst.
ndt] De Kêrel mênt wohl, wenn he erst Flêsch hett, kummt dat Brot van sülvst. Oldenburg
info] Wird von dem gesagt, der ohne sichere Mittel zum Bestehen in die Ehe tritt.

Der Kerl sieht aus als wenn er zehn gefressen hätte und der elfte ist ihm im Rachen hängen geblieben.
ndt] De Kierl siht ût, as wenn 'r tähn fröäten har un de elwt' wier em im Rachen hang'n blöäwen.

Der Kerl sieht aus wie eine Aalquappe.
info] De Kêrl süt ut as en Aalquabb'.
info] Um jemandem, der eine dem Kopfe dieses Fisches ähnliche aufgedunsene Gesichtsbildung hat, den Anstrich der Lächerlichkeit zu geben.

Der Kerl sieht einem Schelm ähnlicher als einem Krammetvogel.
ndt] De Kîrl süht'n Schelm glîker as'n Krammsvagel.

Der Kerl throhnt wie ein Propst.

Der Kerl tut als wäre Dreck sein Vetter.

Der Kerl versteht nichts von Frauen. Den feinen Damen bietet er Geld an, und auf die Huren macht er Gedichte. Und damit hat er auch noch Erfolg.
Kurt Tucholsky, Schnipsel

Der Kern allein im schmalen Raum
Verbirgt den Stolz des Waldes, den Baum.
Schiller, Breite und Tiefe

Der Kern ist in der Schalen, das Mehl wird aus den Kleien gemahlen.

Der Kern ist unter der Schale.
info] Und doch beklagen sich viele, dass sie ihn nicht gleich oben darauf finden.
z] Begriffen habt ihr nicht den Spruch des Herrn: Glaubt ihr den Worten nicht glaubt doch den Werken. Das heißt verdolmetscht: Bis ihr schmeckt den Kern, mögt ihr euch an der Schale stärken. Fr. von Sallet, Leipzig 1842

Der Kern straft oft die Schale Lügen.

Der Kessel brennt.
Nimptsch
info] Gegen j-n, der irgendeinem wissenswerten Gegenstande selbst auf die rechte Spur kommt.

Der Kessel fürchtet sich nicht vor dem Feuer und scheut auch nicht den Rauch.
Russland

Der Kessel hat vor der Pfann nix voraus, weil's alle zwoa schwarz sind.

Der Kessel ist eine Hexe, der Topf ein Schratt.
Estland

Der Kessel ist gut auf dem Feuer, auch wenn er nur Wasser kocht, die Hausfrau ist gut im Haus, auch wenn sie untätig sitzt.
Finnland

Der Kessel ist nicht immer so schwarz (od. schmutzig), wie er geschimpft wird.
Estland

Der Kessel kocht eine dicke Brühe, der Topf rollt eine dünne.
Estland

Der Kessel lacht den Ofentopf aus, dass er schwarz sei.
Lausitz

Der Kessel scheut das Feuer nicht.

Der Kessel schilt den Ofentopf,
Schwarz sind sie alle beide.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien

Der Kessel schilt immer den Ofentopf.

Der Kessel schimpft den Tiegel.
Frankreich

Der Kessel schimpft den Topf einen verbrannten Arsch.
en] The kettle calls the pot burnt-arse.

Der Kessel schimpft die Bratpfanne und beide sind schwarz.
Polen

Der Kessel schimpfte den Kochlöffel. Du schwarzer Mohr, sagte er, du törichter Schwätzer.
info] Von denen, die anderen Fehler vorwerfen, die sie selbst im höchsten Grade an sich haben.

Der Kessel soll gesagt haben: Wenn ein faules Mädchen die Mühe scheut, in den Kessel Wasser hineinzugießen, nachdem der Brei oder die Suppe gekocht ist, dann soll es (wenigstens) hineinspucken, sonst wird er Blaues abgeben.
Estland

Der Kessel straft (schilt) den Ofentopf, sie rämen alle beide.

Der Kessel straft den Ofentopf und sind doch beide schwarz.

Der Kessel wirft dem Topf vor, dass er schwarz ist.

Der Kesselschilt immer den Ofentopf.

Der Kettenbrief oder das Kettengebet wird einem Jeden gegeben abzuschreiben.
z] Dieses Gebet erhielt ich mit der Bitte, es weiter zu verbreiten. Jeder, der es erhält, soll es neun Tage hintereinander einem anderen ohne Unterschrift zuschicken. Die Kette darf nicht unterbrochen werden. Es ist die Sage, dass, wer dieses versäumt, kein Glück mehr hat; wer es aber weiterschickt, soll am 9. Tage eine große Freude erleben und von allen Sorgen befreit sein. Genau abschreiben!

Der Kettenhund hat Mut im Mund.
info] Aber vielleicht nur im Maul; denn die Kette, der Zustand der Gebundenheit, der Sklaverei ertötet wohl den Mut, aber er erzeugt keinen.

Der Keuschen Schönheit ist eine Tugend, der Huren Schönheit eine Eigenschaft.
Russland

Der Kibitz schreit erst, wenn er weit vom Nest ist.
en] The lapwing cries most farthest from her nest.

Der Kibitz will alles haben (und vertreten) und kann sein eigenes Nest nicht beschützen (o. behaupten, verteidigen)
ndt] De Kiwitt will dat gansse Land (auch Moor) verbidden un kann sin egen Nest nig verbidden (o. verdegn).
info] Von machtlosen Prahlhänsen.

Der Kiebitz bringt einen Handschuhvoll, der Brachvogel bringt eine Fuhre Heu, der Kranich bringt einen Schober vom Flachland.
Estland

Der Kiebitz bringt einen Handschuhvoll, der Brachvogel eine Ladung Wärme.
Estland

Der Kiefel ist der Alten Stütze.
z] Das alter hat keynn anderen stütz, dann das tregle und trünckle; da künnen sie den ganzen tag nagen und kifen, das sie jhr alter trösten mit jhrem mumlen.
z] Es gibt Alte, die den ganzen Tag essen, oft das Unverdaulichste und es bekommt ihnen gut; so spinnen sie den Lebensfaden oft länger als erwartet wird, fort.
info] Kiefel auch Kiffel, Nebenform von Kiefer und im obigen Sprichwort Wortspiel zwischen Kiefel und keifen. Der Kiefel ist ursprünglich das kiefende, kauende Werkzeug.

Der Kies ist Meister im Ofen.

Der Kies macht oft ungewiss.

Der Kiesel nennt den Diamanten Vetter.

Der Kinder Anteil ist in der Fußbodenritze.
Estland

Der Kinder bestes Erbe sind Tugenden und ein Gewerbe.
Herzegowina

Der Kinder Brot bleibt in der Kehle stecken.
Estland

Der Kinder Brot ist sandig.
Estland

Der Kinder Ehre ist der Eltern Freude.
nl] Der kinderen eer is de kroon der ouderen.

Der Kinder eigener Will ist Mutwill.

Der Kinder hat, der hat auch Dreck; der feiste Säu hat, der hat auch Speck.

Der Kinder Krankheit liegt auf den Brettern.
Estland

Der Kinder nächster Vatermag ist ihr Vogt.
info] Vatermag = Vormund.

Der Kinder Regiment nimmt kein gut End.

Der Kinder Schande ist für die Eltern keine Ehre.
mhd] Wan man oft des kindes schand zelt dem vatter in die hand.

Der Kinder Tisch ist auf dem Fußboden.
Estland

Der Kinder Tisch ist hoch.
Estland

Der Kinder Unverstand hindert Gott nicht an seiner Allmacht.

Der Kinder Weinen lehrt (o. macht) die Frauen singen.

Der Kinder Weinen macht die Frauen singen.

Der Kinder Wille sitzt in dem Moors Knappsack.
Ostfriesland

Der Kinder Wille steckt in der Rute.

Der Kinder Wohlsein geht zugleich die Eltern an;
was Kindern Leid's geschieht, wird Eltern angetan.

Der Kindertod der beste.

Der Kindheit Anmut ist am größten bei ihrem Ende.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe über Ethik

Der Kindheit Aug' allein
Scheut den gemalten Teufel.
en] 'Tis the eye of childhood
That fears a painted devil.
Shakespeare (1564-1616), Macbeth II,2

Der Kindlein Rede trifft gemeiniglich ein.

Der Kinnbacken ist des Alten Stütze.

Der Kirche den Bann, der Obrigkeit das Schwert, den Eltern die Rut.

Der Kirche selbst ist von Natur aus ein Reformdrang eingeboren. An die grandiose Reformarbeit ihrer zahlreichen Ordensstifter sowie diejenige vieler Päpste braucht nur erinnert zu werden. Und eben dieser Reformdrang wirkt heute noch fort.
Bischof P. W. v. Keppler, Über wahre und falsche Reform

Der Kirchen Gebet tut mehr bei der Regierung denn das Schwert der Obrigkeit.

Der Kirchen Gebet tut mehr bei der Regierung, denn das Schwert der Obrigkeit.

Der Kirchenfeindschaft, der Freigeisterei, der Antireligiosität verdankt man's vor allem, dass heute endlich der Sinn religiösen Glaubens einzuleuchten beginnt, womit dann das, was vormals dunkler Glaubensinhalt war, zur lichten Erkenntnis wird.
Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, 8, Amerika, im Yellowstone Park

Der Kirchenrat gehört zum Kirchenstaat.

Der Kirchenschlüssel öffnet die Lade.
info] Von den Rechten, welche die Trauung den Verbundenen gewährt.

Der Kirchenweg ist vergrast.
Estland

Der Kirchgang kommt so süß ihm an, als wenn man kauet Enzian.

Der Kirchherr verdient den Acker und sein Holz zum Feuer.

Der Kirchhof blüht aus der Ärzte Kredit.

Der Kirchhof deckt die Sünden der Ärzte (zu).
z] Als man Dr. Ludwig Hornec zu Frankfurt sagte: Ein junger Arzt sei ein neuer Kirchhof, antwortete er: Wenn ihr einmal tot seid, wollet ihr lieber auf einem alten oder neuen Kirchhof liegen?
en] Young physician, gibbous cemetery.
fr] De jeune médecin cimetières bossus, de jeune héritier bientôt dépendu, de jeune mari ménage molotru, de jeune avocat le procès perdu.
fr] De nouveau médecin cimetière bossu.
fr] La terre couvre les fautes des médecins.
it] Médico giovane fa la gobba al cimitero.
sp] Médico joven engiba el cementerio.
sp] Lo que il médico yerra lo tapa la tierra.

Der Kirchhof deckt die Sünden der Ärzte zu.

Der Kirchtag bleibt nichts schuldig.
Estland

Der Kirchtag ist aus.
info] Die Buße ist zu Ende. Kirchtag = Kirmes.
z] Wenn der Undankbare hat, was er haben will, so ist der Kirchtag aus, seine Complimente singen das Completorium; sein Aufwarten citirt den Curtium; seine Anerbietungen florieren wie der Feigenbaum am Wege, den Christus excommuniciert. Abraham a Sancta Clara, Judas der Erzschelm

Der Kirchturm ist ein Finger, der gen Himmel zeigt.
nl] De kerk is de brug naar den hemel.

Der Kirschbaum sorgt nicht, wenn er auch im Winter einmal kalt steht.

Der Kitt jeder Landsmannschaft ist der Tod, denn er ist dauerhafter als das Leben und darum auch wichtiger.
Kisch, Die werbende und bindende Kraft des Todes

Der kitzel ist der vetlen noch nit vergangen.
la] Anus hircissat.

Der Kitzel ist der Vettel noch nicht vergangen.

Der Kitzel ist ihm vergangen.

Der Kitzel sticht ihn.
z] Thet jn dennoch der kützel stechen.

Der Kläger hat immer was - wenn nur der Prahler was hat!

Der Kläger hat sich an das für den Beklagten zuständige Gericht zu wenden. [RSpW]
la] Actor forum rei sequitur.

Der Klager hat wohl, wenn der Prahler nur was hätte.
ndt] De Kläöger het wohl wat, wenn mant de Präöler wat herre.
info] Die zu klagen pflegen, sind in der Regel in besseren Vermögensverhältnissen als die Prahler und Grosstuer.

Der Kläger hat's wohl, wenn nur der Prahler etwas hätte!

Der Kläger kann selber kein Zeuge sein.
[RSpW]
mhd] Selbe endarf der clegere nicht gezug sin.

Der Kläger muss dem Gerichtsort des Beklagten folgen. [RSpW]
la] Actor rei forum sequi debet.

Der Kläger muss der Gerichtstage warten.
[RSpW]
info] Wer auch bei der dritten ausbleibt, wird als Kläger abgewiesen, als Beklagter verurteilt.
z] Cleger mus der dinge tage warten.

Der Kläger muss es probieren, nicht der Verklagte.
la] Reo negante, actori incumbit probatio.

Der Kläger muss mit mehr Material aufwarten als der Angeklagte. [RSpW]
la] Actor venire debet instructior quam reus.

Der Kläger soll nicht gleich mit dem Sacke kommen.
[RSpW]
info] Ursprünglich wurde im altdeutschen Verfahren das Urteil sofort vollstreckt, später ward eine zehntägige Frist bewilligt, sodass schon zu dieser Zeit der siegende Kläger den Sack in den Entscheidungstermin nicht mitzubringen hatte; noch später konnten durch den Landesfürsten sogar vieljährige Zahlungsfristen nach dem Erkenntnis bewilligt werden, worauf das Sprichwort wohl anspielt.

Der Kläger sucht des Beklagten Herrschaft.
[RSpW]
info] Jede Klage musste bei dem Gericht, zu dem des Beklagten Wohnsitz gehört, angebracht werden. Der Beklagte brauchte bei keinem anderen Gericht zu erscheinen.
z] Der Kläger muss in das Gericht sprechen, in welchem der Antworter (Beklagte) wohnt; aber jedermann ist schuldig zu antworten, wo sein Topf wallt, seine Gabel fallt und sein Haus rucht. Rechtsbücher der Friesen (An seinem Wohnsitze; die vorübergehende Anwesenheit an einem Orte begründete den Gerichtsstand nicht.
z] Söcht der Kläger des Beklagten Herrschop.

Der klagt, ist nicht zufrieden.
la] Nemo est ex omni parte beatus.
la] Non est contentus, qui queritur.

Der Klapperstorch hat ein Kind gebracht
en] she has had a visit from the stork
fr] la cigogne a apporté un bébé dann un chou (Knabe) o. dans une rose (Mädchen)
it] a casa N è arrivata la cicogna

Der Klapperstorch holt die Kinder aus dem Queckbrunnen.
Dresden
info] Der Queckbrunnen befindet sich vor dem katholischen Waisenhause, dem Stadtteil bis zum Eingange zur Grünen Gasse, der seit Jahrhunderten schon am grünen Queckbrunnen heißt. Der Brunnen erhielt schon im 16. Jahrhundert von kirchlicher Seite das Zeugnis, dass der Genuss seines Wassers unfruchtbare Frauen zu gesegneten Kindermüttern stärke, was durch die Gnade der Jungfrau Maria bewirkt worden sein sollte. Auf dem Brunnenhäuschen stand als Wetterfahne ein fliegender Storch, der im Schnabel sowohl als in den Fängen ein Wickelkind trägt und auch noch auf jedem Flügel ein solches führt. Dieser Brunnen gehörte zu den Wahrzeichen Dresdens.

Der klare Himmel fürchtet sich weder vor Donner noch vor Blitz.
Estland

Der klare Überblick über die ökonomische Geschichte einer gegebenen Periode ist nie gleichzeitig, ist nur nachträglich, nach erfolgter Sammlung und Sichtung des Stoffes, zu gewinnen.
Engels, Einleitung zu Marx' 'Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 185O'

Der klassenbewußte Arbeiter darf nicht Scheuklappen an den Augen haben.
Fucik, Der Köhlerglaube

Der Klasseninstinkt unseres Feindes und sein Klassenurteil verdienen daher stets die ernsteste Aufmerksamkeit jedes klassenbewußten Proletariers.
Lenin, Zwei Taktiken der Sozialdemokratie

Der Klatsch der Leute dauert fünfundsiebzig Tage.

Der Klatsch zweier Frauen kann zwei Häuser zerstören.
Ägypten

Der Kleckser hält sich wohl für einen Maler.
Russland

Der Kleene is nich gewaxen, doß a am Grußen sull hingen nein krichen.

Der Kleiderschrank ist ein Möbelstück, in dem Frauen, die nichts anzuziehen haben, ihre Kleider aufbewahren.
Fliegende Blätter

Der Kleinaktionär ist das Kanonenfutter des Wertpapierhandels.
Fliegende Blätter

Der kleine Affe erbte seinen langen Schwanz vom Vater.

Der kleine Baum, der dich vor dem Büffel rettete - du drehst dich herum und fällst ihn, um einen Pfosten zu machen.
Kongogebiet

Der kleine Beherrscher des Menschen ist sein Gewissen.
Bantu

Der Kleine bindet mit dem Großen an.
la] Hinnulus leonem.

Der Kleine dreht den Großen auf den Rücken.
Estland

Der Kleine drückt den Großen nie durch den Hag durch.

Der kleine Finger sagts (o. hat mir's gesagt).
info] Wenn jemand auf eine geheime Art etwas erfahren hat oder zu wissen vorgibt.

Der kleine Fisch ist des größeren Mahlzeit.
Estland

Der kleine Fluss kommt eher zum Meer (o. schneller zum Ozean) als der große.

Der kleine Fluss kommt schneller zum Ozean als der große.
USA

Der kleine Geist, fand er in Gott die Ruh,
Schließt vor der Weit sich ängstlich bangend zu:
Der große strebt, gestählt an Kraft und Sinnen,
Die Welt für Gott erobernd zu gewinnen.
Geibel, Sprüche

Der kleine Gott der Welt bleibt stets vom gleichen Schlag
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Goethe (1749-1832), Faust, Prolog im Himmel (Mephisto) Vs 281f.

Der kleine Graben, der in die Jausa fliesst, redet am liebsten von der großen Wolga.
Russland
it] Mit der er unmittelbar gar nicht in Berührung kommt, weil er sich in einem kleinen Nebenflusse der Wolga verliert

Der kleine Horn hat großen Grimm.
fr] Février le plus court et le pire de tous.

Der kleine Horn spricht zum großen (Januar): Hätt' ich die Macht wie du, ich ließ erfrieren das Kalb in der Kuh.
info] Horn = Abkürzung von Hornung, des deutschen Namens für Februar, mhd. und ahd. hornunc, d.i. entweder Hornträger, Gehörnter in symbolischer Anwendung des Wortes Horn oder dem altnordischen hornûnger = unehelicher Sohn gemäß und in Ansehung, dass der Monat auch das kleine Horn genannt wird, 'unechter Monat' dem Januar gegenüber, welcher das große Horn heißt. Leibniz leitete den Namen von Kernunno, dem Gott der Celten, ab; es wurde ihm aber seinerzeit eingewandt, dass er von den Hörnern heikomme, welche die heidnischen Vorfahren Ende Januar und Anfang Februar bei ihren Trinkgelagen aufzusetzen pflegten.

Der kleine Horn spricht zum großen: Ich wollte, wär' mir deine Macht beschieden, recht vorne frieren, hinten aber sieden.
fr] Febvrier le court le pire de tous.
fr] Février entre tous les mois le plus court et le moins courtois.

Der kleine Horn und der Mai sind keine Nachbarn.

Der kleine Hornung ist der schlimmste.

Der kleine Hunde spürt den Hasen auf, und der große fängt ihn darauf.
es] Pequeño can levanta la liebre y el grande la prende.

Der Kleine lässt sich auch nicht in den Bart greifen.
la] Habet et musca splenem.
la] Inest et formicae bilis.
la] Ingenio pugnax, corpore parvus erat.

Der kleine Mann leidet, wo Mächtige sich streiten.
Phaedrus, Fabeln

Der kleine Mann muss immer den Rücken hinhalten, wenn die Großen reiten wollen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Ditte Menschenkind

Der kleine Mensch ist eine unbesiegbare Macht, wenn er sich vornimmt zu arbeiten.
Maxim Gorki (1868-1936), Italienische Märchen

Der Kleine muss mit dem Großen nicht anbinden.
z] Wil ein kleiner in lob reichen, sol er allzeit dem großen weichen.
la] Cedere maiori non est pudor inferiori.
fr] Bien se doit garder le meneur, que ne se preigne au greigneur.

Der kleine Regen verdirbt die breiten Wege.
fr] Ce sont les petites pluies qui gâtent les grands chemins.

Der kleine Regen verdirbt die breiten Wege.
fr] Ce sont les petites pluies qui gâtent les grands chemins.

Der kleine Sack erträgt den großen Sack.
Estland

Der kleine Spaziergang hat mir wohl getan, sagte der Mann, als er vom Begräbnis seiner Frau zurückkam.

Der kleine Spaziergang hat mir wohl getan, sagte die Frau, als sie vom Begräbnis ihres Mannes zurück kam

Der kleine Tierquäler erwächst zu einem harten, grausamen Mann.
Jean Paul, Levana

Der kleine Topf geht hin und her, aber der große bleibt zu Hause. Haussa, Afrika (Die Frau arbeitet, während der Mann faulenzt)

Der kleine Topf geht hin und her, aber der große bleibt zu Hause.
Haussa, Afrika
it] Die Frau arbeitet, während der Mann faulenzt

Der Kleine treibt den Großen in die Ecke.
Estland

Der kleine Unterschied:
Er denkt beim Lieben,
Sie liebt beim Denken.
Fliegende Blätter

Der kleine Ziegenbock hat einen Bart, aber der große Bulle hat keinen.
Jamaika

Der kleinen Kinder ihre Nägel müssen zum erstenmal (oder im ersten Lebensjahr) von der Mutter abgebissen werden, sonst lernen sie stehlen (o. sonst bekommt das Kind Nagelwurz, man schneidet ihm sonst das Glück ab, man verkürzt ihm die Lebensdauer) Aberglaube
info] wurzelt in der Anschauung, dass die Hexen über den Gewalt erhalten, von dessen Körper oder Eigentum sie etwas in ihre Hände bekommen
z] Die Mutter muss die Nägelabfälle dann verschlucken, damit das Kind leicht zahne.
z] Kleinen Kindern werden die Nägel nicht abgeschnitten, höchstens abgebissen, sie mögen sich damit auch noch so sehr zerkratzen, damit die Hexen nicht zukommen.
Aberglaube

Der Kleinere gibt dem Größeren den Weg frei.
Estland

Der Kleinliche hängt alles an die große Glocke.
Estland

Der Kleinstaat hat überhaupt nichts als die wirkliche tatsächliche Freiheit, wodurch er die gewaltigen Vorteile des Großstaates, selbst dessen Macht, ideal völlig aufwiegt.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Der Kleinstaat ist vorhanden, damit ein Fleck auf der Welt sei, wo die größtmögliche Quote der Staatsangehörigen Bürger im vollen Sinne sind.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Der kleinste Bube trägt immer die größte Geige.
England

Der kleinste Busch hat seinen Schatten.
info] Auch der Geringste kann uns nutzen oder schaden
fr] II n'y a si petit buisson qui ne porte son ombre.

Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zuliebe ablegt, verleiht ihm in unseren Augen mehr Wert als die größten Tugenden, die er sich ohne unser Zutun aneignet.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der kleinste Finger muss die Ohren räumen.
info] Von der Dienstbarkeit der Schwachen

Der kleinste Gockeler zwingt die größte Henne.
Schwaben

Der kleinste Hügel vermag uns die Aussicht auf einen Chimborasso zu verdecken.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der kleinste Junge trägt (kratzt) die größte Geige.
en] The least boy always carries the greatest fiddle.

Der Kleinste macht den größten Lärm.

Der Kleinste muss dem großen dienen, und der größte tut dem kleinen entrinnen.
en] The least boy always carries the biggest fiddle.
fr] Au plus débile la chandelle à la main.
ho] De kleinen moeten niet als de grooten willen doen.
ho] De kleinen verdragen, om de grooten te behagen.

Der kleinste Schaden und der nächste Weg sind am besten.
nl] Ter minste schade en ten naasten weg.

Der kleinste Stein, den man zur Bürde legt, ist schwer.
sd] Steen på börda är altid tung.

Der kleinste Wurm hat sein Löchlein.

Der kleinste Wurm, getreten, windet sich.
Shakespeare (1564-1616), König Heinrich VI., 3. Teil, II, 2 (Clifford)

Der Klemens (23.11.) uns den Winter bringt,
St. Petri Stuhl (22.02.) dem Frühling winkt,
den Sommer bringt uns Sankt Urban (25.5.),
der Herbst fängt nach dem Barthel (24.08.) an.

Der Klerikalismus, das Kirchentum, gleichviel in welcher Verkleidung, ist der Kultus des Aberglaubens und der Unwissenheit.
W. Liebknecht, Wissen ist Macht - Macht ist Wissen

Der Kletenaufseher und die Ratte kennen keinen Hunger.

Der Klöster Dekret und Landrecht ist: Volumus oportet.
z] Wir wollen, es muss sein: Stür, Gewerf, freundliche Hülf, Ungeld, Frontag, Herrenwerk, Schirmgeld, Schatzung, Kastvogtei u.s.w.

Der Klöster Gottseligkeit ist ein Wald ohne Bäume.

Der Klöster Hosianna ist: Gelobt sei, der da kommt mit Säcken voll Silber und Gold.

Der klug gewordene Greis geht unter die Erde, damit sein Nachfolger ebenfalls wie ein Kind beginne, die Werke seines Vorgängers vielleicht als ein Tor zerstöre und dem Nachfolger dieselbe nichtige Mühe überlasse, mit der auch er sein Leben verzehret. So ketten sich Tage, so ketten Geschlechter und Reiche sich aneinander.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Der kluge (geschickte, weise) Mann sucht ein (ist ohne) Amt, und der Esel trägt den Sammt (das Amtskleid).
nl] Verstandigen staan naar ampten en de dom-ooren krijgen ze.

Der Kluge baut ein Haus, der Dumme bohrt eine Tür.
Estland

Der Kluge behält sein Geheimnis für sich.
it] Giammai nissun discreto fà palese il suo secreto.

Der Kluge benutzt das Werch mehr als der Dumme den Hanf.
Russland

Der Kluge betrügt den Schlauen.
Estland

Der Kluge bläst die Pfeife entzwei.
Estland

Der Kluge braucht keinen Rat, der Dumme hört nicht drauf.
tü] Akıllı nasihat istemez, aptal nasihat dinlemez.

Der Kluge denkt immer an seine Freunde, der Dumme nur, wenn er sie braucht.
tü] Akıllı dostlarını her zaman hatırla, ahmak ihtiyacı olduğu zaman.

Der Kluge denkt still nach, der Dumme geht bei Sturm aufs Meer.
Estland

Der Kluge denkt vorher, der Dumme bereut hinterher.
Estland

Der Kluge denkt zuerst nach, was er sprechen muss; aber der Dumme platzt mit allem gleich aus seinem dummen Kopf heraus.
Estland

Der Kluge denkt, bevor er spricht, der Dumme spricht, bevor der denkt.
tü] Akıllı söyelemeden düşünür, akılsız düşünmeden söyler.

Der Kluge dreht den Mantel nach dem Winde.
fr] Il faut toujours voir de quel côté le vent vient.
it] Bisogna navigare secondo il vento.
la] Utcunque sit ventus exintelum vertitur.

Der Kluge düngt seine Felder nicht mit Salzwasser.

Der Kluge erleichert anderen die Ausrede.
Baschnonga

Der Kluge geht nicht mit dem Kopfe durch die Wand.
it] Al più potente ceda il più prudente.

Der Kluge geht rückwärts in den Himmel.
Estland

Der Kluge gibt dem Mächtigen nach.
it] Al più potente ceda il prudente.

Der Kluge gibt nach, der Dumme bleibt immer eigensinnig.
Estland

Der Kluge gibt nach, sagte der ochse, da zog er an.
ndt] De Klökere giwt nah, sä de Osse, do töög he an.

Der Kluge gibt nach,
der Vernünftige denkt nach;
der Weise spürt nach,
der Einfältige ahmt nach;
der Narr spricht nach,
der Tor jagt nach.

Der Kluge greift den Feind im Unglück an, Der Edle aber schämt sich solcher Tat.
Was ist der Trieb nur, der den edlen Mann
So gegen seinen Nutzen treiben kann?
Paul Ernst, Gedichte und Sprüche

Der Kluge hält die Augen offen.

Der Kluge hat auf dem Schnee genügend Dampf zum Quästen, der Dumme erfriert auch in der Sauna.
Estland

Der Kluge hat die Augen offen.
fr] En tout temps le sage veille.

Der Kluge hat überall sein Vaterland.
Estland

Der Kluge horcht nach der Vergangenheit, wandelt nach der Gegenwart und denkt an die Zukunft.
Italien

Der Kluge hütet sich vor dem Stolpern, aber wenn er stolpert, bricht er sich den Hals.
Georgien

Der Kluge kauft im Sommer seinen Pelz.

Der Kluge kauft sich Bier, nachdem er am Kwas erprobt hat, wie der Wein schmeckt.

Der Kluge kennt (o. weiß) viele Auswege, der Frosch frisst viele Fliegen.
Mongolei

Der Kluge kennt viele Auswege, der Frosch frißt viele Fliegen. Mongolei

Der Kluge lässt sich vom Klugen gern belehren.

Der Kluge lebt heute, der Narr will morgen leben.
la] Cras vives, hodie jam vive, Posthume serum est. Hoc sapit quisquis, Posthume vixit heri. Martial

Der Kluge lebt mit Verstand, der Dumme mit Glück.
Estland

Der Kluge lernt auch vom Dummen.
Estland

Der Kluge lernt aus anderer Leute Fehler.
it] Dagl' errori altrui il savio emenda i suoi.

Der Kluge lernt aus den Fehlern anderer, der Dumme aus seinen eigenen.
tü] Akıllı başkalarının hatalarından öğrenir, aptal kendisinin.

Der Kluge lernt, der Dummkopf erteilt gern Belehrungen.
Anton P. Tschechow, Notizbücher

Der Kluge liest den Brief rückwärts.
Osmanien

Der Kluge macht auch dem Dreck Augen in den Kopf.
Estland

Der kluge Mann baut vor. Schiller, Wilhelm Tell

Der kluge Mann baut vor.
Schiller, Wilhelm Tell, I, 2 (Gertrud)

Der kluge Mann baut vor.
Schiller, Wilhelm Tell

Der kluge Mann greift nicht nach dem Fernen,
Um Nahes zu finden,
Und seine Hand greift nicht nach den Sternen,
Um Licht anzuzünden.
Friedrich von Bodenstedt. Mirza Schaffy

Der kluge Mann schafft sich im Sommer den Schlitten, im Winter den Wagen an.

Der kluge Mann sucht alles zu seinem Vorteil anzuwenden.
Herder, Palmblätter

Der kluge Mann vergnügt sich mit dem Mund, der Hund (d. i. ein Schelm) mit dem Arsch.
Estland

Der kluge Mann zählt nur goldene Tage.
Russland

Der Kluge merkt, so er kann, auf die Reden vom weisen Mann.
ndt] Hort ein klok man einen wisen reden, weil ik juk bescheden.

Der Kluge nimmt keinen Sauerteig, wenn er Honigkuchen backen will.

Der Kluge nimmt vom Verrat, der Naschhafte aus dem Arsch.
Estland

Der kluge Politiker beachtet eher den Unwillen als den Willen des Volkes.

Der Kluge prüft vorher die Tiefe des Wassers, der Tölpel plumpt hinein.
info] Und wenn er nicht ertrinkt, so bespritzt er wenigstens sich und seine Begleiter.

Der Kluge rechnet im Glück auf ein Unglück und hofft auf das Unglück auch einen Glücksfall.
la] Cum fortuna premit, meliora sequentia spera; cum fortuna favet, deteriora time.
la] Sperat infestis, metuit secundis alteram sortem bene praeparatum pectus.

Der Kluge sammelt, der Narr zerstreut.

Der Kluge schafft mehr mit Gedanken (d.i. Verstand) als der Dumme mit den Händen.
Estland

Der Kluge schafft sich im Sommer einen Schlitten, im Winter einen Wagen an.
Walachen

Der Kluge scheißt ja nicht ins Haus.
Estland

Der Kluge schläft, dieweil ein Tor redet.

Der Kluge sieht das Gemeinsame in den verschiedenen Religionen, der Dummkopf die Unterschiede.

Der Kluge sieht mit den Augen, der Dumme fühlt mit den Händen.
Estland

Der Kluge sieht voraus, der Dumme hinterher.
Estland

Der Kluge spricht von dem, was er gesehen oder gehört hat, der Primitive von dem, was er gegessen und getrunken hat.
Mongolei

Der Kluge steckt die Hand in des Dummen Tasche.

Der Kluge steckt seine Finger nicht zwischen fremde Türen.
fr] Qui du fait d'aultruy se mêle il n'est pas saige.

Der Kluge sucht beim Hasen keinen Speck.

Der Kluge trägt sich nicht selbst das Holz, auf dem er brennen soll.
info] Wenigstens dann nicht, wenn er nicht von der Gewalt dazu gezwungen wird.

Der Kluge träumt nur, wenn er schläft, der Dumme auch, wenn er wacht.

Der Kluge tut alles mit Verstand, ein Tor aber kramt Narrheit aus.
Sprüche Salomos, 13, 16

Der Kluge tut gleich anfangs, was der Dumme erst am Ende. Der eine und der andere tun dasselbe, nur in der Zeit liegt der Unterschied: Jener tut es zur rechten, dieser zur unrechten.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der Kluge unterdrückt nicht, er überbrückt.
Fliegende Blätter

Der Kluge verhüte, dass man sein Wissen und sein Können bis auf den Grund ermesse, wenn er von allen verehrt sein will. Er lasse zu, dass man ihn kenne, aber nicht, dass man ihn ergründe.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der Kluge verkauft seinen Essig teurer als der Narr seinen Honig.

Der Kluge verspricht und der Dumme erwartet (das Versprochene).
Walachei

Der Kluge verspricht, der Dumme erwartet.
Walachei

Der Kluge versteht schon ein halbes Wort.

Der Kluge wacht, wenn der Schalk lacht.

Der Kluge wäre nicht klug und der Reiche nicht reich, wenn andere nicht dumm und arm wären.

Der Kluge wartet die Zeit ab.

Der Kluge wartet die Zeit ab.
la] Exspectat tempus sapiens.

Der Kluge weiß es und erfüllt sich rechtzeitig seine Wünsche.

Der Kluge weiß selbst aus dem Schaden Nutzen zu ziehen.

Der Kluge weiß selbst, wer er ist.
Estland

Der Kluge weiß sich in die Zeit zu schicken.
la] Temporibus, qui rite sapis, servire memento omnibus, ut tempus serviat omne tibi.
la] Temporibus sapiens mores sine crimine mutat.

Der Kluge weiß viele Auswege, der Frosch isst viele Fliegen.

Der Kluge weiß wenig, der Dumme viel.
Estland

Der Kluge weiß, was er spricht, der Dumme spricht, was er weiß.
Estland
tü] Akıllı söylediğini bilir, ahmak bildiğini söyler.

Der Kluge weiß: Er ist nicht klug genug.

Der Kluge will wissen, der Dumme will reden.
tü] Akıllı bilmek oster, aptal söylemek.

Der Kluge wird durch Erfahrung klüger.

Der Kluge wird nur einmal betrogen.
Finnland

Der Klügere gibt nach, sagte der Fuchs, als ihm der Jäger das Fell über die Ohren zog.

Der Klügere gibt nach.

Der Klügere gibt nach.
en] The wiser head gives in.
fr] C'est le plus sage qui cède.
it] Il più saggio cede.

Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist.
Graffito

Der Klügste gibt nach, sagte der Hundekarren zur Lokomotive, und fuhr ihr aus dem Wege.

Der Klügste gibt nach, sagte Kunz, als er seinen Prozess verloren hatte.
info] Aus Braunschweig: ein alter Kaufmann ritt öfter spazieren. Das dabei benutzte alte Pferd war stets begierig nach dem Stalle und der Reiter nicht im Stande es vor dem Hause anzuhalten, um abzusteigen, das Pferd ging vielmehr ohne weiteres mit ihm in den Stall. Eines Tages war der obere Teil der Tür geschlossen, das Pferd ging aber doch durch die halbgeöffnete Tür. Der Kaufmann hätte rücklings vom Pferde fallen müssen, wenn nicht der obere Teil der Tür aufgesprungen wäre. 'Der Klügste gibt nach', sagte der Kaufmann und rieb sich die vom Stoße geschwollene Stirn.
z] Wenn Kopf und Herz sich widersprach, thät doch das Herz zuletzt entscheiden. Der arme Kopf gibt immer nach, weil er der Klügste ist von beiden.
ndt] De Klökst gifft nao. Altmark
en] If I had reveng'd all wrong, I had not worn my shirts so long.
en] The wiser head gives in.
en] Where's the use of railing, as the dog-cart said to the steam-engine when it upset.
fr] C'est le plus sage qui cède.
fr] Le plus sage cède.
it] Il più saggio cede.
la] Cedendo victor abibis. Ovid
la] Qui vinci sese patitur pro tempore, vincit. (Wer sich je nach den Umständen besiegen lässt, ist siegreich)

Der Klügste gibt nach.

Der klügste Hund begreift nicht, warum die Ziege Kohl frisst.

Der klügste Mann kann vom Narren etwas lernen.
fr] Un fou avise bien un sage.

Der Klügste wird oft am ersten übers Ohr gehauen.
ndt] Der Klîgste werd noch oagerannt (betrogen).
fr] Les sages sont souvent la dupe des sots.

Der klügsten Atzel (Elster) werden die Eier gestohlen.

Der Klüppel wird ihn doch zuletzt treffen.
info] Die Strafe, das Unglück u.s.w. wird ihn ereilen.

Der Knabe geht hinterm Pfluge, das Mädchen wird geboren, man muss trachten, sie zu verheiraten.
info] Die Frau soll jünger sein

Der Knabe hat nicht weit zu Tränen, der schon die Lippe hangen lässt.

Der Knabe ist ein halber Mensch.
info] Aus einer alten Rechtsbestimmung.

Der Knabe weint, aber er sagt nicht, warum.
info] Er verschweigt, dass er Strafe erhalten und weshalb.

Der Knabe, der sich einst an meinen Rock hielt, fasste mich später am Kragen.
Persien

Der Knabe
Don Carl fängt an, mir fürchterlich zu werden. Schiller, Don Carlos, I, 6 (König)

Der knarrende Baum steht am längsten.

Der Knäuel läuft so lange, bis der Faden zu Ende ist.
nl] Het kluwen loopt zoo lang, tot dat het ten einde komt.

Der Knauserige gibt so viel aus wie der Freigebige.
fr] Autant dépense chiche que large.

Der Knecht bläst des Herrn Pfeife.
Estland
it] Tanzt nach der Pfeife des Herrn

Der Knecht dürft' es nicht tun, wenn's jeder täte.

Der Knecht folgt dem Herrn.
nl] De knecht volgt zijn' meester na.

Der Knecht hat immer einen großen Magen.
Estland

Der Knecht hat keine Arbeitssorge(n), der Knecht hat Lohnsorge(n).
Estland

Der Knecht hat löblich gepflügt, doch loben wird man den Bauern.

Der Knecht ist des Herrn Hund und das Dienstmädchen der Hausfrau Hund.
Estland

Der Knecht ist nicht besser den sein Herr.

Der Knecht ist nicht besser denn sein Herr.

Der Knecht ist nicht über seinen Herrn.
Matth. 10, 24

Der Knecht ist oft geschickter dann sein Herr.

Der Knecht ist wie ein Hofhund, das Dienstmädchen wie eine Katze.
Estland

Der Knecht kann in Kirchenbuße nicht mehr verwirken als seine Haut.
[RSpW]
Der Unfreie, der die Geldbuße nicht entrichten konnte, musste mit seiner Person die auferlegte Kirchenstrafe abbüßen.

Der Knecht macht seine Frau zur Magd und die Magd ihren Mann zum Knecht.
info] Nachdem die Unfreiheit bis zu dem Satze gekommen war, dass die Kinder allemal der bösen (schlimmen, unfreien) Hand folgen; so tat man noch den folgenden Schritt und behauptete: Nimmt ein freier Mann ein (leib-)eigenes (höriges) Weib, so hat er seine Freiheit ebenfalls verloren.
z] In wessen Gehörr er mit ihr zu Bett gehet, dem muss er hulden und schwören.

Der Knecht muss bereit sein, beim Schwein zu essen, neben dem Ochsen zu ziehen.
Estland

Der Knecht muss keinen vorteil haben für den Herrn.

Der Knecht muss tun, wie ihm sein Herr gebeut.
altfries] Thi skalk skolde dwa alsa him sin hera bad.

Der Knecht pflügt den Bart, der Fronarbeiter kratzt sich den Rücken.
Estland

Der Knecht seines Guts sein.
info] Der Geizhals.

Der Knecht sieht auf den Vorteil seines Herrn.
Estland

Der Knecht singt gern ein Freiheitslied
Des Abends in der Schenke.
Heine, An einen politischen Dichter

Der Knecht so wie der Herr vom Haus
Ziehen sich täglich an und aus,
Sie mögen sich hoch oder niedrig messen:
Müssen wachen, schlafen, trinken und essen.
Drum trag ich über nichts ein Leid.
Machts wie der Narr, so seid ihr gescheit!
Goethe (1749-1832), Der Narr epilogiert

Der Knecht soll dem Herrn, die Magd der Frau dienen und die Philosophie der Theologie.

Der Knecht soll dem Herrn, die Magd der Frauen dienen.
z] Die Philosophie der Theologie, ein Dienstverhältnis aber, das sich nicht bewährt und die erstere bestimmt hat, sich auf eigene Füße zu stellen.

Der Knecht soll knapp mit Essen sein, wenn die Hausfrau auf dem Fest ist.
Estland

Der Knecht soll's nicht besser haben, denn sein Herr.
info] Luther in einem Briefe an die Christen zu Strasburg wider den Schwärmergeist.
fr] Le valet ne doit pas paraître au dessus du maître.

Der Knecht und der Ochs - die essen immer das gleiche Brot.
Estland
it] Stehen im Dienste des gleichen Herrn

Der Knecht weint verlorene Tränen, wenn er das beweint, was der Herr will.

Der Knecht wird ein unwerter Mann, sobald die Arbeit ist getan.
la] Verna fit ingratus, dum mox opus est operatus.

Der Knecht wird selten gelobt, die Schwiegertochter niemals.
Finnland

Der Knecht wird verkauft wie der Hengst.
info] Weil er nur Gegenstand des Sachenrechts ist.

Der Knechtschaftsstand ist hart, doch besser jederzeit
Als ein ganz freier Stand, doch ohne Sicherheit.
Lichtwer, Das Pferd

Der Knechtsdienst tötet, aber gerechter Krieg macht jede Seele lebendig.
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Der Kneiper kommt auf die Schienen.

Der Knittel ist für Männer gemacht, nicht für Weiber.
info] Wird von Arabern z.B. gebraucht, um einen anderen wegen erhaltener Bastonade zu trösten.

Der Knittel muss beim Hunde liegen.

Der Knittel will jmmer neben den Hund geleget seyn.

Der Knoblauch blüht, er will Hêtel tragen.
Schlesien
ndt] D'r Knoblich blîd'm, a wat Hätla trään. Österreich-Schlesien
info] Hetel, Hätlä = von Haupt, Häuptel, Köpfe. - Bei übergroßer Lustigkeit. Er ist übermütig, die Strafe wird nicht ausbleiben.

Der Knoche, den einer han soll, schlebbt 'm kenn Hund furt.

Der Knochen bleibt in der Hand des Verteilers.
Finnland

Der Knochen war erst auf des Herrn Tafel, ehe er auf den Weg geworfen wurde.
Surinam
info] Meine Lage war nicht stets eine so traurige; ich lebte früher in bessern Verhältnissen. Ich bin eine ausgedrückte Zitrone.

Der Knochen wird schon Fleisch finden.
Estland

Der Knopf geht auf.
info] Der Kleine wächst.

Der Knopf ist ihm aufgegangen.
Oberösterreich
info] Er erkennt nun klar, er fängt an zu verstehen, zu begreifen.
z] Ich denke beim Knopf an die sich eben entfaltende Blumenknospe.

Der Knopf ist leicht gelüpft, den Gott nicht hat geknüpft.

Der Knorren (o. Ast, Knoten) muss den Knuppen (o. Klotz, Geschwulst) vertragen.
info] So einer des anderen Fehler, ein Freund des anderen Ecken und Schwächen.
la] Duro nodo durus quaerendus est cuneus.
la] Qui, ne tuberibus propriis offendat amicum, postulat, ignoscat verrucis illius. Horaz

Der Knoten ist noch nicht gerissen.

Der Knüppel auf dem Kopf.
ndt] De Knubbel up'n Kopp.

Der Knüppel des Feigen ist lang.

Der Knüppel geht herum.
ndt] De Knüppel geit um.
info] Wenn in einem Mecklenburger Dorfe eine Gemeindeversammlung stattfinden sollte, so schickte noch vor wenigen Jahren der Schulze einen geschälten Weidenast durch den Nachtwächter oder Kuhhirten im Dorfe umher, und jeder Bauer bescheinigte die Ansage dadurch, dass er seine Hausmarke in den Zweig schnitt. Jetzt sind Ast und Marke meist außer Gebrauch gesetzt, aber die Redensart hat sich erhalten.

Der Knüppel hat zwei Enden.

Der Knüppel ist an den Hund gebunden.
ndt] De Knüppel is an den Hund gebunnen.
ndt] De Knüpp'l is bi'n Hund bunn. Altmark
ndt] De Klüppel liet bim Rü'en. Iserlohn
ndt] De Knüppel ligt bi'n Hund.
ndt] Den Knüppel bym Hunde leggen.
info] Man kann nicht, wie man wohl möchte. Wenn jemand aus Mangel an Mitteln seine Wünsche nicht befriedigen kann. Ich wollte dies und das tun, bezahlen u.s.w., aber ich kann nicht, das Unvermögen dazu liegt vor.

Der Knüppel ist des Armen Gerechtigkeit, der Stock des Mittelloser Richter.
Estland

Der Knüppel ist des armen Menschen Lohn.
Estland

Der Knüppel liegt beim Hund (o. Rüden).
info] Man kann nicht, wie man möchte. Um Zwang zu bezeichnen.

Der Knüppel liegt beim Hunde.

Der knurrende Hund bekommt die kleinsten Brocken.

Der Knust des Hirten und das große Brotstück des Herrn.

Der Knutenmeister fühlt die Schläge nicht, die seine Hand austeilt.
Russland

Der Knutenmeister schwingt seine Knute auch träumend.
Russland

Der Knüttel ist an (bei) den Hund gebunden.

Der Kobold der Träume spinnt das Garn der Geschichten.
Miguel Angel Asturias (1899-1974), Guatemala

Der Koch besorgt die Küche nicht für sich.
nl] De kok maakt de spijs klaar, en de heer krijgt die op de tafel.

Der Koch dem Kellner brät (o. gibt) ein Wurst, der Kellner löscht dem Koch den Durst.

Der Koch dem Kellner gibt eine Wurst, der Kellner löscht dem Koch den Durst.

Der Koch denkt eins, der Vielfraß etwas anderes.
Italien

Der Koch gilt so viel als der Kellner.

Der Koch hat seinen besten Platz am Feuer.
nl] Geef aan de kok eene plaats bij 't vuur.

Der Koch hat viel zu schaffen, bis er großen Herren ein Ding so gut macht als des Schmieds Morgenmahl.
info] Mangel an Appetit.

Der Koch ist der beste Arzt.

Der Koch ist übel dran, der die eigenen Finger nicht lecken kann.
en] He is an ill cook tat cannot lick his own fingers.

Der Koch ist zu spät aus den Federn gekrochen.
info] Wird gesagt, wenn die Speisen nicht gar gekocht sind.
fr] La viande sent la plume.

Der Koch kehrt sich wenig dran, ob ein Garsün (Garçon) ihn rufet an.

Der Koch muss den Geschmack des Herrn haben.
la] Coquus domini debet habere gulam.

Der Koch muss seines Herren Zunge haben.

Der Koch muss seines Herrn Zunge haben.

Der Koch sagte zum Kellner: löschest du mir den Durst, so brat' ich dir 'ne Wurst.
dk] Naar kokken steger for kielder svenden, saa gielder det herrens viin-fad.
dä] Steeger da mig en vyrst, saa ledsker jeg din tyrst.

Der Koch soll noch geboren werden, der es jedem Gaumen recht macht.
nl] De kok moet nog geboren worden, die zoo kan koken, dat het allen monden smaakt.

Der Koch tut den Schaden, und die Katze kriegt die Schuld.

Der Koch wird selten Hungers sterben.
nl] De kok zal zelden honger lijden.

Der Koch wird vom Geruch (o. Dampf, Dunst) satt.
info] Die Hitze des Herdes, der Dampf der Kohlen, das Kosten der Speisen tragen aber das Ihrige dazu bei, dass die Empfindung des Hungers verloren geht; es fehlt auch nicht an Beispielen, dass der bloße Geruch von frischem Brote Menschen vor dem Verhungern bewahrt hat.
dä] Kokken mættes tit af røgen.

Der Koch wird vom Geruch satt.

Der Koch, der vor Hunger stirbt, wird nicht auf den Friedhof begraben.

Der kochende Topf behält keinen Deckel.
tü] Kaynayan kazan kapak tutmaz.

Der Kochersberger fand in Barbara Sankt-Veit unter den Heiligen.

Der Kochherd ist der Ort, wo die traurigsten Bilanzen zwischen Einnahme und Ausgabe gezogen, die deprimierendsten Betrachtungen über die steigende Verteuerung der Lebensmittel und die immer schwieriger werdende Beschaffung der nötigen Geldmittel angestellt werden.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Der Köchin die Ehre abschneiden.
Österreich
info] Wenn man Dampfnudeln statt zu zerreißen, zerschneidet.

Der kocht seine Suppe im Siebe.
Wien

Der Kochtopf der Witwe, klein und kärglich.

Der Köder allein fängt keine Fische.
info] Wenn nämlich die Angel fehlt. Schönheit ohne Grazie ist ein Köder ohne Angel.

Der Köder fängt die Fische, nicht der Angelhaken.
fr] L'amorce est ce qui engaigne le poisson et non la ligne.
fr] Non en la cane (ligne) ni a haim (hameçon) mais en l'amorce gist l'engin (amorce).
sp] El cebo es el que engaña, que no el pescador ni la cańa.
sp] Ni el anzuelo ni la caña, mas el cebo las engaña.

Der Köder muss vor allem dem Fisch schmecken.

Der Köder täuscht, nicht die Angel und nicht die Rute.
es] Ni el anzuelo, ni la caña, mas el cebo engaña.

Der Köder verbirgt den Haken.
en] The bait hides the hook.

Der koh durch neu Poër ladern Hosen gegloatz.
Henneberg
hdt] Der kann durch ein Paar lederne Hosen glotzen.
info] Von einem, der ein sehr gutes Gesicht hat.

Der Kohl hat's nicht besser wie der Topf, wenn sie beid' am Feuer stehen.

Der Kohl ist der Brühe nicht wert.

Der Kohl ist noch nicht fertig, wenn der Speck (Pfeffer) fehlt.

Der Kohl ist versalzen, der nicht auf den eigenen Tisch kommt.
Russland

Der Kohl ist zwar verkocht, aber ein paar gute Blätter sind noch da.
nl] Al hadden zij ook al hun moes verkocht, zij zouden toch nog het beste blad behouden hebben.

Der Kohl kommt nicht auf den Tisch, wie er aus dem Topf kommt.
dk] Kaalen kommer ikke altid paa bordet, son den øses gryden ik kiøkenet.

Der Kohl ruft, dass man ihn nach zwei Wochen ansehen soll.

Der Kohl schmeckt sehr gut, sagte die Magd und aß das Fleisch.

Der Kohl schmeckt sehr gut, sagte die Magd, und ass das Fleisch.
nl] Dat is lekkere peen, zei Subbert, en hij at al het vleesch op.

Der Kohl soll gesagt haben, dass wenn man ihn in aschige Erde pflanzt, ihm anstelle des Kopfes unten ein Ei anwächst.

Der Kohl soll gesagt haben: 'Bauer, brich (= pflanz) mich früh im Frühling, sonst muss ich im Herbst ohne Kopf unter den Schnee gehen.

Der Kohl will stürmisch (= schnell) gekocht werden, Bohnen und Erbsen wollen gedämpft werden.

Der Kohl wird nicht so warm gegessen, als wie er aufgetischt wird.
altfries] De kual med ek sa warm iiten, üs er apdön uud. Sylt

Der Kohlenbrenner ist Herr in seinem Hause.
fr] Charbonnier est maître dans sa chaumière.

Der Köhler ist Herr daheim.
Frankreich
bm] Doma jak chces u lidí jak prislusí.
bm] Doma jak ch ci, u lídi jak kází.
bm] Hospodár hazdý domu svého pan.
bm] Hospodár v domu jak Adam v ráji.
bm] Tvuj dum tvá vule.
bm] Ve svém dome kazdý jest pánem.
kroat] Moja hiza moja volja.
sp] Mientra en mi casa me estoy, rey me soy.

Der Köhler ist Herr in seinem Hause.
info] Jeder waltet und schaltet in seinem Hause nach Belieben. Franz I. von Frankreich ließ sich eines Tags auf der Jagd von der Nacht so überraschen, dass er von seinem Gefolge entfernt, bei einem Köhler im Walde, der ihn nicht kannte, eine Unterkunft suchen musste. Der Köhler bat den König zum Abendbrot, nahm aber bei Tische den ersten Platz und wies seinem Gast den zweiten mit den Worten an: 'Jeder ist Herr in seinem Hause.' Dann lud er den König ein von der Speise zu nehmen, was und so viel ihm beliebe; 'aber', fügte er hinzu, 'es ist nicht nötig, der Großnase (Spitzname für den König) zu sagen, dass ich Euch mit Wild traktiert habe.' Der König ließ es sich trefflich schmecken. Am Morgen stieß er in sein Horn, um seinem Gefolge ein Zeichen zu geben, wo er sich befinde, das sich auch bald um die Köhlerhütte versammelte. Der Köhler hielt sich für verloren, aber der König klopfte ihm auf die Achsel und sagte ihm: er sei Herr in seinem Hause.
fr] Charbonnier est maître en sa loge (dans sa chaumière).
fr] Charbonnier est maître chez lui (o. soi).
fr] Par droit et par raison, chacun est le maître dans sa maison.

Der Köhler ist zum Schlott- (Schornstein-) Feger kommen.
info] Gleich zu Gleich.

Der Koitus ist ein Umweg des Geistigen zur Philosophie.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Der Kolibri küsst die Blume.

Der kollektiv vereinigte Mensch, wenn er nichts andres als das ist, versinkt in allen Verhältnissen in die Tiefen des Zivilisations-Verderbens, und in dieses Verderben versunken, sucht er auf der ganzen Erde nichts anderes, als was der Wilde im Walde auch sucht.
Pestalozzi, An die Unschuld, den Ernst und den Edelmut meines Zeitalters und meines Vaterlandes

Der kommende Tag ist schlimmer als der gehende.
dk] Den dag er være der kommer end gaaer.

Der kommt (gewiss) zu spät, der ausszugehen nimmer der weil hat.

Der kommt alle Jahrmärkte, den kennen wir schon.

Der kommt allzeit zu spatt, der auszugehen nimmer die weile hat.

Der kommt am weitesten, der anfangs selbst nicht weiß, wie weit er kommen werde, dafür aber jeden Umstand, den ihm die Zeit gewährt, nach besten Maßregeln gebraucht.
Herder

Der kommt am weitesten, der nicht weiß, wohin er will.
info] Man sagt, dass diese Redensart der berühmt gewordene Bauernsohn Oliver Cromwell schon in früher Jugend geführt habe. Man kann diesen Spruch weniger paradox so ausdrücken, dass der Mensch in seinen Angelegenheiten nur dann etwas Tüchtiges erreiche, wenn er sich von vornherein die höchste Aufgabe, ein unerreichbares Ideal steckt.

Der kommt bald hoch, der nur etwas taugt.
altfries] Saagt hoog, dear man doogt.

Der kommt blind von der Welt.

Der kommt gewiss zu spät, der zu gehen niemals Weile hat.

Der kommt gleich hänflich.

Der kommt hinein wie Pilatus ins Credo.
Nürtingen

Der kommt im Narrenhaus nach Prima.
nl] Hij is te gek, om allein te loopen.
ho] Hij is te gek, om in het dolhuis te zitten.

Der kommt in der Welt nicht weit, der alles auf seinen Kopf setzt.
bm] Málo ten v svĕtĕ sprayí, kdo vse na sovu hlavu staví.
pl] Co się na rozum vydają radzi tacy upadaja.

Der kommt in des Teufels Küche.
info] Kommt schlimm an.

Der kommt in die Rechnung, sagte der Maurer, als der Bauherr zweifelte, dass die Mauer halten werde, weil der Kalk fehle.

Der kommt in Nöten wohl, der bald kommt.

Der kommt in Schande, der nichts treibt im Lande.
nl] Lang gebleven, niet bedreven doet in schande leven.

Der kommt mir auch mal unter den Rechen.

Der kommt mir nöt in den Magen.
Rotttal
info] Um Abneigung gegen jemand auszudrücken.

Der kommt mit der Spritze, wenn't Feuer im Wasser ist.
ndt] Wann se de Sprützen probèiert, dann wert balle Füer lèiert.
ndt] Hei is de Eiste biy der Spritze, wann't kein Fuier is.

Der kommt mit seiner hilf zu spät, der im Brand die asche will löschen.

Der kommt nicht in die Schuh', der zehn Löcher aufmacht und eins zu.

Der kommt nicht mehr heim, den man auf dem Rücken zum Hause hinausträgt.

Der kommt nicht zu spät, der böse Botschaft bringt.
mhd] He kumt nicht to late, de quade bôtschap brinkt.
la] Nuntia prava ferens sero non advenit. unquam.

Der kommt nicht zum Störi anschneiden.
info] Wird von den Mädchen nicht begünstigt.

Der kommt niemals in den Himmel, der dorthin allein zu gehen wünscht.
England

Der kommt nimmer in den Wald, der jeden Strauch fürchtet.

Der kommt nimmer in den Wald, so jeden Busch (o. Strauch) fürchtet.
la] Non venit ad silvam, qui cuncta rubeta veretur.

Der kommt noch nach Haus und bringt seine Knochen im Sacktuch mit.

Der kommt sehr schwer zu Hemden, der keinem je was will entfremden.
fr] Quel que soit l'habit, l'homme reale le même.
it] Chi non ruba, non ha roba.

Der kommt vom Prügele an den Prügel. Auerbach
info] Vom Regen in die Traufe, verschlechtert seine Lage.

Der kommt wieder, er ist ans Brot gewöhnt.

Der Kommunismus findet Zulauf nur dort, wo er nicht herrscht.
Henry Kissinger

Der Kommunismus ist die auf alle Menschen in den gleichen Verhältnissen ausgedehnte Gerechtigkeit..
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Der Kommunismus ist die größtmögliche ausgedehnteste Gemeinschaft der Anwendung der Fähigkeiten und der Befriedigung der Genüsse und Freiheiten.
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Der Kommunismus ist die Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats.
Engels, Grundsätze des Kommunismus

Der Kommunismus ist die Verwaltung der Konsumation und Produktion aller durch das Wissen aller und im Interesse eines jeden, das heißt im Interesse aller..
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Der Kommunismus ist ein System, das sich auf die Überzeugung gründet, dass der Mensch so schwach und unvollkommen sei, dass er nicht imstande ist, sich selbst zu regieren, und dass er deshalb die Herrschaft starker Herren braucht.
Truman

Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben (wird). Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.
Marx/Engels, Deutsche Ideologie

Der Kommunismus kann momentan siegen, das heißt, er kann sich so lange behaupten, bis er alle seine Schrecknisse entfaltet und die Menschheit mit einem für alle Zeiten ausreichenden Abscheu getränkt hat.
Friedrich Hebbel, Tagebücher 1848

Der Kommunismus kann nicht aufgebaut werden ohne Wissen, Technik und Kultur..
Lenin, Rede auf der 1. Konferenz über die Parteiarbeit auf dem Lande

Der Kommunist ist ein Sozialist in großer Eile.
Gough

Der Komsomol ist die Vorhut der Arbeiter- und Bauernjugend, er ist ihr bester Teil.
Kalinin, Rede auf dem VII. Kongreß des Leninschen Kommunistischen Jugendverbandes der Sowjetunion

Der Konflikt des Individuums mit der unmittelbaren Erfahrung und der mittelbaren Überlieferung ist eigentlich die Geschichte der Wissenschaften: denn was in und von ganzen Musen geschieht, bezieht sich doch nur zuletzt auf ein tüchtigeres Individuum, das alles sammeln, sondern, redigieren und vereinigen soll, wobei es wirklich ganz einerlei ist, ob die Zeitgenossen ein solch Bemühen begünstigen oder ihm widerstreben.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre - 3. Abt. - Zwischenzeit

Der Konflikt zwischen den Autoren, welche eine unbedingte Freiheit der Presse fordern, und den Staatsverwesern, die solche nur mehr oder weniger zugestehen können, dauert seit Erfindung der Buchdruckerkunst und kann niemals aufhören.
Goethe (1749-1832), Zeugnisse amtlicher Tätigkeit - Über die Einführung der Zensur

Der König befiehlt und das Volk gehorcht.
bm] Car rozkazuje, a bůh pravou cestu ukazuje.

Der König der Bienen hat keinen Stachel.
Portugal

Der König der Flöhe ist in Tiberias.
Arabien
info] Das Schlechte mag eine ganz andere Ursache haben als man vermutet.

Der König der Wünsche ist im Lazareth gestorben.

Der König erspart, die Königin gibt aus. Hindustan

Der König fängt die Händel an, die Zeche zahlt der kleine Mann.

Der König füllt Goldkisten, der Arme Leidkisten.
Estland

Der König gründet seine Sicherheit auf den Schutz der Bürger, der Tyrann auf den von Söldnertruppen.

Der König hat die Kirche und die Bettelleute betrogen.
info] Eine Redensart der Musspreussen nach der Einführung der preussischen Scheidemünze, weil Bettelleute und Kirche erst 15 Pfennige erhalten mussten, ehe sie einen Groschen erwarben, während sie vorher schon bei 12 Pfennigen dazu gelangt waren.

Der König hat lange Arme, aber er rafft nicht alles Korn auf seinem Boden.

Der König hat nichts von Zufallswerken.
[RSpW]
info] Nicht jede ungesetzliche Handlung wurde nach deutschem Recht bestraft, sondern nur dann, wenn sie mit Bewusstsein und Absicht verübt war. Wenn ein Werk des Zufalls des anderen Leib oder Gut verletzt, so wird keine Buße gezahlt, was der Sinn des obigen Sprichworts ist.

Der König hat von Gott weltliche Gewalt zu weltlichen Dingen.
dk] Hefir konongr af Gudi veraldlikt valld til veralldligra luta.

Der König hat zehn Tugenden, die Götter haben neun.

Der König heißt, der Pfennig beisst.
info] Der Mittellose hat keine Macht

Der König heißt; Pfennig, der beisst.
info] Befehlen tut's nicht, wenn die Mittel zur Ausführung fehlen.

Der König herrscht, aber er regiert nicht.
fr] Le roi règne et ne gouverne pas).
Jan Zamojski im polnischen Reichstag und Thiers in der Zeitung 'Le National' am 1. Juli 1830

Der König hilft manchem auf die Beine, dass aus einem Reiter ein Fußgänger wird.

Der König in Frankreich ist ein König der Esel; denn was er seinen Untertanen auflegt, das müssen sie tun. Der König in England ist ein König der Leute; denn was er ihnen auferlegt, das tun sie gern, sie haben ihren Herrn lieb. Ich selber aber, der Kaiser, bin ein König, ein König der Könige; wenn ich meinen Fürsten etwas befehle, so tun sie es, wenn es ihnen gefällt.
Kaiser Maximilian I.

Der König in Frankreich ist Rex asinorum, der König von Spanien Rex hominum, der König von England Rex diabolorum, der Kaiser aber Rex Regum.

Der König ißt nicht Gold, der Bauer ißt nicht Erde.
Estland

Der König ist das lebendige Gesetz.
la] Rex viva lex.
Marc Aurel

Der König ist der Blinden Auge und der Schwachen Arm.
dk] Kongen er deres værie som ikke have værie.

Der König ist ein Mensch wie ein anderer.
info] Auf einen sich selbst überhebenden und entlarvten Scheinfrommen ein jüdisch-deutsches Sprichwort aus der Provinz Posen: 'Pareh (Pharao), du kackst.' Nach einer jüdischen Sage hatte sich der ägyptische König Pharao als ein Gott ausgegeben. Damit nun die Leute nicht erfahren möchten, dass er auch menschliche Bedürfnisse habe, verrichtete er alle Tage vor Sonnenaufgang seine Notdurft am Nil. Moses, der sich auf Gottes Weisung dahin begab (2 Mos. 7, 15), traf ihn gerade, als er sich seiner verdauten Speisen entledigte und hielt ihm vor, wie er sich nun verraten habe, dass er kein Gott sei.
fr] Le roy est homme comme ung aultre.

Der König ist einem Bettler gleich, so keine Freunde hat in seim Reich.
la] Rex est mendicus, cui non est ullus amicus.

Der König ist fern und unser Herrgott hoch.
pl] Król daleko, Pan Bog wysoko.

Der König ist gemeiner Richter überall.
[RSpW]
info] Wie der gewöhnliche Richter nur in seinem Kreise Recht zu sprechen befugt ist, so war für den Kaiser jede Stätte, wohin er kam, höchste Gerichtsstätte.
mhd] Die koning is gemene richter overal.
dä] Kongen er loven og lovens ende.

Der König ist Gottes Dienstmann.
[RSpW]
info] Die höchste Würde im Staate kommt dem König (Kaiser) zu, der nach der Rechtsanschauung des Mittelalters als Schirmer der Menschheit Gottes Stelle vertritt, und daher keines Menschen, auch nicht des Papstes Dienstmann ist.

Der König ist nicht der Vertreter der Nation, sondern ihr Schreiber.
Maximilien de Robespierre, Rede in der französischen Nationalversammlung (1792)

Der König ist nicht zu Hause.
info] Wenn's lustig hergeht, wohl gar drüber und drunter. Wenn der König Friedrich II. von Dänemark (gest. 1558) nach vollendeter Tafel guter Laune war, so sprach er: 'Der König ist nicht zu Hause.' Die Diener ließen sich gehen und der König ergötzte sich an ihren Possen.

Der König ist sich reich und gewaltig.
altfries] Chi king is him rike and weldich.

Der König ist tot, es lebe der König!
fr] Le roi est mort, Vive le roi!
la] Dignitas non moritur.

Der König kann einen Mann zum Ritter machen, aber nicht zu einem Gentleman.
England

Der König kann mich nur töten, nicht zwingen.
Spanien

Der König kann mich töten, aber er kann mich nicht zwingen.
Spanien

Der König kann nicht allweg regieren, wie er will.

Der König kann nicht allweg regieren, wie er will.
info] Er muss auf Zeit und Umstände Rücksicht nehmen; er muss die öffentliche Meinung beachten, auf Grundsätze der benachbarten Regierungen merken u.s.w.

Der König kann sich alle Kämpfer kiesen.
info] Seit dem Bestehen des deutschen Reichs ist er oberster Heerführer und führt den ersten Schild. In seinem Gefolge gehen die ursprünglichen Könige, jetzt Fürsten.
altfries] Chi kining wilt him allera campona kiosa.

Der König Karl am Steuer saß,
Der hat kein Wort gesprochen.
Uhland, König Karls Meerfahrt

Der König kennt seine Leute.
nl] De koning kent de zijnen.

Der König muss von Natur über den Beherrschten stehen, dem Stamme nach aber ihnen gleich sein.

Der König rief, und alle, alle kamen,
Die Waffen mutig in der Hand.
Heinr. Clauren, Der König rief (1813), Melodie von Albert Philipsborn (1813)

Der König samt den edlen Herrn könnt' sich nicht ohne Bauern nährn.

Der König schenkt hundert Rubel, man erhält eine Kopeke.
Estland

Der König sieht weit.
Estland

Der König soll erstlich mit seinem besen kehren vor seiner Tür.

Der König trägt zwar die Krone, aber der Narr liefert den Verstand.

Der König von Frankreich herrscht über Esel (denn sie tragen, was er ihnen aufbürden mag); der König von England über Engel (denn sie vollbringen gutwillig, was er ihnen anbefiehlt); der König von Spanien über Menschen (sie gehorchen ihm, aber nur in billigen Dingen); der deutsche Kaiser aber über Fürsten (denn sie tun, was ihnen beliebt).

Der König von Frankreich ist ein König der Esel, denn was er seinen Untertanen auferlegt, das müssen sie tun; der König in England ist ein König der Leute, was er ihnen auferlegt, das genehmigen sie; aber der Kaiser ist ein König der Fürsten, die tun, was ihnen gefällt.
info] Ein Ausspruch Kaiser Maximilians I.

Der König von Frankreich stirbt nicht.
info] Weil nach dem salischen Gesetz die weiblichen Nachkommen von der Regierung in Frankreich ausgeschlossen sind (Lilia non nent) und in Ermangelung männlicher, die Erbfolge auf die nächsten männlichen Verwandten des Königs übergeht, so ist das Land stets von einem Könige regiert, daher man sprichwörtlich gesagt hat, der König stirbt nicht.
la] Reges Galliae non moriuntur.

Der König von Polen ist ein König der Könige.
info] Rex regum, denn er selbst nannte alle Edelleute Mosci Panowic Bracia, d.i. gnädige Herren Brüder.

Der König von Schottland wohnt nicht wie ein Bürger von Nürnberg.

Der König von Schweden ist mit Tod und Teufel nach Deutschland kommen.
info] Unter den Generälen, die Gustav Adolf mit nach Deutschland brachte, waren zwei, Namens Achatius Tod und Maximilian Teufel. Dies hat zu dem scherzhaften Sprichwort Veranlassung gegeben, dessen Entstehung und Leben in die Zeit des Dreissigjährigen Kriegs gehört.

Der König von Spanien ist Kanonicus zu Burgos.

Der König von Zypern ist bei ihm zu Besuch.
info] Er ist von der Gicht heimgesucht. Wortspiel zwischen Zypern, Zippern und Zipperlein.

Der König wird so gut gestochen wie ein Gemeiner.
info] Hinfälligkeit irdischer Größe. Vom Kartenspiel entlehnt.

Der König wird wohl nicht alle Windbeutel als seine Tafelgäste einladen.
Estland

Der Könige Dienste sind Hoffnung zu Brot und Gefahr zum Tode.

Der Könige König ist Vergänglichkeit. Ungarn

Der Könige Speisen verbrennen einem das Maul.
Arabien
la] Emunctae sit naris homo, qui degit in aula: regum ignara solent urere labra dapes.

Der Könige und Fürsten Hof sind um Fried' und Gnade gesetzt.
mhd] Der chunig hof und der fürsten sind durch gnad gesezt.

Der Könige Zorn ist ein Vorbote des Todes.

Der Königssohn schreibt auf den Hosenboden des Bettlerjungen.
Estland

Der Königstein ist unüberwindlich. Sprichwort im Königreich Sachsen.

Der Konkurrenzkampf gestaltet sich mehr und mehr zu einem Kampf der Maschinen. Wer die besten Maschinen hat, schlägt seine Konkurrenten.
W. Liebknecht, Über den Normalarbeitstag

Der könnt' beim hellen Tag ins Leuterschrecken gehen.

Der könnte auch sein Sterbegebet beten.

Der könnte Kirchen feil tragen.
ndt] A könnte Kirchen fâl troagen. Schlesien
info] Von einem großen, starken Menschen.

Der Konvent überlebt den Abt.

Der Kopf altert eher als die Beine.

Der Kopf am Krebs ist dem Arsche gleich.

Der Kopf brennt (raucht) ihm.
info] Zur Bezeichnung hoch gesteigerter Lebenswärme infolge innerer Aufregung. Nicht bloß die körperliche Tätigkeit der Muskeln, sondern auch die geistige Tätigkeit des Gehirns, die Anstrengung des Denkens erhöht den Verbrennungsprozess, die organische Wärme. Das Denken ist mit einer erhöhten Tätigkeit des Gehirns, mit einem vermehrten Stoffwechsel, mit einer gesteigerten Wärmebildung verbunden.
ho] Het hoofd rookt mij daarvan.

Der Kopf dem Fänger (od. Fischenden), der Schwanz dem Empfänger (od. Bekommenden), die Mitte dem Kochenden.
Estland

Der Kopf der Gelegenheit ist hinten kahl.
England

Der Kopf des Fisches geht zuerst in Fäulniss über.
info] Die Fehler und Laster der Vornehmen bringen Unglück über das Volk.

Der Kopf des Furchtsamen geht nicht in Stücken.
info] Weil er sich der Gefahr nicht aussetzt.

Der Kopf des Hundes passt nicht auf den Tisch, die gelbe Butter passt nicht in den Magen des Hundes.

Der Kopf des Trösters tut niemals weh.
Schweden

Der Kopf des Weibes darf nicht weiter gehen als bis zum Herzen des Mannes.

Der Kopf eines Achtzigers ist besser als beide Hände eines Zwanzigers.
info] Wenn er sich nämlich gut gehalten hat.

Der Kopf eines bösen Weibes ist ein Wetterhahn.
nl] De kop van een boos wijf is de slimste weêrhaan.

Der Kopf eines Lachses ist mehr wert als hundert Frösche.
info] Der Herzog von Alba sagte, dass zehntausend Frösche nicht so viel wert wären, als der Kopf eines Lachses, womit er meinte, dass weit mehr daran gelegen sei, den Prinzen von Condé oder den Admiral Coligny aus dem Wege zu räumen als eine Menge geringer Personen.

Der Kopf eines Narren wird weder weise noch weiß.

Der Kopf erfand es, das Herz bestand es.

Der Kopf gehört oben hin.
bm] Hlava vseho počátek.

Der Kopf geht ihm mit Grundeis herum.
Ostpreußen
info] Von einem Menschen, der viel Sorge im Kopf hat.

Der Kopf hat ihm lange nicht wehe getan.
info] Wenn jemand etwas Gefährliches vor hat, oder nach Prügeln ringt.

Der Kopf hätte es schwer ohne Schultern, der Körper hätte es schlecht ohne Kopf.
Russland

Der Kopf ist (oft nur) ein Trichter für den Magen.

Der Kopf ist älter als das Buch. Herzegowina

Der Kopf ist älter als das Buch.
Herzegowina

Der Kopf ist angeschmiedet - dem Verstand ist Freiheit gegeben.

Der Kopf ist bald abgeschlagen, aber schwer wieder aufgesetzt.
bm] Hlava není makovice, by se zase postaviti mohla.
bm] Netĕzko hlavu srazit', ale tĕzko naasadit'.

Der Kopf ist bös zu streifen.

Der Kopf ist das Ruder des Schiffs.
info] Verstand muss das Ganze leiten.

Der Kopf ist der Zar, das Herz ist das Reich.
Russland

Der Kopf ist dumm, die Füße haben viel Mühe.
Estland

Der Kopf ist hin, den Hut hat er noch in Händen.
info] Die Schande wird geheilt, aber mit einer Narbe.

Der Kopf ist ja kein Kalender.
Estland

Der Kopf ist jener Teil unseres Körpers, der uns am häufigsten im Wege steht.
Fliegende Blätter

Der Kopf ist keine Schrift.
Litauen
info] Was man sich im Kopfe merkt, hat man nicht so sicher, als was man sich aufgeschrieben hat.

Der Kopf ist nicht am Barte, sondern der Bart am Kopfe.
info] Man muss nicht unbedingt von einem großen Barte oder einem hohen Alter auf einen gleich ausgebildeten Verstand und großen Erfahrungsreichthum schließen.

Der Kopf ist nicht des Menschen Zar, sondern das Gehirn ist der Zar des Kopfes.
Russland

Der Kopf ist so alt as Füdli, ond 's Füdli hed no nie zahnet.
Appenzell
info] Wenn man auf die Frage, wie alt man sei, nicht gern antwortet.

Der Kopf ist stärker als die Hände.

Der Kopf ist stärker denn die Hand.

Der Kopf ist vor allem die Kassette des Gehirns, nicht der Humus für die Haare.
Gino Cervi

Der Kopf lässt die Füße laufen.
tü] Ayağı yürüten baştır.

Der Kopf mit der Zunge hat doppelten Wert.
info] Wenn der denkende Kopf auch zugleich ein klar und gefällig redender ist.

Der Kopf mit einer Zunge kostet mehr.
Bulgarien

Der Kopf muss oben, die Füße müssen unten sein.

Der Kopf muss oben, die Füße unten sein.

Der Kopf muss oft den Arsch verkaufen.
nl] De kop moet het gad verkoopen.

Der Kopf regiert und nicht die Füß'.
bm] Hlava řídí, hlava táhne.

Der Kopf schütter, der Fuß leicht.
Estland

Der Kopf soll nicht allein weise sein, sondern auch die Füße.
Russland

Der Kopf steht an der Spitze.
info] Er regiert.

Der Kopf steht ihm nicht auf der rechten Stelle.

Der Kopf steht ihm nicht darauf.

Der Kopf steht ihm nicht recht.
info] Hat keine Lust dazu. Er ist übler Laune.
z] Scheint es doch, als wenn ihm der Kopf nicht auf der rechten Stelle stände, dazu sühet er sauer, ich weiß nicht, wass ich ihm vor ein Hünel muss ertretten haben.
fr] Il n'a pas envie.
fr] Il n'est pas bien disposé.
ho] Het hoofd loopt hem om.
ho] Het hoofd staat altijd niet regt uit.

Der Kopf sucht den Hut, nicht der Hut den Kopf.
pl] Nie miejsce szuka głowy, ale głowa miejsca.

Der Kopf und das Herz haben mit den Menschen gleich ihr Spiel, wenn man nicht beiden wohl auf den Fersen ist.
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Der Kopf vergisst, die Füße erinnern.
Estland

Der Kopf wird nach der Zunge gemessen.
tü] Baş dille tartılır.

Der Kopf wird nicht auf den Schwanz warten.
Estland

Der Kopf wird nicht gleich heruntergehen.

Der Kopf wird nur dann gespalten, wenn der Übeltäter selber auch da ist.

Der Kopf, der sich beugt, bekommt die Krone.
tü] Eğilen baş taç giyer.

Der Kopf, der will ihm glasset wern.

Der Koran sagt, im Paradies sei Wein
Der fromme Lohn und holde Mägdelein.
Dann sei schon hier mir Lieb und Wein erlaubt,
Wenn's droben doch dasselbe soll nur sein.
Omar Khajjam

Der Korbmacher, der einen Korb macht, macht hundert.
Brasilien

Der Korken ist immer größer als die Flaschenöffnung.
Estland

Der Körper des Papstes nimmt nicht mehr Erdraum ein als der das Kaplans.

Der Körper hört besser als das Ohr.
Haussa, Afrika
info] Erfahrung ist wichtiger als die Sinne.

Der Körper ist der Einband des Geistes, das Gesicht der Titel und das Auge der Name des Verfassers.
J. W. Ritter, Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers

Der Körper ist der Panzer und Kürass der Seele. Nun, so werde dieser vorerst zu Stahl gehärtet, geglüht und gekältet.
Jean Paul, Levana

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian Morgenstern

Der Körper ist ein notwendiges Vehikel, weil er die Kleider trägt und mit den Kleidern die Taschen.
Alfred Jarry

Der Körper ist eine Inschrift, auf Wasser geschrieben.
Tamil, Indien

Der Körper ist nicht der ganze Mensch.
la] Corpus nil aliud, quam tegumentum et mancipium animi.

Der Körper kann eine größere Last tragen, wenn man ihn strafft; mit der Seele ist es genauso.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Der Körper kann ohne den Geist nicht bestehen, aber der Geist bedarf nicht des Körpers.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Der Körper lässt sich heilen, nicht jedoch sein Herz.

Der Körper muss, der Geist will, und wer seinem Wollen die notwendigste Bahn vorgeschrieben sieht, der braucht sich nicht viel zu besinnen.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 21.11.1830

Der Körper soll den Geist nicht beherrschen.
la] Corpus nec dominus, nec socius animi, sed mancipium.

Der Körper und sein Schatten sind unzertrennlich.
Indien

Der Körper würde gern das Fasten der Seele überlassen.
Irland

Der Körper, der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian Morgenstern, Tagebuch eines Mystikers

Der Korporalkönig.
info] So nannten die Zuaven den durch persönliche Bravour sich auszeichnenden König Victor Emanuel von Italien.

Der Korporalstock hat ihn zu Verstand gebracht.
la] Bis septem plagis Polypus contusus.

Der Kosack trinkt nicht auf das, was ist, sondern auf das, was kommen wird.
Russland

Der kostbarste Schatz, der den Fürsten anvertraut ist, ist das Leben der Untertanen.
König Friedrich der Große, Der Antimachiavell

Der Kosten vertreibt den lusten.

Der Kot der fremden Kinder stinkt für den eigenen mit.
Russland

Der Kot des Kirchenherrn (= Pfarrers) stinkt mehr, er hat Besseres zu essen bekommen.
Estland

Der Kot hängt sich immerdar an die räder, dass man schwerlich kann fortkommen.

Der Kot ligt ihm nah beym Herzen.

Der Kot sitzt ihm zwei Finger dick am Leibe.
fr] Il a deux doigts de crasse.

Der kou nu (kann noch) über Heck'n und Staud'n springa.
Franken

Der Kraftmensch wird geprügelt, der Geldmann erschlagen.
Estland

Der Krähe Anteil ist das, was sie aufpickt.
Irland

Der Krähe kommt ihr Junges wie eine Nachtigall vor.
Türkei
en] The crow thinks her own bird fairest.
la] Asinus asino pulcherrimus.
la] Suum cuique pulchrum.
sd] Hwar är kiär åty sitt, sade kråkan om sine Vngar.

Der krallt einem das Weiße aus den Augen.
Wien

Der Krämer bester Gewinn ist der Betrug.

Der Krämer ist nicht anders als der Kram.

Der Krämer raucht den schlechtesten Tabak.

Der Krämer und Wucherer Gedanken stecken stets im Geldsack.

Der Krämer Wagen und Pflug ist Betrug.

Der Krämer wird länger leben als seine Elle.
info] Mit dem Ton auf: 'der'. Diese Elle schließt ihre Tätigkeit mit Bankrott.

Der Krämer wird länger leben wie seine Elle.

Der Kranich baut kein Nest auf einem abgestorbenen Baum.
info] Der Kranich gilt als Symbol des Lebens und wird deswegen auch als Attribut des Glücksgottes betrachtet.

Der Kranich hat den Fuchs zu Gast.

Der Kranich hat hohe Beine, aber schlechtes Fleisch.
bm] Jeřàbek panský pták, ale chlapská potrava.
pl] Jerząbek panski ptak, a chłopska potrawa.

Der Kranich ist der Frösche König.
Estland

Der Kranich kennt die Grenze nicht, er überschreitet sie.

Der Kranich schaut nicht auf einen niedrigen Wald.
Estland

Der Kranich steigt selten auf einen Baum, bricht sich das Bein.
Estland

Der Kranich und der fuchs sind eines des anderen Gasterey wenig gebessert.

Der Kranich wird nicht mit einer Elster Freundschaft halten oder die Elster mit einem Kranich.
Estland

Der krank ist ein Tor, der seinn artzt zum erben macht.
dk] Den syge giør et galt raad, der keyser laegen til arving.
la] Male secum agit aeger, medicum qui haeredem facit.

Der Krank nie ärger was, denn da er wieder genas.
Luther

Der Kranke dankt Allah nicht, bis er einen Toten gesehen hat; dann dankt er ihm und sagt: Ich bin noch besser daran.
Afrika

Der Kranke darf alles sagen.
Italien

Der Kranke genest nicht stets von süßem Tranke.

Der Kranke hofft auf Genesung bis zum Tode.
Russland

Der Kranke hofft, dieweil ihm der Atem ausgeht.
Agricola
la] Aegroto, dum anima est, spes est. Cicero (um anzudeuten, dass er an dem Fortbestand der Republik noch nicht verzweifle)

Der Kranke hofft, dieweil ihm der Odem ausgeht.

Der kranke Hund sucht schon frühzeitig sein Heilkraut.
info] Man soll nicht zu spät Hilfe suchen, sondern sich bald an den Arzt wenden.
fr] Le chien au matin à l'herbe va pour son venin.
la] It matutinus canis ad herbam.

Der Kranke ist nicht gescheit (o. tut übel), der seinen Arzt zum Erben einsetzt.

Der kranke Mann ist nicht geheilt.
info] Russland verglich vor dem orientalischen Kriege 1853-55 die Türkei mit einem 'kranken Manne', in dessen Erbschaft man sich teilen müsse.
England und Frankreich eilten demselben aber zu Hilfe. Nach dem Pariser Frieden aber entstand die obige Redensart: Der kranke Mann ist nicht geheilt, die seitdem auch in anderer Beziehung sprichwörtlich gebraucht wird, um zu sagen, dass es mit einem in schlechtem Zustande befindlichen Gegenstande beim alten geblieben ist. Der geschichtliche Ursprung wird so erzählt: Es war im Januar 1853, als der Kaiser Nikolaus seine geschichtlich gewordene Unterredung mit Lord Soymour, dem damaligen englischen Gesandten in Petersburg, hatte. Der Kaiser sprach darin seine Ansichten über den zu erwartenden Zerfall des türkischen Reichs aus. 'Die Angelegenheiten der Türkei', sagte der Kaiser und Seymour berichtete es unter dem 11. Jan. desselben Jahres an Lord John Russell -, 'sind in völliger Desorganisation, das Land ist dem Zusammensturz nahe. Sein Fall würde ein großes Unglück sein; und es ist von Wichtigkeit, dass England und Russland sich darüber verständigen. Sehen Sie, wir haben einen kranken Mann auf dem Arme; und es wäre ein großes Unglück, wenn er uns eines Tags entglitte, besonders ehe wir noch alle Anstalten getroffen hätten.' Nach einigen Tagen fügte der Kaiser noch Folgendes, das Bild weiter ausführend, hinzu: 'Jetzt ist die Türkei Stufe für Stufe in einem Zustand der Altersschwäche versunken, dass, so sehr wir auch wünschen die Existenz des Kranken zu verlängern, er doch plötzlich sterben und uns auf den Armen bleiben kann. Wir können einen Toten nicht wieder aufwecken.' Es wird übrigens behauptet, die von Nikolaus angewandte Bezeichnung sei nicht in seinem Kopfe entsprungen, sondern hofgeschichtliche Überlieferung. Sie soll zuerst von Voltaire und zwar in einem seiner Briefe an Katharina von Russland angewandt sein. Zwischen ihm und der Kaiserin waren über den Gesundheitszustand des kranken Türken vertrauliche Äußerungen gepflogen worden, und Voltaire sprach es mit aller Bestimmtheit aus, 'der kranke Mann könne nur in dem über ihn zusammenschlagenden Arme Russlands sein richtiges und wohlverdientes Ende finden'. Das Voltaire'sche Wort vom kranken Manne, der auf den letzten Schlag des russischen Zaren warte, war in die russischen Hoftraditionen übergegangen und hatte sich in demselben als pikanter Ausdruck einer Idee festgesetzt, welche das Schicksal selbst in die Bestimmung Russlands eingepflanzt habe.
en] The sick man in a carriage.

Der Kranke nimmt ab, die Krankheit wächst.

Der Kranke nimmt einen Wagen.

Der Kranke regiert den Wärter.

Der Kranke spart nichts als die Schuhe.

Der Kranke sucht die Heilung, und der Arzt findet die Krankheit.
Lettland

Der kranke sucht gesundheit.

Der Kranke traut nur widerwillig
Dem Arzt, der 's schmerzlos macht und billig,
Lasst nie den alten Grundsatz rosten:
Es muss a) wehtun, b) was kosten.
Eugen Roth

Der Kranke trinkt, dass er gesunde, nur einen Löffel jede Stunde; wenn du in froher Zecher Rund bist, trink tapfer drumb, weil du gesund bist.

Der Kranke und der Gesund haben verschiedenen Mund.
dk] En syg og sund har ey en mund.

Der Kranke und Gesunde haben ungleiche Stunde.

Der Kranke weiß am besten, wo's ihn schmerzt (liegt).

Der Kranke weiß besser, was ihm fehlt als der Arzt, der ihm das Rezept schreibt.
Russland
bm] Neptej se lékaře, ale nemocného, kde ho bolí.
pl] Nie doktora pytaj, chorego pytaj, gdzie go boli.

Der Kranke, der das wirkende Mittel immer zur Hand hat, ist nicht zu beklagen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Der Kranken Gunst stärkt des Arztes Kunst.

Der kranken Seele, nach der Art der Sünden
Scheint jeder Tand ein Unglück zu verkünden.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet, IV, 5 (Königin)

Der Kranken, Soldaten und Schiffer Leben ist schwer zu versichern.
fr] Un malade est sur une planche, un fébricitant est en bataille.

Der Krankert!
info] Ausruf der Verwunderung.

Der kränkest hält allzeit das licht.
z] Der Kränkest muss das licht auch tragen.
info] Krankest wohl in dem Sinne: der Schwächste, da kurz vorher gesagt ist: 'der schwache wird vom starken geschlagen.'

Der Kränkest muss allweg das Licht tragen.

Der Krankheit darf man ja nicht nachgeben.

Der Krankheit geht's besser, wenn's dem Menschen schlechter geht.

Der Krankheit sind am nächsten, die sich warten am besten.

Der Kränkste muss das Licht tragen.

Der Kranz tut's nicht, sonst wäre der Geier der beste Vogel.

Der Krätzige schilt den Räudigen.
nl] Mijn schurft en jou krets zullen wel hetzelfde zijn.

Der kratzt sich, wo et en net biess.
Bedburg

Der Krebs geht auch im Alter noch rückwärts.
Russland

Der Krebs hat kein Fett.
Lettland

Der Krebs ist kein guter Botenläufer.

Der krebs ist kein guter Bottenläufer.

Der Krebs ist nimmer tüchtig, zu gehen recht und richtig.
la] Nunquam efficies, ut recte ingrediantur cancri.

Der Krebs liebt das Wasser, aber nicht, wenn es kocht.

der Krebs seinen Gang,

Der Krebs will den Walfisch zwicken.

Der Krebs will einen Hasen erlaufen, die Kuh aus einem engster saufen.
info] Von etwas ganz Unwahrscheinlichem und Ungereimtem. In den Fällen aber, wo der an Kräften Nachstehende den an Kunst und Talent Übergeordneten, wo der Langsame z.B. durch List den Schnelleren besiegt, sagten die Alten: Velocem tartus sequiter.
la] Cancer leporem capit.

Der Krebs will einen Hasen fangen (o. hat einen Hasen eingeholt).
info] Von etwas ganz Unwahrscheinlichem und Ungereimtem. Auch um zu sagen, das mag man einem anderen weismachen.
la] Cancer leporem capit.

Der Kredit ist das Blut der Wirtschaft: die Kontrolle über den Kredit ist die Kontrolle über die gesamte Gesellschaft.
Sinclair

Der Kredit ist eine durch reale Leistungen erzeugte Idee der Zuverlässigkeit.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 947

Der Kreis um den Mond zeigt Dürre an, der Kreis um die Sonne zeigt Regen an.
Estland

Der Kreis, den die Menschheit auszulaufen hat, ist bestimmt genug, und ungeachtet des großen Stillstandes, den die Barbarei machte, hat sie ihre Laufbahn schon mehr als einmal zurückgelegt. Will man ihr auch eine Spiralbewegung zuschreiben, so kehrt sie doch immer wieder in jene Gegend, wo sie schon einmal durchgegangen. Auf diesem Wege wiederholen sich alle wahren Ansichten und alle Irrtümer.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre. Einleitung

Der kreißende Berg hat eine Maus geboren.
tü] Dağ doğura bir fare doğurdu.

Der Kreutzer macht, dass der Blinde singt.
info] Mit Geld bewirkt man alles.

Der Kreuz und der Quer begegnen sich alm (= immer) in der Mitt'.

Der Kreuzschlüssel macht (o. schließt) den Himmel auf.
info] Wenn er einen Bart von Tugend hat.

Der Krieg aber legt nicht nur allem sein Tarnkleid an, er duldet auch nicht die Mannigfaltigkeit der Gemüter. Die persönliche Biographie, alle Alters- und Charakterunterschiede treten in den Hintergrund.
Ehrenburg, Memoiren

Der Krieg bedeutete einen gewaltigen Aderlass.
info] Wörtlich zu verstehen

Der Krieg betrügt allzeit seinen Mann.
fr] La guerre trompe toujours son homme.

Der Krieg betrügt uns: denn der Hass erhöht das Hochgefühl des Kampfes nicht.. Und wenn die Gegensätze der Kulturen wertvoll sind, weil sie immer neue Mischungen erlauben, so ist es ungeheuerlich, dass sie einander vernichten.
Saint-Exupéry, Wind Sand und Sterne

Der Krieg beugt viel Recht und biegt viel Unrecht zurecht.
es] La guerra a muchos derechos tuerce y a muchos tuertos endereza.

Der Krieg bringt alles Übel und nimmt alles Gute.
es] La guerra: todo lo malo lo trae, y todo lo bueno se lo lleva.

Der Krieg bringt ja nicht Salz (und) Brot.
Estland

Der Krieg bringt manchem Glück, aber es kommt nicht jeder zurück.
it] Mala è la guerra donde non si ritorna.

Der Krieg bringt viel Störendes, aber auch Schönes.
Goethe (1749-1832), F. de la Motte Fouqué, Ende Oktober 1813

Der Krieg der Eichel und der Ecker berührt die Wallnuss nicht.
Russland

Der Krieg ernährt den Krieg. Gehn Bauern drauf,
Ei, so gewinnt der Kaiser mehr Soldaten.
Schiller, Piccolomini, I, 2 (Isolani)
info] Was man im Kriege dem Feinde abnimmt, dient zur Führung desselben. In dem Sinne wie z.B. Wallenstein den Krieg führte. Das Sprichwort scheint aber auch in der Bedeutung angewandt zu werden, dass ein Krieg den anderen hervorrufe.
fr] La guerre nourrit la guerre.
sd] Krig föder krig.

Der Krieg ernährt sich selbst.
la] Bellum se ipse alit. (Vgl. Schillers 'Die Piccolomini': Der Krieg ernährt den Krieg.)

Der Krieg gehet allein über armer Leut Beutel.

Der Krieg geht allein über armer Leute Beutel.

Der Krieg gibt dem Kind keine Erziehung.
Kenia

Der Krieg hat die gleißende Zivilisationsschminke abgewischt, die Bestialität spreizte sich ohne Feigheit..
W. Liebknecht, Wissen ist Macht - Macht ist Wissen

Der Krieg hat die Kunst und die Wissenschaft in die Knie gezwungen.
Rolland, Die Vorboten

Der Krieg hat die Würde des Alters für sich; Krieg gab es zu allen Zeiten: immer hat er die Welt mit Witwen und Waisen erfüllt, die Familien der Erben beraubt und Brüder in einer Schlacht umkommen lassen.
La Bruyère, Vom Herrscher oder vom Staat

Der Krieg hat ein Loch.
info] Es geht zu Ende damit.

Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.
Fliegende Blätter

Der Krieg hat kein Erbarmen.
Schiller, Wallensteins Lager, 6 (Zweiter Jäger)

Der Krieg hat keine Augen.
Kenia

Der Krieg hat keinen Rat.

Der Krieg hat seine Härten, sagte der Armeelieferant, da steckte er sich fünfhundert Fuder Heu in die Tasche.

Der Krieg hat seinen eignen gut geschmierten Mechanismus, der selbsttätig läuft; der Frieden aber hängt noch immer von dem guten Willen der Menschen ab.
Ossietzky, Der Fall Völkerbund

Der Krieg hat zum Zweck, die Politik der Regierung mit den Waffen durchzuführen.
Helmuth Graf von Moltke

Der Krieg heilt keine Wunden, er schlägt nur neue.
Russland

Der Krieg hilft manchem auf die Beine, das aus einem Reiter ein Fußgänger wird.

Der Krieg hilft manchem auf die beine, dass aus einem Reiter ein Fußgänger wird.

Der Krieg ist auf Gewalttätigkeit und Zerstörung begründet, was das Gesetz im Frieden streng bestraft, das Töten von Menschen, wird im Kriege gefordert. Den Trieben primitiver Völker entspricht das, denen der Kulturvölker im Allgemeinen nicht.
Ricarda Huch (1864 - 1947), Wir Barbaren und die Kathedralen

Der Krieg ist das Gericht der Könige, die Siege sind seine Urteile.
Rivarol

Der Krieg ist das größte Übel.

Der Krieg ist das größte Übel.
la] Mars implacabile monstrum.

Der Krieg ist den Unerfarnen ein süß ding.

Der Krieg ist der Schöpfer aller großen Dinge. Alles Bedeutende im Strom des Lebens ist durch Sieg und Niederlage entstanden.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes

Der Krieg ist der Vater aller Dinge.

Der Krieg ist der Vater aller Dinge.
la] Bellum omnium pater. (nach Herakleitos)

Der Krieg ist der Vater alles Rückschritts.
Arnold Zweig, Die Zeit ist reif

Der Krieg ist der Vater alter Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.
Heraklit

Der Krieg ist die Ferienzeit des Diplomaten.

Der Krieg ist die Freiheit gewisser Barbaren, darum ist es kein Wunder, dass sie ihn lieben.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Der Krieg ist die Mutter des Friedens.

Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist ein Fass ohne Boden.

Der Krieg ist ein Patent der bürgerlichen Gesellschaft und wird als solches gesetzlich geschützt.
Becher, Dichter, lüge!

Der Krieg ist ein Rubelfresser.
Russland
bm] Vojna se penĕzi vydrzuje, vojna se z krve raduje.
fr] L'argent est le nerf de la guerre.
it] I denari fanno guerra.
sd] Krijg vthan medel är kropp vthan seenor.

Der Krieg ist ein rücksichtsloser Aufdecker des Geheimsten, was in dem einzelnen Menschen, was in einem ganzen Volke schlummert.. Er bringt die edelsten Eigenschaften zum Vorschein, wie er auch das Unmenschliche offenbar macht.
Becher, Deutsche Sendung

Der Krieg ist ein Schul aller Laster.
bm] Mnozí na vojnu tahnou s jednou neřestí, ale s nĕkolika se zase domu navracují.

Der Krieg ist ein solcher Abgrund des Jammers, sein Ausgang so wenig sicher und seine Folgen für ein Land so verheerend, dass es sich die Landesherren gar nicht genug überlegen können, ehe sie ihn auf sich nehmen.
König Friedrich der Große, Der Antimachiavell

Der Krieg ist ein Unglück, aber die Tapferkeit ist unstreitig eine der erhabensten Tugenden.
Karamsin, Reise durch Frankreich

Der Krieg ist ein Winterschlaf der Kultur.
Nietzsche

Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist eine Kuh, die zwischen Dornen gemolken wird.
Bantu

Der Krieg ist eine Sache des Menschen, in der er sich wiedererkennen kann: unter Schlägen und Leid findet er sein deformiertes Bild.
Siegfried Lenz, Ich zum Beispiel (1966)

Der Krieg ist etwas Fürchterliches, aber nicht so schlimm wie ein fauler Friede. Auch der furchtbarste Krieg hat ein Ende, aber ein fauler Friede währt und währt und taumelt von einem Kriege zum anderen.
Lloyd George, Rede zu London, 4.8.1917

Der Krieg ist für den einen eine Amme, für den anderen ein Windhund, für den dritten der Tod.
bm] Vojna pro jednoho kojná, pro druhého chrt, pro třetího smrt.

Der Krieg ist für uns keine unvermeidliche Naturnotwendigkeit, kein Schicksal, dem man sich unterwerfen muss und das außerhalb der Macht und der Bestimmungsmöglichkeit der Menschen liegt. Die Ursache des Krieges als einer historischen Erscheinung wurzelt auch nicht in der bösen Natur des Menschen oder in der schlechten Politik der Regierungen, sondern in der Spaltung der Gesellschaft in Klassen, in Ausbeuter und Ausgebeutete.
Becher, Die Kriegsgefahr und die Aufgaben der revolutionären Schriftsteller

Der Krieg ist gut, der auf den Frieden dringt; der Krieg ist arg, der neues Kriegen bringt.

Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein Ausrotten durch Technik.
Karl Jaspers, Die Atombombe und die Zukunft des Menschen

Der Krieg ist in Wahrheit eine Krankheit, wo die Säfte, die zur Gesundheit und Erhaltung dienen, nur verwendet werden, um ein Fremdes, der Natur Ungemäßes, zu nähren.
Goethe (1749-1832), Riemer, 13.12.1806

Der Krieg ist kein Abenteuer. Der Krieg ist eine Krankheit. Wie der Typhus.
Antoine de Saint-Exupéry, Flug nach Arras

Der Krieg ist kein Pfänderspiel.
sd] Krijg är ingen Barnaleek.

Der Krieg ist kein Zeitvertreib, keine bloße Lust am Wagen und Gelingen, kein Werk einer freien Begeisterung; er ist ein ernstes Mittel für einen ernsten Zweck.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist lustig (süß) den Unerfahrenen.
z] Eyn gemeyn sprüchwort, der krieg ist lustig dem vnerfahrnen, durch den allergelertesten Erasmum von Roterodam erstlich zu latein gar künstlich aussgelegt: Vnd jetzo durch her Vlrichen Varnbüler geteutscht. Gedruckt zu Basel durch Audream Cratandrum an den sechsten Tag. Novbr. 1519, in Nopitsch, 12.
bm] Ten neví, jak milý jest pokoj, kdo nezakusil vojny.
dä] Krig er sød for de uforfarne.
ho] De krijg is den onverzochte zoet.
it] La guerra è dolce per chi non l'hà, provata.
la] Dulce bellum inexperto.
pl] Niewie, co to pokój, kto nieskosztował wojny.
pt] Doce he a guerra, para quem uão andou nella.
sd] Krijget är ljuft för den som aldrig smakat.

Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist nichts anderes als eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Clausewitz (Übliche Zitierweise)
Der Originalwortlaut aus Clausewitz, 'Vom Kriege', 11. Aufl. 1832, S. 640: Der Krieg ist nichts als eine, Fortsetzung des politischen Verkehrs, mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, dass dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufhört, nicht in etwas anderes verwandelt wird, sondern dass er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch die Mittel gestaltet sein mögen, deren er sich bedient.
'Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik.' Von diesem Punkt ausgesehen, ist der Krieg Politik. Der Krieg an sich ist eine Handlung, die politischen Charakter trägt, seit alters hat es keinen Krieg gegeben, der nicht politischen Charakter gehabt hätte .. Aber der Krieg hat seine Besonderheiten. Aus dieser Sicht betrachtet, ist der Krieg nicht gleichbedeutend mit der Politik schlechthin. 'Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit spezifischen Methoden.' Wenn die Politik einen bestimmten Entwicklungsgrad erreicht hat und sich nicht mehr weiterentwickeln kann, dann bricht der Krieg aus, der der Politik die Hindernisse aus dem Weg räumen soll .. Sind die Hindernisse beseitigt und ist das Ziel der Politik erreicht, hört der Krieg auf. Sind die Hindernisse nicht restlos beseitigt, dann muss der Krieg fortgeführt werden, damit die Sache ein Ende findet .. Deshalb kann man folgendes sagen: Politik ist unblutiger Krieg, und Krieg ist blutige Politik.
Mao Tse-tung

Der Krieg ist nie ein isolierter Akt.
Carl von Clausewitz, Vom Kriege

Der Krieg ist nie etwas anderes als eine mit technischen Mitteln beschleunigte Veränderung.
McLuhan

Der Krieg ist niemandes Bruder.
Serbien

Der Krieg ist nur der vergrößernde Hohlspiegel der Wunden, die wir so leicht machen, nur das Sprachrohr und Sprachgewölbe der Seufzer, die wir einzeln auspressen.
Jean Paul, Friedens-Predigt an Deutschland

Der Krieg ist nur eine der unendlich zahlreichen Konsequenzen, die die Einführung des Eigentums in einem bestimmten Entwicklungsstadium mit sich gebracht hat.
Rolland, Die Vorboten

Der Krieg ist oft eine Pflicht, aber deswegen muss man kein Handwerk daraus machen.
Jean-Jacques Rousseau, Letzte Antwort

Der Krieg ist oft nicht so schlimm als die Furcht vorm Kriege.
it] Peggio è la paura della guerra, che la guerra istessa.

Der Krieg ist schrecklich, wie des Himmels Plagen,
Doch er ist gut, ist ein Geschick, wie sie.
Friedrich Schiller, Wallensteins Tod II, 2 (Max)

Der Krieg ist schwer und hart, und in solchen Perioden, in denen der Feind seine Aggressivität verstärkt, kann man nicht einmal die kleinsten Anzeichen von Verrat dulden.
Che Guevara, Episoden aus dem Revolutionskrieg

Der Krieg ist um des Friedens willen, die Geschäftigkeit um der Muße willen, das Notwendige und Nützliche um des Schönen willen vorhanden.
Aristoteles, Älteste Politik

Der Krieg kommt endlich selber am Kriege um, seine Vervollkommnung wird seine Vernichtung, weil er sich durch seine Verstärkung abkürzt.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Krieg kündigt sich durch Schimpfworte an. Sudan

Der Krieg lässt die Kraft erscheinen,
Alles erhebt er zum Ungemeinen,
Selber dem Feigen erzeugt er den Mut.
Schiller, Die Braut von Messina, 890/92 (Chor)

Der Krieg leidet kein Probestück.

Der Krieg lohnt seinen Herrn, wie der Teufel seinen Knecht.

Der Krieg macht (zeugt) die Diebe und der Friede hängt sie auf.
en] War makes thieves, and peace hangs them.
fr] La guorre fait les larrons, la paix les pend.
it] La guerra fà i ladri, e la pace gl'impicca.

Der Krieg macht die Männer zu Räubern, und der Frieden knüpft sie auf.
es] La guerra hace los ladrones y la paz los ahorca.

Der Krieg macht Diebe, und der Friede hängt sie.
England

Der Krieg macht Krieger.
la] Repugnare assuefacti ipsi quoque bellicosi evadunt. Plutarch

Der Krieg nährt sich selbst.
Titus Livius, Römische Geschichte (Ausspruch Catos)

Der Krieg schafft schon Gefährten, Schrecken erregt nur das alltägliche Gerede.
Petrarca, an Kaiser Karl IV. in Prag

Der Krieg schleudert Gebirge von Leid auf die Welt; er zermalmt sie durch geistige und materielle Entbehrungen.
Rolland, Die Vorboten

Der Krieg schürt sein Feuer ganz von selbst.
info] Schiller, 'Die Piccolomini': Der Krieg ernährt den Krieg
sp] La guerra por sí se atiza.

Der Krieg seucht wohl, stirbt aber nicht, sprechen die Kriegsleut.

Der Krieg seucht wohl, stirbt aber nicht.

Der Krieg soll verflucht sein.
Brecht, Mutter Courage und ihre Kinder

Der Krieg spielt sich immer so ab, als wäre die Menschheit auf den Begriff der Gerechtigkeit noch überhaupt nicht gekommen.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972

Der Krieg stellt also keine Beziehung von Mensch zu Mensch dar, sondern das Verhältnis eines Staates zum anderen..
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Der Krieg tritt selten auf, außer dort, wo Reichtümer verlocken.
England

Der Krieg und die Gemälde zeigen ihre Schönheit nur aus der Entfernung. Spanien

Der Krieg und die Malerei (o. Gemälde) zeigen ihre Schönheit nur von weitem (o. aus der Entfernung).
es] La guerra y la pintura de ljos tienen la hermosura. (In der spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts waren besonders geschätzt die perspektivischen Hintergründe, die man 'lejos' (= Ferne) nennt.

Der Krieg verderbt Land und Leut; wer lebt, dem bleibt die beste Beut.

Der Krieg verderbt Land und Leut; wer lebt, dem bleibt die beste Beut.
fr] Bonne ne peut estre la guerre qui plusieurs terrasse et attère.
fr] Guerre est la feste des morts.

Der Krieg verläßt sich seit Jahrhunderten mit Erfolg darauf, daß man, statt ihn zu verfluchen, für den Frieden betet.
Sprüche der Weisen

Der Krieg verschlingt die Besten!
Friedrich Schiller, Das Siegesfest

Der Krieg verschont weder Bruder noch Freund.
bm] Kde vojna vládne, bratrství slabne.
kroat] Kad je rat, nigdo nikomu brat.

Der Krieg viel Unheil bringen tut, drum ist allein der Friede gut.

Der Krieg will ein Haupt mit guter Zunge und doppeltem Gehirn haben.

Der Krieg wird Freunden und Feinden schwer.

Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat.
Heinrich Böll

Der Krieg zeigt die Menschen in der rohen Stärke aller Leidenschaften.
Goethe (1749-1832), G. Geßner, 22.10.1797

Der Krieg zerstört, der Friede ernährt.
info] Auch von Streitereien

Der Krieg zerstört, was der Friede genährt.
dk] Hvad i mange hundrede aar er samlet, kand krigen i faa timer adsprede.

Der Krieg zum Anfang fordert Geld und den zum Fortgang aber Geld und zum Auswarten eitel Geld.

Der Krieg zum Anfang fordert Geld, und der zum fortgang aber Geld und zum ausswarten eitel Geld.

Der Krieg zwischen den Eulen und Raben gereicht dem Landmann zum Vorteil.
Russland

Der Krieg zwischen Jäger und Wolf führt nicht zum Frieden.

Der Krieg zwischen zwei gebildeten Völkern ist ein Hochverrat an der Zivilisation.
Carmen Sylva, Vom Amboss

Der Krieg, den die Augen führen, kommt nie zu einem Ende.
info] Sie wollen immer noch mehr sehen
Kikuju (Kenia)

Der Krieg, sagt Heraklid, ist der Vater aller Dinge. Aus dem Zusammentreffen entgegengesetzter Kräfte in den großen Momenten der Gefahr - Unglück, Erhebung, Rettung - gehen die neuen Entwicklungen am entschiedensten hervor.
L. von Ranke, Die großen Mächte

Der Krieg, sagt ihr, entwickelt und enthüllt große Völker und große Menschen, so wie sich bei Regenwetter ferne Gebirge aufdecken. Sonach hätten wir denn lauter große Völker.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Krieg, wie er sich auch wend, so nimpt er doch mit Schad ein End.

Der Krieg, wie er sich auch wende, so nimmt er doch mit Schad ein Ende.

Der Krieg, wo er nicht erzwungene Selbstverteidigung, sondern ein toller Angriff auf eine ruhige, benachbarte Nation ist, ist ein unmenschliches, ärger als tierisches Beginnen, indem er nicht nur der Nation, die er angreift, unschuldigerweise Mord und Verwüstung drohet, sondern auch die Nation, die ihn führet, ebenso unverdient als schrecklich hinopfert.
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Der Krieg.. ist eine Barbarei, die mit fortschreitender Zivilisation verschwinden wird. Die großen Demokratien sind friedlich gesinnt, und ihr Geist wird bald über die Autokraten selbst Macht bekommen.
France, Die Insel der Pinguine

Der Krieger wetzt auch im Traum sein Schwert.
Russland

Der Kriegsknecht im Haus macht dem Frieden den Garaus.
nl] De krijgsknecht in huis maakt een einde aan de vrede.

Der Kriminalroman ist die Ausspannung von der alltäglichen Tätigkeit..
Tucholsky, Kriminalromane

Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt.
Arthur Conan Doyle

Der Kritiker ist Botaniker. Ich bin Gärtner.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Der Kritiker ist der leidenschaftliche Leser. Ein Leser, der von ganzem Herzen danach dürstet, die künstlerischen Schönheiten möglichst schnell in lebendige Großtaten zu verwandeln. Es ist dies eine Sonderbegabung.
Lunatscharski, Gedanken über die Kritik

Der Kritiker ist ein Entdecker und Sammler der Fehler von Schriftstellern.
Jonathan Swift, Ein Tonnenmärchen

Der Kritiker lässt den Künstler, den er nicht versteht, das fühlen. Er behandelt ihn sehr von unten herab.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3. Irrlicht

Der kritische Realismus musste sich mit der realistischen Kritik begnügen, ohne seinerseits imstande zu sein, eine Perspektive zu geben.
Becher, Das poetische Prinzip

Der Kritizismus kann dich zum Philosophen machen, aber nur der Glauben zum Apostel.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Krokodil tränen weint, wenn er einen zu fressen meint.

Der kroppenstädter Vorrat.
info] Kroppenstädt ist eine kleine, etwa drei Meilen von Halberstadt gelegene Stadt, welche den Vorrat zum Wahrzeichen hat. Es ist ein silberner Pokal mit einer lateinischen Inschrift, die, von Dr. Lucanus in Halberstadt übersetzt, dahin lautet: 'Vierzehn Knaben hat einst in einem Jahre, erzählt man, mit zwölf Müttern zugleich gezeugt ein einziger Erzeuger. Dreizehn Wiegen beschafften aus Vorsicht die sorgsamen Mütter, diese doch reichten nicht aus, in den Backtrog musste der letzte. Heute noch schreibt sich daher der Vorrat in unserm Städtchen.' Auf der anderen Seite sind die Namen des damals fungirenden Rates zu lesen. Der Becher selbst heißt: der kroppenstädter Vorrat.

Der Krücke von Eisen muss das Rohr weichen.

Der Krug gehet so lang zu wasser, biss er verbricht, bevorab wenn ihn ein Narr trägt.

Der Krug gehet so lange zum Bach, bis er bricht Hals oder Krag.
Eifel

Der Krug geht nicht so oft zum Brunnen, ohne nicht zuletzt zerbrochen nach Hause zu kommen.
England

Der Krug geht oft zum Brunnen und einmal nicht.

Der Krug geht so lange zum Brunnen (o. zu Wasser), bis er bricht.
(Hops über Stock und Stein!
Seht den wilden Knaben,
Oftmals fiel er nicht hinein,
Heut' stürzt er in den Graben.)
en] A pot often sent to the well is broken at last.
en] The pitcher which goes too often to the well gets broken at last.
fr] Tant va la cruche à l'eau qu'à la fin elle se casse (brise).
it] Tanto va la gatta al lardo che ci lascia lo zampino.

Der Krug geht so lange zum Brunnen (zu Wasser), bis er bricht (den Boden verliert).

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.
it] Tanto va la brocca all'acqua finché si rompe.
la] Donec fracta cadit, ad lymphas amphora vadit.

Der Krug geht so lange zur Tränk, bis er bricht Hals oder Henk.
Eifel

Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.
info] Unter diesem Titel erschien 1802 zu Regensburg ein Lustspiel von J.F. Jünger. 1. Alles in der Welt erreicht einmal sein Ende, man mag es noch so lange gebrauchen. 2. Eine Sünde wird so lange begangen, bis ihr endlich die Strafe nachfolgt. Als einem hochgestellten Beamten sein Fürst einst mit diesem Sprichwort die Entlassung aus dem Amte andeutete, wenn er sein Geschäft nicht sorgfältiger wahrnehme, erwiderte er: 'Mein Krug geht nie zu Wasser, immer nur zu Wein.'

Der Krug geht zum Brunnen, was will die Scherbe dort.

Der Krug gieht su lange zum Burne, biss der Henkel bricht.

Der krug gieng so lang zur bach, bis er zuletzt zerbrach.

Der Krug ist entzwei, sagte der Schusterjunge; wenn i nur a schon de Schläg hätt'.

Der Krug ist hier am rechten Brunnen.

Der Krug kann ganz bleiben, wenn du ihn vom Dache wirfst, und zerbrechen, wenn er vom Tische fällt.
Russland

Der Krug richtet mehr Menschen hin als der Krieg.

Der Krug so lang ging zum Bach, bis er endlich einmal brach.

Der Krug so lang zum Wasser geht, bis er zu gebrochen dasteht.

Der Krug, der oft zur Quelle geht, muss einmal zerbrechen.
Spanien

Der Krug, der oft zur Quelle wird getragen,
Verliert den Henkel oder wird zerschlagen.
es] Cantarillo que muchas veces va a la fuente,
O deja el asa ó la frente.

Der krumme Haferkuchen macht den Körper gerade. Insel Man

Der krumme Weg führt ins Zuchthaus.

Der Krüppel kann nicht hinken.

Der Krüppel wird schon Nachricht bringen, der Bettler den Brief tragen.
Estland

Der Kuban wird nicht aufwärts strömen, und das Alte kehrt nicht mehr zurück..
Serafimowitsch, Der eiserne Strom

Der Kuchen ist gut, aber ich mag ihn nicht.
info] Es mag gut sein, aber mich kann es nicht befriedigen.

Der Kuchen ist in einer anderen Form (auf andere Weise) gebacken.
nl] Die koek is op eene andere manier gebakken.

Der Kuchen ist nicht vor Sanct-Severin gebacken.
ndt] In Kâg as eg föör Sewerin beegen. Amrum

Der Kuchen möchte Sahne, das Gerstenbrot möchte Klares, der kleine Brotlaib möchte Hübsches, der Brei möchte Reines.
Estland

Der Kuchen schmeckt immer nach der Bäckerin.
dk] Kagen er altid konenliig.

Der Kuchenbäcker isst am liebsten Brot.

Der Kuchenbäcker isst Brot am liebsten.
Russland
bm] Koláč se brzo přejí, ale chléb nikdy.

Der Kuckuck behält seinen Gesang,

Der Kuckuck behält seinen Gesang,
Die Glocke ihren Klang,
Der Krebs seinen Gang,
Narr bleibt Narr sein Leben lang.

Der Kuckuck bringt eine milde Jahreszeit, die Schwalbe warme Tage.
Finnland

Der Kuckuck eifert mit der Nachtigall.

Der Kuckuck frisset seine Mutter, die Grasmücke.
Luther
info] Ein aus irriger Naturkenntnis entsprungenes Bild.

Der Kuckuck hole den Freund, der mit den Flügeln deckt und mit dem Schnabel hackt.

Der Kuckuck hört auf zu rufen, wenn er den Wiesbaum fallen hört oder das erste Mandel auf dem Kornacker sieht.
Oberösterreich

Der Kuckuck hört dann auf zu rufen, wenn er einen Heuhaufen sieht.
Estland

Der Kuckuck ist auch schön.

Der Kuckuck ist nie im eigenen Land berühmt.

Der Kuckuck ist Überbringer und Fortbringer des Glücks.
Estland

Der Kuckuck ist von weitem berühmt.
Estland

Der Kuckuck klagt mit dem Kuckucksruf, dass er kein eigenes Nest hat.
Russland

Der Kuckuck kündet feuchte Zeit, wenn er nach Johanni (24.6.) schreit.

Der Kuckuck legt die Eier nie in sein Nest.
Estland

Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester.

Der Kuckuck legt stets in ein ander Nest.
sd] Kukkuk ligger giärna i annars näste.

Der Kuckuck liecht und brödicht nit, der Far dîer brädicht und hält es nit.
Siebenbürgen/Sachsen

Der Kuckuck muss jm selbst sein orgycht aussruffen.

Der Kuckuck plagt dich.

Der Kuckuck ruft (immer) seinen eigenen Namen. (Angewandt auf Leute, die dauernd von sich selbst sprechen)

Der Kuckuck ruft seinen eigenen Namen aus.
info] Die siebenbürger Sachsen: Der Kuckuck rufft seinje Numen. Angewandt auf Leute, die dauernd von sich selbst sprechen
ndt] Der Kuckuck röppt sinen egenen Namen ût. Pommern

Der Kuckuck ruft seinen eignen Namen.

Der Kuckuck ruft sich selbe aus.

Der Kuckuck schreit nicht eher, bis der Hafer grün wird.
z] Insbesondere wird Georgi als der Tag genannt, an welchem er zu rufen anfängt. Eine Blume (Lych. flos. Lin.), welche um diese Zeit, wann er ankommt; zu blühen pflegt, heißt daher auch Gugitzer Blüemel. Der Kuckuck heißt in Oberösterreich Gugu, Guga, Gugitzer.

Der Kuckuck singt im neuen Jahr, so wie sein Sang im alten war.
dk] Gugen lærer hvert aar at siunge, og kand dog ingen anden viise end kuk, kuk.

Der Kuckuck singt seinen Gesang, ob der schon alt ist.
dk] Gøgen kukker sin sang, om den end er gammel.span>

Der Kuckuck singt seinen Namen selbst.
z] O Sitten, ach o Zeit. Es rufft den eignen Nahmen der Gugguk annoch aus. Der Blinde schilt den Lahmen.
la] Ipse semel canit.
pl] Chwała z własnych ust śmierdzi, z cudzych pachnie.

Der Kuckuck soll den Teufel holen.
nl] Laat de donder er twee maken.

Der Kuckuck soll nach Johanni schweigen, sonst wird sich nicht viel Gutes zeigen.

Der Kuckuck trieb manchen vom Hausbrand.

Der Kuckuck und das Siebengestirn können sich nicht vertragen.
info] Man sieht sie beide nicht zusammen.

Der Kuckuck und sein Küster.

Der Kuckuck unter Nachtigallen.

Der Kûfmân (Kaufmann) dinkt: kiste net hekt, kiste mer moren; kist mer îst, si misst det bezuolen.

Der Kûfmân hîst en Jêde: gnêdiger Här.

Der Kûfmân lift seinj Wuor.

Der Kûfmân schprächt: kiste mer sälden, misst te't entgälden.

Der Kügel gerut (gerät) nuch die Gäst.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Kügel = Beliebte jüdische Mehlspeise. Hausfrauenregel.

Der Kuh Art ist im Kornkasten.
Estland
info] Der Milchertrag hängt vom Futter ab

Der Kuh die Hörner abschneiden.
info] Die Hindernisse überwinden.

Der Kuh die Raufe höher schrauben.
info] Einen in den Mitteln zu seinen Genüssen beschränken.

Der Kuh eine Amme halten, damit sie Milch gibt.

Der Kuh eine Perücke aufsetzen.
nl] Eene koe moet men geene gouden huif opzetten.

Der Kuh gefällt eine Handvoll Gras besser als aller Gelehrter Künste.

Der Kuh ist 's Horn nicht ab.

Der Kuh legt man eine tote Maus ins Fressen; wenn du willst, können wir dir auch so etwas geben.

Der Kühe Tod, der Pferde Brot.
info] Dies holsteinische Sprichwort sagt, dass der Duwak (Schachtelhalm, Equisetum) in seinen verschiedenen Arten den Kühen schädlich, den Pferden gesund ist. Jene geben davon schlechte bläuliche Milch, magern ab, bekommen Durchfall uud Blutharnen, geben schlechtes Fleisch, gehen ein.

Der kühle Wein macht ein gut Latein.

Der Kuhmist wird breiter, wenn man darauf tritt.

Der kühne Flug des Edlen hebt uns, wenn er die Erde verläßt, bis zum Thron der Götter, und Wollust, mit ihm als Mensch verwandt zu sein, mischt sich bei seinen Leiden unter unsre Tränen.
Klinger, Damokles

Der Kühne führt die Braut heim.

Der Kühne sucht die Gefahr auf
Und erfreut sich mit ihr..
Goethe (1749-1832), Reineke Fuchs 9. Gesang Vs 9

Der Kuhschwanz hält rechts und links Wache.

Der Kuhschwanz hängt am letzten Loche.
info] Der Hochmuth wird ihn bald stürzen.

Der Kuk vom Rabbiner ist ausgezeichnet.

Der Kult des Kolossalen bedeutet den Kniefall vor dem bloß 'Großen' als hinreichenden Ausweis des Besseren und Wertvolleren, die Verachtung des äußerlich Kleinen, aber innerlich Großen, dem Kult der Macht und der Einheit, die Bevorzugung des Superlativistischen in allen Bereichen des Kulturlebens, ja sogar im sprachlichen Ausdruck. Erst seit Napoleon beginnt das Beiwort 'groß' verräterisch in Ausdrücken wie 'Große Armee', 'Großherzöge', 'Großer Generalstab', 'Großmächte', aufzutauchen..
Röpke, Gesellschaftskrisis

Der kultivierte Mensch hat seine Energie nach innen, der zivilisierte nach außen.
Spengler, Untergang des Abendlandes

Der Kummer bedarf der Worte weniger als die Freude.
England

Der Kummer darf sich nicht in unserem Herzen ansammeln wie Wasser in einem trüben Tümpel.
Vincent van Gogh, Briefe

Der Kummer ist ein Verdummer.

Der Kummer schwindet, wenn er keine Nahrung findet.
la] Dolor decrescit, ubi, quo crescat, non habet.

Der Kummer steht einsam und vermieden von allen Glücklichen wie ein gefallener Günstling. Nur die Freundschaft lächelt ihm.
Kleist, Albumblätter, für Adolfine von Werdeck

Der Kummer vergeht, wenn er mit fünf Menschen geteilt wird.
Sanskrit, Indien

Der Kummer, den man mit dem Volke teilt, wird zum Feiertage.
Turkvölker

Der Kummer, der nicht spricht
Raunt leise zu dem Herzen, bis es bricht.
Shakespeare (1564-1616), Macbeth, IV, 3 (Malcolm)

Der kümmert sich en Kleekas drum.
Oberösterreich
info] Gar nicht. Kleinkäs = Streichkäs (Quark).

Der Kunde hat immer recht.
USA
en] The customer is always right.

Der Kunde ist der Schatz, die Ware ist nur Stroh.
China

Der Kundige braucht keine Erklärung.
tü] Arife tarif gerekmez.

Der Kunst das Recht nehmen, den Interessen der Gesellschaft zu dienen, heißt nicht, sie erhöhen, sondern sie erniedrigen, denn es bedeutet, dass man ihr die lebendigste Kraft, d. h. den Gedanken, raubt und sie zum Gegenstand eines sybaritischen (orgienhaften) Genusses, zum Spielzeug für faule Müßiggänger macht. Ja, es bedeutet ihren Tod..
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1847

Der Kunst Feinde sind jeweilen Gimpel, Gänse und Eulen.
it] L'arte non hà maggior nemico dell' ignorante.

Der Kunst ist niemand gram, als der sie nicht kann.

Der Kunst ist nur mit dem Meisterhaften gedient; wer dies nicht überall und zu jeder Zeit zu geben vermag, hat auf den Namen eines wahren Künstlers keinen Anspruch.
Robert Schumann, Gesammelte Schriften, Bd. 3

Der Kunst kann kein großer schimpff widerfahren, denn wenn sie dem dienen muss, ders nicht wert ist.

Der Künste Chor
Tritt nie behaglich auf, sofern er nicht bequem
Gebahnte Wege findet.
Goethe (1749-1832), Was wir bringen, 16. Auftritt (Merkur)

Der Kunstfreund verlangt nicht immer Originale; trifft und rührt ihn irgend ein merkwürdiges Bild, dessen Besitz nicht zu erlangen ist, so erfreut er sich an einer Kopie.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Köln

Der Kunstgeist ist und bleibt dem Menschen ein ewiges Geheimnis, wobei er schwindelt, wenn er die Tiefen desselben ergründen will.
Wilhelm Heinrich Wackenroder, Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders

Der Künstler arbeitet entschlossen und bewußt, springt mit seinem kleinen Material wie ein Herr und Meister um, der Historiker wühlt im Material, durchsucht es, er ist gehandikapt und hat ein schlechtes Gewissen. Denn er folgt einem wahnhaften Wahrheitsideal, einem wahnhaften Objektivitätsideal, dem jede seiner Einteilungen und Grundkonzeptionen widerspricht.
Döblin, Der historische Roman und wir

Der Künstler braucht es nicht überall zu sein, der große Mensch aber muss es.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Künstler gräbt umständlich in seiner verstopften Seele, immer nur in seiner eigenen, und fördert Traurigkeiten zutage, die er eitel umherzeigt. Mit feindseliger Ironie blinzelt er über alles weg, was stark ist und in ganzen Farben lebt.
Heinrich Mann, Pippo Spano

Der Künstler hat jenes Ding in seiner Seele, das alle fühlenden Menschen in ihrer Tiefe ergreift, das alle entzückt, und das keiner nennen kann.
Adalbert Stifter, an August Piepenhagen, 13. Dezember 1859

Der Künstler hat lauter Kugelgestalte im Kopf, der gewöhnliche Mensch lauter Dreiecke.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Der Künstler hat nicht dafür zu sorge dass sein Werk Anerkennung finde, sondern dass es sie verdiene.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Künstler hilft, denn er widmet sein Leben der Kunst, die ihn befähig die tiefere Wirklichkeit für andere verständlich zu machen.
Anaïs Nin, Der Künstler als Magier

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