<<< Weisheiten 0058 >>>

An bäsen Hund geit mer (gibt man) zwä Brocken.
Franken

An Bäumen wächst Moos, Männer werden bärtig.

An Beinen ist gut Fleisch nagen.

An Beinen ist niedlich fleisch zu nagen, als man gemeiniglich tut sagen.
la] Dulcior est caro, quae magis ossibus haeret ubique.

An bellenden Hunden sollen hohe Leut kein Hundschläger werden.

An Benedictus (21. März) man Hafer (o. Gerste, Erbsen, Zwiebeln) säen muss. ]BR]

An Benedictus (21.3.) man Hafer (o. Gerste, Erbsen, Zwiebeln) säen muss.

An betj föör't Süünjhâid, sâd a Thiif, diar 'r hinget wees skul.
Amrum
hdt] Ein bischen für die Gesundheit, sagte der Dieb, da er gehängt werden sollte.

An Betschwestern
erkenn' ich alte Buhlerinnen ganz so sicher
wie an den Scherben eingeschlagne Töpfe.
Grabbe, Don Juan und Faust, III, 1 (Don Juan)

An Beutel hängen.
i] Starke Rechnung machen, in der Anrechnung, Geldforderung streng sein.

An Bildern schleppt ihr hin und her
Verlornes und Erworbnes;
Und bei dem Senden kreuz und quer,
Was bleibt uns denn? - Verdorbnes!
Goethe, Museen

An Böhm (Münze) un a Tippel Fett.
i] In Breslau als Bezeichnung eines dürftigen Lohnes.

An böse Tage denkt man länger als an gute.
fr] Memoire du mal alongue traße memoire du bien tuntost passe.
la] Maior longe ac diuturnior malorum quam bonorum memoria.

An bösem Erz und am Schlacken ist alles Schmelzen verloren.

An bösem Weib sich keiner reib'.

An bösen Hünj mut'm an Stak Broad du, that'r ean egh bat.
Nordfriesland
hdt] Einem bösen Hunde muss man ein Stück Brot geben, dass er einen nicht beiße.

An bösen Leuten gewinnt man nichts, weder mit guten, noch mit bösen Worten.

An bösen Taten lernt sich fort die böse Tat.
Sophokles, Elektra, 605 (Elektra)

An bösen Tieren ist nichts zu verdienen.

An bösen Weibern und räudigen Schafen hat es nimmer gefehlt.

An bösen Weibern, räudigen Schafen und falschem Geld ist kein Mangel in der Welt.
dä] Af onde kvinder og skabbede faar fattes ei mens verden staaer.

An bösen Zahlern mahnt man sich bald müde.

An böser ware ist nichts zu gewinnen.
i] Auch mit dem Zusatz: wenn schon gut Wort legst auf die Binnen.
it] Roba cattiva non è mai a buon mercato.
la] Judice me fraus est concessa, depellere fraudem.
sd] Elakt gods gjer slemm winning.

An Braten, den man einst gegessen, und Kleider, die man zerrissen, denkt man nicht mehr.
la] Vestis et escarum memor est quis preteritarum.
sd] Hwa minnis aethin math ok riwin klaedhe.

An Brot und Ehr' trägt man nicht schwer.
la] Mantica cum pane non est vectigal inane.
sd] Ae laettis mota byrdhe.

An Buben ist alle Wohltat verloren.

An Buhler Schwören tu dich nicht kehren.

An Butter ist noch niemand erwürgt.
Schlesien

An Carlyle ist es bewundernswürdig, dass er bei Beurteilung unserer deutschen Schriftsteller besonders den geistigen und sittlichen Kern, als das eigentlich Wirksame, im Auge hat. Carlyle ist eine moralische Macht von großer Bedeutung. Es ist in ihm viel Zukunft vorhanden, und es ist gar nicht abzusehen, was er alles leisten und wirken wird.
Goethe, Eckermann, 25.7.1827

An das armut wil yederman die schuch wischen.

An das besondere Glück der Studierten und Examinierten, der Staatswürdenträger aller Arten und Grade, glaube ich nicht recht und.stehe mit meinen Sympathien dem freien Bürgertum näher, dem Handel und Wandel, der Kunst und Wissenschaft.
Theodor Fontane, Briefe

An das Brett kommen.
i] Eine einflussreiche Stellung erhalten.
z] Wer ans Bret nit kommen kann, der ist nit ein geschickter Mann.
fr] Cet homme est le saint du jour.

An das Gesetz des Todes gebunden, geht alle Welt von hinnen, und alle Wesen gehen immerfort den Weg, den sie schon gegangen waren, der durch das Maß der Zeit gemessen ist und Schöpfung und Bestand zum Ziele hat.
Mahâbhârata

An das Göttliche glauben
die allein, die es selber sind.
Hölderlin, Menschenbeifall

An das grüne Tuch gesetzt werden.
i] In Gunst kommen, bevorzugt werden.
z] Zum Unterschied derer, die da felices, Hahn im Korbe seyn, an das grüne Tuch gesetzt werden, und bei den Jungfrauen durchschlagen.

An das schwarze Brett kommen.
i] An einer Schand-, Straf- oder Warnungstafel angeschrieben werden, in ungünstigen Ruf kommen.

An das Schwert gebunden sein.
i] Wohl in Bezug auf den Soldatenstand.

An de gröne Schnapp (grünen Schnabel) kennt man de jungen Vägels.
Rendsburg

An de Miggda kommet de Ungeschickta.
i] Der allgemeine Glaube vom Mittwoch.

An de Wieg sihn können, wenn et Kend Schlôp het (o. kakken well).
Meurs
hdt] An der Wiege sehen können, wenn das Kind geschlafen hat (o. kacken will).
hdt] Hei kann et der Weige anseien, wann dat Kind kacken will.

An dei Diern drängen s' sik an as dei ollen Wiewer an'n Fischwagen.

An deinem Kopfe klingt's am hellsten, sagte Boleslaw zum Narren.
Schlesien

An deiner Sprache rüge
Du schärfer nichts denn Lüge.
Die Wahrheit sei dein Hort!
Uhland, Die deutsche Sprachgesellschaft

An deiner Sprache, Deutscher, halte fest!
Weh dem, der diesen Schatz sich stehlen lässt.
Wer erst beginnt, das reine Wort zu fälschen,
Dem kann gar bald auch Kopf und Herz verwelschen.
Otto von Leixner, Aus dem Leben für das Leben

An dem Armen sind viele große Fehler zu sehen.
Irland

An dem Barte der Narren lernt man scheren.

An dem Eingang der Bahn liegt die Unendlichkeit offen;
Doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste auf.
Schiller, Menschliches Wirken

An dem feinsten Laken ist der größte Betrug.

An dem fremden tisch dein reden spar, so wird lob schier offenbar.
la] Dum conuiuaris, caueas ne multa loquaris.

An dem Füchselein siehst du schon
Dass er eines Fuchses Sohn.
Jüdisch

An dem Füchslein siehst du schon, dass er eines Fuchses Sohn.

An dem Gaste wird's verspürt, wie der Wirt den Handel führt.

An dem gegenwärtigen Übel soll man ein künftiges tragen lernen.

An dem Halm erkennt man noch, wie groß die Ähre war.

An dem hat er seinen Mann gefunden.
ho] Hij heeft zijn' man in dem gevonden.

An dem hewwe mir nix verloren un sie nix gewunne'.
i] Von einem charakterlosen Menschen, der vom Judentum zum Christentum übergegangen ist.

An dem Hut der Flor bracht' ihn wieder empor.
i] Der Tod seiner Frau verbesserte seine Vermögensverhältnisse.

An dem is die Schmad (Taufe) verloren.
i] Es war überflüssig ihn zu taufen, da er schon längst aufgehört hat, Jude zu sein.

An dem is kei Massel un kei Broche, kei Broche un kei Zloche.
Jüdisch-deutsch
i] Wenn jemand kein Glück hat.

An dem is 'n Avkate (Advokat) verdorben.

An dem ist Chrisam (o. Chrisom) und Taufe verloren.
i] Alles, Mühe und Kosten umsonst verwenden. Wohl ursprünglich von solchen Proselyten, die um des Gewinnes wegen einen anderen Glauben angenommen.
la] Oleum et operam perdidit.

An dem ist Chrisom und Tauf verloren.

An dem ist die Taufe (Schmad) verloren.
i] Er ist schon längst so wenig Jude mehr, dass er die Taufe nicht nötig hatte.

An dem ist Eure Kunst verloren.
Schiller, Maria Stuart, 1, 3 (Paulet)

An dem ist hacken und düngen verloren.

An dem ist Hopfen und Malz verloren.
ndt] An den is hoppen un molt verloren.

An dem ist kein gut Fäserlein.
Ulm

An dem ist kein Tadel von der Fußsohle bis zum Scheitel.
la] Candidus et talos a pertice pulcher ad imos. Horaz

An dem ist kein verfallener Schlag.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Er bleibt keine Antwort schuldig.

An dem ist keine falsche Ader.
fr] veine = Ader und Glück, mauvaise veine = Unglück
z] Ka Tüpferl, ka Stäuberl, ka Unaderl hat's. (Kein Unäderchen, d.h. keinen Makel, von einem Kind)
Joh. Gabr. Seidl, Niederösterreichische Flinserln, 1828 ff.

An dem ist Kost und müh verloren.

An dem ist nicht viel Gesundes.

An dem keine Besserung ist zu hoffen, dem gibt Gott wie Judas den fetten Bissen.

An dem Kopfe des Narren lernte er barbieren.

An dem läuft alles ab.
i] Von einem, bei dem aller Tadel, alle Ermahnungen vergeblich sind. Der Tadel erscheint hier als Regen, wie auch sonst strafende, scheltende Worte als eine Flut, und wie man auch ganz allgemein sagt, dass die Worte fließen. Wer einen solchen Regen hat über sich ergehen lassen müssen, ist ganz 'betroft' (betrauft), 'steht da, wie ein begoßener Pudel.
fr] C'est comme la pluie sur le dos d'un canard.
i] Wie Regenwasser, das vom Rücken einer Ente heruntertrieft, ohne durch die Federn zu dringen.
la] Asinus compluitur.

An dem öden Strand des Lebens,
Wo sich Dün auf Düne häuft,
Wo der Sturm im Finstern träuft,
Setze dir ein Ziel des Strebens.
Unter schon verloschnen Siegeln
Tausend Väter hingestreckt,
Ach! von neuen, frischen Hügeln
Freund an Freunden überdeckt.
Goethe, Trauerloge

An dem Ort, wo der Rücken seinen ehrlichen Namen verliert.

An dem Pfälzer ist nichts als ein großes Maul.
i] So spotten die Bayern über die Pfälzer; diese dagegen rächen sich an den Bayern durch ein anderes Sprichwort.

An dem Platze, den der Tiger gern hat, legt er auch seine Flecken nieder.
Surinam
i] Wer eine gute Nummer bei ihm hat, kann alles erlangen.

An dem Rechtschaffenen kann der Neider sich die Zähne ausbeißen.
Estland

An dem Scheine mag der Blick sich weiden;
Des Genusses wandelbare Freuden
Rächet schleunig der Begierde Flucht.
Schiller, Gedichte: Das Ideal und das Leben

An dem Schwachen will sich jeder reiben.
i] Jeder will sich an den Schwachen die Schuhe wischen.
it] Alla macca ognun si ficca.

An dem Tag Vinzenzius (22.1.), jede Rebe treiben muss.

An dem Tag, an dem die Maschine in den Dienst aller Menschen gestellt wäre, würde sie dem Menschen die nötige Zeit für die Realisierung menschlicher Absichten verschaffen.
Triolet, Das rote Pferd

An dem Tag, an dem du nackt herumläufst, triffst du bestimmt deine Schwiegermutter.

An dem Tag, da eine Frau gegen ihren Mann rücksichtsvoll wird - ist alles gesagt.
Honore de Balzac, Physiologie der Ehe

An dem Tage, an dem einer alles weiß, laß ihn sterben.
Nigeria

An dem Tage, da ihr davon esset, werden euch eure Augen aufgetan.
1. Mose 3,5a
i] Davon = von Früchten des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen.

An dem Tage, wo man Butter und Knoblauch isst, braucht man sich nicht vor Gift zu fürchten.
Polen

An dem Tisch und auf dem Bette soll sich niemand schämen.

An dem Übel, das der Mensch fürchtet, stirbt er.
Spanien

An dem Werke erkennt man den Meister.
fr] A l'oeuvre on connaît l'artisan.

An dem Willen der Menschen und gespanntem Gewand (Tuch) geht viel ab.

An demselben Joche ziehen.
i] Ein gleiches Geschäft mit jemand treiben, dasselbe Schicksal mit ihm teilen.
la] Idem egoque tuque ducimus pariter jugum.
la] Idem jugum trahere.

An demselben Strumpfe stricken.

An den Altar (o. in das Asyl) flüchten (o. fliehen).
i] Sich retten, sich in Sicherheit bringen. Die letzte Zuflucht nehmen. Ehemals floh man in der äußersten Not an die Altäre der Götter, weil es für Frevel galt, von da jemanden wegzureißen.
ho] Het altaar kan den booswicht niet van straf bevrijden.
la] Ad aram seu ad asylum confugere. Cicero
la] Tanquam ad aram.

An den alten Schnee denkt man nicht meh'.
sd] Fram faren snö är snart glömder. - Seent tala om den snön som i fjol föll.

An den ältesten Männern und Schulen gefiel mir am besten, dass Poesie, Religion und Philosophie ganz in eins zusammenfielen, und ich behauptete jene meine erste Meinung nur um desto lebhafter, als mir das Buch Hiob, das Hohelied und die Sprüchwörtef Salomonis ebensogut als die Orphischen und Hesiodischen Gesänge dafür ein gültiges Zeugnis abzulegen schienen.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,6

An den Anfang eines Buches setzen: Ich habe keine Typen gesehen, wohl aber Individuen.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

An den Arbeiten wird man es erkennen.

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