<<< Weisheiten 0563 >>>

Der Krieg kommt endlich selber am Kriege um, seine Vervollkommnung wird seine Vernichtung, weil er sich durch seine Verstärkung abkürzt.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Krieg kündigt sich durch Schimpfworte an. Sudan

Der Krieg lässt die Kraft erscheinen,
Alles erhebt er zum Ungemeinen,
Selber dem Feigen erzeugt er den Mut.
Schiller, Die Braut von Messina, 890/92 (Chor)

Der Krieg leidet kein Probestück.

Der Krieg lohnt seinen Herrn, wie der Teufel seinen Knecht.

Der Krieg macht (zeugt) die Diebe und der Friede hängt sie auf.
en] War makes thieves, and peace hangs them.
fr] La guorre fait les larrons, la paix les pend.
it] La guerra fà i ladri, e la pace gl'impicca.

Der Krieg macht die Männer zu Räubern, und der Frieden knüpft sie auf.
sp] La guerra hace los ladrones y la paz los ahorca.

Der Krieg macht Diebe, und der Friede hängt sie.
England

Der Krieg macht Krieger.
la] Repugnare assuefacti ipsi quoque bellicosi evadunt. Plutarch

Der Krieg nährt sich selbst.
Titus Livius, Römische Geschichte (Ausspruch Catos)

Der Krieg schafft schon Gefährten, Schrecken erregt nur das alltägliche Gerede.
Petrarca, an Kaiser Karl IV. in Prag

Der Krieg schleudert Gebirge von Leid auf die Welt; er zermalmt sie durch geistige und materielle Entbehrungen.
Rolland, Die Vorboten

Der Krieg schürt sein Feuer ganz von selbst.
i] Schiller, 'Die Piccolomini': Der Krieg ernährt den Krieg
sp] La guerra por sí se atiza.

Der Krieg seucht wohl, stirbt aber nicht.

Der Krieg soll verflucht sein.
Brecht, Mutter Courage und ihre Kinder

Der Krieg spielt sich immer so ab, als wäre die Menschheit auf den Begriff der Gerechtigkeit noch überhaupt nicht gekommen.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972

Der Krieg stellt also keine Beziehung von Mensch zu Mensch dar, sondern das Verhältnis eines Staates zum anderen...
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Der Krieg tritt selten auf, außer dort, wo Reichtümer verlocken.
England

Der Krieg und die Gemälde zeigen ihre Schönheit nur aus der Entfernung. Spanien

Der Krieg und die Malerei (o. Gemälde) zeigen ihre Schönheit nur von weitem (o. aus der Entfernung).
sp] La guerra y la pintura de ljos tienen la hermosura. (In der spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts waren besonders geschätzt die perspektivischen Hintergründe, die man 'lejos' (= Ferne) nennt.

Der Krieg verderbt Land und Leut; wer lebt, dem bleibt die beste Beut.
fr] Bonne ne peut estre la guerre qui plusieurs terrasse et attère.
fr] Guerre est la feste des morts.

Der Krieg verläßt sich seit Jahrhunderten mit Erfolg darauf, daß man, statt ihn zu verfluchen, für den Frieden betet.
Sprüche der Weisen

Der Krieg verschlingt die Besten!
Friedrich Schiller, Das Siegesfest

Der Krieg verschont weder Bruder noch Freund.
bm] Kde vojna vládne, bratrství slabne.
kroat] Kad je rat, nigdo nikomu brat.

Der Krieg will ein Haupt mit guter Zunge und doppeltem Gehirn haben.

Der Krieg wird Freunden und Feinden schwer.

Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat.
Heinrich Böll

Der Krieg zeigt die Menschen in der rohen Stärke aller Leidenschaften.
Goethe, G. Geßner, 22.10.1797

Der Krieg zerstört, der Friede ernährt.
i] Auch von Streitereien

Der Krieg zerstört, was der Friede genährt.
dä] Hvad i mange hundrede aar er samlet, kand krigen i faa timer adsprede.

Der Krieg zum Anfang fordert Geld, und der zum fortgang aber Geld und zum ausswarten eitel Geld.

Der Krieg zwischen den Eulen und Raben gereicht dem Landmann zum Vorteil.
Russland

Der Krieg zwischen Jäger und Wolf führt nicht zum Frieden.

Der Krieg zwischen zwei gebildeten Völkern ist ein Hochverrat an der Zivilisation.
Carmen Sylva, Vom Amboss

Der Krieg, den die Augen führen, kommt nie zu einem Ende.
i] Sie wollen immer noch mehr sehen
Kikuju (Kenia)

Der Krieg, sagt Heraklid, ist der Vater aller Dinge. Aus dem Zusammentreffen entgegengesetzter Kräfte in den großen Momenten der Gefahr - Unglück, Erhebung, Rettung - gehen die neuen Entwicklungen am entschiedensten hervor.
L. von Ranke, Die großen Mächte

Der Krieg, sagt ihr, entwickelt und enthüllt große Völker und große Menschen, so wie sich bei Regenwetter ferne Gebirge aufdecken. Sonach hätten wir denn lauter große Völker.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Krieg, wie er sich auch wend, so nimpt er doch mit Schad ein End.

Der Krieg, wo er nicht erzwungene Selbstverteidigung, sondern ein toller Angriff auf eine ruhige, benachbarte Nation ist, ist ein unmenschliches, ärger als tierisches Beginnen, indem er nicht nur der Nation, die er angreift, unschuldigerweise Mord und Verwüstung drohet, sondern auch die Nation, die ihn führet, ebenso unverdient als schrecklich hinopfert.
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Der Krieg... ist eine Barbarei, die mit fortschreitender Zivilisation verschwinden wird. Die großen Demokratien sind friedlich gesinnt, und ihr Geist wird bald über die Autokraten selbst Macht bekommen.
France, Die Insel der Pinguine

Der Krieger wetzt auch im Traum sein Schwert.
Russland

Der Kriegsknecht im Haus macht dem Frieden den Garaus.
ho] De krijgsknecht in huis maakt een einde aan de vrede.

Der Kriminalroman ist die Ausspannung von der alltäglichen Tätigkeit...
Tucholsky, Kriminalromane

Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt.
Arthur Conan Doyle

Der Kritiker ist Botaniker. Ich bin Gärtner.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Der Kritiker ist der leidenschaftliche Leser. Ein Leser, der von ganzem Herzen danach dürstet, die künstlerischen Schönheiten möglichst schnell in lebendige Großtaten zu verwandeln. Es ist dies eine Sonderbegabung.
Lunatscharski, Gedanken über die Kritik

Der Kritiker ist ein Entdecker und Sammler der Fehler von Schriftstellern.
Jonathan Swift, Ein Tonnenmärchen

Der Kritiker lässt den Künstler, den er nicht versteht, das fühlen. Er behandelt ihn sehr von unten herab.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3. Irrlicht

Der kritische Realismus musste sich mit der realistischen Kritik begnügen, ohne seinerseits imstande zu sein, eine Perspektive zu geben.
Becher, Das poetische Prinzip

Der Kritizismus kann dich zum Philosophen machen, aber nur der Glauben zum Apostel.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Krokodil tränen weint, wenn er einen zu fressen meint.

Der kroppenstädter Vorrat.
i] Kroppenstädt ist eine kleine, etwa drei Meilen von Halberstadt gelegene Stadt, welche den Vorrat zum Wahrzeichen hat. Es ist ein silberner Pokal mit einer lateinischen Inschrift, die, von Dr. Lucanus in Halberstadt übersetzt, dahin lautet: 'Vierzehn Knaben hat einst in einem Jahre, erzählt man, mit zwölf Müttern zugleich gezeugt ein einziger Erzeuger. Dreizehn Wiegen beschafften aus Vorsicht die sorgsamen Mütter, diese doch reichten nicht aus, in den Backtrog musste der letzte. Heute noch schreibt sich daher der Vorrat in unserm Städtchen.' Auf der anderen Seite sind die Namen des damals fungirenden Rates zu lesen. Der Becher selbst heißt: der kroppenstädter Vorrat.

Der Krücke von Eisen muss das Rohr weichen.

Der Krug gehet so lang zu wasser, biss er verbricht, bevorab wenn ihn ein Narr trägt.

Der Krug gehet so lange zum Bach, bis er bricht Hals oder Krag.
Eifel

Der Krug geht nicht so oft zum Brunnen, ohne nicht zuletzt zerbrochen nach Hause zu kommen.
England

Der Krug geht oft zum Brunnen und einmal nicht.

Der Krug geht so lange zum Brunnen (o. zu Wasser), bis er bricht.
(Hops über Stock und Stein!
Seht den wilden Knaben,
Oftmals fiel er nicht hinein,
Heut' stürzt er in den Graben.)
en] A pot often sent to the well is broken at last.
en] The pitcher which goes too often to the well gets broken at last.
fr] Tant va la cruche à l'eau qu'à la fin elle se casse (brise).
it] Tanto va la gatta al lardo che ci lascia lo zampino.

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.
it] Tanto va la brocca all'acqua finché si rompe.
la] Donec fracta cadit, ad lymphas amphora vadit.

Der Krug geht so lange zur Tränk, bis er bricht Hals oder Henk.
Eifel

Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.
i] Unter diesem Titel erschien 1802 zu Regensburg ein Lustspiel von J.F. Jünger. 1. Alles in der Welt erreicht einmal sein Ende, man mag es noch so lange gebrauchen. 2. Eine Sünde wird so lange begangen, bis ihr endlich die Strafe nachfolgt. Als einem hochgestellten Beamten sein Fürst einst mit diesem Sprichwort die Entlassung aus dem Amte andeutete, wenn er sein Geschäft nicht sorgfältiger wahrnehme, erwiderte er: 'Mein Krug geht nie zu Wasser, immer nur zu Wein.'

Der Krug geht zum Brunnen, was will die Scherbe dort.

Der Krug gieht su lange zum Burne, biss der Henkel bricht.

Der krug gieng so lang zur bach, bis er zuletzt zerbrach.

Der Krug ist entzwei, sagte der Schusterjunge; wenn i nur a schon de Schläg hätt'.

Der Krug ist hier am rechten Brunnen.

Der Krug kann ganz bleiben, wenn du ihn vom Dache wirfst, und zerbrechen, wenn er vom Tische fällt.
Russland

Der Krug richtet mehr Menschen hin als der Krieg.

Der Krug, der oft zur Quelle geht, muss einmal zerbrechen.
Spanien

Der Krug, der oft zur Quelle wird getragen,
Verliert den Henkel oder wird zerschlagen.
sp] Cantarillo que muchas veces va a la fuente,
O deja el asa ó la frente.

Der krumme Haferkuchen macht den Körper gerade. Insel Man

Der krumme Weg führt ins Zuchthaus.

Der Krüppel wird schon Nachricht bringen, der Bettler den Brief tragen.
Estland

Der Kuban wird nicht aufwärts strömen, und das Alte kehrt nicht mehr zurück...
Serafimowitsch, Der eiserne Strom

Der Kuchen ist gut, aber ich mag ihn nicht.
i] Es mag gut sein, aber mich kann es nicht befriedigen.

Der Kuchen ist in einer anderen Form (auf andere Weise) gebacken.
ho] Die koek is op eene andere manier gebakken.

Der Kuchen ist nicht vor Sanct-Severin gebacken.
ndt] In Kâg as eg föör Sewerin beegen. Amrum

Der Kuchen möchte Sahne, das Gerstenbrot möchte Klares, der kleine Brotlaib möchte Hübsches, der Brei möchte Reines.
Estland

Der Kuchen schmeckt immer nach der Bäckerin.
dä] Kagen er altid konenliig.

Der Kuchenbäcker isst am liebsten Brot.

Der Kuchenbäcker isst Brot am liebsten.
Russland
bm] Koláč se brzo přejí, ale chléb nikdy.

Der Kuckuck behält seinen Gesang,
Die Glocke ihren Klang,
Der Krebs seinen Gang,
Narr bleibt Narr sein Leben lang.

Der Kuckuck bringt eine milde Jahreszeit, die Schwalbe warme Tage.
Finnland

Der Kuckuck eifert mit der Nachtigall.

Der Kuckuck frisset seine Mutter, die Grasmücke.
Luther
i] Ein aus irriger Naturkenntnis entsprungenes Bild.

Der Kuckuck hole den Freund, der mit den Flügeln deckt und mit dem Schnabel hackt.

Der Kuckuck hört auf zu rufen, wenn er den Wiesbaum fallen hört oder das erste Mandel auf dem Kornacker sieht.
Oberösterreich

Der Kuckuck hört dann auf zu rufen, wenn er einen Heuhaufen sieht.
Estland

Der Kuckuck ist auch schön.

Der Kuckuck ist nie im eigenen Land berühmt.

Der Kuckuck ist Überbringer und Fortbringer des Glücks.
Estland

Der Kuckuck ist von weitem berühmt.
Estland

Der Kuckuck klagt mit dem Kuckucksruf, dass er kein eigenes Nest hat.
Russland

Der Kuckuck kündet feuchte Zeit, wenn er nach Johanni (24.6.) schreit.

Der Kuckuck legt die Eier nie in sein Nest.
Estland

Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester.

Der Kuckuck legt stets in ein ander Nest.
sd] Kukkuk ligger giärna i annars näste.

Der Kuckuck liecht und brödicht nit, der Far dîer brädicht und hält es nit.
Siebenbürgen/Sachsen

Der Kuckuck muss jm selbst sein orgycht aussruffen.

Der Kuckuck plagt dich.

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