<<< Weisheiten 0552 >>>

Der jüngste Bodmereibrief geht allen anderen (o. dergleichen) Briefen vor.
[RSpW]
i] Bodmereibrief ist die Urkunde über das Darlehn, das jemand auf ei Schiff gemacht hat. Das Sprichwort sagt, dass die Forderung desjenigen, welcher das letzte Darlehn auf ein Schiff gemacht, allen anderen vorgehe, ein Satz, der im Seerecht der meisten Länder und Städte, selbst schon im römischen Recht begründet ist. Der Grund der Bevorzugung des letzten Gläubigers ist wohl der, dass ohne ein Darlehn das Schiff gar nicht hätte abgehen können, wodurch der Handel beeinträchtigt worden wäre.
ho] Der jongste bodmerij-brief gaat voor anderen gelicke briefe.

Der jüngste Esel muss die Last tragen.
ho] De jongste ezel moet het pak dragen.

Der jüngste Kater ist schlimmer als der älteste Drache.

Der Jüngste Tag ist der des Todes.
dä] Enhvers yderste dag er naar han døer.
dä] Vor døds-dag er vor doms-dag.

Der jüngste tag will komen.
z] Sagt man im alten teutschen sprichwort, wenn ein grausames und schröckliches wetter einfellt.

Der Jüngste Tag wird bald kommen, die Esel reden Latein.
fr] Le jour du jugement viendra bientôt, les ânes parlent latin.

Der Jüngste, aber nicht geringste.
i] Wenn man zugleich den Wert einer Gabe, die aus dem letzten Stücke unseres Vorrates besteht, andeuten will. In Shakespeares König Lear sagt dieser zu seiner Tochter Cordelia: Du jüngste, nicht geringste: Although the last, not least.

Der Juni gibt die Sichel in die Hand.
Italien

Der Juni hat die liebl

Der Juni ist nicht so unschuldig wie er sich ansieht.

Der Junker braucht den Pfaffen, wie der Jäger den Hund.

Der Junker von Mentiris.
i] Von einem gewaltigen Lügner.

Der Jüri (Georgstag, 23. IV) im Frühling ist der Feind eines zornigen Winters.
Estland

Der Jurist gewinnt dir deinen Prozess und bringt deinen Gegner, der gleiches Recht hat, an den Bettelstab...
Goethe, Aufgeregten A I Sz 4 (Breme)

Der Jurist Henning hat eben aus dem Studium der Gesetze nichts weiter als die Einsicht in den üblen Zustand der Menschen gewinnen können und sich darum zur Natur gewendet.
Goethe, F. v. Müller, 22. 5. 1822

Der Jurist mit seinem Buche, der Jud mit seinem Gesuche, die Frau mit ihrem weißen Tuche, dieselben drei Geschirre machen die ganze Welt irre.

Der Jurist selbst wendet sich niemals an das Gesetz.
England

Der Juristen Lehre ist nichts denn ein Nisi.
Luthers Tischreden
z] Theologiam gehet nicht mit dem Nisi um; sie ist gewiss und hat einen beständigen und festen Grund, der nicht fehlet noch betreugt.

Der Juristen Spruch bringt Segen und Fluch.

Der Juristentraum vom Himmel: Alle beanspruchen bei der Auferstehung ihr Vermögen und jeder versucht es, von seinen Vorvätern wieder zu erlangen.
Samuel Butler

Der ka koin Kratz und koin Kraile mai.
i] So todmüde ist er.

Der kaan aach mitlaafe.
i] Von einem Manne, der eine hässliche Frau hat. ein Mann ging zum Arzte und antwortete einem Freunde, der ihn fragte, wohin er so eile: 'Zum Arzte, meine Frau gefällt mir nicht' (ich halte sie für gefährlich krank). 'Meine', erwiderte dieser, der eine hässliche Frau hatte, 'gefällt mir auch nicht; ich laufe mit.'

Der Kachelofen gehört in die (o. steht in der) Stube.
Oderbruch
i] Wird warnend gesagt, wenn Personen im Zimmer sind, die etwas nicht hören sollen, besonders in Beziehung auf Kinder.

Der Kachelofen hat einen Klubb.
Bayern
i] Klubb = Riss, Spalte. - Empfiehlt Vorsicht im Handeln und Reden, weil man selbst durch eine Ofenritze belauscht werden kann.

Der Kachelofen soll mehr gelten als eine Kachel.

Der Kachelofen steht im Wege.

Der Kadaver eines Vogels verwest nicht in der Luft.
i] Es kehrt alles zu seinem Ursprung zurück

Der Käfer auf der dreck'gen Kuh bläht sich wie ein Kakadu.

Der Käfer fliegt über manche schöne Blume, landet aber im Kuhstall.
England

Der Käfer hat glatte Flügel, der Tartuer kluge Worte.
Estland

Der Käfer hat kurzen Lauf, fliegt er zu hoch hinauf.
mhd] Der kever sich selbe triuget, swenner ze hôhe fliuget.

Der Käfer hat wenig Blut - auch das ist mit Dreck vermischt.
Estland

Der Käfer in seinem Loch ist ein Sultan.
Ägypten

Der Käfer ist eine Schönheit in den Augen seiner Mutter.
Arabien
i] Es ist der Rosskäfer gemeint, der den Ägyptern als ein Muster der Hässlichkeit gilt
en] The crow thinks her own birth fairest.
ho] De uilen vinden zelfs hunne jongen schoon.
it] Non è bel quel chi è bello, ma quel che piace.
un] A majomnak is szép a maga fia.

Der Käfer will dem Adler helfen Eier legen (brüten).

Der Käfer, wenn er alle Blumen durchschwärmt hat, bleibt endlich auf dem Miste liegen.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Der Kaffe ist gut, wie viel Quart von der Bohne?
i] Spottlob auf mehr langen als kräftigen Kaffee.

Der Kaffee hat zwei Tugenden, er ist warm und nass.
z] Die vom Kaffee nicht mehr verstahn, soll'n ihn ungetrunken la'n. Zuweilen ist er allerdings bloß nass und nicht einmal warm, aber in guter Bereitung hat er andere und mehr Tugenden.
ho] Koffij heeft twee deugden: ze is warm en nat.

Der Kaffee ist schwarz, aber sein Lob ist weiß.

Der Kaffee muss heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel, süß wie die Liebe sein.
Talleyrand

Der Käfig ist schön, aber was für ein Vogel ist darin?

Der Käfig ohne Vögel, der Korb ohne Bienen
Das Haus ohne Kinder!
V. Hugo, Les feuilles d'automne

Der Kaftan verhüllt das Hemd, das Hemd verhüllt die Haut und die Haut verhüllt des Herzens Sünde.
Türkei

Der Kahle freit nicht gern des Kammmachers Tochter.
Russland

Der kahle Kopf braucht keine Schere.

Der kahle Scheitel bekommt die stärksten Schlossen.

Der Kahlkopf lacht über den Kahlkopf.
Russland

Der Kahlkopf nennt die Kammmacher entbehrliche Leute.

Der Kahlkopf sollte uns Gesellschaft leisten, da entblößte er sein Haupt und erschreckte uns.

Der Kahlköpfige mag ein Weiser sein, der Laus gilt er aber als Verbrecher.
Russland

Der Kaiman taucht aus dem Wasser auf und sagt: Meine Großmutter ist gestorben, und die Leute am Ufer sagten: Es ist nicht wahr.
Surinam

Der Kaiser bezahlt alles.

Der Kaiser bringt das Geleit mit sich.
[RSpW]
i] Unter Geleit wird hier das Recht verstanden, einem anderen Sicherheit auf der Straße wider alle ungebührlichen Anfälle zu leisten, ein Recht, das seinen Ursprung in den Fehdezeiten des langen Zwischenreichs hat.

Der Kaiser fragt so eindringlich wie das Bienengift, das den ganzen Körper durchdringt.
Äthiopien

Der Kaiser führt das Schwert,
der Bauer führt den Pflug;
und wer nicht beide ehrt,
der ist ja wohl nicht klug.

Der Kaiser hat kein Recht über des Menschen Leib.
mhd] Der keiser hat kein recht über des menschen lib.

Der Kaiser hat lange Hände und starke Arme.

Der Kaiser hat Macht, Friede und Gnade zu tun.
[RSpW]
i] Das Landesoberhaupt hat das Begnadigungsrecht.
mhd] Der keyser hod macht frede unn gnade czu thonde.

Der Kaiser hat mich lieb und wert; wo wäre, der mich nicht begehrt, spricht der Pfennig.

Der Kaiser ißt zu Weihnachten Schmelzbutter und Weißbrot.
Estland

Der Kaiser ist aller Eltern Vormund.
[RSpW]
i] Das Staatsoberhaupt übt ein Oberaufsichtsrecht über die Erziehung und schützt die Pflegebefohlenen gegen etwaige Ungebühr ihrer Eltern und Vormünder.

Der Kaiser ist auch nur ein Mensch.

Der Kaiser ist das Geleit selbst.

Der Kaiser ist dem mindesten gleich, wenn er unrecht tut.
i] Er wird ebenso zur Verantwortung gezogen, wie der Niedrigste; denn ein vernünftiges Volk wählt sich keinen Fürsten, um sich von ihm tyrannisieren zu lassen.
mhd] Der keyser ist dem minsten gleich, tut er unrecht.

Der Kaiser ist der Stärkste, er ist aller anderen Herr.

Der Kaiser ist ein Vater des Rechts.
i] Der Träger der höchsten Staatsgewalt, durch den der Gesamtwille zum Ausdruck kommt.
mhd] Der keysir ist eyn vatir des rechtin.

Der Kaiser ist Herr über Könige.

Der Kaiser ist nach Gott der Nächste.
Estland

Der Kaiser ist nicht einmal streng, aber der Gutsherr ist ein Tyrann.
Russland

Der Kaiser ist nicht so streng, der Gutsherr aber ist ein Tyrann.
Russland

Der Kaiser ist Richter über alle (anderen) Richter.
[RSpW]
i] Denn alle anderen sprechen nur als seine Stellvertreter und in seinem Namen.
mhd] De keyser eyn richter ys ouer alle ander richtere.
bm] Královský výrok nepodléhá soudu.

Der Kaiser ist Richter über alle Richter. [RSpW]

Der Kaiser liegt krank, den pfaffen ist die weile lang, Herzog moritz legt sich ins feld, der gefangne Churfürst zog heim und hat kein geld, da kam der markgraf mit seiner leeren taschen, die pfaffen solltens ihm voll vassen.

Der Kaiser setzt dem Vogt den Bann.
i] Der Bann ist die Befugnis mit Ordnungsstrafen und Hilfsvollstreckung rechtsförmlich Gehorsam zu erzwingen. Dies Recht an des Menschen Leib zu sprechen, die Rache mit dem Schwerte, ist ein königliches Recht und konnte nur von dem geübt werden; der von dem Könige den Gerichtsbann erhielt.
mhd] Der keiser setzet dem voget den Ban.

Der Kaiser sitzt an Gottes Statt des Menschen Schirmer.
mhd] Der keiser sitzet an gotes stat dez menschen schirmer.

Der Kaiser soll Kaiser sein, so lange er recht tut.
i] Die Deutschen haben nie anerkannt, dass ihre Fürsten eine absolute Gewalt über sie üben können. Nach dem deutschen Recht steht das Gesetz über dem Könige. Was das Volk beschließt, wird vom Könige bestätigt.
mhd] Der keyser soll keyser sein diwile er recht tut.

Der Kaiser steht nicht über den Grammatikern (o. Philologen).
la] Caesar non supra grammaticos.
i] Er muss sich an die Regeln der Sprache halten. Bezieht sich auf Kaiser Sigismund, welcher auf dem Konzil in Konstanz, nachdem er wegen eines grammatischen Fehlers vom Erzbischof Placentinus gerügt wurde, erwidert haben soll: Ego sum rex Romanus et supra grammaticam. (Ich bin römischer König und stehe über der Grammatik). Vergleich Molières, les femmes savantes II. 6. La grammaire qui sait régenter jusqu'aux rois. (Die Grammatik, die bis zu den Königen hinauf zu beherrschen weiß).

Der Kaiser steht nicht über den Philologen (d. h. den Fachleuten).
la] Caesar non supra grammaticos

Der Kaiser von Deutschland ist König der Könige, der von Spanien König der Menschen, der von Frankreich König der Esel und der von England König der Teufel.
i] Stammt wahrscheinlich aus Frankreich, aus der Zeit Karls V.

Der Kaiser will haben sein' Treu und Pflicht; der Klerus spricht: das rührt mich nicht. Der Edelmann spricht: ich bin frei; der Jude treibt sein' Wucherei; der Soldat spricht: ich gebe nichts; der Bettler sagt: ich habe nichts. So spricht der Bauer: das muss Gott walten, muss ich diese all' erhalten, so geb' ich mich geduldig drein, und will es so zufrieden sein!

Der kaiserliche Hofrichter soll jedem recht tun.

Der Kalbskopf will begossen sein.
ho] De kalfskop wil begoten zijn.

Der Kalender hat sich auch schon geirrt.
i] In Betreff seiner Witterungsregeln.

Der Kalendermacher macht den Kalender, aber unser Herrgott das Wetter.

Der Kalk aus Griechenland wird dem Marmor aus dem Inlande vorgezogen.
Russland
en] Far fetch'd and dear bought, is good for ladies.
fr] Vache de loin a lait assez.

Der Kalk ist der Färber Meister.

Der Kalk ist ihr abgefallen.
i] Ihre Schönheit ist verblüht

Der Kalk würde für Marmor gelten, wäre er ebenso selten.

Der kalt und einseitig urteilenden Welt ist nicht zu verargen, wenn sie alles, was phantastisch hervortritt, für lächerlich und verwerflich achtet, der denkende Kenner der Menschheit aber muss es nach seinen Werte zu würdigen wissen.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Der 'kalte Krieg' ruiniert Amerika physisch und moralisch, darum bin ich gegen ihn - und nicht ' gegen Amerika'.
Th. Mann, an Walter H. Perl, 25. 3. 1950

Der kalte Ma (Mann; der Winter) hänkt ech der Huesten a.

Der kalte Mensch, dem nie ein Gefühl die Brust erwärmte, der nie empfand, wie süß eine Träne, wie süß ein Händedruck ist, der stumpf bei dem Schmerze, stumpf bei der Freude ist, er ist nicht glücklich...
Kleist, an Karoline von Schlieben, 18. 7. 1801

Der kalte Mond ist auf der Seite, der warme Mond ist auf dem Rücken, der böse Mond ist umgefallen, der gute Mond ist nach vorn, der schlechte Mond ist aufrecht.
Estland

Der Kälte wegen will der Faule nicht pflügen, so muss er in der Ernte betteln und nichts kriegen.

Der Kalte weiß die Warmen zu regieren.

Der kalten Brust fehlt Kraft und Lust.

Der kälteste Sinn ist das Sehen, Erkenntnis ist sein Gefühl, und drum behaupte ich, dass man das nie mit einem zärtlichen Herzen lieben kann, was allein Ansprache macht, unsern Augen zu gefallen [...]. Und so, meine Liebe, halt ich das Sehen für eine Vorbereitung der übrigen Sinne, denn der Geruch ist Genuss und das Gehör und der Geschmack, das Sehen nicht.
Goethe, Fragment eines Romans in Briefen

Der kältste Mann ist wärmer, denn das wärmste Weib nach der complexion.

Der Kameltreiber hat seine Pläne und das Kamel die seinen.
Arabien

Der Kamin mag krumm sein, der Rauch steigt gerade auf.
tü] Baca eğri de olsa duman doğru çıkar.

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