< Sprichwörter >

Der Geist Ngar beschützt den Saal, und doch verehrt man den Geist Sao mehr, der über die Küche gesetzt ist.
China
fr] L'esprit de l'homme est prompt et la chair est faible.
ho] De geest is wel gewillig, maar het vleesch is zwak.
la] Spiritus quidem promptus est, caro vero infirma.

Der Geist säet in der Materie seine Ideale ein, und wenn die Saat aufgekommen und reif geworden ist, erscheint das Weltall verwandelt.
Hermann Graf Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, 5, China, Tsi Nan Fu

Der Geist Saul's ist über ihn gekommen.
info] Er ist von Bosheit, Zorn, Rache erfüllt
bm] Napadl ho duch Saule proroka.

Der Geist schießt aus dem Zentrum seine Radien nach der Peripherie, stößt er dort an, so lässt er's auf sich beruhen und treibt wieder neue Versuchslinien aus der Mitte, auf dass er, wenn ihm nicht gegeben ist, seinen Kreis zu überschreiten, er ihn doch möglichst erkennen und ausfüllen möge.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1807

Der Geist soll also frei sein, dass er an allen nennbaren Dingen nicht bange und dass sie nicht an ihm hangen. Ja, er soll noch freier sein: also frei, dass er für all seine Werke keinerlei Lohn erwarte von Gott. Die allergrößte Freiheit aber soll dies sein, dass er all seine Selbstheit vergesse und mit allem, was er ist, in den grundlosen Abgrund seines Ursprungs zurückfließe.
Meister Eckhart, Traktate

Der Geist soll sich gewöhnen, seine Freuden aus sich selbst zu schöpfen.
Demokrit

Der Geist strebt nach dem Himmlischen, das Fleisch nach dem Angenehmen, die Seele nach dem Notwendigen.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Der Geist strebt, so viel er vermag, sich das vorzustellen, was das Tätigkeitsvermögen des Körpers vermehrt oder fördert.
Baruch de Spinoza, Ethik

Der Geist tut das allermeist.
info] Überall, namentlich aber in der Jugend- und Volksbildung, es ist aber ein trauriges Zeichen der Zeit.
z] Ich finde nicht die Spur von einem Geist und alles ist Dressur. Goethe, Faust
ho] Dat is de geest: die 't minst hebben, maaken 't meest.
ho] Niets gaat voor eenen goeden geest.

Der Geist umfasst die Natur, wie der Liebende seine Geliebte, sich ganz ihr hingebend, sich selbst in ihr findend, ursprünglich, unvermittelt, unbetrübt.
Henrik Steffens, Beiträge zur inneren Naturgeschichte der Erde

Der Geist unserer Zeit ist der Geist der Analyse und der Forschung.
Wissarion G. Belinski, Rede über die Kritik

Der Geist verbraucht sich wie alle Dinge, die Kenntnisse sind seine Kost, sie nähren und verzehren ihn.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Der Geist will aufwärts, wo er ewig bleibt.
Goethe (1749-1832), Gott und Welt - Howards Ehrengedachtnis / Nimbus

Der Geist wird insgeheim
Des Herzens Narre sein.
Brockes, Versuch vom Menschen

Der Geist wird nicht gesehen, denn er würde furchtbare Liebe erwecken, wenn so das Bild desselben allein dem Auge sichtbar wäre.
Wilhelm Heinse, Tagebuch

Der Geist wird stets vom Herzen übertölpelt.
Rochefoucauld

Der Geist wird wohl die Materie los, aber nie die Materie den Geist.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,9

Der Geist, den Gott mir hat im Schöpfen eingehaucht,
Soll wieder wesentlich in ihm stehn eingetaucht.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Der Geist, der allen Dingen Leben verleiht, ist die Liebe.

Der Geist, der notwendig ist, um die bereits bekannten Wahrheiten zu begreifen, genügt, um sich zu den unbekannten zu erheben.
Helvetius, Vom Menschen

Der Geist, der sich mit dem Willen und mit den Zielen des Wollens identifiziert, hört auf, Wahrheit zu schöpfen, und, indem er tendenziös wird, verfällt er der Lüge.
Benedetto Croce, Die Geschichte als Gedanke und als Tat

Der Geist, welcher die Staatsangelegenheiten nicht zur Sache einer besonderen, bevorrechteten Kaste oder Klasse von Menschen, sondern zur Sache aller, zur Volkssache machen will, wird und muss siegen, denn nur mit seinem Siege erfüllt sich die Aufgabe der Menschheit.
Ludwig Feuerbach, An seine Frau, 14.7.1848

Der geisterfüllte Mensch urteilt über alles, ihn aber vermag niemand zu beurteilen.
Neues Testament, Paulus (1 Korinther 2, 15)

Der Geisteszustand der mehresten Menschen ist auf einer Seite anspannende und erschöpfende Arbeit, auf der anderen erschlaffender Genuss.
Schiller, Über naive und sentimentale Dichtung

Der geistige Blutsverwandte errät viel leichter seinen Verwandten als der körperliche den seinigen.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der geistige Tod eines Volkes liegt in seinen Geldschränken.
Fliegende Blätter

Der Geistlichen Bart ist süß, bekommt aber sehr übel.

Der geistreiche Brite sieht sich von Jugend auf von einer bedeutenden Welt umgeben, die alle seine Kräfte anregt, er wird früher oder später gewahr, dass er allen seinen Verstand zusammen nehmen muss, um sich mit ihr abzufinden.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III, 13

Der Geistreiche ist der Wahrheit sehr nahe.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Der geistreiche Mensch, nicht zufrieden mit dem, was man ihm darstellt, betrachtet alles, was sich den Sinnen darbietet, als eine Vermummung, wohinter ein höheres geistiges Leben sich schalkhaft-eigensinnig versteckt, um uns anzuziehen und in edlere Regionen aufzulocken.
Goethe (1749-1832), Divan - Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan - Buch der Liebe

Der Geiz am Saft der Rebe frisst, Geiz aller Übel Wurzel ist, trink flott, so du kein Geizhals bist.

Der Geiz beisst schärfer, denn alle Fliegen.

Der geiz betrübt sein eigen Hauss.

Der Geiz betrügt die Ehre und verwirrt auch den Klugen.
Finnland

Der Geiz bringt Not ins Haus.

Der Geiz differiert gar wenig vom Stehlen..
Paracelsus, De virtute human

Der Geiz dröschet allzeit ledig Stroh.

Der geiz flichtet sich weit.

Der Geiz hat einen Mann erschlagen und hat sich in die Kirche gerettet, und wohnt nun drin seit jenen Tagen.

Der Geiz hat keinen Boden.

Der Geiz hat seinen Gott im Kasten.

Der Geiz hat, ebenso wie die Liebe, die Gabe eines zweiten Blicks auf die künftigen Geschehnisse, er wittert sie und drängt sie zur Eile.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Der Geiz ist bodenloss und dem Bettelsack der boden auss.
mhd] Wanne gîtikeit ist ein übel sac der nimmer wirt und nie wart vol, swie vol er ist, doch ist er hol.
dä] Gierighed er et bundlös kar.
la] Avaritiae desunt omnia.
la] Omnia de cupido, sua non perit inde cupido.

Der Geiz ist das Metropolitum aller Laster.

Der Geiz ist die Wurzel allen Übels.
en] Covetousness is the root of all evil.
fr] L'avarice porte à tout mal.
it] L'avarizia è radice di ogni male.
la] Avaritia omnia vitia habet.
sp] La avaricia es la madre de los malhechores.

Der Geiz ist die Wurzel alles Übels.

Der Geiz ist ein Nimmersatt.

Der geiz ist ein wurtze aller sünd.
en] Covetousness is the root of all evil.
fr] L'avarice porte à tout mal.
it] L'avarizia è radice di ogni male.
la] Avaritia omnia vitia habet.
sp] La avaricia es la madre de los malhechores.

Der Geiz ist eine der unedelsten, schändlichsten Leidenschaften. Man kann sich keine Niederträchtigkeit denken, zu welcher ein Geizhals nicht fähig wäre, wenn seine Begierde nach Reichtümern in das Spiel kömmt..
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Der Geiz ist grundlos und nicht zu ersettigen.

Der geiz ist niemandts freund.
dk] Gierig mand er ingen god, man sig selv verst.

Der Geiz ist seine eigene Stiefmutter.

Der Geiz ist so dumm, dass er sich nicht einmal auf das Rechnen versteht.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu, Meine Gedanken

Der Geiz ist wie das Feuer; je mehr Holz man dranlegt, desto mehr brennt es.

Der geiz je mehr er hat, je mehr er haben will.

Der geiz lässt nit fromm sein.

Der Geiz macht sich seine Höllenfahrt sauer.

Der Geiz muss Hunger leiden, weil der Teufel den Schlüssel zum Geldkasten hat.

Der Geiz nimmt (o. sammelt) sich arm.

Der Geiz rafft (o. kratzt) sich selbst den Tod.
dk] Gierighed tager sig til døde.

Der Geiz sammelt sich arm, die Milde gibt sich reich.

Der Geiz sieht ihm aus den Augen.
info] Dasselbe sagt man auch von Dummheit, Güte u.s.w.

Der Geiz steht zur Sparsamkeit in größerem Gegensatz als die Freigebigkeit.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Der geiz stößt eim den boden aus.

Der Geiz sucht seinen Himmel im Kote.

Der Geiz trägt seine Seele feil.
dk] Gierighed er sielens snare.

Der Geiz treibt manchen über See, durch Ungewitter, Regen und Schnee.

Der Geiz und der Bettelsack sind bodenlos.

Der Geiz und die Hölle sagen niemals: 's ist genug.
mhd] Ez tuot ouch niht wan gîtes vaz diu nieman ûf der erde hie mit guote ervüllen mac.

Der Geiz wächst auf den Rubeln.
Russland

Der Geiz wächst mit dem Gelde.

Der Geiz wächst mit dem Gelde.
fr] Autant croît l'avarice, que croît l'argent.
it] Tanto cresce l'avarizia quanto cresce il danaro.

Der Geiz will nicht leiden, dass man das Licht bei ihm anzünde.

Der Geiz wird noch stärker im Alter. Denn immer noch begehren wir den Genuss. In der Jugend kosten wir den Genuss nur im Verschwenden, im Alter nur im Bewahren aus.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu, Meine Gedanken

Der Geiz wird täglich jünger.

Der geiz wird täglich jünger.
info] Je älter jemand wird, desto stärker wird die Neigung zum Geize.
en] When all sins grow old, covetousness grows young.

Der Geiz, der Eifer nach Geld, ist nie Sache eines Weisen. Er verweichlicht männlichen Sinn, ist immer unersättlich und unbegrenzt und wird weder durch Fülle noch durch Mangel verringert.
Sallust, Catilina

Der Geizhals berechnet erst die Pflaumen und dann den Reif an denselben.
Russland

Der Geizhals besitzt nicht das Gold, sondern wird vom Golde besessen.
it] L'avaro non possiede l'oro, ma è posseduto dall'oro.

Der Geizhals bleibt im Tode karg:
Zween Blicke wirft er auf den Sarg,
Und tausend wirft er mit Entsetzen
Nach den mit Angst verwahrten Schätzen.
Gellert, Der Hund

Der Geizhals denkt: Hooches' (der hält) steht groß geschrieben.

Der Geizhals findet allezeit seinen betrüger.

Der Geizhals geht mit seinem Geld zweimal auf den Markt.
es] Dineros de avaro, dos veces van al mercado.

Der Geizhals hat nur eine linke Hand, die rechte ist ihm verbrannt.
Walachisch
info] Er besitzt nur die Nimmhand, die Gebhand fehlt ihm.

Der Geizhals hatte die Hand zu, als er auf die Welt kam.
Bayern

Der Geizhals hinterlässt lachende Erben.

Der Geizhals hört lieber sagen: hundert Kopeken als ein Rubel.
Russland

Der Geizhals ist ein Märtyrer des Teufels, dessen Mutter ihm einen Schein auf den Kopf setzen wird.

Der Geizhals ist Gastmählern im eigenen Hause feind, aber er besucht gern fremde.
bm] Skoupý haní cizí hostiny, a predce na ne chodí.

Der Geizhals ist wie der Esel, der Wein trägt und Wasser trinkt.
Italien

Der Geizhals kauft Rosinen ein und spricht zum Krämer: tu als Zugab noch was Pfeffer mir dazu.

Der Geizhals lebt nicht für sich, sondern für seine Gier.
la] Avarus non sibi vivit, sed libidini.

Der Geizhals leidet Not, weil der Teufel den Schlüssel hat zum Brot.
it] Molti patiscono per necessità, ma l'avaro per volontà.

Der Geizhals leidet unter einem Schaden mehr als der Weise.
la] Avarus damno potius quam sapiens dolet.

Der Geizhals macht es nur recht, wenn er stirbt.
info] Ein Geiziger ist für seine Mitwelt erst dann von Nutzen, wenn in Folge seines Todes seine Schätze auf andere übergehen.
la] Avarus, nisi cum moritur, nil recte facit.

Der Geizhals möchte dem einen die Austern, dem anderen die Schalen vorsetzen.

Der Geizhals möchte Mehl aus dem Mais mahlen, mit dem er seine Schweine füttert.

Der Geizhals möchte zwei Geschenke mit einem Nagel machen.
Russland

Der Geizhals sammelt mit Schweiß und Not, was nur mit Schmerz er lässt im Tod.
it] L' avaro accumula con dolore, ciò che deve lasciare con gran dolore.

Der Geizhals schindet die Laus um ihres Balges willen.
fr] L'avare écorcherait un pour en avoir la peau.

Der Geizhals und das Schwein sind zu nichts nütze ehe sie tot sind.
Frankreich

Der Geizhals und der Betrüger vertragen sich gut.

Der Geizhals und ein fettes Schwein uns erst im Tode nützlich sein.
fr] L'avare et le porc ne sont pas bon qu'aprés leur mort.
it] L'avaro è come il porco, che è buono dopo morto.

Der Geizhals wagt nicht zu scheißen, denn er befürchtet Hunger zu bekommen.

Der Geizhals wird eine Ohrfeige eher nehmen als geben.

Der Geizhals wollte seinen Rauch nicht aus dem Zimmer lassen und erstickte.
Russland

Der Geizhalz macht mit der Wurst zwei Geschenke, einem gibt er das Fleisch, einem den Darm.
Russland

Der geizig findt alweg ein ursach, die hend an sich zu ziehen.
bm] Kdo nerad dává, snadno výmluvu neyde.
dä] Gierrig hielper med munden, med ei med haanden.
kroat] Koi nerad da, lehko spricavanje najde.

Der geizig hat (o. trägt) sein Seel feil und gibt Gott umb gelt.

Der geizig hilft gern mit dem Maul, aber nicht mit den Händen.

Der geizig ist allweg arm.
info] Denn er hat nicht das Geld, das Geld hat ihn
it] Il più povero che sia nel mondo (in terra) è l'avaro.
la] Semper avarus eget. Horaz

Der geizig ist an ihm selbs schuldig.

Der geizig ist keinem gut, ihm selbst der ärgst.
bm] Lakomec vsem bývá zlý, sobe nejhorsí.
it] L'avaro, non mai buono per altrui, è pessimo per se.
la] In nullum avarus bonus, in se pessimus.
pl] Lakomy wszystkim zly, sobie najgorszy.

Der Geizig ladet gern gäst in ander Leut Häuser.

Der geizig nimmt sich arm.
en] Ever spare, ever dare.

Der Geizig sucht den Himmel im kot.
la] Coelum avarus in coeno quaerit.

Der geizig trägt sein seel feil.

Der geizig tut nichts rechts, dann so er stirbt.

Der Geizig und der Nötig gehören zusammen, hat der Wucherer gesagt.

Der Geizig und der Nötig sind bald handelseins.

Der Geizige aß die Datteln sammt den Kernen und sagte, als man über ihn lachte: 'Ich tu' es nur, damit alles beisammenbleibe.'
Ägypten
un] A fösvénynek soha sem elég.

Der geizige befleisst sich mehr auff gewin, denn auff Ehr.

Der Geizige bekommt seine Kost auch von Gott, aber der Teufel ist Koch dazu.

Der Geizige darbt ewig, und der Neid
Wird magrer, wie sein Nachbar fetter wird.
Horaz, Episteln

Der Geizige entbehrt, was er hat, und begehrt, was er nicht hat.

Der Geizige erleidet zwei (Mal) Schaden.
Estland

Der Geizige ersäuft sich, weil ihn der Strick zum Hängen reut.

Der Geizige erscharrt einen Pfennig und verliert einen Taler.
bm] Lakomý více tratí, nez ulakotí.

Der Geizige genießt nicht einmal das was er hat; denn er will das geliebte Geld nicht ausgeben, eher ließe er sich in Stücke hauen und gäbe eher sein eigenes Fleisch als sein Geld hin. Wer aber das Geld verachtet, hat doch schon diesen Gewinn, dass er ohne Sorge und mit Ruhe genießt, was er besitzt, und dass er sich selber dem Gelde vorzieht.
St. Chrysostomus, 14. Homilie über den 1. Korintherbrief

Der Geizige gibt tot in einem einzigen Tage mehr aus, als er es lebend in zehn Jahren tat, und sein Erbe mehr in zehn Monaten als er selbst in seinem ganzen Leben.
La Bruyère, Charaktere

Der Geizige gleicht einem Weibe, das mit Freuden empfängt und mit Schmerzen gebiert.

Der Geizige hängt den kopf nur zum boden.

Der Geizige hängt sich auf, um das Pulver zu sparen.

Der Geizige hat allweg ein' Ursach, die Händ' an sich zu ziehen.

Der Geizige hat am meisten Geld, und isst, als wär' er der Ärmste in der Welt.

Der Geizige hat bey großem Gut allzeit mangel und Armut.

Der Geizige hat des Teufels Dank.
info] Für sein Fasten zuletzt

Der Geizige hat Inhalt (d.i. Habe), der Mildtätige eine leere Schale.
Estland

Der Geizige hat Keller und Küche im Kasten.

Der Geizige hat nicht genug, bis ihn der Boden in den Hals rollt.
Kamnitz

Der Geizige hat nie genug.

Der Geizige hat nur zwei Hände, eine zum Nehmen, die andere zum Behalten.

Der Geizige hat seinen Gott im Kasten.

Der Geizige hat weder Eltern noch Freunde.
it] L'avaro ricco non tiene nè parente, nè amico.

Der Geizige hat zweimal Kopfschmerzen.
pl] Skapego dwa razy glowa boli.

Der Geizige hört nicht eher zu melken auf, bis Blut kommt.

Der Geizige hôt nimmermîr genunk.
Schlesien

Der Geizige ist allweg arm.

Der Geizige ist ärger als ein Dieb, der Dieb stiehlt anderen das Geld aus der Tasche, der Geizige sich selber das Mark aus den Beinen.

Der Geizige ist das Ross, das Wein fährt und Wasser säuft (o. und sich vom Wasser nährt).
it] L'avaro è come l'asino, che porta il vino, e beve l'acqua.
la] Tantalus inter undas sitit.

Der Geizige ist das Roß, das Wein fährt und Wasser säuft.

Der Geizige ist der Ärmste auf Erden, denn sein Gut ist sein Herr.
dk] Hvad den gierrige har, bruger han ei, hannem fattes saavel det han haver, som det han ikke haver.
it] L'avaro de suoi beni, n'è procuratore, e non signore.

Der Geizige ist ein böser Hund, der einen Schatz verwahrt, aber nicht davon genießt und andere nichts davon genießen lässt.
info] Er lässt oft das Gute eher verderben, ehe er es geniesst. Darauf zielt das russische Sprichwort hin: Der Geizige ist sehr verschwenderisch, der seine Austern bis übers Jahr aufhebt.
bm] Zlý pes ani sám sní, ani druhému dá.
fr] L'avaricieux est plus misérable que le pourceau, parce qu'il n'a bien ni joye durant sa vie, ni après sa vie.
pl] By pies na sienie, sam go niejé, a krowie go nieda.

Der Geizige ist ein mit Gold beladener Esel.

Der Geizige ist ein reicher Bettler.

Der Geizige ist ein reicher Bettler.
pl] Lakomy tak tego uzywa co ma, jak i tego czego niema.

Der Geizige ist einäugig, der Ehrgeizige ist blind.
Armenien

Der Geizige ist immer arm.

Der Geizige ist keinem gut, ihm selber der Ärgste.

Der Geizige ist krumm, wenn er sich bückt.
info] Wird von demjenigen gesagt, der nicht gern gibt

Der Geizige ist nicht eher satt, bis er den Mund voll Erde hat.
dk] Den gierrige faaer ikke nok før han faaer munden fuld af jord.

Der Geizige ist nicht zu erfüllen.

Der Geizige ist sein eigener Folterknecht.

Der Geizige ist sein eigener Folterknecht.
la] Avarus ipse miseriae causa est suae.

Der Geizige ist seines Goldes Stiefvater.
Oberösterreich

Der Geizige ist so dumm wie Salomo'e Esel.

Der Geizige ist stets gastfrei, es mag niemand dazu.

Der Geizige ist wie ein Esel, er trägt Gold und Silber und wünscht sich Stroh.
Maurisch

Der geizige Käufer kauft schlechtes Gemüse.
info] Zu billiger Kauf liefert schlechte Waren. Auch von denen, die mit wenig Mühe gelehrte Leute werden wollen.
la] Nullus emptor difficilis bonum emit obsonium.

Der Geizige konnte den Buckel (o. Höcker) verlieren, aber er wollt' ihn nicht geben.
Russland

Der Geizige lässt das Haus brennen, weil ihn das Wasser zum Löschen reut.
pl] Chciwosci a ognia przykladajac niezgasisz.

Der Geizige lässt das Schaben (o. Scharren) nicht.

Der Geizige lässt die Kuh nicht eher vom Hofe, bis sie gemistet hat.

Der Geizige lässt sich lieber umb einen Heller ermorden, als dass er einen Weisspfenning umb Gottes willen gibt.

Der Geizige legt seine Goldstücke in einen Koffer; aber kaum hat er den Koffer geschlossen, ist es, als ob dieser leer wäre.
André Gide, Vom Einfluss der Literatur

Der Geizige leidet Mangel an dem, was er hat, wie an dem, was er nicht hat.
Publilius Syrus, Sentenzen

Der Geizige liebt das Geld um seiner selbst willen, nicht wegen des Nutzens, den er daraus zieht.
Charles de Secondat, Baron de la Brede et de Montesquieu, Meine Gedanken

Der Geizige lügt, wenn er die Hand auftut.
fr] Vilain ment volontier toz tens.

Der Geizige macht ihm selbst die Fahrt zur Höllen sauer.

Der Geizige möchte dem einen das Kamel und dem anderen den Buckel desselben verkaufen.
Habesch

Der Geizige möchte die Laus um den Balg schinden.

Der Geizige muss Hunger leiden, weil der Teufel den Schlüssel zum Geldkasten hat.
la] Tantalus inter undas sitit.

Der Geizige muss oft teuer bezahlen, was er wohlfeil kauft.

Der Geizige nicht voll werden kann, wer sammelt, spart's für 'nen anderen Mann.
it] L'avaro accumula con sudore ciò che deve lasciar con gran dolore.

Der Geizige nicht voll werden kann; wer sammelt, spart's für 'nen andern Mann.

Der Geizige nimmt aus der Truhe, der Freigebige aus dem eigenen Arsch.
Estland

Der Geizige nimmt sich arm, der Milde gibt sich reich.

Der Geizige nimmt sich eher zehnmal zu tot, als dass er sich einmal lebendig gibt.

Der Geizige nimmt vom eigenen, der Mildtätige blickt auf den anderen.

Der Geizige sammelt sich arm.

Der Geizige saugt an der eigenen Hacke.

Der Geizige spricht gewöhnlich nur von seinen Ausgaben, der Verschwender von seinen Einnahmen.
Lebensweisheit

Der Geizige trägt Seide, der Mildtätige hat nicht einmal Perlen um den Hals.
Estland

Der Geizige trägt seine Seele feil.

Der Geizige und das Schwein sind zu nichts nütze, ehe sie tot sind.

Der Geizige und der Habgierige sind des Teufels Knechte.

Der Geizige und der Habgierige stehen in gleichen Ehren.

Der Geizige und der Teufel sind einer wie der andere, je mehr jeder hat, je mehr er haben will.
bm] Co jednou certu a lakomci v hrdlo prijde, toho zádný nevykoupí.
bm] Co skoupému do rukou padlo, to vse propadlo.

Der Geizige verbietet ja nicht, wenn der Freigebige geben will.

Der Geizige verbraucht den Mäusedreck für Pfeffer.

Der Geizige verhungert auf dem Goldsack.

Der Geizige vermehrt seine Habe, der Mildtätige verringert sie.
Estland

Der Geizige vermehrt sich (d. i. seine Habe), der Mildtätige verringert sich (d.i. seine Habe).
Estland

Der Geizige verstört sein eigenes Haus.
la] Conturbat domum suam, qui sectatur avaritiam.

Der Geizige will allein seinen Klee, der eigenen Kühe Zähne tun ihm weh.
fr] Vilain ne se marie jà qu'il ne perde (Darum heiratet er nur dann, wenn er dabei gewinnen kann)

Der Geizige wird früh alt, der Geiz bleibt ewig jung.
fr] Quand tous vices sont vieux, avarice est encore jeune.

Der Geizige wird nicht satt.
la] Avarus non implebitur. / Wahlspruch von Papst Innozenz XI.

Der Geizige zischt, der Beharrliche quient, der Mildtätige hilft nicht einmal sich selbst.
Estland

Der Geizige zündet des Nachbars Haus an, um bei dem Feuer ein Paar Eier zu sieden.

Der geizigen und der todten ist gut müssig gehen.

Der Geizkragen und das Mastschwein sind nach dem Tode nützlich.

Der geizler kan nicht voll werden.

Der Gelbe Fluss ist ein verlorner Sohn und der Kaiserkanal eine Juwelenschale, aus der sich die ganze Sippe nährt.
info] Der Gelbe Fluss, weil er früher häufig die Deiche durchbrach und verheerende Überschwengungen verursachte, andererseits wird die norchchinesische Tiefebene, die er durchfließt, oft von lang andauernden Dürren heimgesucht. Der Kaiserkanal, heute Yunhe genannt, der von den fruchtbaren Provinzen am Unterlauf des Yangzi bis in die Nähe Pekings führt, stand seit jeher viel mehr als der Gelbe Fluss im Dienst der Menschen, denn er wurde für alle möglichen Transporte, vor allem aber für die Versorgung Norchinas mit Reis aus dem Süden benutzt.

Der Geld auf Bodmerei gibt, läuft Risiko dafür.

Der geld bringt, der ist willkommen.

Der Geldbeutel des Kranken verlängert seine Heilung.
Schottland

Der Geldbeutel ist des Reichen Herz.
Estland

Der Geldbeutel weint, eh er die Tasche verläßt.
Russland

Der Geldbeutel, in dem eines anderen Gold liegt, ist leer.
Dänemark

Der Geldgeiz ist ein Hahn, der zusammenträgt, der Ehrgeiz eine Henne, die es wieder auseinander scharrt.

Der Geldkasten hat eine Decke, aber keinen Himmel.

Der geldlose Wanderer wird in der Nähe des Räubers singen.
Juvenal, Satiren

Der Geldmob sitzt auf goldnem Thron und frisst sich voll.
Worm, Schließt die Front

Der Geldpreis der Arbeit ist notwendig von zweierlei Bestimmungsgründen abhängig: von der Nachfrage nach Arbeit und von den Preisen für die lebensnotwendigen sowie für die darüber hinaus benötigten Güter. Die Nachfrage nach Arbeit bestimmt, je nachdem sie zunimmt, gleichbleibt oder abnimmt, d. h. je nachdem sie mehr, ebensoviel oder weniger Bevölkerung erfordert, die Menge von lebensnotwendigen und sonstigen Gütern, die dem Arbeiter gegeben werden muss, und der Geldpreis der Arbeit wiederum richtet sich danach, wieviel zum Ankauf dieser Menge notwendig ist. Wenn daher auch der Geldpreis der Arbeit zuweilen hoch Ist, während die Lebensmittel niedrig Im Preise stehen, so würde er bei gleicher Nachfrage noch höher sein, wenn der Preis für Lebensmittel entsprechend hoch wäre.
Smith, Natur u. Ursachen des Volkswohlstandes

Der Geldsack ist der beste Freund.
bm] Prítel mesec, a ródina pän buh.
pl] Pan bog a mieszek to przyjaciel prawy, a ludzka przyjazn tylko dla zabawy.

Der geldsiech ist selbs seins jamers ein stiffter.

Der Geldteufel hat ihn gepackt.
nl] De geldduivel heeft hem beet.

Der Geldteufel ist beharrlich.
Estland

Der Gelehrt' wird bei der Geduld bewährt.

Der gelehrt würt bey der gedult bewert.

Der Gelehrte hat an sich selbst immer einen Schatz.
Phaedrus, Fabeln

Der Gelehrte hat es vergessen, der Griffel nicht.
tü] Alim unutmuş, kalem unutmamış.

Der Gelehrte hat es vergessen, der Griffel nicht.
tü] Alim unutmuş, kalem unutmamış. .font>

Der Gelehrte in der letzten Rücksicht betrachtet soll der sittlich beste Mensch seines Zeitalters sein: Er soll die höchste Stufe der bis auf ihn möglichen sittlichen Ausbildung in sich darstellen.
Johann Gottlieb Fichte, Über die Bestimmung des Gelehrten

Der Gelehrte ist der Schatz des Reiches, der Literat eine Perle an der Gästetafel.
China

Der Gelehrte kann der Laterne ein Licht machen.

Der Gelehrte mag besser sein als der Herr.
Schottland

Der gelehrte Sohn ist eine Ehre, der ungelehrte eine Schande den Eltern.
la] Exhilarat patrem sapiens puer, angit ineptus.

Der Gelehrte verallgemeinert, der Künstler unterscheidet.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht.

Der Gelehrte vergesse, was er getan, sobald es getan ist, und denke stets nur auf das, was er noch zu tun hat.
Johann Gottlieb Fichte, Über die Bestimmung des Gelehrten

Der Gelehrte von echtem Schrot und Korn
Taucht selten hinab in des Dichters Born,
Den interessieren nur, Gott bewahre,
Die Schriften über ihn, die Kommentare!
Heinr. Vierordt, Deutsche Hobelspäne

Der Gelehrte weiß mehr in Item, als der andere in Summa Summarum.
info] Thomasius teilte die Gelehrten ein in solche, die a) viel, b) wenig und c) nichts wissen

Der Gelehrte, der im Grunde nur noch Bücher wälzt - verliert zuletzt ganz und gar das Vermögen, von sich aus zu denken. Wälzt er nicht, so denkt er nicht.
Friedr. Nietzsche, Ecce homo

Der gelehrte, der werte.

Der Gelehrten dranck sol sein jederzeit der beste Wein; der Ungelehrter sol drincken Bier, Wasser alle anderen Tier.

Der Gelehrten Freundschaft entsteht aus Zucht und Tugend, der Edelleute und Hofbedienten aus Fressen und Sauffen, und der Kaufleute aus Nutzbarkeit.

Der Gelehrten Rat ist oft verkehrter Rat.
Wien - Don Quixote

Der Gelehrten Recht ist der macht unnd Gelds Knecht.

Der Gelehrten sind dreyerley: gute, die anderen Schriften erklären, bessere, die aus fremden Sprachen dolmetschen, und die besten die, so selber Neues erfinden.

Der gelehrteste Mensch ist nicht der, der die meisten Wahrheiten kennt, sondern der, der die besten kennt.
Sully Prudhomme, Gedanken

Der Gelernte macht immer die Arbeit, der Ungelernte sieht zu.
Estland

Der Geliebte ist mein, und ich bin sein, er weidet in den Lilien.
Altes Testament, Hohelied Salomos 2, 16

Der Geliebte, der nicht alles ist, ist nichts!
Honoré de Balzac (1799-1850), Die Lilie im Tal

Der Geliebten Gesicht bedarf keiner Kammerfrau.
Persien

Der Geliebten Gesicht braucht keine Schminke.

Der Geliebten Zank ist süßer Klang.
nl] Geliefdens kijven doet liefde beklijven.
ho] Geliefdens twist is haast beslist.

Der gelindeste Weg ist der beste.

Der gelindeste Weg ist der sicherste Weg.

Der Gêltän (Gelbzahn) kömmt (o. öss da).
info] Ein Spuk, womit Kinder geschreckt werden, wenn sie abends auf den Boden des Hauses gehen wollen. Das deutsche Gêltän ist mit der litauischen Todesgöttin Giltine eins: Giltine atein.

Der gemach gehet, der kommt auch fern.

Der gemach gehet, der kompt weiter, als der laufft.

Der gemachte Vormund geht vor der geborenen Mundschaft.
info] Der geborene Vormund nach des Vaters Tode war der nächste männliche Verwandte, von dem es doch immer noch fraglich war, ob er die erforderlichen Eigenschaften zu seiner Stellung besaß. Hatte aber der Vater vor seinem Tode den Vormund ernannt, so war vorauszusetzen, dass er sich von seiner Tüchtigkeit überzeugt hatte.
ho] Dij meckada mond geet foer dio berne mondscip.

Der Gemahlin Liebesgunst duftet schier nach Küchendunst.

Der gemein nutz ist der Vatter alles guts und des Vatterlands Schutz.

Der Gemeinde vorstehen, ist nicht müßig gehen.
la] Sacerdotium non est otium.

Der Gemeindeälteste hat eines Bockes Alter: (ist) er drei Jahre alt - wird (er) geschlachtet.
Estland

Der Gemeindeesel hat viel zu tragen. (Der Esel, der allen gehört)
fr] L'âne de la communauté est toujours le plus bâté.

Der Gemeindeesel hat viel zu tragen.
info] Der Esel, der allen gehört
bm] Na obec ukládají, a panství okrádají.
fr] L'âne de la communauté (o. du commun) est toujours le plus bâté.

Der Gemeindeesel ist immer am schlechtesten gesattelt.

Der gemeine (allgemeine) Fluch bringt lützel Frucht.

Der gemeine Fluch ist nicht zu verachten.
info] Dessen geheime Frucht Segen ist
dä] Almindelig bøn og bande har meget at betyde.

Der gemeine Mann kann sich selbst nicht raten, drumb soll er guten rat folgen.

Der gemeine Mann merkt eben auf seines Herrn Leben.
la] Scilicet in vulgus manant exempla Regentum.

Der gemeine Mann muss schulden mit barem Geld zahlen, Herren mit gutem Hofwind an statt feins Gelds, sonst wird ihr Schatz bald erschöpft sein.

Der gemeine Mann trägt die Last.

Der gemeine Mann verdaut nicht alles.

Der gemeine Nutz dient manchem Eigennutz zum Deckmantel.

Der gemeine Nutz ist der Herrschaft stärkster Schutz.

Der gemeine Sinn erschrickt über die falsche Anwendung höherer Maximen, wenn man sie mit der rohen Wirklichkeit unmittelbar in Verhältnis bringt.
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe. Anmerkungen. Die Philosophen

Der gemeine Wissenschaftler hält alles für überlieferbar und fühlt nicht, dass die Niedrigkeit seiner Ansichten ihm sogar das eigentlich Überlieferbare nicht fassen lässt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1175

Der Gemeinen zwei und vier Offizier dabei.
info] Das Kriegsheer gibt eiteln Leuten eine günstige Gelegenheit, ihre Titelsucht zu befriedigen. In Frankreich konnte man kurz vor der Französischen Revolution, wie Dahlmann in seiner Geschichte derselben sagt, auf drei Gemeine einen Offizier zählen. In Polen war es gleichzeitig noch schlimmer, wie der obige in ein Sprichwort übergegangene, wenn auch gerade nicht buchstäblich zu nehmende Ausspruch zur Genüge zeigt.
pl] Dwa dragany a cztery kapitany.

Der Gemeinheit und Niederträchtigkeit setze nur immer das Bewußtsein entgegen, dass du weder gemein noch niederträchtig bist, dass du unbeirrt durch alle die kleinen und großen Kalamitäten des Alltagslebens dem Ziele zustrebst, welches du selbst dir aufstellest, und dann, vergiss nie: dass noch viele gute Menschen leben!
Goethe (1749-1832), J. P. Lyser, Februar 1832

Der gemeinsame Gesang macht die Gemeinschaft, das Kollektiv zum unmittelbaren Erlebnis, um so mehr, wenn die Lieder durch die Schönheit der Gedanken und der Melodie das verbindende Ziel aufleuchten lassen.
L. Grundig, Gesichte und Geschichte

Der gemeinste der Menschen ist, wer keine Entschuldigung annimmt, keine Sünde deckt und keinen Fehler vergibt.

Der Genannte muss den Dieb wehren oder fällen.
[RSpW]
info] Bezieht sich auf das altdeutsche Rechtsverfahren und zwar auf die Urteilsfindung. Der Genannte oder Schöffe hatte das Urteil als Geschworener des Kaisers zu schöpfen, den Dieb für schuldig oder nichtschuldig zu erklären, welches Urteil dann der Richter verkündete. Das Sprichwort ist dem westgotischen Recht entlehnt: Nempdaeman a at waeria thiuf äller faellae.

Der General, welcher seinen Leuten die Plünderung verspricht, stempelt sich dadurch faktisch zum Räuberhauptmann.
Johann Gottfried Seume, Apokryphen

Der General: ein Korporal, der mehrmals befördert wurde.
Gabriel Laub

Der geniale Mensch denkt zu seiner Zeit so, wie die Zukunft denken wird, er gehört nicht in sein Jahrhundert und spricht sehr oft eine Sprache, die es nicht versteht. Die tiefen Denker sind die wahren Propheten des Menschengeschlechts.
Du Marsais/Holbach, Essay über die Vorurteile

Der geniale Mensch hat Augen für das, was ihm zu Füßen liegt.
Johann Jakob Mohr

Der geniale Mensch zielt nicht darauf ab, seine Sprache zu ändern, das wäre Unfug; er versteht es aber, sich durch die Hindernisse hindurchzukämpfen, die sie ihm entgegenstellt. M. Grimm, Grenzen der Sprachen und Künste

Der Genius des Hasses auf Erden ist vielleicht noch ein gewaltigerer als der Genius der Liebe.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Genosse der Nacht sticht den Genossen des Tages aus.
Jemen
info] Der Frau gibt der Gatte mehr als seinen Eltern

Der Gentleman ist ein Mann der Wahrheit, Herr über sein eigenes Handeln und fähig, dieses Herrentum in seinem Benehmen zum Ausdruck zu bringen. Er macht sich in keiner Weise abhängig und ist weder Personen noch Meinungen noch dem Reichtum dienstbar.
Emerson

Der Genügsame ist immer fröhlich, der Geduldige ist immer ruhig.
China

Der Genuss auf einer Reise ist, wenn man ihn rein haben will, ein abstrakter Genuss, ich muss die Unbequemlichkeiten, Widerwärtigkeiten, das, was mit mir nicht stimmt, was ich nicht erwarte, alles muss ich beiseite bringen..
Goethe (1749-1832), Reise-Tagebuch von Karlsbad nach Rom, 1786

Der Genuss der Liebe ist die Annäherung und Verbindung der Individuen, die Vereinigung und Harmonie ihrer Kräfte für ein gemeinschaftliches Ziel.
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Der Genuss des Vergnügens, was kein Bedürfnis ist, d.h. was man entbehren kann, ist die Annehmlichkeit; wird sie gleichwohl für ein Bedürfnis gehalten, so ist sie Lüsternheit. Der Zustand des Menschen, der entbehren kann, ist Genügsamkeit; dagegen desjenigen, der das, was sehr entbehrlich ist, zum Bedürfnis zählt, die Üppigkeit. Die Zufriedenheit des Menschen entspringt entweder dadurch, dass er viel Annehmlichkeiten oder dass er nicht viel Neigungen in sich hat aufkommen lassen und also durch wenig erfüllte Bedürfnisse zufrieden ist.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlaß

Der Genuss folgt nicht erst nach dem Lernen, sondern Lernen und Genuss sind gleichzeitig.
Epikur, Vatikanische Spruchsammlung

Der Genuss schwerer Speisen beeinträchtigt das innere Gleichgewicht; man wird krank.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (Wolf)

Der Genuss tötet die Liebe.

Der Genuss wird Vater neuer Kraft sein.
W. v. Humboldt (1767-1835), an Forster, 8. 2. 1790

Der Georgstag (23. IV) gibt den Pflug in die Hand, der Johannistag (24. VI) wirft die Sense in die Hand.

Der Georgstag (23. IV) weist die Arbeit zu, der Johannistag (24. VI) gibt einen Fußtritt in den Arsch und schickt von der Arbeit weg.

Der Georgstag, der ist der Pferde Ehrentag.

Der geputzten Frau kehre den Rücken zu.
Toskana

Der gequälte Esel läuft schneller als das Pferd.
tü] Eşeğin canı yanınca attan yürük olur.

Der Gerade spottet des Halgo.
la] Loripedem rectus deridet, Aethiopem albus.

Der gerade Weg ist der beste, sagte Hans, da stak er in einem Sumpfe neben der krummen Straße.

Der gerade Weg ist der beste.

Der gerade Weg ist der beste.
info] Ein gut Sprüchlein für den, der dem Glück aus dem Wege geben will.
z] Kupido dient verstohlnen Gängen, und willst du dich Fortunen nahn, so musst du schlängeln dich und drängen, in wunderlich gekrümmter Bahn. Vergebens hält sich der Modeste auf gradem Wege ehrsam blind. Der gerade Weg ist nur der beste, wenn wir der Täuschung müde sind.
bm] Kde cesta rovná, nezajízdĕj.
ho] De kortste weg is de beste.
it] La via retta è la migliore.
la] Una per ambages, altera recta via est.

Der gerade Weg ist der beste.
it] La via retta è la migliore.

Der gerade Weg ist der kürzeste (aber nicht immer der beste).
sd] Bäst att följa marken efter.

Der gerade Weg zur Politik ist meistens unpassierbar.
Macmillan

Der Gerber meint, die Eichbäume wüchsen nur der Rinde wegen.

Der Gerber zeucht dem Schuster den Rock auss.

Der gerecht wird wohl getruckt, aber nicht vntergetruckt.

Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes.
Sprüche Sal. 12, 10
la] Novit justus jumentorum suorum animas.

Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs.

Der Gerechte fehlt (o. fällt) am Tage siebenmal.
Sprüche Sal. 24, 16.

Der Gerechte geht immer mit zerschlagenem Kopfe umher.

Der Gerechte ist am wenigsten zu erschüttern, der Ungerechte ist von höchster Erschütterung durchdrungen.
Epikur, Sprüche. In: Briefe, Sprüche, Werkfragmente

Der Gerechte ist ein golden Glöcklein und dessen Schwengel eine Perle.

Der Gerechte ist sterblich und geht dahin, sein Licht jedoch bleibt.
Fjodor M. Dostojewski, Die Brüder Karamasow

Der Gerechte kennt am wenigsten Unruhe, der Ungerechte ist von höchster Unruhe erfüllt.
Epikur, Die Hauptlehrsätze

Der Gerechte lebt nicht länger, als es der Verräter will.
Spanien

Der Gerechte muß viel leiden.

Der Gerechte muss viel leiden.
Ps. 34, 20
info] Heute meist ironisch oder spöttisch)
fr] Le juste a beaucoup à souffrir (à endurer).
la] Multae tribulationes justorum.

Der Gerechte reichet spät.
dk] Retferdig bliver aldrig bradriig.

Der Gerechte schuldiget sich am ersten, kumbt sein nächster, so ist er jm bereit.

Der Gerechte soll dem Sandelholz nachahmen, welches die Axt, mit der man es fällt, wohlriechend macht.

Der Gerechte sündigt sieben Mal am Tag.
it] Il giusto pecca sette vole il giorno.

Der Gerechte teilt mit dem Armen.
mhd] De rechtferdige deilt mit dem armen.
la] Communicat recte sua commoda iustus egeno.

Der Gerechte zahlt für den Sünder.
Portugal

Der Gerechten Schar ist klein.

Der Gerechten Weg ist schlecht (o. schlicht).

Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein.
Jesus Sirach, 32, 17

Der Gerechtigkeit ihren Lauf, und sollte auch die Welt darüber zugrunde gehen.
la] fiat iustitia, pereat mundus. Leitsatz Kaisers Ferdinands I.

Der Gerechtigkeit kommt an sich kein Sinn zu, vielmehr ist sie nur ein im gegenseitigen Verkehr in beliebigen Erdgegenden getroffenes Übereinkommen zur Verhütung gegenseitiger Schädigung.
Epikur, Hauptlehren

Der Gerechtigkeitssinn milder Richter ist nur Liebe zu ihrer Würde.
François de La Rochefoucauld, Unterdrückte Maximen

Der gereichte Milchtrank einer (Rentier-) Kuh sättigt mehr als versprochener Braten.
Finnland

Der Gerichtshof des Gewissens ist immer in Sitzung.
England

Der geringste Fehler jener Frauen, welche sich der Liebe hingeben, ist, dass sie sich der Liebe hingeben.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Der geringste Knecht ist alles Lands recht.

Der geringste Mensch kann komplett sein, wenn er sich innerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten bewegt..
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 474

Der geringste wird oft der beste, ein leimen Wand ein steinern feste.

Der geringste Wirt ist oft der beste.

Der Germane ist die Seele unserer Kultur. Das heutige Europa, weithin über den Erdball verzweigt, stellt das bunte Ergebnis einer unendlich mannigfaltigen Mischung dar: was uns alle aneinanderbindet und zu einer organischen Einheit verknüpft, das ist germanisches Blut. Blicken wir heute umher, wir sehen, dass die Bedeutung einer jeden Nation als lebendiger Kraft von dem Verhältnis des echt germanischen Bluttes in ihrer Bevölkerung abhängt. Nur Germanen sitzen auf den Thronen Europas.
Houston Stewart Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Der Germane ist die Seele unserer Kultur.
Houston Stewart Chamberlain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Der gern bezahlet, der reichet (o. richtet).

Der Gerstengräten halben ist der Teufel kein Bauer worden.
Franken

Der Gerstenverschlag wird wohl spinnen, der Bohnenverschlag nähen.
Estland

Der Geruch des Gewinnes ist gut, woher er auch komme.
Juvenal, Satiren

Der geruch die kreutlein meldt im garten, ein schalck erkennt man bey sein worten.
la] Nequam per verba, per odorem noscitur herba.

Der Geruch, welchen der Topf neu einmal angenommen hat, wird er lange behalten.
Lateinisch

Der gesamte politische Tageskampf stellt sich dar als eine einzige endlose Diskussion über die Gerechtigkeit.
Radbruch

Der gesamten Hand muß man Folge leisten.

Der gesamten Hand muss man Folge leisten.
[RSpW]
info] Dies Sprichwort bezieht sich aufs Lehnrecht und erklärt sich aus demselben. Unter der 'gesamten Hand' ist nämlich eine Art der Belehnung zu verstehen, die mehrern auf einmal geschieht, wobei jedoch nur einer der Belehnten zum wirklichen Besitz des Lehns gelangt, während die übrigen es erst nach demselben, dem Erbgangsrechte gemäß, erhalten. Es war nun die Pflicht jedes Mitbelehnten bei einer Veränderung des Lehnsherrn, sich dem Nachfolger desselben darzustellen und mittels Ablegung des Lehneides die Lehne zu erneuern. Dies nannte man: der 'gesammten Hand Folge leisten'. Das Wort 'Folge' heißt hier so viel, wie es in den deutschen Lehnsgesetzen des Mittelalters häufig vorkommt, als Bitte um Erneuerung der Belehnung.

Der Gesandte ist unverletzlich.

Der Gesang ist die in höchster Leidenschaft erregte Rede: die Musik ist die Sprache der Leidenschaft.
Richard Wagner, Das Judentum in der Musik

Der Gesang ist völlig produktiv an sich. - Naturell des äußern und Genie des innern Sinnes werden durchaus gefordert.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre

Der Geschäftige hat die Wolle, der Faule die Schafe.
Estland

Der Geschäftsmann ist eine Gerade, der Künstler eine Kurve.
Sully Prudhomme, Intimes Tagebuch

Der Geschäftsmann ist nicht überzeugt, dass Redlichkeit das Bessere ist, und verweist seine Neigungen nicht durch gütliche Worte zur Ruhe, sondern hält sie durch Gewalt und Einschüchterung nieder, weil ihm um sein Geld angst ist.
Platon, Staat

Der gescheiden atzlen sind dennoch jr eyr gestolen.
hdt] Der gescheiten Elster sind dennoch ihre Eier gestohlen.

Der Gescheite gibt nach, hat der Bauer zum Stier gesagt, da versuchten sie das Raufen und der Stier wollte keinen Spaß verstehen.

Der Gescheite soll den Narren auf dem Rücken tragen.

Der Gescheite soll den Narren auf dem Rücken tragen.
info] Dann ist er sicher, dass ihm von demselben der Weg verlaufen oder die Schuhe ausgetreten werde.

Der Gescheite weiß mehr in einem Item, als der Geck in Summa Summarum.

Der Gescheitere (o. Gescheiteste) gibt nach.

Der Gescheitere gibt (dem Narren) nach.

Der Gescheitere gibt nach! Eine traurige Wahrheit; sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Gescheitere gibt nach.

Der Gescheitere gibt nach.
var] Dem Trunkenen geht man aus dem Weg.
var] Wer den Fuß nicht hebt, stolpert auch über kleine Steine.
en] The wise head gives in.
fr] Le plus sage se tait.
it] Al più potente cede il più prudente.
la] Cedendo victor abibis.
sp] El sabio dice al fuerte: Adelántate.

Der Gescheiteste gibt nach, Ochse, gib du nach, hat der Bauer zu seinem Ochsen gesagt.

Der geschenk will haben über d' mass, zu dem hat jederman ein hass.
la] Illum nullus amat, qui semper da mihi clamat.

Der geschenkte Kopf.
info] So hieß in Appenzell eine Strafe von 101 Gulden, weil jede Erneuerung des Verbrechens ehemals den Tod unnachsichtlich nach sich zog.

Der geschenkte Krug gilt vor der versprochenen Quelle.
Russland

Der geschenkte saure Apfel gilt für süß.
Lettland

Der Geschichte fällt, gerade wie dem von der Audienz die Treppe herunterkommenden Bittsteller, ein pikantes, gerade passendes Wort fast immer erst hinterdrein ein.
William Lewis Hertsiet, Treppenwitz der Weltgeschichte

Der Geschichtsmaler, der eigentliche Menschendarsteller, hat in bezug auf Landschaft große Vorteile, aus dem Wirklichen zieht er das Bedeutende, findet das Merkwürdige unter jeder Bedingung, weiß ihm Gestalt und Adel zu verleihen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst. Wilhelm Tischbeins Idyllen II

Der Geschichtsschreiber hat die Muße und Aufgabe, auch dem Alten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, aber nicht der Geschichtmacher.
Feuerbach, Wesen des Christentums

Der geschickt hats von Meister und gesellen gelernt.

Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.
Kurt Tucholsky

Der Geschickte kommt leer vom Markte zurück.
Jemen
info] Weil er die Waren kritisch betrachtet hat

Der Geschickte macht alle Dinge recht.
nl] Den geschikte schikt alle ding wel.

Der Geschickte muss dem Ungeschickten Platz machen.
info] So soll es zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs an den Höfen gewesen sein, und dieser Brauch ist vielleicht mehr oder weniger bis heute geblieben.

Der geschickteste Ackersmann macht einmal eine krumme Furche.
it] Non è si sperto aratore, che alcuna volta non faccia un solco torto.

Der geschickteste Dieb ist, wer den Dieb bestiehlt.

Der geschickteste Jäger kann keinen Rehbock schießen, wo es nur Hasen gibt.

Der geschickteste Koch kann aus bloßem Wasser keine gute Suppe kochen.

Der Geschickteste sitzt selten obenan.
info] Er ist bescheiden. Die Gelehrten müssen gar oft den Unwissenden nachstehen.
fr] Les meilleurs chaires ne se donnent pas toujours aux plus habiles.

Der geschickteste Spitzbube ist der größte Mann.
Ostindien
info] Die Kunst des Stehlens soll dort auf einer solchen Höhe stehen, dass selbst England, welches die Kunst zu stehlen systematisiert hat und zünftig betreibt, dadurch übertroffen wird. Es ließe sich noch hinzufügen: Der größte Mann könnte auch der geschickteste Spitzbube sein; dass er es aber nicht sei, mache ihn zum großen Mann.

Der geschlachteten Schaf tut es nicht mehr weh, wenn man es abhäutet.

Der geschlagen ist, hat groß Elend, der obsiegt, stirbt auch behend.
fr] L'abbatu veult tousjours luicter.

Der Geschlagene geht ungern bei einem Weidenstrauche vorüber.
Russland

Der geschlagene Hund flieht, auch wenn er nur den Schatten eines Stockes sieht.
it] Cane battuto teme l' ombra del bastone.

Der Geschlagene ist der, der nach Weiterkämpfen schreit.
Frankreich

Der geschlagene Soldat fürchtet sich vor einem Schilfrohr.
Japan

Der Geschlagene trägt den Nichtgeschlagenen.

Der Geschlagene zahlt die Strafe.
fr] Le battu paye l'amende.

Der Geschlagene zahlt die Strafe.
fr] Le battu paye l'amende.

Der Geschlechtsunterschied des Menschen von den Tieren bezeichnet sich schon lebhaft im Knochenbau. Wie unser Haupt auf Rückenmark und Lebenskraft aufsitzt! Wie die ganze Gestalt als Grundpfeiler des Gewölbes dasteht, in dem sich der Himmel bespiegeln soll! Wie unser Schädel sich wölbt, gleich dem Himmel über uns, damit das reine Bild der ewigen Sphären drinnen kreisen könne!
Goethe (1749-1832), Zur Physiognomik. Physiogn. Diagnosen. Eingang

Der Geschlechtsunterschied ist kein oberflächlicher oder nur auf gewisse Körperteile beschränkter, er ist ein wesentlicher, er durchdringt Mark und Bein.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Der Geschmack an der Gelehrsamkeit kündigt bei einem Volke immer nur den Beginn der Verderbtheit an, welche er schnellstens beschleunigt. Denn dieser Geschmack kann bei einer ganzen Nation nur aus zwei üblen Quellen entspringen, welche ihrerseits die Studien erhalten und vermehren, nämlich aus dem Müßiggang und dem Verlangen, sich zu unterscheiden.
Jean-Jacques Rousseau, Narcisse (Vorrede)

Der Geschmack ändert sich aller zehn Jahre.
it] Si cambia di gusto ogni dieci anni.

Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.
Mozart, Letzte Worte vor seinem Tode

Der Geschmack einer Nation geht dem Genius nie voraus, sondern hinkt ihm beständig nach.
Hebbel, Tagebücher, 24.10.1835

Der Geschmack hängt nicht an unseren Bedürfnissen. Der Mann muss schon sehr gesittet sein, wenn er eine Frau nach Geschmack wählen soll.
Immanuel Kant

Der Geschmack hängt nicht an unseren Bedürfnissen. Der Mann muss schon sehr gesittet sein, wenn er eine Frau nach Geschmack wählen soll.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlaß

Der Geschmack ist allen Menschen natürlich, sie haben ihn aber nicht alle in gleichem Maße.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Der Geschmack ist das literarische Wissen der Seele.
Joubert, Gedanken und Maximen

Der Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen; da aber der Lebensgenuss von einem ganzen Gewebe solcher Kleinigkeiten abhängt, so ist die Sorge dafür doch nicht ganz unbedeutend. Durch diese Kleinigkeiten lernen wir das Leben mit Gütern bereichern, die uns zugänglich sind. Ich meine hier nicht moralische Güter, die von der rechten Charakterbildung abhängen, sondern Güter sinnlicher Art reinen Genusses.
Rousseau, Emile

Der Geschmack ist gewissermaßen der Urteilskraft Vergrößerungsglas, er bringt kleine Gegenstände in ihre Reichweite, und seine Wirkungen fangen da an, wo die der Urteilskraft enden.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

Der Geschmack ist nur der zarteste Teil des Charakters. Er verhält sich zu ihm wie die Epiderm zur Schönheit.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts - 8. Neuestes

Der Geschmack ist verschieden an allen Orten, der will Pasteten, der andere will Torten.

Der Geschmack ist verschieden geraten, der will's gesotten, und der will's gebraten.

Der Geschmack ist verschieden, dem einen gefällt die Mutter, dem anderen die Tochter, und manchem alle beide.

Der Geschmack ist verschieden, der eine liebt die blauen, der andere die braunen.

Der Geschmack ist verschieden, sagte Burgheim, einer mag die Mutter und ein anderer die Tochter.
z] Chacun a son gout, dem einen gefällt der Ochs, dem anderen Wasischta's Kuh. H. Heines Reisebilder, Hamburg 1840

Der Geschmack ist verschieden, sagte die Magd, da aß sie den (Kaffee-)Grund und goss die Brühe weg.
en] Tastes differ, said the man, when he kissed his cow.

Der Geschmack ist verschieden.

Der Geschmack mag sich ändern, der Trieb nicht.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Geschmack urteilt, wenn ihn die Philosophie erleuchtet hat, aus einem tiefen Gefühl über die Schönheit und Güte der Dinge..
M. Grimm, Über den Geschmack

Der Geschmähte ist immer anwesend.
Uganda

Der Geschreite muss ziehen oder fliehen.
[RSpW]
info] Dem Sprichwort liegt ein im Kanton Zürich bestehendes Rechtsverhältnis zu Grunde. Der Inhaber einer verpfändeten Sache hat als 'Geschreiter' die Wahl zu fliehen, d.h. sein Eigentum den Gläubigern zu überlassen, wodurch er von jeder weitern Verbindlichkeit frei wird, oder zu ziehen, d.h. die darauf haftende Schuld zu bezahlen.

Der geschriebene Buchstabe bleibt.
la] Littera scripta manet.

Der geschworene Bruder ist oft der ärgste Verräter.

Der Gesell im Mad, die Jungfraw im Bad geben eine gute Heirat.
info] Wenn die künftige Frau erst geboren wird, während der künftige Ehemann bereits ein junger Bursche ist
bm] Kdyz nevesta se rodí, zenich na kuñ sedej.

Der Gesellschaft wegen muss man nicht in die Hölle gehen.

Der gesellschaftliche Trieb gehört demnach unter die Grundtriebe des Menschen. Der Mensch ist bestimmt, in der Gesellschaft zu leben; er soll in der Gesellschaft leben; er ist kein ganz vollendeter Mensch und widerspricht sich selbst, wenn er isoliert lebt.
Fichte, Über die Bestimmung des Gelehrten

Der Gesetzgeber soll denken wie ein Philosoph. aber reden wie ein Bauer.
Ihering

Der Gestank des Knoblauchs überwältigt den Duft des Ambra.

Der Gestank verrät das Aas.

Der Gestank wird einen schon beerdigen.

Der gestern ein Ochsenjunge gewesen ist, will heut schon nicht Pferdeknecht sein.
bm] Býval volem, a nyní nechce ostati ani konĕm.

Der gestohlene Hase trägt seine Ohren nach außen.
Portugal

Der gestohlene Pfennig gilt so viel als ein anderer.

Der gestraft wird, ist nicht mehr der, welcher die Tat begangen hat.
Nietzsche

Der Gestresste fühlt sich wie ein Karpfen im Hechtteich.
Gerhard Uhlenbruck

Der gestrige Tag ist hin, und der morgende soll noch kommen; heute muss man leben.

Der gestrige Tag kommt nicht wieder.
la] Non potest dies esse saepius, qui semel fuit.

Der gesund ist unwissend reich.
dk] Sundhed er ubekiendt rigdom.

Der Gesunde braucht keinen Arzt.
Estland

Der gesunde Fuß geht zum Frondienst, der kranke Fuß geht auf den Ofen.
Estland

Der Gesunde hat den Arsch voller Sahne.
Estland

Der Gesunde hat den natürlichen Drang, sich körperlich zu betätigen, etwas zu schaffen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Der Gesunde hat neunzig Wünsche, der Kranke nur einen.

Der Gesunde ist unwissend reich.

Der Gesunde kann dem Kranken gut Rat geben.
info] Auch in dem Sinne: Anderer Gebrechen sehen und die eigenen nicht merken.
bm] Snadno jest zdravému raditi nemocnému.
it] Facil è al sano di consigliar l'infermo.
la] Facile cum valemus, recta consilia aegrotis damus. Terenz

Der Gesunde kann dem Kranken wohl raten.

Der Gesunde mag dem Tod näher sein als der Sterbende. Er mag geistig tot sein, nur sieht man es nicht. Wer sind wir schon, das zu beurteilen?
Mutter Teresa

Der gesunde Mann aus dem Volk ist durch und durch wesentlich: leeres Gerede kennt er nicht. Wenn er spricht, wird es Hand und Fuß haben.
Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend

Der gesunde Mensch ist schön und sein Zustandekommen erstrebenswert. Aber es muss ein bisschen irgendwelcher Krankheit in ihn kommen, dass er auch geistig schön werde.
Christian Morgenstern, Stufen: Psychologisches

Der gesunde Mensch kann durch nichts gerührt werden, dass nicht zugleich die Saiten seines Wesens erschüttert werden sollten, von denen die entzückenden Harmonien des Vergnügens auf ihn herabströmen.
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung II,5

Der gesunde Mensch zählt seine Jahre nicht.
Serbien
info] Vgl. Schiller: Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.

Der gesunde Menschenverstand ist für den Geist, was die Anmut für den Körper ist.
La Rochefoucauld

Der gesunde Menschenverstand ist oft eine der ungesundesten Verständnislosigkeiten.
Ludwig Marcuse

Der Gesunde sagt zum Kranken: 'Gott gebe dir Gesundheit, Bruder!'
es] Dice al doliente el sano: Dios te dé salud, hermano.

Der Gesunde soll dem kranken Mann helfen.

Der gesunde Verstand steht für mich heute höher als die Vernünftigkeit.., und deshalb finde ich mehr Gefallen an der Gotteslästerung Voltaires als an der Anerkennung der Autorität der Religion, der Gesellschaft, irgendeiner Person, wer es auch sein möge!
Belinski, an W. P. Botkin, 8. 9. 1841

Der Gesunde versteht nicht den Kranken, und der Kranke nicht den Gesunden.
Estland

Der Gesunde weiß nicht, wie dem Kranken zu Mute ist.
bm] Zdravý nemocnému neverì.
dä] Helbrede veed ikke hvad den syge lider.

Der Gesunde weiß nicht, wie reich er ist.

Der Gesunde weiß nichts von seinem Reichtum.
dk] Een sund veed ei hvor lyksalig han er.

Der Gesunde zählt seine Jahre nicht.
Serbien

Der Gesundheit winkt, wer dreimal über Tische trinkt.

Der gêt nit von schmützen.
info] Er lässt sich durch Worte nicht erschrecken.
la] Ne quid moveare verborum strepitu.

Der geteilte Ozean wird zu Bächen.
Spanien

Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.
Nietzsche

Der getreue Achates (der Begleiter des Aneas).
la] Fidus Achates
Vergil, Äneis 6, 158

Der getreue Bote frägt des Kaisers Wahrheit.
[RSpW]
info] Der Richter als Diener oder Bote des Kaisers (Staatsoberhaupt) soll Recht sprechen, aber nicht selbst Recht teilen, sondern die Schöffen fragen, d.h. sie das Recht suchen oder schöpfen lassen.
mhd] Der getrouwe bode sal dez keisers warheyt fragen.

Der getreue Eckart ist mir von großer Beihülfe. Reinen und redlichen Gesinnungen treu, wächst er täglich an Kenntnis, Ein- und Übersicht und bleibt wegen fördernder Teilnahme ganz unschätzbar..
Goethe (1749-1832), An Zelter, 10./14.12.1830

Der getreue Eckart warnt jedermann.

Der Gevatter im Arsche, wenn das Kind gestorben ist.
pl] W dupie komotr, kiedy dziecko zdechlo.

Der Gevatter kommt und 's ist kein Stuhl zum Setzen da.
bm] Prijde kmotr na obed, a lzíce nebude.

Der gewaffnete Mars schadet nit so viel als die bloße Venus.
la] Pacem cum hominibus, bellum cum vitijs habe.

Der Gewähre muss antworten.
[RSpW]
info] Derjenige, welcher einem anderen ein Gut, es sei durch Geschenk, Kauf u.s.w. ausantwortet, ist für den neuen Besitzer der Vertreter in Betreff des rechtlichen Erwerbs. Wenn ein Streit über den Gegenstand entstände, würde er durch seine Aussage die eine Hand siegreich, die andere verlustig machen.
mhd] Di gewere mot antwerden.

Der Gewähre zieht das große Gericht zum kleinen, und das kleine zum großen.

Der Gewalt ist angelegt.
Schwaben
info] Das amtliche Siegel

Der Gewalt muss man weichen (sonst fällt man unter ihren Streichen).

Der Gewalt Tochter ist die Unvernunft, und ihre Schwester ist die Grausamkeit.
Russland
bm] Kde vládne síla, tam rozumu mohyla.

Der gewaltsame Niederschlag einer Revolution lässt in den Köpfen ihrer Mitspieler, namentlich der vom heimischen Schauplatz ins Exil geschleuderten, eine Erschütterung zurück, welche selbst tüchtige Persönlichkeiten für kürzere oder längere Zeit sozusagen unzurechnungsfähig macht. Sie können sich nicht in den Gang der Geschichte finden, sie wollen nicht einsehen, dass sich die Form der Bewegung verändert hat.
Karl Marx, Nachwort zu 'Enthüllungen über den Kommunisten-Prozess zu Köln'

Der gewandte Naturforscher muss sich selbst in einen höheren Sinne beobachten. Wenn er an einen Gegenstand herantritt, so ist er eigentlich der alltägliche Mensch und muss auch als solcher seine Kräfte bestens gebrauchen.
Goethe (1749-1832), Aphorismen und Fragmente - Philosophie

Der Gewarnte hat viel vor dem Ungewarnten voraus.

Der gewaschenen Hand schickt (o. sendet) Gott ein gutes Mahl.
info] Gott kommt demjenigen zu Hilfe, welcher sich auf den Empfang seiner Wohltaten würdig vorbereitet.
fr] À main lavée Dieu donne la repue (o. envoie un bon repas).

Der geweihte Milchtrank (einer Renntierkuh) sättigt mehr als alle Brote der Herren, die man nur verspricht.
Russland

Der Gewer öss gestorwe, der Schenker öss verdorwe, der Gîzhals lewt noch.

Der Gewerbfleiß der Väter soll der Kinder Erbe sein.
Türkei

Der Gewinn aus allen Sachen gut, woher derselbe kommen tut.

Der Gewinn eines anderen schmerzt den Neider wie eigener Verlust.
la] Alterius lucra dolet invidus ut sua damna.

Der Gewinn hat oft den Betrug zur Mutter, aber der Betrug nicht immer den Gewinn zum Sohn.
Russland

Der Gewinn ist der Bruder des Verlustes.
tü] Kar zararın kardeşidir.

Der gewinn ist so lieb, dass man sich seiner nit scheuet.

Der gewinn macht ein unruhig gewissen.
info] Nämlich der unrechtliche

Der Gewinn muss dem zukommen, der die Gefahr trägt. [RSpW]
la] Commodum eius esse debet, cuius periculum est.

Der Gewinn reucht von allen Sachen wohl.
la] Lucri bonus odor ex re qualibet.

Der Gewinn soll nicht die Basis, sondern das Resultat der Dienstleistung sein.
Henry Ford (1863 - 1947)

Der Gewinner des Spiels steht erst am Ende fest.
Kelten

Der gewinnt am meisten, der zu spielen aufhört.
bm] Na výhru nehled', dbej jenom, abys neprohrál, a vyhrás.
pl] Na wygrana niezapatruj sie, ale dbaj o pewna nieprzegrana, a wygrasz.

Der gewinnt ein land, der sich selbs vberwint.

Der gewinnt genug, der den Prozess aufgibt.
info] Es ist schon ein Gewinn, wenn der Prozess zu Ende ist
fr] Gagne assez qui sort de procès.

Der gewinnt genug, der seine Sorgen verliert.
fr] Assez gagne qui malheur perd.

Der gewinnt mit Geben, der Würdigen gibt.

Der gewinnt nichts, der nicht auffsetzt.

Der gewinnt übel, der alles vertut.

Der gewinnt übel, der alles vertut.
fr] Mal gagne, qui tout dépense (dépend).

Der gewinnt viel, der eine Hure verliert.

Der Gewissensbiss heiligt das Laster.
Joubert, Journal intime

Der Gewissensbiss ist unanständig.
Friedr. Nietzsche, Götzen-Dämmerung

Der Gewissensbiss ist, wie der Biss des Hundes gegen einen Stein, eine Dummheit.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Der Gewissensbiss: Zeichen, dass der Charakter der Tat nicht gewachsen ist. Es gibt Gewissensbisse auch nach guten Werken: ihr Ungewöhnliches, das, was aus dem alten Milieu heraushebt.
Nietzsche, Wille zur Macht

Der gewisseste Glaube ist, eine Kuh scheißt mehr als ein Zeislein.

Der Gewohnheit zu widerstehen, kann nur hart eingehen.
fr] Qui a bu, boira.

Der gewöhnliche Kopf ist immer der herrschenden Meinung und der herrschenden Mode konform.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Der gewöhnliche Mensch ist groß in kleinen Dingen und klein in großen Dingen.
Konfuzius

Der gewöhnliche Mensch, diese Fabrikware der Natur, wie sie solche täglich zu Tausenden hervorbringt, ist, wie gesagt, einer in jedem Sinn völlig uninteressierten Betrachtung, welche die eigentliche Beschaulichkeit ist, wenigstens durchaus nicht anhaltend fähig; er kann seine Aufmerksamkeit auf die Dinge nur insofern richten, als sie irgendeine wenn auch nur sehr mittelbare Beziehung auf seinen Willen haben.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

Der gibt anderen wenig, der sich selber sehr viel Gutes gönnt.

Der gibt den besten Rat, der, was er will, lehrt mit der Tat.
la] Optimus orator, qui factis suadet!

Der gibt ein (guten) Reitersmann, der füttert, ehe er tränkt.
z] Es war ein Reuttersman, füttert eh er trenckt, ein Weidmann, treib auf eh er zum Garn lauf, ein Ratsherr, reuspert sich eh er spricht.

Der gibt ein bösen Regenten, der nur reformieren und bessern will.

Der gibt ein guten Zeiger in einer Uhr, dessen anschläg man nicht merkt, biss sie schlagen.

Der gibt einen Klöppel in eine große und lichte Glocke.

Der gibt ihm die Laibe heim.
Rottenburg
info] Vergilt es ihm, straft ihn.

Der gibt ihm 's Maul voll.
Nürtingen

Der gibt keinem Bettelmann was.

Der gibt oft böse Arznei, wer umsonst heilen will.

Der gibt wie der Schneider von Pressburg.
Niederösterreich
info] Man erzählt, ein Schneider aus Pressburg habe einmal Karten gespielt und fünfunddreissig Mal nacheinander die Karten gemischt und ausgegeben. Als er das sechsunddreissigste Mal die Karten genommen, habe er gesagt: ich glaube, dass ich eben gegeben habe. Seitdem heißt es, wenn einer im Eifer zwei- bis dreimal nacheinander gibt: Der gibt wie der Schneider von Pressburg.

Der Gickel steigt ihm.
Pfalz
info] Er wird zornig

Der Gier ist nichts genug, der Natur reicht auch ganz wenig.
la] Cupiditati nihil satis est, naturae satis est etiam parum.

Der gierige Acheron lässt seine Beute nicht.
fr] Et l'avare Achéron ne lâche pas sa proie.
Racine, Phèdre 2, 5

Der Gierige bekommt nimmermehr genug.
mhd] De gyrige enkricht nummermêr genôch.
mhd] De gyrige heft nummer genôch.
la] Semper avarus inops nunquam satis aeris habebit.
la] Divitiis nunquam pectus satiatur avari.
la] Semper avarus eget. Horaz

Der gierige Mund der Habsucht wird nicht gefüllt, außer mit der Erde des Grabes.
Arabien

Der Gierige quälet sich selbst.
mhd] De gyrige quellet sik sulves.
la] Se miserum reddit seque ipsum vexat ava rus.
la] Avarus ipse miseriae causa est suae.

Der gierige Schlemmer, vergisst er der Tischzucht,
Schlingt sich schwere Krankheit an;
Oft wirkt Verspottung, wenn er zu Weisen kommt,
Törichtem Mann sein Magen.
Havamal

Der gierige Schlemmer, vergisst er sich selbst,
Isst sich Lebensleid an.
Edda, Hâvamâl (Des Hohen Lied)

Der Gift verachtet, der weiß um das nit, das im Gift ist.
Paracelsus, Septem Defensiones

Der gilt als groß, der Wein trinkt, doch nicht betrunken wird.

Der Ginsterstrauch wächst in den Augen des Neides zu einem Palmenwald aus.
Orient

Der Gipfel des Glücks ist es, geliebt zu werden von einer schönen Seele, der Gipfel des Ruhms, bewundert zu werden von einem großen Geist.
Theodore Jouffroy, Das grüne Heft

Der Gladiator fasst es als Schande auf, wenn man ihm einen schlechten Partner zuteilt. Er weiß, daß ein Sieg ohne Gefahr auch ein Sieg ohne Ruhm ist. Das Schicksal verfährt ebenso: Es sucht sich die Tapfersten als Partner aus.
Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr-65 n. Chr.)

Der Glanz des Mannes ist siebenfacher Glanz.

Der glanz, so von der Weisheit gehet, verlöschet nicht.

Der glänzendste Sieg ist nur der Schein einer Feuersbrunst.
la] Reddit hominem ferociorem victoria. Cicero - Victoria natura est insolens. Cicero

Der Glaser betet auch um sein täglich Brot.
Rottenburg
info] Redensart, wenn Fenster zerbrochen sind

Der Glaser hat oft die schlechtesten Fenster.

Der Glaser will auch leben.
Nürtingen
info] Wenn eine Scheibe zerbricht

Der Glaube (allein) macht selig.
info] Meist ironisch gebraucht
fr] Bienheureux ceux qui croient.
fr] Il n'y a que la foi qui sauve.

Der Glaube an Autoritäten ist die Quelle des Gewissens: es ist also nicht die Stimme Gottes in der Brust des Menschen, sondern die Stimme einiger Menschen im Menschen.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Der Glaube an das Gedruckte, ist seit Gutenberg einer der mächtigsten Aberglauben der Welt.
Ludwig Marcuse, Mein zwanzigstes Jahrhundert

Der Glaube an das Heldentum macht Helden.
England

Der Glaube an das Leben, an sich selbst, an andere, muss sich auf den harten Felsen der Realität gründen, das heißt, auf die Fähigkeit, Schlechtes dort zu sehen, wo es ist (..).
Erich Fromm, Vom Haben zum Sein

Der Glaube an das, was man nicht sieht, ist sehr rar.
Goethe (1749-1832), An F. Müller [gen. Maler Müller], 6. 11. 1780

Der Glaube an den einigen Gott wirkt immer geisterhebend, indem er den Menschen auf die Einheit seines eignen Innern zurückweist.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen

Der Glaube an die Erbsünde hat die wahre Erbsünde geschaffen; das Christentum predigte so lange die Bosheit der menschlichen Natur, bis sie wirklich böse wurde.
R. N. Coudenhove-Kalergi, Held und Heiliger

Der Glaube an die Heilungskraft der Kriegs-Gifte gründet sein Wahres bloß auf die Geschichte verwelkter Völker, welche bloß durch neue antreibende verdrungen oder befruchtet wurden.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Der Glaube an die vollkommene Wirksamkeit eines Machtübergewichtes, den die wirtschaftlichen und anderen Bestimmungen des Vertrages von Versailles enthüllen, ist bereits als Irrtum erkannt (denn tatsächlich werden die Forderungen fallen gelassen). In jener Urkunde zeigt sich ein Zug von Naivität und in der folgenden Politik eine Grausamkeit, die das Erstaunen der späteren Geschichte sein wird, wenn unser Geschlecht überhaupt fähig bleibt, Geschichte zu treiben.
Norman Angell, Die Früchte des Sieges

Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.
Aldous Huxley, Wissenschaft, Freiheit und Frieden

Der Glaube an einen Gott ist Instinkt, er ist dem Menschen natürlich so wie das Gehen auf zwei Beinen.
Lichtenberg, Moralische Bemerkungen

Der Glaube an einen Gott und eine andere Welt ist mit meiner moralischen Gesinnung so verwebt, dass, sowenig ich Gefahr laufe, die Letztere einzubüßen, ebenso wenig besorge ich, dass mir der Erstere jemals entrissen werden könne.
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft

Der Glaube an Gott und die Herrlichkeit der Natur halten ewige Probe, während die Lehren, Dogmen und Wissenschaften der Menschen untergehen, nachdem sie ihre Zeit erfüllt haben.
Jacob Grimm, An Achim von Arnim (20. Mai 1811)

Der Glaube an unsere Kraft kann sie ins Unendliche verstärken.
Friedrich Schlegel, Philosophische Vorlesungen

Der Glaube an Vorurteile gilt in der Welt als gesunder Menschenverstand.
Helvétius

Der Glaube ans wort bricht alles entzwey.

Der Glaube besteht im Glauben und nicht im Sehen.
Basken

Der Glaube besteht nicht darin, dass man glaubt, was dem Verstand richtig erscheint, sondern darin, dass man glaubt, was ihm falsch erscheint.
Voltaire, Philosophisches Wörterbuch

Der Glaube b'haltet d' Lüt.
Solothurn

Der Glaube bringt Glück.

Der Glaube der Kinder sowie der vieler Erwachsener ist lediglich eine Sache der Geographie. Soll ihnen etwa dafür ein Lohn werden, dass sie in Rom und nicht in Mekka geboren wurden?
Rousseau, Emile

Der Glaube des edlen Menschen an die ewige Fortdauer seiner Wirksamkeit auch auf dieser Erde gründet sich demnach auf die Hoffnung der ewigen Fortdauer des Volkes, aus dem er selber sich entwickelt hat.
Fichte, Reden an die deutsche Nation

Der Glaube empfängt Gut; die Liebe gibt Gut. Der Glaube opfert uns Gott zu eigen; die Liebe gibt uns den Nächsten zu eigen.
Luther

Der Glaube empfängt, die Liebe gibt.

Der Glaube entfesselt die Wünsche des Menschen von den Banden der natürlichen Vernunft, er genehmigt, was Natur und Vernunft versagen, er macht den Menschen darum selig, denn er befriedigt seine subjektivsten Wünsche.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Der Glaube fehet an, die Hoffnung daurt.

Der Glaube führt uns hinein zu Gott, die Liebe heraus zum Nächsten.
Luther

Der Glaube gibt Gott allein die Ehr, die lieb dem nechsten sein gebühr.

Der Glaube hat erzählt, die Hoffnung hat's vernommen:
Dereinst, am Schluss des Weltlaufs, wird die Stunde kommen,
Da wird in einem bessern edlern Stoff, befreit
Von Schmerz und Qual und roher Körperwirklichkeit,
Das sämtliche vergangene Erdenweltgeschehn
Geläutert und verschönert wieder auferstehn.
Spitteler, Prometheus der Dulder

Der Glaube hebt alle Sünd auf, der unglaub behält sie all.

Der Glaube heiligt alle ding in uns.

Der Glaube hilft dem Menschen ein Mensch zu sein.
en] Faith helps a man to be a man.

Der Glaube ist bei der Welt nur ein Maulrhum geworden.

Der Glaube ist beständig neu mit jedem neuen Gläubigen, wie die Natur beständig neu ist mit jedem, der als neu sieht.
Paul Ernst, Erdachte Gespräche

Der Glaube ist der Ackerbau des Lebens, die Leiter, die uns zum Fortdauern führt. Haltet euch, o! haltet euch fest an dem Gedanken, lasst ihn lebendig werden, sein Gefühl, seine Frucht ist Unsterblichkeit. Lebt ihr allein der Erde, allein in Sorgen, Freude und Hoffnungen, so bleibt ihr auch der Erde, geht wieder in ihre Bestandteile über, steigt nicht höher, werdet vernichtet.
Sophie Mereau, Tagebücher (28. Juli 1805)

Der Glaube ist der Liebe Born, Spiegel und Sporn.

Der Glaube ist der Magnet, nach dem der Lebenskurs des Menschen unwillkürlich, unbesinnlich gesteuert wird.
Heinrich Leo, Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes

Der Glaube ist der Täter, die Liebe die Tat.

Der Glaube ist der Unglücklichen Trost und der Glücklichen Schrecken.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Der Glaube ist die arme hand, welliche den edlen Schaugroschen, der für Gott gilt, ergreifft.

Der Glaube ist die Ruhebank des Geistes.

Der Glaube ist ein Gottesgeschenk, das durch das Gebet kommt.
Mutter Teresa

Der Glaube ist ein groß herrlich Werk. Wer glaubt, der ist ein Herr; und ob er gleich stirbt, so muss er doch wieder leben. Ist einer arm, so muss er doch reich sein; ist einer krank, so muss er doch wieder gesund werden.
Luther

Der Glaube ist ein häuslich, heimlich Kapital, wie es öffentliche Spar- und Hilfskassen gibt, woraus man, in Tagen der Not, einzelnen ihr Bedürfnis reicht, hier nimmt der Gläubige sich seine Zinsen im Stillen selbst.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 163

Der Glaube ist eine Art von sechstem Sinn, der wirksam wird, wenn die Vernunft versagt.
Mahatma Gandhi

Der Glaube ist eine Art von sechstem Sinn, der wirksam wird, wenn die Vernunft versagt.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Der Glaube ist eine kräftige Bezeugung durch Gründe, aus welchen ich in meinem Verstande überzeugt bin, dass sich ein Ding wirklich und dergestalt außerhalb meines Verstandes findet, wie ich in meinem Verstande davon überzeugt bin.
Spinoza, Abhandlung von Gott, dem Menschen und dessen Glück

Der Glaube ist für mich etwas Beständiges in dem was erhofft wird, eine Überzeugung von dem, was nicht zu sehen ist..
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Ditte Menschenkind

Der Glaube ist gar ein neuer Sinn, weit über die fünf Sinne hin.
z] Der Glaube ist ein Geschenk, in und mit demselben empfängt man ein neues Organ des Geistes, einen neuen Erkenntnisweg neben der denkenden natürlichen Vernunft. R. Wagner
z] Wenn die Seele überhaupt sich nur durch das materielle Substrat des Gehirns zu manifestieren fähig ist, wenn ohne Mithilfe von Ganglienzellen und grauer Substanz keine Seelentätigkeit irgendeiner Art ausgeübt werden kann, so muss doch auch für einen neuen Erkenntnisweg, für ein neues Organ des Geistes ein neues Organ des Gehirns entstehen. Wo liegt dieser besondere Gehirnteil, der den Gläubigen geschenkt wird? Wie sieht er aus? Welches ist seine Zusammensetzung? Auf welche Weise und zu welcher Zeit kommt es in den Schädel hinein? Wodurch unterscheidet sich das gläubige Gehirn vom ungläubigen? K. Vogt, Köhlerglaube und Wissenschaft, Giessen 1855

Der Glaube ist geschlagen tot, die Gerechtigkeit liegt in der Not, die Frömmigkeit hat kein Platz und Ort, Patientia muss reisen fort, die Hoffart die ist auserkoren, die Demut hat das Feld verloren, die Wahrheit, die ist weggezogen, die Treu' ist über das Meer geflogen, der Neid wird aber dick und groß, Barmherzigkeit stirbt nackt und bloss, die Tugend ist vom Hof vertrieben, die Laster sind darin geblieben.
bm] Víra za more zaletela.

Der Glaube ist Herr über die Lieb.
z] Daher zeigte A.H. Franke eine schamlose Freude über die von ihm bewirkte Verbannung des Philosophen Wolff aus Halle und trieb dessen schwangere Frau mitten im Winter aus der Stadt. Mystagogos, Hamburg 1858

Der Glaube ist immer dort am meisten begehrt, am dringlichsten nötig, wo es an Willen fehlt: denn der Wille ist, als Affekt des Befehls, das entscheidende Abzeichen der Selbstherrlichkeit und Kraft.
Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft

Der Glaube ist in sich selbst befangen.
Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Der Glaube ist maß und gewicht, darnach Gott alle Werk misset und wieget.

Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende allen Wissens.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Der Glaube ist nicht ein Maulwitz, Schulwort oder eine Bücherlektion.

Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.
2. Thessalonicher 3, 2

Der Glaube ist nimmermehr stärker und herrlicher, denn wenn die Trübsal und Anfechtung am größten sind.
Luther

Der Glaube ist verschieden vom Beweis. Dieser ist menschlich, jener ist ein Geschenk Gottes.
Blaise Pascal, Pensées

Der Glaube ist wie die Liebe: Er lässt sich nicht erzwingen. Daher ist es ein missliches Unternehmen, ihn durch Staatsmaßregeln einführen oder befestigen zu wollen.
Schopenhauer

Der Glaube ist zum Ruhen gut,
Doch bringt er nichts von der Stelle.
Der Zweifel in ehrlicher Männerfaust,
Der sprengt die Pforten der Hölle.
Th. Storm (1817-1888), Mannesmut

Der Glaube kann zwar keine Berge versetzen, aber er vermag Berge dorthin zu setzen, wo keine sind.
Friedr. Nietzsche

Der Glaube kommt aus dem wort, auss glauben fleusst die Liebe fort.

Der Glaube kommt aus der predigt, das predigen aber durch das wort.

Der Glaube lässt sich nicht zwingen.

Der Glaube lässt sich nicht zwingen.
z] Der Glaube ist ein Regale der Gottheit. Schleiermachers Vater an seinen Sohn
z] Dann bitten Sie Gott, dass er mir ihn schenke, denn für mich ist er verloren. Schleiermacher an seinen Vater (Gutzkow, Unterhaltungen 1856)
ho] 'T geloof komt door geen' dwang, maar God heeft daarvan dank.

Der Glaube machet Gottes Kinder.

Der Glaube macht alles übels loss.

Der Glaube macht oft vil.
Ulm

Der Glaube macht selig und der Glaube macht reich.

Der Glaube macht selig, der Tod störrig.

Der Glaube macht selig, der Tod störrig.
fr] Bien heureux ceux qui croient.

Der Glaube macht selig.

Der Glaube macht selig. (Meist ironisch gebraucht)
fr] Bienheureux ceux qui croient.

Der Glaube macht selig.
Marc. 16, 16.

Der Glaube mag wohl eine kleine und geringe Monstranz oder Büchslein sein; es liegt aber darin ein solch edel Kleinod, Perle oder Smaragd, das Himmel und Erde nicht behalten kann.
Luther

Der Glaube mit Gott ringt inn der not.

Der Glaube muss von Gott kommen.

Der Glaube ohne Werke ist tot.

Der Glaube sagt wohl das, was die Sinne nicht sagen, aber nicht das Gegenteil von dem, was sie sagen. Er ist über ihnen und nicht gegen sie.
Blaise Pascal, Pensées

Der Glaube sagt: immer ruhig, die Liebe: nimmer ruhig.

Der Glaube schwindet, und es entsteht die Philosophie.
Francesco De Sanctis, Über die Wissenschaft und das Leben

Der Glaube soll dich stets beleben:
Wer Leben gab, gibt auch zu leben.
Jüdische Spruchweisheit

Der Glaube stehet wie ein Peltz auff seinen Ermeln, wenn er auff den Werken sollt stehen. Luthers Tischreden

Der Glaube treibt die Liebe, die Liebe mehrt den Glauben.
Luther, Kirchenpostille

Der Glaube trifft Gott, die Lieb den Nehesten.

Der Glaube trügt sich in dem Maße, wie das äußere Tageslicht eindringt.
P. Claudel, Art poétique

Der Glaube und die Lieb müessen aller gesetz Maisterinn sind.

Der Glaube vermag alles.
z] Dich, Glaubensriesen, dich bitt' ich, der Glaubenszwerg: versetze diesen Hoppelberg, es macht dir ja so wenig Müh', heute noch nach Sanssouci. Gleim zu Lavater

Der Glaube versetzt Berge - wenn seine geographischen Kenntnisse mangelhaft sind.
[ASpW]
z] Der Glaube versetzt Berge, der Zweifel erklettert sie. Karl Heinrich Waggerl
z] Der Glaube versetzt Berge. Der Aberglaube versetzt Menschen. Ernst Ferstl
en] Faith will move mountains.
fr] La foi déplace (o. soulève) les montagnes.
la] Fides montes transfert.

Der Glaube versetzt Berge, der Zweifel erklettert sie.

Der Glaube versetzt Berge.

Der Glaube versetzt Berge. 1. Korinther 13, 2
en] Faith will move mountains.
fr] La foi déplace (o. soulève) les montagnes.

Der Glaube versetzt Berge. Der Aberglaube versetzt Menschen.
Fliegende Blätter

Der Glaube weist aufs Ziel, der Verstand zeigt den Weg, klopft hier und da an, irrt umher und findet schließlich das Richtige.
Saltykow-Schtschedrin, Die Herren Golowlew

Der Glaube wird allmählich aus der zivilisierten Welt vertrieben. Hunderte von Glaubensbekenntnissen sind bereits zerstört. Allen Wissenschaftlern ist es völlig klar, dass ein Glaube als solcher keinerlei Wert hat. Und langsam und widerwillig lassen sich intelligente Leute davon überzeugen, dass Glaube nur ein Gespenst des Gehirns ist.
Herbert N. Casson, Die menschliche Natur

Der Glaube wird durch das Wissen begrenzt; er hört da auf, wo es anfängt, und fängt da an, wo es wieder aufhört..
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Der Glaube wird ihm wohl in die Hände kommen.

Der Glaube zieht alle Transzendenz zur Wirklichkeit herab.
Rathenau

Der Glaube zieret das gebet für Gott.

Der Glaube, das Auge und der Ruf wollen kaum angerührt sein.

Der Glaube, der deines Gemüts ist,
Ist dir besser, o Freund, als des Fremden besserer Glaube.
Herder, Blumenlese aus morgenländlschen Dichtern

Der Glaube, der den Menschen zur ewigen Seligkeit verhelfen soll, zehrt an den Armen und Schwachen, während er den Reichen und Starken als Mittel zum Fettansetzen dient.
Tammsaare, Satan mit gefälschtem Paß

Der Glaube, der sunst im Herzen sass, sitzt jetzund im Tintenfass.

Der Glaube, die Zuversicht auf das bisschen, was man ist oder sein möchte, beseelt einen jeden, und so möcht er sich auch dem anderen, eigentlich den anderen sich gleichmachen, und dann, denken sie, wäre es getan..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Jacobis (..) Briefwechsel

Der Glauben empfängt, die Liebe gibt.

Der Glauben geht auf Stelzen.
info] Von selbstgerechten Anschauungen
z] Es gath yetzund so wunderseltzen, des Christen glauben gath vff steltzen, biss er den hals einmal abstürtzt.

Der Glaube-n-îsch g'lösch'n und d' Tugend geit goh bättle.
Solothurn

Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler bekehren.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Glaubigen unglück ist ihr glück.

Der Gläubigen Vaterunser und heiße Tränen sind wohl zu fürchten.

Der Gläubiger int mit dem Schuldiger zu hausn.

Der glaubt, dass der Saumage die gröscht Worscht ist.
Rheinpfalz
info] Um konfessionellen Indifferentismus zu bezeichnen.

Der glaubt, was mein Offizier will, das will auch Gott.
Niederlausitz
info] Von einem einfältigen und diensteifrigen Soldaten

Der Gleiche kommt zum Gleichen.
fr] Chacun cherche son semblable.
it] Ogni simile appetisce il suo simile.
la] Semper adest similis simili, licet undique vilis.
un] A hasonló hasonlóhoz örömest adja magát.

Der gleiche kritische Sinn, der bewirkt, dass wir etwas Gutes schreiben, läßt uns auch befürchten, es sei nicht gut genug, um lesenswert zu sein.
La Bruyière, Von den Schöpfungen des Geistes

Der Gleisner ist von Gauklermark, er zeigt Muskatennuss und gibt nur Quark.

Der Gleisner reden seind durcheinander gehaspelt wie ein verworrener strang garn.

Der Gleisner*11 Reden sind durcheinander gehaspelt wie ein verworrener Strang Garn.

Der Glocke mangelt noch der Klöppel.

Der Glocken klang verjagt kein Dolen.
it] Suon di campana non caccia cornacchia.

Der Glockengiesser weiß, was an der Glocke ist.

Der Glockenturm gehört in die Mitte.
fr] Il faut placer le clocher au milieu du village.

Der glotzt wi a g'stochis Kalb.
Franken

Der glotzt wie anHafalanvollnMäus'.
Franken

Der Glucke Gegacker und Geschrei gilt doch zuletzt dem eignen Ei.

Der Glückliche aber ist
trotz allem der, der Mühen auf sich nimmt, der eine Reise macht, eine Mission erfüllt, doch in seinem Inneren selbst nicht leiden muss.
Proust, Die Entflohene

Der Glückliche bedarf des Glaubens, um nicht übermütig zu werden; der Nichtglückliche aber als Halt und der Unglückliche, um nicht zu erliegen.
Wilhelm von Humboldt, Briefe an eine Freundin, 28. 1. 1827

Der Glückliche darf nur einen Stein in die Höhe werfen, so fällt gleich eine Wachtel herunter.
Lettland

Der Glückliche fliegt, der Unglückliche kriecht.
bm] St'astní na koních skáci, a nest'astný pesky se vlácí.
bm] St'astný na koni, a nest'astný pod konem.

Der Glückliche fühlt, der Unglückliche denkt.

Der Glückliche hat immer recht, der Unglückliche immer unrecht.

Der Glückliche ist großzügig. Er möchte andere teilhaben lassen an seinem Geheimnis.
Fliegende Blätter

Der Glückliche kennt den Unglücklichen nicht.
info] Er kann sich in dessen Lage nicht versetzen

Der glückliche Mann hat eine Tochter als Erstgeborene.

Der glückliche Mann kann nicht ruiniert werden.
Schottland

Der Glückliche nur fühlt sich Wert und Kraft.
Goethe (1749-1832), Natürliche Tochter A III Sz 4 (Herzog) Vs 1652

Der Glückliche sitzt zu Pferde, der Unglückliche schleppt sich zu Fuß.
Russland

Der Glückliche stirbt beizeiten, und stirbt er nicht, so stirbt sein Glück.
Schweden

Der Glückliche verliert das Gedächtnis.
bm] Kdo stestím oplývá, na mnohé se nepamatuje.
bm] Lidé v stestí pameí tratí.
fr] Les heureux n'apprennent rien.
pl] Kto w szczesciu plywa, malo dba o drugie.
pl] W szczesciu ludzie sie zapominaja.

Der Glückliche wird beneidet.
bm] Tezko st'astným býti, a závist' nevzbuditi.
la] Digito coelum attingit. Cicero

Der Glückliche, der Behagliche hat gut reden, fuhr Eduard auf, aber schämen würde er sich, wenn er einsähe, wie unerträglich er dein Leidenden wird.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,18

Der glücklichen Braut fällt der Regen in den Schoß.

Der glücklichen Braut fällt der Regen in den Schoß.
info] Man hält es für eine gute Vorbedeutung, wenn es der Braut auf die Schürze regnet. Es ist ein gutes Vorzeichen, wenn Regen auf den Schoß der Braut fällt.

Der glücklichen Braut regnet es in den Schoß.

Der glücklichen Braut regnet es in den Schoß.
mhd] Der geluckiger brùt regent it in den schôt.
en] Happy is the bride the sun shines on, and the corpse the rain rains on.
ho] Der zalige bruid valt de regen in den schoot.
la] Felicis sponsae gremium perfunditur imbre.
la] In nymphae gremium felicis decidit imber.

Der glücklichste Mensch ist aber nicht der wollüstigste, sondern der, der die höchste Wollust zu wählen versteht..
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Der glücklichste Mensch ist der, welcher die wenigsten Bedürfnisse, Leidenschaften und Wünsche kennt oder der sie am besten zu befriedigen vermag.
Du Marsais/d'Holbach, Essay über die Vorurteile

Der Glücksfaden ist in der Haspel, der Verlustfaden im Gewebe.
Estland

Der Glücksgaul liebt das Ausschlagen.

Der Glückshafen und das Glücksrad sind nicht an allen Orten.

Der Glückspilz und der starke Mann den Neid getrost ertragen kann.
la] Invidiam ferre aut fortis aut felix potest.

Der gnädige Herr Sanct-Lorenz hat eine Hand als Regen, die andere als Feuerbrand. Basken

Der gnädigste von allen Richtern ist der Kenner.
Friedrich Schiller, Kleine Schriften vermischten Inhaltes (Einleitung)

Der Goj (Nichtjude) is treife (unerlaubt), ober sein Groschen is kuscher (erlaubt).
Warschau
info] Will sagen, dass der Geschäftsverkehr mit Christen erlaubt sei, obwol das gesellschaftliche Zusammenleben mit denselben sehr erschwert wird.

Der goldene Käfig nährt die Nachtigall nicht.
nl] Eene mooije kooi maakt den vogel niet vet.
it] La bella gabbia non nudrisce l'uccello.

Der Goldschmied kennt das Gold, auch wenn es unter Messing liegt (o. auch wenn es mit Schmutz bedeckt ist).
bm] Zlato zlatníka najde.

Der Golf ist stolzer als das Meer.
Russland

Der Gordian (10.5.), der Gordian, der richtet oft noch Schaden an.

Der Gotsg'walt (Gottesgewalt).
info] In Kärnten für Schlagfluss

Der Gott der Frauen ist ein Mann, daher müssen alle Frauen dem Manne gehorchen.
Iran

Der Gott des Sieges soll nur eine Hand haben, aber der Friede gibt Sieg nach beiden Seiten.
Ralph Waldo Emerson, Tagebücher

Der Gott dieses Jahrhunderts ist der Reichtum.
Wilde, Der ideale Gatte

Der Gott gehorsam ist, fragt nicht nach Lohn und Pein,
Er will nicht fromm um Heil, nicht gut um Wonne sein.
Daniel Czepko von Reigersfeld, Monodisticha Sapientium

Der Gott im Zufall.
info] Die plötzliche, unvermutete Lösung einer verwickelten, schweren, unlösbar scheinenden Angelegenheit
la] Deus ex machina.

Der Gott liebt überall, den stürzt kein Ungefall.

Der Gott meines Hirns ist ein Götze, ich verderbe mich in seiner Anbetung; der Gott meines Herzens ist mein Gott, ich veredle mich in seiner Liebe.
Pestalozzi, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt

Der Gott muss in den Liebenden sein, ihre Umarmung ist eigentlich seine Umschließung, die sie in demselben Augenblicke gemeinschaftlich fühlen, und hernach auch wollen.

Friedrich Schleiermacher, Vertraute Briefe

Der Gott Venter (= Bauch) und das Kloster Maulbrunn treiben und lehrten uns nahezu alles, was wir tun, reden und können.

Der Gott Venter und das Kloster Maulbrunn treibt und lehrt alles, was wir tun, reden und können.
z] Ich meine das Loch unter der Nase.

Der Gott will blenden, der muss viel können.

Der Gott, den du suchst, ist dein eigener Gott.
Fliegende Blätter

Der Gott, den ich anbete, ist kein Gott der Finsternis, er hat mich nicht darum mit einem Verstand begabt, um mir dessen Gebrauch zu untersagen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile (Glaubensbekenntnis)

Der Gott, der Bub und Mädchen schuf,
Erkannte gleich den edelsten Beruf,
Auch selbst Gelegenheit zu machen.
Goethe (1749-1832), Faust I, Wald und Höhle (Mephisto) Vs 3339

Der Gott, der die Wunde schlägt, möge uns auch das Heilmittel geben.
es] Dios que da la llaga, dé al medicina.

Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte!
Ernst Moritz Arndt, Vaterlandslied

Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, sagte der Schmiedegesell, und warf den Hammer weg.

Der Gott, der in den Himmel entfloh
Aus der Erde wird er uns wiederkommen!
Rainer Maria Rilke (1875-1926), Geschichten vom lieben Gott: Märchen vom Tod

Der Gott, der mir im Busen wohnt,
Kann tief mein Innerstes erregen,
Der über allen meinen Kräften thront,
Er kann nach außen nichts bewegen..
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1566f.

Der Gott, der mit der Natur in unmittelbarer Verbindung stehe, sie als sein Werk anerkenne und liebe, dieser schien ihm der eigentliche Gott..
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II

Der Götter ist gut müßig gehen, sie haben Donner und Blitz in der Hand.

Der Götter Worte sind nicht doppelsinnig,
Wie der Gedrückte sie im Unmut wähnt.
Goethe (1749-1832), Iphigenie A II Sz 1 (Pylades) Vs 613

Der Gottesdienst im Bethaus ist ein Zwischenessen.
Estland

Der Gotteserde lichten Saal
Verdüstern sie zum Jammertal,
Daran entdecken wir geschwind,
Wie jämmerlich sie selber sind.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VII

Der Gottesfurcht für Augen hat, dem folgt all ding früh und Spat.

Der Gottheit zu gehorchen, ist Freiheit.
Seneca (??-65 n. Chr.), Abhandlungen

Der Göttliche lächelt, er siehet mit Freuden
Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz.
Goethe (1749-1832), Der Gott und die Bajadere

Der göttliche Segen erfülle das Haus und die da gehen ein und aus.

Der Gottlose borgt und bezahlt nicht.
dk] Den ugudelige borger og betaler ikke.

Der Gottlose daucht sich selbs der best zu sein.

Der Gottlose fleucht, ehe man jhn jaget.

Der Gottlose geb um alle Pfarrherr nicht ein alt par Schuh.

Der Gottlose hälts für ein gelächter, das noch ein Kerl in diesem Kerl stecken soll.

Der Gottlose hat viel Plage, ists nicht am Leib, so ists an der Seel, ists nicht für der Welt, so ists für Gott, ists nicht hier auf Erden, so ists dort in der Ewigkeit.

Der Gottlose ist seines Unglücks Schmied.
it] Delle disgracie sue cagion è il tristo.

Der Gottlose ist wie ein Wetter, das über ihm hingeht und nicht mehr ist.
nl] De goddelozen zijn als een koppel wilde ganzen, zei vader Holtmans.

Der gottlose Leut mit gewalt will fromm machen, der gewinnt nichts dann ein Esel.

Der Gottlose schändet und schmähet sich selbst.

Der gottlosen bracht wert nit lang.

Der Gottlosen eintrag ist ein aussgeben, der Gottseligen aussgaben ist ein eintrag.

Der Gottlosen Glück ist der Frommen Unglück.

Der Gottlosen Glück ist ihr Unglück.
dk] De ondes lykke er kun ulykke.
la] Indulget fortuna malis, ut laedere possit. Cato

Der Gottlosen Glück und der Frommen Unglück sind Dinge, wo wir nicht sehen.
Hebräisch
la] Felix improbitas est optimorum calamitas.

Der Gottlosen Gut ist wie Wasser, mit hauffen laufft es zu, mit hauffen rauscht es wieder weg.

Der Gottlosen Gut kommt wie ein wildes Wasser, rauscht wie ein wildes Wasser und versiegt zuletzt wie ein wildes Wasser.

Der Gottlosen Mund scheumet böses.

Der Gottlosen Pracht und Hoffart ist Gott ein Grewel.

Der Gottloss kann Gott nicht entlauffen, er muss zuletzt die Hefen aussauffen.

Der gottseligen aussgeben ist ein eintrag, der gotlosen eintrag ein aussgeben.

Der gottseligen Tränen seind der gottlosen Sündflut und rotes Meer, darinn sie ersauften.

Der Gougge bricht auf.
info] So sagt man im Lesachthal (Kärnten), um auszudrücken, dass eine Frau niederkommt, wofür man anderwärts die Redensart hat: Der Ofen fällt ein. Eigentlich bedeutet Gougge das Auge einer Eiterung.

Der Graben ist des Ackers Mutter.
Estland

Der Grad der Furchtsamkeit ist der Gradmesser der Intelligenz.

Friedr. Nietzsche

Der Grad oder Eben schnitt das Ungerade oder Unebene davon weg, und der Ungerade oder Unebene das Gerade oder Ebene, bis es auf diese Weise verschnitten war.

Der Grad und der Ungrad händ mit enand es Brod g'esse.
Luzern

Der gradest Leib,
Das schönste Gesicht,
Die werdn sich erst weisn
Beim Jüngsten Gericht.

Der Graf erwirbt mit seiner Festung des Königs Acht.
[RSpW]
z] Süs irwirft ok die greun mit seiner vestunge des koninges achte.
info] Von der Wirkung eines vom Richter des Gaues ausgestellten Verhaftsbefehls und dem Umfange seiner Gültigkeit, worüber die Ansichten sehr auseinandergingen. Das Sprichwort behauptet, dass ein erwirkter Verhaftsbefehl die Verhaftung im ganzen Reiche, nicht bloß in dem betreffenden Gerichtsbezirk zur Folge habe.

Der Gran von Schlechtem zieht des edlen Wertes
Gehalt herab in seine eigne Schmach.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet, I, 4 (Hamlet)

Der Grängd äss det biest Kapitôl.

Der Granit ist zu gemein, um Edelstein zu sein.

Der Granit verwittert auch sehr gern in Kugel- und Eiform, man hat daher keineswegs nötig, die in Norddeutschland häufig gefundenen Blöcke, solcher Gestalten wegen, als im Wasser hin- und hergeschoben und durch Stoßen und Wälzen enteckt und entkantet zu denken.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1241

Der Granit würde für Granaten gelten, wenn man nicht ganze Gebirge von ihnen hätte.
Russland

Der Grapen kann dem Kessel nichts vorwerfen, denn sie sind beide schwarz.
info] Grapen = in den niederdeutschen Eisenhütten ein aus Eisen oder Metall gegossener Topf
nordfries] A Kraagh hea a Seddel nant tu verwetten, jo san biash suart.
nordfries] A Krâch kann a Seddel nant ferwed.

Der Grashüpfer fliegt dahin, aber der Eisvogel lauert auf ihn.
Samoa-Inseln
info] Den Sorglosen ereilt sein Schicksal

Der Grashüpfer meint auch wohl fliegen zu können.
Russland

Der Grau geht einem an.
info] Das Grauen, der Ekel

Der Grausame weidet sich an Tränen und leidet nicht darunter.
la] Crudelis lacrimis pascitur, non frangitur.

Der Gregor (12.3.) zeigt dem Bauern an, ob er die Saat jetzt säen kann,
denn so, wie sich Gregori stellt, so muss er mit der Saat auf's Feld.

Der greift mir zu tief in den Mund.
info] Dringt zu sehr in mich, will zu viel wissen.
ho] Hij tast hem al te diep in den mond.

Der Greis hingegen wacht mit hellem Sinn,
Und sein Gemüt verschließt das Ewige.
Goethe (1749-1832), Epimenides Erwachen A I Sz 2 (Epimenides) Vs 69

Der Greis jedoch wird sich immer zum Mystizismus bekennen. Er sieht, dass so vieles vom Zufall abzuhängen scheint: das Unvernünftige gelingt, das Vernünftige schlägt fehl, Glück und Unglück stellen sich unerwartet ins gleiche, so ist es, so war es, und das hohe Alter beruhigt sich in dem, der da ist, der da war, und der da sein wird.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 806

Der Greis mag beten, der Mann vertreten, der Jüngling ringen, dann wird's gelingen.

Der greis verkehrt nit sein weiß.

Der Greis verkehrt selten seine Weis.

Der Greis wird ein zweites Mal zum Kind, er will mit den Kindern spielen.
la] Bis puer ipse senex, pueris colludere gestit.

Der Greis wird wieder Kind, aber ein Kind für jene Welt.
Hebbel, Tagebücher

Der Greis
Verkehrt selten seine Weis.

Der Grenzgott der Moral weicht nicht dem Jupiter.
Kant

Der Grind soll ihm über den Kopf fahren.

Der Grindige kratzt sich (leicht) blutig.

Der Grindige kratzt sich leicht blutig.

Der grob hat ein hültzin Angesicht.

Der grob ist bey den Säuen oder Eseln in die Schul gangen.
dk] Han er saa reverentialisk som et asen der har drukket vievand.

Der grob ist der unflätern gewohnt, wie der Stallknecht dess Mists.

Der grob ist nicht beym Zimmerman gewest.
info] Ist unbehauen, hat noch viel grobe Späne

Der grob ist unverschämet.

Der grob Ochs will in der Stadt wohnen.

Der grob steckt in der Knebelhaut, ist darin geboren und erzogen.

Der Gröbar bin ich.
Oberösterreich
info] Auf eine Grobheit hin als Drohung: Der Gröbere bin ich, auf diesem Gebiet nehme ich's mit jedem auf. Ganz entgegengesetzt sagte Demosthenes, als ihn jemand mit Schimpfworten überhäufte: 'Ich bin zu einem Zweikampf gerufen, wo derjenige, der triumphiet, überwunden ist.'

Der grobe Knolle.
ndt] Een graven Knulle.
info] Zur Bezeichnung eines groben Menschen.

Der Gröbste kommt nach.
nl] Het grofste is nog achter.

Der Groll der Liebenden ist von kurzer Dauer.

Der Groschen gilt am meisten, wo er geschlagen ist.
bm] Kde jest peníz bit, tam nejvíc platí.
wend] Penjez tam najwjacy placi, dzez je bity.

Der Groschen ist gefallen - es hat bei ihm geklingelt o. gefunkt
en] the penny has dropped
fr] il a enfin compris - il a pigé
it] l'ha capita

Der Groschen spielt die erste Geige.
bm] Peníz pán, chmel hrdina, oves komon.

Der Groschen, den die Frau erspart, ist so gut wie der, den der Mann erwirbt.

Der Groschen, den die Frau erspart, ist so gut, als den der Mann erobert (erwirbt).

Der Groschen, den die Frau erspart, ist so gut, als den der Mann erobert.

Der Groschen, den jeder betatzt,
Wird glatt.
Das edelste Wort, das jeder nachschwatzt,
Wird platt.
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Der groschen, den man hat erspart, nutzt mehr, dann der gewonnen ward.

Der Groschen, der bei der Regierung fallen soll, wird gepumpt.
Fliegende Blätter

Der groß Hauf in der Welt muss Mosen haben mit seinen Hörnern.

Der groß Hauf überwindet oft den bessern.
info] Er überschreit, überfaustet ihn; und will man ihn verstehn, so muss man ihn im (beim) Kruge sehn, da zeigt sich seine Majestät in ihrer Genialität.

Der große Bär dreht sich immer rechts, verständig gehen die Sterne am Himmel.

Der große Bär häuptlings im Meer, das Sieb schräg im Süden.
Estland

Der große Baum braucht überall viel Boden;
Und mehrere, zu nah gepflanzt, zerschlagen sich nur die Äste.
Lessing, Nathan der Weise, II, 5 (Nathan)

Der Große bereitet vor, der Kleine stopft (d. i. macht).
Estland

Der große Büffeljäger wird vom Büffel getötet.
Zulu

Der große Dichter ist niemals von sich selbst verlassen, er mag sich so weit über sich erheben, als er will.
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Reflexion

Der große Dichter muss entweder begabt oder in der Verbannung sein.
Bosnien

Der große Dieb ist ein ehrlicher Mann, der kleine sitzt in der Zelle drin.
Estland

Der große Ehrgeiz der Frauen ist, Liebe zu erwecken.
Frankreich

Der Größe eines politisch handelnden Menschen wird man nur dann ganz gerecht, wenn man ihn nicht allein danach beurteilt, was er erreicht, sondern auch danach, was er gewollt hat.
Thälmann, Antwort auf Briefe eines Kerkergenossen

Der große Einsatz ist so viel einfacher als der alltägliche - aber er verschließt so leicht unser Herz gegen diesen.
Dag Hammarskjöld, Zeichen am Weg

Der große Erfolg ist oft nur ein glückliches Missverständnis.

Darius Milhaud

Der Große fällt groß (d. i. schwer).
Estland

Der große Feind der Wissenschaft ist nicht der Irrtum, sondern die Faulheit.
Buckle, Geschichte der Zivilisation in England

Der große Fisch frisst den kleinen, der kleine Fisch - den Krebs und der Krebs - den Dreck.

Der große Fisch frisst den kleinen.
it] Il pesce grosso mangia il pesce piccolo.
la] Piscis minutos magnus comest.
sp] O peixe grande come ao pequeno.

Der große Fluss weist die kleinen Bäche nicht zurück.
China

Der große Fritz war auch mal klein.

Der große Führer zieht Männer verwandten Charakters an wie der Magnet das Eisen.
Samuel Smiles, Charakter

Der große Geist hat mich verschmäht,
Vor mir verschließt sich die Natur.
Des Denkens Faden ist zerrissen,
Mir ekelt lange vor allem Wissen.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1746f.

Der große Glauben ist die einzige sichere Rettung vor den kleinen Ängsten.
Fliegende Blätter

Der große Gott hat diesen Unterschied der Stände gemacht.

Der große Gott Mammon hat viel Diener.

Der große Haufen ist nicht immer der beste Lehrmeister.
info] Die Meinung aller anderen kann auch falsch sein.
la] Magnus erroris magister, populus.

Der große Haufen will nicht denken, man soll ihm (o. er lässt sich) die Gedanken schenken.
z] Der grosse Haufen, statt selbst zu denken, will Gedachtes kaufen oder lässt es sich schenken. Das sollten die Denker, Verkäufer und Schenker wohlweislich erwägen und keine falschen Gedanken prägen. Schücking, Welt und Zeit, Berlin 1855

Der große Heide (Goethe).
Heine, Norderney

Der große Hund ist sein Vetter.
Oberösterreich
info] Hat Protection

Der große Journalist sollte über den Dichtern stehen.
Knut Hamsun, Neue Erde

Der große Jupiter-Stern, ein schlechtes Weib, ein umherwandelndes Weib!
Maori, Neuseeland

Der große Krach.
info] So nennt das Volk den Anfang Mai 1873 in Wien erfolgten Börsenbruch.

Der große Ladogasee vertrocknet zu einem Teich in den Augen des Ilmensees.
Russland

Der Große leidet Großes.
Arabien

Der große Mann braucht überall viel Boden.
Lessing, Nathan der Weise, II, 5 (Nathan)

Der große Mann ist ein öffentliches Unglück.
info] Vgl. hierüber eine Szene in Th. Manns 'Lotte in Weimar'
China

Der große Meister vertreibt den kleinen.

Der große Moment findet ein kleines Geschlecht.
Goethe (1749-1832)-Schiller, Xenien

Der große Ochs wird gefürchtet, den kleinen weiß man gar nicht zu fürchten.
Estland

Der große Pan ist tot.
Heine, Band 2, Helgoland, der 18. Julius

Der große Politiker besitzt kein Programm, er ist eines.
Fliegende Blätter

Der große Reiz, den das Theater für jeden Zuschauer hat, zeigt sich auch darin, dass es so manchen produktiv zu machen scheint, der eigentlich dafür gar kein Talent hat. In jeder Nation strebt eine unverhältnismäßige Anzahl Menschen nach dem Glück, sich selbst von dem Theater herunter wiederzuhören, und es ist niemanden zu verargen, wenn man zu dieser innern Behaglichkeit noch die äußeren Vorteile eines schnellen, allgemeinen, günstigen Bekanntwerdens hinzurechnet.
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe, Anmerkungen (Dorat)

Der große Rest, der in der Liebe nicht aufgeht, geht in die Dichtung ein.
Fliegende Blätter

Der große Schriftsteller bleibt immer der größte Mensch. Er ist derjenige, der seine Wirkungen am weitesten verbreiten kann. Die anderen Künste sind sinnlicher, aber wie tausendmal engere Schranken haben sie! Er hat Verstand und Empfindung mitzuteilen; die anderen Künstler bloß Empfindung.
W. Heinse, Tagebuch

Der große Schriftsteller hat Stil, der kleine Manier, was nicht ausschließt, dass der große auch einmal klein und der kleine groß, d. h. ein Stilist sein kann.
Christian Morgenstern, Stufen

Der große Sport fängt da an, wo er aufgehört hat, gesund zu sein.
en] Big sport begins at a point where it has long stopped being healthy.

Der große Stern, der über dem Genie leuchtet, ist die Verpflichtung an das lebendige Leben.
Fürnberg, Arnold Zweig zu seinem 60. Geburtstag

Der große Stuhl macht noch keinen König.
Sudan

Der Große stürzt: seht seinen Günstling fliehn,
Der Arme steigt, und Feinde lieben ihn.
en] The great man down, you mark his favourite flies,
The poor advanced makes friends of enemies.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet III, 2

Der große Teufel hat ein größeres Recht.

Der große Vorteil der Bärte liegt darin, dass man nicht mehr viel von den Gesichtern sieht.
Fliegende Blätter

Der große Vorzug adliger Abkunft ist, dass sie die Armut besser ertragen lässt.
Friedr. Nietzsche, Morgenröte

Der große Weg ist sehr glatt, aber alle lieben die Nebenpfade.
Taoistisch

Der große Wert, ja die Grundidee des Königtums scheint mir darin zu liegen, dass, weil Menschen Menschen bleiben, einer so hoch gestellt, ihm so viel Macht, Reichtum, Sicherheit und absolute Unverletzlichkeit gegeben werden muss, dass ihm für sich nichts zu wünschen, zu hoffen und zu fürchten übrig bleibt; wodurch der ihm, wie jedem, einwohnende Egoismus gleichsam durch Neutralisation vernichtet wird, und er nun, gleich als wäre er kein Mensch, befähigt ist, Gerechtigkeit zu üben und nicht mehr sein, sondern allein das öffentliche Wohl im Auge zu haben. Dies ist der Ursprung des gleichsam übermenschlichen Wesens, welches überall die Königswürde begleitet und sie so himmelweit von der bloßen Präsidentur unterscheidet.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung, II, 4, Kap.47, Zur Ethik

Der große Wurf ist ihm gelungen.
info] Umgewandelt aus Schillers Gedicht An die Freude: 'Wem der große Wurf gelungen.' Scherzhaft auch auf Geldsäcke angewandt.

Der große, historische Exorzismus, der sich Christentum nennt, scheint von Tag zu Tag weiter zurückzuweichen, und die Dämonen sprengen mit schrillem Stimmengewirr die Fesseln.
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

Der Großen Bitte geht über das Gesetz der Kleinen.

Der Großen Fall ist der Kleinen Lehr'.
la] Ruina majoris cautela sit minoris.

Der Großen Fehler sind nicht klein.
nl] De fouten van de grooten zijn nimmer klein.

Der großen Herren Strauß geht an den Untertanen aus.

Der größere Fisch verschlingt den kleineren.
la] Piscem minorem maior piscis devorat.

Der größere Gesichtswinkel bedingt die Schönheit des Antlitzes, weil der Mensch sich als denkendes Wesen über die Tiere erhebt und in dem Zunehmen jenes Winkels den Ausdruck seiner Vermenschlichung wiederfindet.
Chamisso, Reise um die Welt

Der größere Idiot beschimpft immer den kleineren.
USA

Der größere Stein drückt den kleineren nieder.
Estland

Der größere Teil überwindet den besseren Teil.

Der größest Unflat, der beste für der Welt.

Der größeste Gottesdienst ist gehorsam.

Der großgesinnte Mensch wird überhaupt nicht oder ungern einen anderen um etwas bitten; dagegen gern selber Hilfe leisten.. Der großgesinnte Mensch redet nicht über andere Menschen, wie auch nicht über sich selbst; am Lob liegt ihm nichts, ebensowenig daran, dass die anderen getadelt werden.
Aristoteles, Nikomachische Ethik

Der großgezogene Wolf kehrt in den Wald zurück.

Der großindustriellen Weltpolitik muss die proletarische Weltpolitik entgegengesetzt werden..
F. Mehring,

Der Großmütige gleicht einem Mann, der mit seinem Abendbrot Fische fütterte, aus Unachtsamkeit in den Teich fiel und ersoff.
Goethe (1749-1832), Götz 1. Fassung A IV, Rathaus (Sickingen)

Der Großmütige ist reich, und wenn er auch nur ein Stück Brot besitzt, das er mit einem Hungrigen teilen kann.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Großstaat ist in der Geschichte vorhanden zur Erreichung großer äußerer Zwecke, zur Festhaltung und Sicherung gewisser Kulturen, die sonst untergingen, zur Vorwärtsbringung passiver Teile der Bevölkerung, welche, als Kleinstaat sich selbst überlassen, verkümmern würden, zur ruhigen Ausbildung großer kollektiver Kräfte.
Jacob Burckhardt. Weltgeschichtliche Betrachtungen

Der größt' Schimpf, der Kunst widerfährt,
Wenn sie dem dient, der's ist unwert.
Rollenhagen, Froschmeuseler, 1. Buch, 1. Teil, 6. Kap., 233/34

Der größte (o. schwerste) Schritt ist der aus der Tür (o. über die Schwelle).
info] Er kostet am meisten Überwindung. So auch der von einer Partei zum Anschluss an eine andere.
en] The beginnings are always hard.
fr] Ce n'est que le premier pas qui coûte.
it] Il più duro passo è quello della soglia.
pl] Początek każdéj rzeczy jest trudny.

Der größte Aberglaube der Gegenwart ist der Glaube an die Vorfahrt.
Fliegende Blätter

Der größte Dreck gehört allzeit der faulsten Sau.

Der größte Einwand gegen jede Lehre sind die Lehrer. Religionsstifter wählen deshalb gern die Methode der göttlichen Offenbarung. Da ist dann die Lehre vom Himmel gefallen.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3. Irrlicht

Der größte Faulenzer bei den Mohammedanem ist der Derwisch und bei den Christen der Priester.
Arabien

Der größte Fehler der Menschen ist der Versuch, aus dem Kopf zu kriegen, was nicht aus dem Herzen wegzukriegen ist.
Bosnien

Der größte Fehler im Leben ist, dass man ständig fürchtet, Fehler zu machen.
Fliegende Blätter

Der größte Fehler ist, sich keines Fehlers bewußt zu sein.
en] The greatest fault is to be conscious of none.

Der größte Fehler, den die Jugend von heute hat, ist der, dass man nicht mehr zu ihr gehört.
Fliegende Blätter

Der größte Fehler, den man bei der Erziehung zu begehen pflegt, ist dieser, dass man die Jugend nicht zum eigenen Nachdenken gewöhnt.
Lessing, Briefe, die neueste Literatur betreffend

Der größte Feind der Sittlichkeit ist die Abstumpfung.
Albert Schweitzer, Straßburger Predigten 1900-1919, 23. Febr. 1919

Der größte Feind der Wahrheit ist oft nicht die Lüge, die bewußt ausgeheckte Unredlichkeit, sondern eine Wirklichkeitsblindheit, zu der beharrlich überredet wird.
John F. Kennedy

Der größte Feind des Rechts ist das Vorrecht.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der größte Finder ist noch ein Blinder in all dem Reichtum dieser Welt.
Christian Morgenstern

Der größte Fluss muss seine Schatzung dem Meer geben.

Der größte Fürst hat an einem Feind zu viel und an tausend Freunden zu wenig.

Der größte Gelehrte kann die Spinne nicht lehren, Seide zu machen.
nl] De grootste geleerde kan eene spin niet dwingen, haar webbe te maken.

Der größte Genuss im Leben ist, das zu tun, von dem die Leute sagen, dass du es nicht tun kannst.
Bagehot

Der größte Gewinn der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit.
Epikur, Vatikanische Spruchsammlung

Der größte Hass ist, wie die größte Tugend und die schlimmsten Hunde, still.
Jean Paul, Hesperus

Der Größte hat das größte Recht.

Der größte Held ist der, der sich selbst überwinden kann.
Dänemark

Der größte Hochmut und der größte Kleinmut kommen gleich der größten Selbst-Unkenntnis.
Spinoza, Ethik

Der größte intellektuelle Reichtum kann neben der größten moralischen Armut bestehen.
Justinus Kerner, Die Seherin von Prevorst

Der größte Künstler ist der, der in die Summe seiner Werke die größte Anzahl der größten Ideen einverleibt hat.
John Ruskin, Moderne Maler

Der größte Lehrer kann dich nicht umgestalten,
Er kann dich befrei'n; du musst dich entfalten.
Feuchtersleben, Gedichte

Der größte Lügner ist ein junger Mann, der ausgewandert ist, und ein Alter, dessen Zeitgenossen alle gestorben sind.
Libanon
info] Beide können nicht kontrolliert werden

Der größte Lump im ganzen Land,
Das ist und bleibt der Denunziant.
Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Lyrische Gedichte

Der größte Luxus ist Einfachheit. Kurdistan

Der größte Luxus ist Einfachheit.
Kurdistan

Der größte Mensch bleibt stets ein Menschen Kind
Die größten Köpfe sind das nur, was andere sind.
Goethe (1749-1832), Der ewige Jude

Der größte Narr kommt zuerst.
C. I. Weber, Demokritos, Die Titulaturen (Karl V. in Brüssel)

Der größte Reichtum ist die Selbstgenügsamkeit.
Epikur, Fragmente

Der größte Reichtum ist, keinen Reichtum zu verlangen.
la] Quae sunt maximae divitiae? non desiderare divitias.

Der größte Reichtum ist, nach keinem Reichtum streben,
Der größeste Gewinn, sich dessen ganz begeben.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Der größte Respekt wird allen eingeprägt für die Zeit, als für die höchste Gabe Gottes und der Natur und die aufmerksamste Begleiterin des Daseins.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,11

Der größte Schalk sitzt obenan und richt den anderen Schlecklin an.

Der größte Schatz hat zuletzt zwischen vier Brettern Platz.

Der größte Schatz ist Genügsamkeit,
Dann Gesundheit dazu und tüchtiges Streben:
So hat man immer genug zu leben.
Goethe (1749-1832), Nachspiel zu Ifflands Hagestolzen (Therese)

Der größte Schimpf der Kunst widerfährt, wenn sie dem dient, der's hält unwert.

Der größte Schimpf der Kunst widerfährt, wenn sie dem dient, der's hält unwerth!

Der größte Schmerz ist der, den man anderen nicht sagen kann.
Jiddisch

Der größte Schritt ist der aus der Tür.

Der größte Schritt ist der durch die (o. aus der) Tür.
Dänemark
en] The greatest step is that out of doors.

Der größte Schritt ist der über die Schwelle.

Der größte Segen außer Geduld ist eine schweigsame Frau.

Der größte Segen wahrlich auf dem Erdenrund,
Wenn Weib und Gatten treuer Eintracht Band umschlingt.
Euripides, Medeia

Der größte Sieg ist, sich selbst überwinden.
dk] Største sejer at overvinde sig selv.
en] The best and noblest conquest is tat of a man's own reason over his passions and follies. - The greatest victory a man can obtain is over himself. - There is no conquest like tat over ourselves.

Der größte Sinnengenuss, der gar keine Einmischung von Ekel bei sich führt, ist, im gesunden Zustande, Ruhe nach der Arbeit.
Immanuel Kant, Anthropologie (1798)

Der größte Staatsmann ist derjenige, welcher der humanste ist.
Anselm Feuerbach, Ein Vermächtnis: Lebensregeln

Der größte Teil der Geschichte enthält die Schilderungen des mannigfachen Elends, welches Stolz, Ehrsucht, Geiz, Rachgier, blinde Lust, Empörungsgeist, Heuchelei, ausschweifender Eifer und das ganze Heer der ungezügelten Neigungen über die Welt gebracht haben.
Edmund Burke, Betrachtungen über die Französische Revolution

Der größte Teil des Lebens
entgleitet unvermerkt, während man Schlechtes tut, ein großer Teil, während man nichts tut, das ganze Leben, während man Belangloses tut.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe an Lucilius

Der größte Teil unseres Wesens ist uns unbekannt. Trotzdem lieben wir uns, reden von etwas ganz Bekanntem, auf Grund von ein wenig Gedächtnis. Wir haben ein Phantom vom 'Ich' im Kopfe, das uns vielfach bestimmt. Es soll Konsequenz der Entwicklung bekommen. Das ist die Privatkulturtat - wir wollen Einheit erzeugen (aber meinen, sie sei nur zu entdecken!)
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Der größte Teufel hat immer noch einen Oberteufel.

Der größte Titel ist gegen den Tod kein Mittel.

Der größte Trost der Geschichte war von jeher, dass die Natur durch allen verlebten Schutt hindurch immer neue Kräfte emporschiebt.
Franz Marc, Der Blaue Reiter (Vorwort zur 2. Auflage)

Der größte und stärckest steckt den kleinen in Sack.

Der größte Vertrauensbeweis der Menschen liegt darin, dass sie sich voneinander beraten lassen.
Francis Bacon (1561-1626), Über das Beraten

Der größte Vorwurf, den wir uns machen können, besteht gewiss darin, dass wir die Ideen von Ehre und Gerechtigkeit, die von Zeit zu Zeit in unserem Herzen entsprießen, uns entgleiten lassen, als wären es flüchtige, traumgeborene Phantome.
Stendhal, Über die Liebe (Fragmente)

Der größten Gefahr kommt die Hilfe zuvor.
China

Der Großvater hat unreife Weintrauben gegessen, da bekommt der Enkel stumpfe Zähne.
Armenien
la] Ob textoris erratum, sartor vapulavit.

Der Großvater ist (wie) ein Lumpenbündel, im Rock der Großmutter (steckt) ein Flohnest.
Estland

Der Großvater kauft, der Vater baut, der Sohn verkauft, der Enkel geht betteln.
Schottland

Der gröst künig (König), sein selbs künig.

Der Grübler entfernt sich immer weiter von einer Lösung, je energischer er grübelt.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Der Grund aller theatralischen Kunst wie einer jeder anderen ist das Wahre, das Naturgemäße. Je bedeutender dieses ist, auf je höherem Punkte Dichter und Schauspieler es zu fassen verstehen, eines desto höheren Ranges wird sich die Bühne zu rühmen haben.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 736

Der Grund dafür, warum die meisten Menschen in ihrem Leben scheitern, liegt meiner Meinung nach darin, dass sie nie wissen, wann der entscheidende Augenblick gekommen ist.
Fliegende Blätter

Der Grund davon liegt aber nicht im Mangel des Kommunismus, sondern in der Schlechtigkeit der Menschen; denn man sieht ja, dass Leute, die einen gemeinsamen Besitz haben und miteinander an etwas teilhaben, noch viel mehr Streit bekommen als diejenigen, die Privateigentum besitzen.
Aristoteles, Älteste Politik

Der Grund für den Mangel in der Welt ist die Lüge und die Hurerei.
Arabien

Der Grund für Hungersnot in der Welt sind Lügen und Unzucht.
Maurisch

Der Grund ist nur mein Will'; ich will nicht kommen.
Shakespeare (1564-1616), Cäsar, II, 2 (Cäsar)

Der Grund jeder Revolution ist eine Unzufriedenheit mit der Zufriedenheit anderer.
Fliegende Blätter

Der Grund und Boden, auf dem alle unsere Erkenntnisse und Wissenschaften ruhen, ist das Unerklärliche.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Über Philosophie und ihre Methode

Der Grund, warum kein Diktator, auch kein potentieller, es sich leisten kann, nicht immer populär zu sein. Er wäre augenblicklich gezwungen, Gewalt zu üben, um an der Macht zu bleiben.
Hemingway, Die Vögel Afrikas

Der Grund, warum wir alle so gern von anderen gut denken, ist der, dass wir uns vor uns selber fürchten. Optimismus beruht einzig auf Angst.
Oscar Wilde

Der Grund, weshalb wir uns über die Welt täuschen, liegt sehr oft darin, dass wir uns über uns selbst täuschen.
Fliegende Blätter

Der Grund, weswegen der Philosoph dem Dichter sich vergleicht, ist dieser: Beide haben es mit dem Staunenswerten zu tun.
Thomas von Aquin, Kommentar zur Metaphysik des Aristoteles

Der Grund, weswegen wir neue Bekanntschaften so lieben, ist nicht, dass wir der alten müde sind oder das Vergnügen am Wechsel, sondern der Widerwillen, dass wir von jenen, die uns allzu gut kennen, nicht genug, und die Hoffnung, von jenen, die uns nicht so gut kennen, mehr geschätzt zu werden.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Der Grundbegriff aller lebendigen Sitte ist die Ehre. Alles andere, Treue, Demut, Tapferkeit, Ritterlichkeit, Selbstbeherrschung, Entschlossenheit liegen darin. Und Ehre ist Sache des Blutes, nicht des Verstandes. Man überlegt nicht - sonst ist man schon ehrlos. Die Ehre verlieren, heißt, für das Leben, die Zeit, die Geschichte vernichtet sein.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes, 11, Kap. 4, Der Staat

Der Grundbegriff von Schuld, Buße, Opfer, Versöhnung und endlichem Triumph des Guten ist tief eingewurzelt im menschlichen Geist..
Multatuli, Woutertje Pieterse

Der Grundcharakterzug des höheren Alters ist das Enttäuschtsein: Die Illusionen sind verschwunden, welche bis dahin dem Leben seinen Reiz und der Tätigkeit ihren Sporn verliehen, man hat das Nichtige und Leere aller Herrlichkeiten der Welt, zumal des Prunkes, Glanzes und Hoheitsscheins, erkannt.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Aphorismen zur Lebensweisheit

Der Grundzug des ehrlichen Menschen ist Aufrichtigkeit.
Nicolo Tommasèo

Der grüne Baum muss gefällt werden, der verfaulte fällt von selbst.
Estland

Der Gruß führt die Unterhaltung, die Unterhaltung die Melone herbei.

Der g'scheidst Händler wird mit Kühen betrogen.

Der Gscheitere gibt nach, sagt der Bauer zum Ochsen, gib du nach!

Der G'schider gid noh, sagte der Entlebucher, Muni gib du noh.
Luzern
info] noh = nohgä = ablassen, nachgeben, Muni = hier als Eigenname eines Bullen, Ochsen, Stiers, sonst auch der eines Katers, männlichen Kaninchens, auch Bezeichnung eines Wollüstlings. Eigentlich bezeichnet das Wort üble Laune, eigensinniges Wesen, sofern es sich durch närrisches Schweigen und Betragen äußert. Man sagt von einem Kinde, das in seinem Unwillen lange anhält: Es hat den Muni oder ist ein Muni.

Der Gsund (= die Gesundheit) geht über Ehr und Amt.

Der Gsunde hat 90 Wünsch, der Kranke nur oan.

Der guckt alles durch e trüb Glas an.
Jüdisch-deutsch
info] Von einem, der alles in trüber Farbe sieht

Der guckt aus der Halsbinde, wie eine Maus aus einem Wickel Hêde.
Braunschweig

Der guckt, als wenn ihm die Petersilie verhagelt wäre.
info] Sieht bestürzt, verdrießlich aus

Der guckuc rufft jm selbs den namen aus.
info] Gegen eitles Selbstlob.

Der Güder muss e Sparer het.
Luzern

Der Guga ist los.
Oberösterreich
info] Der Kuckuck ist los. Für: der Teufel ist los. Es geht schlimm her.

Der gugger (Kuckuck) singt sein lebenlang und lernet doch kein ander gsang.
la] Licet per multos cuculus cantauerit annos, psallere nescit adhuc alium cantum, nisi Guggug.

Der Gukus trieb manchen von Haus.
info] Gukus ist ein Kinderspiel, bestehend im Verstecken und Suchen, die Versteckten rufen: Gukus, d.i. sieh uns nach, such' uns auf! Das Wort ist aus Alamangukus zurückgeblieben, das spottweise so viel sagen soll, als: Alaman = Deutscher, guck oder siehe nun heraus, die Sache ist vorbei.

Der Gulden, welcher hinaus will, ist schwer zu halten.

Der Guss geht nach dem Fluss.
info] Das Geld fliesst immer den Reichen zu
fr] L'eau va toujours à la rivière.

Der gut aussehende Mann ist König, wenn kein Reicher in der Nähe ist.
Haussa, Afrika

Der gut ins Holz ruft, kriegt eine gute Antwort.

Der gut kaut, der gut verdaut.

Der gut kaut,
Der gut verdaut.

Der gut klappern kann, das ist der beste Mann.

Der gut predigt, der gut lebt.
Spanien

Der gut rot Wein ladet mehr dann der gemahlt Schild ein.

Der gut sät, der viel mäht, wer gut schmiert, der gut fährt.

Der gut will macht die Gab angenehm.
la] Non quantum dederis, sed quanta mente dedisti, pensandum est.
sd] God wilja gjör gåfvan tock.

Der gut will tut viel.

Der gute Aphorismus ist ein Ventilstoß geistiger Blähung.
Fliegende Blätter

Der gute Aphorismus ist wie eine mathematische Formel. Er stellt eine Erfahrungstatsache dar, in die eine ganze Menge Einzelerscheinungen aus Welt, Leben und Gesellschaft mit mehr oder weniger Rest aufgehen.
Fliegende Blätter

Der gute Aphoristiker muss hassen können.
Fliegende Blätter

Der Gute belehrt den Besseren.
Estland

Der gute Bezahler lässt sich das Pfand nicht gereuen.
Spanien

Der gute Christ flieht (o. scheut) drei Ist: den Egoist, den Separatist und Pietist.

Der Gute fragt mehr nach Worten als der Narr nach Schlägen.

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