<<< Deutsche Sprichwörter >>>

Der Neidische (od. Mißgünstige) wird nimmer voll (d . i. satt).
Estland

Der Neidische fällt immer auf sein eigenes Schwert.
Estland

Der Neidische hat keine Haare, der Betrüger findet kein Mitleid bei seinem Bruder.

Der Neidische ist ein Baum, der von außen blühet, inwendig aber eine faule Wurzel und ausgedörrtes Mark hat.

Der Neidische ist eine Fledermaus, die das Licht nicht sehen kann.

Der Neidische ist eine Uhr mit einer steten Unruhe.
z] Das hat der Neidige; eines anderen Glück ist ihm ein Strick, der ihn würget; eines anderen Würde ist ihm eine Bürde, die ihn drückt; eines anderen Ehr' ist ihm eine Beschwer, die ihn beisset. Abraham a Sankta-Clara, Huy und Pfuy der Welt

Der Neidische ist sein eigener Henker.

Der Neidische lässt kein Licht an seinem Licht anzünden.

Der Neidische legt nichts zum Besten aus, sondern zum schlimmsten.

Der Neidische möchte den anderen im Suppenlöffel ertränken.

Der Neidische schadet niemand mehr als sich selbst.

Der Neidische sieht auch mit den Ohren.
Russland

Der Neidische stirbt wohl, aber nicht der Neid.

Der Neidische trocknet aus vor Neid, der Gute weint vor Freud'!

Der Neidische verschwindet, die Haare bleiben rauchen.

Der Neidische wird mager.
en] The envious man grows lean.

Der Neidische wird nie glücklich.

Der Neidische zieht keine Rübe aus, der Böse schlägt keine Erbse.

Der neidthart zeucht nur bei großen herren ein.
la] Foelicitatis comes invidia.
la] Summa petit livor. Ovid

Der Nekt frässt de Lekt.
Siebenbürg.- sächs.
hdt Der Neid frisst die Leiche.

Der Nepomuk (16.5.) uns das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht.

Der Nepomuk das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht.
Bauernregel

Der Netzbesitzer bekam alles, was im Netz war, der Bootsbesitzer, was ins Boot fiel.
Estland

Der neu gewonnene Freund ist wertvoller als der durch Geburt gegebene.
Indien

Der neubackene Adel vergisst, wie die Leute heißen.

Der neue Besen fegt das Haus am besten.
z] Der neue Besen kehret wohl. Freidank, Bescheidenheit

Der neue Besen fegt sauber, aber der alte Besen kennt seine Ecken.
Jamaika

Der neue Nagel treibt den alten aus.

Der neue Schnee ist der Tod des alten.
fin] Uusi lomi on vanhan surma.

Der neue Topf behält seinen ersten Geruch.
Ungarn

Der neugewonnene Freund ist wertvoller als der durch Geburt gegebene.
Indien

Der Neugierigen Gilde führt Böses im Schilde.
la] Curiosus nemo est quin sit malevolus. Plautus

Der Neugierigen Gilde
Führt Böses im Schilde.

Der Neuling folgt jähen Räten.

Der Neuling soll mich nicht beißen.

Der Neumond macht das Wetter.
fr] Prends du temps la règle commune au premier mardi de la lune.

Der Neumond wacht nicht die ganze Nacht.

Der Neunte weiß nicht, wie sich der Zehnte nährt.
Niederlausitz
i] Sagt man, wenn dies Nähren nicht auf redliche Weise geschieht. Auch so: So weiß der Neunte erst, wie sich der Zehnte nährt, nämlich in dem Falle, wenn einem das unredliche Sichnähren einer Person durch einen dritten erklärt, aufgeklärt wird, das bis dahin in ein geheimnisvolles Dunkel gehüllt war. Es ist dann ein Ausdruck der Verwunderung.
ndt] Der Nönt wä'ss nîet, bô d'n Zâhnt der Schû dröckt.

Der Neunte weiß nicht, wo den Zehnten der Schuh drückt.

Der Neutrale wird von oben begossen und von unten gesengt.

Der Neutralist ist des Glücks und der zeit Freund.

Der Neutralist ist ein Fledermaus.

Der Neutralist ist weder Fisch noch Fleisch.
i] Neutralisten sind Leute, die es mit niemandem verderben wollen, und weil sie weder kalt noch warm sind, alles gegen sich haben.

Der Neutralist kann auf zwei Sätteln reiten.

Der Neutralist will keinen teil auftun.

Der Newa entgehen und ins Finnische Meer fallen.
Russland

Der nicht arbeitet wie ein Mann, sitzt zu Hause und flennt wie eine Frau.
Albanien

Der nicht betrügen kann, der such' die Wüste.

Der nicht gebadet hat, der muss austragen.

Der nicht gern kommt, der verzeucht lang.

Der nicht glück hat, dem ist feyern das beste.

Der nicht gut zum licht ist, der gibt doch ein gute Lichtputz.

Der nicht hat in Nummis, dem hilfft nichts, dass er fromb ist, denn der da gibt Summis, der macht schlecht, was krumm ist.
i] schlecht = gerade, eben, gleich, recht

Der nicht hat mit genossen, der darff auch nicht mit zahlen.

Der nicht hoch steigt, der fallet nicht hoch.

Der nicht hort die stim der armen
Loest sich ir not nicht erbarmen:
Den will auch gott erhoeren nicht,
So er kumt fur sein streng gericht.
Grabspruch, Brandenburg an der Havel, Gotthardkirche (1578)

Der nicht mit Schalkheit durchgetrieben, ist selten lang zu Hof geblieben.

Der nicht viel hat, der kann nicht viel entbehren.

Der nicht wohl sehen kann durch die Finger, dient nicht in rat und unter kinder.

Der Nichtjude versteht nicht die Sorgen des Juden.
Jiddisch

Der Nichtlebendige schleppt die Lebendigen. Was ist das?
Die Bürste (die Läuse).
Rätsel aus Litauen

Der nichts kann als fromm sein, muß betteln.

Der nichts kann, ist lebendig tot.
la] Vita sine liberis mors est.

Der nichts tut, nichts weiß, nichts kann, muss allezeit bleiben hinten an.

Der nichts tut, tut Böses, wie ein Diener, der nichts tut.
la] Facito aliquid operis ut diabolus semper te inveniat occupatum.

Der nichts tut, tut Böses.

Der Nichtshaber ist niemand etwas schuldig.
Russland

Der Nichtsnutz bleibt ein Nichtsnutz, auch wenn er seinen Schnurrbart nach hinten dreht.

Der Nichtsnutz und der Liederli sind bedi mini Brüederli.
Luzern

Der Nichtstuer weiß stets, wie spät es ist.
Lettland

Der nie hinaus kam, kam auch nimmer haim.

Der Niederträchtige hat keinen Freund, der Habsüchtige keine Ruhe, der Geizige kein Lob und der Zornige keinen Gesellschafter.

Der Niederträchtige lacht laut.
Hawaii
i] Um seine bösen Taten zu verdecken

Der niederträchtige Nuut (Knutstag, 7. oder 13. 1) prügelt mit der Knute Bier heraus (und) gibt Dünnbier an die Stelle.
Estland

Der Niedrige zählt nicht, wie oft du triffst, sondern wie oft du fehlst.
England

Der niemals keinen Regenten hat gedult, der gibt nimmer ein guten Regenten.
la] Qui noluit regi, rector nunquam bonus est.

Der niemand hat alles getan.

Der Niemand ist an allem schuld.
i] Der Niemand hat im Volke stets eine bedeutende Rolle gespielt. Wurde im Hause ein Streich verübt, ohne dass der Täter zu ermitteln war, so war der Niemand, der 'die Dippe verbricht' (die Töpfe zerschlägt); wird etwas ausgeplaudert, so hat's der Niemand mit dem Watschelmaul getan. Im Vortrab der Oeconomia ruralis findet sich der 'Niemand' abgebildet: ein jugendlicher Engel ohne Hände, ohne Füße, mit verbundenen Augen, ein Schloss vor dem Munde, ohne Ohren, kurz ohne jeden Sinn, ohne jedes Wahrnehmungs- und Mitteilungsorgan; ein Kerlchen, das gar nichts kann und alles gemacht haben soll, mit den Beinen das Weltall umspannend. Von den Versen, die das Bild begleiten, nur einige: Niemand auf Teutsch werd ich genennt, kam von nirgend, niemand mich kennt. Der Niemand kann weder hören noch sehn, darzu nicht greifen oder gehn. Obwol Niemand ein Erdisch Gott, beweist man ihm doch großen Spott, dieweil ihn für ein Hümpelman halten tun, Alt, Jung, Frau und Mann. Ist was verloren in einem Haus, hat es Niemand getragen rauss, ist was gestohlen groß oder klein, Niemand der Dieb allweg muss seyn. Ist etwas zuschlagen oder zubrochen, in der Stuben oder in der Kuchen, der Ofen etwa eingestoßen, Kannen zerworffen, Bier vergoßen. Niemand die Schuld allweg muss han, wiewol Niemand kein Sünd getan.

Der niemand kein Dienst kann tun, der begehrt des unbillig.
la] Beneficia dare qui nescit, injuste petit.

Der Niemand stiehlt am meisten.

Der Niemand tut im Reiche mehr schaden als der Türke.

Der Niemand tut mehr schaden in Küchen, Keller und im hauss, als das gesind mit dem lohn kan bezahlen.

Der Niemandsgesell kommt auch nicht über dein Gschwell.

Der Nil ist Ägypten.
Ägypten

Der Nimmersatt immer Hunger hat.
it] Sempre stenta, chi mai non si contenta.

Der nimmt Geld und dienet dem Teuffel.

Der nimmt sich einen Knärl (Knödel, Kloß) mehr heraus wie andere, ist dreist.
ndt] Dî nit sich en Knärl mî eraus wä oandern. Siebenbürgen/Sachsen

Der Nix hat ihn gesogen.

Der Norden bietet an (= es wird schneien), der Süden leckt's ab.
Estland

Der Norden festigt den Winter.
Estland

Der Norden regnet, der Süden vertreibt.
Estland

Der Nordwestwind fegt den Himmel.
Estland

Der Nordwestwind ist des Himmels Besen.
Estland

Der Nordwind ist der Wolken Wegfeger.
Estland

Der Nordwind ist ein rauher Vetter, aber er bringt beständig Wetter.

Der Nordwind ist es, der die Wellen nach Süden treibt.
Russland

Der Nordwind vertreibt den Regen.

Der Nordwind vertreibt Regen und sauer sehen heimliche Jungen.

Der Nordwind zieht die Hosen an.
Estland

Der Nörgler verlässt seinen Posten nicht, aber er schreckt andere Bewerber ab.
Uganda

Der Not darf ma kein' Schwung lassen!

Der Not guckt der Teufel aus den Augen.

Der November tritt oft hart herein, trotzdem braucht nicht viel dahinter sein.

Der Null fehlt nichts als ein Schwanz zur Neun.

Der nur ein lamb kan tragen, der lass sich mit keinem Ochsen beladen.

Der Nussbaum lässt sich um seiner Kinder willen schlagen.
i] Die Mutter muss viel um der Kinder willen leiden.

Der Nutzen ist des Schadens Bruder.
i] Wer dem Gewinn zu sehr nachjagt, gerät in Schaden.

Der Obdachlose - überall ein Fremder.
Tadschikistan

Der obere Stock bei ihm steht leer.
i] An Verstand.

Der obere Stock steht öfter leer als der untere.

Der Obrigkeiten Kammer ist wie ein Leib des Wassersichtigen, wenn der zunimmt, so nemmen die glieder ab.

Der Obrigkeiten Offizierer sind oft nur motten, die der Fürsten und Herrn Gefell heimlich fressen.

Der Ochs blecket (brüllt) nicht, wenn er sein Futter hat.

Der Ochs bohrt die Wunde mit den Hörnern, das Weib mit der Zunge.

Der Ochs brüllt, wenn von seinen Hörnern gesprochen wird.
Russland

Der Ochs erschrickt, wenn er den Pflug erblickt.

Der Ochs erschrickt, wenn er ein neu Tor erblickt.
z] Als Pythagoras seinen bekannten Lehrsatz entdeckte, brachte er den Göttern hundert Ochsen dar. Seitdem zittern die Ochsen, so oft eine neue Wahrheit ans Licht kommt. L. Börne

Der Ochs findet den Weg zur Krippe.
dk] Oxen finder vel veyen til krybben.

Der Ochs folgt seinem Führer.
es] Al llamado de quien le piensa viene el buey á su melena.

Der Ochs freut sich, wenn er zur Kuh in den Stall kommt.

Der Ochs gedeiht in der Jochecke, der Mann am Axtstiel, die junge Frau (= die Neuvermählte) in des Mannes Liebe.

Der Ochs gehört dem Nachbar, aber das Kalb mir.
sd] Oxe i ens annars och kalf i sitt egit.

Der Ochs gehört ins Joch (o. an den Pflug).
la] Bos sub jugum.

Der Ochs geht langsam hinaus, aber er hält was aus.
i] Von denen, die ruhig und allmählich etwas ausrichten. Die Ochsen gehen zwar nicht so schnell als Pferde, aber sie leisten doch durch Kraft und Ausdauer das Ihrige. Langsam kommt der Ochs, aber fest tritt er auf.

Der Ochs geht langsam, zieht aber wohl.

Der Ochs geht noch immer vorwärts, wenn das Pferd schon ruhen muss.
Finnland
la] Placide bos incedit.

Der Ochs hat gesagt: Wenn er wie das Pferd die Fuhre auf der Schulter schleppt, so wird er das Pferd durchs Bohrloch ziehen.

Der Ochs hat so viel Beine als der Hirsch, läuft aber nicht so schnell.

Der Ochs ist Englands Rebhuhn.

Der Ochs ist kein Saumpferd.
la] Non nostrum onus, bos clitellas?

Der Ochs kann auch auf vier Füßen laufen wie der Hirsch, aber nicht so schnell.

Der Ochs kennt seinen Stand.

Der Ochs lässt sich das Brüllen nicht abgewöhnen.

Der Ochs macht auf einmal so viel Mist, wie die Mücke in einem Jahr.

Der Ochs muss zur Krippe gehen, die Krippe kommt nicht zum Ochsen.

Der Ochs pflügt die Gerste, aber das Pferd bekommt sie als Futter.
Rumänien

Der Ochs rennt sich mit den Hörnern fest, der Mann mit seinem Wort.

Der Ochs sagte zu dem Bauern: 'Behalte mich sieben Wochen in Muttermilch und lass mich fünf Jahre frei umherlaufen, dann spann mich vor die eiserne Egge'.

Der Ochs sät Hafer, das Pferd frisst (Hafer).

Der Ochs schreitet und der Hase springt; jeder macht's, wie's ihm gelingt.
bm] Volům kroky a jenelům skoky.

Der Ochs sieht ja die Mücke nicht eher, als bis die Mücke sticht

Der Ochs sieht mit der Lefze, der Mensch tastet mit der Pfote.

Der Ochs stößt von vorn, das Pferd von hinten, der Pfaff' von allen Seiten.
en] Beware of a woman before, of a horse behind, of a cart sideways, of a priest every way.
fr] Il faut se garder du devant d'un boeuf, du derrière d'un âne et d'un moine de tous côtés.

Der Ochs trägt nicht schwer an seinen Hörnern.

Der Ochs und die Maus nehmen (finden, wollen) beid' ihre Speis', aber in anderer Weis'.

Der Ochs vergisst, dass er ein Kalb gewesen ist.

Der Ochs vermisst am Gaul die Hörner.
Russland

Der Ochs weiß nichts vom Sonntag.

Der Ochs weiß, dass er Hörner hat.
la] Parata tollo cornua. Horaz

Der Ochs will den Hasen erlaufen.

Der Ochs will gesattelt sein und das Streitross will den Pflug ziehen.
i] Selten ist jemand mit seinem Stande zufrieden.
la] Optat ephippia bos piger, optat arare caballus. Horaz

Der Ochs wird alt, aber seine Arbeit bleibt.
i] Von den Reichen, die ihre Diener wie Lastthiere gebrauchen. Als man den Diogenes fragte, was das größte Unglück sei, sagte er: 'Ein Greis, der darben muss.'

Der Ochs wird auch nicht die meiste Milch geben.
i] Es wird bei diesem Geschäft nicht viel zu gewinnen sein.

Der Ochs wird kein Reitpferd, wenn er auch einen Sattel bekommt.
i] Nach der Fabel wünscht er sich einen Sattel, und der Gaul einen Pflug.

Der Ochs wird nicht gefüttert, dass er brüllt und stößt.
la] Bos hic non comedat, qui jam juga ferre recusat.

Der Ochs wird nicht mit dem Joch geboren.
sd] Oxen är intet med oket burin.

Der Ochs wird so lange zum Jahrmarkt geschleppt, bis man schließlich doch einig wird.

Der Ochs wirft die Erde, die er aufwühlt, auf sich selbst zurück.
i] Folgen leidenschaftlicher Aufbrausungen.

Der Ochs wirft mit den Hörnern die Erde gen Himmel, aber sie fällt ihm wieder auf den Rücken.
bm] Vůl hází rohem prst' do nebe, ana na hřbet mu padá.

Der Ochs zieht langsam, macht aber gerade Furchen.

Der Ochs, der den Pflug zieht, hat weder Ruh' noch Heu, aber die Maus hat Getreide auf dem Boden im Überfluss.

Der Ochs, der zuerst ans Wasser kommt, trinkt zuerst.

Der Ochs, welcher den Acker pflügt, bekommt das Wenigste von der Ernte.
nl] Of al de os van't ploegen zucht, een ander krygt de zoete vrucht.

Der Ochs, welcher den Hafer baut, bekommt (frisst) den wenigsten.
la] Bos apud acervum.

Der Ochs, welcher vorangeht, trinkt das beste Wasser.
Afrika

Der Ochse findet den Weg zur Krippe.

Der Ochse hat eine Sprache, wenn er auch nicht viel sagt.
la] Linguam taurus habet, quamvis non multa loquatur.

Der Ochse ist zum Pflügen da, das Pferd - zum Reiten, das Kind - zum Bestrafen; wo dem nicht so ist, werden alle drei verdorben.

Der Ochse muss zur Krippe gehen.
Kroatien

Der Ochse pflügt, der Hund zerstört die tiefe Furche.
Sumerer

Der Ochse stößt sich nur einmal am Scheunentor.

Der Ochse und die Fliege führen Krieg gegeneinander.
Russland

Der Ochse, der keine Hörner hat, wird 'Sharpy' genannt.
Nepal

Der Ochse: sein Leben währt lange, er legt sich stets nieder.
Sumerer

Der Ochsen und der Weiber-Hoffart Stärke kennt niemand.

Der Ochsenfrosch weiß mehr vom Regen als der Wetterkalender.
USA

Der Ochss trägt nicht gern das Joch, und was er anfeind, das hat er doch.
z] Der Ochs vngern trägt sein joch, und dass er hast, das trägt er doch.
la] Nihil magis contingens, quam pati; nihil reputa magis tibi necessarium, quam patientiam.
la] Non juga taurus amat, quae tamen odit habet.

Der Oestjes brummt.
i] So sagte man in Köln oft, statt der Kaspar brummt, wenn die Domglocke das Zeichen zum Aufbruch aus den Gasthäusern gab, weil ein Adjunct dieses Namens den mit der französischen Invasion aufgehobenen Gebrauch der Abendglocke wieder eingeführt hatte.

Der Ofen allein tut es nicht, man muss Glut hineinbringen.
Russland

Der Ofen allein tut's nicht, man muss auch Holz hineinlegen.

Der Ofen braucht nicht zu danken, dass man ihn wärmt.
Russland

Der Ofen des Nachbars wärmt auch.

Der Ofen hilft, der Kalkstein heilt.

Der ofen ist aller bäcker meister.

Der Ofen ist gierig, der Kochtopf ein Zauberer.

Der Ofen ist im Sommer Lehm und im Winter ein Diadem.

Der Ofen ist im Sommer Lehm und in der kalten Jahreszeit ein Bruder.
Litauen

Der Ofen ist nicht für ihn geheizt.
i] Es geschieht nicht seinetwegen, ihm wird davon nichts aufstoßen.
fr] Ce n'est pas pour vous que le four chaufe.

Der Ofen muss zuvor heiß werden, bevor man die Brote hineinlegt.

Der Ofen schilt den Schornstein: schwarzer Gesell.

Der Ofen soll einst gesagt haben: Wenn du die Brote herausnimmst, wirf ein Holzscheit hinein, um mein Loch abzukühlen.

Der Ofen verweist dem Schornstein, dass er schwarz ist.
nl] De oven verwijt den schoorsteen, dat hij zwart is.

Der Ofen wird bei ihr bald einfallen.

Der Ofen wird nicht für dich schreiten, musst selber gehen.

Der Ofen würde eingefallen sein, wenn er gebacken hätte.
i] Von jemandem, der bei allen seinen Unternehmungen Unglück hat.
fr] Si ieusse voulu cuire, le font fust cheut.

Der offizielle Teil ist zu Ende, es beginnt das zwanglose Zusammensein.
la] Commercium exest, incipit fidelitas.

Der Offizier unterwirft sich der Order, der Soldat dem Befehl.
Vietnam

Der Of'n ist y g'falle.
Schaffhausen
i] Von einer ihre baldige Entbindung erwartenden Frau. Die Frau ist niedergekommen.
z] In den griechisch-albanesischen Colonien Siciliens hat man, um zu sagen: Wann kommt die Frau nieder? die Redensart: Wann gibt's Erbsen? (Quando fareno li ceci?) oder man sagt, wenn die Niederkunft einer Frau bald erwartet wird: Wollen wir nicht die Erbsen werfen? (Vogliamo far li ceci?) Es herrscht nämlich dort die Sitte, dass wenn das Kind nach der Taufe wieder nach Hause kommt, eine Frau, in der Regel die Hebamme, an der Tür erscheint und geröstete Erbsen auf die Straße wirft, auf welcher sich dann andere Kinder versammeln, die, während sie jene Frau beim Namen rufen, sich gegenseitig drängen, stoßen und schlagen, indem jedes soviel als möglich von den Erbsen zu erhaschen bemüht ist. Bei wohlhabenden Leuten wurden wohl auch Süßigkeiten ausgeworfen, zur Zeit beschränkt sich der ganze Gebrauch aber nur auf die Aermern und auf Erbsen. Daher die obige Redensart. Die neugeborenen Kinder werden aus dem Bach oder Fluss, aus dem Walde oder aus der Grube geholt. In Österreich reisen die Wöchnerinnen nach Rom, um sie zu holen. An anderen Orten wachsen die Kinder auf Bäumen oder Sträuchern, oder der Storch bringt sie wie in Schlesien, der Rabe wie in Böhmen. In der Mark heißt es, um die Niederkunft zu bezeichnen: Die Heiden sind eingebrochen. Die Wenden der Oberlausitz sagen: Der Ofen ist uns eingestürzt. In Holland sagt man, wenn eine sehr junge Frau entbunden worden ist: Das Lamm hat gelämmert; wie man in Frankreich und Italien Kindern das Dickwerden der Schwängern mit den Worten erklärt, sie sei von einer Schlange gebissen worden. Zur Bezeichnung der Niederkunft einer Frau haben die Franzosen auch die Redensart: Kleine Pasteten ausschneiden, und die untern Volksklassen sagen: Pisser des os.

Der oft allen Menschen raten kann, weiß ihn selbst weder zu raten noch zu helfen.

Der ohne federn will fliegen, der bleibt oft im Schornstein hangen.

Der ohne Mangel lebt, soll noch geboren werden.

Der ohne Namen ist der Täter, Herr Niemand hat's getan.
Russland
z] Clauss klopfft an meine Haustür. Der Würth sagt, es wäre niemand nicht daheym. Clauss antwortt: Das wust ich wohl, dass der Niemand bei dir daheym ist, er steckt täglich droben in der Hof- Küchen und tut mehr Schaden in einem Tag, dann zehen Reuter in einer Wochen.

Der ohne Würde isst sein Abendessen zweimal.
Libyen

Der Ojscher (Reiche) esst nit kein Rändlich (Dukaten); der urm Mann esst nit kein Steiner ünter der Jauch (Suppe).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Mag einer noch so reich sein, er isst doch keine Dukaten, und sei er noch so arm, er genießt doch keine Steine als Brocken in seiner Suppe (Brühe).

Der Okra Strauch (Gemüse-Eibisch) wächst nicht größer als die Person, die ihn gepflanzt hat.
Nigeria

Der Oktober muss zwölf schöne Tage aufweisen wie der März.
Holland

Der Oktobermonat macht den Fröschen das Maul zu und der Oktobersaft macht es den Weibern auf.

Der Oktobersaft ist die beste Folter.
i] Der Wein macht beredt, und man kann damit leichter als mit Zwangsmitteln hinter die Wahrheit kommen.

Der Öl gegeben, uns zu schminken, der gab auch Wein, um Freud ins Herz zu trinken.

Der Ölbaum braucht am Fuß einen Weisen und am Kopf einen Narren.
i] Er muss gut gedüngt und kurz geschnitten werden.
it] Agli ulivi, un savio da piè, e un pazzo da capo.

Der Ölberg ist greulicher (o. heftiger, schmerzlicher, schrecklicher) als das Kreuz.

Der Orel is schicker (betrunken).
i] Orel = Nichtjude. (2 Mos. 12, 48.) Wird gebraucht, um die Meinung eines Dritten kurzab als unhaltbar oder baaren Unsinn zu bezeichnen. Ein Christ, der bei einem Juden zu Tische war, erzählte, dass er schon einmal mit dem Sohne des Gastgebers an einer christlichen Tafel zusammen vergnügt gespeist habe. Da dies dem Gastgeber aus Rücksicht der übrigen Gäste nicht angenehm war, sagte er die obigen Worte ziemlich laut zu seiner Frau.

Der Ort allweg ist sehenswert, der uns 'nen wackern Mann beschert.

Der Ort bestimmt die Rechtshandlung. [RSpW]
la] Locus regit aetum.

Der Ort ehrt nicht den Menschen, sondern der Mensch ehrt den Ort.

Der Ort, wo du glücklich bist, ist besser als der Ort, an dem geboren wurdest.
Ghana

Der Österreicher biss vier Katzen zu Tode, an der fünften erstickte er.
Tschechien

Der Österreicher Ungnade ist besser als der Sachsen Gnade.
i] Anspielung auf das strenge Sachsenrecht.

Der Ostwind beendet den Fang.

Der Ostwind besiegt den Westwind.
China

Der Ostwind bringt die Fische aus dem Meer, der Südostwind aus dem Kessel.

Der Ostwind bringt Regen, Weiberstreit Tränen.
Finnland

Der Ostwind geht für die Nacht zur Frau.

Der Ostwind hört nicht eher auf zu wehen, als bis es regnet; das Weib nicht eher auf zu zanken, als bis es weint.
Finnland
nl] Oost heeft geen' nood, hij waait zich dood.

Der Ostwind lässt das Weinen nicht.

Der Ostwind legt sich in der Nacht.

Der Oswaldtag (5.8.) muss trocken sein, sonst werden teuer Korn und Wein.

Der Otter geht man aus dem Wege.

Der Ozean wird nicht satt an Wasser, ein königlicher Schatz nicht an Gold; der Weise wird nicht satt an schönen Sprüchen.

Der Pabst mit seim spitzigen huett, der konnigk von frangkreich mit seim vbermut, das interim mit seim gifft, und Keyser Karl mit seynner list, ist alles zusammen vormischt, weis also das reich nicht, woran es ist.

Der Pächter baut geliehen Gut.
dk] Draat in er aars eyere.

Der Panther fängt seine Beute im Dorf und versteckt sie im Dickicht.
Gabun

Der Panther und die Schafe jagen nie zusammen.
Elfenbeinküste

Der Pantoffel hurt mit dem Stiefelknecht.
Breslau

Der Papagai geht nicht in den Kampf, aber seine Federn gehen.
Surinam
i] Der Kopfputz der dortigen Krieger besteht nämlich aus Papagaienfedern.

Der Papagai spricht viel, wenn er lange im Käfig ist.
Afrika

Der Papagai, der hinter dem Gebüsch sitzt, verräth sich, wenn er spricht.
Surinam
sd] Den som tiger, förtalar sig ej.
la] Posse tacere ars est, ars poße loqui.

Der Papagei geht nicht in den Kampf, aber seine Federn gehen.
Surinam

Der Papagei ist auf jedem Baum grün.
Nicaragua

Der Papagei sagt, selbst wenn er nicht blutet, wirft er wenigstens einen Blick auf seine roten Schwanzfedern.
Afrika

Der Papagei sagt, was er weiß, aber er weiß nicht, was er sagt.

Der Papagei spricht viel, wenn er lange im Käfig ist.
Surinam

Der Papagei, der weiß, wie wertvoll seine Federn sind, baut sein Nest nicht am Straßenrand.
Afrika

Der Papst braucht nicht mehr Erde (zum Grabe) als der Küster.
z] Wenn wir ins Grab kommen, so behelfen wir uns und ducken uns zusammen. Sancho Pansa
sp] No ocupa mas piés de tierra el cuerpo del papa que el del sacristan. Don Quixote

Der Papst frisst Bauern, säuft Edelleute und scheißt Mönche.
z] Es gab Toren, die aus altem Eisen Gold machen wollten, er macht aus Gold verrostet Eisen. Denn Menschentum und Mönchstum stehen einander wie feindliche Pole entgegen. Niemand kann zugleich Mensch und Mönch sein.

Der Papst gilt nirgend weniger als daheim.
i] Gerson, der berühmte Kanzler der Universität zu Paris, behauptete im 15. Jahrhundert ohne Scheu und öffentlich, der Papst sei seinen nächsten Nachbarn lächerlich und zum Gespött geworden. Nirgend werde er weniger verehrt als in Italien, wo man ihm am nächsten wohne.

Der Papst halt für kein schand noch sünd, dass d' Priester zeugen hurenkind; näm aber einer ein eheweib, den dörfft er straffen an seim leib.
la] Clericus uxorem qui ducit, perdit honorem, amittit florem propter mulieris amorem.

Der Papst hat aus den Zehngeboten Eins gemacht, das heißt: Gib Geld her.
i] Das Wort wird einem Könige Alfons von Spanien zugeschrieben.

Der Papst ist auch ein Schüler gewesen.

Der Papst ist auch einmal in die Schule gegangen.

Der Papst ist des Kaisers und der Teufel unsers Herrn Gotts Affe.

Der Papst ist die Eichelsau im Kartenspiel.
z] Diese ist stichfrey; also der Papst ist auch stichfrey, niemand kann ihm was tun.

Der Papst ist ein irdisch Gott, aber doch der Römer Spott.
z] Der Bapst der Welt ein Wunder ist, mit seiner großen Macht und List, weder Gott noch Mensch ist sein Art, darumb ist er des Teuffels Part.
la] Papa, stupor mundi es, ac bestia prodigiosa nec Deus es, nec homo neuter es inter utrumque.

Der Papst ist ein Kuckuck, er frisst der Kirche ihre Eier, und scheißt dagegen eitel Kardinäle aus.

Der Papst ist mächtiger in einem Finger als alle deutschen Fürsten.
i] Zur Zeit der Reformation.

Der Papst ist nicht allein zu Rom, sondern an allen Orten, da man einem Geistlichen den Zaum so weit lässt, dass er meint, Gott und die Religion hang allein an ihm.

Der Papst ist über das Recht, wider das Recht und außer dem Recht.

Der Papst kann kein Recht setzen, womit er unser Landrecht ärgert.
[RSpW]
i] Von der scharfen Scheidung des geistlichen und weltlichen Rechts; jedes hat sein bestimmtes Gebiet; jenes durfte weder das Land- noch Stadtrecht berühren, dieses nicht an das geistliche tasten.
mhd] De paues ne mach nien recht setten, dar he unse lantrecht med ergere.

Der Papst kann nicht sterben.
z] Die Welt will und muss einen Papst haben, dem sie zu Dienst wohl alles glaub, und sollte sie ihn stehlen oder aus der Erde graben; und nehme man ihr alle Tage einen, sie sucht bald einen anderen.
fr] Le pape ne peut mourir.

Der Papst lebt herrlich in der Welt.
i] Anfang eines sehr verbreiteten Volksliedes

Der Papst mitt seiner gantzen rott, lieben das Geld mehr weder Gott.

Der Papst richtet mit seinem Klugen nicht anders dann eine Kuh mit den Augen bei der Nasen.

Der Papst spricht aus ihm.
i] Er ist ein Rechthaber.

Der Papst und ein Bauer wissen mehr als der Papst allein.
it] Sa più il papa e un contadino che il papa solo.

Der Papst und sein rott seynt Engel vor Gott, wie Judas ein zwölffbott; der nam gelt und verriet Gott.

Der Papst und sein verfluchter haufen Himmel und erd um geld verkaufen.

Der Papst verlässt Rom nicht.

Der Papst versteht den Jocus mit fiat hocus pocus.

Der Papst will allzeit ein Stück am Reyff haben.

Der Päpstler Bibelauslegungen sind so grad als der weg vber den Gotthardtsberg nach Italien.

Der Paragraph ist krumm.
Estland

Der Partekensack und almosen tun das best bei armen Schulerlein.

Der Parterpfeil fiel in den Sand.

Der Pasquillus hat's getan.
i] Der Name kommt von einem zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom lebenden Schuhflicker Namens Pasquino, der die Gabe der Spötterei in einem hohen Grade besessen haben soll, daher seine Werkstatt stets von Leuten voll war, die sich an seinen Einfällen ergötzten. Dies gab Veranlassung, wie die einen sagen, eine nach seinem Tode in seinem verschütteten Hause aufgefundene Bildsäule nach ihm zu benennen und alle Spöttereien und Schmähungen, die man öffentlich bekannt machen wollte, an diese Bildsäule anzukleben. Nach anderen wurde nur eine an der Ecke des Palastes Orsini ausgegrabene Säule dort aufgestellt, nach seinem Namen benannt und von der Zeit ab mit spöttischen Bemerkungen behangen.

Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Ein Mensch kann überall zustand kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.
Brecht, Flüchtlingsgespräche

Der Passbrief ins (o. zum) Spital sind Karten und Huren.

Der passt in die Welt.
i] Von einem Lebemann, oder auch von einem Beamten, der fünf gerade sein lässt.

Der Pastor auf der Kanzel verspricht sich ja.

Der Pastor isst nicht viel, aber seine Kinder.
Finnland

Der Pastor ist des Gutsherrn Mundfutter.
Estland

Der Pastor ist kein Has und die Kirche kein Feldhuhn.

der Pastor kommt und strafet dich,

Der Pastor Krumm geht sanft mit seiner Herde um; die Hammel führt er schlafen und wacht dann bei den Schafen.

Der Pastor predigt nicht zweimal (fürs selbe Geld).
i] Wenn man keine Lust hat, alles zweimal zu sagen.

Der Pastor segnet sich selbst zuerst.

Der Pastor singt keine zwei Messen für ein Geld.

Der Pastor und der Schenkwirt gleichen einander, beide wollen Geld: Der eine bietet für Geld Schnaps an, der andere verspricht nach dem Tode das Himmelreich.
Estland

Der Pastor und der Zigeuner gleichen einander, beide betteln um milde Gaben.
Estland

Der Pastor wird ja nicht zweimal Amen sagen.
Estland

Der Pastor, der Hahn und der Hund leben von ihrem Mund.
Estland

Der Pate ist des Paten Nachbar.
Estland

Der Pate ist tot, die Gevatterschafft hat ein end.

Der Pater predigt's (auch) nur einmal.

Der Patient ist besser, sonst spie er auf die Erde, jetzt speit er sich auf die Brust.
Ägypten
i] Von etwas, das sich seinem Ende immer mehr nähert.

Der Patient, so ein faulen schwürigen schaden hat, muss mit strengen mitteln Curiert werden.

Der Pauke ein Loch machen (werfen).

Der Pauker verachtet den Trommler.

Der Pechvogel baut sein Nest in der Nachbarschaft des Falken.

Der Pechvogel stirbt sogar an einem Grießbrei.
Peru

Der Pechvogel verliert's, der Glückspilz findet's.
Abchasien

Der Peitschenknall am jenseitigen Ufer der Donau hat werteren Klang, als der Kuhreigen am diesseitigen.
Bulgarien

Der Pelz ist ihm enge.
i] Er ängstet sich, hat Furcht vor der Strafe u.s.w.
z] O wie enge war mir der Pelz ! A. Gryphius, Geliebte Dornrose

Der Pelz macht den Ofen (o. Backofen) nicht heiß.
Litauen

Der Pelz macht den Ofen nicht heiß.
i] Man kann lange auf dem Backofen liegen, ehe ein Gebäck Brot herauskommt.

Der Pelz reisst, wenn ein teil dem anderen nicht standhafftig treu und glauben hält.

Der Person Freund, der Sache Feind.
i] Streit soll rein sachlich bleiben

Der Personen Freund, der Sache Feind.
z] Das Recht soll man in superiorem oder in arbitrum aliquem werfen; die Personen sollen zufrieden seyn und mittlerweile re suspensa ad superiorem freundlich sich halten. Luther

Der Petrus (29.6.) schwimmt entweder im Schiff daher oder im Schiff dahin.
Oberösterreich
i] Um den Peterstag im Juni pflegt es gern zu regnen.

Der Petrus hat den vordersten Kegel getroffen.
i] So sagt man in Oberösterreich wenn's beim Gewitter einschlägt, wie es scherzhaft, wenn es donnert, heißt: der Herrgott schiebt Kegel.

Der Pfad der Ehre ist aus Schnee gemacht, er schmilzt bald fort.
Slowenien

Der Pfad ist lang, der keine Biegung macht.
en] It is a long lane that has no turning.

Der Pfaff hat's wohl.

Der Pfaff in Waffen, die Jungfer geil, im Märzen Blüte bringt wenig Heil.

Der Pfaff ist ein Narr, der sein Heiligthumb veracht und schilt.

Der Pfaff klatscht in seine Hände, so er läuten hört zum letzten Ende.
la] Clericus applaudit cum signum funeris audit.

Der Pfaff lebt ein Jahr nach seinem Tode.
i] In Bezug auf Geistliche, Lehrer und andere Beamte, deren Familien noch eine gewisse Zeit nach ihrem Tode, meistens drei Monate, auch wohl ein Jahr (Sterbe- oder Gnadenjahr), die Einkünfte fortgewährt werden.
la] Annus deservitus. Annus gratiae.

Der Pfaff liebt seine Herde, doch die Lämmlein (o. Schafe) mehr als die Widder.

Der Pfaff mag singen was er wöll, so spricht Amen darzu sein Gesell.
la] Dum cantat flamen, respondet clericus 'Amen'.

Der Pfaff predigt nur einmal des Tags.

Der Pfaff singt darumb nicht mehr als er kann, und wenn die Kapelle noch so groß.
la] Non canit in templo nisi quod scit presbyter amplo.

Der Pfaff teilt mit dem Bruder, aber nicht der Mönch.
i] Der Weltgeistliche war nicht erbunfähig, aber die ins Kloster getretenen Ordensleute.
mhd] De pape delet mit dem broder unde nicht di monck.

Der Pfaff und die Tochter sind gleich nahe, teilbar Erbe zu nehmen.
[RSpW]
i] Beide erben zwar, aber ihr Erbrecht ist ein geschwächtes, der Bruder nimmt mit zwei Händen, die Schwester mit einer.
z] De pape ende di dochtere sin gelge na deelbaer erue to nemen.

Der Pfaff uns von dem Teufel seit, der Hirt von Wölfen klaget Leid.

Der Pfaff vergisst, dass er ein Schüler gewesen.

Der Pfaff will allzeit, ein stück am reiff haben.

Der Pfaff will haben, aber nicht graben.

Der Pfaff' wird erkoren, der König geboren und der Kaiser öffnet sich selber die Toren.
nl] De paap wordt bij stemmen aangesteld, de keizer met geweld, en de koning door de natuur.

Der Pfaffe bringt keine guten Tage (= Festtage).
Estland

Der Pfaffe gibt kein Opfer wieder.
i] Die Kirche gibt nichts heraus, und was in die Hände ihrer Diener kommt, ist ebenso wenig zurückzuerlangen. Kirche ist nur eine andere Benennung für Pfaffen.

Der Pfaffe hat den Doppelschlüssel zum Himmel und zur vollen Schüssel.

Der Pfaffe meint, in der Welt könne nichts vorgehen, er müsse dabei sein und solle man ihn dazu malen.

Der Pfaffe predigt nur einmal des Tags.

Der Pfaffe schlägt das Opfer aus, wie der Bettler das Almosen (o. wie der Klingler das Brot).
i] Um von etwas ironisch zu sagen, dass es nicht vorkommt, wie: die Katze mag der Fische nicht.

Der Pfaffe war des Bauern Gott und der Gutsherr sein Kaiser.
Estland

Der Pfaffen Ausslegungen vber die heilige Schrifft reymen sich so grad als ein zang auf ein Sau.

Der Pfaffen Beutel und Taschen, Küchen und Keller sind reicher und armer Leute Fegfeuer.

Der pfaffen Datum ist nur nehmen.

Der Pfaffen Gierigkeit und Gottes Barmherzigkeit haben keine Grenze.
sd] Prästens girighet og Guds barmhertighet äro ingen ände uppå.

Der Pfaffen Ketzerei ist selten ohne Reu'.

Der Pfaffen Lug, der Juristen Trug, das Ding unter der Weiber Schurztuch, die drei Geschirre machen die ganze Welt irre.

Der pfaffen Register ist nur: Sol mir; Ich sol gehört den Bauern zu.

Der Pfaffen Seculum seculorum ist ein Teutscher seckel und seckellährung.

Der Pfaffen Sünd' ist allermeist mit Weibelein und heil'gem Geist.

Der Pfaffen und geistlichen regul: frest, sauft, hurt, tut, was jhr wolt, allein wert nicht Lutherisch.

Der Pfaffenkönig.
i] So wurde König Adolf von Nassau genannt. An anderen Stellen wird der Schneekönig und Knoblauchskönig erwähnt.

Der Pfaffensack hat keinen Boden.

Der Pfaff'liebt seine Herde, doch die Schafe mehr als die Widder.

Der Pfaffusack ist triffe.
z] Pfaffen . haben weit Erbel an langen Röcken, damit sie jhren Geitz bedecken.

Der Pfahl, der hervorsteht, wird von den Wellen gepeitscht.
Japan

Der Pfarrer auf der Kanzel verspricht sich ja.
fr] Il n'est si bon prédicateur, à qui la langue ne fourche.

Der Pfarrer baut den Acker Gottes, die Ärzte bauen den Gottesacker.

Der Pfarrer erinnert sich nicht mehr an die Zeit, da er noch Küster war.
Spanien

Der Pfarrer hat ihm die letzten Eisen abgerissen.

Der Pfarrer hat keine gute Predigt, der einen langen Text hat.

Der Pfarrer hat Worte wie Kienspanklötze.
i] Damit will der Finne sagen, dass die Taten desto dünner und kleiner sind.

Der Pfarrer ist auch ein Mensch.
bm] Vsickni jsme lidé, jen pan farář je človĕk.
pl] Wszystkośmy ludzie, tylko ksiądz pleban człowiek.

Der Pfarrer kann eine Stunde reden, dann tun wir, was wir wollen.

Der Pfarrer predigt nicht zweimal.
Ostpreußen

Der Pfarrer predigt nur einmal.
Oberösterreich
i] Als Antwort, wenn jemand nach etwas eben Vernommenen noch einmal fragt.

Der Pfarrer sagt die Lehre nicht zweimal.
Litauen
fr] Il est fils de prestre, il ne dit pas ces choses deux fois.

Der Pfarrer segnet seinen eigenen Bart zuerst.
Griechenland

Der Pfarrer soll trösten in der Not und hat oft selber kein Brot.

Der Pfarrer tauft sein eigenes Kind immer als erstes.
en] The parson always christens his own child first.

Der Pfarrer und sein Küster sind selten gute Geschwister.
dk] En præst haver tit een af tre at drages med herskabet eller fogden, hustrum, degnen eller klokkeren.

Der Pfau braucht seine Federn all, sowie die kleine Nachtigall.
nl] De groote paauw heeft zooveel met zijne veren te doen als de kleine nachtegaal.

Der Pfau hat adlig Gewand, diebischen Gang und teuflischen Sang.

Der Pfau hat englisch (adelich) Gewand, diebischen (gleissnerischen) Gang und einen teufflischen Gesang.
i] In der Ukraine hält man nicht nur den Gesang des Pfauen für teuflisch, man glaubt überhaupt, dass er im nahen Verhältnis zum Teufel stehe.
bm] Páv má, krásu andĕlskou, chod zlodjĕský, hlas dábelský.
bm] Páv má peří jako andĕl, krok jako zlodĕj, hlas jako čert.
la] Angelus est pluma, pede latro, voce gehenna.
la] Est tibi vestis enim candida, nigra caro.
la] Rara avis in terris alboque simillima Cygnos.
pl] Strój anielski, chod złodziejski, głos diabelski, a mięso baranie u pawa.

Der Pfau hat englisch Gewand, diebischen Gang und einen teuflischen Gesang.
Ukraine

Der Pfau hat seinen Verstand im Schwanz(, der Mensch im Kopf).

Der Pfau ist schön durch seine Federn, die Frau durch ihren Mann.
Russland

Der Pfau ist um seinen Schwanz besorgt, der Edle um seine Ehre.
China

Der Pfau kennt nichts Schöneres als seinen Schweif.

Der Pfau klagt, dass er nicht der Nachtigal stimme hat.

Der Pfau prangt nur mit seinem eigenen Schwanz.
i] Eitle Weiber prunken mit fremdem Schmuck (Federn, Haar).

Der Pfau trägt lieber den Schwanz als die Beine zur Schau.

Der Pfau verbiss seinen Ärger.
i] Wenn ein eitler Mensch in einer Gesellschaft unbeachtet bleibt oder zurückgesetzt wird.

Der Pfau versteckt seinen Fuß, wenn von seinem Schwanz die Rede ist.
Jamaika
i] Sein Fuß ist hässlich

Der Pfeffer bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erd'.
i] Bei allen sehr reizbaren, mit leicht beweglichen Fasern begabten, also besonders weiblichen Körpern bringen Reizmittel, wie Pfeffer, überhaupt Gewürze, Weine, leicht eine Überreizung hervor. Das Blut wird dadurch in eine heftige Wallung gesetzt, der Kreislauf auf eine stürmische Art beschleunigt und die Kräfte des Körpers werden vor der Zeit erschöpft. Auf Männer indes, die viel Strapazen auszuhalten haben, können die genannten Reizmittel wohltätig wirken. Nach einem holländischen Sprichwort hat der Pfeffer in Verbindung mit Baumwolle eine ganze Stadt aufs Pferd gebracht.

Der Pfeffer hilft dem Mann aufs Pferd, dem Weibe unter die Erd',

Der Pfeffer hilft dem Mann aufs Ross, dem Weib aber ins Gras.
Schwaben
ndt] Der Pfeffer hilft 'em Rüter uff's Pferd und 'em Wybervolch i d' Erd'. Solothurn
nl] Het wit (katoen) en zwart (peper) hebben Venetië rijk gemaakt.
nl] Peper helpt de mannen te paard, en de vrouwen onder de aarde.

Der Pfeffer ist ihm in die Nase gefahren.
en] To take pepper in the nose.

Der Pfeffer ist klein doch scharf.
Ungarn

Der Pfeffer ist schwarz und doch will jeder davon haben.
fr] Le poivre est noir, et si chacun en veut avoir.

Der Pfeffer wächst nicht in der lüneburger Heide.
sd] Peparen wäxer intet på hälleberget.

Der Pfeffer war ihm teuer.

Der Pfeife Pech, böse Gewalt.
Estland

Der Pfeifer findet leicht einen Fiedler.
bm] Trefil jonák na jonáka. Trefil pistec na bubeníka.

Der Pfeil altert nicht.
Kenia

Der Pfeil des Mundes tötet viel Wild.
Kongo

Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurück,
Der zu verwunden glaubt.
Goethe (1749-1832), Tasso A IV Sz 4 (Tasso) Vs 2567

Der Pfeil eines Narren ist rasch verschossen.
en] A fool's bolt is soon shot.

Der Pfeil fährt oft auf den Schützen zurück.
i] Wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umkommen

Der Pfeil findet auch das Meischen wohl.

Der Pfeil in eines andem Körper ist so, als wäre er im Köcher.
Afrika

Der Pfeil krümmt sich nicht, wenn der Zobel getroffen ist, aber der Zobel krümmt sich.
Russland
la] Saepe in magistrum scelera redierunt sua. Seneca
la] Saepe intereunt aliis meditantes necem.

Der Pfeil prallt oft auf den Schützen zurück.
i] Das rohe Wort trifft den Urheber. Osmanen.

Der Pfeil trifft nicht immer den Mann, den er bedroht.
Niederlande

Der Pfeilschmied wird durch den eigenen Pfeil getötet.
i] Von denen, die sich durch ihr Reden oder Handeln selbst schaden.

Der Pfeilschmied wird oft von seinem eigenen Pfeil getötet, von seiner Hände Werk wird er bezahlt.
Hebräer

Der Pfennig betrübt manch Herz.

Der Pfennig bleibt bei keinem armen Mann.

Der Pfennig ernähret manchen Bauer, um ihn wird sein Narung sauer.

Der Pfennig fleucht arme Leut.

Der Pfennig für die Herberge ließ den Maultiertreiber sein Maultier verlieren.
Libanon
i] Er wollte sparen und ließ das Tier draußen

Der Pfennig gehet zu Rat, wenn der Heller hinter der Tür steht.

Der Pfennig gilt nirgends mehr als da, wo er gemüntzt ist (o. geprägt, geschlagen).
nl] De penning geldt nergens minder dan daar, waar hij gemunt is.
sd] Penningen giäller altid mäst der han än myntad.

Der Pfennig hält keinen Armen lieb.

Der Pfennig hat gar großen gwalt, ihn ehren gmeinglich jung und alt.
la] In terra summus rex est hoc tempore nummus.

Der Pfennig hat hundert Wege.
z] Der Pfenning hundert Wege hat.

Der Pfennig hat stets den Hut in der Hand, um zu reisen über Land.
nl] De penningen hebben altijd de muts in de hand, om oorlof te nemen.

Der Pfennig ist der Anfang der Million.
Finnland

Der Pfennig ist ein rechter Dieb.
i] Weil einer den anderen holt, der Kapitalpfennig den Zinspfennig.

Der Pfennig ist ein Schalk.
sd] Penningen är en skalk.

Der Pfennig ist gern da, wo man ihn ehrt.
sd] Penningen är gjärne der han blijr ärad.

Der Pfennig ist gut angelegt, der einen Taler trägt.

Der Pfennig ist gut angewandt, der einen Groschen erspart.

Der Pfennig ist nicht gern allein.
nl] Het pennigeken will een broêrtje hebben.

Der pfennig ist nynert alz geneme als do er geschlagen ist.
z] Darum sagt ein Sprichwort: Der Pfennig ist nirgends werter und angenehmer, denn da er geschlagen worden.

Der Pfennig ist schwer zu halten, welcher hinaus soll (will).

Der Pfennig ist simpel und rund und läuft darum in kurtzer stund.

Der Pfennig ist vor Armut gut.
mhd] In allem teütschen Reich waisz ich chain pesser ding für armut, dann den pfenning.

Der Pfennig ist wohl angewandt, der einen Groschen erspart.
en] Tat penny is well spent tat saves a groat.
en] The half penny is well spent tat saves a penny.
en] The penny is well spent, which saves a groat.
fr] Bonne la maille qui sauve le denier.

Der Pfennig ist wohl aussgeben, dafür erkauft man Fried und Leben.

Der Pfennig macht die Toren weise.

Der Pfennig macht, dass der Mann kracht.

Der Pfennig möchte gern für einen Groschen gelten.
dk] Hver vil holdes for meere end han er, og meener sig at agtes mindre end han er værd.

Der Pfennig sagte, wo ich nicht bin, da ist alle Freundschaft hin.

Der Pfennig soll wuchern, darum ist er geschlagen.
z] Der Pfennig ist darumb geschlagen, sagen viele, das er wuchern soll, sonst were er nicht anders, den eine gelde Khu, die keine Milch gebe.

Der Pfennig stifftet große Schand.

Der Pfennig will immer obenan sein.
sd] Penningen will altid gå före.

Der Pfennig wird hoch geehret.
i] Der Pfenning wirdt geehret hoch; um Geldts willen liebt mann einen hoch.

Der Pfennig, den man erspart, ist so gut als der Pfennig, den man erwirbt (gewinnt).
en] A penny saved, is a penny.
it] Quattrino risparmiato, due volte guadagnato.
la] Non minor est virtus quam quaerere parta tueri. Ovid

Der Pfennig, umgedreht, wird zur Semmel.
i] Aus Kleinem wird Großes, und im Verkehr macht man aus Pfennigen Groschen und Taler. Rascher Umsatz tut's.

Der Pfenning ist der best Gefährte in allen Landen.

Der pfenning scheint in hohem grad, ohn' pfenning niemand ehre hat.
la] Nummus honoratur, sine nummo nulla amatur.

Der Pferdedieb begann als Hühnerdieb.
Sudan

Der Pferdedieb wurde gefangen wegen einer gestohlenen Nadel.
Russland

Der Pferdedreck schrie mit aller stimmen: wie tun wir Äpfel einherschwimmen.

Der Pferdefuß schaut heraus.
i] Hinter dem freundlichen, Vertrauen erweckenden Äußern verbirgt sich Falschheit und Gefahr.

Der Pferdemist will immer mit unter den Äpfeln sein.

Der Pferdsdreck vnter den öpffeln schwimbt.

Der Pflaumenbaum trägt nur Pflaumen, wohin man ihn auch pflanzen mag.

Der pflückte die Blume der Weisheit ab,
Wer der Hoffnung den Abschied gab.
Leop. Jacoby, Cunita

Der Pflug am Morgen macht die besten Furchen.
nl] De beste ploeg gaat's morgens vroeg.

Der Pflug bringt das Licht aus der Stube, die Sichel holt es in die Stube.

Der Pflug erhält die Welt.
z] Wie sie sich auch windet, dem Pfluge folgt die Welt; drum ist das Pflügen, wenn auch voll Plagen, das Haupt.

Der Pflug gleicht dem Vogel, der im Frühling am schönsten singt.

Der Pflug hat eine eiserne, der Karst eine silberne, der Spaten eine goldene Spitze.
it] L' aratro ha la punta di ferro, la zappa l' ha d' argento, la vanga ha la punta d' oro.

Der Pflug hilft nicht, wenn der Pflüger den Pflug nicht zu tragen vermag.

Der Pflug ist die Grundlage aller Künste.
Pandschab, Indien

Der Pflug ist ihm gezogen durch Backen und Stirn.

Der Pflug ist kein Räuber, das Korn egg' mit dem Dorn, Korn hinter dem Schorn. Köln

Der Pflug ist König, der Laden (o. die Werkstatt) Königin, jedes andere Geschäft trägt den Stempel der Hölle.
Pandschab, Indien

Der Pflug ist mehr als Gold.

Der Pflug macht die letzte Furche.
fr] La charrue est à sa derniere roye.
la] Aratrum vltimum attigit sulcum.

Der Pflug mit den Pferden soll friedlich und sicher sein.
z] So sal der Phluch mit den Pherden . vrilik und zic êr sin.

Der Pflug nährt einen Menschen, Handel nährt tausend Menschen.
China

Der pflügende Bursche hat das Pfeifen im Mund, der Vogel im Wale das Lied im Mund.
Estland

Der Pflugochs hat keine Klauen.
Estland

Der Pflugtreiber ist auf den Füßen höher als der Edelmann auf den Knien.

Der Pfuscher hat Brot und der Meister hat Not.
i] Wenn Gleisner besonderen Zulauf haben

Der Phantast sägt so lange an seinem Ast, nicht bis der Ast, sondern bis die Säge entzwei ist.

Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor den anderen.
Friedr. Nietzsche

Der Pharus von Alexandrien ist nun gefallen. Gott bewahre uns, sagten sie, vor dem bloßen Staube desselben.
Ägypten

Der Philosoph von Sanssouci.
i] Wie sich Friedrich der Große in der ersten Sammlung seiner Werke selbst nannte und später allgemein genannt wurde.

Der Piaster des Geizhalses ist ein Stein.
Libanon
i] Er wird nicht in Bewegung gebracht

Der Pîkenier macht mir gar viel Plaisir.
Holstein
i] Erwiderung des hoffnungsvollen Spielers auf die obige Redensart seines Mitspielers.

Der Pilger findet den Pilger in Mekka.
tü] Hacı hacıyı Mekke'de bulur.

Der Pilgermantel macht den Derwisch nicht.
i] Der Pilgermantel ist die Bekleidung, welche die Mekkapilger am vorletzten Tage der Wallfahrt zum Einzuge in die heilige Stadt anlegen müßen. Sie besteht aus zwei Stücken weissbraunen wollenen Zeuges, lässt den rechten Arm entblösst, den kahlen Kopf unbedeckt, setzt bei Tage dem Sonnenstich, bei Nacht der Verkältung aus. Sie soll große Gottergebenheit u.s.w. bekunden. Mekkapilger und Derwische stehen jedoch in keinem bessern Rufe als unsere Wallfahrer und Mönche.

Der pilgert in den Himmel, wie eine Sau ins Mausloch, sagte der Narr, als er den Propst auf der Pilgerfahrt sah.

Der Pilot sitzt am Steuer still und lenkt das Schiff doch wie er will.

Der Pilwiss hat ihn geschossen.
i] Alter Name für Hexe, Kobold, Zauberer. Das Wort kommt unter vielen Gestalten vor: pilwîs, pilwiht, pilbiz u.a.m. Davon Bilwisszotte = verworrenes Haar, Weichselzopf, Wichtelzapfen.
z] Pilwizen, Zoten, und Fasen.
z] Ihr Haar verpilwizet, zapfet und streblet.
z] Sie werden gescholten für Pilwizen und Huren (Hofhuren).' Aeltere: 'Da kom ich an Pilwizberg gangen, da schoss mich der Pilwiz, da schoss mich die Pilwizin, da schoss mich alls ihr Ingesind.
z] Sin Bart het manchen Pilwizzoten.
z] Du wulfin, preckin, unhuld, pilbitz.
z] Die da sagen, das sie mit der Perchten und bilbissen oder truten farn auf den Pruckelperg.

Der Pilz auf der Spitze des Berges meint, er mache den Berg.
Russland

Der Pilz ist des Auerochsen Fleisch.
Estland

Der Pilz ist einbeiniges Hammelfleisch.
Estland

Der Pilz, der auf dem Ural wächst, nennt sich den Großvater der Berge.
Russland

Der Pilz, der auf den Bergen wächst, erzählt gern von der Palme.
Russland

Der Piment reifte nicht in der Saison eines anderen.
Gabun

Der Pimmel und die Möse sind sich niemals böse.

Der Pinsel ist selbst dem Schwert an Stärke überlegen.
i] Der Pinsel ersetzt in und unsere Feder, ist also nicht bloß ein Malwerkzeug.

Der Pinsel versehrt gleich einem Schwert.
China

Der Pitt fragt den Dreck, frisst Hühner und Gänse weg.

Der Plan scheiterte nicht heute; er scheiterte auf dem verpassten Treffen.
Kenia

Der Plan tötet, die Waffe macht nur die Tat.
Kenia

Der Platz der Frau ist entweder das Haus ihres Mannes oder ihr Grab.
Afghanistan

Der Platz ehrt nicht den Menschen, sondern der Mensch den Platz.

Der Platz eines ungeladenen Gastes ist hinter der Tür.
Ungarn

Der Platz macht einen nicht gelehrt.
la] Nulla ars loco discitur.

Der Platz schändet die Person nicht, sagte der Bürgermeister, als er auf einem Misthaufen lag.

Der Plunder vom Elsass.
z] heißt ein großes über Land und Meer kommendes Erbe.
i] Wie man in ähnlicher Weise sagt: ein holländisches Erbe machen.

Der Po würde Po nicht sein, flösse nicht die Adda und der Tessin hinein.
it] Il Po non sarebbe Po, se l' Adda ed il Ticin non ci mettesser co' (= capo).

Der Pöbel ist der Teufel.

Der Pöbel ist ein Tier mit viel Füßen ohne Haupt.
dk] Almuen er et dyr med mange hoveder.
it] Non è bestia piû pazza che quella del popolo.

Der Pöbel ist so beständig als das Aprillenwetter.

Der Pöbel ist wie Sand, darauf nichts zu bauen, er wird vom Winde zerstreut.
la] Nihil est incertius vulgo.
la] Vulgus imperitum et mutabile.

Der Pöbel ist wie Wasser, leichte Dinge trägt's, schwere sinken unter.

Der Pöbel kann's nicht ertragen, so er vom Regiment ausgeschlossen ist.

Der Pöbel macht die Herren weise.

Der Pöbel misset die freundschafft am nutz wie tuch an einer ellen.
la] Vulgus amicitias utilitate probat.

Der Pöbel sucht Neuerung.
i] Stets den Umsturz des Bestehenden, weil er nichts zu verlieren hat, wohl aber bei jeder Unordnung gewinnen kann.

Der Pöbel verzeiht niemandem einen Makel.
es] No perdona el vulgo tacha de ninguno.

Der Pöbel will stets die Hand mit im teig haben, wenn man im Regiment Brodt backen will, dass es ihnen schmäcklich sey.

Der Podex wächsten wull nich vu Tiljauche (Pfützenwasser), doss a su fett is.
Schlesien

Der Poet im Dorfe sein, ist nicht gut.
i] Man ist zu vielerlei Anfechtungen und Zumutungen ausgesetzt.

Der Poet wird geboren, nicht gemacht.
la] Poeta nascitur, non fit.

Der Pöfel will mit gewalt regiert sein.

Der Pol' an einem Tag oft mehr vertrinkt, als was ein Deutscher im Leben erringt.
i] Bezieht sich auf die maßlose Schwelgerei und Verschwendung des polnischen Adels.

Der Pol und Böhm haben einander lieb; kommt darzu ein Ungar, so sinds drei rechte Dieb.

Der Pole ist ein Dieb, der Preuß ein Verräter (seines Herrn), der Böhme ein Ketzer, der Schwab ein Schwätzer.
la] Quum in Sarmatia essem, audivi esse proverbium inter Germanos qui ibidem morabantur: Polonus fur est, Prutenus proditor domini, Boëmus haereticus et Suevus loquax.

Der Pole ist zum Unterdrücken da und der Bauer zum Aushalten.
Ukraine

Der Pole wird (nur) durch Schaden klug (wenn er es wird).
i] Nachdem der polnische König Mieczyslaw 1034 zu Krakau gestorben, übernahm seine Gemahlin Rixa die vormundschaftliche Regierung für ihren minderjährigen Sohn Kasimir. Ihre Regierung trieb bald alle Klassen des Volks zum Aufstande. Sie floh mit ihrem Sohne. Jetzt wurde in einer Reihe von Jahren das Land auf eine furchtbare Weise verwüstet, bis 1040 auf Veranlassung des Erzbischofs von Gnesen der junge König zurückberufen und dadurch die Ruhe wiederhergestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit tat der Erzbischof den obigen Ausspruch, der in ein Sprichwort überging.

Der Pole wird betrogen vom Deutschen, der Deutsche vom Italiener, der Italiener vom Spanier, der Spanier vom Juden und der Jude vom Teufel.
Polen

Der Pole würde eher am Sonntag ein Pferd stehlen als am Freitag Milch oder Butter essen.

Der Polizist hat an seinen Schuhen Schnüre, aber sein Monatslohn besteht aus Kuhbohnen.

Der Polnisch gotsdienst, ein Boemischer Mönch, ein Schwäbische Nonn, ein Österreichischer kriegsmann, der welschen andacht und der Teutschen fasten gelten nit ein bonen.
Von 1541

Der polnische Goethe.
i] Es ist damit der polnische Dichter Adam Mickiewicz gemeint

Der Pope hört selbst im Traum Glockengeläut.
Russland

Der Pope ist ein Heiliger vor dem Dorfe, aber nicht vor den Mägden seines Hauses.
Rumänien

Der Pope nimmt's von den Lebenden und von den Toten.
Moldawien

Der Pope und der Hahn singen auch ohne gegessen zu haben.
Russland

Der Pope wartet auf die Leiche des reichen Mannes, der Richter auf den Prozeß des Freigebigen.
Russland

Der Popelmann kommt.
i] Eine Redensart, mit der man die Kinder schon in früher Jugend furchtsam macht, damit sie in der Folge das für einen guten Kirchen- und Staatsbürger erforderliche Autoritätsbewusstsein besitzen.

Der Postbote bringt nicht immer gute Kunde.
dk] Tit længes man efter posten og bedrøves dog ved dens bud.

Der Postschwede.
i] Die Schweden hatten im Dreissigjährigen Kriege in den von ihnen besetzten Teilen Deutschlands unter Verwendung von Dragonern eine Art von Feldpostdienst zur Herstellung der Verbindung zwischen den Standorten der einzelnen Truppenteile mit dem Hauptquartier sowie mit der Heimat eingerichtet. Diese schwedischen Dragoner, welche sich wahrscheinlich auch wohl mit der Mitnahme von Briefen an Privatpersonen befassten, erhielten im Munde des Volkes die Bezeichnung >Postschweden<, welche sich bisjetzt erhalten hat und scherzweise noch zur Anwendung kommt.

Der Pracher (Bettler) hat Hochzeit.
i] So sagt man, wenn jemand, der sonst nur mit einem kleinen Licht sich behilft, deren zwei anzündet.

Der prahlende Arzt hat niemals gute Arznei.
China

Der Prahler hat nichts, wenn der Barmer nichts hat.
i] Wer klagt, hat eher etwas, als wer prahlt.

Der Prahler ist des Lügners Bruder.
Jamaika

Der Prahler prahlt, er könne Gold schmieden, und er kann nicht einmal etwas zum Brei (o. für den Brei) mahlen.
Litauen

Der Prahler stirbt, ehe seine Tage gezählt sind.
Haussa, Afrika

Der Prahler und da Floh, die hupfn gleich hoch.

Der Prahler und der Floch (Floh), die hupfen gleich hoch.

Der Prahlhans steckt sich gern die Federn des Pfaus an.
it] Allo spaccone gli piace mettersi le penne del pavone.

Der Prasser gräbt sein Grab mit den Zähnen.
Indien

Der Prattigmacher macht d' Prattig, der Herrget 's Wätter.
i] Prattig = Kalender, das praktische Buch, aus dem lateinischen Practica.

Der Präzedenzfall ist ein Urteil, das ein Prinzip konserviert.
Disraeli

Der Prediger gehört in die Kirche.
i] Also nicht in die Schenke und an den Spieltisch.

Der Prediger predigt nicht zweimal. Danzig

Der predigt am besten, der am besten lebt.
it] Per ben predicare bisogna prima fare.

Der Predikant vo Lüslige hat Läderhose n'a, mit Zwilche-n-überzoge und Charresalbe d'ra.
Solothurn
i] Dieser Spruch soll in der Zeit der Reformation entstanden sein und sich auf einen der ersten reformierten Prediger jener Gegend beziehen.

Der Pregel (Schlossteich) muss alle Jahr ein Opfer haben.
Königsberg

Der Preis deines Hutes gibt nicht die Größe deines Gehirns an.
Schwarze in den USA

Der Preis deines Hutes zeigt nicht die Größe deines Gehirns.
USA

Der Preis wird vergessen, die Qualität bleibt.
Frankreich

Der Preußen Glaub' und harte Reu', der Spanier und Wenden Treu sammt der Italiener Andacht werden von niemand hoch geacht.
i] Schon in alten Zeiten war man ungerecht genug, über ganze Völkerschaften mit einem Worte abzuurteilen und alles in einen Topf zu werfen. So hießen z.B. die Franken treulos, und die Longobarden sah man für so demoralisiert an, dass man behauptete, sie seien so stinkend, dass sie nicht einmal eine Nation zu heißen verdienten, ein Urteil, das besonders die Römer über sie fällten. Sie hingegen nannten einen, den sie recht arg beschimpfen wollten, einen 'Römer'. So ungerecht in Lob und Tadel ist man noch jetzt. Der Schwabe heißt den Sachsen dumm, der Sachse den Schwaben falsch. Der Schweizer heißt durchgehends ehrlich, der Spanier träge, der Franzose ein Windbeutel, der Italiener ein Spitzbube, der Preusse pfiffig u.s.w.
z] Im Lateinischen, woraus diese Reime entlehnt sind, heißt es ausdrücklich: Italorum devotio, Prussorum religio, Gallorum constantia, nihil valent omnia. Muthmasslich rühren die Verse von einem Mönche her, den es verdross, dass die Preußen mit unter den ersten gewesen, welche den päpstischen Aberglauben fahren ließen.

Der Priester befiehlt's dem Alumnus, der Alumnus dem Kirchendiener.
Serbien

Der Priester beglückwünscht sich, wenn er von einem Trauerfall hört.
la] Clericus applaudit, cum casum funeris audit.

Der Priester bestreicht alle seine Kranken mit einer Salbe.

Der Priester hat es bald vergessen, dass er Kaplan gewesen.
en] The priest forgets tat he was clerk.

Der Priester ist immer auf seiten der Herde und gegen den Einzelnen.
England

Der Priester ist mehr als Ackersmann, denn er baut den Himmel an.
i] Ein wettinger Mönch predigte einst über die Priesterwürde und die sakramentalische Gewalt des Geistlichen. Die Hoheit ihres Standes darstellend bediente er sich des obigen Wortes und fuhr dann fort: 'Der Geistliche ist mehr als ein Kaufmann, denn er handelt mit ewigen und himmlischen Waren. Er ist mehr als ein Kriegsmann, denn er streitet mit dem Satan. Er ist mehr als ein König und Kaiser, denn er ist ein Stellvertreter des Königs aller Könige. Er ist mehr als ein Heiliger, denn vor ihm, wenn er erscheint, müßen sich alle Knie beugen im Himmel und auf Erden. Ja, die Hoheit des geistlichen Standes ist ganz überschwenglich und unaussprechlich. Denn seht an das große Weltgebäude mit Land und Meer, mit Sonne, Mond und Sternen und Millionen wunderbarer Geschöpfe, wer hat das alles gemacht? Gott, der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erden, und zwar aus nichts; aber doch brauchte er sieben Tage dazu. Wie aber der katholische Priester? Seht welche Gewalt und Macht der hat! Tagtäglich in dem Opfer der heiligen Messe macht er sogar Gott, diesen allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, und zwar auch nur mit einem bloßen Worte und nicht in sieben Tagen, sondern in einem einzigen Augenblicke. Und also hat Gott dem katholischen Priester noch größere Allmacht gegeben, als er selber hat.'

Der Priester ist nie sen alt, de Winter nie se chalt, das er si nid darüber beschwert, so lang dass es Opfer währt.

Der Priester lebt vom Altar.
fr] Il est juste que le prêtre vive l'autel.
fr] Le prêtre vit de l'autel.

Der Priester muss die Messe lesen, wenn's Zeit ist.
fr] A envis ou volentiers convent au sene aller le prestre.

Der Priester muss ein Vogt der Wahrheit sein.
[RSpW]
i] Obgleich der Priester als gerichtsstandunfähig kein Zeugnis ablegen konnte, so wurde ihm doch gelegentlich, worauf sich das obige Sprichwort bezieht, sogar die Glaubwürdigkeit zweier Zeugen beigelegt.

Der Priester segnet mit der einen Hand und langt nach dem Opfer mit der anderen.
bm] Knĕz nikdá nemá dosti, jednou rukon zehná a druhou béře.

Der Priester soll trösten in der Not, und es fehlt ihm oft selber das Brot.

Der Priester tauft seine eigenen Kinder zuerst.
Schottland

Der Priester tut mehr denn der Arzt.
i] Mehr vielleicht, aber selten Ersprießliches und Nothwendiges.

Der Priester und der Hahn singen rnit leerem Magen.
Russland

Der Priester und der Hund verdient sein Brot mit dem Mund.

Der Priester und seine Maid haben gleiche (eine) Zeit.
bm] Dokud knĕze stáva, i kuchařka vládne, a jak ho není, i ta zapadne.

Der Priester wird sterben, der Arzt wird dieses Leben verlassen, und auch der Zauberer wird nicht verschont.
Sudan, Yoruba

Der Priester Zänkerei ist des Teufels Jubelei.
bm] Knĕzská sváda, d'áblova svatba.
dä] Præsten bogen, bonden plogen.

Der Priester Zänkerei, des Teufels Jubilei.

Der Prinz ist niemals schuldig an seines Vaters Hof (Gericht).
Nigeria

Der Privatmann hat das beste Leben.

Der Privatnutz ist der Gemeinde Schaden.

Der Privatwahn soll dem gemeinen Wahn weichen.

Der Probierstein bewährt das Gold, das Gold die Menschen, die ihm hold.

Der Prophet gilt im eigenen Land nichts.

Der Prophet gilt in der Fremde mehr als daheim.
la] Multi suam rem bene gessere et publicam, patria procul. Cicero

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Der Prost hat schon manchem 's Häusle kost.
Oberschwaben

Der Prozess hängt am Nagel.
i] Liegt, stockt.
dä] Længe ligger sag i salte, vel den der godt giør.

Der Prüfstein für Gold ist Feuer, für eine Frau, Gold, für einen Mann, eine Frau.
USA

Der Prügel ist der Narren Vernunft.

Der Pudel apportiert dem, der ihn füttert.

Der Pulacke schläd'n (schlägt ihn) doch immer ei a Nacken.
Schlesien
i] Der frühere Stand und Beruf, die ehemalige Beschäftigung, Gewohnheit, Lebensweise, die schon lange aufgegeben ist, macht sich manchmal plötzlich noch geltend oder die Eigenheiten des jetzigen Berufs treten bei unpassender Gelegenheit hervor. Ebenso sagt man: Der Advokat, der Bauer, der alte Diebsgesell, der Geistliche, der Krautjunker, Lateiner, der Schulmeister, der Student, der Zechbruder u.s.w. schlägt ihn ins Genick oder in den Nacken. Die Entstehung der Redensart wird in folgender Weise erzählt: In einer Gesellschaft von Zechbrüdern war ausgemacht, dass, wenn der Vorsitzende sein Glas hob, jeder rufen musste: 'Der König trinkt!' oder eine Strafe zu zahlen hatte. Ein Pater war Mitglied der Gesellschaft, und da er öfter den Ruf unterlassen und sich dadurch Strafe zugezogen hatte, verabredete er mit einem gefälligen Nachbar, dass ihn dieser jedesmal, wenn zu rufen war: 'Der König trinkt', in das Genick schlagen oder in den Nacken stoßen musste. Das war oft geschehen, als sich einmal der Pater vom Zechgelag weg in die Kirche begab, um Messe zu lesen. Während der stillen Messe schlief er ein und um ihn, als es nötig wurde, zu wecken, stieß ihn der Messner in den Nacken. Da erscholl durch die Kirche ein dröhnendes: 'Der König trinkt.'

Der Punkt gewährt zwar eine hübsche Aussicht, aber er ist unbequem, sagte der Dieb, als er an den Galgen sollte.
en] I'm particularly uneasy on this point, as the fly said when the young gentleman stuck him on the end of a needle.

Der Putz der Töchter verschwendet die Ernte.

Der Putzaus und der Kehraus bringt kein Brot ins Haus.

Der Quark liegt ihm nahe beim Herzen.
i] Er gerät leicht in Zorn.

Der Quark muss seinen Mann stellen, wenn der Keller die Butter totgeschlagen hat.
Wendische Lausitz

Der Quell kann kein anderes Wasser geben als der Berg.
Russland

Der Rab frisst Diebsfleisch, darum ist er diebisch.
z] Und darumb ist der Storck fromm, dieweil er Frösch isst, gleichwie der Rapp diebisch, weil er Diebsfleisch frisst, und die Charthuser dumme und stumme vnfläter, weil sie flegmatisch Fisch fressen.

Der Rab verändert seine Stimme nach dem Wetter.

Der Rabbi ist groß, wenn er ein paar kleine Jüdlein hat.
Jiddisch

Der Rabbi trinkt allein den Wein - danach heißt er die anderen fröhlich sein.
Jiddisch

Der Rabbi trinkt für sich allein den Wein und heißt danach die andern fröhlich sein.
Jiddisch

Der Rabe badet sich oft und wird doch nicht weiß.

Der Rabe denkt gut von seinen Küken.
Färöer - Inseln

Der Rabe erzieht seine Jungen, bis sie ihres Weges fliegen.

Der Rabe geht nicht umsonst zur Krähe, sondern weil sie seiner Gattung ist.
i] Umgang mit seinesgleichen.

Der Rabe hat acht Junge, die Krähe fünf blutige Klumpen.

Der Rabe hat der Krähe nichts vorzuwerfen (nichts aufzuheben).

Der Rabe hat der Krähe nichts vorzuwerfen.

Der Rabe ist der Paria der Vögel, und der Esel der Paria der Vierfüßer; aber der Paria der Beschaulichen ist ein jähzorniger Büßender, und der Paria der Parias ist der Mensch, der seinesgleichen verachtet.
Indien

Der Rabe ist nicht schwärzer als seine Flügel.
i] Bei übertriebener Schwarzseherei
sp] No puede ser el cuervo más negro que sus alas.

Der Rabe kann nicht schwärzer sein als er ist.

Der Rabe kann nicht schwärzer sein als seine Flügel.
Spanien

Der Rabe küsste das Hühnchen bis zum letzten Federchen.

Der Rabe lässt das Stehlen nicht.

Der Rabe macht den Raben nicht schwarz.
Böhmen

Der Rabe schilt die Krähe, dass sie schwarz ist.

Der Rabe schnappt nach Aas, der Bär nach Honig.
i] Weil Art nicht von Art lasse, sollten auch nach mittelalterlicher Ansicht die edeln Eigenschaften eines Ritters (des Adels) wie die unedeln des (Leib-)Eigenen, Unfreien im Blute fortwallen; so war angeblich dem Edelmann Weisheit, dem Knechte Schalkheit angeboren.
mhd] De Bahre schnappet na dem Honnige, de Rave na dem Ahse.

Der Rabe singt nicht schön, aber er hebt den Kopf, wenn er geschrien.
i] Er bildet sich was darauf ein.

Der Rabe spricht gern von den Wolken, aber der Adler wohnt in ihnen.
Orient

Der Rabe stiehlt, und der Taube würgt man den Kopf ab.
dk] Duen maa bøde og ravnen stiel frit.

Der Rabe sucht die Augen, der Hund frisst das Gedärm, und der Wolf verzehrt den Rest.
la] Effossos oculos vorat alto gutture corvus, intestina canis, caetera membra lupi.

Der Rabe verspottet die Krähe wegen ihres schwarzen Gefieders.
Russland

Der Rabe verzehrt die Augen, der Hund die Eingeweide, das Übrige der Wolf.
i] Wenn räuberisches Gesindel sich vereinigt, lässt es anderen nichts übrig
la] Corvus oculos voret, canis intestina, caetera membra lupus. Catull

Der Rabe zählt sich nicht zu den Adlern, aber die Dohle tut es.
Russland

Der Rabe, der den Kormoran nachahmt, muss viel Wasser schlucken.
Japan

Der Raben Bad und der Huren Beichte sind unnütz.

Der Rabulen und Soldaten gut selten haften tut.

Der Rache sind die Hände ans Herz gebunden.

Der Rachen der Zeit zerbeisst nicht bloß Bauern, er verschlingt auch Sultane.
Ägypten

Der Rachen des Wolfs ist rot, wenn er auch kein Schaf zerrissen hat.

Der Racker von Staat.

Der Rädelsführer sein.
i] Einige Scharen Bauern im Bauernkriege (1525) hatten Fähnlein mit einem Glücksrade. Die Form desselben war ein Pflugrad. Seine Bedeutung ging aber nicht auf Rad, als Ackergerät oder gar als Strafwerkzeug, sondern auf Glücksrad. Darauf bezieht sich auch der Ausdruck Rädelsführer. Andere hatten ein Insiegel, worin eine Pflugschar, durch welche kreuzweis ein Dreschflegel und ein Rechen ging, auch wohl eine Mistgabel mit drei aufgerichteten Zinken und einem Bauernschuh.
z] Diese Redensart entstand von einem Tanze, wo einer den Reihen, Reigen, oder das Rädel anführte, Choragos war. Damit stimmt auch der slawische Literat Kopitar überein, wenn er sagt: Rädelsführer ist der Anführer des Tanzes, von Rädel, Reigen, slawisch kolo.
fr] Il mene le branle.
fr] Mener la bande.

Der Raffelzahn (Tod) steht vor seiner Tür.

Der Rahm ist schon abgehoben (o. abgeschöpft).
nl] De room is van de melk.

Der Rahm ist schon von der Milch geschöpft.

Der Range schlag' dich um.
z] Diese Redensart ist speziell elsässisch. Sie rührt von dem vortrefflichen, aber sehr starken und, im Übermaß genossen, auf die Nerven höchst verderblich wirkenden Rangenweine her, der zu Thann im Oberelsass wächst.
z] Im Rangenwein zu Dann steckt der heylich Sankt Rango, der nimbt den Rang und kringt so lang, biss er einen rängt und trängt vnder die Bänck. Er soll namentlich auf die Waden wirken, die beim Aufstehen, während der Kopf frei geblieben ist, zusammenbrechen.
z] Der Rangenwein wird über alle Weine in dem ganzen Elsass erhoben, aber auch gescholten. Warum? Darum, er ist zwar der beste Wein an sich, der da wie süße Milch, absonderlich, wenn er noch neu ist, ganz freundlich hineinschleichet, aber mit solchen schlimmen bekannten und gemeinen Wirkungen, dass es gar nicht nötig ist, dieselbigen hier zu beschreiben.
i] Sankt Urbans Plage oder Feuer. Rang oder Rangen ist ein fortlaufender, kleiner Berghang. Auf dem Rangenberge, auch der Heiss-Rangen genannt, stand ehemals eine Sankt-Urbanskapelle, daher die Beziehung der obigen beiden Verwünschungsformeln. Der Elsass ist reich an guten Weinen, besonders der Oberelsass, zu dessen vorzüglichen die Erzeugnise des Kanzelberg und Tempelhof zu Bergheim, die Rieslinge von Rappoltsweiler, die Tokaier, der Sporen und wohlschmeckende Edel in Reichenweier, der Geisburger aus Kaysersberg, der Brander und der Rothe in Türkheim, der Wanne und Kitterle in Gebweiler, wie der thanner Range, der feurigste und stärkste Wein im Elsass, gehörten.

Der Rank (o. Streit) überwindet den Klang.

Der Rat beym Wein taumelt und turckelt im kot.

Der Rat der Alten und die Stärke der Jungen richten viel aus.

Der Rat des Armen geht auf schwachen Beinen.
z] Ein leises Lüftchen weht ihn um.
la] Infirmo eunt pede consilia hominis inopis.

Der Rat des Freundes ist ein Fingerzeig des Himmels.
Portugal

Der Rat einer Frau endet mit Oh, wenn ich es nur gewusst hätte!
Nigeria

Der Rat einer Frau hat wenig Wert, aber wehe dem Mann, der ihn nicht befolgt.
Walisisch

Der Rat einer Frau ist geringer an Wert, aber wehe dem Mann, der ihn nicht annimmt.
Wales

Der Rat einer Frau ist nicht viel wert, aber wer ihn verachtet, ist nicht weiser als ein Narr.

Der Rat einer Frau ist zu teuer oder zu schlecht.
it] Consiglio di donna costa troppo o è troppo cattivo.

Der Rat einer klugen Frau kann eine befestigte Stadt zerstören.
China

Der Rat eines Alten hat den Wert für zwei.
Brasilien

Der Rat geht vor der Tat.
la] Mature consulto opus est factu.

Der Rat ist bei den Alten.
la] A sene consilium quaeras, prudentia rerum est illis, sine qua curia quaeque perit.
la] A senibus nomen miti Senatus habet.
la] A senibus prisci sumtum dixere senatum, est rebar juvenum consiliumque senum.

Der Rat ist wie der, so ihn gibt.
dk] Raadet er efter hovedet (hvor fra den kommer).

Der Rat muss unter den Händen wachsen.
i] Unter dessen Händen nämlich, dem er gegeben wird; dieser muss den Rat anwenden und zwar vernünftig, sonst nützt der beste Rat nichts.

Der rat schmeckt nach der Herberg.
i] Er ist wie der Kopf, aus dem er kommt.

Der Rat sitzt auf seinem Eid.
[RSpW]
z] Der Rat, der sitzt vf sin eyt.
i] Die Leiter und Ordner des Gemeinwesens (die obrigkeitlichen Personen) müssen jedem sein Recht geben. Zur Bestärkung ihrer natürlichen Verbindlichkeit leisten sie den Eid, der ganzen Bürgerschaft Hüter und Rechtspfleger zu sein.

Der rat soll gehn vor der tat.

Der Rat soll unter den Händen wachsen.

Der Rat von einem Menschen, der dich nichts angeht: ein Sturz über einen Abhang.
Kosi, Afrika

Der Rat von Frauen ist ungenügend und das Ackern mit einem Pferd unzulänglich.
Estland

Der Rat wäre schon gut, wenn er nur zu gebrauchen wäre.
fr] Ce conseil-là est bon, mais il n'en faut guère user.
nl] De raad is goed, was ze tijdig.
la] In crastinum seria.

Der Rat zu Stassfurt hat mehr zu heben als der Rat zu Hamburg.

Der Rat, den man dem Pyrrhus gab, die Ruhe gleich zu genießen, die er durch so viel Mühsal gewinnen wollte, stieß auf erhebliche Schwierigkeiten.
Einem Menschen sagen, dass er in Ruhe leben soll, heißt ihm sagen, er solle glücklich leben, heißt ihn zu einem ganz glücklichen Zustand raten, den er mit Muße betrachten kann, ohne darin einen Anlass zur Bekümmernis zu finden. Das heißt aber, seine Natur nicht verstehen. Die Menschen, die von Natur ihren Zustand empfinden, vermeiden ja auch nichts so sehr wie die Ruhe. Es gibt nichts, das sie nicht tun, um die Unrast zu suchen.
Pascal, Gedanken

Der Rat, den man einem anderen gibt, ist so viel wert wie die Seife für den Neger. Italien

Der Rat, den man einem Menschen gibt, ist so viel wert wie die Seife für den Mohren.
it] Il consiglio dato ad un uomo vale come il sapone pel moro.

Der Ratgeber ist ein größerer Schuldiger als der Verbrecher.
Estland

Der Ratschlag ist ein Enkelkind, er läuft hinten nach.
Kenia

Der Ratschlag ist ein Fremdling, ist er willkommen, so bleibt er über Nacht, ist er es nicht, so geht er am selben Tag nach Hause.
Madagaskar

Der Rattenkönig sitzt oben.
z] Zuletzt oben auf dem Papst, da sitzt der Rattenkönig, d.i. wie sie es gern hören die Hierarchia. Luther

Der Räuber (o. Raubmörder) ist des Wolfes Bruder.
Litauen

Der Räuber (Raubmörder) ist des Wolfes Bruder.
bm] Lotr ne bratr, kurva ne sestra.

Der Räuber fürchtet den Wanderer nicht.

Der Räuber schimpft den Mordbrenner.

Der Räuber und sein Handlanger sind gleiche Gesellen.

Der Räuber zicht sich de Kap än de Ûgen.
Siebenbürgen/Sachsen

Der Rauch beisst nur die Schönsten.

Der Rauch beisst übel in die Augen.
fr] La fumée nuit aux yeulx.

Der Rauch daheim ist mehr wert als Feuer in der Fremde.

Der rauch dämpft das feuer und das Kreuz die geduld.

Der Rauch dämpft das Feuer, böse Wort die Lieb.

Der Rauch des Nachbars beisst mehr in die Augen als der eigene.

Der Rauch folgt dem Luftzuge, aber nicht der Feuerherd.

Der Rauch geht vorm Feuer her.
dk] Der gaaer røg for ild og skelds-ord for nære-hug.

Der Rauch in meinem Hause ist mir lieber als des Nachbars Feuer.
Spanien
nl] De rook van het vaderland is aangenamer dan een vreemd vuur.

Der Rauch ist beschwerlich, aber er frisst niemanden.

Der Rauch ist immer größer als das Feuer.
Lettland

Der Rauch jagt oft den Herrn aus dem Hause.

Der Rauch schadet den Augen mehr als das Feuer den Haaren.

Der Rauch schwärzt am meisten die weißesten Wände.
nl] De zwarte rook zoekt altijd het blankste (de schoonste) vel.

Der Rauch steigt immer hinter den Rücken.
Estland

Der Rauch sucht die Schönen.
Frankreich

Der Rauch sucht sich die Schönen aus.
Frankreich
fr] La fumée cherche les beaux. (Der Verdienstvolle wird von Neidern verfolgt)

Der Rauch tut, als wolle er die Sonne verblinden und den Himmel stürmen; und kommt ein kleines Windlein, so verschwindet er, dass niemand weiß, wo er bleibt.

Der Rauch und Dampf geht vorher, wenn ein Feuer brennen will.

Der Rauch vom eignen Haus' ist besser als das Feuer draus.

Der Rauch will eine Ursach haben.

Der Rauch zeigt das Feuer.

Der Rauch zeigt den Brand.

Der Rauch zerbeisst mehr Augen als die Flamme Haare versengt.
Russland

Der Rauch, ein bös Weib und der Regen sind einem Hause überlegen.

Der raucht, wie a armer Häusler bäckt.

Der raue Nordwind schuf die Wikinger.
Wikinger

Der Raum unterhalb der Kerze ist dunkel.
Osmanein

Der Raupe wegen muss man den Baum nicht umlegen (o. umhauen).
fr] Le remède est souvent pire que le mal. (Das Heilmittel ist oft schlimmer als das Übel)

Der Rausch liegt im letzten Glas.

Der Rausch macht offenbar, was verborgen war.
sd] Rus wijsar sinnet ut.

Der Rautengarten ist nicht deinetwegen da.
Litauen

Der Rebbe (o. Rabbi) darf.

Der Rebbe mög (darf).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn sich jemand als Stärkerer das zu tun erlaubt, was er an anderen rügt. Gar mancher Rabbi glaubt als heiliger Mann das Recht zu haben, Dinge zu tun, die er anderen nicht erlaubt.

Der Rebe und der Geiß wird's nicht leicht zu heiß.

Der Rechnungsfehler verbirgt sich nicht.
fr] L'erreur de calcul ne se couvre point.

Der recht gehet, soll nicht zurück sehen.

Der recht tut, wird Recht finden.

Der recht vorgeht, dem geht man recht nach.

Der rechte Adel nicht aussen Geblut, sondern auss Tugend herspringen thut.

Der rechte Bezahler ist der nächste Erbe.
i] Wer die Schulden übernimmt, muss für sie, soweit der Nachlass reicht, haften
mhd] Der recht gelter is der nagst erb.

Der Rechte ist noch nicht gekommen.
i] Der Bewerber, Freier.

Der rechte Mann am rechten Platz.
en] The right man in the right place.
Austen Henry Layard, im Englischen Unterhaus, 15. 1. 1855

Der Rechte Weg (das Dau, Tao, Dao) ist es, wodurch alle Dinge so sind, wie sie sind.
Han Fei

Der rechte Weg ist am wenigsten betreten.

Der rechte Weg ist nicht krumm.

Der Rechtschaffene (od. Ehrliche) hat viel Unglück, der Fromme viel Not.
Estland

Der Rechtschaffene (od. Gerechte) empfängt nicht, was der Ungerechte anbietet.
Estland

Der Rechtschaffene vertraut dem Dieb, aber der Dieb vertraut dem Rechtschaffenen nicht.
Estland

Der Rede müssen Taten folgen, das Nähkästchen muss mit Garn gefüllt sein.
Tibet

Der Rede Zier - das Sprichwort; Zier des Kinns - der Bart.
Kasachstan

Der redende Mund hungert nicht.
Türkei

Der redet brots (Brots) halben.

Der Redliche beweist auch Treue dem Feinde.
la] Etiam hosti est aequus, qui habet in consilio fidem.

Der Redliche lebt nur, solange der Verräter will.
es] No vive más el leal de cuanto quiere el traidor.

Der Redliche muss immer einsam streiten,
Darf trauen nur des eigenen Schwertes Streichen.
Dem Schuft läuft Beistand zu von allen Selten.
Er findet aller Orten seinesgleichen.
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Der Redliche wird nicht schnell reich.
dk] Retfærdig bliver vel lastet, men aldrig forkastet.

Der Redner führt den Hund zum Fleischmarkt.
Uganda

Der Redner ist einer, der bewirkt, daß die Menschen mit den Ohren zu sehen vermögen.
Arabien

Der Regen auf einen Ostertag, mehr Regen dann schön Wetter sagt. Darzu das Futter auf der Wiesen, wird das Viech noch vil können genießn.

Der Regen benetzt die Flecken des Leoparden, aber er wäscht sie nicht ab.
Ghana

Der Regen benetzt die Leopardenflecken, aber wäscht sie nicht ab.
Afrika

Der Regen bleibt nicht im Himmel.
Estland

Der Regen bringt die Blumen zum blühen, der Ehemann lässt seine Frau erblühen.
Kenia

Der Regen der Frau hört nie auf zu fallen.
Jamaika
i] Sie weint ständig

Der Regen des Blättermonats (= des Monats Mai) bereitet das Feld auf das Ernten vor.
Estland

Der Regen des Johannismonats (= des Junimonats) streut Gold aufs Feld und düngt die Erde.

Der Regen erfrischt das Gras, den Menschen das Gebet.

Der Regen erkennt niemand als Freund, er durchnässt alle gleichmäßig.
Sambia

Der Regen fällt auf die Gerechte und die Ungerechten.
Indianer

Der Regen fällt aus den niedrigsten Wolken.

Der Regen fällt dort drüben, aber die Tropfen treffen hier.
Bhutan

Der Regen fällt immer auf die Durchnässten (o. schlecht gekleideten).

Der Regen fällt immer auf die, die naß sind.
Frankreich

Der Regen fällt ins Wasser.
z] Der Regen ist unfruchtbar, der ins Wasser felt, und macht nur Wasserblasen.
i] Wer hat, dem wird gegeben. Unzweckmäßige Verteilung der Wohltaten.

Der Regen fällt nicht allein nur auf ein Dach.
Kamerun

Der Regen fällt nicht auf ein Dach allein.
Arabien

Der Regen fällt nicht nur auf ein einziges Dach.
Nigeria

Der Regen fällt nicht so schwarz als er (als Wolke) aussieht.
i] Es sieht manches aus der Ferne schlimmer aus, als es nahe erscheint.

Der Regen fällt nicht so schwer als die Wolken schwarz sind.
Afrika
i] Es ist nicht gut, alte Geschichten zu erzählen, weil dies neuen Zorn gebe.

Der Regen fällt nur auf die Dummen und das in dicken Tropfen.
Frankreich

Der Regen fällt stets in den Fluss, wann wird der Fluss in den Regen fallen?
Surinam
i] Ich habe dir so viel Gutes getan, wann endlich wirst du an die Vergeltung denken? Du willst immer nur nehmen, nie geben.

Der Regen fördert Gras und Kraut, der Wein macht die Gedanken laut.
la] Post vinum verba, post imbrem nascitur herba.

Der Regen geht nicht ohne die Wolke am Himmel, ohne die Trauer im Herzen weinen die Augen nicht.
Russland

Der Regen hat gesagt: 'In den Steinpfad bekomme ich einen Zwischenraum hinein, aber in den Feldrain und Wiesenpfad kann ich keinen Zwischenraum hineinbekommen'.
Estland

Der Regen hat ihm den Pass auf dem Felde verlegt.
i] Er kann nicht auf dem Felde arbeiten.

Der Regen hört nicht auf, wenn auch einige unter dem Schirme gehen.

Der Regen in der fünften Woche (d. i. die Woche der Aussaat) soll dem Roggen die Hälfte hinzubringen.
Estland

Der Regen in Sevilla ist wunderbar.

Der Regen ist der Gatte des Landes.
Indien

Der Regen ist gülden.
z] Es regnet Laub und Grass, daher spricht man, wenn's regnet: Der Regen ist gulden, ist mit keinem Gelde zu bezahlen. Luther

Der Regen ist nicht gescheit, sagte der Bauer, ich brauch' ihn auf'm Feld, aber nicht auf'm Kleid.
nl] Wat is dat een onverstandige regen, zei de boer, hij valt je maar zoo op de huid.

Der Regen ist nicht jemandes Freund - er fällt auf jeden, dem er draußen begegnet.
Afrika

Der Regen ist wie Gold in einem fremden Land und wie Stein im eigenen.
Indonesien

Der Regen ist wie Nebel auf dem Meer und kommt nicht zum Lande.
Hawaii
i] Der Geizige hält sich fern, damit er nichts zu geben braucht

Der Regen kommt dem Faulen, gutes Wetter dem Fleißigen.
Estland

Der Regen kommt nicht immer (o. kommt oft sehr) gelegen.
fr] A la bonne heure nous prit la pluie.

Der Regen nässt alle Dächer.

Der Regen netzt das Kleid, aber nicht das Herz.
fr] Chaude roie fait chape moillie.

Der Regen netzt das Kleid, das Herze nicht; wer recht tut, achtet's nicht, was ein Verleumder spricht.

Der Regen nimmt das Getreide, die Dürre nimmt die Halme.
Estland

Der Regen verliert wohl der Dürre Spuren, aber die Dürre verliert nicht des Regens Spuren.
Estland

Der Regen vor dem Johannistag (24. VI) ist mehr wert als die Stadt Riga.
Estland

Der Regen, der fallen wird, macht dich nicht nass.
Bolivien

Der Regen, welcher einem Narren die Kappe wäscht, macht zehn Felder fruchtbar.

Der Regenbogen ist ein Zeichen von ihm, der in allen Dingen ist.
Indianer

Der Regenbogen ist nicht Allah, aber er bindet ihn, Regen zu senden.
Haussa, Afrika

Der Regenbogen wäre noch schöner, wenn die Show nicht kostenlos wäre.
Antillen

Der Regent hat die Justiz lieb, der ihme selbst zuvorderst die Justitz administriert.
la] Qui bene imperat, paruerit aliquando necesse est.

Der Regenten Exempel sind der Untertanen Spiegel.
la] Componitur orbis regis ad exemplum.

Der Regenten standt besteht im regieren und im schützen.

Der Regenten Übertrang erweckt der Untertanen aufstand.

Der Regenwurm fühlt sich nicht beleidigt, wenn man ihn Schlange ruft.

Der regiert übel, der selbst regenten von nöten hat.

Der reibt sich gern an jedem.

Der Reich ein großer bube ist, der arme leut betreugt mit list.
la] Est scelus immensum, si diues fallit egenum.

Der Reiche (stützt sich) aufs Geld, der Bettler auf die Krücke.
Estland

Der Reiche baumelt mit dem Glied, der Arme wedelt mit dem Arsch.
Estland

Der Reiche bedarf der armen Leut'; es sei früh oder spat, nah oder weit.
dk] Den rige har den fattige fornøden.
fr] Soit tôt ou tard, ou près ou loin, le riche a du pauvre besoin.

Der Reiche bekommt viel, (und) gibt (auch) viel.
Estland

Der Reiche bezahlt mit Geld, der Arme bezahlt mit der Haut.
Estland

Der Reiche bleibt auf dem Kissen.
z] Was man solt den armen geben, das gibt man da kein not nit ist, damit dem armen vil gebrist, so der reich bleibt auf dem küssen.

Der Reiche darff des Armen so wohl als der Arme des Reichen.

Der Reiche denkt an das, was nachher kommt, der Arme denkt an das, was heute frommt.
China

Der Reiche denkt an kommende Jahre, der Arme an das, was er vor Augen hat.
China

Der reiche Dieb stirbt nicht erhängt.
Brasilien

Der Reiche fährt mit der Kutsche, der Arme hängt am Galgen.
Estland

Der Reiche findet keinen Schlaf, der Reiche füchtet den Dieb.

Der Reiche frisst den Armen, das ist leider zu erbarmen.
it] La gallina è del povero, e il ricco se la mangia.

Der Reiche frisst den Armen, und der Teufel holt die Reichen, um es auszugleichen.
nl] De rijken vreten de armen en de duivel vreet de rijken, zoo worden allen gevreten.

Der Reiche führt seinen Wagen über den Berg, der Arme verirrt sich sogar in der Ebene.
tü] Zengin arabasını dağan aşırır, fakir düz ovada yolunu şaşırır.

Der Reiche füllet nur die Augen und nicht den Bauch.

Der Reiche füttert den Reichen, und der Arme füttert den Reichen.
Indien

Der Reiche geht nichts um.
i] Mag er seinen Weg noch so weit greifen, er macht nie einen Umweg, aber der Arme muss stets den kürzesten Weg zum Ziele einschlagen.

Der reiche Geizhals ist wie ein Esel mit Gold beladen, der Stroh frisst.
Algerien

Der Reiche gibt mehr Schulgeld für seinen Hund als der Arme für seine Kinder.
bm] Lépe bohatý psa cvičí, nezli chudý syna.
pl] Lepiéj bogaty psa ćwiczy, niz ubogi syna.

Der Reiche glaubt nicht an des Armen Not und der Arme glaubt nicht an des Reichen Not.
Estland

Der Reiche hält hauss, der Arm kommt auch aus.

Der Reiche hat auch seine Sorgen.
bm] Bohatým býti pracno, ale sytým netĕzko.

Der Reiche hat das Paradies auf Erden, der Arme im Himmel.
Estland

Der Reiche hat das Wort.
sd] Den rijke förer altijd ordet.

Der Reiche hat die Kälber und der Arme die Kinder.
Russland

Der Reiche hat einen Gott, der Arme einen anderen.
Russland

Der Reiche hat einen großen Kopf, der Arme große Füße.
Estland

Der Reiche hat es bequem, krank zu sein.
Estland

Der Reiche hat Fett, der Faule bloß dünne Knochen.
Estland

Der Reiche hat Geld, der Arme hat Plage (o. Kinder).
Estland

Der Reiche hat gut Genügsamkeit predigen.

Der Reiche hat in einem Winkel mehr als der Arme im ganzen Haus.
jüdisch-deutsch] Wus bei an Ojscher (Reichen) verwalgert sich (sich versteckt), hot kein urm Mann nit in Vermögen. Warschau

Der Reiche hat keine Schuld, das Kalb keinen Fehler.
Estland

Der Reiche hat nur zwei Löcher in der Nase, ebenso wie der Arme.
Polen

Der Reiche hat Sahne, um den Kopf zu schmieren; der Arme kann (sie) nicht mal aufs Brot (schmieren).
Estland

Der Reiche hat schon recht, ehe er sich verteidigt.
Russland

Der Reiche hat sein Eis im Sommer, der Arme bekommt seins im Winter.
USA

Der Reiche hat seinen Gott im Kasten.
i] Im Geldkasten
it] Più tosto all' or ch' al ciel riguarda il ricco.

Der Reiche hat so viel Schmeichler als Freunde.
Russland
mhd] Der reich hat fründ vil, den armen niemand zu fründe will.
bm] Přátel u boháčův jako plev okolo zrní.
bm] Zbozný (bohatý, zbozim oplývající) má přátely, hubenému (nuznému) jich třeba.
fr] Du riche, heureux et opulent chacun est cousin et parent.
nl] De rijken hebben veel vrienden.
la] Amici divitum paleae sunt circa granum. Varro
la] Fac numeres nummos, et mox numerabis amicos.
la] O dives dives, non omni tempore vives.
sd] Når min tunna rann, kiände mig bäde qvinna och man.
sd] Rijkedom har månge vänner.
un] A' gazdagnak akár ki is rokannya.

Der Reiche hat viel Geld, der Arme viele Befehle.
Estland

Der Reiche hat viele Freuden, der Arme Mühe und Not.
Estland

Der Reiche hat viele Güter, der Arme ein reines Herz.
Estland

Der Reiche hat wohl weiche Betten (Kissen), aber oft keinen Schlaf.
sd] Den rijke är ofta sömnlös.

Der Reiche hat Zeit, die Gemeinde zu verlassen, wenn der Arme Dorfrichter wird.

Der Reiche heißt Ehrlich, und der Gute heißt Töricht.
Spanien

Der Reiche herrscht über die Armen.
Und wer borgt, ist ein Knecht dessen, der ihm leiht.
Sprüche Salomos, 22, 7

Der Reiche hofft auf Geld, der Arme hofft auf die Haut.
Estland

Der Reiche isst das, was er will, der Arme isst das, was er hat.
Estland

Der Reiche isst, wenn er mag, der Arme, wenn er kann (o. was hat).
es] Para el rico, cuando quiere para el pobre, cuando puede.

Der Reiche ist dem Armen kein Bruder.

Der Reiche ist ein Schelm oder eines Schelmen Erbe.
z] Es ist ein alt wort, der Reiche ist entweder ein vngerechter oder eines ungerechten Erbe.
la] Dives aut iniquus est, aut iniqui heres.

Der Reiche ist entweder ein Schelm (o. Gauner) oder eines Schelmen (o. Gauners) Erbe.
Hieronymus
la] Dives aut iniquus aut iniqui heres.

Der Reiche ist entweder selb nicht from oder eins solchen erb.

Der Reiche ist in Sorgen: Wem sein Vermögen hinterlassen; der Arme ist in Sorgen: Woher den Kindern Brot nehmen.
Estland

Der Reiche ist klug, aber der Arme ist dumm.
Estland

Der Reiche ist klug, sagt der Jude.

Der Reiche ist oft ärmer als ein Bettelmann.
it] Più manca al ricco grande che al gran povero.

Der Reiche ist sehr arm, der alles hat und doch nichts hat.

Der Reiche ist überall zu Hause.
sd] Den rijka är allestädes hemma.

Der Reiche ist wie ein Aschenbecher. Je voller er wird, desto schmutziger wird er.
Japan

Der Reiche ist wie ein Aschenbecher: je mehr sich anhäuft, je schmutziger wird er.
var] Je mehr ein Reicher und ein Aschenbecher ansammeln, desto schmutziger werden sie.

Der Reiche kann auch nur mit einem Munde essen.
bm] Také boháč jen dvĕ dírky v nose má, jako chudobný.

Der Reiche kann ja nicht leiden, dass der Arme eine Scheide hat.
Estland

Der Reiche kann Kuchen essen, wenn der Arme kein Brot hat.

Der Reiche kann nicht begreifen, warum der, dem Brot fehlt, keinen Kuchen isst.
bm] Bohatec se díví, čím chudý se ziví: chudý ach a uch! ale při nĕm bůh.
it] S'il ricco sapesse la condizione del povero, gli farebbe più bene che non fà.
pl] Bogaty się dziwi, czym się chudzina zywi.

Der Reiche kauft, der Bettler bettelt, von wo nimmt der Arme?
Estland

Der Reiche kommt davon mit seinem Gelde, der Arme mit seiner Rückenhaut.
Finnland

Der Reiche kommt mit Mühe in den Himmel.
Estland

Der Reiche kratzt sich immer den Bauch, der Arme den Kopf.
Estland

Der Reiche lässt den Hut auf dem Kopfe.
Kamerun

Der Reiche lebt fröhlich wie die Niere im Fett.
Estland

Der Reiche lebt gut auch im Moor.
Estland

Der Reiche lebt so, wie er will; der Arme lebt so, wie er kann.
Estland

Der Reiche lebt von der Armen Mühe.
Estland

Der Reiche lebt, wie er will, der Arme - wie er kann.

Der Reiche lenkt seinen Wagen vom Berge herunter, der Arme verirrt sich auf ebenem Felde.

Der Reiche macht Geschenke, der Arme einen tiefen Diener.
Russland

Der Reiche macht sich seine Gesetze selber.

Der reiche Mann denkt an die Zukunft, der arme an die Gegenwart.
China

Der reiche Mann hat Kornschnaps, der arme Mann einen Wasserbecher (d. i. Wasser).
Estland

Der reiche Mann hat nie genug.

Der reiche Mann hat nimmer genug.

Der reiche Mann hat viele Freunde.
Estland

Der reiche Mann kann alte Kleidung tragen.
Ghana

Der reiche Mann kommt immer obenan.
mhd] De ryke man wert vorgetogen.
la] Curia divitibus patet et dis solus amatur.
la] Curia pauperibus clausa est, dat census honores. Ovid

Der reiche Mann schützt sich im Handgemenge das Gesicht, der arme Mann seinen Rock.

Der reiche Mann tanzt nie schlecht.
Ruanda

Der reiche Mann will alles han, und sollt der arm auch betteln gahn.

Der reiche Mann wird vorgezogen.
mhd] De ryke man wert vorgetogen.
la] Curia divitibus patet et dis solus amatur.

Der reiche muss das bad austragen, darzu auch leib und leben wagen.
la] Tibicen vapulat si quid peccet coquus, canis peccata nisus dependit.

Der Reiche redet eitel Zentnerworte.

Der Reiche reit, der Arme leid.
la] Formica camelus.

Der Reiche reitet auf der Wahrheit, die Peitsche mit der Lüge kommt hinterdrein.
Estland

Der Reiche richtet selbst dem Großvater einen Totenschmaus aus, der Arme kann nicht einmal den Vater begraben.
Russland

Der Reiche schält Arme, der Arme schält Kartoffeln.
Estland

Der Reiche scheißt hängend, der Arme baumelnd.
Estland

Der Reiche scheißt und tröpfelt, aber der Arme macht in Saus und Braus.
Estland
i] Der Reiche ist geizig, aber der Arme verbraucht rasch.

Der Reiche schlachtet einen großen Ochsen, bekommt nicht einmal Wurst zu schmecken; ich schlachte (d.i. töte) einen alten Raben, bekomme (daraus) hundert Würstchen.
Estland

Der Reiche setzt eher sein Leben für seinen Reichtum als seinen Reichtum für sein Leben aufs Spiel.
Frank Wedekind

Der Reiche sieht nicht den Hungrigen, glaubt nicht dem Elenden.
Estland

Der Reiche speiset, so oft er Hunger hat; wenn er was findet, wird der Arme satt.

Der Reiche spricht sitzend.
Finnland
i] In angesehener, geachteter, behaglicher Stellung

Der Reiche steht wohl Pate, (geht) aber nicht zur Taufe.
Estland

Der Reiche stiehlt, und der Arme wird gehängt.
bm] Snadno bohatému krásti, a starému lháti.
sp] Traspasa el rico las leyes, y es castigado el pobre.

Der Reiche tut unrecht und trotzt noch dazu, der arme muss leiden und dazu dancken.

Der Reiche und das Schwein werden nach ihrem Tod hoch geschätzt.

Der Reiche und der Aschenbecher werden schmutziger, je mehr sie ansammeln.
Japan

Der Reiche verdirbt die Tochter, der Arme das Pferd.
Estland

Der Reiche verkauft seinen Reis, der Arme seine Kinder.
Vietnam

Der Reiche weiß heute nicht, in wessen Hand sein Gut morgen sein wird.
bm] Bohatí ne vzdycky vĕdí, kdo po nich dĕdí.

Der Reiche weiß nicht, wer sein Freund ist.
USA
en] A rich man knows not bis friends.

Der Reiche weiß nicht, wer seine Freunde sind.
Altfranzösisch

Der Reiche weiß nicht, wie dem Armen zu Mute ist.
i] Wenn der Reiche den Pelz um die Schultern hat, begreift er nicht, wie dem Nackten die Zähne klappern können. Russland
jüdisch-deutsch] Der Reiche waoss nit, wie den Dalfen zu Muthe is.
it] Il satollo non crede al digiuno.
sd] Fetta soon weet intet huru den swullna lijkar.

Der Reiche weiß nicht, wie der Arme sich nährt.
it] Corpo pieno non crede all' affamato.

Der Reiche weiß, wie sich die Freunde nennen, die Not lehrt sie erkennen.

Der Reiche wird nicht ärmer wenn man ihn seines Geldes wegen schmäht.
Russland
dä] Den rige spør hvor den fattige sig føder.

Der Reiche wird nicht ärmer, wenn man auf das Geld schilt.

Der Reiche wird nicht mit Geld gelegt (d.i. gebettet), der König nicht in Gold begraben.
Estland

Der Reichen Buckel drückt bis auf der Armen Knie.

Der reichen Frauen Henne legt immer Eier mit zwei Dottern.

Der Reichen Freund und Gesell will jedermann sein.
z] Reiche Leut haben freunde viel, arme freundt niemand kennen will. Welcher reich ist, und geht ihm wohl, derselb vor freundt nicht sorgen soll. Jeder der best will seyn im brett, dieweil es glücklich um ihm steht. Jeder acht sich dem nechsten freundt, dieweil die Sonn hell um ihn scheint; wanns aber trüb herein tut gahn, dass er nicht mehr aussgeben kan, so ist kein freundt mehr weit und breyt, nicht einer, dem sein vnfall leyt. Denn gute freundt in höchster noth gehn wohl fünffzig auf ein loth; soll es ein harter stande seyn, gehn hundert vff ein quintelein.

Der Reichen Gebrechen deckt Silber und Gold, der Ärzte Fehler die Erde.
it] Gli errori de' medici son coperti dalla terra, e que' de' ricchi da' danari.

Der Reichen Kinder bekommen von jedem süße Bissen, die der Armen weist man ab, wenn sie um Brot bitten.
bm] Bohatému čert dĕti hejčí, a chudý ani chůvy nenajde.

Der Reichen Kopf hat lauter Hirn, des Armen Kopf ist lauter Schädel.
Russland
sd] Den rijkes ord är Salomons snak, den armas taal får ingen tack.

Der Reichen Kühe werfen immer zwei Kälber auf einmal.

Der Reichen Pasteten verteuern die Kuttelflecke der Armen.
Russland

Der Reichen Rauch ist besser denn des Armen Feuer.

Der Reichen Schatzung ist, die Armen müssen die Haut hergeben.
bm] Boháč chudého trudí, a svĕdomí mĕscem z lidí pudí.

Der Reichen Überdruss
Wär' der Armen Überfluss.
Fischart, Dichtungen

Der reichen Witwe Tränen trocknen bald.
Dänemark

Der Reichen zeit, zu mittag und gen nacht zu essen, ist, wann sie wöllen, der Armen aber, wann sie können.

Der Reichste ist dann der Ärmste, wenn er alles zurücklassen muss.
Estland

Der reichste Landwirt der beste.
i] Wenn er hinreichendes Betriebskapital besitzt und es zweckmäßig zu verwenden versteht.

Der Reichtum der Gierigen geht schließlich (letzten Endes) an die Gemeinschaft.
Afrika

Der Reichtum der Gierigen geht schließlich an die Gemeinde.
Ghana

Der Reichtum der Welt bleibt in der Welt.
Armenien

Der Reichtum des Vaters ist eine Motte für den Sohn.
Armenien

Der Reichtum eines Geizigen fällt in Verschwenders Hände.

Der Reichtum eines Hauses lässt sich an der Fassade ablesen.
Kurdistan

Der Reichtum eines Mannes ist ihm vielleicht überlegen.
Kamerun

Der Reichtum gleicht das Laster mit der Tugend aus.
Russland

Der Reichtum hat viel Vettern und Basen: Sorge, Verdruss, Argwohn, Frechheit, Habsucht, Laune.
Russland
la] Ubi multa aura, ibi parva quies.

Der Reichtum ist ein Bruder des Eigensinnes und ein Vater der Begierden.
Russland
dä] Rigdom føder laster.

Der Reichtum ist für das Leben da, nicht aber das Leben für den Reichtum.
Irland

Der Reichtum ist nicht ohne, er macht zum König sonder Krone.

Der Reichtum ist sich selbst eine Last.

Der Reichtum ist ständigem Wandel unterworfen. Gute Taten aber haben Dauer und verjähren nicht.

Der Reichtum kann weder gatzen noch Eier legen.

Der Reichtum kommt zum Tor hinein und fliegt zum Schornstein wieder hinaus.

Der Reichtum, der den Besitzer versklavt, ist kein Reichtum.
Afrika

Der Reichtum, der im Herzen sitzt, kann nicht gestohlen werden.
Russland
it] Le vere ricchezze non possono esser rubate da ladri.

Der Reif in einer einzigen Nacht hat oft den Blüten den Tod gebracht.
z] Es darff sich niemand rühmen, dass sein Glück stehe auf Blumen, es fält ein Reiflen vber Nacht, das benimbt den Blümlein Ruh, Farb und Krafft.

Der reife Mist am schwersten ist.
la] Maturum stercus importabile pondus.

Der Reifen verspottet das Fass.
Russland

Der Reiher fängt keine Fische als die oben schwimmen.
i] Nachteile des Stolzes und Ehrgeizes.

Der Reiher fliege noch so hoch, der Falk erreicht ihn doch.
pt] Ainda que a garca voe alta, o falcão a mata.

Der Reiher hat nicht allein lange Beine.
i] Der Storch und andere Vögel haben dergleichen auch. Man soll nicht glauben, Weisheit und Geschicklichkeit allein zu besitzen, andere Leute sind auch nicht auf den Kopf gefallen.

Der Reiher klagt das Wasser an, weil selber er nicht schwimmen kann.
dk] Hejren laster (straffer) vandet, for han kand ei svømme.

Der Reiher spießt den Falken, der ihm droht.

Der Reiher, der nicht schwimmen kann, gibt dem Wasser die Schuld.

Der Reim ist wie die Ehe; hat mans einmal angenommen, muss mans auch fortführen.
Hille, Enzyklopädie der Kleinigkeiten

Der Rein zu Köln löscht mir mein feuer nicht.

Der Reine braucht sich nicht zu waschen.
Finnland

Der reinen Hand deckt Gott den Tisch.
fr] A main lavée Dieu envoie un bon repas.
fr] A main lavée Dieu mande le repas.

Der Reis braucht Wasser und das Wasser Dämme.

Der Reis des anderen ist weißer.
Japan

Der Reis in deinem Speicher ist dein Feind, weil er den Neid von jenen reizt, die davon nichts haben.
Thailand

Der Reis ist Brei geworden.
Indonesien

Der Reis wird im Wasser geboren und stirbt im Wein.
i] Er wächst in sumpfigen, Überschwemmungen ausgesetzten Gegenden und wird bei Wein gut verdaut.
it] Il riso nasce nell' acqua, e ha da morire nel vino.

Der Reis, der Frucht trägt, neigt sich; der Mensch, der reich wird, richtet sich auf.
Japan

Der Reisegefährte ist schlimmer als die Reise.

Der Reisende braucht die Gastfreundschaft der Dörfer.
Mosambik

Der Reisende bricht unterwegs zu seinem höchsten Verdruß ein Rad und gelangt durch diesen unangenehmen Zufall zu den erfreulichsten Bekanntschaften und Verbindungen, die auf sein ganzes Leben Einfluss haben.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften II,10

Der Reisende findet seine Nahrung bei Einwohnern des Dorfes.
Gabun

Der Reisende kann selten aus sich selbst herausgehen, was er von Schicksalen zu melden hat, ist wenig bedeutend, und meistens schreibt er mit selbstgefälligem Entzücken.
Goethe (1749-1832), An Herzogin Louise, 23.12.1786

Der Reiskübel geht im Kreise um.

Der reißende Löwe brüllt nicht.
fr] Le lion qui tue ne rugit pas.

Der reist am sichersten, der allein reist.
Island

Der reist frey in alle landt, der nichts im beutel, nichts in der handt.

Der Reiter duldet kalt und nass, der Schreiber lobt sein Tintenfass.

Der Reiter glaubt dem Fußgänger nicht.

Der Reiter hat Recht vor dem Fußgänger.
Russland

Der Reiter mit der Glenen, der Schreiber mit der Feder.

Der Reiter muss reiten wie das Ross will.
i] Wenn er es nämlich nicht zu bändigen versteht.
z] Also die vernunfft, wie sie die affekten müßigen.

Der Reiter und sein Gaul sind nicht immer gleicher Meinung.

Der Reiter und sein Pferd teilen nicht dasselbe Los.
Russland

Der Reiter wird davon nicht unsauber, wenn dass Ross unter ihme Stalt.

Der Reiter, so nur ein Pferd hat, soll nicht Hafer nehmen für zwei.

Der reitet sanft, den Gottes gnade trägt.

Der reitet wohl, der mit seinesgleichen reitet.

Der Reiz des Kochlöffels bewegt den Ehemann zur ewigen Liebe.
Thailand

Der Rektor, Schreiber und Pedell formieren die Akademie, quia tres faciunt Collegiam.

Der Remner Misch kit.
Siebenbürgen/Sachsen
i] Der Riemer Michael, d.i. die Peitsche kommt.

Der respekt des nutzen ist das fürnembst in allem tun.

Der Respekt ist ein Schatten; je schneller man hinter ihm herrennt, desto schneller läuft er fort.
Jiddisch

Der respektlose Arme sieht auf den Reichen mit Verachtung.
Sumerer
i] Vielleicht ein Fall der sauren Trauben?

Der Rest ist für die Gottlosen.
Scherzhaft nach Psalm 75, 9
fr] Le fond est pour les bons. (Der Rest ist für die Guten.)

Der Rest ist Schweigen.
i] Wenn man weiter nichts sagen kann oder will. Die letzten Worte des Hamlet in Shakespeares gleichnamiger Tragödie. Shakespeare (1564-1616), Hamlet, V, 2 (Hamlet)

Der Rettich ist schlecht für die Zähne und noch schlechter für den Bauch.

Der Reuling folgt jähen räten.

Der Reuling soll mich nicht beißen.

Der Reuling wird jach beißen.
i] Daher überlege zuvor; Vorsorge verhütet Nachsorge.
z] Es wird am Todbette gar ein böser Rewling kommen. Luther
z] Bei anderen Sünden kommt endlich der Rewling. Luther

Der Rhein ist ein großer Fluss, aber er ist klein gegen das Meer.

Der Rhein ist kein Prasser, gibt er keinen Wein, so gibt er viel Wasser.

Der Rhein ist nicht des Mäuseturms wegen da.

Der Rhein trägt nicht leere Leute.
i] Die Weinhändler wollen damit die Schiffreisenden aufordern, sich erst vollzutrinken, ehe sie die Rheinfahrt antreten.

Der Rhein wäscht einen nicht ab.

Der Rhein will alle Jahr(e) sein Opfer haben.
i] Es vergeht leider kein Jahr, in dem nicht viele Personen im Rhein ihr Leben einbüßen, ohne dass derselbe es gerade verlangt.

Der Rhein wird drum nicht ärger, dass er bissweilen ausslauft.

Der Rheinstrom ist Deutschlands Weinstrom, aber nicht Deutschlands Rainstrom.

Der Rheinzoll macht viel Groll.
i] Und dennoch hat er Jahrhunderte bestanden, bis er in der neuern Zeit größtenteils beseitigt worden ist. Schon zu Luthers Zeit muss er große Unzufriedenheit im Volk erregt haben, denn Murner lässt Luther, um zur Teilnahme am 'Buntschuh' aufzufordern, sagen: 'Die zöl die müsen ab am rein, und all beschwerden von dem wein; so würt es leichtlich darzu kumen, ein mass würt um ein haller genumen.'

Der Rich frönt, der Arm muess faste.
Schweiz

Der Richter bezeichnet den Priester.
i] Das Amt des Richters verlangt hervorragende Eigenschaften, hohe Tugenden.
altfries] Thi asega bytech nath tlene prestere.

Der Richter darf kein Vetter sein.
[RSpW]
i] Blutsverwandtschaft mit einer der Parteien schließt vom Richteramt aus, d.h. der Richter kann in solchen Fällen nicht entscheiden.
bm] Krev a příbuznost činí v soudech rozličnost.

Der Richter fällt sein Urteil gemäß den Aussagen.
tü] Kadı anlatışa göre fetva verir.

Der Richter gar parteiisch ist, für alle, deren Brot er isst.

Der Richter gibt den Tag und der Büttel (Bote) lädt vor.
[RSpW]
i] Der Richter setzt die Zeit der Verhandlung an und der Gerichtsdiener ladet die Parteien dazu vor.
mhd] Der richter einen tag geit unnd der putel fürpeut.

Der Richter hat zwei Auslegungen des Gesetzes, eine für den Sklaven, eine für dessen Herrn.
Türkei
fr] La loi dit ce que le roi veult.
fr] Que veut le roy ce veult, la loy.
fr] La loi voit bien l'homme plein d'ire, mais il ne voit mie la loi.
sp] Allá van leyes, do quieren reyes.

Der Richter ist aller Ehren wert, der im Gericht kein Geschenk begehrt.

Der Richter ist ein Knappe, der des Rechtes Sinne folgt.
i] Er soll nur ein Diener des Rechts sein.
altfries] Di riuchter is een knappe deer dis riuchtes sinne folget.

Der Richter ist nicht barmherzig, der einen Bösewicht freilässt.
ndt] Een rechter en ist niet barmhertich die nene bosen verlost.

Deutsche Sprichwörter
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