< Sprichwörter >

Der Buchweizen ist nicht eher sicher, als bis er im Magen ist, sagte der Bauer, da fiel ihm der Pfannkuchen in die Asche.

Der Buchweizen muss von einem Reiter zu Pferde in vollem Galopp ausgestreut werden.
info] Im gewöhnlichen Maße anderer Getreidearten würde er nur wenig Seitenzweige treiben

Der Buckel des Schulzen drückt auf die ganze Gemeinde.
Russland

Der Buckel juckt ihm (schon wieder).
info] Von solchen, namentlich Knaben, die allerhand mutwillige Streiche machen, obwol sie wissen, dass sie dafür bestraft werden.
ndt] De Puck'l jäökt em. Altmark
z] Es sticht und juckt noch vil der Buckel nach Streichen.
la] Dorsum prurit.

Der Buckel juckt mich nicht.
info] Was soll ich kratzen, mich geht die Sache nichts an.

Der Bucklige kennt seine Lagerstätte.

Der Bucklige schläft nicht auf dem Rücken.

Der Bucklige sieht seinen Buckel nicht, aber den seines Gefährten.
fr] Le bossu ne voit pas sa bosse et voit celle de son confrère.
sp] El corcovado no ve su corcova, y ve la de su compañero.

Der Bucklige sieht seines Nachbars Höcker wohl, aber nicht den eigenen.
fr] Le bossu ne voit pas sa bosse et voit celle de son confrère.
it] Un gobbo vede la gobba del compagno e non la sua.
sp] El corcovado no ve su corcova, y ve la de su compañero.

Der Buddha aus Lehm ermahne nicht den Buddha aus Ton.
China

Der Buer es wie 'ne Mehlsack, wie men drop klop, kümmt Stopp raus.
Bedburg

Der Büffel bedarf wohl des Stachels, aber das Ross nur des Zaumes.
Bulgarien

Der Büffel bedarf wohl des Stachels, das Ross aber nur des Zaums.
Russland

Der Büffel gehört dem Mann mit dem großen Stock.
Hindi, Indien
info] Die Macht regiert

Der Büffel tut sich nicht groß mit seiner Kraft, wenn der Elefant da ist.
Bantu

Der Buhler Hertz ist ein Taubenhaus, die eine fleugt ein, die andere aus.

Der Buhler lest wie ein zeck nit nach, er gehe denn darob zu stucken.

Der Buhler Lust ist kurzer Tanz und lohnt mit einem Dornenkranz.

Der Buhler lust weret so lang als ein kurtzer Tantz, und schmertzt und schändt biss ans lebens end.

Der Buhler seckel ist mit lauchblettern zugeknüpfft.
info] Er bleibt nicht zu, er öffnet sich immer wie von selbst, weil man mit diesen Blättern weder Schleifen noch Knoten schürzen kann.
it] Gli amanti legano la borsa con un filo di ragnatelo.
la] Amantium marsupia porri folio vinciuntur.
un] A nöszö legény nem kémélli költségét.

Der Buhler weiss wohl, was er begehrt, aber er weiß nicht, was es ist.
mhd] De boler wet, wat he begert, mer he en wet nicht wattet is.
dä] Boler veed hvad han begierer, men ei hvad han skulde begiere.
la] Amans quid cupiat scit, quid valeat non videt.
la] Scit bene quod poscit, sed quid scit, nescit amator.

Der Buhler Zank ist der Liebe Anfang.

Der Buhler Zank
Ist der Liebe Anfang.

Der Buhler Zorn ist der Liebe (o. Buhlschaft) Sporn.

Der Buhler Zorn ist der Liebe Sporn.

Der Buhler Zorn
Ist der Liebe Sporn.

Der Buhlschaft Art nie beständig ward.

Der Buhlschaft niemand pflegen mag, still heimlich einen ganzen Tag.

Der Bulle ist die halbe Herde.'

Der Bund bringt uns auf den Hund.

Der Bund und das Reich Gottes währen ewig.
Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Der Bur dur sini Müh im Koth, erhält, was reitet und was goht.
Schaffhausen

Der Bûr ist am armsten, wenn er d' frucht in der Schür hed.
Luzern

Der Bur ist ein Slur.

Der Bûr muss die schwere Uehri im Boden inne suche.
Luzern
info] Er muss tief pflügen, wenn er schwere Frucht ernten will

Der Bureauschimmel (Büroschimmel).
info] Das alte verknöcherte Bureauwesen

Der Bürge ist des Gerichtes Protokoll.
[RSpW]
info] Zu einem vollständigen Gericht gehört ein Gerichtsschreiber, wo er fehlte, musste er, wie es noch jetzt die bayersche Gerichtsordnung gestattet, durch zwei eigens zugezogene Zeugen ersetzt werden.

Der Bürge muss selber bezahlen.
[RSpW]
info] Wenn der Schuldner nicht bezahlt. Nach einigen Rechten hat der Gläubiger sogar die Wahl, ob er sich an den Hauptschuldner oder an den Bürgen halten will. Tut er das Letztere, so ist jener frei.
mhd] Die Buorge onnoz daz guot selbe gelden.

Der Bürger Eintracht ist der Städte beste Festigkeit.

Der Bürger ist bei seinem Geschäft schon ehe er aufsteht.
England

Der Bürger ist des Staatswohls Bürge.

Der Bürger ist so frei wie der Adelige, sobald er sich in den Grenzen hält, die ihm von Gott durch seinen Stand, worin er geboren, angewiesen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.1.1827

Der Bürger sammelt Geld, um sich dafür möglichst viele Vorurteile kaufen zu können, die seinen Stand erhöhen. Je weniger Kinder er in die Welt setzt, um so enger bleibt sein Geld beisammen, um so fester wird der Stand.
Holitscher, Bruder Wurm

Der Bürger Streit bringt der Stadt Herzeleid.

Der Bürger Tapferkeit ist der Stadt beste Ringmauer.
la] Murus urbium civium virtus.

Der Bürger wil Edel werden, der Bawer wil Kauffmannschafft treiben, die Fraw wil Herr sein und vor dem Hahn krähen, der Schichmeister wil des Königs Rath sein, und der Esel wil geritten werden, der Gaul begehrt zu ackern die Erden, eine Magd sol dienen, so wil sie eine Höcklerin werden.

Der Bürger wünscht die Kunst üppig und das Leben asketisch; umgekehrt wäre es besser.
Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie

Der Bürger,
Den sie verloren für den Glauben, war
Ihr edelster.
Schiller, Don Carlos, III, 10 (Marquis)

Der bürgerliche Radikalismus wird, wenn er überhaupt zur Herrschaft kommt, rasch abgewirtschaftet haben; die Zeitentwicklung läßt keine halben Maßregeln mehr zu.
August Bebel (1840-1913), an Karl Kautsky, 16. 10. 1885

Der Bürgerschafft gute Hausshaltung ist einer Statt gemeiner Schatz.

Der Burggraf kann nicht dingen, denn mit voller Bank.
[RSpW]
info] Ohne die erforderliche Anzahl von Schöffen konnte der Richter kein Ding (Gerichtssitzung) abhalten. Die Gegenwart der Schöffen war unbedingt notwendig, die geringste Zahl war zwei, der Richter der dritte.
z] De Borchgreve mach nicht dyngen, wen mit vuller Bang.

Der Bürokrat tut seine Pflicht von neun bis eins
Mehr tut er nicht.
Karl Zeller, Operette: Der Obersteiger

Der Bürokratismus ist die langweiligste Maske der Unzulänglichkeit, und zugleich die geistloseste.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Der Bursch hat doch koan Tropfa Religion im Bauch, sagte der Wirt, schmiert der miserable Lump dem Herrn Kaplan an einem Freitag die Stiefeln mit Speck.

Der Bursche will kapitulieren, sagte der Bauer, als er einen Fuchs in der Falle fand, der herauswollte.
nl] De vent wil capituleeren, zei de boer, en hij zag eene rat, die solliciteerde, om uit de val te komen.

Der Busch antwortet nicht, wenn man auch hineinschreit.
info] Was helfen Klagen, die am unrechten Orte angebracht werden, man muss vor die rechte Schmiede gehen.

Der Busch hat Augen, der Baumstumpf trägt einen Hut.
Jamaika

Der Busch hat keine Bäume, das Meer kein Wasser.
info] Wenn jemand etwas leugnet, was offenbar vorhanden ist, z.B. ein Reicher sagt, er habe kein Geld.
ho] Het bosch heeft geene boomen.

Der Busch hat Ohren, das Feld hat Augen.

Der Busch hat Ohren, das Feld hat Augen.
info] Überall wird mitgehört
ndt] Der busch hat oren, das veld hat augen.
ndt] De Besch huot och Ören. Luxemburg
fr] Buisson a oreilles
fr] Le bois a oreilles, et le champ des yeux.
ho] De boschen hebben ooren on de velden oogen.
it] Anche i boschi hanno l' orecchio.
la] Calumniatoribus undique patet calumniandi campus.
la] Dispiciendum igitur nequid temere sive agatur, sive efficiatur.
la] Nullus in his terris est sine teste locus.
la] Sub omni lapide scorpius dormit.

Der Busch mag noch so klein sein, er wirft Schatten.
fr] Il n'est si petit buisson qui ne porte ombre.

Der Buschneger weiß, welche Plantage er zerstört.
Surinam
info] Er kennt seine Leute, er weiß, wo er ankommt kann.

Der Busebâr (meist: Buschebâr) kommt.
info] Um Kinder zu schrecken

Der Büttel löst das Gebot auf, das der Amtmann schließt.

Der Büttel*6 löst das Gebot auf, das der Amtmann schließt.

Der Butterfisch hat seinen Namen, weil er obenaufschwimmt, schneide aber nur den Kauweri (Fisch) den Leib auf, so wirst du's auch finden.
Surinam
info] Ich bin einmal in einem schlechten Rufe, wollte man aber bei anderen genau untersuchen, so würde man finden, dass sie auch nicht besser sind.

Der Canton Solothurn ist von hinten und von vurn: vil Heg und weni Garte, weni Späck aber vil Schwarte.
Solothurn

Der Cassius dort hat einen hohlen Blick;
Er denkt zuviel: die Leute sind gefährlich.
Shakespeare (1564-1616), Cäsar, I, 2 (Cäsar)

Der Cent dem Bettler, der Knochen dem Hund.
Estland

Der Charakter aber wird nicht mit dem Menschen geboren, sondern wird vom ihm während der Erziehung erworben und gestaltet sich endgültig in den darauf folgenden Leiden und Nöten des Lebens.
Dobroljubow, Gouvernements-Skizzen

Der Charakter der Ehe als Versorgungsanstalt, die weibliche Überzahl, die Sitte verhindern die Frau, ihren Willen kundzutun, und zwingen sie, abzuwarten, ob sie, gesucht wird.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Der Charakter der heutigen Kriegsführung ist bezeichnet durch das Streben nach großer und schneller Entscheidung.
Helmuth Graf von Moltke, Verordnungen für die höheren Truppenführer (24. Juni 1869)

Der Charakter der Roheit ist es, nur nach eigenen Gesetzen leben, in fremde Kreise willkürlich übergreifen zu wollen. Darum wird der Staatsverein geschlossen, solcher Roheit und Willkür abzuhelfen..
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 29.4.1818

Der Charakter der Weiber leidet die größte Änderung in den Jahren, wo unsrer schon fest ist, mehr in als vor der Ehe.
Jean Paul

Der Charakter des Künstlers ernährt oder verzehrt sein Talent.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Charakter des Menschen wächst sich entweder zur Nutzpflanze oder zum Unkraut aus, deswegen muss man hier rechtzeitig gießen, dort jedoch ausrotten.
Francis Bacon (1561-1626), Über die natürliche Veranlagung im Menschen

Der Charakter eines Krieges (ob er ein reaktionärer oder ein revolutionärer Krieg ist) hängt nicht davon ab, wer der Angreifer ist und in wessen Land der 'Feind' steht, sondern davon, welche Klasse den Krieg führt, welche Politik durch diesen Krieg fortgesetzt wird.
Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky

Der Charakter eines Menschen treibt entweder zum Nutzgewächs oder zum Unkraut; deshalb muss er zur rechten Zeit des einen pflegen und das andre ausrotten.
Bacon, Essays, 38, Vom menschl. Charakter

Der Charakter eines Menschen wird am besten erkannt in der Vertraulichkeit, denn da herrscht kein Zwang; oder in der Leidenschaft, denn diese überrennt eines Mannes Grundsätze oder endlich in einer neuen, unerprobten Lage, denn da lässt ihn die Gewohnheit im Stich. Glücklich sind diejenigen Menschen, deren Berufe mit ihrem Charakter harmonieren.
Bacon, Essays, 38, Vom menschl. Charakter

Der Charakter eines Regimes ist unter anderem auch daraus zu ersehen, wie es sich zur Frage der nationalen Minderheiten verhält.
Becher, Tyrannen-Schmach

Der Charakter ersetzt nicht das Wissen, aber er suppliert es.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 31.3.1824

Der Charakter ist das Schicksal des Menschen.
Heraklit, Fragmente

Der Charakter ist die sittliche Ordnung, durch das Medium einer individuellen Natur gesehen. Die Männer von Charakter sind das Gewissen der Gesellschaft, zu der sie gehören.
Smiles, Der Charakter, Einer der zwei Wahlsprüche des 1. Kap.: Einfluss des Charakters (Emerson)

Der Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern.
Kant

Der Charakter ist ein Instinkt. Er hängt noch mehr von der Natur ab als der Geist, und doch geben die Umstände allein dem Menschen Gelegenheit, ihn zu entwickeln.
Germaine Baronin von Staël, Über Deutschland

Der Charakter ist eine psychische Gewohnheit, eine Gewohnheit der Seele, und seinem Charakter gemäß handeln, heißt seinen psychischen und geistigen Gewohnheiten gemäß handeln, denn diese sind ihm allein bequem, und nur das Bequeme gehört uns eigentlich an.
Goethe (1749-1832), Riemer, 27.8.1808

Der Charakter ist eine Rille im Stein.
Afrika, Haussa
info] Er kann nicht ausgelöscht werden

Der Charakter ist weiter nichts als eine langwierige Gewohnheit.
Plutarch, Moralia

Der Charakter macht's, ob eine Person geliebt oder verabscheut wird.

Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten. Talente können sich zum Charakter gesellen, er gesellt sich nicht zu ihnen: denn ihm ist alles entbehrlich außer er selbst.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan - Israel in der Wüste

Der Charakter sitzt nicht im Verstande, sondern im Herzen.
Jacobi

Der Charakter steckt unter der Seele, so lange man diese nicht aushaucht, gibt man jenen nicht auf.
Osmanien
la]Sepem erigere durum est.
la] Naturam mutare difficile est.

Der Charakter überhaupt äußert sich in der Fähigkeit zu wirken, gegenzuwirken und, was mehr ist, sich zu beschränken, zu dulden, zu ertragen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts

Der Charakter verhält sich zum Schönen wie das Skelett zum lebendigen Menschen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen - 5. Brief

Der Charakter wird mehr durch den Mangel gewisser Erlebnisse als durch das, was man erlebt, bestimmt.
Nietzsche

Der Charakter zeigt sich im Verhalten eines Menschen jenen gegenüber, die ihm nichts nützen.
Lothar Schmidt

Der Charakter, das heißt die Mischung der ersten menschlichen Grundtriebe, der Selbsterhaltung, der Selbstschätzung usw., ist das, wovon auch die Ausbildung der übrigen Seelenkräfte ausgeht und worauf sie ruht.
Goethe (1749-1832), Riemer, Ende 1806

Der Chaser (Schwein) is treife (verboten), ober der Mejkech (Preis) is kuscher (erlaubt).
info] Der Genuss von Schweinefleisch ist zwar den Juden verboten, aber der Schweinehandel ist erlaubt.

Der Chassen muss ein Narr sein.
Jüdisch-deutsch
info] Vermutlich weil er, als der Vorbeter, bei diesen Mahlzeiten nicht selten als Lustigmacher fungierte.

Der Chauvinismus der Bourgeoisie ist eine bloße Eitelkeit, die alle ihre eigenen Ansprüche bemänteln soll. Er ist ein Mittel, durch stehende Heere die internationalen Kämpfe zu verewigen, in jedem Land die Produzenten zu unterjochen, indem man sie gegen ihre Brüder in jedem anderen Land hetzt..
Marx, Erster Entwurf zum 'Bürgerkrieg in Frankreich'

Der Chef ist ein Mensch wie jeder andere, er weiß es nur nicht.

Der Chinese liebt das Bett beim Ofen, die Ziege den Zucker.

Der Chochem stößt sich an allem.
info] Dem Weisen geht keine auffallende Erscheinung unbemerkt vorüber. Oft auch scherzhaft und im wirklichen Sinne, wenn jemand sich unvorsichtig gestoßen hat: 'Nun ja, der Chochem stößt sich an alles.'

Der Choleriker ist das Salz in der Suppe, die der Schöpfer sich eingebrockt hat, als er den Menschen erschuf.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Der Choleriker ist kein Revolutionär. Er entflammt zwar leicht, brennt aber schwer.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Der Choleriker ist verliebt.
it] Chi è collerico è amoroso.

Der Christ ist nur ein Jude 'freieren' Bekenntnisses.
Nietzsche, Antichrist

Der Christ ist von sich selber getrennt: die Spaltung von Körper und Seele, von Leben und Geist wird vollkommen.
Simone de Beauvoir.

Der Christ muss für seine Feinde beten und nicht gegen sie.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1878)

Der Christ muss gewohnt sein, die innere Religion des Herzens und die der äußeren Kirche als vollkommen eins anzusehen, als das große allgemeine Sakrament, das sich wieder in so viel andere zergliedert und diesen Teilen seine Heiligkeit, Unzerstörlichkeit und Ewigkeit mitteilt.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,7

Der Christ wird von dem Juden betrogen wie der Teufel von seiner Grossmutter.
Böhmen

Der Christen Blut Christen zeugen tut.

Der Christen Feiertag ist Gottes Werktag.

Der Christen Gebet ist ihre stärkeste Wehr.

Der Christen mauer ist nicht balk und steine, sonder glaub und gebet.

Der Christen tot ist ein end all ihrer not.

Der Christen Unglück ist ihr Glück.

Der Christen Unverträglichkeit haut ihn'n mit der linken die rechte Hand ab.

Der christliche Entschluss, die Welt hässlich und schlecht zu finden, hat die Welt hässlich und schlecht gemacht.
Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft 130

Der christliche Gehorsam ist seinem Wesen nach heldenhaft.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Der christliche Glaube besteht nicht darin, dass alle Christen in allen Punkten dieselbe Meinung haben, sondern dass jeder im Geiste Christo handle.
Albert Schweitzer, Predigt, Januar 1899

Der christlichen Kirche dagegen sind wir die Erhaltung der Kunst, und wär es auch nur als Funken unter der Asche, schuldig.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Heidelberg

Der Chübel (Kübel) g'heit (sinkt) em z' hufe.
Solothurn
info] Sinkt zusammen, das geht dem ökonomischen Ruin entgegen.

Der Chuchem (Weiser) vûn Ma - nischtanne.
info] Ma - nischtanne = ein Gebetstück, welches an den Osterabenden gesagt wird. Von einem Menschen, der klug sein sollende Fragen zu beantworten hat.

Der Computer ist eine großartige Erfinung. Es passieren genauso viele Fehler wie früher. Aber niemand ist daran Schuld.
Unbekannt

Der Computer kann alles - aber sonst nix.
Unbekannt

Der da hat die Kühe, der hab' auch die Mühe.

Der da hat keine Mühe,

Der da hat keine Mühe,
dem gibt man die Kühe,
und der da hat die Mühe,
dem nimmt man die Kühe
und gibt ihm die Brühe.

Der da oben hat alles in seiner Hand.

Der da oben hat's getan.

Der da pflüget, soll auf Hoffnung pflügen.
1. Kor. 9, 10

Der da saget, dass kein Leer
Irgendwo zu finden wär,
Der hat nicht gesehn soweit
in die Beutel unsrer Zeit.
Logau, Die Natur duldet nichts Leeres

Der Dachs geht nicht aus seinem Bau, es treib' ihn denn der Hunger.

Der Dachs ist des Fuchses Arbeitsmann.
Estland

Der Dachs lässt das Graben nicht.

Der Dachs zehrt vom eignen Fett.

Der Dahir hatte Schmerzen am Finger, und das hielt ihn vorm Heiraten zurück.

Der Dairi (Japanischer Papast) stirbt nicht.

Der Dalfen (Arme) darf kaan Natur habe'!
info] So sagte ein Armer zum anderen, als dieser äußerte, dass eine gewisse Speise seiner Natur nicht zusage-

Der Dalfen hot die maaschte Kinder.

Der Dalles (Not, Armut) is Grosshofmeister bei'm.

Der Damaszener ist ein Betrüger.

Der Damm zerreisst, das Feld erbraust,
Die Fluten spülen, die Fläche saust.
Goethe (1749-1832), Kantaten, Johanna Sebus

Der Dämon bedeutet hier die notwendige, bei der Geburt unmittelbar ausgesprochene, begrenzte Individualität der Person, das Charakteristische, wodurch sich der Einzelne von jedem Andern bei noch so großerähnlichkeit unterscheidet. [..] In diesem Sinne einer notwendig aufgestellten Individualität hat man einem jeden Menschen seinen Dämon zugeschrieben, der ihm gelegentlich ins Ohr raunt, was denn eigentlich zu tun sei..
Goethe (1749-1832) über seine Gedichte - Urworte Orphisch - Dämon - Das Zufällige

Der Dämon des Besitzes verpestet alles, was er berührt. Ein Reicher will überall den Herrn spielen und befindet sich nirgends wohl, wo er es nicht ist. So ist er genötigt, stets vor sich selber auf der Flucht zu sein.
Rousseau, Emile

Der Dämon schleudert eine Woge (des Unglücks) nach der anderen.
Altgriechisch
info] Ein Unglück kommt selten allein.

Der dampft als wêi a Herschahêiter.
Nürnberg
info] Er bläst den Tabackrauch so stark aus, qualmt so wie ein Flurwächter gegen Wildschäden, ein Hirschhüter.

Der Dandy muss sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterlass erhaben zu sein, er muss leben und schlafen vor einem Spiegel.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Der Dank für die Wohltat kommt immer erst nachher.

Der Dank ist bald eingenommen.
la] Si quid benefacias pluma levior est gratia.
la] Si quid peccaris plumbeas iras gerunt.

Der Dank ist schon gessen.
la] Post munus illico seneseit gratia.

Der Dank kostet nichts und gefällt doch Gott und Menschen wohl.
dk] Tak koster lidt, og behager gud og mennesker.

Der dankbare ist auch der treue Mensch im Sinne des Sich-selbst-treu-Seins bis in den Tod.
Walther Victor, Von der Dankbarkeit

Der Dantz regt den Schwantz.

Der darf auf Schand und Frevel pochen,
Der auf Mitschuldigte sich stützt..
Goethe (1749-1832), Faust II A I, Saal des Thrones (Kanzler) Vs 4795f.

der darf des Glücks nicht warten.

Der darf Narr zu Prag sein.
info] Die prager, metzer und fürter Juden galten als die jüdischen Schildaer, wie die wormser als wundergläubig.

Der darf nicht sagen: Gott straf mich, der ist gestraft genug.
Rottenburg
info] zB. wer die oder die heiratet

Der darf sich vor dem Wasser nicht fürchten.
info] Er ist so hager und leicht, dass er nicht untersinken kann.

Der darf vom Freunde annehmen, dem das Empfangen die gleiche Freude bereitet wie dem Freunde das Schenken.
La Bruyère, Vom Herzen

Der darf vom Recht nichts Gutes hoffen, der sich selber klaget an.
la] Qui genus jactat suum, aliena laudat. Seneca

Der das dünnste Kleid anhat, muss am nächsten bei der Tür sitzen.
nl] Die het duurste kleed aanheeft, moet met den rug tegen het gat van de deur zitten.
la] In vili veste nemo tractatur honeste.

Der das eis zuerst bricht, hat auch seinen ruhm und wohl die meiste arbeit.

Der das Gänschen gab, wird auch für das Gräschen sorgen.

Der das Käpplein gemacht hat, kann auch die Kappe machen.

Der das Kind haben soll, muss unten liegen.
ndt] De dat Kind hebben sall, mut ünner liggen.
info] Pflegte man früher in Hamburg beim Anstecken einer Tabakspfeife an der andern zu sagen.

Der das Kleid macht, trägt es nicht.
nl] Die het kleed maakt, draagt het niet.

Der das Kleine in Ehren hält, ist des Großen desto würdiger.

Der das Laufen erdacht hat, der ist kein Narr gewesen.

Der das laufen hat erdacht, hat viel aus not und schanden bracht.

Der das Nützliche
So mit dem Angenehmen zu verbinden weiß,
Dass er den Leser im Ergötzen bessert,
Vereinigt alle Stimmen
Horaz, Briefe

Der das Pferd sattelt, ist nicht immer der, der es reitet.
Russland

Der das Schwert zieht, soll durchs Schwert fallen.

Der das seine begert zu erhalten, der hat besser recht, als der begert zu gewinnen.

Der dass unrecht mit ernsten reden straffen soll, und er ein brey im maul hat, dessen schatten nutzt so viel als er.

Der Date und Dabitur sind zwei Brüder, welche stets beieinander sind.

Der Dativ ist der Optativ. Italien (Der Gebe-Fall ist der Wunsch-Fall, schenken heißt angeln)

Der Dativ ist der Optativ.
Italien
info] Der Gebe-Fall ist der Wunsch-Fall, schenken heißt angeln.

Der dauernde Wert eines Wortes beruht darauf, dass es ein Wort zur rechten Zeit, ein Wort zu seiner Zeit ist.
Fucik, 'Zvon' noch nach zwanzig Jahren

Der Dauerredner merkt nicht, wie vernichtend diese Art von Rededauer ist, welche er seinem Publikum zumutet. Bei jedem Satz, den er weiter spricht, hebt er die gute Wirkung des Vorhergesagten auf..
Becher, Macht der Poesie

Der Daumen ist eine Drittelhand.
info] Wer einen anderen um den Daumen bringt, hat ein Drittel der Buße zu zahlen, die für den Verlust der Hand festgesetzt ist.
fries] Fhil thumma is en trimma hond.

Der Daumen ist ihm endlich in dîe Hand gefallen.
info] Er ist endlich zu Verstande gekommen

Der Daus, da blieb ein Wagenrad stecken.
info] Ausruf der Verwunderung.

Der de Schur hat, hat's Amt.
Oberschwaben

Der Deckel passt zur Schüssel.
un] Cseréptálhoz fakanál.

Der Degen nützt die Scheide ab.

Der Degen soll ohne Ursache nicht ausgezogen und ohne Ehre nicht wieder eingesteckt werden.

Der Degen und das Geld erfordern kluge Hände.

Der dem Bruder den Bruder gegeben, hat ihre Geldbeutel besonders gemacht.

Der dem hund nicht wehret, der hetzt ihn.

Der dem Kläffer nicht in seine Nachrede fällt, der bestellt ihn.

Der dem Menschen ein Wolf ist, ist kein Mensch, sondern ein Wolf.
Brecht Ist der Kommunismus exklusiv?

Der dem Spiel zusieht, will's immer anders gespielt haben.

Der dem Stolz wesensgemäße Ort ist die Weisheit: denn man kann einem Menschen nicht zugestehn, dass er weise geworden ist, und ihm zugleich sagen, dass er unrecht hat, sich dessen zu rühmen, denn das ist nur gerecht.
Pascal, Gedanken

Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
Der Soldat allein ist der freie Mann.
Schiller, Wallensteins Lager, 11. Auftritt (Dragoner)

Der demagogische Charakter ist gegenwärtig allen politischen Parteien gemeinsam.
Nietzsche

Der Demant (Diamant) ist ein teurer Stein, aber Funken gibt er nicht.
dk] Demanten er blandt ædelstene som guldet blandt metallerne.

Der Demant ist ein teurer Stein, aber Funken gibt er nicht.

Der Demokrat ist ein junger Konservativer, der Konservative ein alter Demokrat.
Emerson

Der demokratische Staat wird auf keinem Gebiet, in keinem Zweig der öffentlichen Angelegenheiten die Unterdrückung, die Majorisierung irgendeiner Nationalität durch eine andere zulassen.
Lenin, Zur Frage der nationalen Politik

Der Demut Stand kriegt Oberhand.

Der Demütige hat einen sicheren Schritt.
Hawaii

Der Demütige hat Kummer, der Sorgende verkauft Güter, froher Sinn geht durch die Mitte.

Der den andern vermag, der steckt (stößt) ihn in Sack.
nl] Die den ander over kan, steckt hem in zijn zak.
la] Tollitur e medio sapientia, vi geritur res.
sd] Den meer kan han sticker den andra i säcken.

Der den Braten dreht, bekommt ihn nicht.

Der den Braten nicht genossen, den schmeißt man mit dem Bratenspieß.

Der den Brei gekocht hat (bläst), der esse ihn.

Der den Brei gekocht hat, muss ihn auch selbst ausessen.

Der den Hasen fängt, genießt nichts davon.

Der den Hund hetzt, bekommt nicht immer den Hasen.

Der den Kläffer nit in sein nachred felt, der bestelt jn.

Der den Korkbaum erschuf, hat auch den Stöpsel mit erfunden.

Der den mann fängt, hat auch sein haut.

Der den mantel gegen den wind halt und sich auf alle sättel gerecht macht, der redt mit zweyen zungen.

Der den Mond gemacht hat, weiß wohl, wie alt er ist.

Der den Mond gemacht hat, wird wissen (o. weiß wohl), wie alt er ist.
dk] Den som har skabt maanen, veed vel hvor gammel han er.
ho] Die de mane maecte, weet wael hoe alt si is.
la] Quam vetus est luna, scit cuncta creans deus una.

Der den Opinionen folgt, ist wie einer, der sich lässt am strohhalm führen, und meint, er sey an Händen gefesselt.

Der den Sack aufhält und der, der etwas hineintut, die sind beide gleiche Schelme.
Schweiz

Der den Sack aufhebt ist so schlimm als der hineinschüttet.
fr] Autant pèche celui qui tient le sac que celui qui met dedans.

Der den Sack aufhebt, ist so schlimm, als der hineinschüttet.

Der den Schalcksbalg hat abgestreifft, ist zunächst an den Grezen der Tugend.

Der den Schwarm austreibt, den stechen die Bienen, aber den, der den Honig isst, schmerzt es nicht.

Der den Teufel schrecken will, muss laut schreien.

Der den Teufel um Rat fraget, wird geäffet und betrogen.

Der den Teufel zu Hause ladet, muss jhm Werk schaffen.

Der den Wagen baut, fährt am wenigsten darin.
info] Einer baut die Kibitke, der andere fährt darin.
Russland

Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft, dass er an die Stelle, wo das unaufgelöste Problem liegt, gerne ein Phantasiebild hinfabelt, das er nicht los werden kann, wenn das Problem auch aufgelöst und die Wahrheit am Tage ist.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 591

Der denkende Mensch irrt besonders, wenn er sich nach Ursache und Wirkung erkundigt, sie beide machen zusammen das unteilbare Phänomen. Wer das zu erkennen weiß, ist auf dem rechten Wege zum Tun, zur Tat.
Goethe (1749-1832), Riemer 5.7.1831

Der denkende Mensch ist der allgemeine, der empfindende der besondere, daher rühren die Widersprüche zwischen Kopf und Herz, aber kommt es, dass man ein Bagatell verachten und sich doch davon verletzt fühlen kann.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Der Denkende weiß die für ihn eigentliche Wahrheit als seinen Glauben.
Karl Jaspers

Der Denker denkt vom Hut zum Schuh,
Und ihm gerät in Blitzes Nu
Das Was, das Wie, das Beste.
Goethe (1749-1832), Gedichte: Gott und Welt: Die Weisen und die Leute: Diogenes

Der Denker, der dir kein Grauen erregt, ihn magst du zu Tisch einladen.
Christian Morgenstern, Stufen: Erkennen

Der denkt alle Furzlang was anders.
Hirschberg
info] Von Wankelmütigen, Veränderlichen, Unbeständigen

Der denkt auch, mit Schulden zahlen wird das meiste Geld verläppert.

Der denkt oh, der große Hund ist sein Pate.
info] In der Gegend von Görlitz von Großsprechern und Dicktuern.

Der denkt sich seine Sache bei Tage aus, da kann er zu Nacht schlafen.

Der denkt übel, der das Widerspiel nicht doppelt bedenkt.
fr] Mal pense qui ne contrepense et repense.

Der denkt, Kuhdreck ist sein Vetter.

Der der gemeinde dient, hat ein bösen herren (o. Meister).
fr] Qui sert au commun a un méchant maître.
ho] Die der ghemeinten dient, dient enen quaden heer.
it] Chi serve la communità, ha un cattivo padrone.
la] Pravo servit hero, qui vulgo servit iniquo.
la] Pro beneficentia Agamemnonem ulti sunt Archivi.

Der der Nächste ist, bleibt bei dem Gut.
info] Im lübeckschen Recht: De de negeste is blifft bi dem gude.

Der der zeit dient, der dient ehrlich.

Der des Feuers bedarf, der sucht es in der asche.

Der des fewers (Feuers) darff (bedarf), ser sucht ys in der asche.

Der des Rauchs gewohnt ist, der lässt sich ein kleinen rauch nicht beißen oder vertreiben.

Der des teufels eigen ist, frey ist der zu keiner frist.
la] Non liber natus, qui daemonibus propriatus.

Der Despot ist ein Menschenfresser.
Helvetius, Vom Menschen

Der Despot ist immer bemüht, zu beweisen, dass ihm niemand etwas zu sagen hat, er jedoch alles tun kann, was er will.
Dobroljubow, Das finstere Reich

Der despotische Thron ist die hervorragende Turmspitze eines von Bergen verschütteten Dorfes.
Jean Paul, Gesammelte Aufsätze und Dichtungen

Der Despotismus bedeutet die Willkürherrschaft eines einzelnen über die Mehrheit mit Hilfe einer Minderheit, aber der Despot kann, zur Willkürherrschaft erst gelangen, nachdem er diese Minderheit verdorben hat.
Diderot, Luxus

Der Despotismus fördert die Autokratie eines jeden, indem er von oben bis unten die Verantwortlichkeit dem Individuum zumutet und so den höchsten Grad von Tätigkeit hervorbringt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 321

Der Despotismus forderte Automaten - und Priester und Leviten waren fühllos genug, sie ihm aus Menschen zu schnitzen.
Georg Forster, Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit

Der Despotismus hält sich nur mit Hilfe des Aberglaubens und der Barbarei aufrecht.
M. Grimm, Weinbauverbot

Der Despotismus ist gleichsam das Alter und die letzte Krankheit eines Reiches.
Helvetius, Vom Menschen

Der Despotismus zerstört sich selbst, indem er sich entweder entkräftet und die Beute des Nachbars wird oder die Wunde so arg macht, dass endlich der Kranke vor Schmerz aufspringt.
Knigge, Der Traum des Herrn Brick

Der Despotismus, um konsequent zu sein, muss die moralische Nullität der Menschheit wollen. Diesen Zustand nennt er: ihr Glück.
Georg Forster, Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit

Der Determinismus ist Gesetz der Welt. Zudem erfordert die Tat nichts Weiteres als teilweise Verkettung und örtliche Konstanten. Ebenso ist es nicht wahr, dass ein freier Mensch nicht wünschen kann, befreit zu werden. Denn nicht in der gleichen Beziehung ist er frei und gefesselt. Seine Freiheit ist gleichsam die Erhellung der Lage, in die er geworfen ist.
Jean Paul Sartre, Materialismus u. Revolution, II: Die Philosophie der Revolution

Der Deutsche (d. i. der Herr) prügelt, der Deutsche zahlt.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) beißt vom Überfluss ab, der Bettler beißt vom Hunger ab.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) fährt mit dem Schlitten, der Bauer mit dem Bauernschlitten, ich mit einem armseligen Rodelschlitten; von hinten komme ich, nach vorn gehe ich.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) hat hundert Bäuche und tausend Münder.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) hat tausend Nöte.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) rügt des Bettlers Mundvoll, der Bettler des Deutschen (d. i. des Herrn) Mahlzeit.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) soll ein einziges Auge und auch dieses im Arsch haben.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) war des Bauern Teufel und der Pastor sein Gott.
Estland

Der Deutsche (d.i. der Herr) will ein Geschenk, das Rad Schmiere.
Estland

Der Deutsche (der Herr) beisst vom Überfluss ab, der Bettler beisst vom Hunger ab.
Estland

Der Deutsche (der Herr) fährt mit dem Schlitten, der Bauer mit dem Bauernschlitten, ich mit einem armseligen Rodelschlitten, von hinten komme ich, nach vorn gehe ich.
Estland

Der Deutsche (der Herr) hat hundert Bäuche und tausend Münder.
Estland

Der Deutsche (der Herr) hat tausend Nöte.
Estland

Der Deutsche (der Herr) prügelt, der Deutsche zahlt.
Estland

Der Deutsche (der Herr) rügt des Bettlers Mundvoll, der Bettler des Deutschen (d. i. des Herrn) Mahlzeit.
Estland

Der Deutsche (der Herr) soll ein einziges Auge und auch dieses im Arsch haben.
Estland

Der Deutsche (der Herr) war des Bauern Teufel und der Pastor sein Gott.
Estland

Der Deutsche (der Herr) will ein Geschenk, das Rad Schmiere.
Estland

Der Deutsche allzu höchst in Kunst und Wissen stellt,
Hier, was er nicht versteht, dort, was ihm nicht gefällt.
Grillparzer, Epigramme: Wir Deutschen

Der Deutsche bezahlt und der Ungar regiert.
info] Ein seit 1866 in Österreich entstandenes Sprichwort, welches die Bevorzugung der Ungarn den Deutschen gegenüber bitter charakterisiert.

Der Deutsche Bund - das deutsche bunt.
info] So taufte Ludwig Jahn den Deutschen Bund bei seiner Entstehung

Der Deutsche Bund bracht' uns auf den Hund.

Der deutsche Bundestag ist mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer.
Otto Graf Lambsdorff

Der Deutsche denkt - und die Polizei lenkt.

Der Deutsche denkt an das, was gewesen, der Franzose an das, was ist, und der Spanier an das, was sein wird.

Der Deutsche denkt es aus,
der Franzose macht's nach zuhaus,
der Brite kommt hinterdrein
und steckt den Nutzen ein.

Der Deutsche denkt und die Polizei lenkt.

Der deutsche Dichter [Goethe], bis ins hohe Alter bemüht, die Verdienste früherer und mitlebender Männer sorgfältig und rein anzuerkennen, indem er dies als das sicherste Mittel eigener Bildung von jeher betrachtete..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Zum Andenken Lord Byrons

Der Deutsche duldet alles, nur keine Nasenstieber.
z] Der Teutsche lässt alles mit sich machen, nur Nasenstieber verträgt er nicht. Ch. Fr. D. Schubart an Kayser, Ulm 1776

Der Deutsche ehrt in allen Zelten
Der Fürsten heiligen Beruf;
Doch liebt er frei einherzuschreiten
Und aufrecht, wie ihn Gott erschuf.
Uhland, Vaterländische Gedichte: Am 18. Oktober 1815

Der Deutsche fährt nicht wie andere Menschen. Er fährt, um Recht zu haben.
Kurt Tucholsky

Der Deutsche findet es durch Überlegung heraus, der Russe mit den Augen.
Russland

Der Deutsche fragt bei seiner Erziehung nicht: was braucht der Mensch fürs Haus? sondern: was braucht er, wenn er wie Robinson einmal auf eine wüste Insel verschlagen wird? und danach richtet er den Lehrplan ein.
Hebbel, Tagebücher, Wien, 26.1.1854

Der Deutsche fügt sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung, unter der er ist, und ist am meisten von Neuerungssucht und Widersetzlichkeit gegen die eingeführte Ordnung entfernt. Sein Charakter ist mit Verstand verbundenes Phlegma.
Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Der Deutsche fürchtet nicht, dass er seine Unterhosen verliere.
Bosnien

Der Deutsche geht um das Ding herum, der Franzose fängt den Lichtstrahl auf, den es ihm zuwirft, und geht weiter.
Heinrich von Kleist, an Luise von Zenge, 16. August 1801

Der deutsche Geist ist eine Indigestion, er wird mit nichts fertig.
Nietzsche, Ecco homo, Warum ich so klug bin

Der Deutsche glaubt an Gott wie der Teufel an seine Hörner.
Polen

Der Deutsche gleicht gewissen Weinen, die verschnitten am trinkbarsten sind.
Ernst Jünger

Der Deutsche hängt an seinen Dynastien, und die Dynastien hängen auch an Deutschland.
Bismarck, zu den Vertretern Thüringens in Kissingen, am 2. August 1893

Der Deutsche hat an und für sich eine starke Neigung zur Unzufriedenheit. Ich weiß nicht, wer von uns einen zufriedenen Landsmann kennt. Ich kenne sehr viele Franzosen, die vollständig mit ihrem Geschick, mit ihren Erlebnissen zufrieden sind..; ihr ganzer Ehrgeiz (ist), sich als Rentier bis zu ihrem Lebensende zurückzuziehen.Vergleichen Sie damit den Deutschen; dessen Ehrgeiz ist von Hause aus nicht auf eine nach dem 50. Jahre zu genießende Rente gerichtet - sein Ehrgeiz ist schrankenlos.
Bismarck, Rede im Reichstag, 9.10.1878

Der Deutsche hat den Affen erfunden - ihn zu erfinden ist bei weitem interessanter als der Affe selbst.
Anton F. Tschechow, Notizbücher

Der Deutsche hat die Welt überlistet, beim Litauer verließ ihn sein Glück.
Polen

Der Deutsche hat Freiheit der Gesinnung, und daher merkt er nicht, wenn es ihm an Geschmacks- und Geistesfreiheit fehlt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 80

Der Deutsche hat für alles ein Instrument.
Russland

Der Deutsche hat für den Komplex des Daseins eines wirklichen Wesens das Wort Gestalt. Er abstrahiert bei diesem Ausdruck von dem Beweglichen, er nimmt an, dass ein Zusammengehöriges festgestellt, abgeschlossen und in seinem Charakter fixiert sei.
Goethe (1749-1832), Bildung und Umbildung organischer Naturen - Die Absicht eingeleitet

Der Deutsche hat seinen Verstand in den Fingern. Italien

Der Deutsche hat seinen Witz (o. Verstand) in den Fingern.
it] Gl' Inglesi scrivono profondo, i Francesi grazioso, gl' Italiani divino, ma i Tedeschi molto. (Die Deutschen sind Vielschreiber, während der englischen Literatur Tiefsinnigkeit, der französischen Angenehmheit und der italienischen Göttlichkeit zukäme)

Der Deutsche ist dumm, er kauft alles.
Polen

Der Deutsche ist ein Kaulbarsch, ein Lämmchen, eine Rohrdommel, ein Schnadderer, ein Schnarrer, ein Stammeler.
z] Dannen sie einen Bublys - eine Rohrdommel von seiner männlichen Stimme, dann Puykis, einen Kaul-Parsch als der ihnen stachlicht ist, dann Awinelis das Lämmchen, weil er still ist, dann Swaplies, einen Schnadderer, von einem, dem die Rede nicht fliessen will, sprechen sie mekkendams kalba, er stammelt was her, dann knurklys auch klau klas - einen Schnarrer.
Lepner, Der preussische Littauer, Danzig 1744

Der Deutsche ist einfach ein Mensch ohne Groll. Daher kommt ihre große Überlegenheit Sie verlieren die Nerven nicht. Sie werden noch über uns herfallen, wenn der richtige Augenblick gekommen ist.
Clemenceau, Bei Jean Martet, Clemenceau spricht, 26.6.1928

Der Deutsche ist gelehrt,
Wenn er sein Deutsch versteht.
Goethe (1749-1832), Gedichte: Epigrammatisch: Naivität

Der Deutsche ist groß wie eine Pappel, aber dumm wie eine Bohne.
Polen

Der Deutsche ist in Estland guter Russe, im Elsass guter Franzose, in Amerika eifriger Yankee, nur in Deutschland will er nicht Deutscher, selbst nicht ein Coburg-Gothaer, sondern Gothaer oder Coburger sein.
Helmuth Graf von Moltke, Redeentwurf 1868/2

Der Deutsche ist klug bis Mittag, bald danach wird er töricht.
Polen

Der Deutsche ist redlicher als jede Nation; nur er darf die Phrase 'deutsch handeln' für 'gerade handeln' nehmen.
Jean Paul, Freiheitsbüchlein

Der Deutsche ist schlau: er hat den Affen erfunden (o. erdacht).
Russland

Der Deutsche ist schwer in Harnisch zu bringen, aber noch schwerer wieder heraus.

Der Deutsche ist von Natur aus Romantiker und versagt daher gewöhnlich bei realistischen Funktionen.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Der deutsche Kaiser ist Herr über Könige, der Spanier über Pferde, der Franzose über Esel und der Engländer über Teufel.
info] Es möge ein japanisches Sprichwort Platz finden, welches daran erinnert, dass der japanische Kaiser zu den Großen seines Reichs in einem ähnlichen Verhältnisse steht, wie einst der deutsche Kaiser gestanden hat, nämlich: 'Es muss schlecht um den Kaiser stehen, wenn der Satzuma zwei Jahre ausbleibt.' Nach der Reichsverfassung des japanischen Reichs soll jeder Edelmann täglich den Hof des Taikuns (Wahlkaisers) zu Yeddo besuchen, um auf Begehr seinen Rat zu erteilen; aber viele Daimios (Edelleute) bleiben jahrelang auf ihren Gebieten und begnügen sich, ihren Erben, der noch ein Kind sein kann, oder ihre Gemahlin in Yeddo als Geisel zurückzulassen. Der Fürst von Satzuma, einer der 24 Kurfürsten oder Kaiserwähler, der im obigen Sprichwort erwähnt ist, pflegt sogar sein Missfallen der Regierung durch Fernbleiben von der Hauptstadt auszudrücken.
fr] L'empereur d'Allemagne est le roy des roys; le roy d'Espagne roy des hommes, le roy de Trance roy des ânes, et le roy d'Angleterre roy des diables.

Der Deutsche kommt wie die Weide überall fort, wohin man sie setzt.
Russland

Der Deutsche läuft keine größere Gefahr, als sich mit und an seinen Nachbarn zu steigern. Es ist vielleicht keine Nation geeigneter, sich aus sich selbst zu entwickeln, deswegen es ihr zum größten Vorteil gereichte, dass die Außenwelt von ihr so spät Notiz nahm.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 764

Der Deutsche lebt von Sauerkraut.

Der Deutsche liebt das Bierglas, der Franzose das Weinglas, der Russe das Schnapsglas.

Der Deutsche liegt im Charakter so zwischen dem Franzosen und dem Engländer in der Mitte, dass unsere Romaneschreiber leicht einen von diesen beiden schildern, wenn sie einen Deutschen nur mit etwas starken Farben malen wollen.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Der Deutsche lügt, sobald er höflich ist.
z] Nichts ist widerlicher als jene von der Menge für Bildung gehaltene äußerliche Höflichkeit, die bei allem eiteln Kleinigkeitssinne doch der rechten ungeschminkten Herzensdemut bar und ledig ist, die dem offenen Biedersinne unsers Volkscharakters Hohn spricht, und die jenes bekannte Wort Goethe's rügt: Der Deutsche lügt, sobald er höflich ist.

Der Deutsche macht kein Loch, aber er saugt das Blut aus.
Polen

Der deutsche Magen und die deutschen Zeitungen nehmen alles auf.

Der Deutsche meint, nur trübe Wasser können tief sein.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3, Irrlicht

Der deutsche Mensch seit Anbeginn seiner Geschichte ein Unsteter, ein wenig Faust, ein wenig Ahasver, auch ein wenig ungläubiger Thomas, ist nun zum Berserker geworden - er pocht nicht mehr an die Pforten, er sprengt die Riegel. Der Geist des römischen Sklavenführers scheint über Nacht in ihn gefahren zu sein.
Ossietzky, Das werdende Deutschland

Der deutsche Michel.
info] Entweder der Titel, den man man jenseit des Rheins den biedern, geraden, ehrlichen Deutschen gibt, oder den man diesseits desselben denen beigelegt, oder richtiger früher beilegte, die keine lateinische Schule besucht hatten. Jetzt fängt man an, auch die allmählich zu den Menschen zu rechnen, zu deren Bildung die alten Sprachen nicht mitgewirkt haben. Wohl richtiger die gemeinsame Benennung der Deutschen als Vertreter des gesammten Volks, wie Jan Hagel für Pöbel, John Bull für das englische Volk, Yankees oder Bruder Jonathan für Nordamerikaner gebraucht, der Franzose Jean Foutre und der Holländer Mynheer genannt wird. Es scheint das althochdeutsche mihil, mittelhochdeutsch michel oder groß (unbeholfen, schwerleibig, klotzig) zu sein, womit man sagen will: unbeholfener Deutscher; der deutsche Michel so viel als das ganze schwerleibige deutsche Volk. Man hat zwar versucht, den Ausdruck 'deutscher Michel' von diesem spöttischen Beigeschmack zu befreien, indem man ihn auf eine wirkliche Person zurückführen wollte. Zum Beweis dessen hat man behauptet, der erste Träger desselben sei ein tapferer Soldat, Michael Obertraut, 1620-22 Generallieutenant im Dienste des dänischen Königs gewesen, der sehr erfolgreich gegen die Spanier gekämpft habe. Bei jedem Vorteil, den man errang, hieß es: 'Das haben wir dem deutschen Michel zu verdanken.'
z] Diese Benennung führt Phil. Andr. Bourgoldensis in seinen Discursa ad instrumentum Pacis Osnabrugo-Monasteriensi her von den in dem Dreissigjährigen Kriege durch seine Tapfferkeit berühmten Michaele Obertrautio, welcher als eine Zierde der deutschen Milit. der deutsche Michel genannt wurde, wiewohl dieses Wort jetzund gantz in einem andern Verstande angewendet wird.
z] Anno 1638 ist zu Insprug der deutsche Michel oder ein neues Mengelied wider alle Sprachverderber nachgedruckt worden, das sich anhebt: Ich deutscher Michel versteh schier Nichel in meinem Vaterland. Es ist eine schand, man tut fremde reden in allen Läden. Die Leite reden Latein, Welsch und Französisch, halb japonesisch' u.s.w. Die Bezeichnung 'deutscher Michel' ist aber ältern Ursprungs und hat sich, längst vorhanden, sicher nur an den Vornamen des Generals Obertraut angelehnt, selbst wenn die aus dem Althochdeutschen angeführte Belegstelle: 'Das diutschiu Volk ist mihhil giheissan', unecht und nur von ihm erfunden wäre, was man bei seinen Citaten nicht wissen kann, da sie, wie eben die vorstehende, der Quellenangabe gänzlich ermangeln oder nicht am angeführten Orte zu finden sind. Es erscheint aber fast geboten, hier schließlich noch zu bemerken, dass das Jahr 1870-71 in den Anschauungen und Urteilen über den 'deutschen Michel' als Volksbezeichnung eine wesentliche Änderung herbeigeführt hat. Noch 1845 klagt der Dichter in: Des armen Michel's Lebenslauf. Teutsches Heldengedicht in sechs Klageliedern: 'Ich armer Michelissimus, Weltmutter, was hatt'st du verbrochen, das dich unser lieber Herrgott ließ kommen mit mir in die Wochen?' Und sagt, ihn zu charakterisieren: 'Sie (andere Völker) kräftigten zu Nationen sich, und ich ich blieb der Michel. Ich blieb der Michel und ging nach Haus und legte mich auf den Glauben; denn weil mir die irdischen hingen zu hoch, so schielt' ich nach himmlischen Trauben. So bracht' ich das Mittelalter herum, gehorsam Gott und dem Fürsten, den einen Hang verspürend nur, nach Sauerkraut und Würsten.' Namentlich wurde der 'deutsche Michel' als verschlafen, unerweckbar, als unempfindlich gegen üble Behandlung dargestellt. H. Heine sagt: 'Ich konnte dadurch bei dem schnarchenden Giganten nur ein sanftes Niesen, keineswegs ein Erwachen bewirken. Riss ich auch heftig an seinem Kopfkissen, so rückte er es sich doch wieder zurecht, mit schlaftrunkener Hand. Michel lächelte im Schlummer.' Noch 1849 behauptet die Westdeutsche Zeitung: 'Kein Schriftsteller in der Welt ist stark genug, den deutschen Michel aufzureizen'; er hat aber 1870 bewiesen, dass alles einmal, auch sein Schlaf und seine Geduld ein Ende habe, er hat gezeigt, dass er, wenn er zur rechten Zeit und auf die rechte Weise geweckt wird, aufzustehen und den ihm gebührenden Platz einzunehmen weiß.

Der Deutsche muss einen Zopf haben.
Amerika
info] Die personifizierte Kleinigkeitskrämerei oder ein sklavischer Anhänger an überkommenen Formen

Der Deutsche nichts lieber kaut als Bratwurst und Sauerkraut.

Der deutsche Philister scheut, eben weil er ein tatloses Subjekt ist, nichts sosehr wie den Vorwurf, tatlos zu sein.
F. Mehring, Positivitis

Der deutsche Philister, das bleibet der Mann,
Auf den die Regierung vertrauen noch kann.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Lied vom deutschen Philister

Der deutsche Priester ist, - was seiner Religiosität Ehre macht, - weil sein Nationalgefühl schwach entwickelt ist, in erster Linie Priester und dann erst Deutscher.
Bismarck im Herrenhaus des Preußischen Landtages, am 12. April 1866

Der Deutsche rechnet auf einen Koch drei Kellner.
info] Mehr trinken als essen

Der Deutsche schießt auf wie eine Weide, wo er auch hingepflanzt ist.
Russland

Der Deutsche sieht nur Stoff und glaubt, wenn er gegen ein Gedicht Stoff zurückgäbe, so hätte er sich gleichgestellt, über das Silbenmaß hinaus erstreckt sich ihr Begriff von Form nicht.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 7.12.1796

Der Deutsche sitzt verständig zu Gericht.
Goethe (1749-1832), Drei Gedichte über den Faust - Abkündigung

Der Deutsche soll alle Sprachen lernen, damit ihm zu Hause kein Fremder unbequem, er aber in der Fremde überall zuhause ist.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Der Deutsche spricht mit Verstand, der Franzose mit Witz. Das Gespräch des erstern ist wie eine Reise zum Nutzen, das Gespräch des andern wie ein Spaziergang zum Vergnügen.
Kleist, an Luise von Zenge, 16. 8. 1801

Der deutsche Stamm führt nichts Gutes gegen die Slawen im Schilde.
Russland

Der Deutsche trinkt das meiste, der Engländer isst das meiste, der Flandrer isst und trinkt das meiste.

Der Deutsche tut alles für Geld, der Schwede alles für 'n Schnaps.
Schweden

Der Deutsche versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos.
Friedr. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Der Deutsche war in der Literatur auf gutem Weg und wird ihn gleich wiederfinden, sobald er das schädliche Bestreben aufgibt, die Nibelungen der Ilias gleichzustellen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Urteilsworte französischer Kritiker

Der Deutsche wird dem Tschechen erst günstig sein, wenn sich die Schlange auf dem Eise wärmt.
Tschechien und Slowakien

Der Deutsche wird schon noch so klug werden als der Litauer.
Litauen

Der Deutsche, seit beinahe zwei Jahrhunderten in einem unglücklichen tumultuarischen Zustande verwildert, begab sich bei den Franzosen in die Schule, um lebensartig zu werden, und bei den Römern, um sich würdig auszudrücken.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,7

Der Deutschen (d. i. der Herren) Sache geht in die Breite.
Estland (Die Herren leben ausschweifend).

Der Deutschen (d.i. der Herren) Bettler sind die armseligsten.
Estland

Der Deutschen (d.i. der Herren) Kessel kocht, bis der Kohl unter dem Deckel dünstet; bricht er einmal aus, dann ist es zuviel.
Estland

Der Deutschen (der Herren) Bettler sind die armseligsten.
Estland

Der Deutschen (der Herren) Sache geht in die Breite.
Estland
info] Die Herren leben ausschweifend

Der Deutschen Herzhaftigkeit, mut und Tapferkeid ist ein A.B.C. Papier und Tinten, und erlischt die Seel in worten.

Der Deutschen Lob besteht auf guter Rüstung und nicht auf stolzen Kleidern.
Kaiser Rudolf I.

Der deutschen Poesie fehlte es an einem öffentlichen und nationalen Gehalt, sie drehte sich in einem gemütlichen [gemütvollen] Privatkreise, diese Richtung hat sie nie verlassen, wenn gleich manche Versuche geschehen sind, sie davon zu entfernen. Die deutsche, die Poesie einer verzettelten Menge oder, wenn man es glimpflicher ausdrücken will, Poesie von Individuen zu Individuen. Alle ihre Tugenden und Mängel lassen sich hieraus ableiten.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit - Entwurf zu Buch 7

Der Deutschen Sauferei,
der Italiener Liebeshunger
und der Spanier Klauerei
kann man keine Grenzen setzen.

Der deutschen Ströme König bist du, Rhein!
Matthisson, Der Genfer See

Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz.
Gerhart Hauptmann, Florian Geyer

Der dialektische Materialismus ist eine Weltanschauung, er ist ein Blick bis zu den Wurzeln, die allem Saft geben, was heute lebt, und allem, was heute vegetiert, bis zu den Wurzeln, aus denen sowohl der heutige Wohlstand als auch das heutige Elend erwachsen, auch jene Krise der Intelligenz.
Fucik, Der Köhlerglaube

Der Dialog ist eine flüchtige Form der Lüge.
Claude Sautet

Der Diamand schicket sich nur in das Gold.

Der Dichter aber, der seiner Natur nach [in politischen Fällen] unparteiisch sein und bleiben muss, sucht sich von den Zuständen beider kämpfender Teile zu durchdringen, wo er denn, wenn Vermittlung unmöglich wird, sich entschließen muss, tragisch zu endigen.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich - Münster, November 1792

Der Dichter bringt Bilder des Lebens, menschliche Charaktere und Situationen vor die Phantasie, setzt das alles in Bewegung und überlässt nun jedem, bei diesen Bildern so weit zu denken, wie seine Geisteskraft reicht.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Über Philosophie und ihre Methode

Der Dichter darf sich nicht vor dem Volk fürchten.
P. Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichter eines musikalischen Stücks, wie er es dem Komponisten hingibt, muss es ansehen wie einen Sohn oder Zögling, den er eines neuen Herren Diensten widmet.
Goethe (1749-1832), An Ph. Ch. Kayser, 5.5.1786

Der Dichter findet wohl die Palmen, aber nicht die Datteln.
Abyssinien

Der Dichter freut sich am Talent,
An schöner Geistesgabe,
Doch wann's ihm auf die Nägel brennt,
Begehrt er irdischer Habe.
Mit Recht soll der reale Witz
Urenkeln sich erneuern:
Es ist ein irdischer Besitz -
muss ich ihn doch versteuern!
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VII

Der Dichter gleicht der Saite: Er selber macht sich unsichtbar, wenn er sich schwingt und Wohllaut gibt.
Jean Paul, Dr. Kazenbergers Badereise

Der Dichter hat eine große Verantwortung vor der Menschheit - die größte, die überhaupt jemandem auferlegt ist.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Der Dichter hat gesehen, was die Sonne nicht sah.
Marathi, Indien

Der Dichter in der bürgerlichen Gesellschaft hat also die Freiheit, in bezug auf die Gestaltung dieser bürgerlichen Gesellschaft keine Freiheit zu haben.
Johannes R. Becher, Von der Freiheit des Schriftstellers

Der Dichter in mir schreckt davor zurück, ein guter Mensch zu sein.
Shaw (1856-1950), Major Barbara, 3 (Cusins)

Der Dichter ist angewiesen auf Darstellung. Das Höchste derselben ist, wenn sie mit der Wirklichkeit wetteifert, das heißt, wenn ihre Schilderungen durch den Geist dergestalt lebendig sind, dass sie als gegenwärtig für jedermann gelten können.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 510

Der Dichter ist das Auge der Menschheit bei der Betrachtung des Kleinen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Der Dichter ist das Erzeugnis und der Gegner seiner Zeit im Sinn der Zukunft.
Hille, Ecce poeta

Der Dichter ist das Herz der Welt.
Eichendorff, Lyrische Gedichte: Des Dichters Weihe

Der Dichter ist das Sprachrohr der Sprachlosigkeit seiner Zeit.
Marie Luise Kaschnitz

Der Dichter ist der einzige wahre Mensch, und der beste Philosoph ist nur eine Karikatur gegen ihn.
Schiller, an Goethe, 17. Januar 1795

Der Dichter ist der wahrhaftigste Geschichtsschreiber.
England

Der Dichter ist ein Prometheus der Zukunft, er muss das Originelle bringen.
Hille, Dichtung und Dichter

Der Dichter ist eine heroische Gestalt, die allen Jahrhunderten eigen ist. Th. Carlyle, The Hero as Poet

Der Dichter ist Gestalter und Bewahrer aus innerer Notwendigkeit.
Arthur Schnitzler, Der Geist im Wort

Der Dichter ist kein Lehrer der Moral, er erfindet und schafft Gestalten, er macht vergangene Zeiten wieder aufleben, und die Leute mögen dann daraus lernen, so gut wie aus dem Studium der Geschichte und der Beobachtung dessen, was im menschlichen Leben um sie herum vorgeht.
Büchner, An die Familie, 28.7.1835

Der Dichter ist nicht .. dazu da, um für die Bürger als Spezialist mit dem Mittel des Wortes das Leben zu bejahen, sondern um Jubel und Jammer des Menschenlebens auszusprechen, und bekümmert darum, ob Leser und Kritik es gerne schlucken oder nicht.
Hesse, An Wiegand, 15.4. 1927

Der Dichter ist reiner Stahl, ebenso empfindlich wie ein zerbrechlicher Glasfaden, und ebenso hart, wie ein ungeschmeidiger Kiesel.
Novalis, Heinrich von Ofterdingen

Der Dichter ist überflüssig in der technischen wie in der ökonomischen Welt - das macht sein Elend und seine Größe aus.
Ernst Jünger

Der Dichter ist vor allem ein Mensch, dann ein Bürger seines Landes, ein Sohn seiner Zeit.
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1847

Der Dichter muss eine behagliche Existenz haben, ehe er arbeiten kann; andere arbeiten, um diese Existenz zu erlangen.
Hebbel, Tagebücher, Rom, 21. 2.1845

Der Dichter muss nicht das Einzelne und Zufällige zum Ausdruck bringen, sondern das Allgemeine und Notwendige, das seiner ganzen Epoche die Farbe und den Sinn gibt..
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1847

Der Dichter reimt zwar Arbusen und Kukuruzen (Mais), er hält aber beide für Waldgewächse.
Kleinrussland

Der Dichter schafft seine Welt frei, nach seiner eigenen Idee, und darum kann er sie vollkommen und vollendet hinstellen..
Goethe (1749-1832), H. Luden, 19.9.1806

Der Dichter schaut in Weltgewühle,
Sieht jeden Menschen mit sich selbst befangen,
Bald heitern Sinns, bald bänglicher Gefühle,
Doch hat er Zwecke. dass er die erlange,
Sucht er den eignen Weg zum eignen Ziele.
Was das bedeute, merkt er sich und allen,
Und was bedeutet, lässt er sich gefallen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Der Dichter scheint sich vom Literaten manchmal nur durch seine geringere Geschicklichkeit in den Bemühungen um einen äußeren Erfolg zu unterscheiden, der ihm oft erst die Voraussetzung für die Möglichkeit weiteren Schaffens bieten würde oder bietet.
Arthur Schnitzler, Der Geist im Wort

Der Dichter soll einen Zwischenraum, über den er springen kann, nicht langsam überschreiten.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Der Dichter soll nicht ewig Wein,
Nicht ewig Amor necken!
Die Barden müssen Männer sein
Und Weise sein, nicht Gecken.
Matth. Claudius, Gedichte: Mein Neujahrslied (13. Strophe)

Der Dichter soll seine Sprache nicht von der Gasse holen.
Petron, Satiricon

Der Dichter soll seine Stimme erheben für das Volk in Bedrängnis und Not; aber nachher soll seine Kunst wieder der Blumengarten und Erholungsplatz des Lebens sein.
Keller, aus dem Tagebuch, 8. 8. 1843

Der Dichter soll uns seine Personen in ihren Handlungen darstellen, der Gesprächschreiber darf sich ja wohl kürzer fassen und sich und seinen Lesern durch eine allgemeine Schilderung geschwind über die Exposition weghelfen.
Goethe (1749-1832), Die guten Weiber
Sinklair

Der Dichter steht auf einer höheren Warte
Als auf den Zinnen der Partei.
Geflügeltes Wort nach einem Ausspruch Goethes nach Freiligraths Gedicht: Aus Spanien, 1841

Der Dichter sucht das Schicksal zu entbinden,
Das, wogenhaft und schrecklich ungestaltet,
Nicht Maß, noch Ziel, noch Richte weiß zu finden
Und brausend webt, zerstört und knirschend waltet.
Da faßt die Kunst, in liebendem Entzünden,
Der Masse Wust, die ist sogleich entfaltet
Durch Mitverdienst gemeinsamen Erregers,
Gesang und Rede, sinnigen Bewegens.
Goethe (1749-1832), Epimenides (Vorspruch)

Der Dichter und Bildende ist mir der Liebste, der mir die Natur am wirklichsten übt.
Büchner, Lenz

Der Dichter weiß, dass die Sprache das Schicksalskleid ist, darin das Wesen des Volkes sich selber zur Schau trägt; er weiß, dass Wesen und Wort, Schicksal und Kleid als Inhalt und Form zueinander gehören, so dass, wer das Wort gebraucht, auch Wesen offenbart.
Wilhelm Schäfer, Der deutsche Gott

Der Dichter will nicht belehren und nicht bessern, er will erschüttern und erheben.
Paul Ernst, Chriemhild (Nachwort)

Der Dichter wird als Mensch und Bürger sein Vaterland lieben, aber das Vaterland seiner poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und Schöne, das an [..] kein besonderes Land gebunden ist und das er ergreift und bildet, wo er es findet.
Goethe (1749-1832), Eckermann, Anfang März 1832

Der Dichter wird aus dem Frieden geboren wie das Brot aus dem Mehl.
P. Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichter zu Hause sieht die ganze Welt.
Japan

Der Dichter, der das Brot Brot und den Wein Wein zu nennen weiß, ist dem sterbenden Kapitalismus gefährlich.
Pablo Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichter, der lügen kann,
Wissentlich, willentlich,
Der allein kann Wahrheit reden.
Nietzsche, Dionysos-Dithyramben

Der Dichter, der nicht realistisch ist, stirbt. Aber der Dichter, der nur realistisch ist, stirbt auch.
P. Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichter, der nur irrational ist, wird nur von seinem eigenen Ich und seiner Geliebten verstanden, und das ist ziemlich trostlos. Der Dichter, der nur Rationalist ist, wird sogar von den Eseln verstanden, und auch das ist reichlich trostlos.
Pablo Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichter, steht er allzu nah dem Thron, verkümmert.
Lord Byron

Der Dichtkunst ganze Kraft
Bestehet in Natur, Geschmack und Wissenschaft!
Wem eins von diesen fehlt, wird niemals göttlich singen.
Gellert, Sendschreiben an den jungen Herrn von H.

Der Dichtkunst heilige Magie
Dient einem weisen Weltenplane,
Still lenke sie zum Ozeane
Der großen Harmonie.
Schiller, Der Künstler

Der Dichtung am ähnlichsten ist ein Laib Brot oder ein Tonteller oder ein wenn auch von ungeschickter Hand liebevoll bearbeitetes Stück Holz.
P. Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Der Dichtung Faden lässt sich heut nicht fassen;
Ich bitte, mir die Blätter weiß zu lassen.
Goethe (1749-1832) ins Stammbuch der Frau v. Spiegel

Der Dichtung Flamm' ist allezeit ein Fluch!
Freiligrath, Bei Grabbes Tod

Der Dichtung ist mit unserem Verstand nicht beizukommen, sie reisst ihn mit sich fort und wirft ihn um.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Der Dichtung Rosenhaine,
Erstieg ich als rüst'ger Steiger;
Der Liebe Feuerscheine,
Sie waren mir Pfadeszeiger.
A. d. Persischen d. Hussein Ali Mirza, Alkoran der Liebe

Der Dichtung vollen Köcher gabt ihr mir,
Ein Herz, zu fühlen, einen Geist, zu denken,
Und Kraft, zu bilden, was ich mir gedacht.
Franz Grillparzer, Die Ahnfrau (Sappho)

Der Dichtung, ja des Tonreichs schöne Träume,
Entzücken uns in körperliche Räume.
Goethe (1749-1832), Nachspiel zu Ifflands Hagestolzen, 5. Gruppe (Margarete)

Der Dicke kümmert sich nicht darum, wer seinetwegen dünn geblieben ist.
Brana Crnčević

Der dickste Mantel hängt oft da, wo nichts zu erfrieren ist.

Der die bekommt, darf nimmer sagen: Gott straf' mich.
Nürtingen

Der die bolzen fiedert, und der sie abschießt, sind beid in gleicher schuld.
la] Agentes et consentientes pari poena puniuntur.

Der die Ehre verdient, hat sie (oft) nicht, und der sie hat, verdient sie (oft) nicht.
dk] Man ærer tidt dem som ere det ikke værd.

Der die Ehre verdient, hat sie oft nicht, der sie hat, verdient sie oft nicht.

Der die Ehre verdient, ist oft rühmlicher als der sie annimmt.

Der die eier will haben, muss das gatzen (kakeln) der hennen auch leiden.
info] Wer auf Vorteile Anspruch macht, muss sich auch die Unannehmlichkeiten, welche damit unzertrennlich verbunden sind, gefallen lassen.
dä] Den som vil æde egg, maa og lide hønsene kagle.
ho] Die de eijeren wil hebben, moet het kakelen der hennen kunnen verdragen.
it] Chi vuol l'uovo ha da patir la schiamazzo della gallina.
la] Commoditas quaevis sua fert incommoda secum et sorti appendix illaetabilis omni.
la] Nullum lucrum sine incommodo.
la] Qui vult sentire commodum debet sentire et onus.

Der die Esel stiehlt, kann sie wohlfeil verkaufen.

Der die Fass füllet, muss jemand haben, der sie wieder ledig macht.

Der die Feigen frist, der muss sie wider speyen.
nl] Als hij vijgen eet, moeten hem de tanden kraken.

Der die Feind überwindt und der die Laster vertreibet, sind beide löbliche krieger.

Der die Freundschaft auf kann heben,
Hat ihr nie sich ganz ergeben;
Der ward falsch ein Freund genennet,
Der sich von dem Freunde trennet.
Logau

Der die Gefahr verachtet, ist derjenige, der den Kopf in die Schlinge legt.
Afrika

Der die Glocke goss, dachte nicht, dass sie ihm zu Grabe läuten würde.
Russland

Der die größte Last trägt, bekommt oft den wenigsten Lohn.
fr] En grand fardeau n'est pas l'acquêt.

Der die Härlinge gegessen, dem werden billig die Zähne stumpf.

Der die Herzen bezwingt, Amor, der lächelnde Gott.
Schiller, Gedichte. Das Glück (1798)

Der die Lampe trägt, soll vorne gehen. Japan

Der die Lampe trägt, soll vorne gehen.
Japan

Der die Leiter hält, ist so schuldig wie der Dieb.
fr] Autant vaut celui qui tient que celui qui écorche.
fr] Celui qui tient l'échelle est aussi coupable que celui qui dérobe.
fr] Celui qui tient le pied de l'échelle est puni comme celui, qui vole.
ho] Die den stijgbeugel houdt, is dikwijls even goed als die erop klimt.
it] Tanto vale quel che tiene, quanto quel che scortica.
la] Qui non vetat peccare, cum possit, jubet. Seneca

Der die Mönch' und die Nonnen erdacht, hat dem Herrgott das fünfte Rad an den Wagen gemacht.

Der die Muttersprache vergißt, der vergißt die Mutter.
Estland

Der die Nacht Bischof war, ist morgens Erzbischof.
Neugriechisch

Der die not für sich hat, der hat gnugsam vrsach seines thuns.
la] Necessitas pro ratione est.

Der die Pfanne bei dem Stiel hält, kehrt sie, wo er hin will und darum lässt er sie nicht gern von sich.

Der die Pfanne hält beim Stiel, kehrt sie, wohin er will.
nl] Die de pan bij den steel heeft, keert ze, zoo hij will.

Der die Pfeile findet und der sie verschießt, ist einer so gut als der andere.

Der die pürd (Bürde) tregt, der ways wol, was sy wegt.
info] Aus dem Jahre 1468

Der die Sau heimführt, der darff vor schimpff nicht sorgen.

Der die Schießkunst lehrt, wird oft selbst geschossen.

Der die Schue an hat, der weiß, wo sie in trucken.

Der die Schuhe bindet mit Basten (Bast), füllt seinem Herrn Speicher und Kasten.

Der die Schuhe bindet mit Basten (Bast), füllt seinem Herrn Speicher und Kasten.
dk] Den maae tit betale lavet, som binder sine skoe med bast.

Der die Suppe aß, ward gefangen, die den Fisch aßen, gingen ihren Weg.
info] Kleine Diebe hängt man, große lässt man laufen. Die Veranlassung zu dieser Redensart gab ein Fischmeister zu Scharpau bei Marienburg. Dieser hatte den Fischern bei Strafe des Galgens verboten, die großen Störe, welche sie fingen, für sich zu behalten. Da dieses gleichwohl geschehen war und sein eigener Koch die Fischer dazu aufgemuntert hatte, ward letzterer von ihm zur Verantwortung gezogen. Er entschuldigte sich damit, dass er nicht vom Fisch, sondern von der Suppe gegessen habe, welche Entschuldigung ihm aber nichts half, denn er wurde aufgehangen und den Fischern ward das Leben geschenkt.

Der die Topf macht, mag sie auch zerbrechen.
nl] Die de potten maakt, mag ze wel breken.

Der die wahrheit geigt, schlägt man die geige ann Kopf.

Der die warheyt sagt, kann kein herberg überkommen.

Der die Würfel erfunden, hat sechs Galgen verdient: den ersten für sich, den anderen für seine Spielgesellen, den dritten für den Zuseher, den vierten für den, so den Spielplatz hält, den fünften für den, so das spielen erstlich lehret und den sechsten für die Herrschaft, welche das Spielen nicht verbietet.

Der die Zähne gab, gibt auch für die Zähne.
Polen

Der Dieb (der davonläuft) hat einen Weg, der ihn sucht, hat viele.

Der Dieb auf seinem Pfade stiehlt das Wasser vom Mühlenrade.

Der Dieb begeht eine Sünde, der, welcher jemanden verdächtigt, neun.
Finnland

Der Dieb belauert den Dieb.
Estland

Der Dieb bringt andere Diebe mit sich weg.
Estland
info] Ein Dieb zeigt auch die anderen Diebe an

Der Dieb fällt schließlich doch in die Falle.
Estland

Der Dieb fängt am meisten in der Menge und der Teufel an einsamen Orten.
Tschechien

Der Dieb findet den Kelch so leicht wie der Glöckner.
Schweden

Der Dieb findet so leicht, wie der Glöckner den Kelch.

Der Dieb findet so leicht, wie der Glöckner den Kelch.
info] Gegen die Ausrede der Diebe, das gestohlene Gut gefunden zu haben

Der Dieb freut sich über die Nacht.

Der Dieb geht nicht einer Rübe wegen in den Garten.
Estland

Der Dieb geht vor und der Henker folgt bei einer Hinrichtung.
info] So sagte ein Witzling, als ein Jurist und ein Arzt sich über die Oberstelle oder den Rang stritten, er meinte, der erste bringe die Leute um ihr Gut, der andere um das Leben.

Der Dieb hält jeden Busch für einen Büttel.

Der Dieb hält sicher nichts von dem Baum, daran er hängen soll.

Der Dieb hat Angst um sein Haus und der Ehebrecher um seine Frau.
Arabien

Der Dieb hat das Herz eines Hasen; er schläft und hat auch dabei noch Angst.

Der Dieb hat die Zähne immer am Haken (d.i. er hungert).
Estland

Der Dieb hat ein einträglich Geschäft, aber es ist gefährlich für seinen Kopf.
en] Thieves and rogues have the best luck, if they do but escape hanging.

Der Dieb hat einen Weg, der Verfolger neun.
Estland

Der Dieb hat eines Diebes Glück.
Estland

Der Dieb hat große Schritte.
Estland

Der Dieb hat immer des Diebes Lohn.
Estland

Der Dieb hat kurze Spuren.
Estland

Der Dieb hat lange Finger.
Estland

Der Dieb hinterläßt einen Pflock in der Mauer, das Feuer nur Asche.
Estland
info] Der Dieb hinterläßt stets ein deutlich sichtbares Merkmal seiner Tat, deutlicher als selbst die vom Feuer übrigbleibende Asche.

Der Dieb hinterläßt Spuren.
Estland

Der Dieb im großen wird geehrt, im kleinen er gar schimpflich fährt.

Der Dieb in der Ferne muss einen Fuß in der Nähe haben.
China

Der Dieb in die Tasche, der Schelm in den Sack.
Litauen

Der Dieb ist am sichersten unter der Mauer der Burg.
Iran

Der Dieb ist des Faulen Putzfrau.
Estland

Der Dieb ist des Lügners ältester Sohn.
Estland

Der Dieb ist einer, und verdächtigt werden tausend.

Der Dieb ist einig mit dem Dieb.
Estland

Der Dieb ist immer arm.
Estland

Der Dieb ist König über den Reichtum der anderen.
Hindi, Indien

Der Dieb ist über den Arzt, wenn er aus einem Hause fortgeht, weiß er, was den Leuten fehlt.

Der Dieb kann die Schlüssel verbergen.

Der Dieb kennt sein Diebswerkzeug.

Der Dieb klagt dem Henker seine Not.

Der Dieb lässt das Stehlen nicht.
info] Alte Gewohnheiten behält man

Der Dieb läßt den Pflock in der Wand, das Feuer läßt auch den nicht.
Estland

Der Dieb läßt ja seinen Pflug nicht zurück.
Estland

Der Dieb leidet immer Mangel.
Estland

Der Dieb mag lügen, der Diebstahl nicht.
Türkei

Der Dieb meint, es sei jeder so ehrlich wie er.
nl] De dief meent, dat ze allen zijn als hij.

Der Dieb meint, sie (o. es) stehlen alle.
v] Was ich selber tu', trau ich anderen zu.
dä] Han holder ingen tyv, men stjæler selv.
dä] Tyv tænker Hvermand stjæler.
en] A thief believes every one also a thief.
fr] Il est a vis au renard que chacun mange poule comme lui.
fr] Le larron pense que tous soient de sa condition.
it] Pensa il ladrone che tutti siano sua condizione.
la] Ut tute es, item omnes censes esse.
sp] Piensa el ladrón que todos son de su condición.

Der Dieb meint, sie stehlen alle.

Der Dieb nimmt nur etwas, aber die Flammen nehmen alles zusammen.
Polen

Der Dieb preist sich immer als ehrlichen Menschen an.
Estland

Der Dieb schaut auf den Wagen, die Augen streicheln das Pferd.
Estland

Der Dieb schleicht zum Haus wie ein alter Freund; der Schelm kommt zum Haus, keine Glocke um den Hals.
Estland

Der Dieb schwatzt nicht über seinen Helfershelfer.
Jabo, Afrika

Der Dieb schwört bis zur letzten Sprosse.
Estland

Der Dieb selbst, der zum Einbruch geht, zu Gott noch um Gelingen fleht.
Jüdisch

Der Dieb sieht nicht gern einen anderen einen Korb tragen.
Surinam
info] Hinter dem Strauche, hinter welchem man selber gesteckt hat, sucht man auch andere. Oder: Wer auf krummen Wegen geht, sieht nicht gern, dass ein anderer ihm ins Gehege kommt

Der Dieb sieht wohl das Kalb, aber er denkt nicht an die Knute, die ihm aus dessen Fell erwächst.
Moskau

Der Dieb stiehlt hinter dem Dieb, der große Gott lacht von oben.
Estland

Der Dieb stiehlt immer hinter sich.
Estland

Der Dieb stiehlt so lange, bis er an den Galgen kommt.
fr] Tant prend le larron qu'on le pend.

Der Dieb stiehlt solange, bis das Maß voll wird.

Der Dieb stiehlt solange, bis der Halfterstrick (d.i. das Maß) voll wird.
Estland

Der Dieb sucht Schutz unter der Decke der Nacht.
Estland

Der Dieb und der Bestohlene kommen beide in die Hölle.
Jemen
info] Denn auch der Bestohlene war nachlässig

Der Dieb und der Giftmischer stammen aus demselben Mutterleibe.
Kikuju (Kenia)

Der Dieb und der Lügner wohnen unter einem Dach.

Der Dieb verschlingt immer des anderen Blutmühe (d. i. die Arbeit).
Estland

Der Dieb wünscht nichts mehr als eine dunkle Nacht.
Armenien
it] La notte è amica de ladri, e degl' amanti.

Der Dieb zieht dem Dieb die Haut nicht ab.
Estland

Der Dieb ziert den Galgen, wie das Magnifikat die Vesper.

Der Diebe Ende fällt Zuchthaus und Galgen in die Hände.

Der Diebsbann ist ein geschriebener Spruch, der an gefährdeten Stellen angebracht oder in der Tasche getragen wird. Der Dieb bleibt gebannt, bis er gelöst wird durch den Sprecher.

Der Diebsteufel ist ein arger Schelm.

Der Diener des Teufels tut mehr, als von ihm verlangt wird.
Frankreich

Der Diener Ehre, der Herren Ehre.

Der Diener Ehre, der Herren Ehre.
fr] Au serviteur le morceau d'honneur.
fr] En l'onnour dou seignor gaaignent li serjent.

Der Diener eines Mannes kann ein Jahr leben, der Sklave einer Frau stirbt binnen sechs Monaten.
Hindustan

Der diener kan und soll nit besser haben, dann sein herr.

Der Diener muss leiden viel, der großen Herrn nicht heucheln will.

Der Diener seufzt am Morgen, der Waise bei Tagesanbruch.
Estland

Der diener treu und redlichkeit ist eines haus und lands grundfest.

Der Diener, der seinen Herrn nachäfft, wird fortgejagt.
es] De burlas, ni de veras, con tu amo no parlas peras.

Der dienet der Gemein, dessen Lohn ist klein.

Der Dienst auf dem Gute macht nicht eigen.
mhd] Der dynst, der uff deme gute liet, macht eynen nicht eygen.

Der Dienst gibt uns Schwung,
und wir altern nicht.
Wladimir Majakowski, Die Wanze

Der Dienst, den Gott fordert, ist der Dienst des Herzens, und der ist stets einheitlich, wenn er aufrichtig ist.
Jean-Jacques Rousseau, Emile (Glaubensbekenntnis)

Der Dienstag ist der fleißigste Tag.

Der Dienstmann heißt eigen an der Schrift.
mhd] Alle dienstmann die heizent eigen an der schrift.

Der Dienstweg ist die Verbindung der Sackgasse mit dem Holzweg.
Unbekannt

Der dient der gemein, dessen lohn ist klein.

Der dient übel, welcher nicht ausdient.

Der dient, und der gelt gibt, heben mit einander zugleich auff.

Der Dilettant scheut allemal das Gründliche, überspringt die Erlernung notwendiger Kenntnisse, um zur Ausübung zu gelangen, verwechselt die Kunst mit dem Stoff.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über den Dilettantismus

Der Dilettant verhält sich zur Kunst wie der Pfuscher zum Handwerk.
Goethe (1749-1832), Über den sogenannten Dilettantismus

Der Dilettant will mehr als zehn Künstler können.

Der Dilettant will mehr, als zehn Künstler können.

Der Dilettantismus folgt der Neigung der Zeit.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über den Dilettantismus

Der Dilettantismus negiert den Meister. Die Meisterschaft gilt für Egoismus.
Goethe (1749-1832), Riemer, Juli 1810

Der Dinge erhalten des Leibes Räder: Venus, Wein und Bäder.

Der Dinge Recht bricht Landrecht.
[RSpW]
info] Beratungen und Beschlüsse der gesetzgebenden Macht

Der Dingsda vun Dingskerche.
Rheinpfalz
info] Wenn jemand Personen- und Ortsnamen nicht zu bezeichnen weiß, oder nicht nennen will.

Der Diplomat ist ein Mensch, der zweimal denkt, bevor er - nichts sagt.
Unbekannt

Der dir das Bad schenkt, wird mich zum Diener desselben machen.
Türkei

Der dir entsprossen ist, lehrt dich Vernunft.
Hebräisch

Der Dirnen Keuschheit gilt nur im Dunkeln, aber nicht bei Lichte.
Russland

Der d'lescht lieft (lebt), krit de Bâmbesch.

Der do vorhoret, so wert ere aws. 15. Jh.
hdt] Wer ausharrt, kommt eher zum Ende.

Der Doag fêt sich.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Der Tag fängt sich, es wird Tag.
sinnverwandt] Der Doag enzangt (entzündet) sich. De Hunne krên schi lang (die Hähne krähen schon lange). Der Hemelswôgen stît af der Teisselt (der Himmelswagen steht auf der Deichsel). Der Doagstärn is erauskun (der Tagstern ist herausgekommen). Em hîrt de Millen nemi klappern (man hört die Mühlen nicht mehr klappern). Em hîrt det Wier nemi rauschen.

Der Docht nährt sich vom Öl, solange er darin schwimmt, taucht er aber darin unter, so löscht er aus.
Arabien

Der Doge von Venedig ist Ratsherr auf dem Rathause, König in seinem Palaste und ein Gefangener in der Stadt.
info] Erklärt sich aus der Geschichte und Verfassung der ehemaligen Republik Venedig.

Der Dogmatismus ist ein Polster zum Einschlafen und das Ende aller Belebung, die gerade das Wohltätige der Philosophie ist.
Kant

Der Dogmatismus ist gänzlich unfähig, zu erklären, was er zu erklären hat, und dies entscheidet über seine Untauglichkeit.
Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre

Der Dokter kann Alles, nur nit heraustreiben den Dalles (Armuth).
Jüdisch-deutsch, Warschau

Der Doktor hat ihm das letzte (oder: der letzte Doktor hat ihm das) Rezept verschrieben.
nl] Hij heeft van den Haarlemschen dokter (beul, Scharfrichter) de benedictie op het schavot ontvangen.

Der Doktor känn all Kränke.
info] Diese Redensart hat den Ton auf 'der'. Jüdisch- deutsch heißt 'können Kränk' soviel wie 'nichts verstehen', unwissend sein. Sie wird daher auf unwissende Ärzte angewandt, deren Aufgabe es ist 'alle Kränk' zu kennen.

Der Doktor kann alles, nur nicht heraustreiben den Dalles.
Jiddisch (Die Armut)

Der Doktor macht noch nicht den Arzt.
Frankreich

Der Doktor trinkt nicht die Medizin, die für den Kranken bestimmt ist.

Der Doktor verbietet den Zucker, isst aber selbst Zuckerkuchen.
Marathi, Indien

Der Doktor verlangt sein Honorar, ob er nun die Krankheit getötet hat oder den Patienten.
Polen

Der Doktor wird nie getötet, weil der Patient stirbt.
Nigeria

Der Doktorhut ist nicht für jeden, der Tinte verspritzt.

Der Dolch hat eine Spitze, auch wenn er in der Scheide steckt.

Der Dolch wider die Zwerge, das Schwert wider die Riesen.
Russland

Der Dolden der Weisheit steht auf kurzen Reden.

Der Dom es nit en einem Johr gebaut.
Köln

Der Don Juan sucht immer die Vollkommenheit, also etwas, was es auf Erden nicht gibt. Und die Frauen wollen es ihm, und auch sich selbst, immer wieder beweisen, dass er alles, was er sucht, auf Erden finden kann.
Ödön von Horváth

Der Donner kommt schnell, zahle, was du schuldig bist.

Der Donner schlage darein.

Der Donner schlage ihn drei Meilen tief in den Erdboden hinein.
info] Das Volk hielt die sogenannten Teufelsfinger, Belemniten, für Reste von Blitzen, als gleichsam abgesprungene Stücke vom Steinhammer des Donnergotts. Deshalb sprachen unsere Vorfahren nie vom Blitz, sondern immer vom Donner, ebenso ist in den alten Mirakelbüchern immer nur vom Donner die Rede, daher die obige Redensart.

Der Donner schlägt gemeiniglich hohe Türme (o. die höchsten Berge).

Der donner schlegt nicht in heimliche gemach.

Der Donner warnet, eh' er schlägt.

Der Donnerknall kompt schnell zu uns, bezahl, was du schuldig bist.

Der donnernde Gott, der zürnende Gott, der rächende Gott. Was für ein Choleriker.
Heinrich Wiesner

Der donnerschlag zündet das gelt an im seckel, aber den seckel verletzet er nicht.

Der Donnerstag ist wunderlich, der Freitag gar absunderlich.

Der Donnerstag kommt und die Woche ist vorbei.

Der Donnerstag kündigt sich schon am Mittwoch an.
tü] Perşembenin gelişi çarşambadan bellidir.

Der dööt (tut), wat he kann, is wert, dat he liewet.

Der dörf mer scho' an Metzen ried'n, bis mer a Dêithäuftla g'fällt. Nürnberg
info] Diethäuflein, ein Maß für Getreide und Mehl, welches den achten Teil einer Metze oder die Hälfte eines Diethaufens (Dêihaft'n) ausmacht.

Der dörf über die Saatfald'r ziach'n.
Franken
info] Er ist so unbeliebt, dass man ihm, um ihn loszuwerden, den Wegzug über die Saat gestattet.

Der dörff ner sôg'n: hui, nâu sôg' i scho pfui.
Nürnberg

Der Dorfmann übel ist bericht, kann der Pfaff den Glauben nicht.

Der Dorn bewaffnet die Rosen, die Bienen schützen den Honig,
aus schwerem Streit entstehen
die Freuden des Triumphs, und Venus
reizt um so mehr, wenn sie sich zurückzieht. Der Kuß, den man einem Trauernden gibt, ist süßer.
la] Armat spina rosas; mella tegunt apes;
crescunt difficili gaudia iurgio
accenditque magis, quae refugit, Venus.
Quod flenti tuleris, plus sapit osculum.

Der Dorn in eines anderen Fuß kann immer ausgezogen werden.
Bantu

Der Dorn kratzt das Pferd nicht.
info] Der Ton ist hier auf 'der'. Von daher ist nichts zu fürchten, der ist viel zu ohnmächtig, ungeschickt u.s.w., um mir etwas anzuhaben.

Der Dorn spitzt sich in der Jugend.

Der Dorn sticht, ein Degen durchbohrt.
la] Arista pungit, mucro ferri perforat.

Der Dorn wurde mit der Spitze geboren.

Der dornstrauch wirt nicht mehr geacht, wann die rosen seind darvon gebracht.

Der Dotter ist mehr als die Schale.

Der Dotter meines Eies ist mir lieber als des Nachbars Hühnerstall.

Der Drache erzeugt Junge und wirft sie den Leuten der Stadt zu.
info] Vom Bettelvolke, das die Sorge für die Erhaltung der Kinder anderen überlässt

Der Drache hat die Giftzähne verloren.
info] Der Feind schadet nicht mehr

Der Drache in seichtem Gewässer wird zur Zielscheibe der Garnelen.
China

Der Drache soll nicht in die Höhe steigen.

Der Drachen lehrt: Wer hochsteigen will, muss es gegen den Wind tun.
Ferner Osten

Der dramatische Dichter ist.. nichts als ein Geschichtsschreiber, steht aber über letzterem dadurch, dass er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar.. in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere und statt Beschreibungen Gestalten gibt.
Büchner, an die Familie, 28. 7. 1835

Der Drang nach Freiheit genügt nicht, damit ein Volk frei sei; es benötigt vor allem die Wissenschaft von der Freiheit.
Claude-Henri de Saint-Simon, Die Industrie

Der Drang nach Freiheit war der Ursprung des Protestantismus.
Ossietzky, Sonnenwende

Der Drank äm Mangd sôt séinjes Härzens Grangd.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Der Trank im Mund sagt seines Herzens Grund.

Der Dreck hängt sich überall an die Räder.

Der Dreck in Bologna würde sogar teuer werden, wenn ich ihn kaufen wollte.
Italien
fr] Il se noyerait dans son crachat.
la] Mala avis.

Der Dreck ist bald auf dem Misthauffen.

Der Dreck liegt ihm (o. kleinen Leuten) nahe bei dem Herzen.
z] Der Dreck muss euch wohl so nahe am Herzen liegen, da ihr so bald wollt aus der Haut fahren.
info] Die unangenehmen, widerwärtigen Dinge berühren ihn sehr nahe.
la] Parvi homines cito irascuntur.

Der Dreck mag noch so tief unter dem Schnee liegen, die Sonne deckt ihn auf.

Der Dreck muss aus den Gassen weggeschafft werden oder die Polizei wird sich hineinlegen, sagte der Stadtvogt.

Der Dreck muss den Misthaufen mehren, sagte der Kerl, da nahm er die Vettel beim Arm.

Der Dreck muss den Misthaufen mehren.

Der Dreck passt auf die Schaufel.

Der Dreck will immerdar mit am rad hangen.

Der Dreck, den man nicht sieht, ist sauber.
Japan

Der Dreckskerl bekam eine Frau, da begann er bei der Scheidung zu schwören.

Der dreht sich herum, wie der Forz in der Laterne.
Breslau
info] Von einem tappigen, ungelenken, unbehülflichen Menschen.

Der dreht sich wie ein Furz im Schnupftuch.
Königsberg
ho] Hij wentelt zich, gelijk en varken in zijn' eigen drek.

Der Dreier gilt am meisten, wo er geprägt ist.

Der Dreispitz gehört nit in den Sack.

Der Dreißigjährige Krieg war die erste unserer großen letalen Nationaltorheiten..
Seume, Vorwort zu 'Mein Sommer 1805'

Der Dreizack des Neptun ist das Zepter der Erde.
Anton M. Lemierre, Der Handel

Der dreizehnte Mann bringt den Tod herein.
nl] De dertiende man brengt den dood an.
ho] Dertien man aan de tafel is binnen het jaar één dood.

Der dritte Erbe wird selten froh unrechten Gutes.

Der dritte Mag hat zu scheiden, wenn er mag.
info] Wenn unter Verwandten Streit entsteht, soll ein dritter Verwandter, sofern er es im Stande ist, einen Ausgleich bewirken.
mhd] Die dirde maich sal hain zu scheiden of he mach.

Der dritte Mai ist ein Wolf.
Sachsen

Der dritte Strang macht den Kabel (das Ankertau).
info] Vereinigte Kraft vermag viel. Drei machen ein Collegium. Das altdeutsche Gerichtsverfahren forderte, dass wenigstens zwei Schöffen außer dem Richter anwesend waren, der Richter ersetzte den dritten. Viel häufiger findet sich aber die Siebenzahl und Zwölf. 'Die elf Schöffen sind die heiligen Zwölfboten und der Zwölfte ist Christus.'

Der dritte Teil der an den Schreibtisch gefesselten Gelehrten und Staatsdiener ist körperlich anbrüchig und dem Dämon der Hypochondrie verfallen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 12.3.1828

Der dritte Teil vom Kind schlägt nach dem Vater.

Der dritte Trunk ist Gottes.

Der Druck der Geschäfte ist sehr schön der Seele, wenn sie entladen ist, spielt sie freier und genießt des Lebens. Elender ist nichts als der behagliche Mensch ohne Arbeit, das schönste der Gaben wird ihm ekel.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 13.1.1779

Der Druck der öffentlichen Meinung ist wie der atmosphärische Druck, man kann ihn nicht sehen, aber nichtsdestoweniger beträgt er 16 Pfund je Quadratzoll.
Lowell

Der Druck des Despotismus, wenn er zu gewaltsam ist, weckt auch in einem anscheinlich erstorbenen Staatskörper das Selbstgefühl des Bürgers.
Forster, Über Proselytenmacherei

Der Drückeberger ist ein natürliches Produkt der durch die herrschende Anarchie künstlich hervorgerufenen Katastrophen.
Henri Henri Barbusse (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund

Der Druckfehler ist nichts anderes als einer der belanglosesten Beweise für die Unvollkommenheit menschlicher Arbeit ..
Walther Victor, Der Druckfehler

Der du an dem Weberstuhle sitzest,
Unterrichtet, mit behenden Gliedern
Fäden durch die Fäden schlingest, alle
Durch den Taktschlag aneinander drängest,
Du bist Schöpfer, dass die Gottheit lächeln
Deiner Arbeit muss und deinem Fleiße.
Du beginnest weislich und vollendest
Emsig, und aus deiner Hand empfänget
Jeglicher zufrieden das Gewandstück,
Einen Festtag schaffst du jedem Haushalt.
Goethe (1749-1832), Vorspiel 19.9.1807 (Majestät)

Der du bist in dem Himmel - hat der Bua gebetet, wia Fensterl ganga is.

Der du dich mit anderer Sorgen quälst, wem hast du deine eigenen Sorgen gelassen?

Der du gern trinkest guten Wein, denk' auch, dass er bezahlt will sein.
la] Nulla salus lymphis vinum se poscimus omnes.

Der du mein Brot verlangst, wisse, Brot ist das Hauptstück unter allen Dingen.
info] Daher steht es auch als Stellvertreter aller übrigen irdischen Bedürfnisse im Vaterunser

Der du nach Weisheit fliegst, bewahre den Fuß und den Flügel
Vor dem Honig der Lust; oder du klebest daran.
Herder, Rosental: Der Honig

Der du von dem Himmel bist,
Alle Freud und Schmerzen stillest,
Den der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest.
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all die Qual und Lust.
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 12. 2. 1776

Der Dubel macht die Forelle wohlfeil.
nl] Die spiering doet den salm afslaen.
la] Salmo vilescit nummo, dum gobio crescit.

Der Duckmäuser trägt auf offener Hand einen Kohlkopf und unter dem Mantel einen Kapaun.
info] Er stellt sich ärmer als er ist, scheint nur nach Geringem zu streben, während er Höheres im Auge hat.
it] I soppiatoni portano il cavolo in mano alla scoperta, e'l capon sotto coperto, tengono il cappon dentro, e gli agli fuora.

Der Duft eines guten Werkes ist in hundert Generationen noch zu spüren; der Gestank einer bösen Tat hält zehntausend Jahre an.

Der dumme Asmus.
info] Von einem einfältigen und albernen Menschen. Am Schluss des 19. Jahrhunderts lebte in Hamburg ein schwachsinniger Mensch Namens Asmus, der allen Leichen im letzten Paare zu folgen und aus alten Zeitungen neue Nachrichten zu lesen pflegte. Seitdem nennt man daselbst einen dummen und aberwitzigen Menschen dummer Asmus.
info] auch: dummer Drütze, Jens, Hürken, Olf, Petzen

Der Dumme begreift nicht, wenn der Kluge nicht versteht.
Estland

Der Dumme bekommt auch in der Kirche Prügel.
Estland

Der Dumme bleibt immer dumm.
Estland

Der Dumme gibt das Geld her, und der Dümmere nimmt es nicht an.
Russland

Der Dumme gleicht dem Hahne, welcher zur unrechten Zeit kräht.

Der Dumme hat des Dummen Glück.
Estland

Der Dumme hat Glück.
Estland

Der Dumme ist des Klugen Tafelbrett.
Estland

Der dumme Junge von Meißen.
info] Dieser Junge, von dem das wirkliche Urbild verloren gegangen ist, ist zum allgemeinen deutschen Sprichwort geworden als Quintessenz aller Dummheit. So bezeichnete man vor mehr als 50 Jahren ein altes Gemälde in einem der meißner Gasthäuser als das Bildniss des dummen Jungen. Ebenso bezeichnet man seit etwa 1750 in der Porzellanfabrik eine in einem sonst völlig leeren Zimmer aufgestellte komische Figur, dergleichen viele zur Zeit der beiden Auguste alle belustigende Caricaturen für Tafelaufsätze in derselben geschaffen wurden, als den dummen Jungen von Meißen. Man erzählt, dass diese Figur einen zwölf- bis vierzehnjährigen Knaben in natürlicher Größe dargestellt und die Eintrittsdiele zum Zimmer mittels Federdruck mit der Figur in mechanischer Verbindung gestanden habe, sodass dieselbe, bei der Annäherung von Besuchern, die Zunge zum Munde herausgesteckt hätte.

Der dumme Kerl bläst in das harte Horn, und es gibt doch soviele weiche Arschlöcher, wo er hinein blasen könnte, sagt der Garbenbinder Wenzel.
ndt] Dei dumme Kerel blässt in dat harre Horen, un et givt doch sau vêle weike Aoslöker, wo hei 'rînt blasen könne, segt de Garenbinner Wenzel.
Hildesheim

Der Dumme lässt die Tür einen Zoll offen, der Faule drei Zoll, und der Narr öffnet sie weit.
Japan

Der Dumme liebt nicht den Klugen, und der Betrunkene nicht den Nüchternen.
Russland

Der Dumme mag den Dummen, der Imam den Toten.
tü] Deli deliden hoşlanır, imam ölüden.

Der Dumme mocht allwei die gleich Dummheit, der Gscheite mocht allwei wieder a neue!

Der Dumme muss immer dem Klugen nachgeben.
Estland

Der Dumme richtet Schaden an, wenn er (auch nur) geht, um Licht zu zeigen.
Estland

Der Dumme schließt die Türe schlecht, der Faule lehnt sie nur an, der Narr lässt sie offen stehen.

Der Dumme sieht den Wald vor Bäumen nicht.

Der Dumme stirbt des Dummen Tod.
Estland

Der Dumme sucht die Tochter, und findet die Mutter.
Rumänien

Der Dumme trägt das Herz auf der Zunge, der Weise schließt das Wort ins Herz.

Der Dumme trägt sein Zeugnis auf dem Nacken.

Der Dumme verurteilt, der Kluge beurteilt.

Der Dumme weiß im eigenen Haus besser Bescheid als der Kluge im fremden.
es] Más sabe el necio en su casa que el cuerdo en la ajena.

Der Dumme will gelobt, der Kluge gebeten werden.
Estland

Der Dumme will nicht gelehrt werden, aber der Kluge fragt sogar die anderen.
Estland

Der Dumme wünscht sich nie, gescheit zu sein, er glaubt's ohnedem, dass er es ist.
Johann Nestroy

Der Dummen voll ist alles.
Marcus Tullius Cicero (103-43 v. Chr.), Ad familiares

Der Dummheit muss man viel zu Gute halten.

Der Dummkopf reitet auf dem Pferd und sucht es rings umher.
z] Er siehet, wie Herr Wieland spricht, den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Der Dummkopf spannt den Karren vor die Ochsen.
it] Lo sciocco mette il carro davanti ai buoi.

Der Dummkopf, welcher schweigt, gilt für weise.

Der Dummköpfe Erwerb kommt mit Leichtigkeit, und dem Beredten ist der Erwerb verschlossen. Und wenn du, o Herr, meinen Erwerb zurückbehältst wegen meiner Beredsamkeit, dann gib mir, dass ich von den größten Dummköpfen einer sei.

Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.

Der Dümmste bekommt das beste Stück vom Braten.

Der Dümmste gibt oft den besten Rat.

Der dümmste Kopf bekommt das beste Kissen.
nl] Het domste hoofd krijgt het beste kussen.

Der Dümmste wird noch einen Dümmern finden,
Der an ihn glaubt!
Max Kalbeck, Aus alter und neuer Zelt, Gedichte, Trost

Der dumpfe Massenschritt der Arbeiterbataillone..
Ferd. Lasalle, Herr Bastiat-Schulze v. Delitzsch (1864)

Der Dünckel (Dünkel) hat sich an der Herren Höff vor Rath und Gericht anstatt der vernunfft gesetzt und Regiert allenthalben.

Der Dunckel ist von jugend auff ein Febricitant gewest, und hat alle Ertzt-Theologen und Juristen angesteckt.

Der Dunckel macht den Tantz gut.

Der Duncktmich hat Gottes Sohn ans Kreuz geschlagen.

Der Dung gibt dir eine gute Ernte, das Schicksal schenkt dir eine gute Frau.
China

Der Dünger ist der Käse der Erde.
Apulien

Der Dünger ist des Bauern Gold.
Estland

Der Dünger ist mein Weihrauch, sagte der Bauer.
la] Cultor ait ruris olet coenum mihi vice thuris.

Der Dünger ist zwar kein Heiliger, aber er tut Wunder.
Spanien
bm] Ne z mračen, a z mrvení přichází pozehnáni.

Der Düngerhaufen im Hofe und die Tochter (des Hauses) auf dem Stuhl bringen gleichviel Nutzen.
Wendische Lausitz

Der Düngerwagen erhält die Kutsche.

Der Dünkel führt uns gewiss zum Bösen, ja, wenn er unbedingt ist, zum Schlechten, ohne dass man gerade sagen könnte, dass der Mensch, der schlecht handelt, schlecht sei.
Goethe (1749-1832), An Knebel, 8.4.1812

Der Dünkel und dunckt mich ist ein grosser Klotz, der für den Augen liegt, das kein Liecht kan hinein scheinen.

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Georg Trakl, Der Herbst des Einsamen

Der Dunst aus eigenen Töpfen ist besser als fremder Braten.

Der durch die Schrecken des Kapitalismus 'wild gewordene' Kleinbürger ist eine soziale Erscheinung, die ebenso wie der Anarchismus allen Kapitalistischen Ländern eigen ist. Die Unbeständigkeit dieses Revolutionarismus, seine Unfruchtbarkeit, seine Eigenschaft, schnell in Unterwürfigkeit, Apathie und Phantasterei umzuschlagen, ja sich von dieser oder jener bürgerlichen 'Mode'-strömung bis zur Tollheit fortreißen zu lassen - all das ist allgemein bekannt.
Lenin, Der linke Radikalismus

Der durch eigene oder fremde Schuld vor der Zeit ums Leben Gekommene muss solange vom Abendläuten an bis zum Morgenläuten umgehen, bis die abgerissenen Lebensjahre vollendet sind.
Aberglaube

Der Durchschnittsengländer ist zu schüchtern, ein Held zu sein, wenn er nicht dazu aufgefordert wird. Das britische Temperament verschwendet Heroismus niemals an unnötige Dinge.
Lloyd George, Rede zu Bangor, 28. 2. 1915

Der Durchschnittskünstler bringt Durchschnittliches hervor und nie sehr Schlechtes. Das anerkannte Genie hingegen schafft entweder wahrhaft große Werke oder absoluten Schund.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1896)

Der Durchschnittsmensch erwartet alles Gute und Böse von außen, das heißt von der Equipage und dem Arbeitszimmer, der Denkende aber von sich selber.
Tschechow, Krankenstation Nr. 6

Der Durchschnittsmensch glaubt zunächst etwas, und dann sucht er nach einem Beweis, um seine Meinung zu stützen.
Fliegende Blätter

Der Durchschnittsmensch glaubt, dass er keiner sei.
Fliegende Blätter

Der Durchschnittsmensch ist 'n Feigling.
Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer

Der Durchschnittsmensch kann Erlebnisse nicht anders katalogisieren als nach den paar üblichen Normen.
Lion Feuchtwanger, Die Ziegel von Les Milles

Der Dürftige ist des Hahnreis Bruder.

Der Dürpel ist der höchste Berg.
info] Auch Dorpel = Türschwelle. Hat man die Türschwelle überschritten, ist man aus dem Hause getreten, so ist das Schwerste getan.

Der dürre Aprill
Ist nicht der Bawren (Bauern) Will,
Sondern des Prillen regen
Ist ihnen gelegen.
Kalenderspruch (16. Jahrhundert)

Der Dürre Spuren hellen, des Regens Spuren heilen nicht.
Estland

Der dürre Stamm treibt keine Sprossen mehr.
Schiller, Piccolomini (Buttler)

Der dürrste Hahn ist der beste Gockel.

Der Durst ist der beste Keller.

Der Durst ist nicht ein Ding, und doch kann er dich plagen;
Wie soll denn nicht die Sünd den Bösen ewig nagen?
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Der Durst löscht sich am besten mit eigenem Wein.
Italien

Der durst macht auss wasser wein.
nl] Hij heeft geen' dorst, die geen water wil drinken.

Der Durst nach etwas Neuem bleibt uns allezeit in der Kehle und der Hunger zwischen den Zähnen.

Der Durst nach Geld war die Wurzel eines giftigen Riesenbaums, in dessen unheilvollem Schatten trotz des ganzen großen Apparates von Gesetzen, Gerichten und Polizei Ihre Zivilisation fast erstickte.
Bellamy, Rückblick aus dem Jahr 2000

Der Durst nach Wissen ist jedem Menschen angeboren, die Fähigkeiten sind gleichmäßig unter den Menschen verteilt.
W. Liebknecht, Wissen ist Macht - Macht ist Wissen

Der Durstige hat Füße; der Hungrige hat Finger.
Estland

Der Durstige muss zum Brunnen gehen, der Brunnen kommt nicht zu ihm.

Der Durstige trinkt aus jedem Teich.

Der Dusselkopf stottert (d.i, besinnt sich lange), der Mann macht.
Estland

Der Düvel soll Fändrich sin, wo de Frau Hauptmann ess.

Der e (eine) hat's Hafale zerbroch'n, der anner 's Störzla.
Franken
info] Es hat jeder von beiden gefehlt
z] Er gedacht: Hast die anderswo frembde häfelen zerbrochen, so hat sie daheim krüge zerbrochen.

Der Ebe und der Unebe hänt mit enand en Laib Brot g'gessen.

Der Eben und der Uneben händ mit enand es Brod g'esse.
Luzern

Der Eber glaubt verhungern zu müssen, wenn das Eichhörnchen seine Mast um eine Eichel kürzt.
Bulgarien

Der echte Adel weiß von keiner Furcht.
en] True nobility is exempt of fear.
Shakespeare (1564-1616), Heinrich VI. , Zweiter Teil, IV,1

Der echte Aphorismus trifft ins Zentrum und strahlt von dort aus.
Fliegende Blätter

Der echte Deutsche bezeichnet sich durch mannigfache Bildung und Einheit des Charakters.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Der echte Dichter ist allwissend - er ist eine wirkliche Welt im Kleinen.
Novalis, Fragmente

Der echte Eremit zieht sich von sich selbst zurück.
Bulgarien

Der echte Künstler ist ein kritischer Künstler, ein kritisches Genie; ein Mensch, der weiß, was er tut, der folglich die Schaffensmethoden und Ausdrucksmethoden kennt.
Lunatscharski, Gedanken über die Kritik

Der echte Moslem spricht vom Paradiese
Als wenn er selbst allda gewesen wäre,
Er glaubt dem Koran, wie es der verhieße,
Hierauf begründet sich die reine Lehre.
Goethe (1749-1832), Divan - Buch des Paradieses - Vorschmack

Der echte Muselman wird niemals ungläubig.

Der echte Parteimann lernt nicht mehr, er erfährt und richtet nur noch.
Nietzsche

Der echte Ring
Vermutlich ging verloren.
Lessing, Nathan der Weise, III, 7 (Nathan)

Der echte Satiriker, dieser Mann, der keinen Spaß versteht, fühlt sich am wohlsten, wenn ihm ein Zensor nahm, zu sagen, was er leidet. Dann sagt ers doch, und wie er es sagt, ohne es zu sagen - das macht schon einen Hauptteil des Vergnügens aus, der von ihm ausstrahlt.
Tucholsky, Politische Satire

Der echte Schmerz begeistert. Wer auf sein Elend tritt, steht höher. Und das ist herrlich, dass wir erst im Leiden der Seele Freiheit fühlen.
Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 620

Der echte Schwabe hat Montags Nudle, Dienstags Hutzle, Mittwochs Knöpfle, Donnerstags Spätzle, Freitags gedämpfte Grundbirn, Sonnabends Pfannkuchen, Sonntags Brätle und Salätle.
info] Man unterscheidet folgende Arten von Schwaben: Seehasen, Nestelschwaben, Knöpfle- oder Suppenschwaben, Blitz- oder Bigottschwaben, Rotfüßler, Gelbfüßler und Spiegelschwaben. Der Seehas von Überlingen hatte die andern sechs zum Feldzug gegen das Ungeheuer am Bodensee, das sich später als Hase entpuppte, verführt und half sich nachher mit der Ausrede: Nun ja, Has' hin, Has' her, ein Seehas ist halt größer und grimmiger als alle Hasen im heiligen römischen Reich. Der Nestelschwab' hatte statt der Knöpfe Nesteln an Wams und Hosen, und da die meiste Zeit eine oder die andere zerrissen war, besonders an den Hosen, so musste er mit der einen Hand immer nachhelfen, was ihm so zur Gewohnheit ward, dass er auch dann so tat, wenn er nicht also hätte tun dürfen. In der Heimat des Knöpfle- oder Suppenschwaben besteht die löbliche Gewohnheit, dass man jeden Tag fünfmal isst, und zwar fünfmal Suppe und zweimal dazu Knöpfle oder Spätzle. Der Bigottschwab ist nicht bigott, aber er beteuert, flucht und schwört gar oft mit dem Ausdruck bigoscht, zur Abwechselung Potz Blitz oder beim Deixel. Der Rotfüßler hält es mit den Tieren, die rote Füße haben, d.h. er trinkt Gänsewein. Der Gelbfüßler war von Bopfingen, wo man dem Herzog die jährliche Abgabe von Eiern zu geben hatte, sie in einen Korbwagen tat und, damit recht viel hineingingen, mit den Füßen eintrat, was ihrer Ehrlichkeit keine Schande macht. Zur Zeit des Spiegelschwaben waren die Taschentücher noch nicht in Brauch, daher schwengten einige das Ding gleich von sich weg, was jetzt die Leute in die Tasche stecken; andere schmierten es dahin oder dorthin, der Spiegelschwab an den Vorderärmel, wo es sich zum Spiegel ansetzte und beim Sonnenschein glitzte.

Der Edel geht betteln.
Nassau

Der Edelgesinnte liebt die Berge, der Weise hat seine Freude am Wasser.
Japan

Der edelgesinnte Mensch ist selbstbewusst, doch nicht hochmütig. Der gewöhnliche ist hochmütig, doch nicht selbstbewusst.
Konfuzius

Der Edelleute Feste fallen selten in den Christmond.

Der Edelmann am Hofe dient, indes ihm daheim der Knüppel grünt.
info] Zur Schilderung des Polnischen Höflings

Der Edelmann fährt mit sechs Pferden, der Bettler stützt sich auf zwei Stöcke, aber am Grabe holt er den Edelmann ein.
Lettland

Der Edelmann hat immer recht, wenn klage ein Knecht.
Russland

Der Edelmann in seinem Bereich ist dem Wojwoden gleich.
info] Von dem großen Einfluss, den selbst der ärmste polnische Edelmann auf die öffentlichen Angelegenheiten seines Landes hatte. Das Wahlrecht machte, dass der höchste Adel den kleinen Edelmann, selbst wenn er mit eigener Hand den Pflug führte, mit 'Bruder' anredete. Die Stimme eines einzigen Edelmanns konnte die Landtagsverhandlungen unterbrechen. Auch auf das Alter seines Stammbaums legte der polnische Adel, besonders gegenüber dem deutschen, ein großes Gewicht. Ein polnischer Edelmann, sagt er im Sprichwort, ist älter als ein deutscher Baron.

Der Edelmann verlangt nur den Honig, die Edelfrau will auch das Wachs dazu.
Moskau

Der Edelmann, ist er ein edler Mann, hält wohl auch, was er verspricht.
bm] Pravil pán, kozich dám; zatim slevo jeho teplé.
bm] Slíbiti jest pansky, drzeti chlapsky.
fr] Le gentilhomme promet, le bourgeois tient sa parole (les promesses).
fr] Promesse de grand n'est pas héritage.
la] Qui cito, qui temere spondet se multa daturum quae male promisit, turpius ille negat.
sd] Lofva är herrachtigt, men hålla är fattig mans twång.
un] Igérni uraság; meg anni parasztság.

Der edelste Beweggrund ist das Allgemeinwohl.
en] The noblest motive is the public good.
Wahlspruch der White

Der Edelstein liegt dort, wo alle Augen sich hinwenden.

Der Edelwein am Rhein muss aller König sein.

Der Edelwein am Rhein muss aller König sein.
la] Vinum rhenense decus est et gloria mensae.

Der Edelwein am Rhein
Muß aller König sein.

Der Edle hat Angst um andere,
Der Gemeine um sich selber.
Pal Ernst, Ein Weltbild in Sprüchen

Der Edle ist auf Rechtlichkeit, der gemeine Mann auf Vorteil bedacht.
Konfuzius

Der Edle leidet an seinen Mängeln, nicht an mangelnder Anerkennung.
Konfuzius

Der Edle liebt bedachte Rede und beherztes Tun.
China

Der edle Mensch beschneidet, wo zuviel ist, damit er es dort hinzufügen kann, wo zu wenig ist. Er wägt die Dinge ab und verteilt sie gerecht.

Der edle Mensch erhebt nicht Menschen wegen ihrer Worte, noch verwirft er Worte wegen Menschen.
Konfizius

Der edle Mensch hat die Tugend im Sinn, der niedrig Gesinnte Besitz, der edle Mensch hat die Satzungen im Sinn, der niedrig Gesinnte Vergünstigungen.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch hilft seinen Mitmenschen, das Gute in ihnen zur Reife zu bringen, nicht aber das Schlechte. Der niedrig Gesinnte tut das Gegenteil.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch ist der Ehre würdig, ohne sich um Würden zu streiten, er ist gesellig, ohne einem Klüngel anzuhängen.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch ist festen Sinnes, doch eigensinnig ist er nicht.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch ist frei von Betrübnis und frei von Furcht.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch ist gemächlich mit Worten aber schnell mit Taten.

Der edle Mensch ist kein Instrument, das nur einer einzigen Verrichtung dient.

Der edle Mensch ist kein Werkzeug für die Zwecke anderer.

Der edle Mensch ist seinem Herrscher zu Diensten, indem er sich gewissenhaft müht, ihn auf den rechten Weg zu führen, und sein Wille dient einzig der Menschlichkeit.

Der edle Mensch ist zu großmütig, um stolz zu sein. Der gemeine Mensch ist zu stolz, um großmütig zu sein.

Der edle Mensch kann sich in Momenten vernachlässigen, der vornehme nie.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,16

Der edle Mensch kümmert sich am meisten um Weisheit und Freundschaft. Davon ist diese ein vergängliches, jene ein unvergängliches Gut.
Epikur, Vatikanische Spruchsammlung

Der edle Mensch lässt sich mit einem Edelstein vergleichen: man muss ihn schleifen, um seine wahren Qualitäten hervorzuholen.

Der edle Mensch offenbart die höchste Tugend, indem er alle Dinge bereitwillig annimmt.

Der edle Mensch schämt sich, wenn seine Worte seine Taten übertreffen.

Der edle Mensch scheut keine Mühe, das Leben anderer zu erleichtern. Der gemeine Mensch versucht, sich sein Leben leicht zu machen und lädt anderen alle Mühen auf.

Der edle Mensch sieht nur auf den inneren Wert, der gewöhnliche nur auf das Ansehen.
Konfuzius

Der edle Mensch strebt nach Harmonie, aber er biedert sich nicht an, der Niedriggesinnte biedert sich an, aber er strebt nicht nach Harmonie.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch sucht nach Gründen in sich selbst, der niedrig Gesinnte sucht sie in anderen.
Konfuzius, Gespräche

Der edle Mensch verkörpert den Weg der Mitte, der gemeine Mann handelt dem Weg der Mitte zuwider.

Der edle Mensch verlangt alles von sich selbst; der Gemeine verlangt alles von anderen.

Der edle Mensch will Gerechtigkeit, der gewöhnliche Gunst.
Konfuzius

Der Edle schämt sich großer Worte, so tut er mehr, als er zu sagen pflegt.
Konfuzius, Gespräche

Der Edle sieht bei einer Gabe auf die Gesinnung des Gebers, nicht auf den Wert der Gabe.
Plutarch, Denksprüche von Königen

Der Edle strebt beim Essen nicht nach Sattsein und in der Wohnung nicht nach Prunk.
Konfuzius

Der Edle wählt nur langsam seine Worte, doch schnell ist er, wenn es zum Handeln kommt.
Konfuzius, Gespräche

Der edle wein erfrischet das Herz, macht freuden viel und lustigen scherz.

Der edle Wein vom Rhein ist guter Mahlzeit Schein.

Der Edle zürnt nicht lange.

Der Edlen Art ist edle Tat.
Frauenlob, Sprüche

Der Efeu stirbt, wo er sich festhält.
fr] Le lierre meurt où il s'attache.

Der Egel hat zwo Töchter: Bring her, bring her!
la] Sanguisugae duae sunt filiae dicentes: affer, affer!

Der Egel lässt nicht ab, er sei denn Blutes voll.

Der Egel lässt nicht von der Haut, bis er berstet.

Der Eggenstaub und Winterfrost machen die Bauern wohlgetrost.

Der Egoismus alter Jungfern ist schrecklich. Er will sich an der ganzen Umwelt für die Leere ihrer vereisten Herzen rächen.
Herzen, Mein Leben

Der Egoismus besteht darin, sein Glück auf Kosten anderer zu machen.
Fliegende Blätter

Der Egoismus denkt nicht daran, etwas aufzuopfern, sich etwas zu vergeben, er entscheidet: Was ich brauche, muss ich haben und will ich mir verschaffen.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Der Egoismus der Frauen besteht etwa darin, dass wir ihnen immerwährend von uns selbst erzählen müssen.
Fliegende Blätter

Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst unbewusst. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen, bitter und von seinem Recht zu bestehen überzeugt.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Der Egoismus ist der Motor der Welt.
Rolland, Jugenderinnerungen

Der Egoismus ist eine Droge, die es bestimmten Menschen ermöglicht, mit sich selbst auszukommen.
Unbekannt

Der Egoismus ist etwas Spätes und immer noch Seltenes: die Herden-Gefühle sind mächtiger und älter! Zum Beispiel noch immer schätzt sich der Mensch so hoch, als die andern ihn schätzen (Eitelkeit). Noch immer will er gleiche Rechte mit den anderen und hat ein Wohlgefühl bei dem Gedanken daran.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Der Egoismus lenkt alle unsere Taten.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Der Egoismus treibt stets sein Spiel mit dem Menschen.
Tschernyschewski, Was tun?

Der Ego-Shooter ist die Vollendung der abendländischen Metaphysik.
Alexander Eilers

Der Ehebrecher steigt im dunckeln zum Fenster ein.

Der Ehebruch im Herzen ist' doch wohl ebenso große Sünde wie ein Ehebruch mit besseren Voraussetzungen.
Diderot, Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin von C.

Der Ehebruch ist nur dann eine Missetat, wenn er Diebstahl ist; aber was einem geschenkt wird, das stiehlt man nicht.
Voltaire

Der Ehebruch ist nur dann eine Missetat, wenn er Diebstahl ist; aber was einem geschenkt wird, das stiehlt man nicht.
Voltaire (1694-1778), Philosophisches Wörterbuch

Der Ehelieb Magd und Hoff Jungfrau ist trübniss und leid.

Der Ehemann darf keiner einzigen Freundin seiner Frau trauen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Physiologie der Ehe

Der Ehemann der Hure ist ein elender Wicht, nach seinem eigenen Zeugnis.

Der Ehemann ist keine Blume, mit der du dein Haupt schmückst.
Libanon
info] Er kann nicht bei dir sitzen, sondern muss zur Arbeit

Der Ehemann ist seiner Frau ausgeliefert auf Geweih und Verderb.
Alexander Roda Roda

Der Ehemann sollte bei allem Tadeln und Befehlen an seine Frau vorzüglich bedenken, dass ihr - da sie sich untergeordnet und unterwürfig dem Recht oder der Gewalt fühlt, alles viel härter vorkommt.
Jean Paul, Gedanken

Der Ehemann wird zu Lebzeiten maßlos verdächtigt und nach seinem Tode maßlos bewundert.
Fliegende Blätter

Der Ehepartner, der seinen Willen durchsetzt, liebt nicht.
Fliegende Blätter

Der Ehestand der heiligst orden, sintemal er alle anderen Orden in sich hat.
dk] Egteskab er en hellig orden, hvoraf de andre komme.

Der Ehestand hat einen güldenen Boden.

Der Ehestand hat viele Kinder: Reue, Zwietracht, Armut, Eifersucht, Krankheit, Trübsal, Ekel.
Jonathan Swift (1667-1745), Gedanken über verschiedene Gegenstände

Der Ehestand hat vier andere Orden in sich: das Kussjahr der Benediktiner, den Predigerorden (Gardinenpredigten), den Orden der Teutsch-Herren, wenn der Mann zum Schwert greift, den Barfüsserorden, wenn man dem Weib kein Geld gibt.

Der Ehestand ist der echte Jesuiter-Orden, in welchem Jesus der Abt ist.

Der Ehestand ist der heiligste Orden.

Der Ehestand ist ein Hühnerhaus, Der eine will hinein, der andre will hinaus (o. heraus).

Der Ehestand ist ein Hühnerhaus: Der eine will hinein, der andere will heraus.

Der ehestand ist ein rechter und heiliger Creutzorden.

Der ehestand ist eine hohe schul dess Menschlichen lebens, darinn niemand alles kan rein ausslernen.

Der Ehestand ist eine Prozession, wo immer das Kreuz vorangeht.
ndt] Der Ehstand is a Prozession, wo allm' 's Kreuz vorangeht.

Der Ehestand ist Gold, der Papisten Geistlicher eheloser Stand ist Dreck.

Der ehestand ist Gottes werkzeug.

Der Ehestand ist Himmel oder Hölle.
dk] Egteskab er himmerige og helvede, ligesom man skikker sig deri til.

Der Ehestand ist kein Schleck, drum geh hinein als Schneck.
nl] De echtestaat heeft veel in en geeft veel uit.

Der Ehestand ist nicht genug Artznei für Hurerei und unzucht, sonst würde es nicht so viel Ehbruch geben.

Der Ehestand kommt von des Schicksals Hand,
Das Horn wächst von Natur.
Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut (Narr)

Der ehestand nährt und mehrt, der weltliche wehrt, der geistliche lehrt.

Der Ehestandt fängt in den Flitterwochen an.
z] Hernach tretten die Eheleut in sechss Mönchorden, da jmmer einer härter ist, als der ander, vorharren eine kurtze Zeit in der Benediktiner Orden, in welchem alles recht und wol zugehet, treten aber bald in der Prediger Orden, da einer dem anderen saget, was ihm nicht gefallet, und lisst ihm die Epistel länger als ihm lieb ist. Von diesem wenden sie sich zu der Barfoter Orden, in welchem trawren und Weheklagen die beste Freude ist. Auss diesem begeben sie sich zu den Peitschbrüdern, da man sich mit Ruten häuwet. Von denen wandern sie in der Carthäuser Kloster, da man maulen, stillschweigen, von Tisch und Bett sich absondern thut. Theatrum Diabolorum

Der Ehestandt ist ein beschert Ding.

Der Eheteufel findet statt schon seit Asmodi's Übeltat.

Der Ehre Leiter hat keine eiserne Sprossen.

Der Ehre Saat
Gedeiht weit minder durch der Ahnen Tat
Als eignen Wert.
en] Honours thrive
When rather from our acts we them derive,
Than our foregoers.
Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut, II, 3 (König)

Der Ehre Schlepp'
Ist länger als ihr Vorderkleid.
en] Honour's train
Is longer than his foeskirt.
Shakespeare (1564-1616), König Heinrich VIII. II,3

Der Ehre
Gedanke herrscht allein in aller Brust.
en] Honour's thought
Reigns solely in the breast of every man.
Shakespeare (1564-1616), König Heinrich V. II, Prolog

Der Ehre
Stoff ist freilich ein so zarter,
dass ein Blick sie schon erschüttert,
dass ein Lufthauch sie bemakelt.
Calderón de la Barca, Das Leben ein Traum

Der Ehren sein.
info] So viel Ehre haben. Keiner von ihnen war der Ehren, d.i. hatte so viel Ehre, das Glas zu bieten.

Der Ehrenmann hierzulande ist nicht der, welcher rechtschaffen handelt, sondern der, welcher schöne Dinge sagt.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

Der Ehrgeiz dieses Cäsar
(So angeschwollen, dass er fast zersprengte
Den Bau der Welt) warf ohne Schein und Vorwand
Dies Joch auf uns.
en] Caesar's ambition,
Which swelled so much that it did almost stretch
The sides o'th' world, against all colour here
Did put the yoke upon 's.
Shakespeare (1564-1616), Cymbelin III,1

Der Ehrgeiz erfordert in hohem Maße Mut, Umsicht und Vermögen, muss sich gegen tausend Gefahren und Widerstände behaupten und ist in einem Menschenalter zu selten erfolgreich, um allgemein bemerkt zu werden.
Jonathan Swift (1667-1745), The Examiner

Der Ehrgeiz ergreift die kleinen Seelen leichter als die großen, so wie das Feuer leichter Stroh ergreift, leichter die Hütten als die Paläste.
Chamfort, Maximes et pensées

Der Ehrgeiz gleicht der Galle, einem Saft des menschlichen Körpers, der den Menschen tätig, beharrlich, wach und rührig macht, solange seine Ausgänge nicht verstopft sind. Ist das aber der Fall und hat sie nicht den notwendigen Abfluss, so wird sie brandig und dadurch bösartig und giftig.
Francis Bacon (1561-1626), Über den Ehrgeiz

Der Ehrgeiz ist der größte aller Schmeichler.
La Rochefoucauld, Maximes

Der Ehrgeiz ist unerbittlich, und jedes Verdienst, das ihm nicht dient, gilt als verächtlich in seinen Augen.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Der Ehrgeiz ist's, stets einem Gipfel zuzustreben.
Verhaeren, Les Flammes hautes: La Via ardente

Der Ehrgeiz kennt kein Hindernis der Ethik, der Menschlichkeit.
Wilhelm Liebknecht, Anarchismus, Sozialdemokratie und revolutionäre Taktik

Der Ehrgeiz selbst heilt den Weisen vom Ehrgeiz: Er strebt nach so hohen Dingen, dass er sich nicht auf das beschränken kann, was Schätze nennt, Stellen, Glücksgüter und Gunst.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Der Ehrgeiz verderbt die Hofleute, wie der Wein die Deutschen, das Spielen die Spanier, das Buhlen die Welschen und die Unbeständigkeit die Franzosen.

Der Ehrgeiz wird Napoleon umbringen.
Katalanisch

Der Ehrgeiz, der alle Dämme durchbricht, verursacht mehr Unglück als eine Hochflut.
Fliegende Blätter

Der Ehrgeiz, der Fehler macht, darf nicht auf Verzeihung rechnen.
Fliegende Blätter

Der Ehrgeiz, zu erfinden und zu entdecken, wird im höchsten Grade angeregt, einer wird an Vorschlägen und Ideen den anderen zu überbieten suchen.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Der ehrlich stand ist kein schleck (noch lauter Küchenessen).

Der ehrliche Mann aus dem einen Hause gilt als Schelm im Nachbarhause.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse Saint-Preux

Der ehrliche Mann geht auf der Straße, der unehrliche an der Seite der Straße.
Livland, Lettland

Der ehrlichste Mann wird am ersten (leichtesten) betrogen.
es] El buen hombre goza el hurto.

Der ehrt ein Ölgötzen, der den gemeinen wahn in ehren helt.

Der Eichbaum für die Herren oder für die Stadt (auch mit dem Zusatz: Eichenlaub stinkt).
[RSpW]
info] Ein vorzüglich in Lübeck geltendes Sprichwort. Es stellt das harte Holz unter den Schutz der Gesetze und ganz besonders das Eichenholz, da es bei so vielen Bauten wesentlich notwendig ist. Lübeck bedurfte es ganz besonders zum Schiffsbau und für viele andere Zwecke. Die Stadt behielt sich daher bei Verleihung der Güter ihres Gebiets das auf denselben befindliche harte Holz als Stadteigentum vor, um es vor Ausrottung zu schützen, woraus das Gewohnheitsrecht entstand, dass Eichen und Buchen auf den Meiergütern nicht den Besitzern gehörten und die Bauern bestraft wurden, wenn sie sich an diesen Bäumen vergriffen hatten. Auch an einigen anderen Orten besteht in Betreff des harten Holzes ein ähnliches Verhältnis.

Der Eichelhäher hat neun Zungen im Munde.
Estland

Der Eid allein ist Gottes Urteil.
[RSpW]
info] Daher bedurfte es, um die Unschuld zu beweisen, oft vieler Eide, wovon andere Sprichwörter reden. Wo Beweise da waren, bedurfte es des Gottesgerichts, des Eides, nicht. Die Glosse zum Sachsenspiegel sagt: Der Eid heiße eben deshalb Gottesurteil, weil er wie Wasser von einer Partei zur anderen fließe.

Der eid eines unzüchtigen Weibs und eines fürsprechers ist einerlei.

Der Eid hat keine Holung.
[RSpW]
info] Wurde im altdeutschen Recht das Geringste bei der Eidesleistung versehen, als: die Hand vom Heiligen verrückt, mit dem Nachsprechen gezaudert oder dabei gestottert, so war der Schwörende vom Eide gefallen und konnte sich nimmer erholen, denn Gott hatte seinen Eid als falsch bezeichnet.

Der Eid ist der Richter in verborgenen Dingen.

Der Eid ist der Zeuge der Wahrheit.

Der Eid ist ein End alles Haders.

Der Eid ist ein Ende alles Haders*14.

Der Eid ist gut, aber nicht zu allen Dingen.
dk] Med ed svares og ikke klages.

Der Eid ist gut, wer recht schwören tut.

Der Eid ist mit Dreck versiegelt.
info] Der Ton liegt auf 'der'
ho] Dat is een fransche eed.
ho] De eed is met boter bezegeld.

Der Eid ist nur da zu fordern, wo die Verletzung des Vertrages unbemerkt bleibt oder nur von Gott gestraft werden kann. Wenn man den Eid für Fälle verlangt, wo die etwaige Verletzung des Vertrages nicht unbemerkt bleiben kann und dem, welchem der Eid geleistet wird, die Macht zu strafen nicht mangelt, so tut man mehr, als zu der eigenen Verteidigung nötig ist, und man zeigt dadurch dass man nicht bloß sich wohl will, sondern auch dem anderen übel will.
Hobbes, Vom Bürger

Der Eid macht mündig.
[RSpW]
info] Nach den Gesetzen sollen Minderjährige ohne Einwilligung ihrer Vormünder keinen Eid leisten. Der Sinn des Sprichworts geht nun dahin, dass das Rechtsgeschäft eines Minderjährigen, wenn er es durch einen der Form nach gültigen Eid verstärkt hat, unwiderruflich so angesehen werden soll, als habe er bereits das gesetzliche Alter erreicht, d.h. als sei er mündig oder volljährig.

Der Eidam des Galgenstricks gleicht dem Schwiegerpapa.
info] Wie: Gleich und gleich gesellt sich gern. Über eine Sippschaft im übeln Sinne bestehen die jüdisch-deutschen Redensarten: Das is e Mischpoche (misch pachah), und: Das is e Chevruse, d.h.: Die passen zusammen oder: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich u.s.w. Zur Bezeichnung von Lumpengenossen hat man den Ausdruck 'Chawerlappes'.

Der Eidam hat ein Hundeleben.
Estland

Der Eidam oder der Fuß einer Katze ist dasselbe.
Estland

Der Eidam und der Haushund, die Magd und die Hauskatze.
Estland

Der Eidechsen sind mehr als der Störche.

Der Eifer der Arbeit wirkt oft in einer Stunde mehr, als der mechanische, schläfrige Fleiß in drei Stunden.
Christ. Fürchtegott Gellert, Sämtl. Schriften (1769), Abhandlungen und Reden

Der Eifer hat neun Häute und legt alle Tage eine ab.
ndt] De Iwer hewt niegen Hüe, he legt alle Dage ene aw.
Westfalen (Er vermindert sich mit der Zeit)

Der Eifer ist ein guter Diener, aber ein miserabler (o. schlechter) Herr.

Der Eifer ist ein schlechter Diener.
Frankreich

Der Eifer ist wohl ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.

Der Eifer, euch der gute, kann verraten.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 2 (Meier)

Der Eifersüchtige ereifert sich weniger über den Verlust seiner Geliebten als darüber, dass ein anderer ihm vorgezogen wird.
Paul Ree

Der Eifersüchtige hat das Horn schon in den Augen.
es] Hombre celoso, el cuerno al ojo.

Der Eifersüchtige macht sich selbst zum Hahnrei.

Der Eifrige hat Kleider, der Schuftende Hemden.
Estland

Der Eifrige hat Roggen, der Schaffende Korn.
Estland

Der eifrigen Hand wird schon Rat.
mhd] Der wachtigen hant wert al rât.
la] Lucratur studiosa manus, bibit omnia segnis.

Der Eigendünkel ist die lächerlichste Maske der Dummköpfe.
Fliegende Blätter

Der Eigene (= die Familie) nimmt auch mit Brot fürlieb, ist auch ohne Bier zufrieden.
Estland

Der eigene Bruder - ein Bluthund, schlug immer mich (und) schonte das Pferd, der Dorfbruder (= der Dorfjunge) - ein guter Bruder, schlug immer das Pferd (und) schonte mich.
Estland

Der eigene Bruder ist ein Russe, der Verwandte ein großer Hund (= Schelm), der völlig Fremde ein Gast.
Estland

Der Eigene dient um nichts.
[RSpW]
info] Der Leibeigene dient ohne jeden anderen Lohn als um sein Leben, was er erwirbt, wie was von ihm geboren wird, gehört seinem Herrn, er ist nur Gegenstand des Sachenrechts.

Der eigene Fehler fällt beim anderen am besten ins Auge.
Estland

Der eigene Fehler ist hinter dem Rücken, des anderen Fehler (ist) vor den Augen.
Estland

Der Eigene fragt, der Fremde weiß.
Estland

Der eigene Handschuh ist der allerwärmste.
Estland

Der eigene Hund ist besser als des Fremden Hund.
Estland

Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur.
Kurt Tucholsky

Der eigene Karpfen scheint jedem größer als des anderen Stör.

Der eigene König gefällt der Königin.
Titus Maccius Plautus, Stichus

Der eigene Kopf ist der Besmer (= die Handwaage), der eigene Sinn der Maßstab.
Estland

Der eigene Korb drückt nicht.
info] Was man für sich selbst tut, wird nicht schwer.
bm] Viastní břimĕ (nůse) netizí.

Der eigene Körper behindert einen nicht.
Sanskrit, Indien

Der eigene Kot stinkt nicht.

Der eigene Kuckuck singt immer besser als des anderen Nachtigall.

Der eigene Mann kommt immer nach - scheißt man auch von der Darrstange herab.
Estland

Der eigene Mund ist der nächste Vetter.

Der eigene Mund ist immer am nächsten.
Estland

Der eigene Mund ist immer näher als des Kindes Mund.
Estland

Der eigene Mund schmerzt nicht, wenn der fremde Zahn ausgezogen wird.
Russland

Der eigene Pfennig zahlt am besten.
nl] Met onze eigene penningen moeten wij onze schuld afdoen.

Der eigene Rat ist der älteste.
Estland

Der eigene Rock paßt auf die Knochen (= auf den Leib).
Estland

Der eigene Schmerz ist besser als eines anderen Glückseligkeit.
Bulgarien

Der eigene Schmerz ist im eigenen Körper, der Schmerz der anderen ist auf dem Baum.
Estland

Der eigene Schmerz quält, dem fremden Schmerz sieht man zu.
Estland

Der eigene Schnabelvoll ist mehr als des anderen Mannes Fudervoll.
Estland

Der eigene Schuh drückt.
Estland

Der eigene Tropfen ist mehr als eines Fremden Menge.
Estland

Der Eigene und sein Gut haben immer den nämlichen Herrn.
[RSpW]
info] Weil das, was der Eigene erwirbt, immer dessen Herrn zufällt.

Der eigene Vorteil verfälscht das Urteil vollständig.
Arthur Schopenhauer

Der eigene Vorteil verfälscht das Urteil vollständig.
Schopenhauer

Der eigene Wille ist immer die Hauptsache.
Estland

Der eigenen Haut fürchten.

Der eigenen Mutter Brot ist besser als der Stiefmutter Butterbrot.
Estland

Der eigenen Mutter Brot ist süßer als der Stiefmutter Weißbrot.
Estland

Der eigenen Mutter Rute tut nicht so weh wie der Stiefmutter Worte.
Estland

Der eigenen Mutter Wort ist nie so schmerzlich zu hören wie der Stiefmutter Wort.
Estland

Der eigenen Tochter wird gesagt, die Fremde soll verstehen.
Estland

Der eigennutz hat alle gute freund erwürgt.

Der Eigennutz ist das fünfte Evangelium im verkehrten Christentum.

Der Eigennutz ist die Spindel am Rocken.

Der Eigennutz ist die Spindel am Rocken7.

Der Eigennutz spricht alle Arten von Sprachen und spielt alle Rollen, selbst die der Selbstlosigkeit.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Eigennutz spricht jede Sprache und spielt jede Rolle, selbst die des Gemeinnutzes.

Der Eigennutz vertreibt alle Rechte.

Der Eigennutz, der die einen verblendet, erleuchtet die anderen.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Der Eigennützige hält sich für uneigennützig, und dies ist kein hässlicher, sondern ein schöner Zug der menschlichen Natur. Er entspringt zum Teil aus der Verehrung vor der Idee dessen, was man in der Wirklichkeit keineswegs besitzt, zum Teil aus dem richtigen Gefühl, dass jedes unserer Laster sowie jede unserer Tugenden nur Stufen zu einem Äußersten nach unten oder oben sind, nie das Äußerste selbst.
Hebbel, Tagebücher, 28. 10. 1839

Der Eigennützige und Herrschsüchtige sieht in den Personen, mit welchen er umgeht, nur ihre größere oder mindere Brauchbarkeit zur Ausführung seiner Entwürfe und hält selten etwas, das ihm weder nutzen noch schaden kann, seiner Aufmerksamkeit wert.
Christian Garve, Über Gesellschaft und Einsamkeit

Der eigensinn bleibt heur wie ferndt, wie dess Müllers pferdt.

Der Eigensinn der Kinder ist nie das Werk der Natur, sondern einer schlechten Zucht, weil sie entweder gehorchen mussten oder befehlen konnten.
Rousseau, Emile oder über die Erziehung

Der Eigensinn einer Frau ist auf eine ganz wunderliche Art befestigt. Der Graben ist hinter dem Wall, und hat man die steilsten Einwendungen erstiegen und glaubt, jetzt wäre alles geschehen, entdeckt man erst, dass das Schwerste noch zu tun sei.
Börne, Gesammelte Schriften: Fragmente und Aphorismen

Der Eigensinn ist die Energie der Dummen.

Der Eigensinn ist die Energie der Dummen.
Jean-Paul Sartre

Der Eigensinnige scheißt sich die Hacken voll.
info] Wortspiel

Der eigentliche Akt und Dienst unserer Intelligenz ist die Überwindung der Trägheit. Sie bleibt jedesmal als geplatzte Fiktion hinter uns und wird dann unvorstellbar.
Heimito von Doderer, Repertorium

Der eigentliche Aufbau der sozialistischen Gesellschaft aber wird erst dann beginnen, wenn wir die vollständige Gleichstellung der Frau durchgesetzt haben und gemeinsam mit der von dieser abstumpfenden, unproduktiven Kleinarbeit befreiten Frau an die neue Arbeit gehen werden.
Wladimir I. Lenin, Über die Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung

Der eigentliche Beweis, dass wir Talent besitzen, ist die Fähigkeit, das Talent in anderen Menschen zu entdecken.
Fliegende Blätter

Der eigentliche echte Große auf der Erde wäre nur der, der sich gar nichts Böses bewußt wäre - aber dieser Einzige ist längst gekreuzigt; dennoch geben wir Selbstschmeichler diesen Namen den Fürsten und den Genies.
Jean Paul, Impromptus, Für Stammbücher: Der Große

Der eigentliche Genuss an Kunstwerken und Büchern liegt in der Empfindung, einen größeren Geist fassen zu lernen, in der fühlbaren Erweiterung der Seele. Was wir nicht verstehen, oder was wir so völlig verstehen, dass wir es selbst hervorbringen könnten, verschafft diesen Genuss nicht.
Fliegende Blätter

Der eigentliche Obskurantismus ist nicht, dass man die Ausbreitung des Wahren, Klaren, Nützlichen hindert, sondern dass man das Falsche in Kurs bringt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 165

Der eigentliche Redner der Volksversammlung ist die Leidenschaft.
Fliegende Blätter

Der eigentliche Sinn der Politik ist die Errichtung, die dauernde Befestigung, die Selbstbehauptung der Freiheit in einer staatlichen Gestalt. Politik in diesem Sinne will Freiheit für alle.
Fliegende Blätter

Der eigentliche Sinn für die Geschichten der Menschen entwickelt sich erst spät, und mehr unter den stillen Einflüssen der Erinnerung, als unter den gewaltsamen Eindrücken der Gegenwart.
Novalis, Heinrich von Ofterdingen

Der Eigentumsbegriff ist nur der Reflex, das Erzeugnis der Staats- und Gesellschaftszustände, und mit diesen naturgemäß einer beständigen Veränderung unterworfen.
Wilhelm Liebknecht, Die Grund- und Bodenfrage

Der Eigentumsteufel vergiftet alles, was er berührt.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Der Eigenwille wird niemals befriedigt, wenn er auch alles hätte, was erwünscht; man ist aber befriedigt, wenn man entsagen kann.
Pascal, Gedanken

Der eigne Sinn, die eigne Kraft und der eigne Wille eines Menschen ist das Menschlichste, das Ursprünglichste, das Heiligste an ihm.
Friedrich Schlegel, Über die Philosophie

Der Eile Arbeit ist nachlässig.
Estland

Der eilend würt nit one sünd reich.

Der Eilfertige und der Lahme treffen sich auf der Fähre wieder.
Ägypten

Der Eilige und Langsame kommen an der Fähre zusammen.

Der eilt nach fremdem gut, auff den wart armut.

Der eim schalck in ein Kutten kreucht, wie ein ander Bub wider herauss schleufft.
hdt] Der ein Schalk in die Kutten steckt, wirdt ein Buben wider abziehen.

Der Eimer geht so lange zum Brunnen, bis der Henkel bricht (o. bis der Reifen abfällt).

Der Eimer, der nicht Wasser hält, misst doch Hafer.

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