<<< Weisheiten 0515 >>>

Der Gaul, so am meisten zieht, bekommt die meisten Hiebe.
en] The horse that draws most, is most whipped.

Der Gauner kann die Elster rupfen, ohne dass sie schreit.
it] Il birbone sa pelar la gazza senza farla stridere.

Der geadelte Bauersmann sieht nicht mehr seine Verwandten an.
it] Il villano nobilitato, non conosce suo parentato.

Der gealterte Mann, zumal einer, der in der Gesellschaft lebt, glaubt bis zum letzten Augenblick, auch wenn er bei jeder Gelegenheit das Gegenteil beteuert, heimlich bei sich selbst, er könne dank einer ganz einzigen Ausnahme von der allgemeinen Regel, wie und warum, weiß er selber nicht, noch immer etwas Eindruck auf die Weiber machen: denn es stünde doch gar zu elend um ihn, wenn er gänzlich und für immer der Hoffnung auf jenes Glück entsagen müsste, das für den Weltmann, mag man die Sache drehen, wie man will, so oder so, am Ende den Wert des Lebens ausmacht.
Leopardi, Gedanken

Der gebanet weg lasst einen nit leichtlich verirren.

Der Gebende hat neun Sünden.

Der Gebende ist ein guter Mann, der Wegtragende ein schlechter Mann.

Der Gebende kann geben so viel er will, der Nehmende sagt niemals 'genug'.

Der Gebende muss überlegen, der Nehmende überlegt ja nicht.

Der Geber ist gestorben und der Sohn verdorben.
i] Der Gedanke, dass man sich vergeblich nach Personen umsieht, die ihre Sachen verschenken, oder auch, dass die Wohltätigkeit verschwunden sei, wird im Deutschen wie bei anderen Völkern in verschiedener Abwandlung ausgedrückt. Die Deutschen sagen auch: Der alte Schenk ist tot. Schenk ist tot und Gebert hat 's Bein gebrochen. Schenk und Umsonst sind gestern gestorben. Im Harz: Schenk ist über den Berg gezogen. Gibmir hat 's Genick gebrochen. Schenk ist tot, der Wirt (der bezahlen lässt) lebt noch. Der Schenker ist gestorben, der Henker lebt noch. Herr Donat ist verschieden, sagen die Bergamasken, und man fügt in Venetien hinzu: in den Alpen, in Mailand, im Hospital. Die Engländer sagen: Der Geber ist heutzutage tot und Wiedergeber ist sehr siech. Auch die Neger in Surinam sagen: Umsonst's Mutter ist gestorben.

Der Geber ist tot und der Wiedergeber sehr krank.
fr] Donner est mort et prêter est bien malade.

Der Geber steht höher als der Nehmer.

Der Geber vergrößert den Wert der Gabe.
Slowakei

Der Gebetsrufer muss ausrufen - beten mag, wer beten will.
Jemen

Der Gebich findet alle Türen offen.
Russland

Der Gebildete ist in dieser Beziehung ein Vielfraß und hamstert, hamstert mehr, als er je verschlingen kann. Durch die literarische Küche aller Nationen schmatzt er sich durch; er würde an dem vielen Zeug, das er zu sich nimmt, ersticken, wäre nicht das Vergessen, dieser segensvolle Schlußeffekt aller Hirnperistaltik.
Polgar, Bücher

Der Gebildete sieht in den Wundern... nur die Wirkungen der unerforschten, unbegriffenen Naturkräfte; aber auch sie sind ihm Wunder, solange das blöde Auge der Sterblichen nicht hinter den Vorhang blicken kann, der das Geistige vom Körperlichen scheidet...
Büchner, Über den Traum eines Arkadiers

Der gebildete Teil der jungen Generation fühlt sich darum überall zu idealistischen Bewegungen hingezogen, die mit der Ideologie und den Werten der erwachsenen Welt mehr ernst machen als die erwachsene Welt selbst. Jugendlicher Idealismus wird, auch wenn er die Welt der Erwachsenen scharf verurteilt und zu extremen Maßnahmen greift, oft von den Älteren respektiert.
Barzel: Gesichtspunkte eines Deutschen

Der Gebildete wird, wohin er auch kommt, geschätzt und auf den Ehrenplatz gesetzt, der Ungebildete aber wird, wohin er kommt, nur Bettelgaben aufheben und Noterleben.
Saadi, Rosengarten

Der Gebildete
la] homo litteratus

Der Gebissene fürchtet die Hunde.

Der Gebrannte fürcht's Foir.

Der gebrannte Hund fürchtet die Küche.

Der Gebrauch hat es dem Übersetzer und selbst dem geschmacklosesten Kommentator gestattet, den Eingang seiner Übersetzung oder seiner Auslegung mit einer Lobrede auf das Original zu zieren und dessen Nutzen, Wert und Vortrefflichkeit herauszustreichen.
Montesquieu, Lettres persanes, Introduction

Der Gebrauch ist der Schiedsrichter (o. Tyrann) der Sprache.
fr] L'usage est le tyran des langues.
it] L'uso è l'arbitro della lingua.

Der Gebrauch ist der Schiedsrichter der Sprache.
it] L'uso è l'arbitro della lingua.

Der Gebrauch ist ein Tyrann.
z] Sollte das Sprichwort: Usus tyrannus, ein geistreiches Résumé der in den Versen 71 und 72 (Satiren, Buch 2) enthaltenen Worte des Horaz sein: ...Usus quem penes arbitrium est et jus et norma loquendi. Büchmann
fr] L'usage est le tyran des langues.
la] Usus tyrannus.

Der Gebrauch ist löblich, der Missbrauch sträflich.

Der Gebrauch macht erfahren.

Der Gebrauch vom Gut gibt den schönsten Ehrenhut.
fr] Plus que substance est usaige digne vitupere ou louenge.
la] Actio et usus quam substantia, laude et vituperio dignior.

Der gebrauchte Schlüssel ist immer blank.
England

Der gebundene Dieb kann keinen Schuldigeren nennen.
i] Wer auf frischer Tat ergriffen wird, kann keinen anderen beschuldigen
altfries] Di bondena tyaef mey nene schieldigga baria.

Der Geburtstag ist das Echo der Zeit.

Der geburtstag macht nit edel.
la] Generositas virtus, non sanguis.

Der Geck guckt doch hervor.

Der Geck sticht ihn.
dä] Gekken stikker i ham, han har korte esels-øren.

Der Gecken gibt es große Haufen.

Der Gedanke an den Tod betrübt uns, denn er lässt uns vergessen zu leben.
Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Der Gedanke der Unsterblichkeit ist ein leuchtendes Meer, wo der, der sich darin badet, von lauter Sternen umgeben ist.
Jean Paul, Selina

Der Gedanke des Ehestandes hat für ein halbkluges Mädchen gewiss etwas Schreckhaftes.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Der Gedanke einer glücklichen Unsterblichkeit gehört mit zur Wollust des Menschen, wenigstens des Mannes, oder des Alten, der zuletzt nichts mehr als diese freudige Hoffnung genießen kann.
Möser, Anti-Candide

Der Gedanke fliegt, die Rede hinkt.
Portugal

Der Gedanke Gott weckt einen fürchterlichen Nachbar auf. Sein Name heißt Richter.
Schiller, Die Räuber V, 1 (Moser)

Der Gedanke ist Allgemeingut und, im Gegensatz zum Gefühl, um soweniger wert, je mehr er an den Boden erinnert, auf dem er gewachsen ist.
Hebbel, Tagebücher, 3.4.1838

Der Gedanke ist also durch seine Natur etwas Wunderbares und Unvergleichliches. Er müßte sonderbare Mängel haben, um verächtlich zu sein; aber er hat derartige, dass es nichts Lächerlicheres gibt.
Pascal, Gedanken

Der Gedanke ist bald eine einfache Bewegung und bald eine Tat der Seele.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Der Gedanke ist das Produkt der Individualität.
Hebbel

Der Gedanke ist das, was einer Banalität zum Gedanken fehlt.
Kraus

Der Gedanke ist der Gefährliche, der gefährlichste Weg vom Gefühl zur Phantasie.
Rudolf Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Der Gedanke ist des Herzens Gevatter.
Litauen
z] Der Gedanke ist eine Bewegung des Stoffs.

Der Gedanke ist die unsichtbare Natur, die Natur der sichtbare Gedanke.
Heine, Gedanken und Einfälle

Der Gedanke ist eine Bewegung des Stoffes.
Sprüche der Weisen

Der Gedanke ist es, der das Wort adelt.
Gottfried Keller, Tagebuch

Der Gedanke ist nichts wert, wenn kein Gegengedanke da ist.
Altfranzösisch

Der Gedanke ist nur ein Blitz zwischen zwei langen Nächten, aber dieser Blitz ist alles.
Poincaré

Der Gedanke ist schneller, als das Auge sieht.
bm] Oko hledí daleko, a mysl jeste dále.

Der Gedanke lässt sich nicht vom Gedachten, der Wille nicht vom Bewegten trennen!
Goethe, Biographische Einzelheiten - Jacobi

Der Gedanke legt den Grund für die Tat.
Moltke

Der Gedanke liegt so tief unter dem Wort, dass es ihn nicht preisgibt.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Der Gedanke lockt den Menschen an Abgründe unerforschlicher Geheimnisse, betrügt ihn, läßt ihn in quälender, ohnmächtiger Einsamkeit allein angesichts dieser Geheimnisse - und erlischt.
Maxim Gorki (1868-1936), Leonid Andrejew

Der Gedanke macht die Größe des Menschen.
Blaise Pascal, Pensées

Der Gedanke muss in der Gesellschaft geboren werden, seine Bearbeitung und Ausprägung erfolgt in der Einsamkeit.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1853)

Der Gedanke von gestern ist nicht der Gedanke von heute.

Der Gedanke zu Hause taugt nicht unterwegs.
Estland

Der Gedanke, dass der Mensch frei sei, ist schwieriger zu finden gewesen als der, dass die Erde sich um die Sonne bewege; für ersteren lässt sich kein Kopernikus nennen.
Ihering, Der Geist des römischen Rechts

Der Gedanke, den wir gedacht, ist eine solche Seele, und er lässt uns keine Ruhe, bis wir ihm seinen Leib gegeben, bis wir ihn zur sinnlichen Erscheinung gefördert. Der Gedanke will Tat, das Wort will Fleisch werden.
Heine, Deutschland, I, 3. Buch: Von Kant bis Hegel

Der Gedanke, es durch Demut zu irgendeiner abstrakten Vollkommenheit zu bringen, sich über alle anderen zu erheben, kann die Frucht entweder des Dünkels oder des Schwachsinns sein und führt in beiden Fällen unvermeidlich zur Heuchelei.
Wissarion G. Belinski, An N. W. Gogol, 15. 7.1847

Der gedanken straff darff niemand leiden.

Der gedenkt all tag (o. allweg) zu sterben, der kann nimmermehr verderben.

Der Geduld Blasebalg ist die Hoffnung.

Der geduld gilts gleich, sie liege auff der banck oder drunder.

Der geduld sig helt alleyn den stich.
mhd] Swer hât gedultige site, dem volget êre und saelde mite.
un] Mindent meggyöz a békeséges türés.

Der geduldig leidt und meid, er leid unrecht und tuts niemand.

Der Geduldige behält das Feld.
i] Nämlich der mit zäher Konsequenz im Kampf Ausdauernde, nicht der, welcher sich widerstandsscheu niedertreten lässt.
la] Romanus sedendo vincit.

Der Geduldige erlangt das Gewünschte, der Ungeduldige aber lästert Allah.
Arabien

Der Geduldige geht nicht verloren.

Der Geduldige hält aus bis zur rechten Zeit, doch dann erfährt er Freude.
Altes Testament, Jesus Sirach 1, 22

Der Geduldige hat alle Reichtümer dieser Welt.
Sudan

Der Geduldige kocht einen Stein, bis er Brühe davon trinken kann.
Haussa, Afrika

Der geduldige krümbt sich zusammen wie ein Igel und läst andere das maul und hörner über sich zerstoßen.

Der geduldige muss sich leiden, wie der Han auffm dach.

Der geduldige Schwab' lässt sich in den Hintern.

Der geduldige Sieg hält allein den stich.

Der Geduldige sieht zwei Anteile.

Der Geduldige treibt den Ungeduldigen aus dem Lande.

Der geduldigen Schafe gehen viel(e) in einen Stall.
la] Inter bonos facile convenit.
la] Nulla pusilla domus, quae multos captat amicos.
un] Békes' malatzai egy olban kilenczen-is el-férnet.
un] Sok jó tánczolhat egy duda mellett.
ndt] Der gedülligen Schâpe gât vêle in'n Stall. Hannover

Der geduldigen Tänzer gehen viel um einen Dudelsack.

Der Geduldsfaden muss endlich reißen.
ho] Men mogt wel een geduld hebben, zoo taai als een lederen lap.
la] Saepius laesa repugnat ovis.

Der Geduldsfaden reisst ihm.

Der gefährlichste Parteimann ist der, dessen zu gläubiges Aussprechen der Parteigrundsätze zum Abfall reizt.
Nietzsche

Der Gefällige ist überall beliebt.

Der Gefangene pfeift, der Faule schaut durch (seine) fünf Finger.
Estland

Der Gefreite hat einen höhern Grad der Gemeinheit, sagte der Rekrut, als ihn der Unteroffizier fragte, welche Stellung er einnehme.

Der Gegensatz des Spiels zum Ernst des Lebens kann nur Erwachsenen zum Bewußtsein kommen, denn Kinder spielen eigentlich immer, bei ihnen ist Spiel und Leben eins.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Der Gegensatz gehört zum Menschendasein,
Um uns mit allen Wesen zu verbinden
Und ihres Wesens teilhaft uns zu machen.
L. Schefer, Laienbrevier, Februar

Der Gegensatz von Egoismus und Altruismus ist in der Liebe restlos aufgehoben.
Thomas Mann, Goethe und Tolstoi

Der Gegensatz von genial ist nicht: ungenial, sondern: geschickt.
Sprüche der Weisen

Der Gegenstand der Forschung, die der Philosoph betreibt, ist das Glück der Menschen.
Helvetius, Vom Menschen

Der gegenwärtige bedeutende Auftrag ist die Entwicklung eines leistungsfähigen und zuverlässigen Systems, das Lasten von vielen Tonnen Gewicht in eine Umlaufbahn um die Erde und in den tiefen Weltraum befördern kann. Die Rakete, die zu diesemZweck entwickelt werden muss, - wird schließlich in der Lage sein, Menschen um den Mond und zurück zur Erde zu bringen oder Instrumente auf dem Mars oder der Venus zu installieren.
Broschüre vom 8. 9. 1960 für die Festgäste auf dem George C. Marschall Space Fight Center

Der geheime Groll alles dessen, das man hätte kennen können und nie gekannt hat.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972

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