Spruchlexikon

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AfdremmelnHe dremmelt sich wat af.
AfdremmelnIk hew' em wat afdremmelt.
(Pommern)
Dem Geizigen, dem das Geben sauer wird. Dremmel heißt die derbe, feste, fast verhärtete Ausleerung im Gegensatz zu der weicheren oder gar flüssigen Masse der schnellen Kackereien. Sprachlich dürfte Dremmeln aus drängeln = Diminutiv von drängen zu erklären sein.
ÄfenEs äft sich wie eine Katze.
ÄfernWer etwas äfert, macht Fürsten uneins.
Äfern, auch äffern = das vergessene Unangenehme wieder zur Sprache bringen.
ÄffchenAapke, bed' nau, wöllst ok e Plum?
Wenn jemand einen andern dumm anstiert, wird meist die andere Hälfte allein gebraucht. Im Samlande heißt es: Schânke (Jan = Christian), bed' nau.
ÄffchenÂpke, spring' äwer.
(Königsberg)
Spottend zu denen, der auffallend gekleidet geht.
ÄffchenÂpke, wöllst Nät, oder ver e Frät.
(Königsberg)
ÄffchenOhpke, geist nau Appke?
(Königsberg)
Äffchen, gehst nach Abken? Sprichwörtliche Scherzfrage; Wortspiel. Abken ist ein im Walde von Wilkie bei Königsberg gelegener Krug (Wirtshaus).
Affe'N Âpe is un blift 'n Âpe, un dröge he auk sidene Schlîpklêer un goldene Kîen un Spangen.
AffeAffe, was hast du für schöne Jungen! -
Ironische Bewunderung von hässlichen Kindern und widerwärtigen Taten.
AffeAffen aufm hohen Baum machen sich so wercklich, das die zuseher lachen müssen.
AffeAffen ausnehmen.
Etwas Törichtes unternehmen.
AffeAffen bleiben Affen, wenn man sie auch in Seide, Sammet und Scharlach kleidet.
Die geschmückte Außenseite macht keinen Unwürdigen achtungswert. So, sagt Erasmus (»Lob der Narrheit«), bleibt ein Weib ein Weib, was für eine Rolle sie auch immer spiele.
en] An ape 's an ape, a varlet 's a varlet, tho' they be clad in silk or scarlet. - Jack will never make a gentleman.
fr] Qui naît fou, n'en guérit jamais.
it] La scimia resta scimia, benchè vestita di seta.
la] Simia est simia, et si aurea gestet insignia.
pl] Namazty chlopa pizmem przecie on dziegciem smierdzi.
es] Anunque se vista de seda, la mona se queda.
hu] A majom, ha legszebb is, mégis rút.
AffeAffen fahet man mit großen Bundschuhen.
Bundschuh heißt auch Verschwörung.
AffeAffen fängt man in Stiefeln und hängt sie dann an Ketten.
AffeAffen fängt man nicht mit Stricken.
Von Schlauen, die sich nicht auf plumpe Weise bestricken lassen.
la] Simia non capitur laqueis.
AffeAffen feil haben.
AffeAffen können wohl Menschengebärden nachtun, aber nicht den Verstand.
AffeAffen scheren.
AffeAffen sind Affen, wenn sie auch Chorröcke anhaben (tragen).
AffeAffen und Esel lieben ihre Jungen am meisten.
AffeAffen und gaffen.
AffeAffen und Pfaffen frei sind der Strafen.
AffeAffen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.
Bezieht sich auf den besondern Gerichtsstand der Geistlichen.
AffeAffen und Pfaffen machen viel zu schaffen.
AffeAffen und Pfaffen.
AffeAffen und Pudel lassen sich nur einmal (auf dieselbe Weise) anführen.
Die Menschen haben das Vorrecht, zeitlebens Esel zu bleiben.
AffeAffen weisen.
AffeAffen zu Affen und Meerkatzen zu Meerkatzen.
Auf der früheren Unterscheidung von Affen und Meerkatzen beruhend.
AffeAffen zur Hölle führen.
Sprichwörtliche Beschäftigung für alte Jungfern. (Vgl. Shakespeare)
AffeAffen, Frauen, trunkner Mann, kein Ding lang heimlich halten kann.
Das Sprichwort liebt Zahlen und Reim, besonders drei und vier. Beides ist hier verbunden, wodurch der Gipfel der Volkspoesie erreicht ist. Das Sprichwort schildert die Geschwätzigkeit der Trunkenen.
AffeAlle kennen den Affen, aber der Affe kennt keinen.
se] Alla känna apan, men apan känner ingen.
AffeAls der Affe einen Holtzhawer geben wollte, fieng er sich selber.
AffeAlt Affen fahet man schwerlich.
AffeAlte Affen sind schwer zu fangen.
AffeAlte Affen tun Meerkatzen gern einen Gefallen.
Eine hässliche Dame hatte den Präsidenten eines Gerichts einen alten Affen genannt und er hatte es erfahren. Da ihre Sache gerecht war, gewann sie den Prozess; und als sie ihm dankte, erwiderte er obige Worte, die bald bekannt, oft wiederholt und Sprichwort wurden.
AffeAlte Affen, junge Pfaffen, wilde Bären, soll niemand in sein Haus begehren.
Von jungen Geistlichen, die ihren Weltsinn nur mit dem kirchlichen Charakter bedecken.
la] Inveterata peti non simia debet in aedes ursus sylvestris presbiter et juvenis. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1872) - Non intret tua limina quisquam frater vel monachus, vel quavis lege sacerdos. - Non recipiendos in domum: iuniorem sacerdotem, vetulas simias, et feras immansuetasque ursas.
AffeAp, wat hest du wackere Kinner.
(Oldenburg)
Spott auf die Affenliebe vieler Eltern, welche ihre Kinder für die schönsten und wohlbegabtesten halten.
AffeÂpe, knicke dick, Esel bücke dick, segt de Bûere un slut 'n Slagbôm.
(Lüneburg)
AffeApe, wat hest du moje Jungen.
(Ostfriesland)
nl] Aap, wat hebt gij mooije jongen. - In demselben Sinne: Schipper, welk een mooi wijf hebje.
AffeAuch ein schlauer Affe wird keinen Fuchs betrügen.
AffeBat es doch en Âpe en spaßig Menske, sach de Biur.
(Kirchspiel Hemer, Grafschaft Mark)
AffeBeter en Âp, as en Schâp.
(Holstein)
AffeDa hett seck 'ne Âpe lûset, segt de ole Kampiksche, as êr dat Geld stôlen wâs.
(Hildesheim)
AffeDas ist unter dem Affen.
Hackländer, Dunkle Stunden, Stuttgart 1863
AffeDas sind nur Affen.
Dumme Spielereien, Fratzen u.s.w.
AffeDat di de Ape luse!
AffeDem Affen Zucker geben.
AffeDem alten Affen den Apfel, dem jungen die Nüsse.
en] An old ape hath an old eye.
fr] La pomme est pour le vieux singe. (I, 30.)
AffeDen Affen aus dem Ärmel springen lassen.
Seine Gesinnung zeigen. Diese Redensart ist, wie viele andere, von den weiten Ärmeln entlehnt, die man ehedem trug und in denen man viel verbergen konnte.
AffeDen Affen bekleyden, scheren, vnd mit purpur schmücken.
AffeDen Affen geigen lehren.
»Ich lehr' vil eh'r einen Affen geygen, denn eine böse Zunge schweigen.« (Murner)
AffeDen Affen im Garn finden.
AffeDen Affen in Stiefeln zu sehen und die Sau im Chorrock, ist eine Lust.
AffeDen Affen kennt jeder, der Affe kennt niemand.
dk] Alle kiende abe, abe kiender ingen.
se] Alla känna apa, apa käner ingers.
AffeDen Affen legen.
Eine Summe Geldes zahlen.
AffeDen Affen mit Purpur kleiden.
la] Simia in purpura.
AffeDen Affen nähen.
»Die Weiber können all ein kunst, d. i. den Narren been, den Affen neen, den Rappen das muss einstreichen, vnd was sich zum bösen reimbt.«
AffeDen Affen tragen.
D. h. den Tornister.
AffeDen Affen weisen.
AffeDen Apen de Loge (Lauge) up 'n Kopp bruwen.
Spöttische Bezeichnung dafür, dass den Katholiken in den Fasten die mit Asche belegten Köpfe mit Weihwasser besprengt werden.
AffeDenn müsste ja mein Herz 'n Affe sind.
Berliner Redensart
Ich müsste ja ein Tor, dumm sein, wenn ich das täte; ich tue es nicht.
AffeDer Aff liebt (druckt für liebe) seine Jungen zu tot.
en] The ape claspeth her young so long tat at last, she killeth them.
la] Caecus amor prolis.
AffeDer Affe bleibt ein Aff, und würd' er König oder Pfaff'.
AffeDer Affe bleibt ein Affe, und trüg' er einen goldenen Ring.
Niederl.: Een aap is en aap, al draagt hij een' gouden ring.
AffeDer Affe dreht (schlägt) Rädlein ungebeten.
Rädlein schlagen = Possen treiben.
AffeDer Affe hat kein schön Gesichte und findet doch die besten Früchte.
AffeDer Affe hat seine Nägel nicht umsonst.
AffeDer Affe ist ein hässlich Ding. - 374.
Mit aller Nachahmung ist's etwas Hässliches.
AffeDer Affe kennt nichts Schöneres als seine Jungen und der Narr nichts Klügeres als seine Taten.
dk] Aben kalder sine unger kjönnest, og daaren sin tale klogest.
AffeDer Affe leckt so lange an der Feile, bis die Zunge abgeleckt.
dk] Aben slikki de saa lange paa fiilen tel den afslikkede sin egen tunge.
AffeDer Affe muss dich kratzen.
(Oberlausitz)
AffeDer Affe nimmt die Pfoten der Katze, um die Kastanien aus dem Feuer zu ziehen.
AffeDer Affe springt ihm aus dem Ärmel.
Er zeigt seine wahre Natur. Die Äffchen mögen sich bei Schelmen in die weiten Ärmel der Schlafröcke verstecken, und dann unerwartet zum Vorschein kommen, um zu kratzen oder irgendeinen Streich auszuführen, und dabei ihre wahre Natur zeigen.
AffeDer Affe steigt nicht umsonst auf die Bäume.
it] Alla simia piace le cirege.
AffeDer Affe tut nach der Menschen Hand, aber nicht nach ihrem Verstand.
AffeDer Affe wirft die Kastanien ins Feuer und lässt sie die Katze herausholen.
Um zu sagen, dass jemand eine Sache wohl anfängt, aber sie, sobald Gefahren und Schwierigkeiten sich erheben, einen andern ausführen lässt.
AffeDer schönste Affe ist ein hässlich Ding.
Ein Wink, dass es um alle Nachäffung etwas Hässliches sei.
AffeDer schönste Affe ist ein Unflat.
Flat hieß früher schön; jetzt ist nur die verneinende Zusammenstellung Unflat noch vorhanden.
la] Simiarum pulcher rima deformis est.
hu] A' majom, ha legszebb is, mégis rút.
AffeDie kleinsten Affen haben die längsten Schwänze.
Die engsten Köpfe oft die längste Zunge.
AffeDu wirst doch nicht mein Affe sein?
(Schlesien)
AffeEi, lieber Aff', dich erst besich, darnach lob' oder schelte mich.
AffeEin aff bleibt alzeit ein aff, ob er gleich mit sammtte kleydt were.
AffeEin Aff bleibt ein Aff, er sei gleich ein Fürst, Bürgermeister oder Pfaff.
AffeEin Aff bleibt ein Aff, ob er gleich vff einen guldnen stul sess.
AffeEin Aff laust den andern.
la] Far facetiam.
AffeEin Aff lesset sich nicht mit einem strick fangen.
AffeEin Aff schmecket schärpffer vnnd besser denn ein Mensch.
la] Nos aper auditu, nos vincit aranea tactu, nos canis olfactu, linx visu, simia gustu.
AffeEin Aff', ein Pfaff' und ein Schleifstein kommen sehr wohl überein.
AffeEin Affe bat einige Teufel, ihn zu beherbergen. »Junger Herr«, antworteten sie, »es ist kein Brot im Hause.«
Es ist eine vergebliche Mühe, die Milde von Schurken anzusprechen.
AffeEin Affe bewachte ein Tormusfeld. Da sagte jemand: »Schau den Wächter und die Saat.«
(Ägypten)
Von einer verachteten Person, die ein verachtetes Geschäft besorgt. Tormus, eine sehr gemeine Bohne von bitterm Geschmack und wenig geachtet.
AffeEin Affe bleibt ein Affe und käme er nach Rom.
la] Coelum, non animum mutant, qui trans mare currunt. - Peregrinatio non facit medicum, non oratorem.
pl] Stanislaw z izby, Stanislaw do izby.
AffeEin Affe bleibt ein Affe, auch wenn er goldene Ehrenzeichen und goldene Ringlein trägt.
Der Glanz des Glücks gibt dem Charakter und Geiste des Menschen keinen höheren Wert.
fr] Un singe habillé de soie est toujours un singe.
it] La scimia resta scimia, benchè vestita di seta.
la] Simia est simia etiam si aurea gestet insignia. (Lucian)
AffeEin Affe bleibt ein Affe, ob er wird König oder Pfaffe.
fr] Le singe est toujours singe, et fust-il desguisé en prince. - Singe, tu seras toujours singe.
AffeEin Affe bleibt ein Affe, wenn er auch in der Purpurjacke einherschwänzt.
Luther
AffeEin Affe guckt (sieht, stürt, lacht) den andern an.
dk] En abe kommer en anden tit at gloe og gabe.
AffeEin Affe ist ein Affe und hätt' er auch einen Chorrock an.
AffeEin Affe ist ein Affe, hätte er gleich ein goldenes Halsband.
AffeEin Affe ist listig, aber wer ihn fängt, noch listiger.
AffeEin Affe kann den Fuchs nicht betrügen.
De ape en kan den vos nich bedreigen. (Simia conatur nequicquam imponere vulpi).
AffeEin Affe macht viel Affen.
AffeEin Affe verdurstet nicht, wenn er auch keine Kanne zum Wasserschöpfen hat.
Er schöpft, wie einst Diogenes tat, mit der hohlen Hand.
AffeEin Affe wird ausgelacht, wenn er auch die Zähne zeigt.
Der Einfältige, Schwache macht sich durch seinen Zorn nur lächerlich.
AffeEin Affe, der Kunststücke machen soll, muss jung gefangen werden.
AffeEin Affe, der sich geschminkt hat.
Von einem eiteln alten Weibe, oder von jemand, der die schlechte Ursache seiner Rede mit viel Schmuck bemäntelt.
la] Simia fucata.
AffeEin alter Affe wird zwar spät gefangen, aber zuletzt doch.
la] Anus simia sero quidem (sc. capitur).
AffeEin alter Affe zieht kein hübsches Gesicht.
fr] Oncques vieil singe ne fit belle moue.
AffeEin jeder Aff lobt sein Kind.
AffeEin'n Affen bringt man mit nach Haus und morgens wird ein Kater draus.
AffeEinem einen Affen drehen (machen, nähen oder verbinden).
Das Wort Affe wird im Mittelhochdeutschen sehr oft für Larve (z. B. noch jetzt der Affenwurm, d. h. die Larve der Wassermücke), Maske, Fratze gebraucht. So in der vorstehenden Redensart.
AffeEinen Affen gibt man wohl ein goldenes Halsband, aber keinen Orden.
AffeEinen Affen haben.
Etwas zu viel getrunken oder einen Rausch haben. Affe wurde gleich dem Esel als Bezeichnung für Narr gebraucht, und im Rausch ist man närrisch.
AffeEinen Affen schleiern.
Eine (humoristische) Erklärung der Redensart: »Sich einen Affen kauffen«. Etwas Schlimmes im Schilde führen.
la] Monstrum alunt. (Ter.)
AffeEn livländsche Aap.
So wird in Hamburg in untern Volksklassen ein Lizentiat genannt.
AffeEr gleicht eher einem Affen, als ein Domherr einer Tabackspfeife.
Von einem lächerlichen Menschen sagten die Alten: Es ist ein bärtiger oder ein geschwänzter Affe.
la] Simia barbata seu caudata.
AffeEr hat den Affen erhascht.
Wenn man auf irgendeine Weise Geld bekommen hat. Nach den holländischen Schriftstellern Winschoten und Weiland soll das Wort aap eine Summe Geldes, einen Schatz bezeichnen.
AffeEr hat einen Affen in seinem Ärmel.
Verbirgt seine Listigkeit.
AffeEr hat einen fetten Affen geerbt.
Ist durch die Gunst des Glücks zu Reichtum gelangt.
AffeEr hat sich einen Affen gekauft.
Hat sich betrunken. Auch hier hat das Wort Affe die mittelhochdeutsche Bedeutung Larve. Er hat sich zur Fratze gemacht.
AffeEr ist ein Aff' von Ripenscheit.
AffeEr ist hurtig wie ein Affe.
Viele Sprünge, aber wenig Gedanken.
AffeEr ist sein Affe.
Macht ihm alles nach.
AffeEr macht Affen.
Närrische Fratzen.
AffeEr macht's wie der Affe mit seinen Jungen.
Von übertriebenen Liebkosungen, oder wenn Erwachsene sich im Kinderspiel allzu närrisch gebärden.
AffeEr ruft: Affe, was für schöne Junge hast du!
Wenn man jemand foppt, um ihn bei guter Laune zu erhalten, wie als wenn jemand dem Affen seine hässlichen Jungen lobt. Die Affen sollen für Schmeichelreden nicht unempfindlich sein, es fühlen, wenn man sie oder ihre Jungen lobt; die Griechen hatten dafür die Redensart: Der schöne Pithon.
la] Pithon formosus.
AffeEr sieht auf keinen Affen, wenn er aus Indien kommt.
Einmal: sie erregen seine Neugier nicht, und dann, er legt keinen großen Wert darauf; wer aus Ostindien kommt, ist freigebig, er macht leicht einen Affen zum Geschenk, da es dort daran nicht fehlt. Nach andern, denen Affe Geld bedeutet, kommt es dem, der Schätze in Ostindien erworben hat, auf eine Summe nicht an.
AffeEs dünckt dem Affen, er hab die schönsten Kinder.
AffeEs einem Affen an den Hintern schreiben.
Etwas auf eine schmutzige Weise veröffentlichen.
AffeEs haben wohl zwei Affen einander vexirt.
AffeEs ist der Affe von Heidelberg.
Auf der Heidelberger Brücke steht ein steinerner Affe mit der Inschrift: »Was tuest mich angaffen, hast nie gesehn alt' Affen? Zu Heidelberg schau hin und her, du findest meinesgleichen mer.«
AffeEs ist ein Affe in der Löwenhaut.
la] Simia in pelle leonis.
AffeEs ist ein Affe in Purpur.
Von denen, deren niedriger Charakter trotz alles Putzes aus Gesicht und Handlungsweise erkannt wird.
la] Simia in purpura.
AffeEs ist ein geschmückter Affe.
Von einem alten Weibe, die sich durch Schminke und Patz jung machen will. Oder von jemand, der seine verdächtige Handlungsweise mit schönen Beweggründen bemäntelt, oder »durch Bart und Pallium Heiligkeit heuchelt«.
AffeEs war ein kluger Affe, der mit der Katzenpfote die Kastanien aus dem Feuer scharrte.
it] Ben l'intese la scimia, che cavò le castagne dal fuoco con le zampe del gatto.
AffeHans Aff.
AffeHe hett der 'n Ap in fröten.
(Ostfriesland)
Er hat einen Affen (Narren) daran gefressen.
AffeIch Affe, steh' und gaffe; und weil ich gaff' und steh', so könnt' ich weiter geh'.
(Hausinschrift)
AffeIch dachte, mich hätte der Affe gelaust (der Affe sollte mich lausen).
Von einem Affen gelaust werden, heißt eine zweideutige, mit mehr Schmerz als Wohlbehagen vermischte Empfindung haben.
»Potz Zipfl, was giebts da fer einen Schnautzhanen? den hat gewiss der Affe gelauset.«
In Ostpreußen: Öck docht, mi sull de Aap luse.
AffeIch dummer Aff', sitz' und gaff', je me ich gaffe, so minder ich schaffe.
AffeIch flöhe Affen, willst du den Sack aufhalten?
Als Antwort auf die Frage: »Was machst du?« Zur Abweisung lästiger Frager.
AffeIch will nicht der Affe sein, der die Kastanien aus dem Feuer holt.
Um zu sagen, dass man sich nicht zu eigenem Schaden für andere aufopfern wolle. Man erzählt seinen nach Welschland fallenden Ursprung so, dass ein Affe seinen Herrn Kastanien mit der Gabel aus den Kohlen habe langen sehen, und später, als der Herr weggegangen und die Gabel mitgenommen, es mit den Fingern nachgemacht habe, wobei er sich nicht nur diese empfindlich verbrannt, sondern auch noch einen Denkzettel für die Näscherei erhalten habe.
AffeIch will zu einem Affen werden.
AffeImmer bleibt der Aff' ein Affe,
Werd' er König oder Pfaffe.
AffeJa, segt de Bur, je höger de Ap stigt, desto mir wiss he den Niers.
AffeJe höher der Affe steht, desto mehr zeigt er den Schwanz.
Je höher ein Untüchtiger steigt, desto mehr verrät er seine Schwäche.
AffeJe höher der Affe steigt, je lächerlicher er sich zeigt.
en] The higher the ape goes the more he shews his tail.
AffeJe höher der Affe steigt, je mehr er den Hintern zeigt.
»Je höher der Affe die Leiter ersteigt, je mehr er die Blöße des Hintersten zeigt.« (Assmann, Sinngedichte)
en] The higher the ape goes, the more he shows his tail.
fr] Plus le singe s'élève, plus il montre son cul pelé.
nl] Als Apen hooge klimmen willen, dan siet men eerst haer naeikte billen.
it] Tu fai come la scimia, che più va in alto più mostra il culo.
AffeJe länger ein Affe in den Spiegel sieht, desto ärger schneidet er die Gesichter.
AffeJe schöner ein Affe, desto hässlicher seine Jungen.
Die eben geborenen Affen sind alle sehr hässlich; wenn aber die Mutter einer niedlichen Gattung angehört, so tritt der Abstand um so mehr hervor.
AffeJeder Affe liebt seine Jungen.
Nur etwas stark.
it] Ogni scimia vuol bene a suoi scimiotti.
AffeJemandem Affen drehen.
Ihn bei der Nase herumführen, ihn äffen.
AffeKein Affe, er schwört, er habe die schönsten Kinder.
it] All' orsa pajon belli i suoi orsattoli.
hu] A majomnak is szép a magas.
AffeLeert kên alen Af Grimasse' machen.
AffeLieber Aff' sieh erst auf dich, dann lobe oder schelte mich.
AffeMan sieht auf keinen Affen, wenn man aus Ostindien kommt.
AffeMan soll die affen suchen, biss man sie facht.
AffeMit Affen ist bös Nüss essen, sie verschlingen die Kern, vnd speyen einem die Hülsen vnter die Augen.
AffeMit einem Affen kann man nicht Schritt gehen.
Mit einem Witzbold sich nicht ruhig unterhalten. »Mit einem Witzbold eine logisch sich fortsetzende Besprechung führen wollen, ist, als wollte man mit einem Affen schrittmäßig wandeln. Unversehens hockt er auf einem Fenstersims, auf einem Baum.« (Auerbach, Tausend Gedanken)
AffeReddet d' Apen, reddet d' Bêwerkatten, rept d' Bûere un frit't Flat.
(Lüneburg)
Es war mir bisher nicht möglich, den Sinn dieses Sprichworts zu ermitteln.
AffeSich einen Affen (Narren) an etwas fressen.
AffeSie trafen einen Affen, der in der Moschee pisste. »Fürchtest du nicht«, sagten sie, »dass der Herr dich verwandelt?« »Freilich sollt' ich dies fürchten, wenn er mich zu einer Gazelle machte.«
(Ägypten)
Von eingebildeten Menschen. »Gott möge dich verwandeln« ist ein gewöhnlicher Fluch, dem man häufig noch beifügt: »in einen Hund oder ein Schwein.« Gazellen und Affen sind dem Morgenländer aber die äußersten Gegensätze von Schönheit und Hässlichkeit.
AffeSo lange der Affe auf dem Hintern sitzt, merkt man nicht, dass ihm der Schwanz fehlt.
AffeSo man ain affen will fahen, muess man ime auch ain gescheuch darnach anlegen.
AffeSo schlau die Affen sind, sie können Füchse nicht betrügen.
Wie klug er sein mag, er wird seinen Meister finden.
AffeUnter den Affen ist der schönste hässlich.
fr] Oncques viel singe ne féit belle moue. (Rabelais)
la] Simiarum pulcherrima deformis est.
AffeWat van Apen kümt, will lusen; wat von Katten kümt, will musen.
(Westfalen)
AffeWenn der Aff wil Holtz spalten, so vergisst er des Keils.
AffeWenn der Affe auf dem Baume »Kitiko, Kitiko!« schreit, so klagt er seine Not.
Er schreit nicht, weil er fröhlich, sondern weil er hungrig ist. Man hüte sich, nach dem Scheine zu urteilen.
AffeWenn der Affe gestorben ist, verderben die Früchte auf dem Baume.
(Surinam)
Ist der Herr nicht zu Hause, geht alles zu Grunde.
AffeWenn der Affe in Nöten ist, klammert er sich an einen Dornbusch.
AffeWenn der Affe keine reifen Bananen bekommen kann, so sagt er: sie sind sauer.
(Neger in Surinam)
AffeWenn der Affe regiert, so tanze vor ihm.
AffeWenn der Affe schon sorgt, wie er wollte einen Fuchsschwanz vor das Gesicht bekommen, so wird er so viel ausrichten, wie der Hund, der Ochsenhörner will.
AffeWenn der Affe stehlen will, stellt er eine Schildwache aus.
Was gar nicht so dumm ist. Beschränkte Köpfe haben zuweilen auch einen gescheiten Einfall.
AffeWenn die Affen steigen, sagt der Holländer, sieht man den nackten Arsch.
So enthüllt mancher seine Blöße, der hinaufkommt.
AffeWenn die Affen verdreusst des lausens, vnd die Katz des mausens vnd der Hund ist treg zu jagen, so müssens offt am Hunger nagen.
AffeWenn ein Affe gähnt, so gähnen die andern auch.
dk] En abe kommer en anden til al gloe og gabe.
AffeWenn ein Affe in den Spiegel sieht, kann kein Apostel heraussehen.
Georg Christoph Lichtenberg, Verm. Schriften (1800-1806). Bd. 3, Nr. 9. Über Physiognomik wider d.Physiognomen. Über Physiognomik
AffeWenn man dem Affen gleich Königskleider anthet, so were er doch ein Affe.
AffeWer den Affen hat, braucht für den Kater nicht zu sorgen.
AffeWer unter den Affen ist, muss auch ein Affe sein.
la] Inter simias versantem oportet esse simiam.
AffeWie ein Affe mit seinen Jungen spielt, so närrisch gebärdet er sich.
AffeWir geben unserm Affen Zucker.
D. i. wir betrinken uns.
AffeWirf dich vor einem elenden Affen (zur Zeit seiner Macht) nieder.
(Ägypten)
Morgenländische Knechtsmoral. Wenn sich niemand vor einem »elenden Affen« niederwirft, so ist's mit seiner Macht aus.
AffeYe höher der aff steigt, ie übler er sicht.
AffektAffekt! dein Ahnen bohrt zum Mittelpunkt,
Das machst du möglich, was unmöglich schien,
Verkehrst mit Träumen.
en] Affection, thy intention stabs the centre;
Thou dost make possible, things not so held,
Communicat'st with dreams.
William Shakespeare (1564-1616), D. Wintermärchen (1610-1611), I, 2 (Leontes)
AffektAffekten hindern Herz und Mut, dass man nicht sieht, was recht und gut.
AffektAffekten regieren das gantz Hauss eines Menschen, vnd haben zu Dienern alle Sinn vnnd Glieder.
AffektAffekten sind böse Ratgeber; in Gerichts- und Ratsstuben muss man sie in den Winkel stoßen.
AffektAffekten vnd Begierden seynd wie Zunder, glimmen vnd brennen von einem Wort, vnd hilft kein habitus darvor.
AffektDer Affekt gehört immer zur Sinnlichkeit, durch was für einen Gegenstand er auch erregt werden möge.
Immanuel Kant (1724-1804), Werke (1838-1839), Bd. 9
AffektDie Affekten wohnen im Bauch, die Vernunft im Hirn.
Leider regiert oft das Unterste das Oberste.
AffektDie Ohnmacht des Menschen in Mäßigung oder Hemmung seiner Affekte nenne ich Knechtschaft; denn der von seinen Affekten abhängige Mensch ist nicht Herr über sich selbst, sondern dem Schicksal untertan.
Baruch de Spinoza (1632-1677), Posthume Werke (1670)
AffektMein Sohn, des Menschen Affekte lobt man nach ihrem Ziele.
it] Da la lor meta han lode,
Figlio, gli affetti umani.
Giuseppe Parini, Erziehungslehre (1764)
AffektWer den Affekten nachhängt, lässt die Wahrheit fahren und vergaukelt das Recht mit Unrecht.
Christoph Lehmann (1568-1638), Politischer Blumen-Garten (1662). T. 1. Affekten. Nr. 38
AffektWie die Affekten sind, so ist die Sache.
Groß oder klein. Aus Maulwurfshügeln macht man große Berge und wieder aus Bergen ein Maulwurfshäuflein; ein Männlein auf dem Becher muss ein Riese und ein Riese wiederum ein Pastetonmännlein sein.
AffektWo die Affekten rauchen, da gibt's krumme Ratschläge und trübe Augen.
AffektWo die Affekten regieren, da ist kein Recht zu spüren.
AffektationEchte Natur ist niemals, Affektation hingegen überall lächerlich.
Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), Briefe (10. Nov. 1779)
AffektenrauchWer Affektenrauch im Kopf hat, dem ist die Vernunft vernebelt.
AffelEr ist un Affel groß.
(Appenzell)
Er ist nicht so groß, dass er dies oder jenes tun könnte.
ÄffenÄffest du mich, so äff' ich dich.
en] Claw me and I'll claw thee.
ÄffenWer die leute äffen wil,
Der wird leicht selbst zum affenspiel.
Wartburgspruch, Margaretengang
ÄffenWer sich äffen lässt, den narret man.
AffenbankEinen auf die Affenbank (Affenort) setzen.
AffenbergDas tut, sie sind von Affenberg.
AffenbergEr folgt denen von Affenberg.
»So volg ich den von Affenberk: der wort sint wîse, tümp ir werk.«
AffendreherEs ist ein Affendreher.
AffenfickmühleEs ist nur eine Affenfickmühle.
»Darum dunkt es mich ein gaukelspiel vnd ein affen fickmülen sein.« (Murner, Ob der König von England ein Lügner sei).
AffengangEinen Affengang tun.
AffengesichtEr hat ein recht Affengesicht.
Von einem hässlich, närrisch Aussehenden.
fr] Avoir le visage, la tête d'un singe. - C'est un visage de bois flotté. - Visage falot.
»Dieses alte Affengesicht ist mir gewiss zum Hofmeister bestellt.«
AffenliebeEs ist nur Affenliebe.
dk] Aben elsker sim unger saa höyt, at hun tit krammer dem dod.
la] Caecus amor prolis.
AffenlochIhme das affenloch artlich ins Gesicht bringen.
AffenmaulEinen zum Affenmaul machen.
»Die falschen Propheten werden mit gleißendem Schein kommen und euch zu Affenmäulern machen.« (Luther, Hauspostille, VIII u. Tischreden)
AffenmünzeMit Affenmünze bezahlen.
Durch Possen und nichtige Ausflüchte einer Sache zu entgehen suchen; mit Narrenspossen abfertigen. Diese Redensart, die man auch von schlechten Zahlern braucht, wenn sie ihre Gläubiger durch Versprechungen abfertigen, hat einen geschichtlichen Ursprung. In alten Zeiten waren in Frankreich die Gaukler, Seiltänzer u.s.w., die im Lande herumzogen, um von ihren Schaustücken zu leben, verpflichtet, bei Einziehung ihrer Affen, Bären u.s.w. auf einem bestimmten Bureau einen Pass zu lösen, den sie zwar unentgeltlich erhielten, aber dafür vor dem Beamten ihre Tiere mussten tanzen lassen. Es hieß ausdrücklich im Gesetz, »der Einnehmer ist verpflichtet, sich mit dieser ?Münze? begnügen zu lassen«. Hat jetzt in Frankreich die Bedeutung: sich über jemand lustig machen oder ihn zum Narren haben, anstatt ihn zu bezahlen. Laut Verfügung des frommen Königs Ludwig des Heiligen war indes nur den gelehrten Affen der freie Eingang in Paris gestattet, wenn sie am Tor vor den Zollbeamten ihre Künste zeigten. (Magazin für Literatur des Auslandes, 1863)
AffenortEinen am Affenort sitzen lassen.
AffenpaternosterEr betet das Affenpaternoster.
fr] Dire la paternoster du singe. (Rabelais, livr. 1, chap. 2, XVIme siècle.)
AffenpossenEs sind Affenpossen.
AffenratAffenrat und Buhlerwerk treibt der Aff' von Heidelberg.
AffenrespektAffenrespekt (vor jemandem) haben.
D. h. sehr wenig, da der Affe ein possierliches, lächerliches Tier ist.
la] Non pluris quam simias.
AffensalbeMit Affensalben schmieren.
»Wisset das falsche Lecherer seind des Teüfels Hecheler, die Pfaffen vnd Layen vnd hohe Fürsten hecheln künnen vnd auch bürsten vnd darzu mit Affensalben schmieren allenthalben u.s.w.«
AffenschandeDas ist eine wahre Affenschande.
Zur Bezeichnung einer unüberlegten, albernen Handlung.
AffenschandeDas ist vollends die Affenschande.
AffenschmalzEs ist Affenschmalz.
Schminke und wohlriechende Salben. »Bringt Affenschmalz aus Mohrenland.«
AffenschmalzSich mit Affenschmalz schmieren.
Sich weibisch zieren, als eitler Geck gebärden.
AffenschmeerAffenschmeer haben.
Allerhand Täuschungsmittel, Überredungskünste besitzen und anwenden.
AffenschwanzEinen auf den Affenschwanz führen (setzen).
Luther
Ihn verspotten.
AffenschwanzEinen auf den Affenschwanz führen.
»Die Papisten tun mit ihrem Zweiffel dem Herrn Christo die größte Unehre an, gleich als habe er seine Braut auf einen Affenschwanz geführet.« (Luthers Werke, V, 225.)
AffenschwanzEr ist ein Affenschwanz.
Als Schimpf wie Affenzagel.
AffenseilEinen am Affenseile führen.
Ihn als Narren behandeln.
AffenspielEs ist (vollendetes) Affenspiel.
Wahre, tatsächliche Narrheit, blaue Enten (s.d.), Pfifferling, Tillematello u.s.w. In Holland sagt man in demselben Sinne auch apenkool.
fr] Ne plus ne moins qu'un singe qui épluche de noisettes vertes.
la] Tricae, apinae. (Mart.)
AffenspielEs ist ein Affenspiel vnd Thoren Rath, wo drey nach einem Buben gaht; der ein ist lieb, der ander leid, der dritt verleurt Kost vnd Arbeit.
AffenspielMit jemand sein Affenspiel treiben.
AffenspielWel hett sîn Apenspiel darmit had?
AffentalAus dem Affental sein.
mhd] Savr lebt ân êre in frier wal, der huser in dem Affental. W. Wackernagel in Germania, V bemerkt: »Die Lesart ?in den Affental? hat ihre Parallele in von der Hagens Minnesinger: si sint ûz den affen tal; und wenn das von Bauern, die mit Hoffart an einen Reigen gehen, gesagt wird, so heißt es in Renner: »Mit böser Hofart machenleie, hett sich der Affentaler reie.« In Betreff der Affentaler, wo die seltensten Tiere aus Afrika zu sehen waren.
AffentanzEs ist Affentanz.
AffentatzeDie Affentatze herauskehren.
»So lange sie Hoffnung hegten, haben sie ihn mit seidenem Handschuh angefasst; nachdem er aber ihre Liebesanträge zurückgewiesen, strecken sie die grobe Affentatze heraus.« (Gartenlaube, 1871)
AffenvolkAffenvolk hört keinen Rat, es komm' ihm denn ein großer Schad'.
AffenvolkDas Affenvolk hört keinen Rat.
AffenwagenEr gehört auf den Affenwagen.
»Das seind Bürger zu Affenberg, die all jr sachen vnd jr Werck sparen allein auff gebann dagen, auch müssen auf den Affenwagen.«
AffenwegDen Affenweg gehen.
Weg der Torheit. »Ihr sagt, jr kündt den Himmelsteg, was lauffend jr dann den Affenweg!«
AffenwegEinen auf den Affenweg führen.
AffenwerkEs ist mit Affenwerk verbrämt.
AffenwerkNichts als (eitel) Affenwerk.
AffenzagelEr ist ein Affenzagel.
AffenzielEs ist nur Affenziel.
»Er meint, es sei des Herren will, so ist es nur ein affenzil.«
ÄffinDie Affin im tantz, die sau im perlenkrantz.
ÄffinO Äffin, was sind euere Jungen schön!
AffindenIk hebb mi mit em affunden.
Ich hab' mich mit ihm abgefunden, ich habe ihm seine Forderung bezahlt, auch: ich hab' ihm wiedervergolten.
AfgânDat geit af as warme Weggen.
AflaawnMan muss nix aflaawn, as dat man sik nich de Näs afbiiten wil.
(Süderdithmarschen)
Man soll sich keines Dinges verreden, verschwören, als dass man sich nicht die Nase abbeißen wolle.
AflesenDar hebbe ik wohl afgelesen.
Von da habe ich es wohl erfahren.
AfnemenDat nemet em af.
Afnemen im Sinne von wiedervergelten.
AfpustenMan kann emm afpusten (abblasen).
(Oldenburg)
Scherz- oder spottweise von jemand, dem die in Oldenburg beliebte Fleischfülle fehlt, d. i. sehr hager ist.
AfrikaAfrika bringt immer etwas Neues.
Auf Neuigkeitskrämer, die seltsame, aber oft unglaubliche Dinge auftischen. Weil man früher aus diesem Erdteile, als dem unbekanntesten, die fabelhaftesten Dinge erzählte. Ungeachtet der vielen Entdeckungsreisen der neueren Zeit ist es doch nur noch ungenügend bekannt und wird noch auf lange Zeit hinaus viel »Neues bringen« können.
la] Ex Africa semper aliquid novi.
Aristoteles (384-322 v. Chr.), Zeugung der Tiere
AfrikaAfrika fängt bei den Pyrenäen an.
Niederschlesische Zeitung, Görlitz 1865
Man will dadurch die Unkenntnis schildern, die im übrigen Europa über die innern Zustände Spaniens, die für uns gleichsam afrikanisch sind, herrscht.
AfrikaEr kam aus Afrika und sagte Bah!
AfsmîtenDat smitt nicks af.
Dabei war kein Vorteil.
AfsmîtenHe hett mi afsmîten.
Er hat in den Würfeln mehr Augen geworfen als ich.
AftereiAfterei, Murren und Zorn über Tisch sich nicht gehor'n.
AfterredeAfterred' und Zorn gehören nicht über Tisch.
AfterredeAfterreden - böse (schlimme) Reden.
AfterredeKein Afterreden hat an diesem Tische statt.
AfterredenAfterreden hat alle Zungen vergiftet.
Luthers Werke, I
AfterredenAfterreden heißt in Gottes Gericht greifen.
AfterredenWer afterredet, greift in Gottes Gericht.
AfterrednerKein Afterredner hat an diesem Tische statt.
la] Quisquis amat dictis absentium rodere famam, hanc mensam vetitum noverit esse sibi.
AfterspracheAfftersprache vnd Hinterrede haben großen Schaden gemacht.
Dreyhaupt, Beschreibung des Saalkreises, Halle 1755
AftreckenHe trog af mit stiller Musik.
(Holstein)
Ging schweigend ab, oder auch, sein Abgang wurde mit Schweigen begleitet.
AgatheWas ist an der Agathe, das weiß Beate.
Fläm.: Agte kent Truyen wel.
AgathentagAm Agathentag die Hälfte Heu und die Hälfte Stroh.
(Schweiz)
fr] A la St.-Adietta demi schon fin et demis cha pailletta.
AgathentagAm St.-Agathastage rieselt das Wasser den Weg herab, am Matthiastage lass deine Bienen heraus und am Martinstage bringe die Kuh in den Stall.
(Schweiz)
fr] A la St.-Adietta, l'ivué avo la tzerreiretta, a la St.-Matthias, bouna féna, djita té ja; a la St.-Martin, la vatse vu liu.
AgazikrampusDu windverzarrter (verzerrter) Agazikrampus.
(Mareta)
Ein wiener Schimpfwort.
AgenEinem die Agen abschütten.
ÄgiditagWenn es am Ägiditage heiter ist, bleibt vier Wochen schönes Wetter.
ÄgidiusÄgidi Dâg (1. September), gud on städ, e guden Hörbsd vorsäd.
(Trier)
ÄgidiusAn Ägidius man säen muss.
(Masuren)
pl] Jelzi, si ac wygelziij.
ÄgidiusAuf Ägidi Sonnenschein, tritt ein schöner Herbst uns ein.
ÄgidiusBlies d' St. Ägidius ön d' Hor, sied de Bauer sei' Kor.
(Trier.)
ÄgidiusBringt Ägidius 'n schönen Tag, so folgt ein schöner Herbst darnach.
ÄgidiusIst auf Ägidi Sonnenschein, so gibt es viel und guten Wein.
(Kreuznach)
ÄgidiusIst zu Ägidi das Wetter schön, wird den ganzen Monat gut Wetter stehn.
ÄgidiusIst zu Ägidi ein heller Tag, ich dir einen schönen Herbst ansag'.
ÄgidiusNach Ägidi ziehen die Gewitter heim.
Bremer Hauskalender
ÄgidiusWenn St.-Ägiduis (1. Sept.) bläst ins Horn, so heißt es: Bauer, säe dein Korn.
ÄgidiusWie Ägid sich stellet ein, dreißig Tag dir bilde ein; ist es dann ein guter Tag, ein schöner Herbst nachfolgen mag.
ÄgidiusWie Ägidius sich verhält, ist der ganze Herbst bestellt.
AglesterDie Aglester (= Elster) neben die Nachtigall setzen. - V, 79.
AgnesWenn Agnes und Vincentius (21. und 22. Jan.) kommen, wird neuer Saft im Baum vernommen.
ÄgyptenDä hät Egypten durchgangen.
(Brandenburg)
Ist durchtrieben, ist in der Wolle gefärbt.
ÄgyptenEs wird schrecklich über Ägypten regnen.
Es wird ein großes Unglück geschehen, man wird trübe Erfahrungen machen müssen.
»'S wird egen schrecklich über Egypten raanen.«
la] En pluam grandinem multam nimis, qualis nou fuit in Ägypto.
'S wird hoite traflich iber Egypten rânen.
ÄgypterDas könnten hundert Ägypter nicht erheben (ertragen).
Von etwas sehr Schwerem, Unerträglichem, weil die meisten Ägypter Bedeutendes im Lasttragen leisteten.
la] Quod non tollerent centum Ägyptii.
(Homer)
AhasverUnd Ahasver - das ist der alte
Unglaube, der stets irrefährt.
Nikolaus Lenau (1802-1850), Savonarola (1837), Weihnacht
AhasverosDus is an Achaschweresch.
(Warschau)
Mit Bezug auf die Erzählung im Buche Esther, 6, 9 wird mit dem Namen Ahasverus ein schwachsinniger, wankelmütiger Mensch, insbesondere ein solcher Fürst bezeichnet. Merkwürdig ist es, dass die christliche Sage diesen Namen dem ewigen Juden beigelegt hat, vielleicht um damit dessen Unstetigkeit anzudeuten.
AhitophelEs ist Ahitophel's Rat.
Sagt man, wenn kluger Rat unbefolgt geblieben ist. Ahitophel, ein kluger und scharfsichtiger Staatsmann gab Absalom den zwar schändlichen, aber durchgreifenden Rat, die Kebsweiber seines Vaters zu entehren und diesem sofort nachzusetzen, dem aber Husai entgegentrat. Des letzteren Rat wurde befolgt und der Ahitophels verworfen. Dadurch wurde David gerettet (2 Sam., Kap. 15-17.)
la] Boni consilii malus exitus.
Ahlböhrlein'S wird ken Fuder Ahlbährel kusten.
(Hirschberg)
Um zu sagen, dass Kosten und Mittel zur Erreichung eines Zwecks keine unerschwinglichen sein werden. Diese Böhrlein sind so klein, dass auf ein Fuder eine gute Anzahl gehen, und etwas Erkleckliches damit zusammengestochen werden könnte.
AhleEine Ahle lässt sich im Sacke nicht verbergen.
cz] Nemuze se sidlo v pytli tajiti. - Sidlose z mecha ukazuje.
nl] Als men eene els in den sak doet, steekt ar ligt de punt door.
pl] Nie zalaji sie szydlo w worze (w miechu).
AhleEine goldne Ahle dringt durch die stärkste Mauer.
cz] Zlatým sidlem hned prorazis. (362.)
pl] Zlotym szydlem wnet przekolesz. (362.)
AhleSelbst eine Ahle schiert bei andern Leuten und bei uns nicht einmal das Schermesser.
(Litauen)
ÄhnelnSie ähneln einander wie ein Bratenwender und eine Repetiruhr.
Manche Menschen gleichen einander in ihren Anschauungen nicht mehr, woraus ein Schluss auf die verschiedene Mechanik ihres Kopfes gemacht werden kann.
AhnenMir ahnet
Ein unglücksvoller Augenblick.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Don Karlos (1787, I, 2 (Marquis)
Ahnen (die)Ahnen sind für den nur Nullen, der als Null zu ihnen tritt:
Steh' als Zahl an ihrer Spitze, und die Nullen zählen mit.
Wilhelm Müller (1794-1827), Gedichte (1837), Epigramme, 3. Hundert, Nr. 56, Ahnenwert
Ahnen (die)Aus der Tugend deiner Ahnen
Musst du deine Burgen bau'n.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Unpolitische Lieder, Gedichte aus Gent, An Vlämsch-Belgien (ged. 8 u. 12. Sept. 1839)
Ahnen (die)Der Ahnen Taten preist niemand mehr als verdorbene Söhne.
Weil sie von und an sich nichts zu rühmen haben.
Ahnen (die)Der Ehre Saat
Gedeiht weit minder durch der Ahnen Tat
Als eignen Wert.
en] Honours thrive
When rather from our acts we them derive,
Than our foregoers.
William Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut (1602[?]), II, 3 (König)
Ahnen (die)Der Mann allein ist würdig großer Ahnen,
Der wagt, auf ihre Schulter sich zu heben,
Kühn auszuschreiten kühn gebroch'ne Bahnen.
Franz Freiherr von Dingelstedt (1814-1881), Sämtl. Werke (1877), Gedichte
Ahnen (die)Ein leeres Geklänge,
Ein gläsern Gepränge
Sind Ahnen, wo Tugend ist ferne davon.
Friedrich von Logau (1605-1655), Deutsche Sinn=Getichte (1654), Adel
Ahnen (die)Eine Zierde zwar ist das Alter des Geschlechts, aber eigentlich doch nur eine Aufforderung, den Ahnen ähnlich zu werden.
Ulrich von Hutten (1488-1523), Schriften
Ahnen (die)Gar lieblich ist es hochzuachten,
Was ruhmvoll die Ahnen einst vollbrachten!
Johannes Fischart (1546-1590), Bündnuß v. Verain d. Freien Stätt Zürich, Bern u. Straßburg (1588)
Ahnen (die)Gemalte Ahnen zählen nicht.
Der Landesherr kann zwar den Adel erteilen, ist aber hinsichtlich der Vorrechte des alten Adels eingeschränkt. Ahnen, die er im Gnadenbriefe schenkt, und die, weil fingiert, gemalte Ahnen heißen, sind zwar nicht bedeutungslos, gewähren aber nicht alle Vorrechte des alten Adels. In allen Verhältnissen, wo Ahnenprobe entschied, zählte man nur die adlig Geborenen, welche auch wirklich gelebt hatten und nicht erst durch kaiserliche Verfügung hinzugedichtet waren.
Ahnen (die)Ich bin, gottlob! altadelig,
Jedoch mein Sohn, das ärgert mich,
Zählt einen Ahnen mehr als ich.
Johann Christoph Friedrich Haug 1761-1829), Epigrammatische Spiele (1807), Buch 2, 43
Ahnen (die)Solange weiter nicht als deiner Ahnen Pracht,
Als deines Vaters Glanz der Welt dich kenntbar macht:
Solange hast du nichts, das recht dein eigen wäre.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), Sendschreiben an den jungen Herrn von. H. (1743)
Ahnen (die)Torheit, mit dem Verdienste der Ahnen den eigenen Unwert bedecken zu wollen.
Heinrich Heine (1797-1856), Reisebilder, Norderney (1826)
Ahnen (die)Törichter Stolz auf Ahnen! Du bist mir verhasst an Geschlechtern,
Aber an Völkern noch mehr.
Friedrich Hebbel (1813-1863), Gedichte (1857), Epigramme u. Verwandtes Nr. 7, Buntes, Ahnenstolz d. Völker
Ahnen (die)Wer nicht das Größere zum Großen fügt,
Der möge nie sich seiner Ahnen rühmen.
August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (1761-1819), Oktavia (1801)
Ahnen (die)Wer seinem Lande treu dient, braucht keine Ahnen.
fr] Qui sert bien son pays n'a pas besoin d'aïeux.
Voltaire (1694-1778), Mérope (1743), I, 3 (Polyphontes)
AhnenbildBeräucherte Ahnenbilder sind alte Warenschilder.
la] Fumosae imagines.
AhnenstolzAhnenstolz und Bauernstolz sind Geschwisterkinder.
AhnherrWär' mein Ahnherr ein Hundschlager gewesen und hätt' die Beine beim Galgen aufgelesen, hätt' ich Geld, ich wäre lieb in der Welt.
Vollständiger lautet der Spruch: »Wär' ich geborn von schnöder Art, viel böser denn ein Mensch je ward; und wär' mein Ahnherr ein Hundschlager gewesen, und hätt' die Beine bei dem Galgen aufgelesen, mein Bas' hätt' zaubern und Kind vertan, dass sie drum auf dem Kreuz müsst' stahn; und wär' mein Vetter ein Schelmschinder, und hätt' geschunden Pferd und Rinder, mein Muhm hätt' Wetter und Blitz gemacht, und den Teufel in ein Sack bracht, und wär' mein Schwäher so bös und smech, dass er Dieb und Mörder anspräch, und hätt' mein Geschwey all die verrathen, die je den Henkern fürgetraten; und tät mein Bruder auf den Rad umwalgen, und hing mein Vater dabei am Galgen, und läg' mein Schwester beim Henker all' Nacht, und hätt' den Juden Christenkinder bracht; und wär' mein Sohn ein Henker und hauet aus, und wär' mein Mutter im Hurenhaus, und fräss'n mein Stiefvater auf den Rad die Raben, sie hätt' meine Töchter unter dem Galgen begraben, und wäre hinkend, funffach schwarz wie ein Kohl, naslos, krummaulig und warzenvoll, rotzig, geifrig und augenrinnen, räudig, stinkend und voll Finnen, aussätzig, lahm und hätten den Erbgrind, und wären Bankart, Bastart und Hurkind, und wären betteln im Spital gelegen und täten dazu die Galgen fegen, und wär'n alle worden vom Henker wund, und ich wär' über die all' ein Ausbund, und wär ein Kirchenpruchtel und Heiligtumdieb, noch hätt' ich Geld, so wär' ich lieb; dass Jedermann mein tät' begehrn, das eim frommen Armen nicht kennt wern.«
Schaltjahr, Bd. 2
Von seinen vier anhern ein Edelman.
ÄhnlichA sitten su ahnlich, aß wannen auss a Ogen geschnitten wär.
ÄhnlichÄhnlich wie ein Quargsack dem ungemachten Käse.
ÄhnlichÄhnlicher als eine Feige der andern.
Im Scherz von sehr ähnlichen Dingen.
la] Similior ficu.
ÄhnlichEr ist ihm so ähnlich, als wär' er ihm aus dem Maule gekrochen.
ÄhnlichEr ist ihm so ähnlich, als wär' er ihm aus den Augen (aus der Haut) geschnitten.
nl] Hij gelijkt hem, of hij ait zijne huid gescuden ware.
ÄhnlichEr sieht ihm ähnlich wie eine Katze einer Ente.
D. h. gar nicht. Die Alten behaupteten übrigens sprichwörtlich: In der Welt ist alles ähnlich. (Omnia similia)
ÄhnlichSie sind einander so ähnlich wie ein Ei dem andern.
la] Non tam ovum ovo simile.
ÄhnlichSie sind einander so ähnlich wie eine Biene der andern.
la] Quam apes apum similes.
ÄhnlichSie sind sich ähnlich wie der Weinstock und der Schlehenstrauch.
Ironisch von sehr unähnlichen Menschen und Dingen.
ÄhnlichSie sind sich so ähnlich wie Tag und Nacht (wie Wein und Wasser).
la] Quanto asinis praestantiores muli. (Theogn.)
ÄhnlichSo ähnlich als ein Aff seinen jungen.
ÄhnlichSo ähnlich wie eine Kornähre der andern.
ÄhnlichSo ähnlich wie eine Milch der andern.
ÄhnlichSo ähnlich wie Esernius dem Paridian.
Altrömisch
In allen Stücken gleiche und berühmte römische Gladiatoren.
ÄhnlichSo ähnlich wie kaum ein Tropfen Wasser dem andern.
ÄhnlichSo ähnlich, wie ein Zipfmütze der andern.
Buch der Welt, 1858
ÄhnlichkeitEr hat Ähnlichkeit mit dem Papste.
Der Rechthaber, der unfehlbar sein will.
AhnmutterAnkemoers Höke hewt up Bestevars Kiste leagen.
(Westfalen)
Höke: eine Art Mantel für Frauen; Bestevars: Großvater; - von sehr weitläufiger Verwandtschaft.
AhntpattWat iss'n Ahntpatt; upp'n anner mal seggt: Wo bleeft.
(Ostfriesland)
AhnungAhnungen sind nicht ohne Bedeutung.
la] Omina sunt aliquod. (Ovid)
AhnungDie Ahnung ist des Herzens Licht!
Carl Leberecht Immermann (1796-1840), Schriften (1835-1843), Gedichte
AhnungsvollDu ahnungsvoller Engel du !
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Faust I (1808), Marthens Garten (Mephisto)
AhnwersvogelEn Ahnwersvagel wes'n.
ÄhreÄhre auf Ähre gibt auch Brot.
ÄhreAus dieser Ähre ist weiter kein Korn zu dreschen.
ÄhreBesser viel Ähren, als viel Quecken.
ÄhreCha me d' Ähri nüme zelle, so lid's Chorn i siebe Woche uf der Selle.
Luzern
Selle: Schwelle, Türselle = Türschwelle.
ÄhreDie volle Ähre ist mehr wert, als der leere Halm.
ÄhreEine Ähre macht keine Garbe.
Zu einer Garbe gehören viel Ähren, sagen die Russen.
ÄhreEine Ähre, die aufrecht steht, ist leer.
ÄhreEine brennende Ähre verzehrt die Garbe.
nl] Eene brandaar kan de beste schoof bederven.
ÄhreEine volle Ähre ist besser als zehn hohle.
ÄhreEr hat noch Ähren für andere liegen lassen.
Er hat andern noch eine Nachlese gelassen. Es ist noch ein kleiner Gewinn für andere übrig. Es lässt sich über den Gegenstand, den er behandelt hat, noch manches sagen.
fr] Il a laissé à gluner apres lui.
ÄhreEr will auch eine Ähre (kleinen Beitrag) dazugeben.
Luther
ÄhreEs ist nicht jede Ähre voll, die sich senkt.
Nicht jeder, der den Kopf hängt, ist fromm und - gescheit.
ÄhreHast du volle Ähren genommen, du kannst auch taube bekommen.
ÄhreHundert taube Ähren können keinen Sperling nähren.
ÄhreJe hohler die Ähre, desto höher die Nase.
ÄhreJe voller die Ähre, je mehr neigt sie sich.
cz] Cém plnejsí klas, tim hloube se kloni.
ÄhreLeere Ähren sind schlimme Nachharn für die vollen.
ÄhreLeere Ähren stehen aufrecht.
Die Wetterauer Bauern sagen vom Roggen: »er junkert«, wenn sich viel starke Halmen darin befinden, die mit ihren leeren Ähren über andere hervorragen. Im Schwedischen heißt »junkeren« müßig gehen.
dk] De galde an staae i vey ret, men de fulde helde ned.
Slow.: Visoko glavi (obruz) nosi pragen klas.
ÄhreSchwere Ähren und volle Köpfe neigen sich.
fr] Filles, regardez l'épi du blé, quand elle est bonne, elle baisse la tête.
nl] De volle korenaren hangen 't laagst.
ÄhreTaube (volle) Ähren kennt man schon am Halme.
Das Alter trägt noch gewisse Spuren an sich, die es erraten lassen, was jemand in der Jugend gewesen ist oder getan hat.
la] Ex stipula cognoscere.
ÄhreWenn die Ähre voll ist, lobt der Bauer das Korn.
dk] Bonden roser kornet, naar aaet er fuidt.
ÄhreWenn die Ähren zu viel Körner haben, so schilt sie der faule Bauer beim Dreschen.
ÄhreWer auch nur eine Ähre aus Hunger bricht, den schont die Pharisäerzunge nicht.
ÄhreWer die Ähre zu dürr werden lässt, verliert die Körner.
Man muss die rechte Zeit abwarten, aber nicht verstreichen lassen, ohne sie zu benutzen.
ÄhreWer für die Ähre dankt, der bekommt eine Garbe.
la] Beneficia beneficiis pertexito, ne perpluant.
hu] A háláadó sziv, sok jotéteményt várhat.
ÄhreWie die Ähren, so die Garben.
ÄhreZwô Ère klû si bießer, wä în alu.
ÄhrenWer ähret, muss nehmen, was er findet.
fr] Ne fait pas ce qu'il veut qui glane.
ÄhrenleserÄhrenleser küren nicht (sind nicht kürisch).
fr] Celui ne choisit pas qui glane.
ÄhrensammelnÄhrensammeln und Spinnen ist nur ein klein Gewinnen.
Die Finnen behaupten sogar: Es ist kein Vorteil, Ähren zu sammeln, und kein Schaden, Gäste zu bewirten.
AirEr gibt sich ein Air.
Ansehen, Würde.
AisDu musst den Ais (Geschwür, Blutschwären) nicht anrühren, wenn man dir die deinen nicht auftun soll.
Schone, wenn du geschont sein willst. Wer keine Geschwüre hat, geht geradezu; nur die Beulenvollen gehen, als wenn sie auf Eiern gingen.
AisEinem den Ais aufstechen.
AisRühr' ihm den Ais nicht an!
AischDen aiss auffthun.
la] Tangere ulcus. - Quid minus necesse fuit, quam hoc ulcus tangere.
AischDen aiss rüren.
In dem Sinne: das Äderlein treffen.
AischRür den aiss nicht an, man tut dir sonst den deinen auff.
Vgl. über das niederdeutsche Wort, das hier Schwär oder Beule bedeutet, Campe, Wörterbuch und das Bremer Wörterbuch
AjaxAjax fiel durch Ajax' Kraft.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Gedichte, Das Siegesfest (ged. 22. Mai 1803)
AkademieAus der Akademie kommen.
Altgriechisch
Von Platos Schule entlehnt. Von einem, der mit ernster Miene und gelehrtem Ansehen einhergeht oder in schön gewählten Worten spricht.
AkansaBesser kalten Akansa als heißen Akra.
Akansa: ein in Blätter gewickeltes Welschkorngericht in Surinam.
Akra: ein Ölgebäck.
Besser etwas Geringes mit Genuss als Großes mit Verdruss. Besser arm und glücklich als reich und unglücklich.
AkansaIch bin der Akansa, immer zwei für einen Dreistüber.
Surinam
Wie es auch komme, ich bleibe mir gleich, mich wirst du stets unverändert finden.
AkazieAkazien gewähren keinen Genuss, sie sind bloß zum Zerschneiden gut.
Von Menschen, die zu nichts zu gebrauchen sind.
AkkordAls hätte er's im Akkord.
AkkordBesser wohlfeiler Akkord als teures Advokatenwort.
AkkordE moren Akkort as besser, ewe e fett Prozess.
AkkordEin magerer Akkord ist besser als ein fetter Prozess.
AkkordVär Akkord, na gên Kîf (Streit).
AkkordierenAkkordieren ist der erste Gewinn.
AkkordierenEr akkordiert mit unserm Harjet (Herrgott).
Jüdisch-deutsch
AkkuratAkkrat ist koa (kein) Pfarrer.
Wortspiel mit Kurat.
AkkuratAkkurat scheißt kan Bauer.
Niederösterreich
AkkuratAllto akkrat is börgerlick.
Oldenburg
AkkuratAllzu akkurat ist tischlermäßig.
AkkuratNu akkrâds nich.
Nun tue ich's gerade nicht.
AkornAkorn und Geißmist b'hebt den Mann, wie er ist.
AkschenAn Akschen (Eigensinniger) fallt in der Blote herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
Blote: Polota, polnisch = Straßenkot. Sinn: Das gewöhnliche Los des Eigensinnigen ist, dass er sich beschädigt, zu Nachteil kommt, den Kürzeren zieht.
AktBis zum letzten Act kommen.
Ans Ziel, ans Ende, bis zum Händeklatschen, sagten die Römer.
AktDen letzten Act spielen.
Die Sache ganz und gar beenden.
la] Supremum fabulae actum addere. (Cicero)
AktVon einer Sache Akt nehmen.
Von etwas Kenntnis nehmen; - aus der Amtssprache: man nimmt über eine Angelegenheit ein Protokoll für doe Akten auf.
Sprichwörtliche Redensart
AktenAd acta.
Etwas ad acta legen.
AktenDie Akten darüber sind noch nicht geschlossen.
AktieKwia Mundus fult tezibi (Quia mundus vult decipi),
Nicht Luscht mehr hat zur Lotterie,
So schafft vor Billets Aktien her,
In die Kreuz und in die Quer
Nach der jetzigen Wlt Begehr.
Spruch auf einer Medaille auf den Aktienschwindel (1720)
AktieMit diesen Aktien ist nichts.
Die Sache hat keinen Wert.
AktieSeine Aktien fallen (steigen).
Die Aussichten auf den Erfolg seiner Pläne, Spekulationen, Hoffnungen u.s.w. mindern (mehren) sich, sind günstiger, ungünstiger. »Bei solchem Regiment«, sagte der vertriebene Prinz, »steigen meine Aktien.«
AktieWie die Aktie, so die Rente (Dividende).
Um zu bezeichnen, dass jeder nach Verhältnis seines Anteils interessirt ist, sagen die Franzosen: Chacun y est pour sa vade, weil dasjenige Geld, welches man zu Anfange gewisser Spiele als Brélan u.s.w. einsetzt, la vade heißt.
AktivitätIn ruhende Aktivität setzen.
Diese eine contradictio in adjecto enthaltende Redensart, die in Bayern sprichwörtlich ist, rührt von dem ehemaligen Minister des Inneren von Bayern her. Als nämlich 1850 die Landwehr zu Nürnberg bei einem Königsfeste nicht ausrückte, wurde sie von dem genannten Minister des Inneren, unter dem sie in Bayern steht, in den Zustand der »ruhenden Aktivität« versetzt. Die Bezeichnung fand solchen Anklang, dass sie bald sprichwörtlich wurde.
AkzeptierenIch will akzeptieren, aber nicht quittieren.
Was man mir gibt, nehme ich zwar als Abschlagszahlung an, behalte mir aber meine weitern Ansprüche vor. Eine jüdische Redensart in Warschau, die den Gedanken ausspricht: »Nimm das Gebotene und behalte dir das Recht vor, mehr zu verlangen«, lautet: »Le Ojlem nemen (einen) tikkech muhn (mahnen). Scherzhafte Übersetzung der Worte ?le Ojlem? mit ?nimm? und ?tikkech? mit mahnen.« Im letzten polnischen Aufstande hörte man in Warschau bei Veröffentlichung der Konzession des Kaisers den Ruf des Volkes: Akceptajemy ale nie kwitajemy, d.h. wir wollen acceptieren, aber nicht quittieren.
AkzeptierenWer akzeptiert, muss bezahlen.
Wechselrecht. Kaufmännisches Sprichwort. Wer einen Wechselbrief einmal angenommen, hat sich dadurch auch verbindlich gemacht, die darin enthaltene Summe zu bezahlen, auch wenn der Trassant mittlerweile gestorben oder fallit geworden, oder die Akzeptation aus Irrtum geschehen ist und der Akzeptant bei Annahme des Wechselbriefs nicht die gehörige Vorsicht beobachtet hat. Das Sprichwort ist, wie das ganze Wechselgeschäft italienischen Ursprungs.
AkzidentiaAkzidentia hol die Pestilenzia.
Was sind Akzidentia (Nebenschlängle)? »Wenn man mit den Leuten umgehet, wie der Gärtner mit dem Buchsbaum, das sind Akzidentia. Wenn man die Unterthanen schröpft, wie der Bader eine alte Weiberhaut; wenn man die Handwerker traktirt, wie die Beisszange die Hufnägel; wenn man im Amt so treulich handelt, wie die Maus im Speisegewölbe; wenn man die Ausgabe für die Herrschaft mit einer längern Elle misst, als den Empfang; wenn man keinem Gehör vergönnt, der Opferstock habe denn seine Vision.« (Heinmar)
AkziseGevet richte axcise und schot (Schoß),
Dat gebot in unser here Got.
Spruch auf einem alten rigaischen Zollamtszeichen
AkzisorenWer sich Akzisoren setzen lässt, bedarf keiner Blutegel.
la] Non missura cutem nisi plena cruoris hirudo.
AkzisorenaugenEr macht Akzisorenaugen.

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