<<< Deutsche Sprichwörter >>>

Am Tag ist die Eule blind, bei Nacht die Krähe. Wen aber die Liebe (ver)blendet, der ist blind bei Tag und Nacht.
Indien

Am Tag, an dem der Affe sterben soll, werden alle Bäume rutschig.
Namibia

Am Tag, an dem du deine Frau heiratest, heiratest du auch deine Kinder.

Am Tag, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben!

Am Tage Allerheiligen kleiden sich die Großen warm, an Sankt-Martin tut es Groß und Klein.
Mailand

Am Tage Arbeit, abends Gäste; schwere Wochen, frohe Feste.

Am Tage den Mond und des Nachts die Sonne suchen.

Am Tage der heiligen Katharina muss man sich unter das Federbett stecken.
Tschechien

Am Tage der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.

Am Tage der Schlacht marschiert alles nach dem Kanonendonner.
i] Das Wichtigste kommt zuerst.
z] Die alte Soldatenregel: Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner, ist tief in das preussische Blut übergegangen.

Am Tage der sommerlichen Sonnenwende wurde wieder gesagt, dass die Nacht anfangs nur um einen Hahnenschritt länger wird.
Estland

Am Tage des Sankt Valentein (14.2.), da friert das Rad samt Mühle ein.

Am Tage des Sieges denkt man nicht länger an die Wunden, in der Todesstunde nicht länger an die Arznei.
Bengali, Indien

Am Tage des Sieges lässt man sich keine Strapaze verdrießen.

Am Tage des Todes schämt sich die Liebe.
Haussa, Afrika

Am Tage ein Bettler, nachts ein Dieb.

Am Tage erleiert (erdreiert), des nachts verdreiert (verleiert).
i] Was man bei Tage mit der Leier verdient, das geht des Nachts wieder in den Wind.

Am Tage errungen, am Abend verschlungen.

Am Tage fliegen die Vögel überallhin, in der Nacht aber kehren sie zurück ins Nest.

Am Tage herrscht die Frau über den Mann, aber in der Nacht der Mann über die Frau.
Estland

Am Tage läuft er vor des Büffels Zorn, den Teufel fasst er in der Nacht am Horn.

Am Tage Licht ist Augengift.
Braunschweig

Am Tage nach den Sternen schauen.

Am Tage nach der Wohltat weiß man, wer ein Herz hat.

Am Tage Pauli Bekehr (25.1.) - der halbe Winter hin, der halbe Winter her.

Am Tage Portiuncula (2.8.) ist's leicht, den Kapuzinern zum Tanze pfeifen.

Am Tage Sankt Paul's bricht der Winter das Genick.
Frankreich

Am Tage schlaf nicht, in der Nacht trink kein Wasser, dann brauchst du keinen Arzt.

Am Tage siehst du nichts und in der Nacht schwatzest du.
Griechenland

Am Tage sind die Sterne nicht zu sehen, nachts scheint nicht die Sonne.

Am Tage Tiburti sollen alle Felder grünen.
Bauernregel

Am Tage von Sankt Valentin (14.2.) gehen Eis und Schnee dahin.

Am Tage vor Sanct-Lorenz esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. Sept.) esst hundert Nüsse.
Sardinien

Am Tage vor Sankt Kilian (8.7.), da säe deine Wicken an.

Am Tage vor Sankt Lorenz (10. August) esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. September) esst hundert Nüsse.
Italien

Am Tage, als Kunz Saudreck gen Pfingsten reut.

Am Tage, an dem du nackt herumläufst, wirst du bestimmt deine Schwiegermutter treffen.
Suaheli

Am Tage, an dem ich mein Haus nicht fegte, kamen unerwartete Gäste.
Spanien

Am Tage, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben.
Sudan

Am Takte erkennt man den Organisten (o. Spieler).
z] Auch noch vieles andere; denn Takt ist der Verstand des Herzens.

Am Tanztag beweint niemand seinen (verstorbenen) Angehörigen.
Kosi, Afrika
i] Man soll alles zu seiner Zeit tun.

Am Thomastag (21.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.
it] San Tomé cresce il dì quanto il gallo alza un piè.

Am Thomastag heiratet der schwarze Thomas seine erste Tochter, am Antoniustag (17.1.) die zweite, zur Lichtmess (2.2.) die dritte.
Estland

Am Thomastag kommt (von) der Sonne eine Staubschicht ab, die Sonne wird klarer.
Estland

Am Thomastag stöbert es immer.
Estland

Am Thomastag wächst der Tag nur einen Hahnenschritt.
Bauernregel

Am Thomastag werden die Weihnachtstore vom Himmelsvater geöffnet.
Estland

Am Thomastag wird der rußige Thomas hinausgebracht.
Estland

Am Tisch sei frölich, nicht hader mach, zu afterred sey nicht Ursach.
la] Absint a mensa, detractio, murmur et ira, sed cum laedicia, sumatur potus et esca.

Am Tisch soll man keines Haders gedenken.

Am Tisch und im Bett gehört die rechte Seite dem Mann.

Am Tische hat das Weib recht, im Bett der Mann.

Am Tische sei frölich, frisch und freundlich.

Am Tische soll man keines Haders gedenken.

Am Tische, den ein andrer gedeckt, das Essen meist am besten schmeckt.

Am Tor des Dorfes endet die Macht des Königs.
Vietnam

Am Tor handelt man um ein Füllen, auf der (Dorf)straße um einen Hengst.
Estland

Am Trillern erkennt man die Lerche.

Am trockenen Busen hält sich Weißbrot, am feuchten Gerstenbrot.
Estland

Am trocknen Stamme ist gut Feuer machen.
Litauen

Am Trompetentisch sitzen.
i] Am Bei- oder Nebentisch. Wohl daher, dass bei Gastmählern, besonders der Offiziere, die Trompeter oder Musiker, welche die Tafelmusik besorgen, an einen besondern Tische ihren Platz haben. Die Musiker genossen früher keine besondere Achtung, was sich noch in der Benennung Trompeten- oder Musikantentisch für Neben- oder Katzentisch zeigt.

Am übel gewonnenen Gut hat der dritte Erbe weder Freud noch Mut.

Am Übeltäter zittert selbst der Rock.
Tschechien

Am Ufer ist die Sicherheit, im Heer der Reichtum.

Am Ufer sind viele kluge Köpfe, wenn auf dem Meer ein Unglück geschieht.
Russland

Am Ufer stehen nützt nichts, wenn der Fluss vertrocknet ist.

Am unangenehmsten sind nicht die Neinsager, sondern Leute, die sagen: 'Ja, aber'.
Portugal

Am unglücklichsten ist nicht der Mann, der keine Freunde, sondern der keine Feinde hat.
Spanien

Am unterspülten Ufer ist bös baden.
bm] Koupej se drze se břehu.

Am Vater erkennt man den Sohn, an der Mutter die Tochter.

Am Vater kennt man gemeiniglich die Kinder.

Am Verbrechen eines einzelnen lern alle kennen.
la] Crimine ab uno / disce omnes.

Am verfallenen Altar sind keine Kerzen angezündet.
Sizilien

Am Veronatag soll's vormittags regnen und nachmittags die Sonne scheinen.
Luzern

Am Verstande trägt man nicht schwer.

Am vielen Fragen erkennt man den Narren.

Am vielen Lachen (o. Fragen) erkennt man den Narren.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vierten Tag vom Hochzeitsschmaus trollt der Hochzeitsbitter sich nach Haus.

Am Vorabende großer Ereignisse stehen.
i] Meist ironisch gebrauchte Redensart, um auszudrücken, dass nichts von Bedeutung geschehen werde.
z] Lassen Sie in Paris bekannt machen, dass wir am Vorabende eines großen Ereignisses, à la veille d'un grand évenement, stehen. Napoleon

Am vorderen Tor wehrt man den Tiger ab, durch das hintere kommt der Wolf ins Haus.
China

Am Vormittag der Heilige Elias, am Nachmittag Allah.
Bosnien

Am Wachstum hindert den Menschen oft das eigene Dach überm Kopf.

Am Wams kann man nicht sehen, wer ein Brandmal trägt.
nl] Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt.

Am Wappen erkennt man die Münzen.
nl] Aan de wapens kent men de munten.

Am warmen Kamin träumt es sich gut vom Schneesturm.
USA

Am warmen Ofen (v)erfriert man nicht.
Rheinpfalz

Am Wege enden alte Pferde und alte Soldaten ihr Leben.
nl] Aan den weg en aan de straat rekken oude paarden en trouwe veteranen hun leven.

Am Weibe schlägt der Mann seine Schande.

Am Weiser kann man sehen, was an der Glocke ist.
ndt] Hä is wie de Wîser an de Klock, hä geiht, we ein'n 'n stellt.
nl] Men kan aan den wijzer wel zien, wat de klok heeft.

Am Werk der Nacht findet der Tag immer etwas auszusetzen.
Irland

Am Werk sieht man zu aller Frist, was meisters drob gewesen ist.
fr] A l'ouvre on connaît l'artisan (l'ouvrier).
fr] C'est à la muraille qu'on connaît les maçons.
nl] Aan het werk kent men den meester.

Am Werke erkennt me den Werkmann (Arbeiter).
la] Indicat artificem res operata suum.

Am Werktag schaffe alle Ding,
Am Sonntag bete, hör und sing!

Am Widerrist erkennt man ein gutes Pferd, am Maul einen guten Esser.
Estland

Am Wildfangen ist kein Gewinn.

Am Windeskreuztag (d.i. Jürgenstag) bekam das Pferd seinen Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Winterfirsttag (12. März od. 14.1.) wird der Hahn über den Dachfirst geworfen, denn er hat unter dem einen Fuß Körner, unter dem anderen Schnee.
Estland

Am Wissen trägt man nicht schwer.

Am Wohlgebornen übel steht, wenn er der Tugend Weg nicht geht.
la] Bene natis turpe est male vivere.
la] Honeste natis turpe est male vivere.

Am wohlsten fühlt sich ein Brunnenfrosch im Brunnen.
China

Am würdigen Alten in Treue halten, am kräftigen Neuen sich stärken und freuen, wird niemand gereuen.

Am Zapfen sparen und am Spundloch herauslassen spart nicht.

Am Zapfen sparen und am Spundloche wieder herauslaufen lassen, das spart nicht.

Am Zaum erkennt man das Pferd.
pl] Uzda konia, język człowieka, smak potrawę pokazać ma.

Am zehnten Januar Sonnenschein
Bringt viel Korn und Wein.

Am Zeichen erkennt man die Warenballen, und an den Reden die bösen Zungen.
fr] Aux marques l'on connoit les bâles, et au parler les langues males.

Am Zeiger kann man sehen, ob die Uhr verrückt ist.
i] Vom Antlitz und äußern Betragen ist leicht ein Schluss auf den innern Menschen zu machen.

Am Zeiger kann man sehen, wie spät es (o. was an der Zeit) ist.

Am Zorn erkennt man den Toren.

Am zweiten Weihnachtstag (26.12.) wird der Tag um einen Hahnenschritt länger.
Estland

Ambassaden sind aller Orten frei.
[RSpW]
i] Die Völkersitte hat von jeher die Gesandten für unverletzlich gehalten.

Ambieren und anhalten ist keine Schande.
i] Wer eine Stellung haben will, darf sich keine Mühe verdrießen lassen.
lat] Ambitio opportuna est petitio honorum licita apud alios.

Ambition (Ehrgeiz) zeugt Probleme (Schwierigkeiten).
Senegal

Amboss und Hammer machen das Eisen nicht weicher.
dk] Ambotten og hammeren gjör jernet ikke blödere.

Ambrosia auf sie Straße schütten.
i] Weise Reden vor Toren.

Ambrosius (4.4.) schneit oft den Bauern auf den Fuß.

Ambrosius schickt ins Feld den letzten Pflug, entlässt die Imme zum Honigflug.
Bauernregel

Ameis' und Spinne auf allen Pfaden, dann wird das Wetter gut geraten.

Ameisen gehen unter die Erde und jeder weiß es.
Afrika

Ameisen haben auch Galle.
i] Auch der Wehrloseste sträubt sich gegen Misshandlungen, auch der Schwächste und Gutmütigste kann zuletzt zornig werden.
z] Die Ameisen und die Bienen, item die Bawren und Armen haben auch jren Zorn, aber er hat nicht die wehre, sondern ist ein kurtzes, kleines und geringes Zörnlein und Füncklein, nach dem Versslein: Vana est sine viribus ira: Haben Groll und Zorn ohne Nachdruck, ist verlorn.
Richter, Axiomata

Ameisen ins Bett tragen.

Ameisen können mit einem Reiskorn angreifen.
Madagaskar

Ameisen können sich dem Zucker nicht nähern, ohne davon zu essen.
Thailand

Ameisen kriechen nicht in leere Scheuern.

Ameisen sterben für Zucker.
Afrika

Ameisen suchen.
i] Sich vergebliche, unnütze Mühe machen.
la] Formicae semitas quaerere.

Ameisen umgeben den sterbenden Elefanten.
Botswana

Ameisen zernagen des Löwen Fleisch.
i] So nagt der Neid am Rechtschaffenen.

Ameisenhut ist für (gegen) Schlafen gut.
fr] Celuy qui est trop endormy doit prendre garde à la fourmy.

Amen es ût, sed (= sagte) Beckroth, alle rôe (= roten) Schelmen dögen nit.
Meurs

Amen ist des lieben Gottes (großes) Siegel.

Amen Selah, die Katz goht de Bach na!
Breitingheim

Amen, sagte der Küster, und die Kirche war aus.

Amene Wiib und anere Müli isch alliwil öppis z verbessere.
Schwiizertütsch

Amerika hat noch nicht gelitten. Man täuscht sich, wenn man ihm schon die hohe Fähigkeit des Herrschens zubilligen möchte.
>Sprüche der Weisen, Der Aufstand der Massen

Ämm is 'n gôden Titt affsnäden.
Altmark
i] Er hat eine bedeutende Hilfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.

Amme Mittwoche schläft de Mus in es ander Loch.
i] Nach dem Volksglauben wird am Mittwoch keine Reise angetreten.

Amme, du bist Herrin, solange das Kind trinkt.

Ammenlieder lullen nur Kinder in den Schlaf.

Ammenmärchen
la] aniles fabellae

Ammenmären können keine Männer nähren.

Ammenpflege ist keine Mutterpflege.
fr] Les soins d'une nourrice ne sont pas ou ne valenu pas ceux d'une mère.

Ammer und Haubenlerche sagen, der Winter ist hinterm Berge.

Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!

Amor hasst die Faulen.
la] Amor odit inertes.

Amor hasst die Tätigen.
la] Amor odit agentes.

Amor hat dir zugeniest.

Amor ist ein Krieger, der vor jeder Feste Sieger.
it] A ogni impresa.
la] Amor restat vincens.

Amor ist ein Maulwurf, Hymen ein Luchs.
i] In der Liebe sieht man gar keine, in der Ehe zu viele Fehler.

Amor und Hymen bauen eine gute Hütte, ist Plutus der dritte (o. in ihrer Mitte).
i] Ehen sind in der Regel glücklicher, wenn zu der vorhandenen Zuneigung auch einige materielle Mittel kommen.

Amoris macht, Veneris bracht, Cupidinis swerth hant manchen verzert.

Amors Pfeile sind unbesiegbar.
la] Invicta gerit tela Cupido.

Amors Streifschüsse nennt man Flirt.

Ampel und Docht verschlucken viel Öl und werden doch nicht feist davon.

Amptleut und Pfleger, Förster und Heger, Kastner und Schösser, bawen Häusser und Schlösser, haben kleinen lohn, werden reich davon. Nun zeug mir an, wie das sein kann. Ihr griff, die weiss nicht iederman, sie schreiben ein X vor ein U, so kommen sie mit der Rechnung zu.

Ams amma amma - bellen alle Hunde.
Litauen

Amsterdam ist die Perle aller Städte.
i] Als solche galt es früher, wie als Sitz und Sammelplatz des Reichtums).

Amsterdam, du grote Stadt, büst gebaut up Palen, wenn du nun ins umme fallst, wel sall dat bitalen.
i] Nicht allein in Amsterdam, sondern in ganz Holland ruhen beinahe alle Häuser auf Rosten. An und für sich ist indes die Befürchtung des Umfallens eine kindische Vorstellung. Dennoch gab im vorvorigen Jahrhundert eine Erscheinung einigen Grund zu dieser Befürchtung. Um das Jahr 1730 fanden sich nämlich plötzlich Würmer ein, wahrscheinlich mit Schiffen aus Indien gekommen, welche in kurzer Zeit die Wände der Schiffe und die Pfähle an den Dämmen durchbohrten und unbrauchbar machten. Die Besorgnis war groß, da man kein Vertilgungsmittel kannte. Man fürchtete, sie würden die Pfähle angreifen, worauf Amsterdam ruht. Sie verloren sich indes nach einigen Jahren infolge eines strengen Winters wieder.

Amsterdam, haaste Geld, ik hewwe Waare, sagte de Besenbinner.
Westfalen

Amsterdamer Ränder (Giljones).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Es ist hier der Bücherrand gemeint. Die Amsterdamer Ausgaben des Talmud sind von den Juden ihrer schönen Ausstattung und breiten Ränder wegen sehr gesucht und gut bezahlt. Es wird daher mit diesem Ausdruck ein Mensch (oder eine Sache) bezeichnet, dessen (deren) innerer Gehalt hinter seiner (ihrer) schönen äußern Form zurücksteht.

Amsterdamken, as ik dir noch ênmol so guamm, sullt du nêt völ behollen, sä de Feling, do harr he de 30 Gülden mitbrocht.
i] Der Westfälinger war auf seinem Hausierhandel bis Amsterdam gekommen, wo er für 30 Gulden seine Ware abgesetzt hatte, er fürchtete, wenn er noch einmal so viel Ware hinbringe, dass die Zahlungsmittel der Stadt erschöpft werden würden.

Amt adelt niemand.
[RSpW]
i] Nicht der Amtsbesitz führt zum Adel, sondern der Adel besitzt die Ämter. Die Rechte und Ämter, die der Adel besaß, erwarben sie durch den Geburtsstand, es waren Folgen, nicht Ursachen des Adels.

Amt bringt Ehre, aber die Tugend nicht immer Amt.
dk] Som ved amt erlangen ere, sau bör amt erlanges ved dyd.

Amt bringt Käppchen.

Amt bringt Samt.

Amt gibt Kappen(, sind's nicht Kappen, so sind's doch Lappen).
i] Der Ursprung dieses Sprichworts fällt nach den Berichten Grunar's in seiner 'Preussischen Chronik' in die Zeit des Hochmeisters Heinrich von Richtenberg, der von 1470-77, obwohl in großer Armut, regierte, da Preußen sich nach dem verderblichen dreizehnjährigen Kreige noch nicht erholt hatte. Diese Dürftigkeit drückte auch die Ordensbrüder, und oft war nicht einmal so viel Geld in der Kasse, dass ihnen die nötigen Kleider angeschafft werden konnten. Einer darunter, Matthias von Beybelen, bat den Hochmeister zu wiederholten malen um ein neues Kleid, zeigte ihm die zerrissenen Lappen, erhielt aber immer schlechten Trost. Auf fortgesetztes anhaltendes Bitten gab ihm endlich der Hochmeister das Amt, die Zinskäse von den Schäfern einzunehmen, wobei er bald so viel erwarb, dass er sich ein neues Kleid anschaffen konnte. Als sich nun viele über die schleunige Verbesserung seiner Umstände wunderten und ihn darum befragten, pflegte er zu antwowrten: Amt gibt Kappen. Diese Antwort wurde zum Sprichwort, auch außerhalb Preussens, und wird gebraucht von denen, welche bei geringer Besoldung sich Nebenzugänge zu verschaffen wissen)

Amt hat Würde, aber die Würde nicht stets das Amt.
dk] Som ambt besidder vaerdighed, burde vaerdighed besidder ambt.

Amt lehrt den Mann.

Amt macht verdammt.
i] Wenn es schlecht verwaltet wird.

Amt ohne Sold ist ein Schlüssel zu der Untertanen Gold.

Amt ohne Sold macht Diebe.
dk] Bestilling uden lön giver tyve.

Amt ohne Verstand gilt wenig im Land.
la] Est decor obtusus cui nullus competit vsus.
sd] Lithin makth aer vm then hedher aenghin dygdh fölgher.

Amt und Können sind nicht zur Last.

Amt und Person soll man unterscheiden wohl.

Amt und Werk zeigen an, was der Mann kann.
fr] L'office et la somme, monstreront quel soit l'homme.

Amt wird keinem zur Ehe gegeben, drum soll man's brauchen, weil man's hat.

Ämtchen bringen Käppchen,
Ämtchen bringen Läppchen,
Reißen oft die Kappen
Und das Kleid in Lappen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Ämtchen bringt Käppchen.
i] Mönche tragen Kapuzen, Bischöfe Mützen, Äbte 'Käppchen', Kardinäle Hüte, der Papst eine dreifache Krone. Jedes kleine Amt wirft Vorteile ab.
ndt] Alle Ämter gevt Kappen.
ndt] Empter geben Kappen.
nl] Het ambt geeft kappen.
fr] Il n'y a point d'emploi sans bénéfice.
fr] On ne peut manier le beurre, qu'on ne s'engraisse les doigts.
la] Quodlibet officium lucri pinguedine crassum.

Ämter geben Töpfe, aber keine Köpfe.
fr] Point de bénéfice sans charges.

Ämter geben Würde und Bürde.
[RSpW]
i] D. h. Rechte und Pflichten.
la] Capere (o. Tradere) provinciam. Plato

Ämter kommen oben, die Eheleute werden unten zusammengeschoben.
nl] Brui loften en officiën worden van den hemel toegeschikt.

Ämter machen wohl dicke Bäuche, aber keine vollen Köpfe.

Ämter sind Brunnen.
dk] Bestilling erne (em beder) ere guds, dog personnerne ere tis dievelens.

Ämter sind Gottes, die Amtleute des Teufels.

Ämter und Ehren stehen ihm an, wie dem Ochsen ein Sattel und dem Esel eine Bischofsmütze.

Ämter und Posten hängen nicht am Baum, aber am Schiebkarren (= Gönner).
nl] Ambten en posten hangen niet ann den boom, maar wel aan den kruiwagen.

Ämter und Zünfte müssen so rein sein, als wenn sie von den Tauben gelesen wären.
i] Wer in eine Zunft oder Gilde aufgenommen zu werden verlangt, darf nicht in Ansehung seiner Geburt, noch seines Lebenswandels beurteilt werden. Den Gedanken: Wer zu einem Amte gekommen ist, muss es nach Ehre und Würde desselben führen, drückten die Griechen in dem Sprichwort aus: Wer nach Sparta gekommen ist, schmückt es!
la] Spartam nactus est, hanc orna.

Ämter wären schon gut, wenn nur die Rechenschaft (o. das Rechnungslegen, Rechnungtun) nicht wäre.

Ämter, die besten, darben, tragen Stroh statt Garben.

Ämter, wobei die darben, die sie verwalten, sind Diebesanstalten.

Ämterlaufbahn
la] cursus honorum

Ämtle - Schlämple.
i] Schlamp = nachlässiges Tun oder Nebengewinn.

Amtleute geben dem Herrn ein Ei und nehmen dem Bauern (o. den Untertanen) zwei.

Amtleute haben die Schlüssel zu der Bauern Gelde.

Amtleute hüten wie der Fuchs die Gänschen, und richten wie der Wolf über die Schafe.

Amtleute kommen eher in Gefahr als ein Schiffmann.

Amtleute machen ein Loch auf und stopfen das andere zu.

Amtleute müssen klug sein.

Amtleute müssen manche Pille verschlucken.

Amtleute nehmen die Leilaken (Inletten) von einem Bette und decken sie aufs andere.

Amtleute nehmen von den Füßen und decken (schmücken) damit den Kopf.

Amtleute nehmen von einem Altar und schmücken damit den anderen.

Amtleute schneiden das beste Stück vom Tuch, Gott geb', dass dem Herrn zu einem Rock übrig bleibt.

Amtleute sollen den (o. die) Bauern hegen und nicht fegen, sich ihrer erbarmen und sie nicht verarmen, in der Not erfreuen, nicht mit Strafe bedräuen, ihre Arbeit ehren und nicht beschweren.

Amtleute und Pfleger,
Förster und Häger,
Schaffner und Jäger,
Schösser und Prokurator,
Verwalter und Kurator
haben nicht großen Lohn,
werden gleichwohl reich davon.

Amtleute und Schösser bauen schöne Schlösser.
z] Amtleute und Schösser (Zoll- und Steuerheber) bauen große Häuser und Schlösser, und kriegen doch wenig Sold, sind nicht treu noch hold, die Rechnung kann nicht fehlen, die Diebe müssen stehlen. Preußischer Hausfreund, Berlin 1810

Amtmann - verdammt man.

Amtmann Bär
Schickt mich her,
Ich sollte holen
Zwei Pistolen,
Eine für dich
Und eine für mich,
Ich bin ab
Und du noch nicht.
Abzählvers

Amtmänner kommen schwer in den Himmel.
z] Der Teufel war einst in einer Spielgesellschaft, da bekam er Nachricht, dass nächsten Tag ein Amtmann begraben werde.

Amtseid wird manchem leid.

Amtssessel.
la] sella curulis

Amul hot a Meisel a Heisel.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Manchmal hat ein Mäuslein ein Häuslein.
i] Wenn sich jemand auf unbedeutende Dinge viel einbildet. In Warschau auch, um ein gewisses Siegesgefühl darüber auszudrücken, dass man endlich in den Besitz einer Sache gelangt ist, die man lebhaft gewünscht hat; so wie etwa die Maus stolz auf ihr Loch ist, das zu ihrer Wohnung führt.

Amüsiere dich, denn es gibt nichts in der Welt, dass wir unser Eigen nennen können.
Malta

Amyris ist wahnsinnig.
i] Dies altgriechische Sprichwort wurde gebraucht, wenn einer allein eine Gefahr voraussah und sich deshalb bei Zeiten in Acht nahm, andere ihn aber deswegen zum Narren hielten, bis sie endlich ihren Schaden einsahen, dass sie Narren gewesen. - Amyris, ein Sybarite, war von seinen Landsleuten nach Delphis geschickt worden, um das Orakel zu fragen, wie lange sie sich ihres glücklichen Zustandes zu erfreuen haben würden, worauf er die Antwort erhielt: so lange, bis sie würden anfangen die Menschen mehr als die Götter zu ehren. Als Amyris glaubte, dass ein solcher Fall eingetreten sei, packte er seine Sachen zusammen und zog fort, die Sybariten nannten ihn wahnsinng, mussten aber erfahren, dass ihn ein richtiger Blick dem Unglück zu rechter Zeit entzogen habe.

An (seidenem) Faden hängen
la] pendere filo

An Aegidius man säen muss.
Masuren
pl] Jelzi, si ac wygelziij

An Agathe (10.1.) Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.

Än äht versöfn seng.
Siebenbürgen/Sachsen
i] In etwas ersoffen sein, tief darin stecken

An Ai is an Ai, sad thi Pruwst, man hi greab doch efter at gratst.
Föhr
hdt] Ein Ei ist ein Ei, sagte der Propst, aber er griff doch nach dem größten.
i] Man will damit sagen, dass Geistliche wohl die Eitelkeit und Verachtung irdischer Güter predigen, aber da, wo es Gelegenheit zum Zulangen gibt, gerade nicht blöde sind

An Akschen (Eigensinniger) fallt in der Blote herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Blote = Polota, polnisch = Strassenkot. Das gewöhnliche Los des Eigensinnigen ist, dass er sich beschädigt, zu Nachtheil kommt, den Kürzern zieht

An Albertus Sonne, im Winter wenig Wonne.
Bauernregel

An Albertus Sonnenschein, tritt ein harter Winter ein.
Bauernregel

An allem ist zu zweifeln.
i] Wahlspruch von Karl Marx
la] De omnibus dubitandum.

An allem Ort und Ende
Soll der gesegnet sein,
Den Arbeit seiner Hände
Ernähret still und fein.
Friderici Ehren-Liedlein (1614), Familiengemälde

An allen Ecken und Enden.

An allen Gliedern zittern.
i] Von sehr Furchtsamen

An allen Instrumenten sind die Männer begabt, nur das Instrument der Treue bereitet ihnen Schwierigkeiten.
Kroatien

An allen orten dieser welt wirdt Gottes macht uns fürgestellt.
la] Omnis in orbe locus, fert Deitatis opus

An allen Orten ist gut leben.

An allen Türen anbossen.

An Allerheiligen (1.11.) sitzt der Winter auf den Zweigen.

An Allerheiligen geh' in den Wald,
nimm von der Birke einen Span,
und da siehst du es ihm gleich an,
ob der Winter warm ist oder kalt:
Ist der Span trucken,
wird ein warmer Winter anrucken,
aber ist er naß genommen,
wird ein kalter Winter kommen.

An Allerheiligen sitzt der Winter auf den Zweigen.
Bauernregel

An Allerheiligen Sonnenschein, tritt der Nachsommer ein.
Bauernregel

An alles kommt ein Ende außer an Frauenarbeit und und Qual in der Hölle.

An Allmende graben, die da frieden.
[RSpW]
i] Das Privateigentum musste von der Allmende nicht bloß durch einen Zaun, sondern auch durch einen neben dem Zaun gezogenen Graben geschieden sein, den der Privatbesitzer ziehen musste. Frieden - die Grenzen so klar stellen, dass kein Streit zwischen Nachbarn entstehen kann

An alta Hahn und an alta Mann sind um fünf Kreuzer gnue.
Oberösterreich
i] Teuer genug bezahlt

An alte Drênl.
i] Von drehen (kreisen). Eine alte Weibsperson, welche viele Jahre in einem Hause sich geschäftig umherbewegt hat

An alte Hiebe muss man nicht denken.
i] Alte Hiebe schmerzen aufs neue, wenn man ihrer gedenkt

An alte Scherben sein.
Oberösterreich
i] So werden wohl alle gebrechliche Leute in Oberösterreich genannt

An alte Schuh' is alsfort zu flicke'!
Jüdisch

An altem Kessel beschmeisst man sich gern.

An altem Kuhfleisch ist viel Kochens.

An altem Kuhfleisch kocht man lange (ist lange Kochens).
i] In schwierigen, verwickelten Angelegenheiten ist lange zu beratschlagen

An alten Flinten, die nicht schießen, fehlt es nicht.

An alten häfen (Kesseln) und schälcken ist alls waschen verlorn.

An alten Häfen ist alles waschen, purgieren oder arzneien verloren.

An alten Häfen und Schälken ist das Waschen verloren.

An alten Häusern und alten Weibern ist stets was zu flicken.

An alten Hunden ist Chrisam und Tauff verloren.

An alten kesseln beromet man sich gern.

An alten Kesseln macht man sich rußig.

An alten Kesseln ramigt man sich.

An alten Kesseln reiben ist keine hohe Kunst und heißt Ramfangen.

An alten Schuhen gibt's dauernd was zu flicken.

An alten Stiefeln mag der Hund sich abkiefeln.

An alten Stiefeln schmiert man sich müde.

An alten Töpfen und schälken ist alles waschen verloren.

An alten Wölfen und bösen Menschen ist Hopfen und Malz verloren.

An Alter bricht, ün a Jünger baut, is noch nit gleich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Dies den Rabbinern entlehnte Sprichwort preist die Vorzüge des Alters der Jugend gegenüber. Es behauptet, das Einreißen des erfahrenen Alters sei nützlicher als das Aufbauen der leichtsinnigen Jugend

An alter Ochs is aa amal a Kaibl gwesn.

An alter oder ungewisser schuld nimmt man haberstroh.

An an Stich anhäng'n.
i] Ihm eine beißende Rede geben. Wenn diese gar zu verständlich oder persönlich war, nannte man sie Messnerstich

An anbrennts Scheitl brennt besser als an anders.

An anderen enden ist auch gut brodt essen.

An anderen enden sind auch leut.

An anderen Orten gehen die Hunde auch barfuß.
Spanien

An anderer leute kindern und an frembden hunden hat man das Brot verloren.
v] An ander Lüte Kinder und a frönde Hünd het me's Brot verlore.
Schweiz
i] Der Hund läuft davon, oder man muss ihn seinem Herrn unentgeltlich wiedergeben. Wird auch auf den Fall angewandt, wenn jemand auf fremden Acker rechtswidrig gebaut hat und dadurch der Ernte verlustig geht.
nl] Aan vreemde lieden kinderen en vreemde honden is somtijds de kost verloren.
la] Qui canem alit exterum, huic praeter lorum nil fit reliquum.
nl] Qui canem alit peregrinum, huic nil reliqui fit, praeter linum.
sd] Fåfäng kost på annars barn och hundar

An andern Leuten zum Ritter werden wollen.

An andern Orten ist auch gut Brot essen.

An andern sieht man das kleinste Läuschen, an sich keine Hundslaus.

An andrer Leute Kindern und fremden Hunden hat man das Brot verloren.

An anneri Mutter hat a (auch) a liabes Kind.
Franken
i] Damit tröstet sich, wer einen Korb erhalten hat

An anne's Oast (ein anderer Ort), an andere Mensch.
Tirol

An annrer Bauch, an annrer Brauch.
Franken
i] Auf schwangere Frauenspersonen angewandt

An Anschlägen geht oft viel ein wie an rohem Tuche.
dk] Paa anslag gaaer meget ind, ligesom klæde og gammelt kiød

An Anschlägen verliert man am meisten (o. am wenigsten).

An är Hitte (Ziege) un an 'n Schwein is nit vill doktern.
Sauerland
i] Hitte, in der westlichen Mark: Hippe, Hessen: Hitz

An arme Haustür folgt oim auf Weg un Steg.
Schwaben

An arme Leut wünscht man die Schuh, so geht es in der Welt hier zu.

An armen Leuten will jeder sich die Schuhe wischen.
sd] Den fattige är hwars mans skostrok

An armen Mannes Hoffart wischt der Teufel seinen Bart.
nl] Eens armen mans hoovaardij is niets waard

An Armen weiß man nichts zu gewinnen.

An armer Hascher.
Steiermark
i] Häscher = Schlucker; bei Frauen: Häscherin, arme Haut

An armer Leut' Bart lernt der Junge scheren.

An armer leut hochmut (hoffart) wischt der Teufel den arss.
z] An Hoffart, da wischet der Teufel seinen Hindern an; Und ob sie wohl fast drücket, so kan sie doch nichts machen, denn sie hat nichts im Bauche.
Luther
z] Wo Hoffart ist beim armen man, wüscht der Teufel den hindern an

An armer Leute Bart lernt der Junge scheren.

An armer Leute hoffart wischet Meister Hämmerling die Nase.

An armer Leute Hoffart wischt der Teufel den Arsch.
ndt] An arme hoffart wischt der teifel den ars.
i] Nichtskönners Arroganz wirkt lächerlich.
z] Wo hoffart ist beim armen man, wischt der Teuffel den hindern an.
z] An solche Hoffart saget man, wischet der Teufel seinen Hindern; denn es ist in der Warheit alles eine arme elende, stinkende Bettelhoffart.
Luther
mhd] Armiu hôchvart deist ein spot.
mhd] Armiu hôchvart ist ein spot rîche dêmuot minnet got.
mhd] Mich wundert armiu hôchvart, und ist alter man unwîs.
nl] Aan arme lieden hoovaardij vaagt de duivel zijn' aars

An armer Leute Hoffart wischt der Teufel seine lateinische Kunst.

An armer Leute Kinnlade lernt der junge Zahnarzt Zähne ausbrechen.
Russland

An artlige Paröse sein.
Oberösterreich
i] Ein sonderbarer Mensch

An Arwêt fehlt' 't mi nich, söä de barliner Silberpolêreren, bi da polêr ick Silver un Awends Nilköppe.

An Arznei glauben, macht sie wirksam.
Indien

An Ases(Mechüzeph-)Punim.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Ein unbescheidener, frecher Mensch

An Aufgeklärter in a klein Städtel esst Kasche mit Chrilene.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Kasza = Grütze, Chrilene = Talg, Unschlitt. Unter 'Aufgeklärter' verstehen die rechtgläubigen Juden einen Anhänger der modernen Richtung, der sich über Religionsvorschriften, wie z.B. die Speisegesetze, hinwegsetzt. Um sie lächerlich zu machen, sagen sie, ein solcher aufgeklärter oder Reform- Jude lege, zumal in einer kleinen Stadt, wo es ihm fast an Gelegenheit zu sündigen fehle, seine Aufklärung dadurch an den Tag, dass er trotz des Verbots, ja selbst auf Kosten des guten Geschmacks, seine Grütze mit Talglichtern schmalze

An aufsteigenden Ängsten leiden.

An Augsburg schreiben.
i] Sich erbrechen

An Augustin (28.8.) ziehn die Wetter (o. gehen die warmen Tage) dahin.

An ausgeräucherte Lülke.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] ausgeräucherte = durchgerauchte; Lülke = Lulka, ruthenisch = Pfeife. Von erfahrenen, durchtriebenen Menschen, in dem Sinne von Junge und Kind. Die Pfeifen, besonders die meerschaumenen, sind nur dann dauerhaft und geschätzt, wenn sie eine Zeit lang im Gebrauch gewesen, also durchgeraucht sind

An ausgestanden (überwunden) Ungemach ist zu denken leichte Sach'.
la] Quod fuit durum pate, meminise dulce est

An Bänken können auch schwache Leute gehen.
dk] Ved benke og stöd kunne og svage folk gaae

An Barthelmä gehn die Gewitter wieder he (heim).
Sachsen

An bäsen Hund geit mer (gibt man) zwä Brocken.
Franken

An Bäumen wächst Moos, Männer werden bärtig.

An beiden Füßen gerecht, wie ein polnischer Stiefel.

An Beinen ist gut Fleisch nagen.

An Beinen ist niedlich fleisch zu nagen, als man gemeiniglich tut sagen.
la] Dulcior est caro, quae magis ossibus haeret ubique

An bellenden Hunden sollen hohe Leut kein Hundschläger werden.

An Benedictus (21.3.) man Hafer (o. Gerste, Erbsen, Zwiebeln) säen muss.

An betj föör't Süünjhâid, sâd a Thiif, diar 'r hinget wees skul.
Amrum
hdt] Ein bischen für die Gesundheit, sagte der Dieb, da er gehängt werden sollte

An Betschwestern
erkenn' ich alte Buhlerinnen ganz so sicher
wie an den Scherben eingeschlagne Töpfe.
Grabbe, Don Juan und Faust, III, 1 (Don Juan)

An Beutel hängen.
i] Starke Rechnung machen, in der Anrechnung, Geldforderung streng sein

An Böhm (Münze) un a Tippel Fett.
i] In Breslau als Bezeichnung eines dürftigen Lohnes

An böse Tage denkt man länger als an gute.
fr] Memoire du mal alongue traße memoire du bien tuntost passe.
la] Maior longe ac diuturnior malorum quam bonorum memoria

An bösem Erz und am Schlacken ist alles Schmelzen verloren.

An bösem Weib sich keiner reib'.

An bösen Hünj mut'm an Stak Broad du, that'r ean egh bat.
Nordfriesland
hdt] Einem bösen Hunde muss man ein Stück Brot geben, dass er einen nicht beiße

An bösen Leuten gewinnt man nichts, weder mit guten, noch mit bösen Worten.

An bösen Tieren ist nichts zu verdienen.

An bösen Weibern und räudigen Schafen hat es nimmer gefehlt.

An bösen Weibern, räudigen Schafen und falschem Geld ist kein Mangel in der Welt.
dk] Af onde kvinder og skabbede faar fattes ei mens verden staaer

An bösen Zahlern mahnt man sich bald müde.

An böser ware ist nichts zu gewinnen.
i] Auch mit dem Zusatz: wenn schon gut Wort legst auf die Binnen.
it] Roba cattiva non è mai a buon mercato.
la] Judice me fraus est concessa, depellere fraudem.
sd] Elakt gods gjer slemm winning

An Braten, den man einst gegessen, und Kleider, die man zerrissen, denkt man nicht mehr.
la] Vestis et escarum memor est quis preteritarum.
sd] Hwa minnis aethin math ok riwin klaedhe

An Brot und Ehr' trägt man nicht schwer.
la] Mantica cum pane non est vectigal inane.
sd] Ae laettis mota byrdhe

An Buben ist alle Wohltat verloren.

An Buhler Schwören tu dich nicht kehren.

An Butter ist noch niemand erwürgt.
Schlesien

An das armut wil yederman die schuch wischen.

An das besondere Glück der Studierten und Examinierten, der Staatswürdenträger aller Arten und Grade, glaube ich nicht recht und.stehe mit meinen Sympathien dem freien Bürgertum näher, dem Handel und Wandel, der Kunst und Wissenschaft.
Theodor Fontane, Briefe

An das Brett kommen.
i] Eine einflussreiche Stellung erhalten.
z] Wer ans Bret nit kommen kann, der ist nit ein geschickter Mann.
fr] Cet homme est le saint du jour

An das grüne Tuch gesetzt werden.
i] In Gunst kommen, bevorzugt werden.
z] Zum Unterschied derer, die da felices, Hahn im Korbe seyn, an das grüne Tuch gesetzt werden, und bei den Jungfrauen durchschlagen

An das schwarze Brett kommen.
i] An einer Schand-, Straf- oder Warnungstafel angeschrieben werden, in ungünstigen Ruf kommen

An das Schwert gebunden sein.
i] Wohl in Bezug auf den Soldatenstand

An das Verhängnis glauben, heißt es in uns hervorbringen.
Portugal

An de gröne Schnapp (grünen Schnabel) kennt man de jungen Vägels.
Rendsburg

An de Miggda kommet de Ungeschickta.
i] Der allgemeine Glaube vom Mittwoch

An de Wieg sihn können, wenn et Kend Schlôp het (o. kakken well).
Meurs
hdt] An der Wiege sehen können, wenn das Kind geschlafen hat (o. kacken will).
hdt] Hei kann et der Weige anseien, wann dat Kind kacken will

An dei Diern drängen s' sik an as dei ollen Wiewer an'n Fischwagen.

An deinem Kopfe klingt's am hellsten, sagte Boleslaw zum Narren.
Schlesien

An dem Armen sind viele große Fehler zu sehen.
Irland

An dem Barte der Narren lernt man scheren.

An dem feinsten Laken ist der größte Betrug.

An dem fremden tisch dein reden spar, so wird lob schier offenbar.
la] Dum conuiuaris, caueas ne multa loquaris

An dem Füchselein siehst du schon
Dass er eines Fuchses Sohn.
Jüdisch

An dem Füchslein siehst du schon, dass er eines Fuchses Sohn.

An dem Gaste wird's verspürt, wie der Wirt den Handel führt.

An dem gegenwärtigen Übel soll man ein künftiges tragen lernen.

An dem Halm erkennt man noch, wie groß die Ähre war.

An dem hat er seinen Mann gefunden.
nl] Hij heeft zijn' man in dem gevonden

An dem hewwe mir nix verloren un sie nix gewunne'.
i] Von einem charakterlosen Menschen, der vom Judentum zum Christentum übergegangen ist

An dem Hut der Flor bracht' ihn wieder empor.
i] Der Tod seiner Frau verbesserte seine Vermögensverhältnisse

An dem is die Schmad (Taufe) verloren.
i] Es war überflüssig ihn zu taufen, da er schon längst aufgehört hat, Jude zu sein

An dem is kei Massel un kei Broche, kei Broche un kei Zloche.
Jüdisch-deutsch
i] Wenn jemand kein Glück hat

An dem is 'n Avkate (Advokat) verdorben.

An dem ist Chrisam (o. Chrisom) und Taufe verloren.
i] Alles, Mühe und Kosten umsonst verwenden. Wohl ursprünglich von solchen Proselyten, die um des Gewinnes wegen einen anderen Glauben angenommen.
la] Oleum et operam perdidit

An dem ist die Taufe (Schmad) verloren.
i] Er ist schon längst so wenig Jude mehr, dass er die Taufe nicht nötig hatte

An dem ist hacken und düngen verloren.

An dem ist Hopfen und Malz verloren.
ndt] An den is hoppen un molt verloren

An dem ist kein gut Fäserlein.
Ulm

An dem ist kein Tadel von der Fußsohle bis zum Scheitel.
la] Candidus et talos a pertice pulcher ad imos. Horaz

An dem ist kein verfallener Schlag.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Er bleibt keine Antwort schuldig

An dem ist keine falsche Ader.
fr] veine = Ader und Glück, mauvaise veine = Unglück
z] Ka Tüpferl, ka Stäuberl, ka Unaderl hat's. (Kein Unäderchen, d.h. keinen Makel, von einem Kind)
Joh. Gabr. Seidl, Niederösterreichische Flinserln, 1828 ff

An dem ist Kost und müh verloren.

An dem ist nicht viel Gesundes.

An dem keine Besserung ist zu hoffen, dem gibt Gott wie Judas den fetten Bissen.

An dem Kopfe des Narren lernte er barbieren.

An dem läuft alles ab.
i] Von einem, bei dem aller Tadel, alle Ermahnungen vergeblich sind. Der Tadel erscheint hier als Regen, wie auch sonst strafende, scheltende Worte als eine Flut, und wie man auch ganz allgemein sagt, dass die Worte fließen. Wer einen solchen Regen hat über sich ergehen lassen müssen, ist ganz 'betroft' (betrauft), 'steht da, wie ein begoßener Pudel.
fr] C'est comme la pluie sur le dos d'un canard.
i] Wie Regenwasser, das vom Rücken einer Ente heruntertrieft, ohne durch die Federn zu dringen.
la] Asinus compluitur

An dem Ort, wo der Rücken seinen ehrlichen Namen verliert.

An dem Pfälzer ist nichts als ein großes Maul.
i] So spotten die Bayern über die Pfälzer; diese dagegen rächen sich an den Bayern durch ein anderes Sprichwort

An dem Platze, den der Tiger gern hat, legt er auch seine Flecken nieder.
Surinam
i] Wer eine gute Nummer bei ihm hat, kann alles erlangen

An dem Rechtschaffenen kann der Neider sich die Zähne ausbeißen.
Estland

An dem Schwachen will sich jeder reiben.
i] Jeder will sich an den Schwachen die Schuhe wischen.
it] Alla macca ognun si ficca

An dem Tag Vinzenzius (22.1.), jede Rebe treiben muss.

An dem Tag, an dem du deine Frau heiratest, heiratest du auch deine Kinder.
Irland

An dem Tag, an dem du nackt herumläufst, triffst du bestimmt deine Schwiegermutter.

An dem Tage, an dem einer alles weiß, laß ihn sterben.
Nigeria

An dem Tage, wo man Butter und Knoblauch isst, braucht man sich nicht vor Gift zu fürchten.
Polen

An dem Tisch und auf dem Bette soll sich niemand schämen.

An dem Übel, das der Mensch fürchtet, stirbt er.
Spanien

An dem Werke erkennt man den Meister.
fr] A l'oeuvre on connaît l'artisan

An dem Willen der Menschen und gespanntem Gewand (Tuch) geht viel ab.

An dem Wort erkennt man den Toren wie den Esel an den Ohren.

An dem, was Gott nicht geschenkt, hat man nicht lange Freude.
Schottland

An demselben Joche ziehen.
i] Ein gleiches Geschäft mit jemand treiben, dasselbe Schicksal mit ihm teilen.
la] Idem egoque tuque ducimus pariter jugum.
la] Idem jugum trahere

An demselben Strumpfe stricken.

An den Altar (o. in das Asyl) flüchten (o. fliehen).
i] Sich retten, sich in Sicherheit bringen. Die letzte Zuflucht nehmen. Ehemals floh man in der äußersten Not an die Altäre der Götter, weil es für Frevel galt, von da jemanden wegzureißen.
nl] Het altaar kan den booswicht niet van straf bevrijden.
la] Ad aram seu ad asylum confugere. Cicero
la] Tanquam ad aram

An den alten Schnee denkt man nicht meh'.
sd] Fram faren snö är snart glömder. - Seent tala om den snön som i fjol föll

An den alten zerbrochenen Topf wird sich nur bei Notwendigkeit erinnert.
Sambia

An den Arbeiten wird man es erkennen.

An den Augen kann man das Herz erkennen.
Estland

An den Augen sieht man, was einer ist und was er kann.

An den Augen sieht man, was für einer er ist.
Litauen

An den augen teublein und in den hertzen teuflein.
Trymberg, um das Jahr 1280

An den besten Post schlät man dat Heck.

An den bettelstab geraten (o. gedeihen).

An den der Trunk oft ist kommen, der gehört ins Bett.

An den Dornen bleibt viel Wolle hängen.

An den eigenen Körnern lerne erkennen, wann anderer Roggen zeitig ist.
Russland

An den Enden erkennt man die Naht.
fr] La lisière est pire que le drap

An den Enden erkennt man Naht (und Gewebe).

An den Fähnlein sieht man, wer den Sieg davongetragen.
la] Victrices turbae victricia signa tulere

An den Federn erkennet man den Vogel.
bm] Po zpevu (letu, perí) ptak poznán bývá.
en] A bird is known by ist faethers.
fr] A la plume et au chant l'oiseau et au parler le bon cerveau.
fr] On (re)connaît l'oiseau à son plumage.
it] Al cantare l'uccello, al parlare il cervello.
it] L'elefante si conosce dalla tromba, il leon dalle branche.
kroat] Ptica po perji poznas.
la] Ex nido plumisque suis noscenda volucris.
la] Ex plumis cognoscitur avis.
pl] Znac ptaka po pierzu.
sp] Las aves son conocidas por las plumas

An den Federn kannst du sehen, was für ein Vogel es ist.
Litauen

An den Federn kennt man den Han, am Gsellen ein jeden Gespan.

An den Federn sieht man wohl, dass eine Eule keine Taube ist.
nl] Men ziet aan de veeren wel, dat een kerkuil geene duif is

An den Fersen sihet man, ob einer mit dem Gesess könn zundel schlagen.

An den Festtagen die guten Streiche.
i] Die Festtage sind den Dieben günstig.
fr] Aux bonnes fêtes les bons coups

An den Freunden erkennt man dich selbst.
Estland

An den Früchten erkennt man den Baum.
en] A tree is known by its fruit.
fr] On reconnaît l'arbre à son fruit.
it] Dai frutti si conosce l'albero.
la] E fructu cognoscitur arbor.
sp] Por el fruto se conoce el árbol

An den Galgen der Leib, und die Seele hole wer will, sagt Käsbier.
nl] Het lijf der galg, en de ziel dengenen, die ze wil, zei de deugniet

An den Galgen kommt man immer noch zeitig genug.
nl] Het is geen jagtwerk, ter galge te gaan

An den Gästen man spürt, wie der Wirt sein Handel führt.

An den Gemärken erkennt man die Waren.
it] Dalla marca si conosce la mercanzia

An den gemeinen Kasten geraten.
i] An den Bettelstab, der Armenpflege anheimfallen

An den Gesellen erkennt man den Gesellen.
mhd] Den man acht ich sicherlich reht als er gesellet sich.
mhd] Ezn hât dekein geselleschaft mit ungelîchem muote kraft.
fr] Au regarder connoist on la personne.
fr] Au semblant cognoit on l'ome.
fr] Au semblant conoit l'en la gent.
la] A bonis disces bona, et malis te immiscens mentem amittes.
un] Embert a társáról, hogy ha nem magáról, könnyen megesmérheted

An den Getreideschößlingen erkennt man (noch nicht) das Getreide.
Estland

An den griechischen Kalenden
i] niemals, denn die Griechen rechneten die Tage anders als die Römer, hatten also keine Kalenden

An den großen Männern tröstet sich die Menschheit über die Erbärmlichkeit ihres Alltags.

An den Haaren herbeigezogen
en] farfetched - dragged in by the head and shoulders (o. by the ears)
fr] tire par les cheveux
it] tirato per i capelli (o. con gli uncini)

An den hab i schon lang a Gradn g'funden.
i] Ein Hindernis, wie eine im Halse steckende Gräte es ist

An den Hacken kann man sehen, ob einer kann gehen.
dk] Det kiendes paa hans hæle hvad helbred han haver

An den hohen Bäumen merkt man zumeist (o. am besten), woher der Wind weht.
Russland

An den Hörnern faßt man den Ochsen, am Wort den Mann.

An den Hunden liegt's nicht, wenn die Pferde sterben.

An den Hungerpfoten saugen
z] Im Jahre 1347 herrschte eine furchtbare Hungersnot im ganzen Lande (Elsass) und war großes Elend. Zur Erinnerung daran wurde das große Hungertuch gemacht, welches noch heutzutage von Aschermittwoch bis zum Sonntag nach Ostern über den Hauptaltar gespannt wird, um die Ornamente desselben zu verhüllen.
z] Dich soll lehren das Hungertuch, so man aufspannt (am Aschermittwoch vor dem Altarbilde) Abstinenz und Fasten.
z] . Den nechsten Sonntag darnach gibet man der Fassnacht vrlaub verbutzet vnd verhüllet sich aber, trinken sich voll, spielen vnd rasseln zuletzt. Alsdan folget die trawrige Fassnacht, darin essen sie (die Römischen) viertzig Tag kein Fleysch, auch nicht Milch, Käss, Eyer, Schmaltz, dann vom Römischen Stuel vnd gnad erkaufft. Da beichten die Leut nach ordnung. Da verhüllet man die Altar vnd Heiligen mit tuch vnd lässt ein Hungertuch herab, das die sündigen Leuth die Götzen nicht ansehen noch die heiligen Bilder die Sünder.
z] So müssens oft am Hunger gnagen.
en] to be starving
fr] tirer le diable par la queue - traîner la savate
it] patire (o. fare) fame
la] Cum exossis suum rodit pedem.
ndt]Am Hungertuche nehen.
z] Vnd muss am hunger Thuch selb nehen

An den Kater muss auch ein Freigeist glauben.

An den Kehraus denken.
i] Ans Ende

An den Kindern erkennt man die Eltern.
Estland

An den Kindern erkennt man die Mutter.
China

An den Klauen erkennt man den Löwen (o. die Katze, den Vogel).
z] Bedarf es denn immer der Klaue, dass man den Löwen erkenne? Auch nur eine Flechte seiner Mähne ist oft genug. Börne, Gesammelte Schriften, Hamburg 1840
i] Wird meist ironisch gebraucht, soll aber, nach Lucian, dem Phidias seine Entstehung verdanken, von dem man erzählt, er sei im Stande gewesen, nach der Klaue eines Löwen die allen Teilen proportionierte Gestalt eines Löwen zu fertigen.
en] Yoh know the lion by his claws.
fr] A la griffe, on reconnaît le lion.
fr] A l'ongle on connaît le lion.
fr] On connaît le cerf à ses abattures.
nl] Naar den klaauw moet het beest wezen.
nl] Uit den klaauw kent men den leeuw.
it] Dalle unghie si conosce il leone.
la] Ex ungue leonem.
la] Leonem ex unguibus aestimare.
sp] Por las uñas se descubre el león

An den Klauen erkennt man wohl den Löwen, aber die Klauen allein machen ihn nicht.

An den Klauen saugen.
fr] Il ronge son râtelier

An den Kleidern sieht man, was einer im Schilde führt.
bm] Ze satu se vidí obyčeje lidí.
pl] Szata wydaje człeka obyczaje

An den Kniegalgen, sagte jener, als ihn die Magd an den Galgen wünschte.
z] Kniegalgen' = obscoene sumitur pro exercitatio veneris, quasi dicas furca carnalis

An den Köder picken.

An den Krallen erkennt man die Katze (den Löwen).

An den kranken Zahn stößt die Zunge an.

An den Lämmern sieht man, was die Schafe tragen.
i] In Beziehung auf Kinderzucht

An den Lappen lern die hund leder fressen.
Luther
nl] Allengskens lappen leert die hont dat leer eten.
la] Particulis discit corium canis esse quod id seit

An den leplin (Läpplein) oder riemen leren die hund leder fressen.
la] Discendo dicere discunt.
la] Periculosum est canem intestina gustasse

An den Majoriten, nicht an den Minoriten muss man den Anfang zur Besserung machen, sagte Kaiser Sigismund.
i] An den hohen Orden

An den Mienen erkennt man den Schalk (o. Wirt).

An den Nagel kann man alles hängen.
Warmbrunn
i] Lerne in der Jugend soviel als möglich; es ist viel leichter, erlernte Fertigkeiten und Kenntnise ohne Anwendung zu lassen, als sie nachträglich zu erwerben, wenn man ihrer bedarf

An den Ohren erkennt man den Esel.

An den Ohren erkennt man die halben, am Schreien die Stocknarren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellum

An den Ort, wo ich gerne bin, zieht man mich an ei'm Härlein hin.

An den Pfoten saugen.

An den Pier kommen.
Meurs
i] Wurm, d.h. anlaufen, übel ankommen

An den Prozessen ist das Schlimmste, dass aus einem hundert entstehen.

An den Rabenstein kommen.

An den Rand
i] Anmerkungen zu Schriftstücken
la] ad marginem
Vergilius Maro grammaticus, Epistulae

An den riemen lernen die hund das leder fressen.
mhd] Fóne démo limble se begin nit tir húnt lèder ézzen. 10. Jahrhundert
fr] On ne commence jamais par de grands crimes.
la] A teneris assuescere multum est.
la] Canis a corio nunquam absterrebitur uncto. Horaz
la] Difficile est assueta relinquere.
la] Ligularum fur tandem et marsupia suppilat.
la] Periculosum est, canem intestina gustare

An den Rockschößen des Priesters klettert der Teufel auf den Turm (in den Glockenstuhl).
es] Por las haldas del vicario sube el diablo al campanario

An den russischen Monat denken.
i] Wenn man eine Züchtigung u. dgl. nicht sogleich ausführen kann, sondern eine günstige Zeit, eine passende Gelegenheit abwarten will, so bedient man sich der obigen Redensart in dem Sinne, wie wir sagen: Ich werde mir's hinter die Ohren schreiben.
pl] Popamiętać ruski miesiąc

An den Scherben erkennt man den Topf.
Persien

An den Scherben sieht man noch, wie der Topf war.
Frankreich

An den Scherben sieht man, was ein Hafen (o. Topf) gewesen.
i] An seinen Taten erkennt man den Menschen.
fr] On voit bien encore aux tessons ce que fut le pot

An den Schöffen liegt Gewinn und Verlust des Rechts.
[RSpW]
i] Nach ihrem Ausspruch muss der Richter entscheiden, er kann am Wahrspruch nichts ändern.
mhd] An den scheffen liget der gewin und die vorlust dez gerichts

An den Schwalben merkt man, dass es Sommer ist.
i] Die Schwalbe gilt sehr allgemein als Verkünderin des Frühlings. Ihre Rückkehr wird in Griechenland durch die Jugend gefeiert, die, wie bei uns am Lätare-Sonntag den Tod austreibend, dort am 1. März gabenheischend am Orte umherzieht, indem sie eine künstliche Schwalbe an einem Faden in die Luft fliegen lassen und Schwalbenlieder singen. In Polen lässt die Jugend die ersten Schwalben singen:
z] Es waren hier Schober die Menge, jetzt sind keine mehr da.
ndt] Als ik fut trock, as ik fut trock, was Hus und Huof voll, nu ik wi'er kuem, nu ik wi'er kuem, es alles verrîten, verslîten, vertrîten, versplîten.
la] Aestatem loquitur hirundo

An den Schwänzen der Schafe erkennt man den Hirten.

An den Spieß der Versuchung steckt der Teufel die meisten Braten.
Russland

An den Spieß gesteckt, so verdirbt nichts.
i] Grundsatz grausamer Feinde

An den Sporen erkennt man den Hahn.
nl] Aan kam en sporen kent men den haan

An den Stapfen kann man sehen, ob ein Pferd oder Fuchs gegangen ist.
bm] Vic chei čtyřem kolám včřiti, nez tčyřem nohám koňskyn

An den Strümpfen kann man sehen, wo das Bein zerbrochen ist.
nl] Het is wel van de kous te zien, waar het been gebroken is.
sd] Man kan snart see på strumpan, hwar beenet är sönder

An den Sünden der Frau ist der Mann nicht unschuldig.
Italien

An den Sünden des Schuldigen leidet der Unschuldige.
Armenien

An den Tag (o. ans Tageslicht) kommen
en] to come to light
fr] paraître (o. éclater) au grand jour
it] venire alla luce (o. a galla)

An den Taten, nicht am Kleid erkennt man den Heuchler.
es] Por las obras, no por el vestido, el hipócrita es conocido

An den Tod denken, ist der Weg zur Weisheit.
i] Den Arabern gegenüber hat man aber im allgemeinen jede Erwähnung des Todes zu vermeiden. Der Tod ist ein leidiges Wort; nur der im Glaubenskriege macht eine Ausnahme. Sogar wenn nach einer verstorbenen Person gefragt wird, darf man nicht geradezu antworten, sie ist tot, sondern muss umschreibend erwidern: Möge Gott ihr gnädig sein. Der Frager weiß schon, was das zu bedeuten hat. Auch hat man, wenn man eines Verstorbenen gedenkt, bei Nennung seines Namens zu sprechen: Sei mir Gott gnädig.
fr] Celuy a grant sapience, qui iour et nuict a la mort pense.
it] Quello tiene gran prudenza, che' alla morto sempre pensa.
la] Summa sapientia mortis memoria

An den Tod denkt er nicht, aber einen Sarg von Nussholz will er haben.

An den Tod muss jeder einmal glauben.

An den Wänden deines Hauses erkennt man, dass du ein Köhler bist.

An den weißen Stab kommen.
i] Zum Bettler werden

An den werken erkenn dein freundt und in nöten beware denselben.

An den Werken erkennt man, wie das Herz gesinnt sei.
z] Bei den wercken erkennt man wohl, ob das Herz sey liebe vol

An den Werken kann man's merken.
nl] Aan de werken zal men 't merken

An den Worten erkennt man den Mann.
nl] De woorden doen den man kennen

An den Worten erkennt man den Toren, wie den Esel an den Ohren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellos

An den Worten höret man, wes Geistes Kind er ist.
la] Effoeminatorum etiam oratio effoeminata.
la] Mihi quale ingenium habere, fuit indicio oratio

An den Worten kent man den thorn, bei dem Angesicht den Morn.

An den Wundern erkennt man die Heiligen.
Frankreich
fr] C'est aux miracles que l'on connaît les saints

An den Zähnen kennt man die Pferde.

An den Zäunen findet man keine gebratene Tauben.

An der Allmende hat der König den Boden, der Bauer den Wald.
[RSpW]
i] Der Grund und Boden gehört der Gemeinde, das Holz, oder was sonst darauf wächst, aber der Benutzung der Insassen. Denselben Sinn hat auch der Spruch: Dem Könige die Erde, dem Bauer das Holz.
dä] Allminnig thaerac a koning iord oc bonda er skogh

An der alten Jungfer nagt jeder wie der Hund an einem Fleischknochen.
Estland

An der Anewand siyn.
Westfalen
i] Einen Wendepunkt erreicht haben. Wenn der Pflüger durch ein anstoßendes Feld oder einen Weg usw. genötigt ist, auf dem Acker selbst, den er pflügt, umzuwenden, so bleiben die Enden desselben vorläufig ungepflügt. Dieser Streifen, der später der Breite nach umgebrochen und mit Querfurchen versehen wird, heißt: Anewand, Anewenne, Anwende

An der angeführten Stelle.
i] Zitat
la] l. c. (loco citato)

An der Angel der Wahrheit beißen nur kleine Karpfen; mit dem Netz der Lüge fischt man große Lachse.
Russland

An der Arbeit erkennst du den guten Handwerker.
Litauen

An der Arbeit erkennt man den (guten) Arbeiter.
fr] A l'ouvrage on connaît l'ouvrier.

An der Arbeit erkennt man den Meister.
Rumänien

An der Arbeit erkennt man den Täter (d. i. den Arbeitenden).
Estland
fr] A l'ouvrage on connaît l'ouvrier.
nl] Aan het werk kent men den Werkman

An der Armen Truh wischt jedermann die Schuh.
bm] O chudého se kazdý otře. - Ubozí nebozí. Na kohoz vsecko zlé, nez na chudčho?
nl] Aan den arme will jeder zijne schoenen aufwisschen.
kroat] Kam íe vse zlo, neg na bogca?

An der Armut will jeder den Schuh (ab)wischen.
la] At nunc barbaries grandis habere nihil.
la] Pauper ubique jacet. Ovid
la] Mendico ne parentes quidem amici sunt. Tappius
un] Kutya is a szegényt hamar megugatja

An der Armut wischt jedermann die Schuhe.

An der Ausdauer erkennt man den Mann.

An der beste War deit mer de beste Kauf.
Köln

An der besten Tafel kann man harte Brocken schlucken.

An der Blüte erkennt man die Frucht.

An der Brühe erkennt man das Fleisch.

An der Diebe Schwören darf man sich nicht kehren.

An der Egge fehlt kein Zahn.
i] Die Sache ist in Ordnung, in gutem Stande. Der Ton liegt auf 'der'

An der ersten Lüge ist noch niemand gestorben.

An der Eselsbrücke stehen bleiben.

An der Ewigkeit knappen.
Rottenburg
i] Mit einem Geschäft nicht fertig werden

An der Fahn' kennt man den Mann.

An der Fahne allein soll niemand unser künftig Volk erkennen; es muss sich alles verjüngen, es muss von Grund aus anders sein; voll Ernsts die Lust und heiter alle Arbeit! nichts, auch das Kleinste, das Alltäglichste nicht ohne den Geist und die Götter!
Hölderlin (1770-1843), Hyperion

An der farb erkennt man das Tuch, am geschmack den Wein, am geruch die Blume, am reden den Mann.

An der Ferse der Arbeit.
Altgriechisch (Am Schluss)

An der Flagge kann man sehen, wie der Wind ist.
nl] Men kan aan de vlag zien, hoe de wind is

An der Freude leichtem Gängelband.
Schiller, Die Götter Griechenlands

An der Frucht kann man den Baum erkennen.
Georgien

An der Fuhr bin i selber schuld, hat der Ochs gsagt, wie er 'n Mist hat aufs Feld ziachn müssen.

An der Futterkrippe sitzen
en] to feed at the public trough
fr] tenir l'assiette au beurre
it] mangiare alla greppia

An der Galanterie muss was schlumpern.

An der Gaukelei teilnehmen und auf der Bühne eine anständige Rolle spielen, das kann jeder; aber im Inneren und in seiner Brust, wo alles für uns erlaubt ist und wo alles verborgen bleibt, dort mit sich im Reinen zu sein, das ist der springende Punkt.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

An der Geduld erkennt man den Mann.
i] Geduld bezeichnet hier männliche Ausdauer im Kampfe, keineswegs das feige Hinnehmen jedes Unrechts

An der Gesellschaft erkennt man die Leute, sagte die Henne, als sie Enten ausgebrütet hatte und am Hühnerstall vorüberging.

An der Gesellschaft erkennt man die Leute.

An der Grenze ist übel wohnen.
bm] U samých hranic neni dobre chalupu staveti

An der Größe liegt nicht viel.
i] Die geistige Bedeutung eines Menschen hängt nicht von seiner körperlichen Größe ab

An der Größe liegt's nicht, sonst wär' ein Mühlstein mehr wert als ein Edelstein.

An der Hagebutte sieht man nicht, dass sie einst eine Rose gewesen ist.

An der hänffen Sucht verderben.
i] Gehängt werden

An der hund hincken, huren (buhlschwester) wincken, frawen weinen und krämer schweren soll sich niemand (kein weiser an)keren.
z] Du aber sollst dich an der Hund hincken, der Metzen wincken, der Frauen weinen, der Kinder greinen, der Krämer schwören nicht ein Dimplein kehren.
z] Weist das sprichwort: an frawen weinen, an hund hincken auff dreyen beinen und darzu auch an Kaufmanns schweren soll sich kein weiser man an kern.
z] An alter Bummler Trinken, an junger Mädchen Winken, an alter Weiber Zähren und mancher Fürsten Schwören, da soll sich niemand kehren.
mhd] An hundes hinken, frawen wainen und krâmer schweren, dâ darff sich kain man an keren. Fastnachtsspiel
bm] Kdyz pes spí, zid přisahá, zena pláče, nevĕř.
dä] Naar hunde hinker, horen vinker, qvinder græde, kræmmere svære, derom skal sig ingen kere.
nl] Aan der honden hinken, aan der hoeren winken, aan des kramers zweren, en des wijfs begeeren zal men zich niet keeren.
la] Phoenicum pacta.
pl] Kiedy pies śpi, żid przysięga, pijany się modłi, a białogłowa płacze, rzadko wierzyć trzeba

An der Hunde Hinken und der Kaufleute Schwören soll sich niemand kehren.

An der Hunde hinken, an der Huren Winken, an der Weiber Zähren und des Krämers schwören, soll sich niemand kehren.

An der Hütte des Hirten klopft der Hunger nie an.

An der Inquisition soll sich niemand reiben.
i] Es soll sich keiner unterstehen, das Verfahren derselben zu tadeln

An der Jahrzahl erkennt man den Wein nicht.

An der Jugend ist alles lieblich.
la] Pueritia semper amabilis

An der Kette wird auch der Hund schneller alt.
Estland

An der Kinder Weis' erkennt man der Mutter Fleiß.

An der Klaue erkennt man den Löwen.
Plutarch, De defectu oraculorum

An der Kleidung des Mannes kann man erfahren, wie seine Frau ist.
Russland

An der Kleidung kennt man den Toren, wie den Esel bei den Ohren.

An der Kleinkinderschule würdest Du Deine Freude haben, und auch die große Schule ist

An der Klippe immer noch weiter ist schon manches Schiff gescheitert.
fr] Les ambitieux font toujours naufrage au - plus ultra

An der Klippe ist schon manches Schiff zerschellt.
nl] Op die klip heeft zich zoo menigeen gestooten

An der Knospe schon erkennt man die Frucht.

An der Knospe sieht man schon, was eine Rose werden will.

An der Kralle erkennt man den Löwen.
i] Einen hervorragenden Menschen erkennt man oft an Eigentümlichkeiten, die an sich unbedeutend, für ihn aber charakteristisch sind.
fr] A l'ongle on connaît le lion.
it] Dall'unghia si conosce il leone

An der Krämer Schwören soll sich niemand kehren.
bm] Kupecké vĕrováni a zenský pláč na korec es nemĕrî.
la] Phoenicum pacta

An der Krone erkennt man den Kaiser.

An der Ladenpforte sind viele Freunde und Genossen, an der Pforte des Elends weder Genossen noch Freunde.
Asien

An der Latt sein.
i] Eine Strafe abbüßen

An der Leine fängt der Hund keinen Hasen.
Bulgarien

An der Macht ist der Mensch so gern alleine.

An der Madonna ist's noch gut, an Sanct-Rochus hat's zu sehr warten lassen.
Mailand

An der Männer Schwören, an der Frauen Zähren soll sich niemand kehren.
z] Den Schwüren der Männer und den Ttänen der Frauen ist niemals zu trauen.'
it] Ad uomo che giura, ed a donna piangente, non creder mai niente

An der Narrenkappe muss jeder sein Teil haben.
i] Die Narrenkappe ist eine an den Zipfeln mit Schellen versehene Kappe, dergleichen ehemals die Hofnarren trugen.
z] Tragt die Kappe willig, habt nur Mut, ein Narr zu sein; klug zu sein, ist billig

An der Nase ziehen
la] naribus trahere

An der Nasenspitze kann man doch den Mann nicht erkennen.
Estland

An der öffentlichen Krippe liegen.
i] Von den Einkünften eines Amtes leben

An der Pfaffen scheinen, an der Frauen weinen, an der kramer schweren soll sich niemand kehren.

An der Pisangpalme der Tatkraft wachsen die Bananen des Ruhms.
Ägypten

An der Priester Leben kehrt man sich mehr als an ihre Lehren.

An der Quelle ist (o. schmeckt) das Wasser am reinsten (besten).

An der Quelle ist auch die Wolga nicht tief.
Russland

An der Raufe nagen.
i] Not, Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen leiden; am Hungertuche nagen.
fr] Ronger son râtelier, sa litière

An der Raufe sein.
en] To lie at rack and manger

An der Red erkennt man den Mann.

An der Red' erkennt man den Toren wie den Esel an den Ohren.
la] Ex verbis fatuos, ex aure tenemus asellos

An der Reinlichkeit erkennt man die Hausfrau fein, Schmudelei verrät ein Schwein.

An der Schale beißt sich mancher die Zähne aus, eh er zum Kern kommt.

An der schönen blauen Donau.
i] Kehrreim des Gedichts 'An der Donau' von Karl Beck

An der Schrift erkennt man den Schreiber.
nl] Men ziet aan het schrijven wel, wat klerken het zijn

An der schwarze Tafel stoh.
Hauenstein im Aargau
i] Gantverpfändung, öffentlicher Zwangsverkauf

Än der schwarzer Jêrd (Erde) gerêt gât Kiren.
i] Auch wohl scherzhaftes Schmeichelwort für Brünetten, fast in dem Sinne wie Acker

An der Schweine Waschen ist Seife und Lauge verloren.

An der Schwelle des Hafens sein.
la] In limine portus esse. Virgil

An der Schwelle des Todes bittet ein Mann um das Fieber.
Armenien

An der Schwindsucht stirbt man (entweder dann), wenn die Blätter im Herbst vom Baum fallen oder wenn die Blätter im Frühling an den Bäumen treiben.
Estland

An der Seite von: 'Ich werde das tun' stand: 'Noch nicht getan'.
Afrika

An der Sonne ist es warm, aber bei Muttern ist es gut.

An der Sonne öffnet sich die Rose.
i] Warmherzigkeit schafft Vertrauen

An der Sprache erkennt man das Regime.

An der Stiefmutter Grabe weinen.
i] Von erheuchelten Tränen

An der Stimme erkennt man Mensch und Vieh.

An der Stinkblume merken, dass es nicht nach Rosen riecht.
Russland

An der Stirn ist auf der Stirn.
Russland

An der Stirn kann man sehen, wie einer beschaffen ist.
es] No se mide el hombre que para la frente

An der Stirn sieht man nicht das Hirn.

An der Stirn zu lesen ist des Menschen Wesen.
la] Frons animi janua

An der Straße steht ein Haus, da mancher macht ein Tadel draus; wenn jeder dächte nur an sich, so gäb' es keine Feinde nich.

An der Suppe großer Herrn soll man sich den Mund nicht verbrennen.

An der Tafel des Gastmahls gibt's mehr Freunde als an der Tür des Kerkers.

An der Tafel kommt zuerst der Abt, dann der Küchenmeister und dann ich, sagte der Hofnarr, der Herrgott isst bei uns mit den Armen.

An der Tafel muss man nicht vom Tode reden.
i] Man soll nichts sprechen, was den Umständen, dem Orte, der Zeit oder den anwesenden Personen nicht angemessen ist.
it] Non ragionar (ricordar) de'(i) morti a tavola

An der Tafel wird man nicht älter.
it] A tavola non s' invecchia

An der Tanne kann kein Äpfelchen wachsen.

An der Tat liegt die meiste Macht.

An der Theologie und an Stockfischen ist die Tunke das Beste.

An der Tugend Blüte denken, macht alle Seufzer kränken.

An der Tür des Paradieses steht geschrieben: Nie in ihrem Leben hat eine Schwiegermutter ihre Schwiegertochter lieb gehabt.

An der Tür des Tauben klopf' so oft du willst.
Griechenland

An der Tür des vollen Gewölbes drängen sich Freunde und Verwandte, aber die kalte Küche ist leer.

An der Tür sollt es geschrieben stan, Hurenleben ist zum tot ein ban.
la] Scribatur portis, meretrix est ianua mortis

An der Wahrheit sein.
i] Auf der Erde vollendet haben

An der Warte und am Bauen liegt mehr als am Kosten.

An der Weiber Zähren, an der Bauern Geren und der Spieler Schwören soll sich niemand kehren.
fr] Femme rit quand elle peut et pleure quand elle vent.
fr] Femme se plaint femme se malade femme se deult quand elle veut.
it] Due sorte di lagrime negli occhi delle donne una di dolore, altra d'inghanni.
it] Le donne sono simile al coccodrille: per prendere l'uomo piangane e presso lo divoranno.
la] Foemina dum plorat, dum rusticus ebrius orat, dum lusor jurat nihil haec devotio durat

An der Welt ist alle Straff verloren.

An der Welt ist Tauf und Krisam verloren.
Luther

An der Wende der Zeiten sind die Denkenden eine Saat, über das Feld gestreut.
Heinrich Mann, Ein Zeitalter wird besichtigt

An der westlichen Küste von Afrika gebrauchen sie [die Engländer] die Neger selbst in ihren großen Besitzungen, und es ist gegen ihr Interesse, dass man sie dort ausführe. In Amerika haben sie selbst große Negerkolonien angelegt, die sehr produktiv sind und jährlich einen großen Ertrag an Schwarzen liefern. Mit diesen versehen sie die nordamerikanischen Bedürfnisse, und indem sie auf solche Weise einen höchst einträglichen Handel treiben, wäre die Einfuhr von außen ihrem merkantilischen Interesse sehr im Wege, und sie predigen daher, nicht ohne Objekt, gegen den inhumanen Handel.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 1.9.1829

An der Zunge des Bewerbes hüpft der Name des Geliebten.

An der Zunge erkennt man den Kopf (Menschen).

An derselben Klippe scheitern.
i] Auch: An dieselbe Klippe stossen, d.h. in Ausführung eines Planes durch etwas gehemmt werden, was schon andern bei Verfolgung derselben Absicht ein Hindernis gewesen ist.
la] Haerere in eisdem scopulis. Offendere in eundem scopulum

An derselben Sucht krank liegen.

An des anderen Vorteil denken, wird zum eigenen werden.
China

An des Armen Barte lernt der Junge scheren.
var] An armer Leute Bart lernt der Junge scheren.

An des Herren Sohlen hangt der beste Mist.
nl] Aan de voetzolen des meesters hangt de beste mest

An des menschen stirn kan man sein frommkeit nicht spürn.

An des Nachbarn Fall soll man sich spiegeln.

An des Narren Barte lernt das Messer scheren.
it] A la barba de' pazzi il barbier impara a radere.
la] A barba stulti discit tonsor.
la] Audax in barba stulti novacula.
pt] Na barba do nescio aprendem todos a rapar.
sp] A barba de necio aprenden todos á rapar

An des Pfarrers Rockschößen klettert der Teufel in den Glockenstuhl.
Spanien

An des Schläfrigen Angel beisst ja kein Fisch.
Estland

An des Schwätzers Kopfe ist nicht viel Gutes zu sehen.
Surinam
en] He tat is a blab is a scab.
nl] Laat geene klappers in uw huis wonen, want zij draagen veel in en uit

An des Täters Kopf hängt die Tat den Zopf.

An des Tauben Tor muss man stark klopfen.

An des Tigers Grabe hört man kein Wehklagen der Antilopen.
Abessinien (Um den Gedanken auszudrücken, dass der Tod eines Tyrannen von dem Tyrannisierten nicht beklagt wird)

An des Todes Seil kommen.

An des Waisen Kopf lernt der Barbier zu rasieren.

An des Wartenden Angel beißt der Fisch.
Estland

An di is kên Haar gôds.
Altmark
hdt] An der ist kein gutes Haar

An dickes Drutscherl.
Oberösterreich
i] Eine dicke weibliche Person mit plumpen Körperbewegungen

An die ärgere Hand fallen.

An die Arznei glauben, macht sie wirksam.
Indien

An die Berge scheint die Sonne zuerst.

An die Diern drängen s' sik an as die ollen Wiewer an'n Fischwågen.
ndt] An das Mädchen drängen sie sich ran, wie die alten Weiber an den Fischwagen

An die falsche Adresse geraten.
i] Nicht den Richtigen treffen.
en] To come to the wrong address (o. shop, house). - To mistkae your man. - To knock at the wrong door. - To bark u the wrong tree (coll)
fr] Se tromper d'adresse.
it] Capitar male

An die Fersen gewachsen sein.
i] Er war seiner Mutter an die Fersen gewachsen

An die Flabben schlagen.
i] Backen, Wangen, flabben, auch flappen = mit Schall küssen, auch unmässig küssen, schmatzen

An die graue Hûr (Haren) derkennt män die Juhr.
Jüdisch-deutsch, Warschau

An die guten Tage soll man denken und die bösen überwinden.
en] Think of ease, but work on

An die Hütte des Hirten pocht der Hunger nicht.
Spanien

An die letzte Wohltat erinnert man sich am besten.
England

An die Löwenhaut einen Fachsbalg nähen.

An die niedrige Mauer lehnen sich alle.
Italien

An die Person gebundener (d.h. nicht vererbbarer) Klageanspruch
la] actio personalis [RSpW]

An die Schlange beiß' ich nicht an, sagte der Bub' zum Pastor; da sollte er in der Kinderlehre den Sündenfall erzählen.

An die stangen kommen.
i] In Streit, in Kampf mit jemandem geraten

An die Stelle der eigenen Vernunft tritt die Majorität.
la] Stat pro ratione numerus!
Bismarck, im deutschen Reichstag, 12. 6. 1882; 24.1.1887

An die tote Hand kommen.
i] Von einem geistlichen Stifte erworben werden

An die unrechte Tür anklopfen (anbossen).

An die Wegscheide kommen.

An die Zuschauer (gerichtet)
i] von der Bühne aus unmittelbar ans Publikum
la] ad spectatores

An Diem der Iésel (Esel) behôrt, begrôt hier auch.

An diesem Ende des Marktes erzählte er eine Lüge, am anderen Ende glaubte er sie selbst.
Türkei

An diesem Feste wird nicht anders getanzt.
i] Wenn man zwar etwas im allgemeinen als unziemlich betrachtet, aber zugibt, dass es an einem gegebenen Orte, bei einer bestimmten Gelegenheit nicht zu vermeiden sei, z.B. wenn man im Bade sich entkleidet, in einer Gesellschaft Trunkener etwas übers rechte Maß mitgeht, unter Weibern den männlichen Ernst fahren lässt u.s.w. Entlehnt von den Festen, an denen bestimmte Gebräuche üblich und schwer zu ändern sind. Wenn Kirmes ist, hörte ich einen schlesischen Bauer sagen, so ist Kirmes. Und einen anderen: 'S wird fortgesoffen, 's ist Kirmes

An diesem Seil muss man nicht ziehen.
i] Muss sich an der Sache nicht beteiligen, nicht daran mit arbeiten

An diesem Strick hängt unser Glück, sagte der Schulze, da hing er das Bild des Landrats aus dem Fenster.

An diesem Strick muss man nicht ziehen.
nl] Gij moet aan dat touwtje niet trekken

An diesem Tische hat kein Afterredner Statt.
i] Augustus hatte über seinen Speisetisch geschrieben: Quisquis amat dictis absentum rodere famam, hanc mensam vetitam noverit esse sibi.
la] Absint offensae, cum fit celebratio mensae

An dieser Stelle
la] hoc loco
Cicero (103-43 v. Chr.), In Verrem

An d'r Nase 'rumführa.
i] Hinhalten, zum Besten haben

An drei Dinge soll sich niemand kehren: an der Krämer Schwören, an der Hunde Hinken, an der Huren Winken.

An drei Dinge soll sich niemand kehren: an der Spieler Schwören, an der Bauern Geren und an der Weiber Zähren.

An drei Dingen erkennt man den Fürsten: bei Haltung gegebener Zusagen, reiner Straße und guter Münze.

An drei Dingen erkennt man den Menschen: an seinem Beutel, an seinem Becher, an seinem Zorn.
Talmud

An drei Dingen erkennt man den Sohn Abrahams: Gerechtigkeit im Herzen, Bescheidenheit des Geistes und Mäßigung in seinen Wünschen.
Hebräisch

An drei Dingen erkennt man den Weisen: Schweigen, wenn Narren reden, denken, wenn andere glauben, und handeln, wenn Faule träumen.
fr] Cinq propriétés caractérisent le sage: Ne pas interrompre celui qui parle, écouter et réfléchir, ne faire de questions que celles qui mènent à un but, répondre à propos et par ordre, le sot fait tout le contraire

An drei Dingen erkennt man des Menschen Sinn in der Welt: im Trunk, im Zorn und am - Geld.
fr] Trois choses font connaître l'homme: la bouteille, la bourse et la colère

An drei Dingen erkennt man, ob jemand verheiratet ist oder nicht: wenn seine Haare aus dem Hute, seine Ellenbogen aus dem Ärmel und seine Zehen aus den Strümpfen hervorsehen.

An drei Dingen fehlt es noch immer in der Welt: an Münze, Holz und guten Freunden.

An drei Dingen ist immer etwas zu flicken: an einer Mühl', einer Uhr und eines Weibes Tücken.

An drei Dingen ist in Westfalen nicht Not: an dünnem Bier, langen Meilen und grobem Brot.

An drei Dingen kan Mancher den Tod erwischen: an Kalb, junge Hünle und rohen Fischen.
la] Vitalus, pulli et pisces condi mortem multis pariunt

An drei Dingen kann man erkennen, ob einer klug ist: wenn er seinen Zorn mäßigen, sein Haus wohl regieren und einen guten Brief stellen kann.
z] Das erste betrifft seine Begierden, das andere sein Leben und Wandel, das dritte sein Verstand

An drei Dingen wird erkennt ein schlechtes Regiment: wenn der Zehrstand blüht, der Nährstand flieht (auswandert) und der Lehrstand vervieht (verdummt).

An drei Orten erweist man sich keine (o. nicht die) Ehre: im Gefängnis, im Klosett und im Schwitzbad.
Israel

An drei Schöffen nimmt der König die Wahrheit.
[RSpW]
i] Zur Schöpfung des Urteils waren drei Schöffen erforderlich.
bm] Konsel jest krále úředník. - Konsel jest obecného dobrého sluzebníkem.
nl] Die waerheyt sol hij (de conick) nemen an drie Schepenen

An drei Stücken mangelt es den Menschen: am Anfang, Mittel und Ende.

An dreien Dingen wird es der Welt noch vor dem Jüngstentag mangeln: an Holz, an guter Münz und an guten Freunden.

An dreien ist kein Segen: an dem, der alles kauft, an dem, der sich immer nur auf die Verdienste seiner Eltern (Ahnen) stützt, und an dem, der den Erlöser bringen möchte.
i] Der erste ist arm oder verarmt bald, der andere hat kein eigenes Verdienst und der dritte befindet sich in schlechten Umständen.

An dreierlei Leuten ist kein Mangel: an Priestern, Juden und Huren.

An dronken Wüüf as an Engel uu-nt Bâd.
Amrum
hdt] Ein trunken Weib ist ein Engel im Bette

An dummen Leuten fehlt's nicht.
fr] Plus de gens bestes que d'asne chrestien

An dummen Leuten sind Rüben und Sack verloren.

An Dunckel (Dünkel) bind man kein Pferdt.

An e Sod is kân Broche.
hdt] An einem Geheimnis ist kein Segen (berächah).
i] Als Bemerkung, wenn man sieht, dass einer dem andern was in die Ohren raunt

An Ehren ab, an Schanden auf, das ist der Welt Lauf.

An Ei is en Gräul und en groß Geschrei um en Brei (Bereitung, Gericht).
Sauerland

An Eigen ist die rechte Leibzucht der Frauen.
[RSpW]
i] Leibzucht (Leibgedinge, Wittum) ist das dingliche Nutzungsrecht, das der Mann vor oder nach Eingehung der Ehe für den Leib, d.i. für das Leben der Frau gerichtlich an seinen Liegenschaften, also an wahrem Eigen und nicht an Fahrhabe bestellte, um das Bestehen derselben im etwaigen Witwenstande zu sichern. Dies Nutzungsrecht erlosch mit dem Tode der Frau

An Eigennutz und Tand wird der Mensch erkannt.
nl] Eigenbaat is de toetssteen der menschen

An eim fluss ein prunnen graben.

An eim schwartzen Kessel reibt sich niemand weiß.

An ein faules (stinkend) Fass legt man keinen silbernen (kostbaren) Reif.

An ein Mädchen muss man immer von rechts herangehen.
Russland

An ein schlechtes Buch macht man keine silbernen Klausuren.

An ein schön Spiel denkt man gern.
fr] A beau jeu, beau retour

An ein stumpfes Messer braucht man keine goldene Klinge zu setzen. Soll am Messer eins von Blei sein, dann lieber der Griff als die Schneide.
Russland

An ein ungeschauts Tuch schlägt man kein Blei.

An eine alte Sünde darf man sich nicht erinnern.
Estland

An eine böse sache soll man einen trunck Wein gießen.
z] Mit dem Gegenteil einen Trunk tun, so wird sie vertragen

An eine böse Ziege bindest du deine nicht an.
Ruanda

An eine Hure gepicht sein.
z] Wir Deutschen reden, wer an eine Hur gepicht ist, der' u.s.w

An eine reine Quelle soll man mit reinem Eimer gehen.
Russland

An eine schwache (o. schwankende) Wand muss man sich nicht lehnen.
dk] Ondt er at støtte sig til ludende væg.
nl] Tegen eenen zwacken muur zal men niet leunen

An eine Wand, so den Fall droht, pisst kein Hund.

An einem Aalschwanz bleibt keine Klette hangen.

An einem Abend kann man nicht zwei Räusche haben.

An einem Abend verduftet, was den Sommer über erschuftet.

An einem alten buhler will jedermann ein Narren haben.

An einem alten Haus hat man immerdar (o. immer was) zu flicken.
en] An old sack asked much patching

An einem alten Knochen nagt selbst ein Hund nicht mehr.

An einem Alten und einem Buben ist jede Wohltat verschwendet.

An einem andern kann man leicht sehen, was man Lust zu tadeln hat.

An einem Bein nagen muss man nicht mehr.

An einem braven Herzen prallt das Unglück ab.
Spanien

An einem Christen stirbt nichts, nur sein Creutz und elend.

An einem Diamantenkoller hat sich schon mancher Frauen Tugend erhängt.

An einem Esel hast du einen Sohn, an einem Schwiegersohn hast du nur einen Esel.
Kurdistan

An einem Feste muss man keine Perlen verlieren.
Arabien (Denn man wird sie nicht wieder bekommen, weil an diesem Tage das Gesindel obenauf ist)
fr] Aux bonnes fètes les bons coups

An einem Filzhut Schnüre tragen.
i] Um allzu große Vorsicht zu charakterisieren

An einem Fuchs bricht man nicht Wildbann.

An einem Gaste und an einem Weibe hat man nach drei Tagen genug.

An einem Gaste und einem Weibe hat man nach drei Tagen genug.

An einem gefällten Baum wetzen alle ihr Beil.
Aserbaidschan

An einem Geheimnis ist kein Segen.
Jüdisch-deutsch] An e Sod is kaan Brooche

An einem gehenden Mühlrade gibt's keine Spinnweben.
nl] Daar wast geen spinrag aan een' draaijenden molenkam

An einem Geschlagenen will (ein) jeder zum Ritter werden.
la] Cadente quercu quilibet signa tecat

An einem Gliede kalendern.
i] Von denen, welchen alte Schäden den Wetterwechsel melden

An einem goldenen Stricke führt der Hase den Löwen.

An einem großen schalk verwandelt sich selten der alte Balg.
la] Homines extremae malitiae nunquam aut raro fiunt meliores

An einem Haar zieht man mich hin, wo ich gern bin.

An einem Halm wachsen ja nicht zwei Ähren.
Estland

An einem Handwerk trägt man nicht schwer.
bm] Remeslo plece netízí, a s ním blaze.
dä] Godt haandverk er en god tære-penge som let bæres

An einem Jesuiten bricht man kein Gesetz und an einem Fuchse keine Wildbahn.

An einem jungen Weibe frisst ein alter Mann einen sanften Tod.

An einem Karren mit jemandem ziehen.
i] Mit jemand gleiches Interesse haben oder gleiches Schicksal dulden müssen.
la] Idem jugum trahere

An einem kleinen Splitter kann ein großer Mann ersticken.
en] A mote may choke a man

An einem Kopf, der schlecht geschoren, ist die Ehr' verloren.

An einem Mädchen und einem Weinstock sieht man nichts, bis sie den Rock hochziehen.

An einem Mann fehlt's keiner schönen Maid, wie an Prozessen guten Advokaten zu keiner Zeit.

An einem Mann wird hochgepreist, wenn ehr und tugend er beweist.

An einem morschen Seil darf man nicht zu stark ziehen.

An einem nackten Schaf ist nischte abzuscharen.

An einem Nagel hängt sehr viel.

An einem närrischen Weibe soll sich keiner reiben.
fr] A femme sotte nul ne s'y frotte

An einem nassen Sack kann man sich nicht trocknen.

An einem Nestore ist mehr gelegen, denn an zehn Ajacen.
i] Weisheit geht über Stärke

An einem neuen Sacke bleibt das Mehl hängen.
nl] Aan nieuwe zakken blijft het meel hangen

An einem Ort ich gern bin, da zög man mich mit einem Härlein hin.
la] Quando libens graditur crine vir attrahitur

An einem Ort zu bleiben heißt, sich durch seine Nachbarn schützen.
Bantu

An einem Ort, wo ich gerne bin, zieht man mich an einem Härlein hin.

An einem Pfennig sieht man wie ein Gulden gemünzt (geschlagen) ist.
nl] Aan een' penning ziet men, hoe een gulden gemunt is

An einem Platz ohne Hunde lehre die Katzen bellen.
Georgien

An einem Rade, das sich dreht, wächst kein Moos.
nl] Daar wast geen mos aan een' draaijenden molenkam

An einem reichen Mädchen sieht man den Buckel nicht.

An einem Rocken mit jemandem spinnen.

An einem rotzigen Buben und einem lausigen Heinsel (= Fohlen) soll man nicht verzweifeln.
Franken

An einem runden Tische ist jeder Platz der erste.
en] At a round table there's no dispute of place.
fr] Ronde table ôte le debat.
it] A tavola ronda non si contende del luoco

An einem rußigen Kessel kann man sich nicht sauber reiben.

An einem rußigen Kessel macht man sich schwarz.
Franken

An einem Sack guten Korns soll man, wenn man ihn aus der Mühle zurück empfängt, nicht mehr Mangel spüren, als wenn man mit einer Rute ins Wasser schlägt.
[RSpW]
i] Damit wurde im alten deutschen Recht ausgedrückt, dass der Müller seine Mahlgäste nicht übervorteilen solle

An einem schlechten Tag werden die Kinder aus deiner Sicht fliehen.
Kenia

An einem schlechten Wochentage davongehen.
Schlesien

An einem schmutzigen Sack (o. Lumpen) kann man sich nicht sauberwaschen (o. -wischen).

An einem Schneeball saugen.
nl] Hij zuigt aan een' sneeuwbal

An einem schönen Mann sieht Kleidung schön aus.
Russland

An einem schönen Singvogel findet man ja nicht immer ein schönes Kleid.
Estland

An einem schönen Tage muss man nicht ohne Mantel (Schirm u.s.w.) ausgehen.
i] Vorsorge ist nützlich.
sp] El dia de calor, ese te arropa mejor

An einem schwachen (morschen) Seile muss man gelinde (nicht zu stark) ziehen.
z] Mit eim seil das bös ist und schwach, soll man ziehen allgemach.
mhd] Mit kranken seilen sal men lyslik trecken.
la] Funibus utendam parce qui robore cassi.
dä] Man kan ei drage haard med brudet reb.
nl] Aan een krank zeel zal men zachkens trekken. - Mit enen cranken repe sal men liselic trecken.
la] Paulatim trahere non forti consule reste

An einem schwachen Stricke darf man nicht stark ziehen.
nl] Aan een kwaden reep moet men zachtjes trekken

An einem schwarzen Rocke sieht man die kleinste Faser.
i] Eine Nachlässigkeit des Hirten verdirbt die ganze Herde. Der geringste Fehler im geistlichen Stande gebiert die unverzeihlichsten Sünden im bürgerlichen

An einem Seil miteinander ziehen.
i] Entweder sein Mitschuldiger oder mit ihm eines Sinnes sein, ein gemeinschaftliches Geschäft mit ihm besorgen, ein Schicksal mit ihm tragen

An einem sommerlangen Tage kann man viel sagen.

An einem starken Baume ist gut anhalten.
fr] Il faut se tenir au gros de l'arbre.
nl] Men moet zich altijd vasthouden aan het dikste van den boom

An einem Stocke, dar Hummeln in seyn, soll man nicht klopfen.
z] Denn sie fliegen gern aus und stechen

An einem Strang mit jemandem ziehen.
i] Mit ihm einig sein oder gemeinschaftlich mit ihm ertragen, bekämpfen, betreiben

An einem Tag kann eine Maus nicht verfaulen.
Sambia

An einem Toren ist immer Hopfen und Malz verloren.
it] Si perde molto per esser stolta

An einem toten Adler rupft jede Krähe.

An einem Toten muss man ein Schwert nicht versuchen.
i] Abwesende und Tote nicht in verleumderischer Weise angreifen.
bm] Meče na mrtvém nezkousej

An einem unsaubern Troge stirbt kein Schwein.

An einem vertrunkenen Kalb ist viel zu wagen.
ndt] 'N verdrunken Kalf is sagd to wagen.
Ostfriesland

An einem vorgeworfenen Bissen ist noch niemand erstickt.
i] In Bezug auf vorgeworfene Wohltaten

An einem Weib und einer Mühl ist jmmer zu bessern und zu flicken.

An einem Weibe kann sich der Mann keine Ehre erschlagen.
nl] Men kan geene eer aan een wijf slaan

An einem Weibe, einer Mühle und einem alten Hause ist immer etwas zu verbessern.

An einem weichen Ei kann man neun oder achtzehen Schanden begehen.
z] Das alt sprichwort sach: neun schand man ob eyen Ay entpfach.
z] Man sagt im Sprichwort, dass neun schanden an einem weichen Ey zu begehen seyen . Da sich einer beschmieret, mehr als einen Streich auffs Ey thut, vom Brodt beisset, die Schale zubricht, oder aus dem Ey trincket, zweimal saltzet, und was dess Dinges der Höflichkeit mehr ist.
z] Dass er fürhin nicht Brodt und Bisslein schneid, das Ey nicht am rechten Ort auffschläget, vmbrühret, reyn aussisset, nit recht wider die schalen vor sich legt

An einem weißen Kleide sieht man die Flecken zuerst (o. am leichtesten).
nl] Het witste kleed is 't eerst besmet

An einem Wolf bricht man keine Wildbahn.
[RSpW]
i] Wer einen Wolf schießt, der wird nicht als Jagdfrevler bestraft

An einem wüsten Kessel kann man sich nicht sauber machen (weiß reiben).
i] Wüsten von Wust = Unflat

An einem zerrissenen Sacke und einer alten Scheune hat man immer zu flicken.
nl] Een versleten zak en een oude schoen behoeven veel gelapt te worden

An einem zum Ritter und Meister werden wollen.
z] An einem zum Ritter werden

An einem Zwerge die Größe des Riesen messen.

An einen (keinen) Stock kommen.
z] Heirate die P., du gehst mit ihr an kan Stock an, d.h. du machst mit ihr eine gute Partie

An einen dampfenden Topf wagt sich keine Fliege.
es] A olla que hierve, ninguna mosca se atreve

An einen faulen Pfahl kann man sich nicht halten (lehnen).
nl] Men kan zich aan geen' vuilen paal doen wrijven

An einen geschickten Spieler gewöhnen sich gute Karten.

An einen groben Sack gehört ein grobes Bändel.
la] Malo nodo malus quaerendus est cuneus

An einen gütigen Menschen wird man sich stets gern erinnern.
China

An einen hohen Baum kann der Wind leicht heran.
Japan

An einen nassen Sack kann man sich nicht trocknen.

An einen Platz gebunden sein.
nl] Aan eene plaats gebonden zijn

An einen sauern Apfelbaum gebunden sein.
i] An einen widerwärtigen Mann verheiratet sein.
en] To be tied to the sour apple-tree.
it] Se ha mangiato le candele, ora coga gli stoppini

An einen solchen Fuß gehört kein anderer Schuh.

An einen Tag hast du einen Freund gesehen, am andern Tag einen Bruder.
Afghanistan

An einer alten Schuld nimmt man Haberstroh.

An einer anderen Aychen (Eiche) anklopfen müssen.
z] Denn wan sie - jre Gugel nicht hette ausgezogen, und Gukkutzer worden wären, so müsste N. an einer anderen Aychen anklopfen

An einer Arzneidosis für alle gehen auch die Kranken zugrunde.

An einer bösen Schuld soll man geschnitten Stroh an Bezahlung nehmen.

An einer Frau und an einer Mühle gibt es immer etwas zu flicken.
en] He that has wife and children, wants no business.
fr] A une femme et à une vieille maison, il y a toujours à refaire.
fr] Il n'y a femme, cheval ou vache qui n'ait toujours quelque tache.
it] Al mulino ed alla sposa manca sempre qualche cosa.

An einer Frau und an einer Mühle gibt's immer was zu basseln und zu flicken.
ndt] An 're junge Frau und e Mühle gits immer z' verbessern. Aargau
en] He that has wife and children, wants no business.
fr] A une femme et à une vieille maison, il y a toujours à refaire.
fr] Il n'y a femme, cheval ou vache qui n'ait toujours quelque tache.
it] Al mulino ed alla sposa manca sempre qualche cosa.
nl] Die een oud huis heeft en eene jonge vrouw, heeft werk genoeg.
nl] Een jonge vrouw en molenrad, daaran ontbreekt gemeenlijk wat

An einer goldenen Krücke geht der Lahme schneller als der Arme auf zwei gesunden Beinen.
Russland

An einer hänfenen Holzbirne erwürgen.

An einer Huren ist nichts guts zu sehen.

An einer kleinen Sandbank kann ein großes Schiff scheitern.
en] Many sands will sink a ship

An einer Kohle kann man sich wohl verbrennen, aber nicht wärmen.

An einer Lampe werden tausend Lampen angezündet.
i] Wirkung des guten Beispiels

An einer leeren Krippe geraten die Pferde in Streit.
Estland

An einer Mühle und einem jungen Weibe ist immer was zu flicken (stets was zu bessern am Leibe).
i] Dadurch gleichen sie einander. Das Unterscheidende zwischen beiden finden die Finnen darin, dass die Mühlen mit der Sonne, die Weiber sogar wider den Strom gehen.
en] Mills and wives are ever wanting.
fr] A un moulin et à une jeune mariée, il y a toujours quelque chose à refaire.
it] Al molino et alla sposa sempre manca qualche cosa

An einer Narrenwaage steht die Zunge nie gerade.

An einer nassen Schüssel haftet kein Pech.

An einer Nessel ist weder Blatt noch Blüte schön.

An einer schlechten Honigbirne nagt die Wespe nicht.
Wendische Lausitz

An einer schönen Brust zu ruhn, das ist ein Trost.
A. v. Platen, Ghasele

An einer Seele, die frei von Gedanken und Erregung ist, findet selbst der Tiger keine Stelle, seine Krallen einzuschlagen.

An einer Stelle wird man nie alt.
Estland

An einer Verwünschung stirbt kein Elefant.
Kamerun

An einer Ware, womit jeder handelt, ist wenig zu verdienen.

An eines Advokaten Tür muss man nicht mit eisernem Hammer klopfen.
it] Alla porta dell'avvocato altro ci vuol che martello

An eines Gutes Ansprach ist kein Verlust.
i] Wer einen Rechtsanspruch an eine Sache zu haben glaubt und diesen trotz der Weigerung des Verpflichteten geltend machen will, muss klagbar werden. Dabei kann er nichts verlieren als die Prozesskosten, hat aber die Aussicht, sich in den Besitz des Gegenstandes zu setzen, während der Gegner außer den Prozesskosten noch die Sache selbst verlieren kann

An eines Königs Hofe ist jeder selbst sein bester Freund.
fr] A cour de roi, chacun pour soi.
nl] Aan's konings hof is elk voor zich zelven alleen

An eines tauben Mannes Tür klopfen.
nl] Dat is aan eens dooven mans deur geklopt

An eingesperrte Mädchen gehen die Insekten.

An einigen Tagen ist man glücklich (ist man wach).
Samoa

An eins Gesellen kan man spüren, was er selbst muss im Schilde führen.
bm] Jaký tovarys, takové srdce.
it] Vuoi conoscer uno, guardo con chi pratica.
la] Noscitur ex socio, qui non cognoscitur ex se

An einzigen Sohn soll män scheuen (meiden), an einzige Tochter soll män freuen (süchen).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der erstere bringt gewöhnlich die Fehler des Muttersöhnchens, die letztere das Vermögen der Eltern mit

An eltern und schulmeistern ist vil gelegen.

An en gued Pferd hört en gueden Täun.
Westfalen

An Ên' 's Gröbsta 'runter macha.
Würzburg
hdt] Das Gröbste an einem heruntermachen

An enden kent man die wepp oder nath.
un] Minden botnak végén a feje

An Entschuldigungen wird es niemand (so) leicht fehlen.
i] Ein Satz, welcher sich auf die Menge von Ausflüchten stützt, deren sich diejenigen, denen es um die Erfüllung ihrer Obliegenheiten nicht Ernst ist, bedienen können

An er klönen Höig sötzt däck'n got Bei.
Eifel
hdt] An einer kleinen Hecke sitzt oft ein guter Bienenstock

An era ung'iesa Schuld neahmt mer Haberstrouh.
Schwaben

An Erfahr'ne isch über an G'Iehrte.
Schweiz

An erster Stelle
la] primo loco

An Êten (Essen) und Drinken lât ek et nit fälen, davor weil eck ak meine gehörige Raie hem.
i] Diesen Ausspruch legt man zur Selbstverspottung solchen Leuten in den Mund, deren ganze Arbeit in Essen und Trinken besteht, und die für solche Anstrengung viel Ruhe und Schlaf bedürfen

An etwas Gutes erinnert man sich, das Böse geht einem nicht aus dem Sinn.
Finnland

An etwas Schande stirbt man nicht.
fr] Un peu de honte est bientôt bue

An Ewjen (armer Mann) in Ohjer (Ohr) hereinzulegen.
Jüdisch, Warschau
i] Um einen blutarmen Menschen zu bezeichnen, dessen Habseligkeiten so gering sind, dass sie in einem Ohre Raum genug finden.
la] Omnia praeter animam debet

An Ezechiel (10.4.) geht der Lein nicht fehl.
i] Der Tag, d.h. die Zeit, in welche der Tag fällt, wird als günstig zum Leinsäen bezeichnet

An Ezechiel, dem 100. Tag nach Neujahr, da säe Leinsamen, dann gedeiht er wunderbar.
Bauernregel

An Fabian und Sebastian (20.1.) fangen Tag und Baum zu wachsen an.

An Fabian und Sebastian fängt der rechte Winter an.

An Fabian und Sebastian fängt oft der strenge Winter an.
Bauernregel

An falschen Zeugen fehlt es nie.

An Farben kennt man Vögel und Narren.

An Fastnacht braucht jeder seine Pfanne selber.
fr] A carême-prenant chacun a besoin de sa poële.
nl] Op vastenavond heeft ieder zijn eigen pannetje noodig

An Fastnacht erhungert niemand.

An fauler War' ist kein gut Haar.

An federn siht man klar, was es für ein Vogel war.

An federn und farben kent man Vögel und Narren, den Pfennig an seinem klang, den Vogel an seinem gesang, den Bären an seinen tatzen, den Lewen an seinen pratzen, den Gecken an seinen fratzen, das Hertz an der pracht, den Teuffel an der macht.

An Feiertagen geht der Teufel jagen.

An feiler Taverne wird kein Hausfriede gebrochen, noch die Gewehre befochten.
[RSpW]
i] Ein gewalttätiger Angriff im Wirtshause wurde nach altdeutschem Recht nicht als Heimsuchung, d.i. Störung des Hausfriedens betrachtet. Das Wirtshaus ist ein offenes Haus für alle, und dort verübte strafbare Handlungen werden nicht anders geahndet, als wenn sie auf der Straße begangen worden wären.
ndt] An eyne veile tauernen is neen husvrede gebroken, noch de were beuochten.
Hamburg

An Feyertagen gespunnen, helt nicht.

An Frauen und Mühlen gibt's immer zu flicken.

An Frauen und Steuern ist kein Mangel.
it] Moglie, e malami non manciano mai

An freie Tafel ist gut Gäste laden.
nl] Daet 't vry gelagh is, ist goet gasten nooden.
nl] 'T is goet dansen op een ander mans vloer.
nl] 'T is goet feest houden op anders sael

An fremdem Bart ist gut rasieren lernen.
Litauen

An fremdem Hüftschmerz hinkt man nicht.

An fremdem Tische nimm für gut, wenn guter Will nach Kräften tut.

An fremdem Tuch lernt man den Schnitt leicht.
z] An fremdem Tuch lernt jeder leicht den Schnitt, doch bringt er gern die eigene Schere mit

An fremdem Unglück lässt sich gut sehen, was man meiden sollte.
la] Bonum est fugienda aspicere in alieno malo.

An fremden Fehlern erkennt man die eigenen.
it] Con l' error d'altri il proprio si conosce

An fremden Gebrechen erkennt man die eigenen Schwächen.
pl] Kto cudze nedze uwazy lekcéj sobie swoje wazy

An fremden Hunden riechen die andern.

An fremden Kindern und Hunden ist's Brot verloren.
z] Man sagt, was man den frembden Hunden zu gut tut und den frembden kinden, das wirdt mit vnflat und mit stanck bezalt, denn solchs ist der Welt danck.
i] Der fremde Hund wird allerdings, sobald er frei wird, trotz des guten Futters, das er erhalten, wieder fortlaufen, um seinen Herrn aufzusuchen und nichts als den Strick zurücklassen; daraus lässt sich aber noch nicht die allgemeine Anwendung des Sprichworts auf Pflegekinder rechtfertigen, da einzelne Undankbare vielen Dankbaren gegenüberstehen

An fremden Tischen schmeckt es wohl.
dk] Ingen ceder andens mad, uden hau bliver deraf a glad

An fremden Tränen verschluckt man sich nicht.
Russland

An fremder Leut Kinder und frembden Hunden ist die Kost verloren.

An fremder Tafel nimm für gut, was guter Will' auftragen tut.

An Frog (Frage) is frei, sagte der Bauer zum Advokaten, is die Rechnung beschissen oder bemalt?
Schlesien

An fünf Dinge soll sich niemand kehren: an der Krämer Schwören, an der Hunde Hinken, an der Metzen Winken, an der Frauen Weinen, an der Kinder Greinen.

An fünf Dingen erkennt man fünf andere: das Wetter am Wind, den Vater am Kind, den Herrn am Gesind, den Esel an den Ohren, an den Worten den Toren.

An fünf Zeichen erkennt man den Narren: er ist leicht zu erzürnen, gibt Geschenke solchen, die es nicht verdienen, bemüht sich um nichtige Dinge, unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind und offenbart seine eigenen wie anderer Geheimnisse.

An gâden Nâibar as bêdarüsh an fiiren (widjen) Frinj.
Amrum
hdt] Ein guter Nachbar ist besser als ein ferner Freund

An gebärden kennet man das gemüet.

An Geberden mercket man, was im hertzen steckt.

An Gebildetem nur darfst du, Nachahmer, dich üben;
Selbstgebildetes ist Stoff nur dem bildenden Geist.
Schiller, Der Nachahmer

An gedanken geht viel ein, wie am rohen Duch.

An Gedanken und gespanntem Tuch geht viel ab.
mhd] An gedanken und geneetem Tuch geht viel ab

An Gedanken und gespanntem Tuche geht (o. kriecht) viel ein.

An Gefährten und Gesellen zwar gibt jeder sich zu kennen gar.

An gehorsamen Kindern finden die Eltern Freude.

An gekrümmeten Gulden verleurt man wenig.

An Geldwunden stirbt niemand.
i] Das Leben allein ist nicht wieder zu ersetzen

An gemeinen Ort bindet niemand sein Pferd.

An Georgi (23.4.) soll sich ein Rab' im Korn verstecken können.

An Georgi mit dem Korbe, aber an Nikola mit dem Wagen.
Russland (Über das Wachstum des Grases)

An geringem Tische ist sicher essen.
i] Er hält länger als der vollauf und lecker besetzte

An Gesamtgut da graben, die da frieden.
[RSpW]
i] Hier das Grundeigentum der Gemeinde (Almende) gegenüber dem Privatbesitz. Um das letztere, das Sondergut, vom Almende auf kennbare Weise auszuscheiden und einer Verringerung desselben zu Gunsten des letztern vorzubeugen, da in zweifelhaften Fällen zum Vorteil des Gemeindeguts entschieden zu werden pflegte, mussten die an das letztere grenzenden Privatbesitzer den Zaun oder Fried herstellen, der das Gesamtgut vom Sondergut trennte. Diese Einfriedung wurde jedoch erst dann für eine ausreichende Scheidung erachtet, wenn neben ihm ein Graben gezogen war. Die Pflicht aber, den Graben zu ziehen, lag wieder denen ob, welche den Zaun herzustellen und zu unterhalten hatten.
z] An einer samenden Meinheit dar graven, de dar freden

An gespanntem (grauem, rohem, ungenetztem) Tuch und Anschlägen geht im Jahre viel ab.
z] An gedancke und gespannte Tuche gehet viel abe. Wie die gute Apologi also des Küsters mit seinem Tropff, des Münchs mit seinem Oelkrüglein und des Bawern mit dem Hasen

An gestohlenem Holze wärmt man sich nicht lange.

An getane Arbeit denkt man gern.
la] Suavis est laborum praeteritorum memoria. Cicero

An Gewêten üs an Schlaghterhünj.
Nordfriesland

An gezählt Geld is kaan Broche (Segen).
Jüdisch-deutsch

An Gimpl auf der Nase sitzen hab'n.
Oberösterreich

An Gimpl fang'n.
i] Infolge der Kälte eine rote Nase bekommen

An Giwêten üs an Slaghterhünj.
Nordfriesland
hdt] Ein Gewissen wie ein Schlächterhund

An Glauben ein Kind, an Vernunft ein Rind, macht für Erd' und Himmel blind.

An gleicher Bürde trägt sich niemand müde.

An Gott nicht verzag', dein Glück kommt alle Tag'.
dk] Ingen mishaabe om Gud og lykken

An Gottes großem Kram sind alle Waren um Arbeit feil.

An Gottes Hofe hat auch der Arme unangemeldet Zutritt.

An Gottes Hülf' und reichem Segen ist aller Menschen Tun gelegen.

An Gottes Segen ist alles gelegen, sagte jener Pfarrer, der kurze Predigten liebte.

An Gottes Segen ist alles gelegen, wer den nicht hat, muss Armut pflegen.

An Gottes segen ist alles gelegen.
fr] Bien ne réussit ou ne prospère si Dieu n'y donne sa bénédiction.
fr] En peu d'heures Dieu labeure.
nl] Aan Godes zegen is 't al gelegen.
un] Miénk a reménység, de Istenben áll a kimenetel

An Gottes Tafel essen alle aus einer Schüssel.

An Gottes Wage täuscht die Zunge nicht.

An Gottes Wort dich halt allein, wilt du für abgunst sicher sein.

An Gottes Wort halt dich am meisten und gib nicht Glauben allen Geisten.

An Grant ham, wiera tragadi Katz.
Oberösterreich

An grattan Snewâl, au gâdan Kurnhûp.
i] Ein großer Schneewall, ein guter Kornhaufen

An greenen Jul, an witjen Puask.
Amrum
hdt] Grüne Weihnacht, weiße Ostern

An Gregor kalt und klar, gibt ein gutes Obstjahr.
Bauernregel

An Gregor kommt die Schwalbe über Meeresport, an Benedict (21.3.) sucht sie im Haus ein Ort, an Bartholomä (24. August) zieht sie mit Gott wieder fort.
it] Da San Gregorio papa la rondine passa l' acqua, San Benedetto la rondine sul tetto, da San Bartolomeo la rondine va con Dio

An Gregori (12.3.) muss der Bauer mit der Saat ins Feld.

An Gregori einen Regenguss auf das Haupt, die Hacke auf dem Buchweizenfelde.
Kärnten

An großem (= vielem) Lachen erkennt man den dummen Mann.
Estland

An großen Haufen Nischte (Nichts).
Schlesien

An großen Öfen ist sich gut wärmen, sie bedürfen aber viel Holzes.
v] An großen öfen ist sich gut zu wärmen, sie bedörffen aber vil holtz.
i] Es ist nicht sicher, ihnen gar zu nahe zu kommen.
dä] Godt er at varme sig ved store ovne, men de ville have meget brænde.
it] Chi stadi

An großen Strömen ist schlimm fischen.
it] A fiume famoso non andar a pesca

An großer Herren Höfen fehlt es an Fuchsschwänzern nie, da viel Füchse gefressen werden.

An großer Herren Höfen ist die Eingangstür von Pfefferkuchen, die Ausgangstür von Nadelholz.
bm] Do panského dvoru vrata siroká, ale ven úzká.
bm] Siroká vrata ke dvoru, úzká nazpĕt.
dä] Til hove sød indgang, men suur udgang

An großer Herren Höfen werden dreierlei Leute gefunden: Fuchsschwänzer, Missgönner und Verleumder.
z] Die Fürsten haben an ihren Höfen mehr Schmeichler als Fliegen in ihren Gärten. Racine

An Gründen dazu soll es dir gewiss nie fehlen, sagte die Braut, als ihr der Bräutigam mitteilte, er pflege oft ohne Grund zu zanken.

An gutem willen, Stolz und Hochmut fehlet es der Welt nicht.

An guten Bissen verdirbt man sich den Magen zuerst.

An guten Schulen und guten Wegen erkennt man den guten Staat (eine gute Regierung).
nl] Goede scholen en goede uurwerken zijn twee kenteekens van eene goede stadsregering

An guten Schulen und richtigen Uhren erkennt man einen wohlregierten Staat.

An guten Tagen sind Morgen und Abend nicht weit auseinander.
i] Sie erscheinen kurz, vergehen schnell

An guter Lehr' trägt keiner schwer.

An guter War' verkauft men si nid.
fr] Bonne marchandise n'est jamais trop chère.
nl] Aan goede waar is men nooit bekocht

An guter Ware ist oft viel verdorben.

An Gutes erinnert man im Guten, an Böses im Bösen.
Estland

An gütlichen Handlungen gewinnet man oft nicht mehr als Esels-Ohren.

An Habe gewinnen heißt an Sein verlieren.
Laotse

An Hanger hoan î schon, dass ih'n or'ntli siech vor meiner.
Steiermark
i] Personifikation eines heftigen Hungers

An Häreguns (Herrengunst) un Vugelsang
Erfreut der Minsch sich selde lang.

An Haspel laufen.
z] Item, so man einen auff ein Handwerck dinget, vnd er laufft an Haspel, der fallet endlich den Halss ab

An Hass und Neid stirbt Heiterkeit.

An Hass und Schmeichelei geht Tugend und Wahrheit entzwei.

An hastigem Trank und an einem Weib, das ständig Kreuze schlägt, muss die Seele erkranken.
Spanien

An heiligen drei Könige sind die Tage einen Hahnenschritt länger.

An heiligen Orten gehen viele Dämonen um.
China

An heiligen Tagen wird man am meisten geschlagen.

An heißen Tagen besteht man nicht auf den Riten.
China

An Hochzeiten und Beerdigungen fällt es schwer, richtige Antworten zu geben.

An Höfe und auf hohe Berge kommt man schwer und ist allda in steter Gefahr.
dk] Til hove er som paa et høgt bierg vanskeligt at komme, men farligt at blive

An Höfen bekommt man eher einen Trunk zum Versuch als einen guten Spruch.

An Höfen fällt es schwer, hohes Alter zu erreichen.

An Höfen gibt es mehr Ahitophel als Josephe.
fr] A chasque court son traistre

An Höfen ist jeder für sich.
fr] A la cour du roi chacun est pour soi

An Höfen muss die Tugend betteln gehen und Wahrheit hinter der Türe stehen.
bm] Ctnost a pokora nemá místa u dvora.
bm] Ctnost si nohu zlámala, pravdĕ dno vypadlo, a srdce upřimnosti u dvora vychladlo.
pl] Cnota nogę złamała, z prawdy dno wypadło, a gzczerosci u dworu juz bardzo nadbladlo.
pl] Cnota, pokora niema miejsca u dwora.
pl] Prawda, szczérość a pokora niemiewa miejsca u dwora

An Höfen und in Klöstern bringt man einem eher einen Trunk, dass er ihn versuch', als ein Buch, dass er einen guten Spruch such'.

An Hoffart wischet der Teuffel den Hindern.

An Hoffnung reich, im Glauben fest,
Mit Tränen, Seufzen, Händeringen
Dacht ich das Ende jener Pest
Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
Goethe (1749-1832), Faust I, Vor dem Tor
Faust Vs 1026f

An Hoffnung und gespanntem Tuche geht viel ab.
fr] Vin versé n'est pas avalé

An höheren Orten scheinet die Tugend am hellsten.

An Hörensagen lügt man viel.

An huchen Daigrad jaft liagh Sails.
hdt] Eine hohe Morgendämmerung gibt niedrige Segel.
i] Wind, welcher kleine Segel verlangt

An Hünj leapt nimmer söwen Juar dol.
Nordfriesland
mhd] Ein Hund läuft nie sieben Jahr toll.
i] Der Lauf des Bösen hat sein Ziel, der Verbrecher bleibt in der Regel nicht eine sehr lange Zeit unangefochten

An Hurentränen und Diebesschwören soll sich niemand kehren.
dk] Tro ei store graad og tyve eed.
fr] Il ne faut point croire une putain pour pleurer, ni un larron pour jurer

An iada Spoara gfint an Ziara.
Steiermark
i] Ein jeder Sparer findet einen Zehrer

An iad's Hâsal find't a Grâsal.
Niederösterreich
hdt] Es ist kein Häslein, es findet sein Gräslein

An iargan Vöggal skal a Neab uf.
hdt] Einem argen Vogel soll der Schnabel ab

An ieda siedt sich seine Suppe aba.
Oberösterreich
i] Jeder sucht seinen Gewinn.
hdt] Ein jeder siedet sich seine Suppe

An ihm ist nichts dann Fell und bein.

An ihm ist Öl und warnung verloren.

An ihm ist Predigt, Sacrament, Vater unser und alles verlohren.

An ihm ist Taufe und Chrysam verloren.

An ihm ist weder Haut noch Haar gut.

An ihn denken viel Leute.
i] Von einem, der viel Schulden hat

An ihrem Schürzenbande hängen.
i] Besonders von Kindern, die immer bei der Mutter sein wollen.
en] To hold by the apron-strings.
nl] Aan iemands riem hangen

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.

An ihres Mannes Tod ein Frau ist noch nie worden grau.

An Jahren jung ist ein Fehler, der sich alle Tage bessert.

An Jahren jung kann alt an Verstand sein.

An Jakobi (25.7.) Regen -stört den Erntesegen.

An Jakobi den Größeren (25.7) kommt die alte Fliege mit sieben bessern.

An Jakobi verwächst dem Frosch das Maul.

An jedem Gerücht ist ein kleines bisschen Wahrheit.
en] Throw plenty of dirt and some will be sure to stick

An jedem Gerücht ist etwas Wahres.
Tschechien

An jedem guten Teppich hat Allah mitgeknüpft.
Arabien

An jedem Ort kommt ein Kluger (Geschickter, Künstler) fort.

An jedem Ort sieht man heitern und trüben Himmel.
dk] Stedet gjør hverken lykkelig eller ulykkelig

An jeden Lappn gfallt sei Kappn - und mir mei Huat.

An jeder Elle ist er dreiundzwanzig Zoll faul.

An jeder Handfeste hilft der Tote, als der Lebendige.
[RSpW]
i] Bei Urkunden, wie z.B. zweiseitigen Verträgen, haben die Unterschriften der bereits verstorbenen Zeugen so viel Beweiskraft wie die der noch lebenden.
mhd] An yeglichen hant Vest hilfft der Todt als der Lembtig

An jeder Wunde kann man sich zu Tode bluten.
nl] Geene wond zoo groot of zij bloedt schielijk dood

An jeds kriagt sei' Fleckl, wo 'n der Schuah druckt.

An jemandes Augapfel rühren.

Deutsche Sprichwörter
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