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Der Bauer (sei) mit seinem Gesinde.
Estland

Der Bauer achtet den Ungelehrten wie den Gelehrten.
mhd] De bûrman achtet den ungelêrden als den gelêrden.
la] Ignavum docto componit turpis asellus.

Der Bauer arbeitet sieben Monate, fünf (Monate) spuckt (er) zur Decke.
Estland

Der Bauer auf dem Pferde kennt weder Gott noch die Erde!
sp] ¡Cuando el villano está en el mulo no conoce a Dios ni al mundo!

Der Bauer beim Pfluge, die Bachstelz' im Fluge, der Frosch im Trocknen, verspricht ein fruchtbar Jahr.
i] Eine Art Volksaberglauben, der daraus, dass jemand den ersten Bauern im Frühling beim Pflug oder den ersten Frosch im Trockenen usw. sieht, Glück für die Person weissagt

Der Bauer bleibe beim Pfluge, der Schuster beim Leisten.

Der Bauer bleibt ein Bauer, auch wenn er schläft bis Mittag.

Der Bauer bleibt ein Bauer, und wenn er die Suppe mit der Gabel isst.

Der Bauer bleibt ein Bauersmann, wird ihm auch Purpur angetan.
i] Ein pommerscher Bauer, Hans Lang in Lautzke, hatte dem Herzoge Bogeslaw das Leben gerettet. Dieser wollte ihm für sich und seine Nachkommen die Freiheit schenken, dass sie nicht mehr zu fronen und zu zinsen brauchten. Hans Lang, dem die jetzigen Bauern wo wenig gleichen, nahm die Freiheit nicht an, sondern sagte: 'Einem Bauer dient nicht frei zu sein, denn er weiss die Freiheit nicht zu gebrauchen und wird entweder faul und zuletzt ein Bettler oder er wird übermütig und bauernstolz und kommt auch so zu Fall.' Der pommersche Hans besaß die gute Gesinnung, die von einzelnen zurückgewünscht wird. Davon, dass man den Gebrauch der Freiheit lernen muss, hatte er keine Ahnung. Die Gegenwart liefert den Beweis, dass unsere Bauern durch dieselbe nichts weniger als Bettler geworden sind.
it] L' uso diventa natura.
la] Quo semel est imbuta recens servabit odorem testa diu.
la] Simia in purpura.
sd] Den smak kärlet en gång fått behåller det.

Der Bauer braucht Kinder für die Arbeit; fällt es ihm auch schwer, sie großzuziehen, so braucht er sie doch eben, und daher haben seine ehelichen Beziehungen eine Rechtfertigung. Wir wohlhabenden Leute dagegen bedürfen der Kinder nicht, sie sind eine überflüssige Sorge, verursachen Kosten, Schwierigkeiten bei der Erbschaftsteilung, kurzum: Sie sind eine Last.
Leo N. Tolstoi, Die Kreutzersonate

Der Bauer den bauern in nacken schlegt, wenn er gleich gold und samet tregt.

Der Bauer dienet, wie er bespannt sein muss.
[RSpW]
i] Dieses Sprichwort ist aus dem: Der Bauer muss dienen, wie er bespannt ist, entstanden. Da die Dienste, welche Der Bauer zu leisten hatte, von der Anzahl seines Zugviehes abhingen, so konnte er leicht dasselbe zum Nachteil für den Gutsherrn vermindern, diese haben daher in einigen Gegenden mit den Bauern Verträge abgeschlossen, worin sich die letzteren verbindlich machten, stets eine bestimmte Anzahl Zugvieh zu halten.

Der Bauer erwirbt's, der Kriegsmann verdirbt's.

Der Bauer fürchtet nichts so sehr als die Gerechtigkeit.
i] Beinahe so viel als die - Ungerechtigkeit - nämlich die Belastung seines Gutes mit neuen grundherrlichen Rechten, d.i. Reallasten mit Frohnden, Zinsen und Zehnten

Der Bauer füttert die Hühner, und die Stadtleute backen Eierkuchen.
dä] Bonden kaerer at han ikke fonger af rögelset uden dönen.

Der Bauer gehört hinter den Pflug.
i] Nicht an oder vor den Pflug, wie die kleinen Herren der Vorzeit wollten. Das Sprichwort muss alt sein, denn schon der Vogt von Landenberg auf Sarnen sagte, als er erfuhr, dass im Melpthal ein Landmann einen Zug Ochsen habe: 'Buren sollen den Pflug ziehen.'

Der Bauer gehört nicht zu den Besitzlosen; der Bauer ist der Ruhe und der Ordnung in keiner Weise gefährlich; der Bauer gehört zu der Klasse der Besitzenden.
Otto von Bismarck im Reichstage, 16. Febr. 1885

Der Bauer gewährt über Neulicht und Vollmond.
i] In Bezug auf die Nachwährschaft oder Haftung in Betreff nicht leicht erkennbarer Krankheiten und Mängel bei Tieren gegenüber der Käufer.

Der Bauer glaubt nur seinem Vater.

Der Bauer gleicht der Weid', er schlägt um so mehr aus, je mehr man ihn beschneid't.
Eifel

Der Bauer guckt ihm über die Achsel.
i] Er verrät durch Sitte oder Rede den Mangel besserer Bildung.

Der Bauer hält seine Krähen für Gänse.
ho] Ieder boer meent, dat zijn ekster eene gans is.

Der Bauer hart lässt von seiner Art.
la] Rustica gens nulla genus arte domabile.
la] Rustica natura semper sequitur sua jura.
la] Rustica turba suos nescit deponere mores.

Der Bauer hat bei Ankunft des Edelmanns einen stinkenden Abschied genommen.
i] Wenn sich Mangel von innerer Bildung beim Übergang in ein höheres Standesverhältniss kund gibt. Jemand gebrauchte die obigen Worte, als die plötzliche Freude eines reichen Bauers über die Nachricht, er habe den Adel erhalten, in die Hosen gedrungen war.

Der Bauer hat den Tarakan, die Nachtigall nur der Edelmann.
Moskau
i] Der Tarakan ist ein unsern Schwaben vergleichbares Ungeziefer, die Nachtigallen sind eifrige Feinde derselben.

Der Bauer hat schwarze Hände, aber weißes Brot.

Der Bauer hat wohl 'ne grobe Hand, aber einen feinen (o. schlauen) Verstand.
it] Il villano ha le scarpe grosse, e l'ingegno sottile.

Der Bauer hinter den Pflug, der Esel in die Mühle, der Schüler in die Schule.
i] Jedes, wohin es gehört
fr] La ménagère au pétrin, l'âne au moulin, l'écolier au latin.

Der Bauer hofft auf Regen, der Wanderer auf klaren Himmel (o. Sonnenschein).

Der Bauer hört gern, dass die Butter viel gilt.
ho] Hoe goed in het, te hooren, dat de boter wel geldt.

Der Bauer im Kot, erhält was goht und stoht.

Der Bauer im Stamm, der Knecht im Wipfel.
Estland
i] Beim Arbeiten, Saufen usw.

Der Bauer im Zuge, die Bachstelz' im Fluge, den Kuckuck aufs rechte Ohr, das bedeut't ein fröhlich Johr.

Der Bauer isst kein Hünerfleisch, es sei den ein huhn crepirt.
dä] Bonden faaer ey hönge-kjöd uden de drakne forst.

Der Bauer isst Lachs für Rindfleisch.

Der Bauer isst Milch und Brot, der Knecht isst Salz und Brot.
Estland

Der Bauer isst, was er will; der Knecht muss sich damit begnügen, was man (ihm) gibt.
Estland

Der Bauer ist (bleibt) ein Bauer (o. Schelm), auch wenn er schläft bis Mittag.
z] Bawren bleiben doch Bawren und sind eingelernig, wenn sie gleich schlieffen biss zu Mittag.
dä] En onde bliver bonde, sov han end paa silke bolster.

Der Bauer ist aller Ehren wert.
mhd] De bûrman is aller ere wêrt.
la] Agricolaus doctus non aversatur egentem.

Der Bauer ist allezeit aufs künftige Jahr reich.

Der Bauer ist auch ein Mensch - sozusagen.
Friedr. von Schiller, Wallensteins Lager (1798), Szene 10 (Erster Arkebusier)

Der Bauer ist auf einen Pfennig, wie der Teufel auf eine Seele.
ho] De boer zit op een' cent, als de duivel op een ziel.

Der Bauer ist der erste, der Knecht der zweite.
Estland

Der Bauer ist der ewige Mensch, unabhängig von aller Kultur, die in den Städten nistet. Er geht ihr voraus, er überlebt sie, dumpf und von Geschlecht zu Geschlecht sich fortzeugend auf erdverbundene Berufe und Fähigkeiten beschränkt, eine mystische Seele, ein trockener, am Praktischen haftender Verstand, der Ausgang und die immer fließende Quelle des Blutes, das in den Städten die Weltgeschichte macht.
O. Spengler, Der Untergang des Abendlandes, II, Die Seele der Stadt

Der Bauer ist der geborene Philosoph, der Edelmann muss lernen, einer zu sein.
Polen

Der Bauer ist des Landes Grundmauer.

Der Bauer ist des Schicksals Sklave.
Estland

Der Bauer ist ein braver Mann, der sein Feld bestellen kann.
dä] Det er en ged bonde som veed og kand og vil dycke jorden.

Der Bauer ist ein Ehrenmann, der weiß, will und kann.
dä] Det er en god bonde som veed, og vil dyrke jorden.

Der Bauer ist ein Ehrenmann.

Der Bauer ist ein Korb voll frischer Äpfel und der Städter ein Korb voller Pocken.

Der Bauer ist ein Lauer, gibt der Bauer, so sieht er sauer.

Der Bauer ist ein Lauer.

Der Bauer ist ein Laurer, der bei vielem Gut tut Gott und seinem Herren selten gut.
i] Laurer = tückischer Mensch, nicht zusammengezogen von Lauerer und von lauern abgeleitet, sondern von luren, listig auführen, anködern, eigentlich ludern von Luder, sein Luder (Spiel) mit jemandem treiben.
it] Contadini e montanini, scarpe grosse e cervelli fini. (Die Leute vom Lande und den Bergen im rauhen Kittel viel Schlauheit verbergen.)
ho] Boeren zijn naar loeren, zigt de Schrift. (Sollte nicht vielleicht der deutsche Bauer aus dem holländischen Loer = plumper, dummer Kerl entstanden sein? Der Boer (Bûr) ist ein loer (lûr) lässt einen Übergang leicht annehmen)

Der Bauer ist ein Schlauer.

Der Bauer ist Herr (o. Kaiser) auf seinem Hofe.
dä] Bonde er boe-vaerge.

Der Bauer ist im Herbst klug.
Estland

Der Bauer ist immer im nächsten Jahr reich.

Der Bauer ist immer im voraus reich.
la] Agricola semper in novum annum dives.

Der Bauer ist in seinem Stalle König, der Hidalgo (Adlige) überall.
Spanien

Der Bauer ist klug bei der Arbeit, der Ochs schlau beim Pflügen.
Estland

Der Bauer ist nicht zu verderben, man hau' ihm denn Hand und Fuß ab.

Der Bauer ist nie arm.

Der Bauer ist nie ärmer, als wenn er eingesammelt hat.

Der Bauer ist so stolz auf seinem Mist, als der Junker auf seinem Schlosse.

Der Bauer ist stolzer als der Barbier, er darf auf sein Werk hofieren.

Der Bauer ist über den (o. stolzer als der) Barbier, er darf auf sein Werk hofier'.
ho] De boer is stouter den de barbier, hij durft op zijn eigen werk schijten.

Der Bauer ist von alters her reich, der Handwerker zeitweilig reich, der Kaufmann ab und zu reich, der Fischer im Frühling reich, der Speicherwächter im Herbst reich, der Waldmann (= der Jäger) nie reich.
Estland

Der Bauer ist wie ein alter Besen, mit dem man die Stube reinfegt und den man nachher in den dunklen Winkel wirft.
Estland

Der Bauer ist wie ein Handtuch auf dem Boden, in das alle ihre Hände abwischen.
Estland

Der Bauer ist wie ein staubiger Sack, immer kommt etwas (heraus).
Estland

Der Bauer kann mit Paresken darübergehen.
Ostpreußen
i] Wird in Bezug auf etwas dick geratene Mehlsuppe, Mehlbrei usw. gesagt

Der Bauer kauft kein Pferd, das er nicht vorher geritten hat.
i] Er heiratet nur nach ganz genauer Bekanntschaft

Der Bauer kauft Knochen, der Herr kauft Fleisch.
Estland

Der Bauer lobt den Morgen, der Knecht den Abend.
Estland

Der Bauer macht's auch so.

Der Bauer mäht mit der Sense, der Dieb mäht mit dem Krummholz.
Estland

Der Bauer mit dem Gelde ist noch nicht gekommen.
i] Um zu sagen: Dazu habe ich kein Geld. Aus der Zeit, wo die Bauern sehr verschuldet waren und was sie erwarben als Zinsen zu zahlen hatten

Der Bauer muss dienen, wie er bespannt ist.
[RSpW]
i] Wo dies Sprichwort galt (z.B. in der Wetterau und den angrenzenden Landen), enthielt es die Regel, dass bei den Spanndiensten gar nicht darauf zu sehen sei, ob und wie viel der Bauer Land besitze, sondern allein auf die Anzahl des Zugviehs, welches derselbe hält. Mit den Fronen ist auch seine juridische Anwendung verschwunden.

Der Bauer muss für die Herren und für die Bettlleut sorgen.

Der Bauer muss gezwickt werden, sonst sticht er.
la] Rusticus ungentem pungit, megentem nagit.

Der Bauer muss größer sein als das Land.
i] Ein kleines Land, gut bearbeitet, trägt mehr, als ein großes, zu dessen Kultur es an Kraft und Mitteln fehlt.
dä] Bonden skal være mægtigere end hans brug.
fr] A foible champ fort laboureur.

Der Bauer muss kastrieren (lassen), wenn der Verschneider kommt.
i] In einzelnen Gegenden gehen Personen herum, welche das Kastrieren von Haustieren besorgen, jeder Tierbesitzer muss das Geschäft besorgen lassen, wenn diese Person da ist. Also: Benutze den günstigen Augenblick!

Der Bauer muss länger für Suppen und Salz, als der Mönch für Kapaunen und Rosinen beten, bis er erhört wird.

Der Bauer muss mit dem Mist tun wie der Bürger mit dem Gelde.

Der Bauer muss sein wie ein behauener Stock.

Der Bauer muss sich's machen sauer.

Der Bauer muss stärker sein als der Acker, zwingt ihn der Acker, so kommt er nicht wieder auf die Beine, zwingt er den Acker, so wird er noch einmal so wacker.

Der Bauer pflügt das Feld in der Mitte, der Knecht pflügt am Sumpfrand.
Estland

Der Bauer pflügt umsonst die Erde, spricht der Herr nicht: 'Werde!'

Der Bauer reich und zottig der Hund, ist ein guter Bund.

Der Bauer riecht stets nach dem Kittel.
fr] La caque sent toujours le hareng.
i] Das französische Sprichwort verdankt seine Entstehung dem Rechtsgelehrten Peutinger, einem Rathe des Kaisers Maximilian. Ein sehr gelehrter Jude, Johann Pfefferkorn, war zum Christenthum übergetreten und hatte so viel Einfluss auf den Kaiser Maximilian gewonnen, dass der Befehl ausging, alle hebräischen Bücher, ausser der Bibel, unter dem Vorwande, dass sie Gotteslästerungen, Zaubereien und andere gefährliche Sachen enthielten, zu verbrennen. Die gelehrten Orientalisten bewiesen aber das Verderbliche dieser Verordnung auf eine so überzeugende Weise, dass Pfefferkorn gezwungen ward, sein Vaterland zu verlassen. Er ging nach Lothringen und lebte dort unter dem Namen Lacaque. Einst machte er den Vorschlag, dem Könige von Frankreich vorzustellen, den Juden mehr Freiheit in seinem Reiche zu geben. Eben als der Vorschlag zur Verhandlung kommen sollte, kam Peutinger nach Frankreich, den ein Doctor der Sorbonne um seine Meinung über den Lacaque'schen Antrag bat. Peutinger, Pfefferkorn erkennend, antwortete: 'Messieurs, La caque' u.s.w. Man fand die Antwort sehr räthselhaft, Peutinger musste sich darüber erklären, das Wort gefiel und ward, unzähligemal wiederholt, Sprichwort, das man immer im schlimmen Sinne anwendet, um zu sagen, dass sich niemand, in welchem Stande er sich auch befinden möge, von den ersten Eindrücken der Jugend und seines ersten Standes gänzlich freizumachen vermöge.

Der Bauer sät aus, der Advokat ärntet ein, bist ein gscheider Bauer, lässt's Processiren sein.
Rott-Thal

Der Bauer scheißt nicht einmal gern auf fremden Acker.
i] So schätzt er den Dünger

Der Bauer schläft ebenso gut auf dem Strohsack, als der Fürst in einer elfenbeinernen Bettstatt.

Der Bauer schläft, das Feld wächst; der Handwerker schläft, die Arbeit steht.
Estland

Der Bauer sieht (= achtet) auf die Arbeit, der Knecht auf den Lohn.
Estland

Der Bauer sieht ihm (noch) überall heraus.
la] Manent adhue vestigia ruris. Horaz

Der Bauer soll gern verkaufen.
dä] Bonde skal sælge og ikke kiebe.
la] Agricolam vendacem esse oportet, non emacem.

Der Bauer soll ihn holen.
Holstein
i] Für: Hol' ihn der Teufel

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