<<< Weisheiten 0455 >>>

Den Weibern wachsen die Lügen unter der Hand, wie den Männern die guten Räte.

Den Weibern, der Ehr' und dem Geld widersteht der Klügste nicht in der Welt.

Den Weihen einen Hühnerdieb schelten.
z] Schalt den Weyhen ein Hünerdieb und stal jhm keins.'

Den Weihen über die Eier setzen.

Den Wein auf den Tisch, das Wasser für die Fisch'.
la] Vina bibunt homines.

Den Wein ausrüffen.
i] Die Leute schmähen.
z] Sag an, du Schelm, was ist dein lon, dass du kein frommen last daruon; du henckest jm ein Schellen an, der hat dir das, der jhens getan .... Cartheuser, Prediger, Carmeliten rüffst du den Wein, zu allen ziten, der dich doch darum nie gebat und dir kein leid auf erden tat .... Ist das dein Ampt, so sey dein lon, vom Pranger zu dem Galgen gon. Du rüffst den Wein; doch nur zuruck. Ist das nit eine böse Art, das der Schelm kein menschen spart.
z] Vnd ruffent jm den wein so theur, das doch weder yetz noch heur, niemandts mit jm will han zu schaffen, das hatt gethon das schedlich klaffen des schelmens der das hat erlogen.

Den Wein durch den Regen jagen.
fr] Baptiser le vin. 596.)

Den Wein erkennt man am Geruch,
Den Esel an den Ohren,
Den Weisen wohl am Tun und Spruch,
Und am Geschwätz den Toren.
Jüdisch

Den Wein erkennt man am Geschmack, das Brot an der Farbe.
fr] Vin à la saveur, et pain à la couleur.
ho] Den wijn kent men aan den smaak, het brood aan de kleur.

Den Wein erkennt man noch am Essig.
i] Am Alter noch die Jugend; das Alter ist ein Bild der Jugend.
pl] Znać wino po occie.

Den Wein gibt der Herr, aber seine Güte kommt vom Gärtner.
en] Wine is the master's, but the goodness is the drauer's.

Den Wein gibt Gott, aber die Rebe muss der Mensch pflanzen.

Den Wein kauft man nicht nach dem Ansehen des Fasses.

Den Wein kennt man nicht am Fass.
en] You cannot know wine by the barrel.
fr] Le vin ne se connait pas au cercle, ni l'homme à l'habit.
ho] Men kent de vrouw niet aan haar rokje, noch den wijn aan het zwikje.
ho] Men kent zoo min den man aan den hoed, als den wijn aan het vat.

Den Wein mit der Wasserstange schlagen.
z] Andeutend, dass die Wirthe den Wein mit der Wasserstange schlagen und vermengen, ehe sie den verkaufen.

Den Wein mit Öl vermengen.
i] Die herbe Wahrheit durch gelinde Worte mildern.

Den Wein sparen, wenn das Fass leer ist.

Den Wein taufen.
i] Amphiktrion lehrte die Menschen zuerst Wasser unter den Wein schütten. Wahrscheinlich stammen viele Weinhändler und Gastwirte von dieser Familie her.
z] Der Wein muss durchaus jüdisch sein, so bleibt er ungetauft; das ist vor andern echter Wein, mit dem kein Wasser läuft.
i] Nach der Ansicht der alten Römer sollte, wie Plinius und Columella erzählen, Wein mit Meerwasser vermischt, angenehmer. haltbarer und besser werden, daher das Sprichwort: Dionysium aequore mergendum.

Den Wein trinken und andern die Hefen lassen.

Den Wein ums Holz (Fass) geben.
Luther
i] Gutes für Geringes, den Kern für die Schale.

Den Wein wieder in seinen Keller leiten.
i] Von der Abschweifung wieder zum Gegenstande zurückkehren, o. wieder zu seinen Gunsten reden.

Den Wein, welcher zu großen Taten führt, hat der Prophet nicht verboten.

Den Weinberg erbe man vom Vater, den Olivenhain vom Großvater.
tü] Bağ babadan, zeytin dededen kalmalı.

Den Weinstock nimm aus gutem Boden zum Bau, von guten Eltern nur die Frau.

Den Weisel verlieren.

Den Weisen kann man nicht vertreiben.
i] Wo er hinkommt ist sein Vaterland

Den Weisen macht des Nachbars Torheit weiser und fremde Armut reich.
la] Felix, alieno periculo quisquis sapit.

Den Weisen regiert Vernunft, den Narren der Stock.
fr] Le sage se régit par raison.

Den weißen Hirsch jagen.
i] Von erfolglosen Verfolgungen
i] In einem Gleichnis wird erzählt, dass der in einem großen Walde von einem wilden Jäger und seiner Rotte gehetzte Hirsch seinen Verfolgern stets entgehe. Man meint, dass unter dem weißen Hirsch die Kinder Gottes zu verstehen seien, die von der Welt heftig verfolgt würden, aber diesen Verfolgungen entgehen, weil die klugen Kinder der Welt nicht wissen, wie die Gemeine der Heiligen aussieht. Man kann sich unter dem z] weißen Hirsch' wohl aber ebenso gut gehetzte Freigemeindler und Demokraten denken, deren Gegner auch selten wissen, wie Vernunft und Freiheit aussehen.

Den weißen Kriegsfürsten stehet es wohl zu, auch mit den Göttern den Spieß zu brechen.

Den Weiten in de Wasch, den Roggen in d' Asch'.
i] Den Weizen soll man in nasses, den Roggen in trockenes Land säen.

Den Weizen mit dem Unkraute ausjäten.
i] Das Gute mit dem Bösen vernichten.

Den Weizen sä' in Schollen, so hast du alles im vollen.

Den well der Gut an.
Deutz
i] Er fordert ungebührlich

Den Weltlichen Herren ist gut dienen, unter den Geistlichen gut wohnen.

Den Wemmerweh singen.
i] Die Redensart kommt bei Hans Sachs wiederholt vor. 'So vergeht uns das frölich Gsangk, und singen dann den Wemmerweh, bis uns die elend Seel aussgeh.' 'Alsdann in schmach und schanden gen und singen stets den Wemmerwen.'

Den wenig leut kennen, der ist am besten daran.

Den werd Gad (Gott) nich lange vor Sünte Petrus Pârten schillern laten.

Den werd' ich beim Worte halten.

Den werd' ich ohne Rattenkraut los werden.
i] Drohend in dem Sinne: dem werde ich den Weg, die Tür weisen.
z] So ward sie diese Gesellen ohne Rattenkraut los.

Den werde ich erst in jener Welt wiedersehen.

Den werde ich schon mürbe kriegen
en] I'll manage to break him down
fr] je l'aurai à l'usure
it] piegherò il suo orgoglio (o. la sua resistenza)

Den werden die Hunde noch anpissen.
ho] De honden zullen nog aan hem pissen.

Den Werkleuten zusprechen ist halb Tagewerck.

Den Wert der Jugend erkennt man im Alter.
tü] Gençliğin kıymeti ihtiyarlıkta bilinir.

Den Wert des Goldes kennt der Juwelier.
tü] Altının kıymetini sarraf bilir.

Den Wert des Goldes kennt der Wechsler.
Osmanien

Den Wert des teuersten Falken kennt man erst, wenn man ihn auf Beute losgelassen hat.

Den Wert einer Sache erkennt man erst, wenn man sie nicht mehr hat.
en] Blessings brighten as they take their flight.

Den Wert eines Dinges erkennt man am besten, wenn es an ihm mangelt.
England

Den Wert eines Dinges, das man kauft, weil man sein ganzes Herz daran gehängt hat, kann nur der Käufer selbst abschätzen.
Cervantes, Die Spanierin in England

Den Wert eines Menschen erkennt man in schweren, nicht in guten Tagen. Wie ein Mensch Belastungen durchzustehen vermag, das ist ein Gradmesser für seinen Wert.
Eggerath, Nur ein Mensch

Den Wert eines Menschenlebens bestimmt nicht seine Länge, sondern seine Tiefe.
Gustav Frenssen, Grübeleien

Den Widerhaken ziehn.

Den Wiedehopf erkennt man mit der Nase, die Atzel am Gange, die Nachtigall am Gesange.

Den wilden Gram macht die Gewohnheit zahm.
Shakespeare, Richard III., IV, 4

Den wilden Mann spielen
en] to be raving like a madman
fr] s'agiter comme un diable dans un bénitier
it] essere su tutte le furie

Den will i de Mêning (Meinung) geig'n.
Franken

Den will i leucht'n.
Franken
i] Fortbefördern, im drohenden Sinne.

Den will ich auseinander nehmen wie eînen alten Seiger.

Den will ich brechen und machen.
Oberösterreich
i] Dem bin ich an Kraft, besonders physischer, weit überlegen.

Den will ich in die Schere nehmen.

Den will ich neunmal vor der Morgensuppe betrügen.

Den will ich schon herumkriegen.

Den will ich verwurzeln.
Xanten
i] Mit der Erklärung erhalten: ad absurdum führen.

Den will ich zu meinem Beichtvater nicht.
ho] Gij zijt immers mijn biechtvader niet.

Den Willen eines Menschen bricht auch Buddha nicht.
China

Den Willen erbt niemand.

Den willen für das Werk (die Tat) nemen.
ho] Men ziet er zijn' goeden will aan.

Den willen gibt Gott, den zwang die Not.
dä] Gud giver villie, nöd giver tvang.

Den Willen ich für die Werke han, ihr sollt der Rede drum erlan.

Den Willen kann man nicht zwingen.
la] Voluntas cogi non potest.

Den Willen kann niemand beweisen.

Den Willigen führt, den Nichtwilligen schleppt das Schicksal.
la] Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.
Seneca, Briefe

Den Willigen kann man mit einem Haar herbeiziehen.

Den Willigen leitet das Schicksal, den Widerwilligen reißt es mit sich.
la] Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.

Den willigen Ochsen soll man nicht übertreiben.

Den Wind auf dem Felde holst du nicht ein.

Den Wind auf Flaschen ziehen.
la] Reti ventos venaris.

Den Wind aus den Segeln nehmen.

Den Wind blasen.
z] Wer bett (bet't), und weiß nicht, was er bett, der blosst den Wind, und fleucht die schet.

Den Wind im Felde holt man nicht ein, eine Schwätzerin im Hause wird man nicht los.
bm] Vítr v poli nedohonís, a kmotry klevetné se nesprostis.

Den Wind im Gesicht haben.
i] Mit Hindernissen und Schwierigkeiten kämpfen müssen.
la] Ventum a facie habere.

Den Wind im Rücken haben.
dä] Al löbe for vind og vove.
fr] Avoir le dessus du vent.
fr] Être au-dessus du vent.

Den Wind in den Segeln behalten.
i] Vor dem Winde fahren.
fr] Conserver l'avantage du vent.

Den Wind in die Segel fassen.
fr] Gagner le vent. Monter (passer) au vent.

Den Wind in ein truhen sperren.

Den Wind in Garnen (Netzen) (fahen wollen).
i] Das machen die Aufpasser und Horcher.
en] He catches the wind with a net.
ho] Hij vangt den wind met het net.

Den Wind kann man nicht verbieten. Aber man kann Brücken (o. Mühlen) bauen.
Holland

Den Wind mit dem Scheffel messen und das Feuer auf der Waage wegen, ist Torheit und umsonst.

Den Wind mit Netzen fangen

Den wind verkaufen.

Den Winden ein Gebiss anlegen.
i] Von den Philosophen, welche die Begierden (Affecten) im Menschen ausrotten wollen.

Den Winter detestierte er und behauptete oft scherzend, man würde sich im Spätsommer aufhängen, wenn man sich da von der Abscheulichkeit des Winters eine rechte Vorstellung zu machen imstande wäre.
Goethe, K. Vogel, letzte Lebensjahre

Den Winter fressen die Wölfe nicht auf.
sp] Al invierno no se lo comen los lobos.

Den Winter um Sankt Andreas (30.11.) sieht man lieber dürr als nass.

Den wird der Fuchs nicht holen.

Den wird der Neid noch selber aufressen.

Den wird man einen Ritter nennen
Der nie sein Ritterwort vergisst.
Uhland, Den Landständen

Den wird Meister Kilian zu Grabe begleiten.
i] Der Henker.
z] Vermutlich steht diese Benennung mit dem bekannten Apostel der Franken und Bischof von Würzburg in Beziehung, den man mit Schwert und Dolch abgebildet sieht.
z] Ok heb' ik wohl gesehn van einer olden Hex, wo Meister Kilian er maeked ein experfex (den Garaus).

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