<<< Weisheiten 0447 >>>

Den Mücken die Köpf abbrechen.

Den Müller kennt man an dem Metzen, den Schneider an gestohlenen Fetzen, den Soldat an dem Degen, den Priester an dem Segen, den Freymann an dem Schwert, die Garküch aber an dem Herd, den Spielmann an der Leyer, den Jäger an dem Geyer, den Töpfer an dem Kot, den Freund in der Not, den Wechselbalg am Kropff, das Frauenzimmer an dem Schopff, den Kaufmann an den Lügen, den Juden am Betrügen, die Buhlerin an der Frechheit, den Schelmen (Dieb, Beutelschneider) an der Bosheit, Poeten erkennt man am Dichten und den Baum an seinen Früchten.
la] Qualia verba viri, talis et ipse vir est.

Den Müllern kommt's auf dem Wasser geschwommen; es hat noch keiner zu wenig genommen.

Den Mund auftun und beleidigen ist bei manchen Leuten eins. Sie sind bissig und bitter ... sie greifen mit der größten Frechheit an; sie schlagen auf alles Ios, was ihnen unter die Zunge kommt.
Jean de La Bruyère, Von Gesellschaft und Unterhaltung

Den Mund der Frau und laufendes Wasser kann niemand schließen.
Estland

Den Mund einer Flasche kann man versiegeln, den Mund eines Menschen aber nicht.

Den Mund in de Pünt setten.

Den Mund in 't Püntken têen.

Den Mund mit leeren Löffeln füllen.
en] To fill the mouth with empty spoons.

Den Mund nicht auftun - ein Schloss vor dem Mund haben - keinen Laut (o. Mucks) von sich geben
en] not to utter a sound
fr] ne pas déserrer les dents - rester bouche close - ne dire (o. souffleror piper) mot
it] non aprire la bocca

Den Mund recht voll nehmen.
la] De pusillis magna paroemia.

Den Mund soll man schnüren.
mhd] Den munt sal men snoren.
la] Harpocratem facias digitis adhibendo labella.
mhd] Ir sult des mundes hân gewalt.

Den Mund voll nehmen - dick auftragen
en] to throw the hatchet - to draw the long bow
fr] charrier dans les bégonias
it] sballarle große

Den Mund wässrig machen - das Wasser läuft einem im Mund zusammen
en] to make s. o's mouth water
fr] faire venir l'eau à la bouche - avoir l'eau à la bouche
it] far venire l'acquolina in bocca - è roba da leccarsi le dita

Den Mund zu bewahren ist nöter als die Kiste.

Den Mund zum Maule machen.
i] Um auszudrücken, man verwandelt mir meine feinen, zarten Ausdrücke in breite und plumpe.
z] Man dehnt mir zum Maule den Mund. Klopstock

Den Musen leben.
i] Künsten und Wissenschaften.

Den Musikanten und seinen Freund sollst du nicht schlagen.
Estland

Den muss der Ärgerteufel reiten.
Nordböhmen

Den muss der Esel im Galopp verloren haben.
i] Von einem, der sehr dumm ist

Den muss die Tarantel gestochen haben.

Den muss man mit der Hand willkommen heißen.
Niederlausitz
i] In Bezug auf einen seltenen Gast

Den muss mer si vom Hals schaffen.
Franken

Den müße Schad und Schand bestahn, der mehr sagt, als er hat getan.

Den müssen wir uns warmhalten
en] we'll have to keep in wich him
fr] il nous faut cultiver ses bonnes grâces
it] bisogna tenerselo buono (o. tenerlo dalla nostra)

Den Müßigen sticht das Bett überall.
z] Wer müßig geht, den nennt man den 'Narresten' unter den Narren und meint, er sei andern Leuten, was Rauch in den Augen und Essig den Zähnen.

Den Müßiggang aufräumen.
Altenburg
i] Das Nichtstun in den Schein der Geschäftigkeit verkleiden. Was hat A. heute zu tun? Er hat den Müßiggang von gestern aufzuräumen, d.h. er hat gestern nichts getan und tut heute wieder nichts.

Den Mut sinken lassen.
fr] Perdre cour.

Den Mut zu dienen, der da Demut heißet, lernt
Hochmüt'ge, die ihr euch vom Vaterhaus entfernt.
Zum Vaterhaus führt euch der Geist der Demut wieder,
Wenn menschlich ihr euch fühlt des Leibs der Menschheit Glieder.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Den Mut zur Forschung brauchen wir, um ein menschenwürdiges Leben auch über den Tag, über die Lebensspanne unserer eigenen Generation hinaus zu sichern.
Helmut Kohl, Mut zur Forschung und Verantwortung für die Zukunft. Rede des Bundeskanzlers vor der DFG in Bonn 1986

Den Mutigen findest du im Gefängnis, und den Dummen beim Popen.
Russland

Den Mutigen hilft das Glück.
la] Audentes fortuna adiuvat.

Den Mutigen hilft Gott selbst.
la] Audentes deus ipse iuvat.

Den Mutigen mit dem Tode drohen, ist ebenso als der Ente drohen, sie ins Wasser zu werfen.
Araber

Den nächsten (Weg) nach Zürich gehen.

Den Nächsten im Grade, den Ältesten auf der Straße, die Männer vor den Frauen sieht man holländische Lehen behalten.
ho] De Näst in graed, de autst op straet, de Mann's vor Frouwen siet man een Hollands leen behauwen.

Den Nächsten lieben heisst Gott in seinem Bilde lieben.
Nicolaus von Cusa, Schriften

Den Nächsten mit der Zung zur Banke niederhauen.

Den Nackten friert dann am meisten, wenn er die Nachbarn in Pelzen sieht.
Russland

Den Nackten kann man nicht ausziehen.

Den Nagel an sinn Dôdkis (Totenkiste, Sarg) metbrengen.
Meurs

Den Nagel auf den Kopf (o. ins Schwarze) treffen.

Den Nagel auf die Spitze schlagen.
i] Eine Sache ganz verfehlen.

Den Nagel herausschießen.
i] Auch den Butzen schießen. Einen Zentrumschuss tun, wofür der Schütze als Zeichen einen Zentrumnagel erhält.

Den nagt sein gewissen.

Den Namen mit der Tat führen.
i] Sich bemühen, das zu sein, was man heisst. Auch ein Wink, unsern Kindern entsprechende, inhaltreiche Namen zu geben.

Den Namen wozu hergeben.

Den Narren am Kopf, am Klange den Topf.

Den Narren am Sang, den Hafen am Klang.
la] Ex verbis fatuus pulsu dignoscitur olla.

Den Narren bei seinem Stolz man kennt, denn Stolz von stultus wird genennt.
z] Wir Teutschen han verstanden wohl, wie man die Hoffart nennen soll.

Den narren boren (beschweren, büßen, purgieren).

Den Narren bringt sein eigenes Glück um.

Den Narren erkennt man am Wort, den Listigen an den Augen.

Den Narren kann man ja nicht klug machen.

Den Narren kennt man am Kopf, am Klange den Topf.

Den Narren kennt man an seiner Rede.

Den Narren lassen.
i] Der Herzog Friedrich der Ältere in Österreich mischte sich zuweilen verkleidet unter das Volk, um dessen Zustände kennen zu lernen. Da soll einmal ein Edelmann gerufen haben: 'Wann wiltu den Narren lassen?' Dem habe der Herzog geantwortet: 'Wann du wirst aufhören witzig zu sein.'

Den Narren macht die Hoffnung reich.
bm] Blázna i nadĕje obohatí.

Den Narren stechen.

Den Narren und ein'n Mann im Zorn soll man lassen ungeschor'n.

Den Narren und Weisen kann man es nicht zu gleicher Zeit recht machen.
Russland

Den Narren wollen lachen lehren.
sd] Narren will lära skratten, båda lijka klooka.

Den Narrenkolben feil tragen.
i] Ein Kolben, wie ihn ehemals die Hof- und Schalksnarren zu tragen pflegten. Auch ein kurzer Stock mit einem ausgeschnitzten Fratzengesicht und einer Schellenkappe wie sie diese Narren wohl trugen, und womit man die Narrheit und den Gott des Tadels und Spottes (Momus) abbildet, führt diesen Namen.
z] Die welt ist yetzund als verkert; was gott der Herr ye hat gelert, so tut sie nur das widerteil und trägt den narrenkolben feyl.

Den Nationalismus der Generationen haben die Professoren erfunden: Generation gegen Generation auszuspielen wie Franzosen gegen Deutsche.
Kisch, Über die Rolle des Schriftstellers in dieser Zeit

Den natürlichen Gebrauch, den ein Geschlecht von den Geschlechtsorganen des anderen macht, ist ein Genuss, zu dem sich ein Teil dem anderen hingibt. In diesem Akt macht sich ein Mensch selbst zur Sache, welches dem Rechte der Menschheit an seiner eigenen Person widerstreitet.
Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten

Den Nebel balgen

Den Nebel ballen.

Den neidhart frist sein eygen neid.
mhd] So haben die rät den Neithart, derselb der wüstet an aller stat alle rät, hör ich sagen.
bm] Závistnik schne od toho, vidí-li zdar u koho.
ho] De nijdige kwelt zich zelven het meest.
it] Gli invidi si consumano della prosperità (virtù) altrui.

Den nenn ich vornehm, der sich streng bescheiden
Die eigne Ehre gibt und wenig fragt,
Ob ihn die Nachbarn lästern oder neiden.
Paul Heyse, Der Salamander

Den Nesseln schadet der Winter nicht.
bm] By nebyl mráz na kopřivy, byl by ten neplech vĕčnĕ zivý.
pl] By nie mróz na złe pokrzywy, był by ten chwast wiecznie ziwy.

Den neuen Durchschlag an den Nagel, den alten unter die Bank.
i] Von der Neigung der Menschen, die aufgehende Sonne mehr als die untergehende zu verehren

Den Nichtswürdigen Gutes erzeigen, heisst Wasser ins Meer tragen.
Spanien

Den Niedlichen spielen.

Den Niedrigen und Armen schätzen selbst Frau und Kinder gering; den Ruhmvollen und Reichen schätzen selbst Fremde hoch.

Den nit dürst, ist den Dürstigen gar hart.
i] Teilnahmlos ist gegen andere, wer nicht selbst in Not gewesen und Mühseligkeiten erduldet
la] Quem nulla premit sitis, est sitientibus asper.

Den Nüchtern terbreaken.
Westfalen
i] Etwas genießen, um nicht mehr nüchtern zu sein.

Den obern Stock verlieren.
i] Den Kopf.
z] Wie viele hätten sollen den obern Stock verlieren, wenn sie sich nicht mit Geld hätten losgekauft.

Den Ochsen bei den Hörnern fassen.
en] He takes the bull by the horns.
la] Bovem utroque cornu continere.

Den Ochsen binnet me ant Strick, den Mann an sin Wôrd.
Westfalen

Den Ochsen fasse beim Horn, den Mann beim Worte und die Frau beim Rock (und ein Kloster beim Geldsäckel)
bm] Vola za rohy, človĕka za jazyk lapají.
fr] Commes les boeufs par les cornes on lie, aussi les gens par leurs mots font folie.
fr] Homme d'honneur n'a que sa parole.
fr] Le boeuf par les cornes et les hommes par les paroles.
ho] Bij hoornen vangt (vat, bindt) man den os, bij het woord den man.
it] Gli uomini si legano per le parole, e i buoi per le corna.
la] Verba ligant homines, taurorum cornua funes.

Den Ochsen gibt Gott wohl, aber nicht bei den Hörnern.

Den Ochsen hält man bei den Hörnern, den Mann beim Wort und die Frau beim Rock.

Den Ochsen hat er hinunter, aber der Schwanz steckt ihm im Halse.
i] Über einen Klotz ist er gesprungen, aber über einen Strohhalm gestolpert.
en] To swallow an ox and be choked with the tail.

Den Ochsen peitsche, das Pferd schone.

Den Ochsen satteln und die Pferde koppeln.

Den Ochsen soll man bei den Hörnern nehmen.

Den Ochsen stehlen und die Kaldaunen opfern.
dä] Offre ei kallun af stjaalen oxe.

Den Ochsen vor den Pflug, den Schelm vor die Karre.
fr] A chacun le sien n'est pas trop.

Den Ochsenpfad gehn.
Westfalen
i] Langsam, träge.

Den Ofen heizt man nur, dass er wieder wärme.

Den Ofen hüten.
i] Sich gern in der Nähe des warmen Ofens aufhalten, auch zu Hause sitzen.
fr] Faire couvade.

Den Ofen setzt man der Wärme wegen ins Zimmer.

Den Olen kann man wol entlôpen, man nicht entgissen.'
i] Gissen = mutmaßen, wähnen
dä] De gamle til raad, de unge til daad.

Den Ölfleck spielen.
i] Immer weiter um sich greifen, weiter Boden fassen.
z] Die Preußen spielen den Oelfleck in Frankreich sie fressen immer weiter um sich, sie sind überall.

Den Onbekenden maekt den Onbeminden.
hdt] Der Unbekannte (Fremde) macht den Unbeliebten.
ho] Onbekend maakt onbemind.

Den Optimismus brauchen die Menschen, deshalb wollen sie gern Optimisten sehen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Den Organisten kennt man am Spiel.
it] Al toccar de' tasti si conosce il buon organista.

Den Ort verändern,
heisst nur ein Elend mit dem andern tauschen.
Shakespeare, Cymbeline, I, 6

Den pack' ich zwischen zwê Milchbröte und essen zum zwêten Frühstück uf.
Berlin

Den Packesel machen.
fr] Il est bardé de cette affaire.

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