<<< Weisheiten 0446 >>>

Den Mann kennt man an seinen Freunden.
ho] Men kent den man aan zijne vrienden.

Den Mann kennt man an seiner Rede (o. an seinen Freunden).

Den Mann lernt man kennen im Spiele, in der Buhlschaft und auf der Jagd.

Den Mann muss man nicht zum Gespielen nehmen (heiraten).

Den Mann nenne ich groß, der viel gedacht und gelesen und erfahren hat und der alles, was er gedacht, gelesen und erfahren hat, bei jeder Sache, die er unternimmt... vereint zum besten Zweck anzuwenden weiß...
Lichtenberg, Aphorismen

Den Mann nimmt man beim Wort und den Hund beim Schwanze.
fr] On prend les oiseaux par le bec et les hommes par la parole.

Den Mann nimmt man beim Wort, den Ochsen bei den Hörnern.
la] Verba ligant homines, animalia caetera funes.

Den Mann nimmt man beim Wort.
Estland

Den Mann schätzt man nach dem Hut, die Frau nach der Haube.
Estland

Den Mann siehe bei seinen Gesellen an.

Den Mann treibt Leidenschaft, die Frau Leidenschaften, jenen ein Strom, diese die Winde; jener erklärt irgendeine Kraft für monarchisch und lässt sich regieren von ihr, diese, mehr demokratisch, lässt umgehend befehlen.
Jean Paul, Levana

Den Mann voll Willenskraft, der klüglich handelt,
Der treue Freundschaft hält, der frei von Lastern wandelt,
Nicht aufschiebt, denkbar ist, vor Kampf nicht bebt zurück,
Bei ihm zu wohnen, sucht ihn selber auf das Glück.
Narâjana, Hitopadesa

Den mann zeigts amt an.
la] Magistratus uirum arguit.

Den Mann, der sich um Fernes nicht bekümmert, erwartet schon in nächster Nähe Kummer.
Konfuzius, Gespräche

Den Männern Frauen und den Kindern Brot.
ho] Den mannen geeft men huisvrouwen, den kinderen geeft men brood.

Den Männern gibt man Hausfrauen, den Kindern gibt man Brot.

Den Männern, die zu viel befehlen, wird selten gehorcht.
z] Ich will, ich will! Man muss die Worte schicklicher wählen, sonst schweigen die Frauen trotzig still.

Den Mantel auf beiden Schultern tragen.
i] Ähnliche Redensarten: Unter der Untreu fahnen dienen: der auf beyden achsseln trägt; der Augendiener, der dass Gut bös ausslegt; der sich in beyde Backen hawet; der durch die Finger siehet; der den Fuchsschwantz streichet; der mit einem Fuß in den Bach gehet; der ums Geld thu was man will; der vntern hütlen spielen kan; der in dem Judenspieß rennet; der den Mantel hengt nac dem Wind; der zwei müßer in einem Haffen kocht; der gute wort schleifft und falsche werk leist. Um elastische Naturen der unter Heuken 1 geschilderten Art zu bezeichnen, hat wohl jedes Volk seine verschiedenen Redensarten: Die Holländer sagen: Feuer in der einen und Wasser in der andern Hand tragen. Sein Messer schneidet auf beiden Seiten. Er spricht aus zwei Münden. Der Engländer: Mit jedem Winde mahlen. Der Italiener sagt: Er ist doppelter als eine Zwiebel. Die Deutschen lassen ihn auf beiden Achseln tragen, Schwarz und Weiss aus einem Tiegel malen, Gott und den Teufel in ein Glas bannen. Bei den Neugriechen kommt zugleich Hitze und Kälte aus seinem Munde. Bei den Albanesen hat er zwei Gesichter. In Venetien, zwei Gesichter unter einer Mütze. Die englischen Neger auf Surinam sagen zu einem solchen: Du bist das Schneidgras, du schneidest auf beiden Seiten.
z] Ich bin weder Republikaner noch Royalist; ich fahre, wenn ich bezahlt werde, für beide Parteien den Mist.
en] To carry two faces under a hood.
fr] Nager entre deux eaux.
it] Star fra due acque.
la] Duabus sellis sedere.
sd] Bära kappan på båda axlama.

Den Mantel der christlichen Liebe darumhängen (darüberbreiten).

Den mantel hencken, danach der wind hergeht.

Den Mantel nach dem Wind drehen (o. hängen).
i] Sich in Zeit und Umstände schicken, wär's auch mit Aufopferung des geraden Charakters eines Biedermanns.

Den Mantel soll man kehren,
Wie Wind und Wetter lehren.
Freidank, Bescheidenheit

Den Mantel verlieren, wenn das Wetter am schlechtesten ist.
fr] Perdre son habit en jour de froid.
la] Amittere pallium, in die frigoris.

Den Mantel wenden.
i] Seine Farbe wechseln.
it] Voltare mantello.

Den Marder in (über) den Taubenschlag setzen.
i] Man kann die Tauben schon durch Katzen- und Marderkot aus dem Schlage vertreiben, es bedarf des Marders selbst nicht.
i] Die Russen lassen ihn zum Vogt des Hühnerhofs machen.

Den Marder jagen, nachdem er die Tauben erwürgt hat.

Den Marsch nach Bethlehem nehmen.
i] Sich zu Bett begeben.

Den Martin (11. Nov.), den Andreas (30. Nov.) sieht man lieber dürr als naß.

Den März fürcht' ich im Januar, im Januar den März fürwahr.
en] March in Janiveer, Janiveer in March I fear.
fr] Quand Mars fait avril, avril fait mars.

Den Massen Brot zu geben, ist ein guter Köder, ihnen Butter darauf zu streichen, ein besserer, aber der beste ist, ihre Dummheit zu kitzeln. Denn das erste und das zweite sättigt nur den Leib, aber das dritte die Seele.
Feuchtwanger, Exil

Den Mast kappen.
ho] Den mast kerven.
ho] Hij vaart, waar de groote mast vaart.

Den Mathematikern sind von jeher die Kriegshelden auf der Spur gewesen, weil man seine Macht gern mechanisch vermehren und jeder Übermacht große Wirkungen mit geringen Kräften entgegensetzen möchte.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. - Bacon

Den Maulesel beschlagen.
i] Schwänzelpfennige machen, eine Sache höher anrechnen, als man sie gekauft hat, betrügen. Diese Redensart hat altrömischen Ursprung. Folgendes gab Veranlassung zu deren Entstehung: Jemand hatte ein dringliches Anliegen beim Kaiser Vespasian, wurde aber, da derselbe verreisen wollte, nicht vorgelassen Der Aufschub brachte ihm großen Schaden. Er bot daher dem Mauleseltreiber eine bedeutende Summe, wenn er ihm Gehör beim Kaiser verschaffte. Der Treiber ging darauf ein. Nicht lange nach der Abreise des Kaisers bat er denselben, halten zu wollen, weil ein Maulesel das Eisen verloren habe. Es geschah. Der Treiber ließ beschlagen und während der Zeit brachte jener sein Anliegen beim Kaiser an und gab auch dem Treiber die versprochene Summe. Es wurde aber danach davon gesprochen, wodurch die obige Redensart veranlasst wurde.
fr] Ferrer la mule.

Den Maulesel hüten.
i] Zur Bezeichnung der Langenweile, die man empfindet, wenn man auf jemanden wartet. Der Maulesel war das Lasttier der alten Franzosen. Wenn ein Herr ein Geschäft in einem Hause hatte, ließ er den Maulesel vor der Tür hüten, eine Aufgabe, die gewiss für die Länge nicht kurzweilig war.
fr] Garder le mulet.

Den Maulwurf zum Gärtner machen.

Den Maulwurfshaufen für den Ural ansehen.
Russland

Den Maurern ist im Sommer kein Maß Bier zu teuer, im Winter kein Knust Brot zu hart.
Eifel

Den Mäusen die Katze zur Gespielin geben.

Den Mäusen zu richten wissen.

Den Mehltopf verschließen, wenn die Mäuse das Mehl gefressen haben.

Den Meineidigen henkt man über alle Diebe.
z] Man möhte en (so einen meaneidt schwor) hengen baven alle deve.
i] Man wollte dadurch aussprechen, dass die Strafe des Meineidigen noch schimpflicher als die des Diebes sein sollte, für den schon die schimpflichste, der Galgen, bestimmt war.
mhd] Meyneidige blivent alle geschant.
mhd] Meyneidigen ind lognere, verreder ind drogenere verlassent gerne ir werlt ere, darzo sint sy Gode unmere we gewe eme ere off selicheit de weder Got van hiemel deit.

Den meisten Gewinn gibt die Verleumdung; man entziehe ihr mehrmals das Kapital, die Zinsen laufen doch immer.
China

Den meisten Lärm machen die Demokraten. wenn sie auf ihr Recht pochen.
Werner Mitsch

Den meisten Leuten sollte man in ihr Wappen schreiben: Wann eigentlich, wenn nicht jetzt?
Kurt Tucholsky, Schnipsel

Den meisten liegt nicht der Friede, sondern die Parteisucht am Herzen.
Claudius, Wandsbeker Bote: Baco von Verulam

Den meisten Schutz findet man, wenn (wo) man keinen braucht.

Den meisten Zucker streut man da, wo die Torte angebrannt ist.
Niederlande

Den Meister ehrt seine Kunst.
dä] For konst skal man meesteren ære.

Den Meister erkennt man am Span.
Estland

Den Meister erkennt man am Werke.

Den Meister lobt sein Werk.
mhd] Ains meisters werk in loben sol, lobt er sich selb, daz stat nit wohl.

Den Meisterhieb machen.
z] Ich ho zu viel durch de Ribben geschwitzt, was ich a Sextern, Quintern und Quartern gelarnt ho; ich ho mer aber och manches behalden, damit ich a fremden an Mesterhib machen kinnen.

Den Mekkapilger, der Unglück haben soll, sticht die Schlange selbst auf dem Kamel.

Den Menschen ausgenommen, wundert sich kein Wesen über sein eigenes Dasein; sondern ihnen allen versteht dasselbe sich so sehr von selbst, dass sie es nicht bemerken.
Schopenhauer, Welt als Wille u. Vorstellung

Den Menschen bedeutet das Gesicht soviel wie den Bäumen die Borke.

Den Menschen dienen, den dankbaren sowohl wie auch denen, die uns nicht danken - das ist ein Mann.
Martin Luther, Tischreden

Den Menschen dienen? Und was sollen die tun, denen wir dienen?
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1892)

Den Menschen erkennt man am Gange, den Vogel am Gesange.

Den Menschen erkennt man in dreifacher Lage: im Zorn, am Geld und beim Trinkgelage.
it] L' uomo si conosce in tre congiunture: alla collera, alla borsa ed al bicchiere.

Den Menschen erziehen bedeutet bei ihm Perspektiven herausbilden.
Anton S. Makarenko, Die Perspektive

Den Menschen freut es, wenn er erkennt, dass Bücher nicht lügen.
Capek, Die Reise nach dem Norden

Den Menschen geistig wie moralisch zu erhellen: dies ist doch die eigentliche Mission der schönen Literatur.
Polgar, Sinn der Buchkritik

Den Menschen hält man am Wort, aber das Pferd hält man am Halfter.

Den Menschen hält man beim Rocke, Gott bei seinem Worte.

Den menschen hie frid wünschen thu, den schlaffenden die ewig rhu.
la] Pax adsit uiuis, requies aeterna sepultis.

Den Menschen ist also eine Art Ehrfurcht zu erweisen, und zwar den Besten wie auch den übrigen. Denn sich nicht darum zu kümmern, was ein jeder von sich hält, zeugt nicht nur von Anmaßung, sondern auch von Zügellosigkeit.
la] Adhibenda est igitur quaedam reverentia adversus homines et optimi cuiusque et reliquorum. Nam neglegere, quid de se quisque sentiat, non solum arrogantis est, sed etiam omnino dissoluti.

Den Menschen ist nur mit Gewalt oder List etwas abzugewinnen. Mit Liebe auch, sagt man, aber das heisst, auf Sonnenschein warten, und das Leben braucht jede Minute.
Goethe, Riemer, 27.4.1810

Den Menschen kann man nicht anders als unter Menschen und im Umgange mit ihnen kennen lernen.
Christian Garve, Über Gesellschaft und Einsamkeit

Den Menschen kennt man an seiner Rede, die Pflanze an ihrem Geruch.
bm] Človĕka po reči, bylinu po vůni (poznás).

Den Menschen kennt man von der Gesellschaft, mit der er sich umgibt.
USA
en] A man is known by the company he keeps.

Den Menschen Kummer machen kann auch ein Dummkopf, aber den Menschen erhöhen ist schwer.
Gladxow, Der Schnee schmilzt

Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht.
Grillparzer, Sappho V, 3
Mellitta

Den Menschen macht sein Will groß und klein.
Schiller, Wallensteins Tod, IV, 8 (Buttler)

Den Menschen nimmt man beim Wort, Tiere bei den Hörnern.

Den Menschen sîn Wille is sîn Himmelrîk.

Den Menschen und den Sachen gerade in die Augen zu sehen und sich dabei auszusprechen, wie einern eben zu Mute ist, dieses bleibt das Rechte, mehr soll und kann man nicht tun.
Goethe, An August v. Goethe, 25.6.1830

Den Menschen, die große Eigenschaften besitzen, verzeiht man ihre kleinen Fehler am schwersten.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Den Messemarkt predigen.
z] Wenn ich von Walfart u.s.w. und Messemarkt predigte, so könnte ich auch Gunst und Freundschafft behalten. Luther

Den mett (misst) sech ock en de Höll.
Meurs

Den Metzger bekümmert das Fett, die Ziege das Leben.

Den Mildtätigen, der den Bettler aus Großmut verkennen will, verkennt der Bettler wieder.
Lessing, Minna von Barnhelm, IV, 3 (Franziska)

Den möcht' ich mit keinem Stecken (o. Stecklein) anrühren.

Den möcht' ich nicht mit einer Zange anfassen.

Den möchte ich nicht mit einer langen Stange anrühren.

Den mögt ihr sieden oder braten.
ndt] Jetzt kannst's siede oder braute. Ulm
fr] Vous en ferez des choux ou des raves.

Den Mohr kann man nicht waschen weiß, den Schnee nicht blasen heiß.
Sauerland

Den Mönch haben.
z] Da sagt ihm Grandgurgel, dass seine Feinde für gewiss den Mönch hetten. Wann sie, antwort Grandgoschier, nach dem Frantzösischen Sprichwort den Mönch, d.i. den Hasen oder dass Unglück im Busen haben, so stehn sie übel.
i] jemandem Unglück bringen.
fr] Bailler le moine.

Den Mönchen und Pfaffen will die wahrheit nicht wohl in die Kirchen dienen.

Den Mond am hellen Tage suchen.
fr] Chercher la lune en plein midi.

Den Mond anbellen.
i] Auf einen schimpfen, dem man nicht schaden kann.
fr] Aboyer contre la lune.
la] Contra tonitrun oppedere.

Den Mond der Sonne vorziehen.

Den Mond im Brunnen suchen, der am Himmel hängt.
i] Sich vom Scheine verführen lassen.

Den Mond im Brunnen zeigen.
i] Einen täuschen, ihm blauen Dunst vormachen.

Den Mond mit der Laterne suchen.

Den Mond suchen, wenn die Sonne scheint.

Den Mops flöhen.
i] Eine widerwärtige Arbeit verrichten.

Den Mord der unschuldigen Kindlein ausführen.
i] So nennt man im englischen Parlament das Zurückziehen der unerledigt gebliebenen Vorlagen in der letzten Sitzung.

Den Mord muss man mit Mord gelten und den Frieden nach dem Morde sühnen.
altfries] Den moert salmen nu moert ghelden ende den vrede nae moert vorvullen.

Den Morgengruß dem Bohnenhändler und nicht dem Apotheker.
i] Besser arm und gesund, als reich und krank. Eine gewisse Art von Bohnen machen die Hauptmahlzeit der ägyptischen Bauern aus. Nach dem Volksglauben der Morgenländer hängt das Glück oder Unglück des Tags von dem Gegenstande ab, den man zuerst zu Gesicht bekommt, wenn man des Morgens aus der Tür tritt. Ein Bohnenverkäufer zeigt nun auf Gesundheit hin, weil der kräftigste Magen dazu gehört, seine Ware zu verdauen.

Den morgigen Tag hat niemand gesehen.

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