<<< Weisheiten 0444 >>>

Den Kopf halt' kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm.

Den Kopf hängen lassen.
i] Den Mut verlieren, über fehlgeschlagene Hoffnungen trauern, kleinmütig, demütig, oder auch: ein Frömmler sein.
fr] Gauchir la tête.

Den Kopf hängen, wie die jungen Puter beim Regenwetter.

Den Kopf heben.
i] Extollere caput. Stolz, zuversichtlich, trotzig.
z] Deine Feinde toben und richten den Kopf auf. Ps. 83, 3
z] Kaum heben wir den Kopf nur ein wenig wieder (kehrt Hoffnung und Lebenslust wieder), so ist gleich Putz, was uns beschäftigt. Goethe

Den Kopf hinausstrecken.
i] Sich vorwagen oder Kenntnis nehmen, kundschaften.
z] Die Reuter in dem Closter Staingaden wöllen warte, wa ich den Kopf hinauswenden wölle.

Den Kopf hinhalten (müssen) für...
en] to take the blame for...
fr] devoir pâtir pour...
it] pagare per... - rispondere con la propria testa

Den Kopf in den Rachen des Löwen zu stecken, ist auch nicht gefährlicher, als ihn von einer Frau streicheln zu lassen.
David Herbert Lawrence

Den Kopf in den Sand stecken
en] to bury o's head in the sand (like an ostrich)
fr] adopter la politique de l'autruche -faire (comme) l'autruche
it] nascondere la testa sotto la sabbia - fare lo struzzo

Den Kopf kann man einem nur einmal nehmen.

Den Kopf lässt sich nicht jeder gern kratzen (waschen).

Den Kopf nicht zu warm, nicht zu viel Salat in den Darm.
fr] Ne fai une four de ton bonnet, ni de ton ventre un jardinet.

Den Kopf oben halten.
i] Sich nicht überwältigen, unterkriegen lassen.

Den Kopf opfern, um den Hut zu erhalten (schonen).

Den Kopf schleifen.

Den Kopf sehr hoch tragen.
la] Naso suspendit adunco.

Den Kopf so voll haben, dass man nicht weiß, wo er einem steht.
i] Eine kaum zu bewältigende Masse von Geschäften haben.

Den Kopf über dem Wasser halten.
i] Sich des Untergangs erwehren.

Den Kopf verlieren
i] Die zum Handeln nötige Ruhe und Überlegung. Aus der Fassung kommen, nicht mehr wissen, was man tun, wozu man sich entschliessen soll.
en] to lose o's head - to get off o's head - to go off the deep end (sl.)
fr] perdre la tramontane
fr] perdre la tête (o. la boule o. la boussole)
it] perdere la testa (o. la tramontana) - scaldarsi la testa

Den Kopf verwetten wollen.
i] Von etwas sehr fest überzeugt sein.

Den Kopf zu etwas schütteln.
i] Die Zustimmung zu etwas versagen oder etwas missbilligen. Die Römer drückten bei den öffentlichen Spielen Billigung oder Misbilligung durch das Erheben, oder Umkehren des Daumens aus, woraus die sprichwörtlichen Redensarten: Den Daumen drücken, den Daumen umkehren und mit beiden Daumen loben, sich erklären. Etwas billigen: pollicem premere, etwas loben, etwas sehr (mit beiden Daumen) loben: utroque pollice laudare, etwas misbilligen: pollicem convertere. Für Zustimmung hat man auch die Redensart: etwas mit einem weissen Steinchen bezeichnen: album calculum, rei addere, wie: calculo candido notare diem, und: creta notare. Für Missbilligung ferner: nigro calculo, und: carbone notare.

Den Kopf zwischen die Beine nehmen und davongehen.
i] Sich in aller Eile fortmachen.
fr] S'en aller sans demander son reste.

Den Kopf zwischen die Ohren nehmen.

Den Kopf, die Tenne, die Zunge, den Flegel, wen ich kriege, den dresche ich.
Polen
la] Sicut apes caveam repetunt maledicta trocheam.
sd] Swa aer banna som bi faar kringhvm howdh ok ater i.

Den Kopfsalat jungen Gänsen anvertrauen.
it] Dar la lattuga in guardia ai paperi.

Den Kopp (Kopf) bavent Water hôlen.
Holstein

Den Kopp (Kopf) lat frêrn, de Föt holt warm, slaog nich so vööl in dînen Darm, dat Achterpôrt laot aopen staon, denn kann de Dokt'r un Aptek'r spazêren gaon (o. denn kann de Dokt'r tun Deiw'l gaon).
Altmark
en] The head and feet kept warm, the rest will take no harm.
fr] Tête froide, ventre libre et pieds chauds, sûrs remêdes à tous les maux.
it] Di giorni quanto voi, di notte quanto poi. (Man kann am Tage den Kopf bedecken so viel man will, aber des Nachts so viel man kann)

Den Korb bringen (flechten), wenn die Weinlese vorbei ist.

Den Korb hingeben, um den Deckel zu gewinnen.

Den Körper kann man heilen, die Seele aber nicht.

Den Kram auftun.
i] Die Sache enthüllen.

Den Kram einlegen.
fr] Détaler les marchandises.

Den Kram verderben.

Den Kranich machen (spielen).
i] Lange auf einem Flecke stehen, lange stehend warten.

Den Kranich zum Teichwärter machen.

Den Kranken ärgert die Fliege an der Wand.

Den kranken Fuß verbinde selbst, lass ihn nicht von einem anderen verbinden.

Den Kranken mangelt nur eins, den Gesunden fehlt vieles.

Den Kranken schlagen drei Ruten: die Schmerzen, das Versäumte und die Kosten für den Arzt.

Den Kranz bekommt nur der Sieger.
fr] Le dernier, le loup le mange.

Den Kranz mit Ehren tragen.

Den Kranz trägt der nur von der Bahn, der aushält bis zum letzten Mann.
la] Nonnisi victori blanda corona datur.

Den Krebs für sich gehen lehren.
z] Welcher vergebliche, vnnütze Arbeit gethan, von dem sagt man: Er hat leer Stroh gedroschen, ein leer Nuss vffgebissen, den Esel beschoren, ein Mohren gebadet, den Tauben ein lied gesungen, den blinden ein Spiegel geschenkt, den fröschen ein fuder Wein zum Bad verehret. Hat Speck im Hundsstall gesucht, der Flöh gehüt, die Garne vergebens gesteckt, Moses Grab gesucht.
ho] Hij leert de kreeften regt gaan.
la] Ambulet ut cancer recta, haud effeceris unquam.

Den Krebs straft man nicht mit Ersäufen.

Den Krebs wollen vorwärts gehen lehren

Den Krebsgang gehen.
i] Nicht vorwärts, sondern rückwärts kommen. Es geht rückwärts mit seinem Geschäft, seiner Wirthschaft

Den Krebsgang gewinnen.
z] Vnd sonderlich ein närrisch anfang der gewint gemeiniglich den krebsgang.

Den Kreisel drehen.
z] Daraus erhelle, dass Paul Scalichius (Günstling des Herzogs Albrecht) bei den damals verworrenen Zeiten den Kreisel am meisten gedreht und an den damaligen Motibus große Schuld gehabt habe. Erläutertes Preußen, Königsberg 1724

Den Kreutzer aufheben und den Gulden fahren lassen.

Den Kreuzter gibt jedermann, mit dem er einen Gulden gewinnen kann.

Den Krieg darf man nicht fürchten, aber man darf ihn auch nicht provozieren.
la] Bellum nec timendum, nec provocandum.

Den krieg fahe ein ander an.

Den Krieg mit der Zunge führen.
i] Die den Feind beschimpfen und ihm drohen, wenn alles sicher ist.

Den Krieger macht nicht der Hut, sondern der Mut.
dä] Viisdom giør ei krigsmand allene; der skal inod til.

Den Kronenfresser ekelt vor der alten Freiheit, wie den Kindern Israel vor dem Manna in der Wüsten.

Den Kropf leeren (o. auspacken).
en] to get s. th. off o's chest
fr] vider le (o. son) sac - casser le morceau
it] vuotare il sacco - sfilare il rosario

Den Kropf voll haben.

Den Krug immer am Munde haben.
i] Immer durstig sein.
fr] Il est toujours dans la boisson.

Den Krummen fällt das Geradgehen schwer.
ho] Die krom is, kan niet regt gaan.

Den Kübel bringen.
i] Die Absicht kundgeben, jemanden mit Dreck zu beschütten, ihn zu beschmutzen, seine Ehre anfechten.
z] Ich flucht, und verdross mich übel; da sprach er: fleuch, ich bring den kübel.

Den Kübel umkehren, dass es stinkt.

Den Kuchen unter dem Arm fallen lassen.
i] Nicht die Hände in den Schos legen, sondern den Arm fallen lassen und die Arbeit frisch angreiffen.

Den Küchenschlüssel angehängt haben.
i] Sie hat einen Küchenschlüssel, ist im Gesicht russig.

Den Kuckuck und das Siebengestirn sieht man nicht beisammen.
dä] Kukkeren og syv-stiernen sees ikke sammen.

Den Kuhhirt von Ulm zum Muster nehmen.

Den Kühnen leiht Gott die Hand (o. seinen Arm).

Den Kummer lass' ich mir vergehen.
z] Er lasse sich diesen Kummer vergehen.

Den künft'gen Morgen füttert er mit heutigen Sorgen.

Den Künstler muss nach jedem vollendeten Werk die Angst überfallen, er könne sich nicht mehr übertreffen
Jakob Boßhart, Bausteine zu Leben und Zeit

Den Künstler ziert Bescheidenheit.

Den Kunzen mit einem spielen.
z] Sie würden sich unterfangen, mir den Hut zu trähen und den Kuntzen mit mir zu spielen. Grimmelshausen, Springinsfeld

Den Kuppelpelz verdienen (bekommen haben).
Eiselein.
i] Der Lohn für Kuppelei.
z] Der Richter ihr vor (vorerst) den Pelz erzoh und dann beide von der Stampfmülen ufstunden.
i] Für das heimliche Besorgen von Briefchen zu einem Stelldichein haben die Franzosen die Redensart: Hühnchen tragen (Porter un poulet), die einer schimpflichen Abfertigung ihre Entstehung verdankt. Wenn man nämlich in Italien jemand, den man auf der Kuppelei erwischt hatte, wippte oder mit dem Schnellgalgen bestrafte, so hing man an seine Füße zwei lebende Hühner. Dies hat folgenden Grund. Leute, die sich mit Besorgung jener Billets befassten, trugen gewöhnlich Hühner feil. Unter den Flügeln des größten oder fettesten Huhns steckte der Brief, was der Dame schon bekannt war. Der erste nun, den man bei diesem Geschäft ertappte, wurde mit dem Schnellgalgen bestraft. An seine Füße wurden zwei Hühner befestigt, die ihn hin- und herschaukelten. Während in Italien lange jede Kuppelei in dieser Weise bestraft wurde, begnügten sich die Franzosen mit der obigen Redensart. Aus Oberösterreich: 'Eine dritte, weder zur Familie des Bräutigams noch der der Braut gehörige Person, welche unter irgendeinem Vorwande sich zu den Eltern des Mädchens begibt, um das man werben will, und allmählich das Gespräch auf die Vermittelung der Heirat hinlenkt. Diese Person bekam einst, wie es noch im Volksmunde heisst, wenn es ihr gelang die Heirat >z'sammz'tragen<, zu Stande zu bringen, als Lohn hierfür einen neunärmligen Pelz, den man Kuppelpelz nannte, während man, wenn er abgewiesen wurde, sagte: Er hat die Hosen gekriegt.'
ho] Hij heeft er de gele kousen aan verdiend.

Den Kuppler straft Gott nicht für seine Lügen.
Jüdisch-deutsch, Warschau

Den Kürzern (Kürzesten) ziehen.
i] Den kürzern Halm; die Redensart entstand aus dem einst üblichen Losen mittels der Strohhalme.
la] Herbam dare.

Den Küsel dreien.
Hamburg
i] Eine Sache lenken, drehen, wenden. Kreisel Brummküsel = Brummkreisel; Hulküsel = Heulkreisel.

Den Kuss kann man zwar abwischen, aber das Feuer im Herzen nicht löschen.

Den küsse nicht, der dich verschlingen möchte.

Den Labömann schicken (o. bekommen).
Oberösterreich
i] Der Labömann, auch Löbelmann, d.i. der laba = laue Mann, ist ein Popanz aus Stroh, zuweilen angekleidet und mit Tabakspfeife, Uhr u. dgl. ausgestattet. Der Bauer des Dorfs oder der Nachbarschaft, welcher mit dem Ausdreschen zuerst fertig wird, bringt den Labömann während der Morgen- oder Abenddämmerung zu einem seiner Nachbarn, der mit dieser Arbeit noch zu tun hat. Dieser tut, sobald er fertig ist, dasselbe; und so wandert die Strohpuppe oft durch die ganze Ortschaft. Der letzte behält sie bis zum nächsten Jahr und verfährt sodann auf gleiche Weise. Mitunter wird der Puppe auch ein Bogen Papier mitgegeben, worauf Witze und Stachelreime geschrieben werden.

Den lacht kein Pfennig aus der Kiste an.
la] At mihi plaudo ipse domi simul ac nummos contemplor in arca. Horaz

Den Lahmen beschweren seine Krücken nicht.
ho] Den kreupelen overladen zijne krukken niet.

Den lahmen Hund und den Lügner ist es leicht einzuholen.
Russland
mhd] ein lügner vert wohl durch die lant, will er harwider, er wirt geschant.
bm] Chromého psa a lháře snadno dohoniti.
fr] On prend plustost un menteux qu'un aveugle ou un boiteux.
ho] Een leugenaar is ligter te achterhalen, dan een kreupele.
it] Più tosto si arriva un bugiardo, che uno zoppo.
pt] Mais asinha se toma hum mentiroso, que hum coxo.
sp] Antes toman al mentiroso que al cojo.
sp] La mentira no tiene piés.
sp] S'atrapa més aviat a un mentidor que a un coix.

Den Laien, der ein Meidlein bei ihm hat, lässt man nicht zum Abendmahl gehen; und der Priester hat das Meidlein im Haus und gaht alle Tage fast zu.
i] Die Spitze liegt in dem unbestimmten, zweideutigen Zugehen.

Den langen Glauben mit einem beten (o. treiben).
i] Von einem Gespräch oder einer Unterhaltung, wenn die Sache nicht von der Stelle rücken will. Der lange Glaube lautet aber: Wann ist der Pempemperleinstag? Wenn die Eulen bocken. - Wann bocken die Eulen? Am Pempemperleinstag. Dies wird einigemal nach Belieben wiederholt. Nach anderen ist unter dem langen Glauben der Glaube gemeint, über den keine Rechenschaft gegeben wird, der vom Köhler dem Teufel vorgebetete (Köhler-)Glaube. Der Teufel fragte den Köhler, was er glaube. 'Was die Kirche glaubt', erwiderte er. Und als der Teufel neugierig weiter fragte, was die Kirche glaube, antwortete der Köhler: 'Was ich glaube.' Gegen diesen geistreichen Glaubenszirkel vermag weder der Teufel, noch - die Philosophie etwas.

Den längst in den Strom der Zeit versenkten Geist eines Volkes wieder zu erkennen und anschaulich zu machen, ist die Aufgabe der Altertumswissenschaft.
Wilhelm Grimm, Einleitung zur Vorlesung über 'Gudrun'

Den Lasterstein tragen.
i] Das Stein- oder Lastersteintragen war eine Strafe für böse Weiber
z] Ich glaub, das kaum ein landt sey, da vngehorsame weyber inne seyen, dann in Teütschen landen ...

Den Lauch beim Blattstiel essen.
i] Etwas verkehrt machen, weil beim (Knob-)Lauch nur die Wurzel gebraucht wird.
it] Mangiarsi il porro per la coda.

Den Laufpass erhalten (o. geben).

Den Laufpass nehmen.
i] Entwischen.

Den Laufzettel bekommen.
la] Rudem accipere.

Den Läusen die Köpfe abbeißen.

Den Läusen ein stelz machen.
i] Etwas auf das künstlichste fein ausführen. Spott auf Putzsucht und Modetorheit, namentlich geiselt Murner die hohen Halskragen.
z] Wir armen leuss auch müssen klagen, das man an den hembdenkragen getter, leitern neget an, das vnser kein drauf kummen kann.
z] Die leuss hond ein gerechtigkeit, wan jn die hitz zu groß wolt sein an dem leib im busen dein, das sie steigen durch die falt auf das goller oben sitzen und nit ersticken von der hitzen. Doch will mans yetz nim steigen lon. (Der Halskragen schließt so fest, dass die armen Geschöpfe nicht durch können). Murner gibt ihnen nun Anweisung, wie sie an die frische. Luft kommen können und sagt dann: 'Jr leuss hond jr mich wohl vernummen, so braucht, als ichs euch hab erdacht, die steltzen, die ich hab gemacht.'
z] Nachdem man in Ungarn gezogen, da haben sie für die Leuss keinen bessern fund können erdencken, als Irrgärten um den Halss, dass sie also darinnen verirreten, und. sie zufrieden liessen. Darumb verzäunt man heut diese Kraussbüsch doppelhoch u.s.w.
la] Pediculis calceos faceret.

Den Läusen Irrgärten um den Hals anlegen.
i] Spott auf die hohen Halskrausen.

Den lauten Markt mag Momus unterhalten,
Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
Schiller, Das Mädchen von Orleans

Den lebenden Feind fliehen und den todten schelten, ist eines so vnlöblich als das ander.

Den Lebenden Häuser, den Toten Gräber.
Persien

Den Lebenden kränzt man kaum, die Toten möchte man krönen.
Russland

Den Lebenden versagt man ein Brett, den Toten wird ein ganzer Kasten gegeben.
Jakuten

Den Lebenden verweigert man den Tisch, den Toten gibt man eine ganze Kiste.
Mongolei

Den Lebendigen Fried, den Verstorbenen (Toten) die Ruhe.

Den lebendigen helt man lieb und wert, wenn er tot ist, tritt man ihn in die Erd.

Den Lebensfaden abschneiden (o. zerreißen).

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DEUTSCH
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