<<< Weisheiten 0443 >>>

Den Karren schmieren.
i] Eine Sache fördern, an seinem eigenen oder am Verderben anderer arbeiten.
z] Wo Einer yetz verderben will, so hilft man im fols zu dem zil, und schmiert am karren jedermann.

Den Karren vor die Ochsen spannen.

Den Käse muss eine karge (o. geizige) Hand schneiden.
ho] Om te snijden in de kaas dient een wijze en een dwaas.

Den Käse ohne Brot essen.

Den Kasten zumachen.
Ulm

Den Kater im Sack kaufen.

Den Katzenschwanz streichen.
i] Sich wie eine Katze schmeichelnd zutun. In dem Sinne wie: Den Fuchsschwanz streichen, ein Fuchsschwänzer sein.

Den Katzenschwanz ziehen.
i] Wol wie den Gänsemarsch machen, weil eine solche Reihe sich fortschlängelt wie ein Katzenschwanz.
z] Nun das ist recht, dass ihr kommt, sagten diese und zogen dann den Katzenschwanz mit ihnen durch die ganze Matte.

Den kaufleuten und bauern gebürt zu halten, was sie gereden.

Den Kaufleuten und Bauern gehört zu trauen und glauben zu halten mit dem großen haufen.

Den Kaufmann erkennt man an seiner Ware.
it] Si conosce il mercante dalla mercanzia.

Den Kauzen streichen.
i] Fuchsschwänzen, schmeicheln. Eine im 15. bis 17. Jahrhundert sehr gebrauchte, aber schwer zu erklärende Redensart. Die niederdeutsche Übersetzung des Narrenschiff versteht unter Kauzen bestimmt den Vogel: 'De de Kutzken afte ulen (Eulen) striken kann.' Man denkt an den Vogel selbst, dem man die Federn viel mehr gegen den Strich streicht. Es ist also eigentlich entweder vom Streicheln des Kauzes gesagt, den sich ein Gönner zum Vogelfang hielt und den ein Schmarotzer liebkost, um sich bei jenem einzuschmeicheln, oder gleich vom Vogler selbst, der seinen Kauz streichelt, liebkosend, begütigend. So versteht man auch die gleichbedeutende Redensart: Den falben Hengst streichen, wohl am besten ursprünglich vom Reiter; die Blume streichen, d.i. die Stirn des Rosses mit weißem Fleck, den Falken streichen, vom Falkner.
z] Mancher durch liegen wirt ein Herr, wenn er den Kautzen streichen kann und mit dem falben Hengst vmbgahn.

Den Kaviar verschenken, ehe man den Stör hat.

Den Kebsmann zum Schließer des Harems machen.

Den Kehrab machen.
z] Den allerletzten Kehrab macht der Tod.
i] Der Tod ist hier im Anschluss an die Vorstellungen des Totentanzes entweder als Pfeifer gedacht, der den Kehrab (den letzten Tanz) spielt, oder als der Tänzer, der den Kehrab tanzt, d.h. den Menschen aus dem Tanzsaal des Lebens hinaustanzt.

Den Kehraus machen.
i] In einer Gesellschaft bis zu guter letzt bleiben.
z] Du wirst doch nicht den Kehraus machen wollen, sagt die Mutter, wenn sie die Tochter vom Balle mit nach Hause nehmen will, ehe er geschlossen wird.

Den Kehraus tanzen.
i] Die Sache zu Ende bringen
la] Ad colophonem (coronidem, umbilicum) usque deducere.

Den Keil auf den Kopf schlagen.
z] Heißet das nicht wunderlich wohl getroffen und den Keil auf den Kopff geschlagen?

Den Keil aus demselben Holze schnitzen.

Den Keil mit dem Keil herausschlagen.
pl] Klin klinem wybić.

Den Kelch bis zur (bitteren) Neige leeren
en] to taste the bitter draught of sorrow to the dregs - to drink (o. drain) to the lees
fr] boire le calice (o. la coupe) jusqu'à la lie
it] bere il calice fino alla feccia

Den Kelch mit der Hefe austrinken.
i] Die Leiden vollständig erdulden.

Den Kelch trinken.
i] Etwas verschmerzen, sich einem unvermeidlichen Übel unterwerfen.

Den kenn' ich auswendig und inwendig.
i] Durch und durch.
fr] Nous nous connoissons de longue main.

Den kenn' ich von Kindesbeinen an.

Den kenn' ich wie der Bettler einen Bauernhof.
en] To know one as well as a beggar knows his dish.

Den kenn' ich wie ein Pfund Seife.
ndt] Den kenn' öck wie e Pund Sêp.

Den kenn' ich wie einen preussischen Dreier.
Wolfenbüttel

Den kenn' ick wie 'n Silberjroschen.
Berlin

Den kenn' öck wie e preusch'sche Düttke.

Den kenne ich so gut, als wenn ich ihn in der Kiebe getragen hätte.
ndt] Diän kenn' ik so gued äs wann ik'n in der Kêipe dreägen hädde. Grafschaft Mark
i] Kiepe, im Süderlande = Tragkorb auf dem Rücken, auf dem Hellwege auch ein flacher Armkorb.

Den kenne ich, als wenn ich da mit der Laterne drin gesessen hätte.
ndt] Dean kenne ick, äs wann ik der met der Löchte inne seatn hädde. Büren

Den Kern des Volkes rührst du nur mit der vollen Wucht der Wahrheit um. Darum buhle nicht um den Beifall der Lärmenden und Unruhigen, sondern sieh auf die Gelassenen und Festen, unentwegt.
Keller, Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Den Kern essen und Gott die Schale vorlegen.
i] Der Welt dienen mit der Kraft der Jugend und den schwachen, kraftlosen Rest des Lebens Gott weihen; Buße tun, wenn man nicht mehr sündigen kann.

Den Kern verlieren und die Schale behalten.
i] Schon Plautus gebraucht die Redensart in den Gefangenen, wo der Herr, von dem man Nutzen hoffte, fort und an seiner Stelle der Sklave zurückgeblieben war.

Den Kessel scheuern.
ndt] De Keißel schuren. Aachen
i] Beichten.

Den Kesselhaken aufhängen.
i] Den Hausstand eröffnen, eine neue Wohnung mit einem Schmause einweihen, den Herd begrüßen.
fr] Pendre la crémaillere.

Den kickt ennen an (der sieht einen an), as wenn he ennen gefreten het on well an den anderen begennen.
Meurs

Den Kiel nach dem andern schlagen.

Den Kierl hebben dei Schwien ut dei Bråk wäult.

Den Kierl hett de Ådebor up dei Bråk verluren.

Den Kindern Brei, den Großen Bohnen.
Russland

Den Kindern ein bös Exempel vortragen.

Den Kindern gibt man Milch und Brei.

Den Kindern g'schieht ohnedem viel Unrecht. Ist das nicht schon Unrecht genug, dass man sie für glücklich halt't? Und sie sind es so wenig wie wir, sie haben in ihren Kinderseelen alle Affekte, eine Sehnsucht, die sie mit Täuschungen, eine Eitelkeit, die sie mit Kränkungen, eine Phantasie, die sie mit Wäuwaubildern quält, und dabei haben sie nicht die Stütze der Vernunft, die uns wenigstens zu Gebot steht, wenn wir sie auch nicht gebrauchen.
Nestroy, Der Schützling

Den Kindern ihren Willen lassen, verdirbt sie.

Den Kindern muss man den Kopf brechen.

Den Kindern sitzt das Herz nicht vor dem Hintern.

Den Kindern soll man die Züchtigung nie als Züchtigung auflegen, sondern diese soll immer nur eintreten als eine natürliche Folge ihrer bösen Handlung.
Rousseau, Emile

Den Kindern soll man ihre kindische Weise lassen.

Den Kirchturm in die Mitte des Dorfs setzen.
i] Eine zum gemeinschaftlichen Gebrauche dienende Sache in die Mitte stellen.

Den Kirmeshirse auftragen.
z] Die Dorfleute tragen allzeit jhren Kirmesshirse auf und sagen, der Wirt habe einen Ring hinein gethan, man müsse mit dem Löffel tapffer hinein stechen; wer ihn bekommen werde, der soll ihn behalten.

Den Kitzel büßen.
z] Das hieß den Kützel gebüßet.

Den Kläger in den Sattel weisen.
i] Besitz einweisen.

Den Kläger soll man einmal, den Verklagten zweimal hören.
fr] Ouvre une oreille à l'accusateur, à l'accusé deux.

Den Kleinen gibt Gott kleine Gaben.

Den kleinen Kindern im Erzgebirge wird als Heil- und Schutzmittel gegen Krämpfe ein beim Abendmahl getragenes Stück untergelegt.
Aberglaube

Den kleinsten Hunden hängt man die größten Knittel an.
z] Man spricht: dem allerkleinsten Hund hängt man die großen Knittel an; und öfters haben kleine Wunden am allerwehesten getan.'

Den Kleister braucht man zum Papier, die Nadel zum Hemde.
Russland

Den Klopfer an der Tür hängen lassen.
ndt] De Klöpper op de Döhr hangen loten.
Meurs
i] Das Haus verlassen müssen.

Den Klöppel hat er, er hat nichts als die Glocke dazu vergessen.

Den Klugen ist alles klug, dem Törigen törig. Alle Dinge außer dem Menschen sind ihm Stoff und Werkzeug, die er braucht, je nachdem er Meister oder Pfuscher, Kind, Weiser, Wohltäter oder Bösewicht ist.
Goethe, An Ph. Ch. Kayser, 15.3.1783

Den klugen Landwirt erkennt man an den Wasserfurchen.

Den Klugen zieht es zum Volke, den Dummen zu seinen Verwandten.
Turkvölker

Den Knake, dei Ênem beschert öss, wat de Hund nich wegschleppe.

Den Knauf (Knopf) auf dem Beutel haben.

Den Knecht auf den Herrn setzen.
i] Wenn jemand feine Speisen und Getränke genossen hat und dann noch etwas ganz Gewöhnliches, Geringeres genieit.
ho] Sint Pieter op onz Heer leggen.

Den Knecht Ruprecht spielen.
i] Furcht erregen, einschüchternde Nachrichten erfinden und verbreiten.

Den Knittel neben den Hund legen.
z] Er saget: Ihr seyd nicht meine Freunde (aber ich muss den Knüttel neben die Hunde legen), so ihr tut was ich euch gebiete.

Den Knittel unter die Hunde werfen.
i] Vergehen rücksichtslos, ohne Ansehen der Person bestrafen.

Den Knochen kannst du einem andern Hunde vorwerfen.
i] Mit dem Knochen einen andern Hund locken.
pt] A pao duro, dente agudo.
sp] A otro perro con ese hueso. Cervantes, Don Quixote

Den Knochen, der einem beschert ist, trägt kein Katz' davon.

Den Knopf auf dem Beutel haben.
ndt] Den Knôp up den Büdel hebben.
i] Die eigene oder fremde Kasse beherrschen; auch die Mittel besitzen, sich gegen einen schlechten Zahler sicherzustellen.

Den Knopf auflösen.
i] Der Ton liegt auf 'den'. Von einem schweren Geschäft.

Den knopf hat noch keiner aufgelöst.

Den Knopf machen.
i] Kopulieren.

Den Knopf wird er nicht abbeißen.

Den Knoten, den der Narr knüpft, löset der Weise.
Russland
bm] Co hloupý zaváze, moudrý nebrzo rozváze.

Den Knoten, den geschürzt die Frauen, kann auch der Teufel nicht durchhauen.

Den Kohl der Raupen wegen (o. für die Raupen) pflanzen.

Den Kohl mit samt den Raupen kochen.

Den Kohl muss man pflanzen unter dem Himmelszeichen des Mistes und kochen unter dem Sternbilde des Specks.
Frz. Schweiz] Plianta té tson à la plianéte dou rahlion, et cuet lé à la plianéte dou bacon.

Den Kohl sparen und auch die Ziege behalten wollen.

Den Kohl, den du dir selber gebaut,
Musst du nicht nach dem Marktpreis schätzen;
Du hast ihn mit deinem Schweiß betaut:
Die Würze lässt sich durch nichts ersetzen.
Rückert, Vierzeilen

Den Kohl, den man sich selbst gebaut, muss man nicht nach dem Marktpreis schätzen.
fr] Ce n'est pas le tout que des choux il faut encore de la graisse.

Den Kolophon zu einer Sache geben.
i] Die Redensart ist dunkel und scheint soviel zu sagen, als sie zum Abschluss bringen, den Schlusspunkt setzen. Der Ausspruch ist ein ursprünglich altgriechischer militärischer Reiterterminus. Die Redensart kommt von der Stadt Kolophon an der Küste Kleinasiens her, eine der zwölf ionischen Städte, die sich durch ihre gute Reiterei auszeichneten, so dass sie durch diese Waffengattung in allen Gefechten den Ausschlag gaben.

Den Komiker und den Tragiker, beide verbindet derselbe Minderwertigkeitskomplex...
Heinrich Mann, Der deutsche Europäer

Den kömmt de Verstand as den Oss de Melk.
Deutz

Den Kompass nicht erfunden haben.
i] In dem Sinne des Schiesspulvers.
it] Non aver ritrovato la carta da navigare.

Den Kompass verlieren.
i] Die Fassung, aus dem Konzept kommen
it] Perdere la bussola.

Den König wählt man zum Richter.
[RSpW]
i] Nach mittelalterlicher Rechtsanschauung war der König als Stellvertreter Gottes auch der Vertreter der Gerechtigkeit und wurde als solcher zum Richter gewählt. Nach dieser (idealen) Auffassung konnte er nicht Unrecht tun; und tat er es gleichwohl, 'so steht fest, dass er nicht Kaiser, sondern dem mindesten gleich ist'.
mhd] Den konig küset man to richtere.

Den könnt' man mit einem Holzschlägel nicht erschlagen.
Rott-Tal bei Passau
i] Von einem gesunden und kräftigen Menschen.

Den könnte man nach Ochsenbutter schicken.
i] So einfältig und leichtgläubig ist er.

Den könnte man zum Tropschenjagen gebrauchen.
i] Von einem einfältigen Menschen. In Nordböhmen (Kamnitz) ist Tropsch ein fabelhaftes Tier, nach dem Leichtgläubige auf die Jagd geschickt werden.

Den Kopeken soll man achten, der einen Rubel erspart.
Russland

Den Kopf (o. die Ohren) hängen lassen
en] to be down in the mouth - to look crestfallen
fr] être découragé
it] perdersi d'animo

Den Kopf aus der schlingen ziehen.
i] Sich rechtzeitig aus einer gefährlichen und bedenklichen Lage herausarbeiten.
z] Der Adel, der sich zu Franzen von Sickingen verpflicht, aber den Kopf wieder aus der Schlinge zogen hat.
fr] Se tirer d'affaire, d'embarras, de péril.
fr] Tirer son épingle du jeu.

Den Kopf dazwischen.
i] Wird jemand zugerufen, wenn er mit der Tür sehr wirft.

Den Kopf des Feindes lass die Hand deines Feindes schlagen.
z] Dem Feinde muss man gefährliche Geschäfte überlassen oder ihn dazu veranlassen.

Den Kopf etwas ab, lieb Täubchen, sagte der Koch zur Taube, da drehte er ihn herunter.
en] I'll give you a turn now, as the curling-irons said to the straight hair.

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