<<< Weisheiten 0426 >>>

Dem Schwein ist Dreck teuer, dem Habgierigen das Geld teuer.
Estland

Dem Schwein keine Kirschen, dem Dummen keinen Rat.
tü] Domuza kiraz, abdala öğüt verme.

Dem Schwein muss man kein Pelz anhängen und mit Perlen schmucken.

Dem Schwein und dem Schwiegersohn braucht man das Haus nur einmal zu zeigen.
i] Sie finden nachher den Weg von allein

Dem Schwiegersohn und dem Schwein zeigt man einmal das Haus, und sie finden den Weg schon allein.
i] Man braucht diejenigen nicht erst einzuladen, die sowieso von unseren Wohltaten leben

Dem Schwur eines Spielers und eines Verliebten ist nicht zu trauen.
fr] Serment de joueur, serment d'amant, autant en emporte le vent.

Dem sê öck nich emôl möt em Arsch an.
Königsberg
i] Als Ausdruck tiefster Verachtung

Dem Seehund braucht man das Bellen nicht zu lehren.
Finnland
it] Chi di gallina nasce, convien che razz:oli.

Dem Seehunde schadet's nichts, wenn er eine Möve zur Feindin hat.

Dem seelischen Leiden sich ohne Widerstand überlassen heisst soviel, wie das Schlachtfeld verlassen, ehe man besiegt ist...
Thälmann, an Irma, November 1934

Dem sei Leid, der's übel deut't.
i] Der Gedanke, welcher durch das französische Motto des englischen Hosenbandordens ausgedrückt wird.
en] Evil be to him tat evil thinks.
fr] Honni soit qui mal y pense.
it] Chi l' ha per mal si scinga.

Dem sei wie ihm wolle, Mamsell, es ist nichts so schlimm, das das Schicksal nicht zum Guten machen könnte...
Goethe, An Friederike Oeser, 13.2.1769

Dem Seiler gerät's am besten, wenn's brav hinter sich geht.

Dem sein Asseskat steht nit mehr uf.
i] Jüdisch-deutsch
i] Solche Frechheit kommt nicht wieder. Von dem hebräischen assuth = frech, mit der deutschen Endung 'keit'.

Dem seine Krabbe send au no kane Distelfinken.
i] In Schwaben, um zu sagen, dass die Kinder jemandes nichts Besonderes sind.

Dem seine Speise stürzt, kann sie nicht alle aufraffen.

Dem Sel'gen öffnet sich das Tor des Lebens,
Der selber sich beherrscht, nicht deinesgleichen,
Dem stolzen Sohn des blutig wirren Strebens.
Chamisso, Sonette u. Terzinen: Das Malerzeichen

Dem Siege folgt Freude. Hawaii

Dem Siege folgt Freude.
Hawaii

Dem Sieger gehört die Beute (o. Welt).
i] Der Tüchtige hat den Erfolg

Dem Silber und Gold ist jeder hold.
sd] Silfver och guld är hwar man huld.

Dem Silber, Gut und Geld ist alles untertan in der Welt.

Dem sind de Haare geschnigge wurden ohne Schier.

Dem sind die Hahnen übel bekommen.
i] Von dem Heruler König Hanivicus

Dem sind die Hörner nach innen gewachsen.
Nassau

Dem sind tausend Lügen nicht an den Fuß gebunden.
Köthen

Dem sind viel Reden befohlen.
Oberösterreich
i] Er redet mehr als notwendig ist.

Dem sind wie dem Fuchs die Trauben zu sauer.
Nach Äsop,

Dem Sittich wird oft ein güldens Gebäuerlein gebauet.

Dem sittigen Weib brich ein Bein und sperr sie ein!
sp] ¡La mujer honrada la pierna quebrada y en casa!

Dem Sitzenden kommt der Schlaf.

Dem Sklaven wird der Zucker zu Essig.
i] Die leichteste Arbeit wird schwierig, sobald man dazu gezwungen wird

Dem Sohn einen Rat geben heisst in den Wind säen.
it] Consigliare il figlio, seminare al vento.

Dem Sohn einer Witwe fehlt es an Erziehung.
Arabien

Dem Sohn gib ein Weib, wenn du willst, der Tochter einen Mann, wenn du kannst.
sp] Al hijo cásale cuando quieres, a la hija cuando puedes.

Dem Sohne und dem Weibe, dem Bruder und dem Freunde
Räume nicht die Herrschaft über dich ein, solange du lebst.
Jesus Sirach, 30, 28

Dem soll es früh genug Abend werden.

Dem soll vom Teufel träumen.
ho] Hij zal van den duivel droomen.

Dem sollt mer zuhalte!
i] Nämlich den Mund, wenn der Gesang oder die Rede schlecht ist. Der Witz liegt darin, dass 'Zuhalten' im Jüdisch-Deutschen die Begleitung des Vorbeters in der Synagoge durch eine andere Stimme bezeichnet. Wenn der Vorbeter schlecht, oder ohne Begleitung sang, so ward das obige Wort, aber dann auch auf andere Verhältnisse angewandt, gebraucht.

Dem sollte man die Zunge schaben.
Rottenburg
i] Er ist sehr wählerisch.

Dem sollte man die Zunge zum Arsche hinausziehen.
Nürtingen
i] Dem Zotenredner.

Dem Sommer sind Donnerwetter nicht Schande, sie nützen der Luft und auch dem Lande.

Dem Sorglosen gehts um den Finger und nicht drein, ums Wams, nicht ins Herz.

Dem Sorgsamen bezahlt man den Preis, das Luder wird verprügelt.

Dem Sozialismus ist es während seiner ersten - homöopathischen - Phase nicht geglückt, die Landbevölkerung für sich zu gewinnen, und noch weniger, sie davon zu überzeugen, dass er die große humane Bewegung der Welt ist. War der Sozialismus vielleicht auf Kosten des Ziels zu 'human' in seinen Mitteln?
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Dem Sparer gehört ein Zehrer.

Dem Sparsamen fällt es leichter, sich ans Verschwenden zu gewöhnen, als dem Verschwender, sich zum Sparen aufzuraffen.

Dem Speisehaus-Besitzer ist es gleichgültig, wie groß dein Appetit ist.
China

Dem Sperber die Tauben zu hüten geben.

Dem Spiel der Kräfte sich nicht entziehen, vielmehr minutiös empfindlich, empfänglich dafür sein und es regulieren, nichts als regulieren: ist Demokratie.
Fliegende Blätter

Dem Spitzbuben brennt der Hut.
Schlesien
i] Er hat Eile bei seinem Geschäft und verrät sich dadurch leicht, indem er die erforderliche Vorsicht versäumt.

Dem Spitzbuben scheint es, als sei jedermann sein Gefährte.
fr] Il semble à un larron que chacun lui est compagnon.

Dem Sporn folgt das Pferd, auf den Pfiff die Hunde hören; den Bauern aber kann nur der Stock belehren.
it] Allo sprone i cavalli, al fischio i cani, e al bastone intendono i villani.

Dem Spottenden Späne, dem Lachenden Fransen.
Estland

Dem Spötter regnet's auch zuweilen in die Blumen.

Dem spötter rinnet der spott in seinen eignen Busen.
fr] Les moqueurs sont souvent moqués.
fr] Souvent les railleurs sont raillés.
un] Az ollyan, a' ki mást ki nevet, konnyen ki nevettetik.

Dem spukt's in der Fechtschul'.
Ulm

Dem Stachelschwein macht das spitze Gras nichts aus.
Afrika

Dem Stadtbuch steht zu glauben, wie den Stadtbriefen.
z] Die ältesten Urkunden haben ihre Beweiskraft davon, dass sie vor offenem Gericht und vor versammelter Gemeinde entstanden und meist die Briefform enthielten. Getreuer Leute Brief und Siegel beweisen wenig vor dem Reiche. Noch heute machen die Urkunden einer vom Staate als öffentliche Behörde gesetzten oder anerkannten Person oder Gemeinheit, die sogenannten gesiegelten Briefe volle Gewissheit, sogar mit Ausschluss des Gegenbeweises. '
mhd] Wan dem statpuech zu glauben ist als den statbriefen.

Dem Stammelnden ist schwer zu trauen.
la] Balbanon credit.
la] Balbus balbum rectius intelligit.

Dem Starken kann man tüchtige Arbeit zumuten.

Dem Stärkeren weich', halt dich an deinesgleich'.
fr] Contre le pot de fer se prise le pot de terre.
fr] Contre un plus paissant que soi, on ne dispute pas sante perte.
fr] Le brouillard ne peut se dissiper avec un éventail.
it] Chi piscia contro il vento, si bagna i calzoni.
sd] Wijk den större.

Dem stärksten Tiere die stärkste Last.

Dem stecken Gerstengrade noch im Halse.
Oberösterreich
i] Die Gerstenähre hat Grade, Gräten. Von jemand, der vom gestrigen starken Biergenusse Katzenjammer hat.

Dem Stehenden wird's sauer, mit dem Sitzenden zu reden.

Dem stehet kein Nagel zu nahe.
z] Dem gehet alles nach seinem Sinne und Herzen.
z] Also gedenken wir, wenn wir Christo angehören, so wird's uns auch gehen nach unsers Herzen Wunsch und Beger, und kan uns kein Nagel zu nahe stehen.

Dem Stein sei es geklagt (auch: gesagt).

Dem Sterbenden ist der Ozean nur knietief.
Tamil, Indien

Dem sterbenden Töpfer gelten die Töpfe nur als Scherben.

Dem Sterlet nützt es wenig, dass er auf des Kaisers Tisch kommt.

Dem Stiere, der gern stößt, wachsen kurze Hörner.

Dem stinkt der Ärmel.
Westfalen
i] Von schlechtem Ruf.

Dem Stocke muss der Hund sich fügen, dem Manne soll ein Wort genügen.
it] Il baston è per i cani, le parole per i cristiani.

Dem Stolpern folgt leicht das Fallen.

Dem Stolzen ist Frau Venus hold.
ho] Den stouten is Venus gunstig.

Dem Storch den Froschteich in Verwahrsam geben.
Russland

Dem Storch gefällt sein Klappern wohl.
i] Von Eitelkeit

Dem Storch gegenüber haben die Frösche eine beschränkte Souveränität.
Fliegende Blätter

Dem Storche flohen.
i] Dem Storche die Flöhe suchen. Wird in der Gegend von Bolkenhain und Landeshut in Schlesien gebraucht, um unnütze Arbeit zu bezeichnen.

Dem störrischen Esel einen groben Eseltreiber.
fr] À rude áne, rude ánier.

Dem stoßet kein saurer Wind unter die Augen.
i] Er hat gute Tage.

Dem Strauß ein Sperlingsei unterlegen.

Dem Stroh komme nicht mit Licht zu nahe.
la] Ad movere ignem stipulae, non tutum.

Dem Sultan tat der Bauch weh, da gab man dem Wesir ein Klistier.

Dem Sumpfe klares Wasser abverlangen.
Russland

Dem Sumpfwasser ist nicht zu trauen.

Dem Tage die Augen ausbrennen.
Steiermark
i] Wenn jemand bis in den lichten Tag Kerzenlicht brennt.
ndt] Oen Tag d' Auga ausbrenna. Oberösterreich
ndt] Sticke den Dag nich an.
ndt] Wir warn êgen am Tage die Ôgen aussloichten.
z] Du undööf'lke Schlunsser (= übermäßig verschwenderische Vettel), dô de Lucht ût; sühst du nich, dat de Sünne al u äwern Tûn kickt?

Dem Tage dient der Journalist, vom Tage hat er seinen Namen.
Hugo von Hofmannsthal

Dem tapferen Herzen ist nichts unmöglich.
fr] À coeur vaillant rien d'impossible.

Dem tapferen Manne (genügt) ein kurzer Degen.
i] Der geschickte weiß sich mit geringen Mitteln zu helfen
fr] Á vaillant homme courte épée.

Dem tapferen Soldaten wird das scharfe Schwert gegeben.
China

Dem tapfern Mann,
Der wohlgestritten, lohnt mit Recht ein edles Wort.
Sophokles, Trachinierinnen, II, 224/25 (Lichas)

Dem tätigen Menschen kommt es darauf an, dass er das Rechte tue, ob das Rechte geschehe, soll ihn nicht kümmern.
Goethe, Maximen und Reflexionen 100

Dem Tauben ein Liedlein singen (o. lehren).
i] Ein Märchen erzählen.
dä] At synge to viiser for den døve.

Dem Tauben ist gut predigen.

Dem Tauben soll man nicht fluchen, noch dem Blinden einen Anstoß in den Weg legen.

Dem Tauben werden nicht zweimal die Glocken geläutet.
Estland

Dem Taugenichts ist große Spürkraft eigen,
Wenn sein Verstand auch noch so fadenscheinig;
Denn sieht er zwei sich unterreden, denkt er:
Die sind gewiss, um mich zu schelten, einig.
Saadi, Sinngedichte

Dem Taumel weih ich mich, dem schmerzlichsten Genuss,
Verliebtem Haß, erquickendem Verdruß.
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1766

Dem Tauscher bleiben die Zäume.
Estland

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