<<< Weisheiten 0042 >>>

Alles Süße gilt den Beduinen als Dörrfeigen.
Arabien

Alles taugt nicht zum Essen, (über) alles geziemt es sich nicht zu sprechen.
Estland

Alles taugt nicht zum Essen, was man mit den Augen sieht.
Estland

Alles taugt zu essen, was im Mund nicht schreit.
Estland

Alles Tragische beruht auf einem unausgleichbaren Gegensatz. Sowie Ausgleichung eintritt oder möglich, schwindet das Tragische.
Goethe, F. v. Müller, 6.6.1824

Alles trägt dazu bei, einem zur Herrschaft über andere erzogenen Menschen jedes Gefühl für Gerechtigkeit und Rechenschaft zu rauben.
Rousseau, Contrat social

Alles trägt Pelzmützen, und er redet vom Schwitzen.
i] Er behauptet ganz unwahrscheinliche Dinge, wie z.B. nicht zu frieren, oder gar, zu schwitzen, wenn man bald erfrieren möchte.
fr] C'est un menteur d'hiver.

Alles Transparent, sagte der Wirt, bei der Illumination; da konnte man durch die Fleischschnitten hindurchsehen.

Alles trauert, du bist lustig.
la] Lugent cuncta, tu laetus es.

Alles Tun auf Gott gebaut, keinem Menschen recht getraut, nicht zu groß und nicht zu klein, höflich, doch nicht zu gemein, viel Geduld bei wenig Geld, so kommt man fort in aller Welt.
Obersulzbach in Mittelfranken

Alles tun zu seiner Zeit;
Sonntagsarbeit nicht gedeiht.

Alles Übel des Menschen kommt davon, dass er nicht allein sein kann: daher der Hang zu Spiel, Luxus, Zerstreuung, Wein und Frauen, daher Unwissenheit, Lästersucht, Missgunst, Selbstvergessen und Lauheit gegen Gott.
La Bruyère, Vom Menschen

Alles Übel kommt von dem, was die Jugend nicht weiß und das Alter nicht kann.

Alles Übel kommt von oben.
z] Wie der Meister, so der Geselle.

Alles Übel kommt von Spanien, alles Gute vom Norden.
Spanien

Alles Übel nimmt ein Ende.
bm] Zlého se sprostis, a i smutku se zhostis.

Alles über die Klinge jagen (o. springen lassen).

Alles über einen Kamm scheren
i] Aus der Barbierstube entlehnt, wo man den Kamm nach der Person, die sich das Haar schneiden ließ, oder nach dem Masse der Haare, das verlangt wurde, wählte. Die Redensart stammt, wie viele andere, aus den alten Badestuben. Das vexare liegt übrigens nicht notwendig darin, es heisst auch: alle ohne Rücksicht gleich behandeln, wie ein Bader, der für alle Kunden denselben Kamm nahm.

Alles über einen Leisten machen (o. schlagen, ziehen).

Alles Übermaß ist schädlich und verderblich.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Alles Übertriebene ist vom Übel.
Goetz, Der Lügner und die Nonne

Alles überwindet der Mensch, aber nur, wenn die Überwindung für ihn eine Notwendigkeit ist - alles vermag er, wenn er muss.
Feuerbach, Tagebuch 1834-1836

Alles übrige, alle Verbrechen könnten wir hinnehmen; aber diese Kälte des Herzens ist das Schlimmste...
Rolland, Die Vorboten

Alles um der Wurst willen.

Alles um Liebe!
Goethe, J. G. v. Zimmermann, September 1775

Alles ums liebe Geld.
ho] Om gelds wille is 't al te doen.

Alles umsunst, das schafft kein Gunst.

Alles Unangenehme soll man vielmehr höchst prosaisch und nüchtern auffassen, damit man es möglichst leicht nehmen könne.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen

Alles Unbekannte gilt für groß.
Tacitus, Agricola

Alles und sonst no Einiges.
Ulm

Alles under der Nasen einschießen.

Alles ungebildete Denken ist übertriebenes Denken.
William Butler Yeats, Entfremdung

Alles Ungewöhnliche hindert die Leute, so zu leben, wie sie wollen.
Maxim Gorki (1868-1936), Wladimir Iljitsch Lenin

Alles Unglück fahet sich in Gottes namen an (in nomine Domini).
i] Und so beginnen auch die päpstlichen Bullen.
z] Daher man gewöhnlich spricht: Alles Unglück fahet sich in Gottes Namen an, und in Gottes Namen schlug jener Bauer seinen Knecht zu tot.
z] Haben diese 16 Nonnen auch angefangen in nomine Domini Krüg und Häfen zerbrechen und gute scherben zu machen.

Alles Unglück ist gut, wenn man Brot dabei hat.

Alles Unglück ist im Krieg.
la] Nulla salus bello.

Alles Unglück kommt durch den Mund.

Alles Unglück, das aus den geschlechtlichen Beziehungen, aus den Verliebtheiten entsprungen ist, kommt nur daher, dass wir die fleischliche Wollust mit dem geistigen Leben, mit - schrecklich zu sagen - der Liebe vermengen; wir brauchen unseren Verstand nicht dazu, diese Leidenschaft klar zu beurteilen und zu bestimmen, sondern dazu, sie mit den Pfauenfedern der Geistigkeit auszuschmücken.
Tolstoj, Über die Ehe

Alles Unheil dieser Welt kommt vom falsch verteilten Geld.

Alles Unheil rührt von unserer riesenhaften Unwissenheit her. Was man studieren musste, wird ohne Diskussion geglaubt. Statt zu erwägen, bestätigt man.
Flaubert, an George Sand, 31. 3. 1871

Alles Unnatürliche ist unvollkommen.
Frankreich

Alles unter einen Hut bringen (o. bringen wollen).
i] Alle Meinungen und verschiedene Ansichten vereinigen.

Alles untereinander mengen.
la] Mare coelo miscere (confundere ).

Alles untereinander werfen, wie ein Schuhmacher die Leisten.

Alles upp't Lîv (Leib) hängen.
i] Sein Vermögen auf Kleider verwenden.

Alles verändert sich mit der Zeit.
Estland

Alles verändert sich um uns her. Wir selbst verändern uns, und keiner ist sicher, morgen das noch zu lieben, was ihm heute gefällt. So sind alle unsere Entwürfe der Glückseligkeit nichtige Hirngespinste.
Jean-Jacques Rousseau, Träumereien eines einsamen Spaziergängers

Alles Verborgene kommt an den Tag.
Matth. 10, 26
bm] Tajne sám bůh soudí.

Alles Verbotene ist süß.
Ägypten

Alles verdeckt er, wie die Otter die Füße.

Alles verdienet Reim und Fleiß,
wenn man es recht zu sondern weiß.
Goethe, Zahme Xenien V - Kein Stündchen...

Alles Vergangene ist Traum und Schatten.
Karamsin, Reise durch Deutschland

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis...
Goethe, Faust II A V, Bergschluchten
Chorus mysticus Vs 12104

Alles vergeht, der Glaube besteht.

Alles vergeht, die Kunst besteht.
la] Nil non mortale tenemus pectoris exceptis ingeniique bonis.

Alles vergeht, doch die Kunst erfreut und erhebet den Menschen;
Wenn er längstens nicht mehr, zeugt sie noch rühmlich von ihm.
König Ludwig I. von Bayern, Tempel der Juno vom Girgenti

Alles vergeht, Gottes Liebe besteht.
fr] Tout se passe fors que aymer Dieu.
sd] Alth forgaar wtan gudz miskundh.

Alles vergeht, Tugend besteht.
mhd] Sint daz ez allez sus zergât, daz aldiu werlt ze handen hât, niht mêr bestât niur tugend tât.
dk] Alt forganger uden Guds naade.
la] Viret post funera virtus.

Alles vergeht. Neues entsteht. Immer sich wandelnd in irrendem Schweifen
Verläuft des Menschen Leben.
Euripides, Hippolytos

Alles vergeht; doch wird Schönes allein so beweint.
Platen, Verfall

Alles verlangt seine Zeit.

Alles verläuft wohl geordnet.

Alles verloren, nur die Ehre nicht.
fr] Tout est perdu hors honneur.
i] Dies Wort sollte Franz I. von Frankreich nach der unglücklichen Schlacht von Pavia gesprochen haben; die spätere Zeit hat nachgewiesen, dass es ihm, wenigstens in dieser Form, zu Unrecht zugeschrieben wird. Es soll in einem Briefe an seine Mutter enthalten sein. In dem von Dulaure aufgefundenen und in dessen Geschichte von Paris abgedruckten Briefe heisst es: 'Sie zu benachrichtigen, welches der Ausgang meines Unglücks ist, so ist mir von allen Dingen nur die Ehre und das gerettete Leben geblieben.'

Alles vermag der Mensch; nur sich selbst in den Hintern beißen: das kann er nicht.

Alles vermag die Zeit, die mit leisem Fuß vorübergeht.
la] Cuncta potest igitur tacito pede lapsa vetustas.

Alles Vernünftige hat seinen Ausgangspunkt und sein Ziel: die Bewegung ist die Äußerung des Lebens, das Ziel ist der Sinn des Lebens.
Belinski, Über das Buch 'Leitfaden für das Studium der Geschichte der Neuzeit'

Alles versaufen bis ans End' (o. versoffen vor seinem End'), macht ein richtig Testament.

Alles verschlimmert sich unter den Händen der Menschen!
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,14

Alles verstehen heisst alles verzeihen - das wäre sehr edel gedacht und gesagt. Nur schade, dass das Verzeihen neunundneunzigmal unter hundert aus Bequemlichkeit und höchstens einmal aus Güte geschieht; und dass die Güte unter hundert Fällen neunundneunzigmal keineswegs in Reichtümern des Herzens, sondern vielmehr in Mängeln des Verstandes ihre Ursache zu haben pflegt.
A. Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Alles verstehen heißt alles verzeihen.
Frankreich
fr] Tout comprendre, c'est tout pardonner. (Wird auf Frau von Stails Roman »Corinne « zurückgeführt)

Alles verstehen wollen, heisst, nichts begriffen zu haben.

Alles verstehen, heisst alles verzeihen.
fr] Tout comprendre, c'est tout pardonner.

Alles vertan (o. verzehrt) vor seinem End', macht ein richtig Testament.
var] Alles versoffen bis ans End' macht ein richtig Testament.

Alles vertraue, nur keine Heimlichkeit.

Alles verzehren vor seinem End', macht ein richtig Testament.
fr] Grande chère et petite testament.
ho] Even op, en de kleêren voor de doodschuld.
la] Cuncta manus avidas fugient haeredis, amico quae dederis animo. Horaz

Alles verzehrt die Macht der Zeiten.
Sophokles, Aias, 680 (Chor)

Alles vollauf.
la] Cornu copiae.

Alles Vollkommene in seiner Art muss über seine Art hinausgehen, es muss etwas anderes, Unvergleichbares werden. In manchen Tönen ist die Nachtigall noch Vogel, dann steigt sie über ihre Klasse hinüber und scheint jedem Gefiederten andeuten zu wollen, was eigentlich singen heiße.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,9

Alles von Adam und Eva beginnen.
i] Weit ausholen, vom ersten Anfang an beginnen.

Alles Vornehme ist eigentlich ablehnend...
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Alles Vortreffliche beschränkt uns für einen Augenblick, indem wir uns demselben nicht gewachsen fühlen, nur insofern wir es nachher in unsere Kultur aufnehmen, es unsern Geist und Gemütskräften aneignen, wird es uns lieb und wert.
Goethe, Maximen und Reflexionen 348

Alles Vortreffliche erblühet aus dem Rechten und Wahren.
C. Brentano, an Bettine

Alles Vortreffliche ist selten und schwierig.
Spinoza, Ethik

Alles Vortreffliche ist selten.
la] Omnia praeciara rara.
Cicero, Laelius

Alles Vorzügliche kann nur für einen unendlichen Kreis arbeiten, und das nehme denn auch die Welt mit Dank an und bilde sich nicht ein, dass sie befugt sei, in irgendeinem anderen Sinne zu Gericht zu sitzen.
Goethe, Rameaus Neffe, Anmerkungen - Rameaus Neffe

Alles wahre Aperçu kommt aus einer Folge und bringt Folge. Es ist ein Mittelglied einer großen, produktiv aufsteigenden Kette.
Goethe, Maximen und Reflexionen 416

Alles wahre Erkennen und Wissen muss doch am Ende darauf hinausgehen, das zu erreichen, was der Mensch, seinem Vermögen, das Universum zu erfassen und selbst mit umzuschaffen, nach, wirklich ist.
W. v. Humboldt, An Fr. G. Welcker, 25. 9. 1823

Alles wahre Wissen widerspricht dem gesunden Menschenverstand.
Creighton

Alles währet eine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
bm] Vseho do času, pán bůh na vĕky.

Alles wahrhaft Biographische, wohin die zurückgebliebenen Briefe, die Tage' bücher, die Memoiren und so manches andre zu rechnen sind, bringen das vergangene Leben wieder hervor, mehr oder weniger wirklich oder im ausführlichen Bilde.
Goethe, Aus meinem Leben. Paralipomena

Alles wahrhaft Geistige, alles, woran die Seele wirklich teilhat, führt zu Gott zurück, zur Frömmigkeit. Die Seele vermag sich nicht zu regen, sie kann nicht erwachen, nicht die Augen aufschlagen, ohne Gott zu empfinden. Man empfindet Gott durch die Seele wie die Luft durch den Körper.
Joubert, Gedanken und Maximen

Alles wahrhafte Leben hat ein Ziel.
Bettina von Arnim (1785-1859), Die Günderode

Alles währt nur eine Weile.
fr] Toute chose n'a qu'un temps.

Alles wanket, wo der Glaube fehlt.
Schiller, Wallensteins Tod, II, 7 (Max)

Alles war nur ein Spiel! Ihr Freier lebt ja noch alle,
Hier ist der Bogen und hier ist zu den Ringen der Platz.
Goethe, Xenien 414 - An die Freier

Alles war so still, so still. Nur die Feder kratzte das Lebewohl an die Heimat und die Freunde aufs Papier.
Fridtjof Nansen, In Nacht und Eis

Alles wäre gut, wäre kein Aber dabei.
fr] C'est là le hic!

Alles was daher von mir bekannt geworden, sind nur Bruchstücke einer großen Konfession, welche vollständig zu machen dieses Büchlein [Dichtung und Wahrheit] ein gewagter Versuch ist.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7

Alles was dick ist, heisst Mönch, und alles was dünn ist, heisst Nonne.
Fontane, Cécile

Alles was ich über den Kuckuck gehört habe, gibt mir für diesen merkwürdigen Vogel ein großes Interesse. Er ist eine höchst problematische Natur, ein offenbares Geheimnis, das aber nichtsdestoweniger schwer zu lösen, weil es so offenbar ist. Und bei wievielen Dingen finden wir uns nicht in demselbigen Falle!
Goethe, Eckermann, 8.10.1827

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